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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewebebaum bis gewebt (Bd. 6, Sp. 5392 bis 5394)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewebebaum, m. wie andere ähnliche zusammensetzungen von gewebe ist auch dieses substantiv jüngeren ursprungs. bei fast allen diesen compositis gingen bildungen voraus, die entweder an das nomen agentis weber oder an das neutrum weppe anknüpften. das letztere ist hier der fall, vgl. weppeboum, liciatorium, codex Vindob. s. Steinmeyer-Sievers 3, 627, vgl. mhd. wb. 1, 229b; Lexer 3, 766 (eine andere stelle, webpaum als variante zu welpoum s. ebendort 752). jünger ist die bildung weberbaum, vgl. weber- oder garnbaum. Stieler 114 u. a. darnach erst folgt als jüngste form die anlehnung an gewebe: gewebebaum ist ein stücke am weber- oder würck-stuhle, da die werfft aufgebäumet wird, hat auswendig einen dreher, wie ein schleiff-stein, und wird sonst auch der garnbaum genannt. Chomel 4, 1042; gewebebaum ..., bei den webern, derjenige baum, an welchem die werft herunter schleifet, damit sie straff anhalte, und welcher auch der schleifbaum genannt wird. Adelung 2, 652; gewebebaum, weavers beam Hilpert 1, 463a; gewebebaum Beil technol. wb. 242.
 
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gewebegeschirr, n. das einzige früh belegte compositum mit gewebe als erstem theil (vgl. webergeziuge, gezouwe Lexer 3, 717): die tcher sollent ouch ir deheiner dem andern sin gewebegeschirre lihen, er welle es denne heim in sinem huse bruchen. urkunde von 1433 bei Schmoller Straszburger tucher und weberzunft 41.
 
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gewebelehre, f., das compositum entspringt dem oben behandelten anatomischen begriff: gewebelehre (histologie), die lehre oder wissenschaft, welche von den zellgeweben handelt. Thiel 4, 422. vgl. Kölliker handbuch der gewebelehre des menschen. hier noch andere composita mit gewebe in dieser bedeutung, so gewebsentwickelung, gewebespannung u. a.
 
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geweben, verb. , verstärktes weben. vgl. Graff 1, 645. mhd. wb. 3, 611b. die verstärkte form ist in der althochdeutschen periode verhältnismäszig zahlreich belegt, tritt aber schon in der mittelhochdeutschen zeit zurück und greift in die neuere sprache nur

[Bd. 6, Sp. 5393]


noch mit ausläufern ein. die ältesten belege weisen alle mit einer einzigen ausnahme die übertragene bedeutung auf, während die mittelhochd. und neuhochd. zeugnisse die sinnliche grundbedeutung wieder vortreten lassen.
1) intexui funibus, kiwap scilum Reichenauer glossen (zu sprüche 7, 16) bei Steinmeyer-Sievers 1, 541; texuit, giwap (historiam?) glossen von St. Pauli (zum prolog der genesis) bei Steinmeyer-Sievers 1, 311;

thie gotes druttheganathaʒ sint thie sconun fadama,
mit in ist io mit ebinuthiu tunicha giwebinu ...
wanta sia span sconoKaritas in frono,
si thie faduma alle gabjoh sia selbo giwab.
Otfrid 4, 29, 24;

unz ih tir gewebe after ordeno die zesamine habigen reda, tum contexo. Notker Boethius, Hattemer 3, 193b.
2)

er truoc den besten purper an,
den ie kein Sarrazîn gewap.
K. v. Würzburg Trojanerkrieg 241a;

under andern sachen enbot ime (Narses) die keiserin: sü wolte in darz bringen, das er bi frowen mste sitzen und weben. do enbot er ir widerumb: er wolte ir noch ein solche wöppe zetteln, das sü niemer geweben möhte die wile sü lebete. Königshofen s. d. städtechron. 8, 387.
 
