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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
geweben bis gewecktheit (Bd. 6, Sp. 5393 bis 5394)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweben, participiales adjectiv, die ursprüngliche participialform zu weben, die später unter dem einflusz schwacher flexionsformen durch gewebt verdrängt wurde. eigentliche isolierte bedeutung läszt sich für das particip nicht belegen; es ist mehr die form, der beachtung zu schenken ist: si sullent ouch alle von disshin die saltzseck mâchen anderhalb eln lang und drier fierdling breit und dik geweben. Züricher stadtbücher 1, 387; darzwischen wann sie (d. kinder) ein wenig erwachsen, unnd gehen kónden, machens inen fliegende röcklein ausz zartem gewürck an, darein mehrerlai farben geweben. Rauwolf reise in die morgenländer 89;

der fürhang in der kirch' auffs künstlichste geweben
mit schönem scharlachroth, hat einen krach gegeben.
Opitz teutsche poemata 190 neudr.;

scutula, toga scutulata, gericht kleid, klein rund geweben wie ein spinnwep. Eras. Alberus novum dict. genus (1540) Kib; gewäben Maaler 178a; geweben Hulsius (1605) 63a; gewäben Frisius (1616); die schwache form des particips (gewebt, s. d.) ist zuerst bei Henisch angemerkt und setzt sich bald fest. schon im 17. jahrh. sind es nur noch oberdeutsche wörterbücher, die die starke form buchen, so Schönsleder, Dentzler u. a.
 
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geweber, n. , verbalsubstantiv zu weberen (s. d.), vgl. auch geweberen. wie in der iterativbildung zu weben (weberen) die ursprüngliche bedeutung des verbums ('sich hin und her bewegen') am anschaulichsten zur geltung kommt, so hält auch das verbalsubstantiv diese bedeutung fest. erst in abgeleiteten verwendungen nähert auch dieses sich der sachbedeutung.
1)

Berhter und Berhtwin und der küene Albrant,
die falten manigen toten nider uf daʒ lant;
also die wilden eber sach man sie howende gan,
in dem strit was gros geweber, do starb manig man. d. grosze Wolfdietrich 1988, 4 Holtzmann;

ich trug das gerint Welsch gepent, das must ich ir geben, das geleisent mit dem geweber, und must ir das aufsezen und ein samet anlegen. Anna v. Brandenburg an ihren gemahl (1475) bei Steinhausen privatbriefe 1, 141; gewebe, gewebber, das hin- und herfahren, geläufe, gewimmel (Aschaffenburg. Schmeller 22, 830; geweber (rhein.) thätigkeit Kehrein volkssprache in Nassau 1, 162.
2) übergang zur sachbedeutung. knäuel in der verbindung schlangengeweber, vgl. schlangengewinde:

so wern wir itz noch wie die heiden,
wurden vergleicht den frummen leutten,
die bei des herren Christi zeiten
angesehen wurden fur ein wunder,
nit waren, wie die andern, sunder,
und wurden doch vil anderst gnent
von dem, der alle hertzen kent,
als heuchler, gleiszner, gtonchte greber,
ottern gezicht und slangen gweber.
blinden leitter, gotlosz buben,
die alles furn ins teuffels gruben.
B. Waldis streitgedichte 21 neudr.


 
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gewebern, verb., s. DWB geweber: auch hat ich selber willen bi uch zu riden, da viel mich ein swacheit an, daʒ ich nit geweberne kunde (1411). reichstagsacten 7, 162 Weizsäcker, vgl. Lexer nachtr. 208.
 
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gewebesammlung, f.: katalog der gewebesammlung des germanischen nationalmuseums. Nürnberg 1896.

[Bd. 6, Sp. 5394]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewebeschneidemaschine, f.: gewebeschneidemaschine, s. zuschneidemaschine. Lueger lex. d. ges. technik 4, 633.
 
