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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewark bis gewärtigen (Bd. 6, Sp. 5332 bis 5357)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewark, n., s. DWB gewerk.
 
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gewärme, n. als nomen actionis wird das verbalsubstantiv bei Campe 2, 359 gebucht, mundartlich ist der übergang zur collectivbedeutung vollzogen: gewärms, n., aufgewärmtes Hönig Kölner mundart 75.
 
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gewärmen, verb. , verstärktes wärmen (s. d.), mit vorliebe reflexiv gebraucht. schon in der sinnlichen bedeutung ist das verb in zusammenhängen belegt, die für wort und begriff eine eigenartige stellung in leben und sitte der älteren zeit bezeugen. hieraus erklärt sich auch die übertragene verwendung, die dem verstärkten verbumin der schwäbischen mundart jedenfallsbis heute das dasein fristet.
1) sinnliche grundbedeutung.
a) transitiver gebrauch: ich danke ouch uwer lieb zumal fruntlich des appfels, den ir mir geschickt hand, die hende daran, so ich rite birssen, zu gewermen. graf Ludwig von Württemberg an seine schwägerin (1449) bei Steinhausen privatbriefe 49; man sols auch zu zeiten wider gewärmen, nämlich dasz man ein heisz eisen hinzu helt. Seuter roszarzneib. 286.
b) dann man sol eim iegelichen ammanmeister alle woch zwei korbel mit glte geben in sin husz und nit me von sand Michels tage bisz an den ostertag und ime sumer nützit, umb daʒ sich ime winter die scharwahter und die diener dobi gewermen mögent. urkunden zur verfassung Straszburgs (1405) bei Eheberg 1, 15, ebenso 1, 16;

macht nu toll fuiar an,
ass i mi gwörma kan. bei
Schöpf Tirol. idiot. 802.


2) übertragene verwendung:

sölten ander leut
dein land regieren,
so wurden si sich gewermen
und müssen wir erfrieren. volkslied bei
Uhland 1, 483.

[Bd. 6, Sp. 5333]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewärmt, participiales adjectiv. die verbindung gewärmte speisz (cibus recoctus Spieser 151a) weist auf eine isolierte bedeutung des particips hin, die unserem aufgewärmt entspricht. andere wörterbücher verzeichnen nur gewärmt, calefactus, so Kilian K 4b. Steinbach 2, 944. Kirsch 180a.
 
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gewarnen, verb. , verstärktes warnen (s. d.). wie das einfache verbum, so wies auch die verstärkte form einen umfang der verwendungen auf, der weit über den heutigen gebrauch von warnen hinausgreift. da die belege in die neuhochdeutsche periode reichen, ist ein kurzer überblick angemessen. warnen hat mit warten (vgl. unten gewarten) die stammsilbe gemeinsam und führt auf das nomen zurück, das uns in dem althochd. fem. wara, cautio, consideratio, protectio (Graff 1, 907) und in dem althochd. adjectiv gawar, vigilans, intentus, industrius, instructus, gnarus (Graff 1, 908) vorliegt, vgl. dazu gewahr (subst. und adjectiv) sp. 4763 ff., gewahrsam (adjectiv und subst.) sp. 4874 ff.; vgl. gewahrnehmen sp. 4783 ff. und wahrnehmen (s. d.). wie sich in den letzterwähnten bildungen zwei richtungen der bedeutungsentwicklung abheben, eine subjective fassung des begriffes (achtsam, aufmerksam, bedacht, erfahren) und eine objective, das ergebnis betonende (geschützt, sicher), so auch bei unserer verbalableitung. auch bei ihr ist man vielfach versucht, die verwendungen der zweiten gruppe zugleich unter dem einflusz lautverwandter bildungen anderen stammes zu erklären (vgl. wahr = certus; vgl. DWB wahren, DWB gewähren in ihren berührungen mit wehren). zugleich aber macht sich bei den verbalableitungen ein zweites moment geltend, das die bedeutungsentwicklung noch stärker beherrscht, der gegensatz zwischen transitivem und intransitivem gebrauch, dem der vereinzelte reflexive gebrauch mit einer eigenen gruppe gegenübersteht. wir gewinnen von hier aus folgende bedeutungsabstufungen: a) aufmerksam (sicher) werden, — sein; b) sich vorsehen; c) aufmerksam (sicher) machen. von dieser dritten gruppeund zwar im engeren sinne von aufmerksam machen — zweigt die heutige verwendung von warnen ab, auf die sich auch die letzten belege für gewarnen stützen.
wie die althochdeutschen belege zeigen (Graff 1, 947), ist das verbum mit dem o-suffix abgeleitet. ob der nasal aus der nominalbildung herübergenommen (vgl. furiwarna bei Notker, s. Graff 1, 948, vgl. Wilmanns deutsche grammatik II, § 62) oder dem verbum selbst eigen ist, läszt sich hier nicht entscheiden. beachtung verdient die sonderstellung, die das particip praet. schon in den frühesten zeugnissen für das verbum einnimmt, sowol was die häufigkeit der belege als was die eigenart der verwendung betrifft, vgl. dazu gewarnt.
1) aus der althochdeutschen periode liegen frühe belege vor, weniger aus der litteratur als aus den glossen. der Reichenauer codex und mit ihm die Juniusglossen zeugen für das 8. und 9. jh., Tegernseer handschriften (zu Gregor, noch mehr zu Vergil) für das 9. und 10. überwiegend ist die als objectiv bezeichnete fassung des begriffes belegt, die mit den verbis wahren und wehren in bedeutungszusammenhang steht, vgl. namentlich das negierte particip ungiwarnotiu, immunita, unfesti Steinmeyer - Sievers 1, 281 (zu 1 Mosis 42, 12, vgl. DWB wo das land offen ist. Luther).
a) die anknüpfung an die bedeutung 'fest' ist auch für den positiven gebrauch des verbums belegt: muniunt, festinont; muniantur, giwarnot werden Tegernseer glossen zu Gregor (homilien) bei Steinmeyer-Sievers 2, 297.
b) in der gleichen richtung bewegt sich eine übertragene verwendung, die ihrerseits mehr dem begriff wahr, certus, firmus zustrebt: contestare, kiurchundon, kiwarnon (zu 2 Mosis 19, 21: steig hin ab und zeuge dem volck. Luther). Reichenauer (und Junius)glossen bei Steinmeyer-Sievers 1, 274.
c) dagegen stimmt die beliebteste parallele giwarnon, instruere mit verwendungen überein, die sich in unserem sprachgebrauch auch aus dem bedeutungsgehalte von achtsamkeit, vorsicht, sich vorsehen, entwickelt haben: instructi, kiwarnote, kiruste (zu 5 Mosis 1, 41: da ir euch nu rüstet. Luther). Reichenauer (und Junius)glossen bei Steinmeyer-Sievers 1, 282; instruit, giwarnota (zu Aeneis 3, 471: socios simul instruit armis, und gerüstet die schaar mit geräthschaft). Tegernseer glossen zu Vergil bei Steinmeyer-Sievers 2, 652; die gleiche stelle s. 622 (Aeneis 8, 80). ähnlich s. 658 (instructus Aeneis 6, 831).
d) in diesen letzten zusammenhang gehört das einzige beispiel aus Otfrid, der das verbum mit instrumentalem genetiv verbindet:

ni suorget fora themo liute,thar ir stet in note,
in forahtun ni wentet,waʒ ir in antwurtet,
ih wisero wortogiwarnon iuch harto,
rehtera redina.ir birut mine thegana.
ih bin selbo zi thiujoh thar ouh sprihu uʒar iu,
giwarnon herzen guatesjoh thrato festes muates. 4, 7, 23.

[Bd. 6, Sp. 5334]



e) ebenso knüpft hieran der reflexive gebrauch, der sich erstmals bei Notker nachweisen läszt: sô gangên nâh êrôn. unde nâh rîhtûome. daʒ lukkiu gûot sint. unde sô sie sih tero burdi gewarnoên. so gebe in got tar mite. taʒ sie diu wâren bechennên (et cum paraverint falsa bona, gravi mole, tum cognoscent vera). Boethius 122b Hattemer; sîn stimma ist des, der sih dero hirzo gewarnot, diê dia wêida niêzen suln (vox domini praeparantis cervos; die stim des herrn erreget die hinden und entblöset die welde. Luther). psalm 28, 9.
2) der bei Notker entwickelte reflexivgebrauch steht im mittelpunkt der mittelhochdeutschen beispiele, während die parallele mit munire zurücktritt. dagegen zeigen sich hier die ersten ansätze des transitiven gebrauches in der bedeutung von 'aufmerksam machen'.
a) die bedeutung von munire:

'daʒ giltest du' sprach Mambolt
'got der werd dir niemer holt:
die hôchvart muoste arnen.
reiche mir die stange min.'
daʒ ersach diu herzogîn:
sî kunde in wol gewarnen.
den jungen helt sî dô verbarc
in ein vil starc gewelbe. Virginal 388, 6, heldenbuch 5;

do sturnde man die glocken uber alle stat, des zogetent die burger alle us gegen deme bischof. die wile warnetent sich die uszern burgere und zogetent ... uf den berg z Haldenburg unde hieltent do mit ufgeworfenen baniern. Closener d. städtechron. 8, 81 (Straszburg); der schultheisze Johannes kam in eim fasze daʒ zu beden bodemen wol verschlagen waʒ, in die stat in eins dmherren hof der ... umbe die sache wüste ... do hb grofe Gotfrit ... mit sime gesinde gewarnet (munitus) zwo ackerlenge oder ein wenig fürbas von der stat gar heimeliche und wartete des zeichens, wanne man die porte uf dete. s. 79.
b) die bedeutung 'sich vorsehen'. das reflexiv gebrauchte verbum hatte bei Notker die objectergänzung im genetiv angeschlossen, die gleiche construction läszt sich auch weiter belegen, später verdrängt durch jüngeren accusativ. andere ergänzungen führen zu präpositionalverbindungen. auszerdem gewinnt auch der absolute gebrauch an boden.
α) objectergänzung.
1))

han ich ze dinen hulden wan,
so hilf ouch, daʒ min wille erge,
unde ich mich des gewarne,
daʒ ich diu sele sende hin
zer immer wernden wunne.
Tannhäuser bei
v. d. Hagen 3, 48a.


