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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewebsel bis gewegen (Bd. 6, Sp. 5394 bis 5395)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewebsel, n., neuere bildung zu websal (s. d.):

doch die seltsamste sache dünkte dem Sigfrid
ein weiches gewebsel, zusammengewickelt
und eben nur armdick, doch anderthalb ellen
vom sattel hängend auf beiden seiten.
das rollt er aus neugier rasch auseinander:
es war ein gewand wie von spinnengewebe,
kaum fühlbar dem finger, doch fest wie stahldraht.
Jordan Sigfridsage, 3. gesang (s. 88).


 
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gewebt, participiales adjectiv, jüngere participialform zu weben, vgl. oben geweben: gewebet, gewürcket, textus, textilis. Henisch 1595. ebenso Rädlein 1, 382a. Aler 935. Bayer 291a. Steinbach 950 u. a.; beauftrage doch Bellin, dass er sich von der mamsell diejenigen feinen hemden geben lässt, welche noch von mir dort sind, und 1 duzzend gewebte strümpfe. Bismarck (an seinen bruder 1846), s. Kohl Bismarckbriefe 39.
 
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gewechselt , particip praet. zu wechseln (s. d.).
1) der attributive gebrauch: die hin und wieder gewechselte schreiben. E. F. v. Wetzhausen waarheit allgemeiner kirchen (1652) A 4a; es ward derohalben dieselbe (die mutuelle correspondentz) auf einen festen fusz gesetzet, ... dasz die damahls gewechselte schreiben so junger personen zur beschämung vieler erwachsenen gebraucht werden konten. Zinzendorf kl. schriften 611; Natalie legte ihm die gewechselten briefe vor. Göthe (W. Meisters lehrjahre 8, 4) 20, 183; nach einigen gewechselten complimenten ... sagte dieser. Stillings häusl. leben 164; nach einigen hin und wieder gewechselten komplimenten setzte sich also don Eugenio zu der jungen dame in den wagen. Wieland (Sylvio von Rosalva 4, 3) 11, 289.
2) eine isolierte bedeutung, die nur dem particip zukommt, findet sich in der handwerkersprache, wo er unmittelbar auf das substantiv zurückführt: gewechselt nennt man einen balken, der nicht von einer mauer bis zur andern reicht, und auf dieser aufliegt, sondern von seinen nebenbalken dadurch getragen wird, dasz in diese ein wechsel eingezapft wird, in welchem der gewechselte, richtiger aber der abgetrumpfte balken gleichfalls mit zapfen ruht. Helfft wb. d. landbaukunst 143.
 
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geweckt I , participiales adjectiv zu wecken (s. d.): mochten wir uns auch sagen: dieser letzte feind kann siege, aber keine dauer mehr erringen, denn er musz ein gewecktes bedürfnisz (nach einigkeit) wieder ersticken, welches nicht eine parteifrage, sondern das bedürfnisz eines volkes ist, er musz die endlich gefundene deutsche nation wieder ersticken. Laube 1. deutsches parlament 2, 309. in der neueren sprache wird das particip gelegentlich sowol für aufgeweckt als auch für auferweckt, erweckt (vgl. theil 3, sp. 1048) gebraucht.
1) ein geweckter knabe, junge; vgl. ein geweckter kopf, ein munterer patron. Th. Mann Buddenbrooks 1, 109.
2) der pietismus hatte eine anzahl geweckter zusammengeschlossen. G. Freytag (bilder aus der d. vergangenheit 4, 1) 21, 69; vgl.erweckte seelen Zinzendorf kl. schriften 406 u. a.; aufgeweckte gemüther Spener kl. geistl. schriften 622 u. a.
 
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geweckt II , eine von dem substantiv weck unmittelbar abgeleitete bildung der heraldischen sprache: geweckt in den wappen, gall. fuselé, fusis oder cuneis distincium, schräge creuz-linien, machen solche an zwei enden spitzige feldlein. Frisch 2, 427b; ebenso Chomel 4, 1041.
 
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gewecktheit, f., substantivbildung zu geweckt I, 1: aber es lag eine besondere gewecktheit in der harrenden (Marann') und wie sie immer hinaushorchten, um ihren sohn kommen zu hören, so war sie eigenthümlich wach. Auerbach barfüszele ges. schriften 9, 72.
 
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gewef, s. DWB gewäff.
 
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gewege I , s. DWB gewäge.
 
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gewege II, n., verbalsubstantiv zu wegen, bewegen (s. d.): als denn habt ihr euere brechstangen, brecheisen, ziegenfüsse u. gewege, damit ihr die wände abwegt (durch bewegen ablöst) u. werffet. Mathesius Sarepta 12, 545, vgl. Göpfert sprache d. S. 36. vgl. auch Frisch 2, 415.
 
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gewegen, verb. in der älteren sprache sind mehrere infinitive in dieser form bezeugt, vgl. DWB gewegen neben wegen, althochd. wegan, librare (s. Graff 1, 655. mhd. wb. 3, 634a); vgl. DWB gewegen neben wegjan, movere (Graff 1, 658. mhd. wb. 3, 644a, s. DWB bewegen) und neben wegôn, intercedere (s. Graff 1, 661. mhd. wb. 3, 640b); vgl. endlich die unmittelbare ableitung zu weg (gewegen noch gebrücken noch gestegen. Trist. 11815). mhd. wb. 3, 640a. fast in allen fällen ist hier an stelle des präfixes ge frühzeitig be getreten,

[Bd. 6, Sp. 5395]


vgl. DWB bewegen theil 1, sp. 1768 ff. in die neuere sprache reichen nur verwendungen von gewegen = movere: da berietten si sich das si ainen stain der in dem mittel lag aufheben und verpäuen wolten, und da in zwen oder drei nit gewegen. mochten da fgten sich mer z in. Gregor, dialoge (Augsburg 1473) 2 cap. 9; da flugen zwen adler und vielen in das banner, das man darvon gewegte. Muglein Valerius Max. 11b (1488);

ein baum, den man nit gewegen mag.
S. Brant narr. g 5;

'nit ain herel drumb geben oder gewegen'. Aventin (rudimenta grammaticae) werke 1, 482.
 