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gewebsel, n., neuere bildung zu websal (s. d.):

doch die seltsamste sache dünkte dem Sigfrid
ein weiches gewebsel, zusammengewickelt
und eben nur armdick, doch anderthalb ellen
vom sattel hängend auf beiden seiten.
das rollt er aus neugier rasch auseinander:
es war ein gewand wie von spinnengewebe,
kaum fühlbar dem finger, doch fest wie stahldraht.
Jordan Sigfridsage, 3. gesang (s. 88).


 
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gewebt, participiales adjectiv, jüngere participialform zu weben, vgl. oben geweben: gewebet, gewürcket, textus, textilis. Henisch 1595. ebenso Rädlein 1, 382a. Aler 935. Bayer 291a. Steinbach 950 u. a.; beauftrage doch Bellin, dass er sich von der mamsell diejenigen feinen hemden geben lässt, welche noch von mir dort sind, und 1 duzzend gewebte strümpfe. Bismarck (an seinen bruder 1846), s. Kohl Bismarckbriefe 39.
 
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gewechselt , particip praet. zu wechseln (s. d.).
1) der attributive gebrauch: die hin und wieder gewechselte schreiben. E. F. v. Wetzhausen waarheit allgemeiner kirchen (1652) A 4a; es ward derohalben dieselbe (die mutuelle correspondentz) auf einen festen fusz gesetzet, ... dasz die damahls gewechselte schreiben so junger personen zur beschämung vieler erwachsenen gebraucht werden konten. Zinzendorf kl. schriften 611; Natalie legte ihm die gewechselten briefe vor. Göthe (W. Meisters lehrjahre 8, 4) 20, 183; nach einigen gewechselten complimenten ... sagte dieser. Stillings häusl. leben 164; nach einigen hin und wieder gewechselten komplimenten setzte sich also don Eugenio zu der jungen dame in den wagen. Wieland (Sylvio von Rosalva 4, 3) 11, 289.
2) eine isolierte bedeutung, die nur dem particip zukommt, findet sich in der handwerkersprache, wo er unmittelbar auf das substantiv zurückführt: gewechselt nennt man einen balken, der nicht von einer mauer bis zur andern reicht, und auf dieser aufliegt, sondern von seinen nebenbalken dadurch getragen wird, dasz in diese ein wechsel eingezapft wird, in welchem der gewechselte, richtiger aber der abgetrumpfte balken gleichfalls mit zapfen ruht. Helfft wb. d. landbaukunst 143.
 
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geweckt I , participiales adjectiv zu wecken (s. d.): mochten wir uns auch sagen: dieser letzte feind kann siege, aber keine dauer mehr erringen, denn er musz ein gewecktes bedürfnisz (nach einigkeit) wieder ersticken, welches nicht eine parteifrage, sondern das bedürfnisz eines volkes ist, er musz die endlich gefundene deutsche nation wieder ersticken. Laube 1. deutsches parlament 2, 309. in der neueren sprache wird das particip gelegentlich sowol für aufgeweckt als auch für auferweckt, erweckt (vgl. theil 3, sp. 1048) gebraucht.
1) ein geweckter knabe, junge; vgl. ein geweckter kopf, ein munterer patron. Th. Mann Buddenbrooks 1, 109.
2) der pietismus hatte eine anzahl geweckter zusammengeschlossen. G. Freytag (bilder aus der d. vergangenheit 4, 1) 21, 69; vgl.erweckte seelen Zinzendorf kl. schriften 406 u. a.; aufgeweckte gemüther Spener kl. geistl. schriften 622 u. a.
 
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geweckt II , eine von dem substantiv weck unmittelbar abgeleitete bildung der heraldischen sprache: geweckt in den wappen, gall. fuselé, fusis oder cuneis distincium, schräge creuz-linien, machen solche an zwei enden spitzige feldlein. Frisch 2, 427b; ebenso Chomel 4, 1041.
 
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gewecktheit, f., substantivbildung zu geweckt I, 1: aber es lag eine besondere gewecktheit in der harrenden (Marann') und wie sie immer hinaushorchten, um ihren sohn kommen zu hören, so war sie eigenthümlich wach. Auerbach barfüszele ges. schriften 9, 72.

 

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