2))

güten wîn, bier und mete
hatte er sich gewarnet gnûc. livländische reimchronik 939 Meyer.


β) präpositionalverbindungen.
1))

sie nam vil manich wîp
in Rôme unt in Lâterân,
si hieʒ si mit ir gân
an daʒ velt warten
mit golde joch mit borten
wâren si gebunden
dâ gie diu frowe under.
sam diu mænîn vor den sternen
si chunde sich ze den êren wol gewarnen. kaiserchronik 11755.


2))

er ist iunc, sin scharfer sin
hat sich gewarnet uffe strit
alse, daʒ under im gelit
maniger, den er ubersaget. passional 417, 9 Köpke.


γ) absoluter gebrauch:

man sol eʒ alsô füegen
daʒ wir durch strîtes widergelt
niht kêren zuo zin ûf daʒ velt
ê wir uns baʒ gewarnen.
Konrad v. Würzburg Partonop. 18933;

item wenn ouch ze meien die rechten wisen verschlagen werdent, so sol ein gemeind ze rat werden, wen sie hœwen wœllent, und sœlent daʒ acht tag vor hin verkünden, durch daʒ sich jederman gewarnen kunnen. weisthum v. Besserstorf (c. 1400), weisth. 4, 281.
c) der transitive gebrauch in der bedeutung 'aufmerksam machen':

nû was bî im ein wîser man,
der gewarnet in dar an,
wie diu gewonheit was getân.
R. v. Ems Barlaam u. Josaphat 129, 5;

valschir vrunde der ist vile,
dar vore hte dich ze alleme spile;
wande suchistu ren rat
umbe eine schediliche dat,
si ne willint dinin zorn also nit erarnen,
daʒ si dich dinis schaden gewarnin.
W. v. Elmendorf, s. altd. blätter 2, 207.

[Bd. 6, Sp. 5335]



3) die neuere schriftsprache kennt die verstärkte form nicht mehr, die letzten belege gehören dem 16. jahrh. an und lassen einseitig nur die letzterwähnte verwendung belegen. mundartlich scheinen auch reste anderer verwendungen fortzuleben, vgl. g'wrnen, DWB wahrnehmen, DWB gewahr werden. Schöpf Tirol. idiot. 801.
a) die wörterbücher geben nach dieser richtung keine sicheren anhaltspunkte: gewarnet werden, commonefieri. Maaler 178b, ebenso Frisius, Henisch u. a.
b) litterarische belege aus dem 16. jahrh.
α) sein all in dem schweren ban und ungnad ... wie dan solches kaiser Sigmund auch treulich anzaigt und die christenhait vor inen gewarnet. Aventin (ursachen d. Türkenkrieges) 1, 189; soverr ain oder mer personen auf dem freithof unnutz geschwatz treiben wurden, so soll inen das durch ainen ieden nachpaurn vor sollichem zulassen anzaigt werden, und si darvor gewarnen. ordnung v. Tulfes (1547), österr. weisth. 2, 226; zwischen disen meren kam ein frum mensch von Buchdorf, dem solich unbillich laid waʒ, und gewarnet die von Kaiszham, seine herren, wie die weiber so gar heftig und vergift waren uber sie. J. Knebel chronik v. Kaisheim 362 Hüttner.
β) ist noch ein sprichwort: ich gewarn dich als der treu Heccard. Aventin (chronik) 4, 186; got als ein güetiger vater, gewarnet alweg vor in mancherlai weis, die er straffen wil. 318; drumb mus ich gehn und Danieln gewarnen doch zu diser frist. Chrysäus hoffteufel. l 8b; auch ain fromer, alter man von Buchdorf schicket bei nechtlicher weil gen Kayszham, liesz seine herren gewarnen und solich bieberei anzaigen. Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 261; hat Hegelin ain andern absagbrief lassen auszgan und all ander arm leut, so hinder andern herren sizen, lassen gewarnen und sein eher bewardt. J. Knebel chronik v. Kaisheim 375 Hüttner.
γ) so seind auch etlich zaichen im himel, in lüften feurin her gesehen worden ... haben auch etlich frumb gelert, auch kanzler an die gaistlichen prelaten drüber geschriben und treulich gewarnet. Aventin (ursachen d. Türkenkrieges) 1, 197; do er aber solch treulich gewarnen verachtet, flohen sie aus Teutschland über Rein in das römisch reich. (chronik) 4, 604.
 
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gewarnis, gewarnus, f. , substantivbildung zum vorigen, aus Aventin reichlich zu belegen, fast ausschlieszlich in der zweiten form. die bedeutung weist sowol die anknüpfung an munire als auchund dies häufigeran monere auf.
1) sagt, es wär vergebens, die feind hieten nemlich huet und wacht, wärn bei gueter gewarnus. Aventin chronik 4, 351; damit aber alle ding in gueter ordnung und gewarnis, vor unfal und unglück verhüet wärn. 5, 207.
2) es lebten damals zwên, Chunrad von Heubach und Gebhard von Strasburg, die gewarneten die geistlichen ... aber man ward erger von solcher gewarnus, man hörets nit gern, besseret niemand. 250; wâ die herren des Philippi gewarnusz volgten, so würde es ôn zweifel besser zugên. ursachen d. Türkenkrieges 1, 197, ebenso 1, 172. 173. 174; S. Paulus sagt, das alles, so in der bibel geschriben stêt, sei am maisten uns christen, die di lesten sein, zue underweisung und gewarnus geschriben. chronik 4, 103, ebenso 230. Aventin hat auch ein adverbium von dieser substantivbildung abgeleitet: gewarnusweise: ich schreibs alles gueter mainung, gewarnusweis, niemant zu lieb noch zu laid. ursachen d. Türkenkrieges 1, 174, ebenso 211; es wär vil mêr von solchen grossen miszbreuchen ... zu schreiben; ich habs aber nur gewarnuszweis auf das kürzest überloffen. 1, 188, ebenso chronik 4, 62.
 
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gewarnt , participiales adjectiv. schon in den bedeutungen munitus, instructus ist das particip aus den glossen auffallend häufig zu belegen (s. oben zu warnen), meist in verbindungen wie gewarnot werden, habet sih kewarnot, s. Graff 1, 948. in der participialform kommt aber auszerdem die beim verbum als dritte und jüngste bezeugte bedeutung am frühesten zur geltung, vgl. gewarnotiu, provida St. glossen zur bibel (8.—9. jahrh.) bei Graff 947. noch kräftigere zeugnisse gewähren aber die belege für das negierte particip: ungiwarnotiu, inopinatum Tegernseer glossen zu Gregor bei Graff a. a. o.;

iedoch sô wâren s'alle,
als si dô mohten, an ir wer.
ir wart wel schiere ein michel her:
die ungewarneten man
sî kômen alle ir vînde an.
Gottfried Tristan 5471;

der ungewarnte tot. warnung 101;

von einer gräffin, die einem jungen edelmann ungewarnter sach vermechlet ward. Wickram rollwagenbüchlein 134 Kurz;

[Bd. 6, Sp. 5336]


besamlet Albertus ... heimlich ein grosz volck zu vusz in Helvetien: damit eilt er unversehenlich für die statt Bern durch grosse tagreisen, seins vermutens den ungewarnten Berneren ein schlappen zugeben. Stumpf Schweizer chron. 576b;

wohl unerwartet kam's, nicht ungewarnt.
Göthe (natürliche tochter 3, 2) 9, 311.

wie beim negierten, so lassen sich auch beim positiven particip zweierlei gebrauchsformen unterscheiden, je nach dem verhältnis, in dem das mit dem adjectiv verbundene substantiv oder pronomen in die verbalthätigkeit eingezogen ist.
1) es bildet das subject der passivconstruction: ein gewarnter ist zween wert; ein gewarnter kann gegen zwei bestehen. s. Wander sprichw. 1, 1650; gewarnter mann ist halb gerettet. Reinsberg-Düringsfeld sprichw. d. germ. u. rom. sprachen 2, 587.
2) auffallender ist die zweite verbindung, wo das substantiv das moment verkörpert, auf das jemand aufmerksam gemacht wird:

wenn böser, gewarnter rath, der das heil aller angeht,
wenn der obsiegt.
Klopstock Hermann u. d. fürsten (14. sz.).