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gewegen , partisipiales adjectiv zu wegen (s. mhd. wb. 3, 626b), wägen (s. d.). entsprechend den lautlichen veränderungen und ausgleichungen, die das formensystem dieses verbums in der neuhochdeutschen periode trafen, ist auch die participialform gewegen durch gewogen (s. d.) verdrängt worden; nur in verwegen hat sich die alte form gehalten. für die form gewegen liegen aus der älteren zeit der neuhochdeutschen periode noch manche zeugnisse vor. in ihnen sind die letzten reste der mannigfaltigen functionen erhalten, die sich einstmals alle in der form gewegen zusammengefunden haben.
1) in der grundbedeutung wird das particip mundartlich als isoliert vom verbalgebrauch belegt: gewegen, adj. und adv., gleichmässig, gerade, genau. Unger-Khull steir. wortschatz 290. dazu vgl. aus der älteren sprache:

daʒ rockenbrot quam in die schale
unde ructe nider sie zu tale,
daʒ die selbe schale
zu dem selben male
wol gelich stunt gewegen. passional 140, 13 Köpke;

luten vil genugen,
die durch gut zu im slugen
und ouch gut da vunden.
mit wol gewegenen pfunden. 509, 18;

gewegen gold, appensum aurum. Maaler 178a.
2) zahlreicher sind die zeugnisse für den übertragenen gebrauch, der sich in der mittelhochdeutschen periode vielverzweigt zeigt und erst später der uns geläufigen bedeutung zustrebt.
a)

swaʒ aber ieman dâ gestreit
in al der Kriechen ritterschaft,
der het an prîse cleine craft
und wart gewegen ringe
an lobe und an gelinge
biʒ an die wirde manger slaht,
die Protheselaus ervaht.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 25909;

mir so kürtz fürgehabender und doch gewegender antwurt, an in begert. M. v. Rastatt bei Steinhausen privatbriefe (1484) 1, 260; wie wir in der bauren auffrr ein gewegen exempel gesehen haben. S. Franck chronika 40a; mit sölichem züg sol gerüstet sin, der z diser himmelischen wiszheit (deren keine verglicht, ich gschwig glich gewägen werden mag) inbrechen wil. U. Zwingli wie man die jugendt ... ufferziehen ... sölle s. 10 neudr.; wie viel mehr soll man die gantze zeit uber jres regiments, eine historien von allen, oder zum wenigsten von den gewegensten sachen fassen, und den nachkomen hinder sich lassen. Luther (vorrede auf die epistel an die Galater) 6, 532a. vgl. auch briefe 5, 249.
b)

ein helt, geheiʒen Perseus,
des lîbes ein bewæret degen,
wart in derselben schar gewegen
für mangen ritter hôchgeborn
Konrad v. Würzburg troj. krieg 30166;

vünf hundert rîter gewegen
schuof er zuo dem küenen degen
under sîne banir. Mai u. Beaflor 113, 9;

die allertiuristen man,
die der von Berne mohte hân,
die wurden gewegen in den strît. Dietrichs flucht 9601 (deutsches heldenbuch 2, 206b);

sie meintent Joseph wer nit so ein hoch gewegner man das man im glauben solt. Geiler v. Keisersberg evangelien 62a; die landrichter bahnenführer und sonsten zween der gewegesten von rittern und knechten. Schütze Preuszen 138; waren och di Knauten di gwegsten von adel in Duringen bi lantgrafen Albrechten. excerpta saxon. bei Mencken scriptores 2, 1487.
c) is was indes keiser Conradt gestorben, der om (Ludwig) gewegen was unde on ssere schutzte. Joh. Rothe dür. chron. cap. 346 Liliencron;

der gantz adel ist mir gewegen,
thunt nit fast nach meim bruder fregen.
Hans Sachs (Jocasta) 8, 50 Keller;

dann in macedonischem reich
hett sie noch viel freundt gwaltigkleich,
die ir wol woltn, warn ir gewegen
von irs sons Alexander wegen. (Olimpias) 8, 693;

[Bd. 6, Sp. 5396]


ir uns also gewegen und holt seindt. Aimon f; die dem herren gewägen worent und geneigt. G. v. Keisersberg postill 2, 209; der unser sachen fast gewegen, hold und geneigt sein sol. Spalatin bei Luther Jenaer ausg. 5, 34b; der Tiberius war dem Druso derhalbin gewegener, dieweil er sein eigener son. Micyllus Tacitus 51a; wöllest meiner müh im bästen gewegen sein. Herold Dictys 1; doch stelten wir uns als wer uns sein freundtschafft gewegen und angnäm. S. Franck weltbuch 230b; disz land ist dem vieh meer dan dem treid gewegen und fügsam. 61b; gewegen, hold, favorisant, bening, bien vueillant, portant une bonne affection. einem (gewogen) sein, favoriser aucun. Hulsius dict. teutsch u. frantz. (1614) 163b (fehlt in der älteren ausgabe), ebenso (1616) 138a; gewegen, huld, s. DWB gewogen. Henisch 1595. ähnl. Rädlein 382a; g'wegen, adj., gewogen, geneigt. Neubauer Egerländer mundart 68.

 

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