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geweben, participiales adjectiv, die ursprüngliche participialform zu weben, die später unter dem einflusz schwacher flexionsformen durch gewebt verdrängt wurde. eigentliche isolierte bedeutung läszt sich für das particip nicht belegen; es ist mehr die form, der beachtung zu schenken ist: si sullent ouch alle von disshin die saltzseck mâchen anderhalb eln lang und drier fierdling breit und dik geweben. Züricher stadtbücher 1, 387; darzwischen wann sie (d. kinder) ein wenig erwachsen, unnd gehen kónden, machens inen fliegende röcklein ausz zartem gewürck an, darein mehrerlai farben geweben. Rauwolf reise in die morgenländer 89;

der fürhang in der kirch' auffs künstlichste geweben
mit schönem scharlachroth, hat einen krach gegeben.
Opitz teutsche poemata 190 neudr.;

scutula, toga scutulata, gericht kleid, klein rund geweben wie ein spinnwep. Eras. Alberus novum dict. genus (1540) Kib; gewäben Maaler 178a; geweben Hulsius (1605) 63a; gewäben Frisius (1616); die schwache form des particips (gewebt, s. d.) ist zuerst bei Henisch angemerkt und setzt sich bald fest. schon im 17. jahrh. sind es nur noch oberdeutsche wörterbücher, die die starke form buchen, so Schönsleder, Dentzler u. a.
 
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geweber, n. , verbalsubstantiv zu weberen (s. d.), vgl. auch geweberen. wie in der iterativbildung zu weben (weberen) die ursprüngliche bedeutung des verbums ('sich hin und her bewegen') am anschaulichsten zur geltung kommt, so hält auch das verbalsubstantiv diese bedeutung fest. erst in abgeleiteten verwendungen nähert auch dieses sich der sachbedeutung.
1)

Berhter und Berhtwin und der küene Albrant,
die falten manigen toten nider uf daʒ lant;
also die wilden eber sach man sie howende gan,
in dem strit was gros geweber, do starb manig man. d. grosze Wolfdietrich 1988, 4 Holtzmann;

ich trug das gerint Welsch gepent, das must ich ir geben, das geleisent mit dem geweber, und must ir das aufsezen und ein samet anlegen. Anna v. Brandenburg an ihren gemahl (1475) bei Steinhausen privatbriefe 1, 141; gewebe, gewebber, das hin- und herfahren, geläufe, gewimmel (Aschaffenburg. Schmeller 22, 830; geweber (rhein.) thätigkeit Kehrein volkssprache in Nassau 1, 162.
2) übergang zur sachbedeutung. knäuel in der verbindung schlangengeweber, vgl. schlangengewinde:

so wern wir itz noch wie die heiden,
wurden vergleicht den frummen leutten,
die bei des herren Christi zeiten
angesehen wurden fur ein wunder,
nit waren, wie die andern, sunder,
und wurden doch vil anderst gnent
von dem, der alle hertzen kent,
als heuchler, gleiszner, gtonchte greber,
ottern gezicht und slangen gweber.
blinden leitter, gotlosz buben,
die alles furn ins teuffels gruben.
B. Waldis streitgedichte 21 neudr.


 
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gewebern, verb., s. DWB geweber: auch hat ich selber willen bi uch zu riden, da viel mich ein swacheit an, daʒ ich nit geweberne kunde (1411). reichstagsacten 7, 162 Weizsäcker, vgl. Lexer nachtr. 208.
 
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gewebesammlung, f.: katalog der gewebesammlung des germanischen nationalmuseums. Nürnberg 1896.

[Bd. 6, Sp. 5394]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewebeschneidemaschine, f.: gewebeschneidemaschine, s. zuschneidemaschine. Lueger lex. d. ges. technik 4, 633.
 
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gewebsel, n., neuere bildung zu websal (s. d.):

doch die seltsamste sache dünkte dem Sigfrid
ein weiches gewebsel, zusammengewickelt
und eben nur armdick, doch anderthalb ellen
vom sattel hängend auf beiden seiten.
das rollt er aus neugier rasch auseinander:
es war ein gewand wie von spinnengewebe,
kaum fühlbar dem finger, doch fest wie stahldraht.
Jordan Sigfridsage, 3. gesang (s. 88).


 
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gewebt, participiales adjectiv, jüngere participialform zu weben, vgl. oben geweben: gewebet, gewürcket, textus, textilis. Henisch 1595. ebenso Rädlein 1, 382a. Aler 935. Bayer 291a. Steinbach 950 u. a.; beauftrage doch Bellin, dass er sich von der mamsell diejenigen feinen hemden geben lässt, welche noch von mir dort sind, und 1 duzzend gewebte strümpfe. Bismarck (an seinen bruder 1846), s. Kohl Bismarckbriefe 39.

 

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