 
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gewarnung, f. , in der sprache des 16. jahrh. belegt, nebenform zu warnung, auch sie ist wie gewarnis in beiden richtungen der bedeutung bezeugt.
1) überfiel ungewarnter sach die Teutschen, so nach sölchem grossem sig guets muets, frölich und bei irer gewarnung nit warn. Aventin (chronik) 4, 390; es setzten die feind al ir hofnung in ir reichtum, hielten weder ordnung noch ... hieten nichts in gueter gewarnung und huet, als dan ander kriegsleut tuen pflegten. 397.
2) alles, was den nächsten künftigen tag zu tuen ... war, tet er alles schriftlich kunt mit disem zuesaz und gewarnung, das kainer, der etwas irr gieng, niemands gar nit dan in rats fraget. Aventin (chronik) 4, 609; solichs untreuen anschlags wurden die bruder, so noch im closter waren, durch gewarnung frumer leut innen. J. Knebel chronik v. Kaisheim 440a.
 
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gewarten, verb. , verstärktes warten (s. d.). schon bei gewarnen (s. d.) wurde auf die wurzelverwandtschaft von warnen mit warten aufmerksam gemacht, insofern beide verba auf wara = vorsicht, achtsamkeit zurückführen. bei warnen hat der transitive gebrauch von vornherein die beherrschende stellung im bedeutungsinhalt, bei warten dagegen ist es der intransitive gebrauch. aus diesem entwickelt sich später ein secundärer transitiver gebrauch. den ausgangspunkt der bedeutungsentwicklung bildet für warten die parallele mit videre, cernere, intueri, spectare, adspicere, die frühzeitig schon durch glossen und litterarische belege gesichert ist, s. Graff 1, 949. daraus gehen dann die weiteren bedeutungen cavere, excubare, exspectare, sperare (Graff ebenda) hervor. die verstärkte form, die in der althochdeutschen periode unverhältnismäszig wenig bezeugt istes liegen nur aus Otfrid beispiele vordringt in der mittelhochdeutschen litteratur rasch vor und findet ihren höhepunkt im 16. jahrh. von da ab schrumpft ihr verwendungskreis zusammen, doch hat selbst die neuere sprache noch einige reste erhalten. die parallele mit cernere, videre fand in der verstärkten form keine weitere entwicklung, sie ist nur in dem auf Otfrid beschränkten reflexivgebrauch (zu späteren reflexivverbindungen vgl. sp. 5343) dargeboten, der sich mit cavere deckt. die parallele mit exspectare, sperare zeitigt nur wenig erscheinungen, in denen sich warten und gewarten principiell unterschieden, doch ergeben sich unterschiede in der rection, und es läszt sich feststellen, dasz einige verbindungen von gewarten bis in die heutige zeit vor den verwendungen des einfachen verbums bevorzugt werden. das eigentliche sondergebiet der verstärkten form ist die verbindung mit einem dativ der person, und hier hat sich namentlich in der urkundensprache des 15. und 16. jahrh. ein reicher gebrauch entwickelt, der jedoch durch verbindungen des adjectivs gewärtig und durch jüngere synonyma verdrängt wurde.
1) der reflexivgebrauch bei Otfrid:

wir sculun uns zi guatenu keren thaʒ zi muate,
mit wiu ther diufal so frambisweih then eriston man;
wir sculun drahton bi thaʒ,thaʒ wir giwarton uns thiu baʒ,
joh wir iʒ giwarilichobimiden iogilicho. 2, 5, 3;

thaʒ ist giwara mera,thaʒ sagen ih iu in wara;
man baʒ in so giwartentjoh sich baʒ gihaltent. 2, 19, 10.


2) der absolute gebrauch. primäre und secundäre formen.
a) als primär läszt sich die am einfachen warten jetzt so stark betonte vorstellung des ausharrens erklären, in einzelnen verbindungen erweist sie sich jedoch deutlich als secundäre erscheinung, indem sie auf der abstreifung bestimmter verbindungen beruht.

[Bd. 6, Sp. 5337]



α) ich gewartte (sperabam) unze an die fruo. anhang zu den Windberger psalmenglossen (1178). zeitschr. f. d. a. 8, 121;

do si gewarten langedô sahens ûf dem sê
zwêne in einer barkenunde ander nieman mê. Gudrun 1207;

daʒ lant was sîn urbor ...
daʒ lant nôz er ze nihte;
er getorste dar gewarten nie. Lanzelot 3583;

das ich die fragartickel und mein verantwurtung in das reich gestellet habe zu examinirn, und nicht bei inen gewarten thue. Luther 3, 420 Jena; ich gleich den geringsten hie zu gewarten sitze. 4, 562b;

also die glaubig christenheit
frolockt in dem geist allzeit,
weil sie hie in der lauberhütten
gewarten ist ausz gottes güten.
H. Sachs (d. 84. psalm) 18, 331.


β) got mag auch gut lewt in böszen stenden erhalten, wie die drei kind im ofen Babilonis, und noch vil gutter menschen gefangen seind im kloster odder pfaffen stand, gwarten in gedult, wan sie got erledigen wöll. Eberlin v. Günzburg (ein freundlich zuschreiben) 3, 137 neudr.;

wie in (den diebischen müller) der hencker het gebunden,
zusamen auff der leiter stunden
und gwartet nur, wenn ern abstiesz.
B. Waldis Esopus 4, 86, 19 Kurz;

die zweite (ursache des nichtschreibens) aber ist, da ich alsz gewart, bisz ihr mir auff den brieff antwortet. E. Charlotte v. Orléans briefe (1682) 19 Holland.
b) ganz auf gewarten beschränkt ist eine innerhalb der trinksitten ausgebildete verwendung, die auf abstreifung eines dativs der person beruht (s. u.) und eine art dienstverhältnis voraussetzt: der miszbrauch .. unmassigen trinckhens (so man zuetrinckhen, gewarten oder beschaidt thun nennet). niederösterr. polizeiordn. von 1552 s. 4b; (gestraft wird) so aim andern ein gemessnen trunckh zuebringt ... und der so es an nimbt und gewarttet. ebenda s. 5b u. a., vgl. Unger-Khull steir. wortschatz s. 290; sich des gemessenen zuetrinkhens gewarttens und füllerei enthalten. kärnt. polizeiordnung v. 1578 s. 7; das gemessene oder beträngte zuetrinken, bringen, gewarten, beschaidthun und füllerei wird auch in der tirol. polizeiordnung v. 1603 f. 7 verboten, s. Schmeller 22, 1005.
3) die verbindung mit einem object der person.
a) dieses object ist im dativ angeschlossen. die bedeutung 'den blick auf jemand richten' begünstigt mannigfache bedeutungsabstufungen, je nachdem am verhalten des beobachteten oder des beobachtenden bestimmte momente betont werden. wenn z. b. der beobachtete erst ankommt, so liegt die bedeutung 'erwarten' nahe, wo die begegnung eine feindliche ist, entwickelt sich im gleichen falle die bedeutung 'einem stand halten'. viel fruchtbarer ist jedoch das entgegengesetzte, dasz das bestreben einer friedlichen begegnung vorwiegt. hieraus entspringt vor allem die vorstellung der dienstbarkeit.
α) abzweigungen von der ursprünglichen bedeutung 'den blick auf jemand richten, ihn beobachten'.
1)) der blick richtet sich auf einen ankommenden:
a)) die bedeutung 'stand halten':

do begunde er zu keren
und als er zu karte,
Remus im gewarte
und stoub im engein.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 5219;

als man im gewarte dâ
so was er her wider
als er mit gefidere
dar geflogen were. 7710;

Rlant cherte gegen Yspanie.
verre von den erslagene.
er gesaʒ zu ainem boume.
da beit er vil chume.
in ainer siner hant.
trug er daʒ horn Olivant.
in der anderen Durndarten.
ain haiden im gewarte.
mit blte er sich allen bestraich. Rolandslied 236, 8.


b)) die bedeutung von exspectare:

und dô die zwêne wol gesiten
für den hôhen turn geriten
... dô wart in wol gezartet.
Curanz het in gewartet,
wand er in guotes gunde
mit ruome er si begunde.
flôrieren.
K. v. Würzburg Partonopier u. Meliur 13952.


2)) ein anwesender wird beobachtet:

do enmac uns gewarten
deweder wîp noch man. Alexanderfragment bei
Myller 3, 20a;

[Bd. 6, Sp. 5338]



ganc ze dem boumgarten în
durch die kemenâten mîn:
... ûf unser zweier minnespil
enmac nieman gewarten.
wan umbe den boumgarten
ein vil hôhiu mûre gât.
K. v. Würzburg Engelhard 2933.


β) die abgeleitete bedeutung 'mit jemand in ein friedliches verhältnis treten, mit jemand auskommen'. auch diese bedeutung ist auf mittelhochdeutsche belege beschränkt:

einer ist ein gefüeger man,
der werlt er wol gewarten kan. die warnung 398. zeitschr. f. d. a. 1, 449;

wie sol man gewarten dir,
welt, wilt alsô winden dich?
wænest dich entwinden mir?
nein: ich kan ouch winden mich.
Walter 59, 37;

er ist ein sældenrîcher man,
der mit stætem dienste wil wesen vrouwen undertân,
ob sich des underwindet ein reine wîp, diu rehter mâʒe phligt.
sumlîch sint aber sô gemuot,
swaʒ si hiute unprîsent, daʒ si daʒ morne dunket guot.
wie sol man den gewarten? den hât unmâʒ volliclîch an gesigt.
Reinmar v. Zweter 422 Röthe.


γ) das moment der dienstwilligkeit, dienstbarkeit ist herausgearbeitet. hier ist es vor allem die sprache der urkunden und der chroniken, die die verbindung in das 16. jahrh. hinüber leiten. die einzelnen wendungen enthalten meist einen hinweis auf den anlasz oder die form der dienstbarkeit.
1)) appositionelle bestimmungen deuten auf den anlasz hin: so sullen und wollen wir in guten treuen dem egenanten unserm herren künig Wentzlawe gehorsam und gepunden sein und gewarten alle unser und sein lebtag als einem romischen künig. huldigungsurkunde Nürnbergs (1376), d. städtechron. 1, 131; dasz sie dem burggrafen Friderich, unserm sweher als einem lantvogte zu Elsaʒʒen gewarten sullen (1363). monumenta Zollerana 3, 468.
2)) am häufigsten sind hier präpositionalverbindungen, und zwar herrscht fast ausschlieszlich die präposition mit vor.
a)) also, daʒ wir (die von Hirschberg) und alle unser erben dem vorgenanten unserm gnedigen herren, allen sin erben und nachkumen, sullen gewarten mit dem hause Grunstein (1361). monumenta Zollerana 3, 413; der turn was bei 12 schuchen dick. und darvor ward bestelt herr Friderich von Kinsperg von eim rat, daʒ der der stat gewartet mit dem slosz zu der Snabelwaid, auch mit der stat Steinach mit etlichen pferden (1444). d. städtechron. 2, 65.
b)) auch sagen wir die juden da zu Frankenfürth quit, ledig und losz aller dienst, gülde und gefälle damit sie uns und dem reich dienen söllen und gepiethen ihn und wöllen, das sie damit den burgermeistern, schöppen und dem rhate zu Frankfurth, an unser stat volliglich gewarttenn. urkunde von 1372 bei Haltaus 711; und von dem vorgenanten bischoff wer gemainen steten wol ein hilf gangen, daʒ er in mit einer summe spieʒʒ gedient het; und mit den selben spieʒʒen dient er nu der stat zu Konstencz und die stat hat sovil spieʒʒ minder, damit sie gemainen steten dienen und gewarten sol. d. städtechron. 1, 161 (Nürnberg); und en sullen keiner der mannschafft stede noch undersassen ... dem, noch sinen libes erben forder nicht mehr gehorsam sein, ihn mit keinerlei gewarten, sie auch vor keinen herrn nommermehr gehalten etc. an die sich auch alle mannschafft stede und untersessen vorgerürdt dann halten, und in als ihren rechten herrn gewarten sullen. (1438) bei Haltaus 712; zu wissen, man hat den edeln herren Conraten herren zu Heidecke bestellt, das er den burgern und der stat zu Nuremberg die nechstkünftigen 10 jare mit sein selbs leip, 9 redlichen dienern und 10 pferden und mit seinem sloʒ und stat Heidecke und aller seiner herschaft und manschaft dienen, gewarten und verpunden sein sol. Nürnberger bestallungsvermerk v. 1445, d. städtechron. 2, 123 anm.
c)) und sollent alle zollschrieber etc. der obged. univers. mit den zwen tornossen (tornus, eine münzsorte) getruwelich gewarten und in alle jare das gelt davon ... hantreichen. Heidelberger urkunde von 1393 bei Haltaus s. 711.
3)) seltener weist die präpositionalverbindung auf die entlohnung hin: und sollent er und sine lehens erben die obgen. 25 gulden gelts ... von uns und unsern erben furbas zu rechten manlehen empfaen, haben und tragen, und uns mit truwen globden und eiden davon gewarten und verbunden sin, als manne iren herren von recht und billich tun sollent. urkunde von 1390 bei Haltaus 718.

[Bd. 6, Sp. 5339]



4)) die dienstverpflichtung ist in einen ganzen satz gekleidet: und hat der rate geschaft, solche panier ab zu nemen und den obersten houptleuten diser stat zu antworten, die zu bewaren, die auch solche panier in der obgemelten unser frawen cappel an ein sicher gewarsame behalten haben, do sie dann dem rate gewarten in kunftig zeite, die wider uff zu stecken oder das zu vermeiden, nach des rats gutbeduncken und wolgefallen. d. städtechron. 2, 347 (Nürnberg 1453).
5)) das verbum ohne derartige bestimmungen findet sich meist in anlehnung an synonyma: se vor juwe herre hebben unde entfan unde en ghewarten unde ghehorsam sin. kaiserliches schreiben an die bürger von Lüneburg (1370) bei Sudendorf urkundenbuch z. gesch. d. herzöge v. Braunschweig 4, 10; dieweil wir ... unsern dienern zu helfen und si zu vorsehen genaigt sein, darumb das si in weltlichen sachen uns auch treulicher gewarten und dienen sollen. Aventin (chronik v. Alten-Oetting) 1, 54; was ich des gelerne ... damite iren vorgemelten erben dienen und gewarten solle. pfälzische lehrlingsverschreibung s. zeitschr. gesch. Oberrheins 9, 169.
δ) eine eigenartige bedeutung nehmen solche verbindungen in einem zusammenhange an, der sie den unter 2) a) belegten verwendungen nähert: damit fragt man, ob ainer aus dem land käm, es wäre von geratner oder ungeratner weis wegen, und in dazwischen ain urbarguet ansturb, wie lang man im damit schuldig sei zu gewarten. (stiftsrecht d. erzbisch. urbarämter), österr. weisth. 1, 2; so ist man schuldig im damit zu warten ains und dreissig jar. ebenda; so iemant dem andern gellt kleinet puecher ... zu getreuer handt bevilcht unnd gibt, so sol der, dem das zubehalten geben ist, dem ... der ime es bevolhen hat, damit getrewlich gewarten unde ime dieselben hab ... wider uberantwurten ... so pald er des von im ermant unnd erfordert wirdet. reformat. bair. landrechts (1518) tit. 31, art. 1 bei Haltaus 711.
b) die anknüpfung im genetiv ist jüngeren ursprungs und nur bei pronominibus belegt. mittelhochdeutsche beispiele reihen sich den unter a, β besprochenen verwendungen an. neuere belege dagegen bringen hier die einfache bedeutung von exspectare zum ausdruck, die in der verbindung mit einem sächlichen objecte (sp. 5341 ff.) schon früher entwickelt war.
α)
1))

si wolde in ir gedanken hân
ûʒ erwelter manne prîs.
wer hövesch wære in alle wîs,
des kunde si gewarten.
K. v. Würzburg Engelhard 895;

mit miner frien hende
huot ich din in ellende.
ze Tuscan, in Lamparten
kund ich din wol gewarten. Peter v. Staufenberg 360 Schröder;

eʒ ist ouch zimlich unde reht
daʒ du solt ein gemahel han
die din mit zuht gewarten kan. 656.


2)) 'ir hand uns siglosz gemacht, aber bi mines vatters sel! wir wend wider komen uff uch mit sovil volck, das ir uns nut enttrünnen werdend'. 'du tröwst schön' sagt Rengnold 'wir hand ein schlosz da wir uwer wol gewartten wend'. d. Haimonskinder 137 Keller; darausz in ainen vortail uff ain höhin gethan, wie aller ireʒ handlung nach, nit anderst zu achten, dan im selben der unsern zu gewarten. N. Thoman Weiszenhorner chronik bei Baumann s. 110.
β) denn gott wirds wol machen, so wir sein nur gewarten, und imer auff der bahn bleiben. Luther (vier trostpsalmen an die königin zu Hungern 1526) 3, 294 Jena;

hör, ob er jetzt känn gwarten mein.
G. Mauricius vom schulleben
G iiii;

bei den studenten ist gut sein,
mit worten können sie scherzen fein,
lieblich und freundlich reden.
ade, kaufmann, zu guter nacht!
deiner bitt man gar wenig acht,
meiner darfstu nicht gewarten.
frisch auf, ihr von der feder gut,
nach euch steht all mein sinn und muth,
nach euch ich allzeit trachte! studenten haben allein den preis bei
Hoffmann gesellschaftslieder 2, 71;

so gebt mir noch so lang frist, und wartet mir z lieb, bisz ich das leichttch das ich meinem schweher Laerti angefangen habe, gar verfertige ... mit sölchen worten seind wir leicht überredt worden, das wir ihr biszher zgewarten haben. Schaidenreisser Odyssee 6a; welche sämmtliche herren commilitones heute abends um 8 uhr auf dem Niclaskirchhofe am schwarzen bret erscheinen und derselben zu gewarten

[Bd. 6, Sp. 5340]


haben würden. aus Riemers Leipziger jahrbuche bei Wustmann quellen z. gesch. Leipzigs 1, 302; sol ein iglicher wol mercken, das er keinsz andern endchrists musse gewarten. Luther 8, 720 Weimar.
c) noch seltener ist die unter dem einflusz lautlicher angleichungen stehende überführung des persönlichen objectes in den accusativ belegt.
α)

ein ritter er was der beste,
als man in bi sinen tziten vant,
in gewarten ouch lüte, burge, lant. Ludwigs kreuzfahrt 3338 bei
v. d. Hagen.


β) derwegen sollen die würt, so sich einer auf ainen tag göst zu gewarten vertröst, den böcken umb semmel ... zuesprechen. (1562), österr. weisth. 6, 423; dé ganz. zeit habmə 'n scho~ gewaərt und is nét kemə~. Schmeller 22, 1006.
d) ebenso selten sind präpositionalverbindungen zur anknüpfung des persönlichen objectes: uf daʒ in den noden daʒ erbe moge an uns gewarten, ut nostra fiat hereditas. (Lucas 20, 14), mitteld. evangelienwerk aus St. Paul bei Schönbach (Wiener sitz.-ber. 137, 110); und andern lihe die wingarten, die dar zu lihte baz gewarten. 67a.
4) die verbindung mit einem object der sache.
a) die anknüpfung im dativ ist auf vereinzelte mittelhochdeutsche zeugnisse beschränkt, die übereinstimmend die bedeutung 'stand halten' zum ausdruck bringen:

Philemenis stach dare
Menesteus nam es ware
und gewarte dem stiche.
Herbort 6967;

und gewarte dem fanen
den sin vint furte
uf in er starke rurte. 9910;

dô kam ein ingesinde dar
der stolzen Harlunge,
hundert ritter junge
ze helfe Wolfharten.
wer kunde dâ gewarten
den wâfen an ir henden. Biterolf 8768;

daʒ er nit weichen, sunder was recht und ertail wurkn wert, dem zu gewarten und ân all flucht nachkumen wöll. (landtaiding in der Rauris 1565 u. 1624), österr. weisth. 1, 229.
b) die anknüpfung im genetiv ist die entwicklungsfähigste form der verbindung. sie ist schon bei Otfrid ausgebildet:

tho er mo firbot thio dati,thaʒ er ni suntoti,
thes giwarteti,thaʒ wirs imo ni wurti:
tho riht unsih thiu redina,thaʒ wir uns warten thanana,
thaʒ suht ni derre uns merathen lidin joh thera sela. 3, 5, 4.

in den mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen belegen machen sich freilich andere richtungen der bedeutungsentwicklung geltend. einerseits finden wir die parallele mit acht haben auf etwas, etwas hüten, pflegen, die heute nur noch an dem einfachen warten fortlebt. andererseits die achtsamkeit auf etwas, das erst kommt, also die bedeutung von 'erwarten', die in einzelnen verbindungen unserem gewarten noch heute das dasein fristet. wenn statt der genetivanknüpfung allmählich der accusativ vorgedrungen ist, so beruht dies auf den bekannten lautlichen einflüssen, die sich gerade hier gut beobachten lassen.
α) acht haben auf etwas, etwas hüten, pflegen:

Gregorius hat ouch geseit ...
wie ein nunne were,
die zumal durch vurwitzen
nicht konde wol gesitzen
und irre zucht gewarten. passional 287, 23 Köpke;

und daʒ der lonherre der vorgeschriben sachen dester baʒ geng sin und gewarten möge, so sol er z den reten ze gonde unbekümbert sin. urkunden zur verfassung Straszburgs (1450) bei Eheberg 1, 25; wo er ime den schaden (den die gänse in der wiese gethan haben) nit gverlich vermaint nachzugeben, sol er ine vor der herrschaft darumben furnemen und aller billicher handlung gewarten. (landrecht von Haunsberg), österr. weisth. 1, 59; so wöllten dann etlich ouch irer arbait ausserhalb der statt gewarten, mit irem viehe und anderm dem iren aus und einwebern. Th. Zweifel bei Baumann 85; das man feiertagen leichtfertiger handlung gewarteth, und unnutz geschwetz ... getriben hat. Luther 2, 62 Weimar; denn in der gemeine können sie nicht alle des ampts gewarten, so schicket sichs auch nicht, in einem iglichen hause zu teuffen. (110. psalm gepredigt) 7, 348a Jena; auch ob solchs teglichs gottis diensts villeicht nicht die gantze versamlunge gewartten kunde. 12, 36 Weimar; sie aber verachten die schrifft muthwilliglich, ... als die nichts guts im sinn haben, weil sie das licht scheuen und der schrift nicht gewarten wollen. (an den kurfürsten Johann 1526) briefe 3, 90 de Wette; wir mögen der gschrift nit

[Bd. 6, Sp. 5341]


gewarten und lesen, dann wir seind mit andern weltlichen sachen und handlen stets bekümert und beladen. ein wegspruch gen Regenspurg, s. Schade sat. u. pasqu. 3, 183; es ist ... fur vernunfft und aller welt so feine beschönung, das man sonst in gottes dienst und gepot gehe und könne dieses nicht gewarten. Luther 28, 24 Weimar; darumb hat er auch einen sonderlichen tag in der wochen dazu geordnet, daran man des allein warte ... das nicht jemand klagen möge, er könne es für seiner erbeit nicht gewarten, noch dazu kommen. (summa des christl. lebens) 6, 33b Jena; sie beteten weder vor noch nach tische, denn wenn die speise aufgesetzet, spreche der vater: herbei, herbei, setzet euch, esset flugs ... nach der mahlzeit sagte er: gehet hin und lasset die beten, die es gewarten können. Scriver seelenschatz 2, 557; derselbig was sehr from und kerete sich nirgentz viel an, alleine, das er der kirchen und seines studii gewartette. Kantzow chronik v. Pommern 360;

deiner letzten pflicht gewarte.
Brentano 3, 287.


β) acht haben auf etwas, das kommt; etwas erwarten.
1)) in die gnoʒschaft bringe iuch der gotes sun. unser herre ... und helfe iu daʒ ir siner geburte also gewartet, daʒ er iuch erkenne an dem iungesten tage. speculum ecclesiae 22 Kelle; dieweil sie und auch ihr hauszfrauwen z beider seitten von königklichem stamme geborn, dester mehr in hoffnung stünden, nach seinem (d. königs) todt der königklichen würde zu gewarten. Livius (1562) 17; dasz man eben einer durchausz gleichen consequenz unfehlbar hätte zu gewarten. (1615), s. Londorp 1, 188a; so aber die kranckheit inn den ersten tagen nit abgewendet, unnd nn eraltnet ist, soll er sich, an dem tage, davon er des fiebers gewartet, des petts halten. Khüffner übersetzung v. Celsus de medicina (1531) 33a; dieweil wir in solcher angst waren, des morgens gewartend. Schaidenreisser Odyssee 38a;

von stunde zu stunde gewartet' er
mit hoffender seele der wiederkehr.
Schiller (bürgschaft) 11, 288;

ihr könnt im wald
des winters nicht gewarten. seht, selbst ich
gewohnt an unbill, besser noch verwahrt
in klaus und gotteshaus, ich musz zuweilen
den warmen herd von guten menschen suchen.
G. Hauptmann d. arme Heinrich 3, 1.


2)) so lang bis der mensch werde gantz gelassen, frei, willelos, und nichts mehr weis, als das er gottes willen gewarte. Luther (auslegung d. vaterunsers); derselbigen antwort und artickel von rats wegen gewartet der burgermeister. Wolfgang König tagebuch, s. quellen z. Frankfurter gesch. 2, 85; des wollt ain rat gtlichs oder rechtlichs entschids von kaiserlicher oberkait gewartten und sich des hiemit bewilligt unnd erbotten haben. (1490), d. städtechron. 25, 354; schickt er Josen von Laubenberg mit furstlicher durchleuchtigkait schreiben zue gemainen stenden des punts gen Ulm, inen das anzuezaigen, und darauf ires beschaits zu gewarten. schreiber des truchseszen v. Waldburg bei Baumann s. 599; e. f. gn. als unserm gnedigisten fürsten und herren uns ieder zeit in aller underthenigkait gehorsamblich befelchend und gnedigistes beschaids gewartend. (freiheiten d. marktes Zell im Pinzgau), österr. weisth.; zeigt mir nit an, wo ich mich stellen, oder wie ich mich halten, oder wo ich der mahnung gewarten solt. Göz v. Berlichingen leben 102 neudr.; solchs on verzug berichten und weiters befehls darauf gewarten. landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) fol. 10a.
3))

der künic wart der rede vrô.
zuo dem boten sprach er dô:
umb diu mære rîche ich dich
immer: des gewarte ûf mich. mai u. Beaflor 109, 20;

des gewartet her ze mir,
daʒ iwer goteshûs und ir
von mir und mînen kinden
genâde sult enphinden
und lôn darumb enphâhen. österr. reimchronik 42277;

ungerne ich verlüere,
bischolf Wulfinc sprach,
'durch mînen gemach
den liunt, dâ ie inne wârn
mîne vorvarn,
die mit triun dem rîch
ie dienten williclich,
her kunic, des sît auch ir
gewartend von mir.' 82864;

vil insigel man leit
an einen brief grôʒ,
der eʒ alleʒ beslôʒ,
des man gewarten solt von in. 66431;

[Bd. 6, Sp. 5342]


als haben wir ihnen, seinen schwestern und deren kindern die gebetene 18 000 fl. auf berührten gut gnädigst bewilliget und bekennet ... also dasz gedachte schwestern der gemelten 18 000 fl. auf besagten rittergut sicher und gewartend sein. s. Haltaus 712; lassen dise frauen wider gehn inn das undanckbar vaterland, darinn tugent und mannheit keiner belonung zgewarten hatt. Livius (Straszburg 1562) 36a;

der kranich flog darfone,
kains lones mer gewarten wolt.
H. Sachs (wolf mit d. kranich) fabeln u. schwänke 4, 51 neudr.;

deswegen er denn ewiggutter belohnung von gott zu gewarten hat. Butschky kanzl. 396, vgl. dazu unten sp. 5344; daneben sollt ihr eines lohns gewarten, wie er sich ziemt. Tieck (Octavian theil 2, akt 4) 1, 362.
4)) es ist auch alhir zu Magdeburg in der altenstadt den barfwszer munniche am negest vorgangen freitage von etzlichen gemeinen burgern uf dem vischmargkte zcustehn und der almiszen zcw gewarthen mit ernstlicher ungestümigkeit verbotten. (1525), d. städtechron. 27, 206 (Straszburg); er wirt nit wollen inn der gemeine priesterschafft sein. auch szo wird er weibern nit gestatten, ihn tzu leren, fur grosser keuscheit, wensz gleich eittel hubsche, glatte, junge metzle weren. doch ich hofft, er were tzu bereden, das er sein beicht an heimlichen ort eim beichtvatter thet und der absolution auffs demutigist gewarttet. Luther (ein widerspruch seines irrthums 1521) 8, 251 Weimar; mir ist lieber, dasz sie es nicht vermögen zu thun, als ihrer gnad zu gewarten, dasz sie es nicht thun, wann sie das vermögen darzu haben werden. raths gutachten (1615), s. Londorp 1, 193a; ich waisz wol, das ainfeltig christen gmeinlich bekennen, ir verdienst si nicht, si gewartent allain der huld und barmhertzigkait gots. E. v. Günzburg schriften 2, 182 neudr.; wolan, haben wir so vil verbadt, so laszt uns recht den kosten auch daran wagen und glücks gewarten. ein klegliche botschaft an den bapst, s. Schade 2, 256; weil sie wenig trostes zu gewarten hatten. Micrälius altes Pommern 3, 347.
5)) sic fit cum potestate: princeps mus gewarten aller streich, quando aliquis venit et non potest furkomen, et tu habes schutz. Luther 25, 460 Weimar; wa sie inen leut schicken sollten, es were vil oder wenig, so wurden sie sich ganz entplössen, das inen gegen dem pund, von dem sie teglichs uberzugs gewarten musten, merklichen nachtail und schaden pringen ... wurd. Th. Zweifel Rotenburger chronik, s. Baumann quellen 317; und wann du eins sturms gewarten bist. Fronsperger kriegsbuch 2, 199b; das ain rat, wollt er anderst ruw haben und kains verrern ufflawfs gewarten, die gemelte der juden sinagog zu ainer cappellen ... weihen lassen must. Th. Zweifel bei Baumann quellen 10; darausz erfolgt ain zuloff. in dem tumult warden etliche stain in cor geworfen. das namen die tomheren und die anderen pfaffen an die hand, wollten der unsicherhait nit mer gewarten (ertragen) und waren fro, das sie nur ain ursach hetten, sich des munsters und des gotzdienst furo zu enthalten. Zimmersche chronik 4, 23;

als sie in plüetig sahen allesamen,
kertens mit schant
umb alle sant,
zogen wider haim in das Payerlant
und wolten nit gewarten dieser schlappen.
H. Sachs fabeln u. schwänke 4, 315 neudr.;

inn der abfart, ehe wir hinausz auff die höhin kommen, kam unser schiff einem andern so nahe, das es dasz ander mit dem forderen thail gleich erraichet, und wir also eines schiffbruchs hetten zugewarten gehabt. Rauwolff reisz in die morgenländer 11.
6)) der anderen leibs kranckheiten müszen und sollen wir nach dem willen und wolgefallen des almechtigen gwarten. Schwartzenberg vom zutrinken 9 neudr.;

ein weiser man
der sol verston,
das unrecht thon
und dieberei zu aller zeit
ungluecks gewarten müs.
H. Sachs (d. münich mit d. gstoln hün) fabeln u. schwänke 3, 182 neudr.;

wer ... ist zw frech,
mutwillig, thum und ist gancz unfertreglich,
zw haderei druzig und gech,
der mües zwai pöeser stüeck gewarten teglich. (d. leb mit d. plueting klaim), ebenda 3, 307;

und ist nichts anders ... dan mit einem gulden angl fischen, da der gewin nimermêr so grosz kan sein als der schaden, des man zue gewarten hat. Aventin (chronik) 4, 491; nun sein

[Bd. 6, Sp. 5343]


wir arm leut, haben nit heuser, so will man uns in Wyndshain nit lenger halten, wissen nit, wa aus, söllen teglicher far gewarten. Th. Zweifel Rotenburg im bauernkrieg, Baumann s. 511; und damit kain taile gegen dem andern derhalben ainicher misztrawen oder gevar gewarten oder besorgen dorf, hat ain burgermaister anstatt ains rats ... globt mit handgebenden trewen an aids statt, das sie in diser zwitrechtigen sachen, solang die unvertragen ist, ainander trawen und glauben halten und beweisen, und kain taile von dem andern ainicher far, gewaltz oder misztrawens gewarten sollen und wöllen. 86;

es schmeckt mir nit, sprach die dorffmausz,
eins, bitt ich, wöllest sagen mir:
rumpelt man so offt an der thür.
das du must gwarten solcher fahr.
B. Waldis Esopus 1, 9, 61 Kurz;

dergleich musz der alls ungemachs
von gott gewarten, spricht Hans Sachs.
H. Sachs (6. cap. d. sprüch. Salom.) 19 Götze s. 250;

ewiger gott! das ain nit wolt
recht thun lieber, dan das er solt
nacher gewarten ewiger pein!
her gott! der möcht nit witzig sein. Zimmersche chronik 4, 333;

und lerne, das du alles, was on geist ist, fur nichts haltist und verdamnest und darnach des heiligen creutzs gewartist, das du druber leiden mussist. Luther 12, 550 Weimar.
7)) wer treue warnung in wind schlegt ... der gewarte auch des grims des herren. Mathesius Luther 247 neudr.; und gewarten müssen der greulichen schrecklichen plage und zorn gottes. Luther (vorrede auf magister Caspari Aquile büchlein von almosengeben 1533) 6, 114a Jena; werde ich deines strengen gerichts zu gewarten haben. Abele künstl. unordnung 3, 290; auch ob einer mehr par volk in seiner behausung het, die im schein, als ob es eheleit wären, bei einander woneten, dieselben soll ein ieder der obrigkeit alspalten nambhaft machen, wo nit, der straff gewarten. (landtaiding d. pfleggerichts Taxenbach), österr. weisth. 1, 271; er sich ... bei der gerichtsobrigkait beklagen und man gebirender straff und ernstlichen einsechens gewarten, nicht weniger er dorfmaister und seine zuegetone ain und andern fahls mit gebirender pfantung firzugeen macht haben solle. (ordnung zu Hänningen), österr. weisth. 3, 71; noch musz ich der warheit zu liebe, deines unmessigen ... schmahen und lestern gewartten; kundistu etwas anders, szo schriebstu es villeicht, drumb musz ich gedult tragen, und her schlacken unnd schneien lassen, was dich dein unrugiger hasz leren wirt. Luther (an d. bock zu Leipzig) streitschriften 1, 152 Enders; glaub mir: ich möcht nit ainen tag on dich geleben; mir wär auch nichts süsz oder sauer, solt ich dich begeben, und möcht nit anders gewarten dann des todes. A. v. Eyb (Philogenia) 2, 127 Herrmann; es gehört auch nicht ein milchglaube dazu, das man des todes gewarte, für welchen sich auch fast alle heiligen entsetzt haben. Luther (ob man dem sterben fliehen möge) 3, 392a Jena;

mein junges hertz durch und durch wund,
ohn hoffnung aller hilf und gnaden,
gewarttet des tods alle stund.
Weckherlin 389, s. oden 1, 11, 1;

nu ich ... auch auff der gruben gehe, und gewarte, ob gott wil, balde eines seligen und frölichen stündleins. Mathesius leichenpredigten 16 neudr.
8))

bisz gtrost! es hat derhalb kein not:
das ist hie unser teglich brodt,
des musz man stets gewarten sein,
wenn der kelner holt brodt und wein.
B. Waldis Esopus 1, 9, 69 Kurz;

wiltu in der welt leben, so mustu das gewarten (des gewarten variante). Luther 28, 329 Weimar; der hàts übə 'stannə~, und miə' hàbms z. gwaərtn. Schmeller 22, 1006.
γ) bei dieser (unter β behundelten) verwendung ist ganz vereinzelt auch das reflexivpronomen belegt: hat er sich keines glücks, sondern alles unglücks in seinem ganzen leben zu gewarten. R. v. Speir kriegsordnung, vorrede. vgl. auch unter gewärtig, gewärtigen.
c) in den unter b, β aufgeführten verbindungen dringt allmählich der accusativ an die stelle des genetivs vor. er wird begünstigt durch die fälle, in denen ein substantiv, dessen flexionsformen den casus nicht abheben (also ein femininum oder ein wort im plural), ohne attributive bestimmungen erscheint. auch pronominalformen wie nichts, viel stumpfen das gefühl für den casus ab und begünstigen so die anknüpfung des objects im accusativ. zu dem schwanken der rection bei einem und demselben

[Bd. 6, Sp. 5344]


schriftsteller, vgl.: die guttähter haben gewisse belohnung von dem allerhöchstgekröhnten zu gewarten. Butschky kanzl. 445; er die vergeltung von gott zu gewarten hat. 489 gegen ewig gutter belohnung ... zu gewarten hat. 396.
α) substantiva, deren casus nicht gekennzeichnet ist.
1)) daʒ man aber die rîcben êret, dâ meinet man sie niht mite, man meinet ir phenninge und daʒ man gâbe von in gewartet. David v. Augsburg, s. Pfeiffer mystiker 1, 322; und gibt gar ein grossen schrecken und abscheu, da grosz und klein Hans umb sein verwirckung und versaumnusz musz offentlich vor dem kriegsrechten red und antwort geben, unnd straff gewarten. Schwendi discours von bestellung des kriegswesens 51; wo aber mein vatter noch under den lebendigen indert in der frembd umwanderte, und über kurtz oder lang (dz wol müglich) haimkäme, wurde ich als dan von ime vil hören und leiden, auch straff von got gewarten und besorgen müssen. Schaidenreisser Odyssee 6b; so will ich mich dargegen mit gottis hülfe auch halten, wie es einem fridsamen gehorsamen untersaszen wol anstett, wo nit, so will ich strafe ... gewarten. Erasmus Alberus brief v. 1528 bei Schnorr v. Carolsfeld 161; diese art volks, die derwische sind dem viehe nicht ungleich, von welchen man weder ehre noch höflichkeit zu gewarten hat. Olearius pers. rosenthal 1, 31; Darad. o rage! o dese spoir! dasz müssen siebzehn hundert tausend Frantzosen walten, dasz meine braut so arm, und ich nichts, als lauter bettelei bei ihr zugewarten: das wäre ein freuen für capitain Daradiridatumdarides. A. Gryphius Horribilicribrifax 5 (neudruck s. 72); dasz wir von der gröszeren zahl weder gerechtigkeit noch nachsicht zu gewarten haben. Wieland 13, 262.
2)) dieweil wir von gott alles glück, sieg und ehr gewarten müsten. Kirchhof wendunmuth 1, 73; grosz auffmercken soll der kriegsfürst haben, wer die seien, so ihm zum krieg rathen: ob sie ihr eigen passion, neid und hasz laite und führe, oder ob sie ehr, nutz, und vortheil davon zugewarten haben. Schwendi discours v. bestellung des kriegswesens 15; darzu schmach, hohn, spot, allerlei marter und tod, wenn es gott verhienge, von ihr (der welt) zu gewarten haben. Fr. Frisius leichenpredigt auf Anna Scultetus C 4b.
3))

zum hauffen zohe er (d. reiter) mit sein gsellen,
muszt sich das pferdt auch feindtlich stellen,
im krieg gewarten schösz und stich.
B. Waldis Esopus 1, 77, 27 (v. esel u. pferdt) Kurz;

und das dazu die schrifftgelarten
müssen von dir schmehwort gewarten.
Lobwasser Cal. 73;

dort wo der spitzge latz, da grünt der sommer-garten,
da hat man immerfort riechbüsche zu gewarten,
das frauenziefer all steckt strauszgen forne für,
als wenn am selben orth sie schenckten stetig bier.
Rachel sat. ged. 129 (jungfern anatomie).

wann er von der person fünffzehen gülden zu gewarten hätte, würde er leicht zu behandeln sein. Ch. Weise die drei ärgsten erznarren 132 neudr.
4)) es ist kainem nöter, das er guet gerechtikait halt, dan der nützlich kriegen wil, sunst ... ist nichts zu gewarten dan schaden. Aventin (chronik) 4, 491, ebenso (ursachen des Türkenkriegs) 1, 178; darausz dann nichts als wider und unwillen zu gewarten und erfolgen möchte. Fronsperger kriegsb. 1, 161b; adieu o weld ... dan von deinetwegen ... wird der gottlose unbuszfertige zur ewigen verdamnus verurtheilt, in welcher in ewigkeit anders nichts zugewarten, als ... leid ohn trost. Grimmelshausen Simpl. 462 neudr.; das die geistlichkeit darvon fast nichts als schimpff und spott zu gewarthen. aus dem Frankfurter archiv (1700), s. Diefenbach-Wülcker 1, 619; deine nachkommen haben viel gutes zu gewarten, spricht der herr. Luther Jerem. 31, 17; von den erbitterten gemeinen haben wir nicht viel bessere dienste zu gewarten, als dasz sie uns in stücken zerreissen werden. Wieland Shakespeare (Richard II. 2, 8) 5, 63; sihe, solch ubel kompt von dem herrn, was soll ich mehr von dem herrn gewarten. Luther 2 kön. 6, 33 (was warte ich furbas vom herren. Eggestein, Koburger);

ein angenehmer schertz hat offt mehr zu gewarten.
Canitz 162;

der mensch hat mehr unglück zu gewarten aus dem straucheln mit der zunge als des fuszes. Olearius sentenzen 107 (1); dencken nit das wir ... ettwas mit dem gepeett suchen, begeren und gewarttenn. Luther 9, 255; was wöl er in jenem leben zu gewarten haben. Mathesius Luther 302 neudr.; darumb wer sich in den orden begeben wil, der mag ... das zuvor bedencken, was er im ehestande gewarten und auszstehen

[Bd. 6, Sp. 5345]


musz. hochzeitpredigten 159 neudr.; dann wasz für gefahr und verderben, wegen dises meines mühseeligen diensts und grosser ambtmanschafft allhie, ich alle tage zu gewarten habe. Moscherosch insomnis cura parentum 22 neudr.; wenn er dem verstande raum liesse und bedächte, was er selbst vor straffe und unglück darauff zu gewarten hätte. Weise die drei ärgsten erznarren 224 neudr.; was allmosen hat man aus der hand eines hungerigen zu gewarten? Olearius pers. rosenthal 1, 20; mehr gleichheit und beständigkeit fordern, als irgend ein andrer ... von ihr zu gewarten hat. Wieland 24, 33.
β) substantiva, an denen durch die flexionsform oder durch attributive bestimmungen der accusativ gekennzeichnet ist.
1)) also bin ich iren henden entrunnen in gottes namen. die münich aber hoffeten und gewarteten gar ein anders. Eberlin v. Günzburg 2, 112 neudr.; wie vil geltt man möchtte zu meiner erlödigung zusamen bringen, under innen gleubigern auszzuthaillen: dan si miessen bekennen, soltt ich sterben, möchtte innen gar nichtts werden. soltte es dan ein schlechtts sein, das einer und der ander pro ratta hette zugewartten, so weren si endtschuldigtt, mich sitzen zu lassen. Krafft reisen 260;

welch mann einen thut effen ...
der musz gewarten wider das,
wie er vor hat gemessen,
das man im messe gleicher mas,
im auch versalz das essen.
H. Sachs (fuchs mit d. storchgast) fabeln u. schwänke 4, 194.


2)) wie si dann destwegen von deiner lieb beschaid zu gewerten unnd zu emphahen, auch demselben nachtzusetzen befelch haben. Maximilian an den churfürsten v. Sachsen (1564), s. archiv f. österr. gesch. 31, 202; ich hab auch itzt nodtlicher mit dir tzureden, denn das ich bedencken und gewartten kundt des alten jarsz brauch. Luther 8, 691, 12 Weimar; das wir ... tzuletzt auch den ewigen todt alle augenblick gewarten musszen. 2, 96;

die frösch rieffen, hie ist kein gnad,
den tod jeder zugwarten hat.
Rollenhagen froschmäuseler 3, 2, 7;

wer seine füsz will weiter strecken,
denn er mit kleidern mag bedecken.
der musz gewarten grossen frost.
B. Waldis Esopus (von einem hecht) 3, 8, 21 Kurz;

das er von gott nur eytel gold
bey seinem wort gewarten wolt.
B. Ringwald laut. wahrh. 26;

ich fragte ihn hierauff: ob er mir nicht ein paar gute pistohlen schaffen könnte? ... er solte dafür ein trinckgeld zu gewarten haben. Reuter Schellmuffsky 25 neudr.; sie bekennen auch selber dasz sie noch ... gewaltiges unglück zu gewarten haben. Prätorius catastr. muham. Bbb 2b; derhalb sagt Christus den seinen zuvor ... was sie für glück auff erden sollen gewarten, nemlich den hasz, verfolgung von allen menschen. Franck weltb. 38b; es könnte leicht kommen, dasz diese gedichte noch ein härteres schicksal zu gewarten hätten. Uz (vorrede z. 2. ausgabe) 4 neudr.; wer ein halbtodte schlang im busen trägt, der hat ein tödtlichen stich zu gewarten. sprichw., s. Lehmann 1, 219; massen mein freund, mein ander ich, an dessen glück und unglück ich meinen anteil zu gewarten habe. Butschky hd. kanzelley 87; welches denn der grösseste lohn ist, den die poeten zu gewarten haben. Opitz poeterei 56 neudr.; der ist ein reicher herr und hat teglich seinen zoll und einkommen zu gewarten. Mathesius Syrach 1, 116b; von einem mönche aus diesem kloster ... zu hören, dasz sie dieses jahr ungefehr 10000 eimer zehent zu gewarten. Edelmann selbstbiographie (1752) 81; so soll hingegen der gewinst, den mein herr aus diesem prozesse zu gewarten hat, umb so viel grösser sein. J. Kuhnau musik. quacksalber 127 neudr.; weil nuhn Markhold gedachte, dasz es (d. schreiben) nuhr ein überzug eines vihl ähdleren schazzes sein würde, welchen er von seiner Rosemund zu gewarten hätte, so frahgt' er nicht weiter nahch. Zesen adriat. Rosemund 83 neudr.; welchen namen wenn die poeten nicht zue gewarten hetten, würden viel derselben durch die boszheit der leute, die sie mehr ausz neide alsz billicher ursache verfolgen, von jhrem löblichen vorsatze zuerücke gehalten und abgeschreckt werden. Opitz deutsche poeterei 16 neudr.; von euch haben wir einen guhten raht zu gewarten. Zesen Assenat 561; so lange haben wir keinen guten deutschen Homer zu gewarten. Bürger 141, 6; goth. darf man nach dem comp. noch bloszen dativ ohne partikel gewarten. Jacob Grimm s. theil 1, sp. 250; wir haben einen ganzen umwurf des krams zu gewarten, mit dem wir uns

[Bd. 6, Sp. 5346]


schleppen und tragen. Herder (älteste urk. d. menschengeschl. 3, 3) 6, 452;

als wir jedoch die nachbarliche flur besucht,
und dort, vor einer neuen bühne, groszen drang
der fremden zu gewarten hatten.
Göthe (prolog bei wiederholung des vorspiels 'was wir bringen') 11, 323;

das wetter hellt sich aus, wir haben einen schönen tag zu gewarten. (Götz) 8, 161.
3)) die falschen brüder aber, so sich auch des evangelii rhümen wöllen, das es ohne noht sei, das einer sein missethat berewe ... das heist die leute ... alles trostes und seligkeit berauben, welche die so göttlich trawrig sein, inn irer rew zu gewarten haben. Mathesius leichenpredigten 161 neudr.;

ich kam für liebes fensterlein
an einem abent spate
ich sprach zur allerliebsten mein
ich fürcht ich kum zu drate.
er zeig mir doch die treue dein
die ich von dir bin gwarten.
sie liebe lasz mich ein.
G. Forster frische teutsche liedlein 102 neudr.;

ein grosser mann, der sich unter die kleinen gezehlet, hat in dieser und der zukünfftigen welt grosse herrlichkeit zu gewarten. Olearius pers. baumgarten 4, 26; dahär kömt es oftmahls, dasz manche zahrte jungfrau ... so übel verehliget würd, dasz si in ihrer ehe keine fröliche stunde ... zu gewarten hat. Zesen adriat. Rosemund 222 neudr.; so würde seiner schähfferin nicht alein di höchste ehre, welche si auf der ganzen wält zu gewarten hat, geschähen. 86;

als mein herr kam an ersten pass,
darauf sasz der bös Fürwittig,
der macht meinen herren lustig,
vil kurzweil stets zu fahen an,
drin er müst alweg understan,
zu gewarten grosz gfärlicheit. Teuerdank 108, 37;

dann ohne deine hülffe, herr, haben wir keine hülffe zugewarten. Moscherosch insomnis cura parentum 27 neudr.;

not ficht mich an
weil ich nach wan
dein hülff gewart.
G. Forster frische teutsche liedlein 12 neudr.;

als aber Bogussa nicht hatte womit zu zalen, auch vom könige Vladislas keine hülfe zu gewarten. Schütze Preuszen 55; bei einem herrn wolle mancher nicht ein loses wort einfressen, da er doch alle beförderung von ihm zu gewarten hätte. Weise die drei ärgsten erznarren 96 neudr.; wurde auch einer ... von dieses vermeinten grafen gesellschaft ... einen ... in gefängliche haft bringen, soll er dafür auch eine ehrliche remuneration oder verehrung zu gewarten haben. Pommerscher steckbrief gegen den grafen Strozzi (1606), Pommersche monatsbl. 1900, 4; eine solche antwort würde er zu gewarten haben. Liscow 312; wer umb meinen willen verlesset haus, hoff, weib, gut, der sols hundertfeltig wider kriegen ... mus man doch solche fahr in allen andern wercken auch gewarten. Luther (ob kriegsleute auch in seligem stand sein können 1527) 3, 328a Jena; musz man doch solche gefahr in allen andern wercken auch gewarten. Fronsperger kriegsb. 162a; wer inhalt der öffnung, lantsrechten und altes herkommen nit gehorsam und ein uberfarer war ... dieselben sein nit gestüft und sullen unser straff ungenädiklich gewartent sein. (landrecht in d. Pillersen), österr. weisth. 2, 96; derselbe sol die pœn & straff, dero er den andern schuldig zumachen vermeinet, an sich selbst haben zugewarten. (hamburg. gesetz) bei J. B. Schupp schrifften s. 676 (abgenöt. ehrenrett.);

nun we, nun wee mir armenn mann,
das ich ich ie selichs kind gewann!
soll ich erst gewartn von dir soliche schand,
ich wolt, ich hiet dich nie erkandt;
du machst mir solichn umuet und zorn.
ich wollt, du werst im ersten pad ertrunkn woren,
so wer ich doch der sorg vertragn
und bedorfft nit in meinenn tagen
soliche schand von dir gbarten sein. Sterzinger spiele 65 neudr.;

zwar lobe ichs nicht, sich auff diese art zuverehelichen; aber gleichwol hat dieses junge paar hierdurch weder galgen noch rad verdienet, der herr obristleutenant auch keine schande davon zugewarten, wan er nur diesen fehler ... heimlich halten ... wird. Grimmelshausen Simpl. 275 neudr.
4)) das ritterrecht handelt in 13 artikeln: von der succession und erbnehmung ... ob die wittfrau, nach absterben ihres mannes, gerade, musztheil, morgengabe und leibgedinge von sich selbsten einzunehmen befreiet, oder solche stücke aus der erben hände gewarten und empfangen müsse. v. Robbe

[Bd. 6, Sp. 5347]


gesch. d. herzogthümer Bremen u. Verden 1, 251; versichere dich dagegen, das du ebenmässige liebeswerke jederzeit von mir solst zu gewarten haben. Rist neue himl. lied., vorbericht; und das alte sprüchwort alsdenn wahr gemacht werden: wenn man die hünereier in die pfanne schlägt, hat man keine junge küchlein zu gewarten. Döbel jägerpractica 1, 56.
d) in diesen verbindungen mit einem sächlichen object (im genetiv oder accusativ) sind bestimmte hilfsverba bevorzugt worden, die theils nach der bedeutung des objects, theils nach der zeitfolge mit einander wechseln. für die angaben im folgenden überblick sind die belege meist aus dem vorstehenden zu ergänzen.
α) während wollen, mögen, dürfen nur occasionell zutreten, sind sollen und müssen häufiger zu beobachten. sie werden fast ausnahmslos da angezogen, wo etwas unerfreuliches droht. andere fälle sind sehr selten und leicht zu erklären: von got alles glück ... gewarten müssen. Kirchhof 1, 73 (s. o.), ebenso glück erwarten sollen. Franck weltbuch 38b. im allgemeinen wird sollen in älteren, müssen in jüngeren quellen bevorzugt.
1)) schande gewarten sollen Sterzinger spiele; krankheit Schwartzenberg 9; täglicher fahr Zweifel 511. 86; der straff österr. weisth. 1, 271. 2, 96. 3, 71.
2)) mus gewarten aller streich Luther 25, 460; gefahr Luther, Fronsperger, Waldis; alls ungmachs Hans Sachs 19, 250; ungluecks fabeln 3, 182; zwei pöser stück 3, 307; plage Luther 6, 114a; straff Schaidenreisser 6b; tod Luther 2, 96; frost B. Waldis 3, 8, 21; schmehwort Lobwasser Cal. 73.
β) die verbindung zu gewarten sein, bei der das subst. in die function des subjects überführt wird, ist bei erwünschten und gefürchteten ereignissen in gleicher häufigkeit zu belegen, sie ist aber auf die ältere zeit der neuhochdeutschen periode beschränkt.
1)) davon künfftiger nachtheil z gewarten. Fronsperger bauordnung 30a; nachtheil und schaden darvon z gewarten erfolge. 12a, vgl. auch unter e); dabei die vertreibung desz gemeinen friedens zu gewarten (1614). Londorp 1, 181b; dasz der grosze tag der offenbarung und endlichen gerichts nun nahe und täglich zu gewarten sei. J. Böhme Aurora 87; und allen vermuthen nach seind noch schädlichere krieg zu gewarten. Abraham a S. Clara auff auff ihr christen 30 neudr.
2)) je weniger gnade ihnen hernach, wenn sie sich doch zuletzt ergeben müsten zugewarten sein würde. Spangenberg Henneberger chron. 73; ein karger ... meister konnte eines vorstehenden jarmarcks halber, da gutte lohnung zu gewarten, des gesinds nicht wol entrathen. Kirchhof wendunm. (2, 140) 190 Österley; zum wenigsten würde ausz dieser thorheit der grosse nutz zu gewarten sein. Weise die drei ärgsten erznarren 31 neudr.; ich erzehle diese geschichte ... damit meine histori gantz sei und der leser zu gemüt führe, was vor ehrbare früchte von dem tantzen zu gewarten sein. Grimmelshausen Simpl. 94 neudr.;

bepflanzet einen garten,
daraus nun nach und nach viel früchte zu gewarten.
Harsdörfer frauenzimmergespräche 1 (zueignungsged.).


γ) die beliebteste verbindung jedoch, die zugleich in der heutigen sprache noch gepflegt wird, ist zu gewarten haben. sie ist vor allem häufig mit dem accusativ des objects belegt. was die art des objects anbetrifft, so sind auch unerwünschte ereignisse mit dieser wendung angeschlossen, jedoch überwiegen die erwünschten.
1)) eines schiffbruchs zu gewarten gehabt. Rauwolf 11; schaden Aventin 4, 491; unglück Olearius sentenzen 107, ebenso Prätorius catastr. muham.; tödtlichen stich Lehmann 1, 219; schmach, hohn Fr. Frisius; strengen gerichts Abele 3, 290; härteres schicksal Uz vorrede.
2)) einer belohnung zu gewarten haben. Livius 36a. Butschky kanzlei 396. 489; lohns Tieck 1, 362; vergeltung Butschky 396; verehrung Pommerscher steckbrief v. 1606; trinkgeld Reuter Schellmuffsky 25; gewinst Kuhnau 127; zoll Mathesius Syrach 1, 116b; zehenten Edelmann 81; gulden Weise erznarren 132; vortheil Schwendi 15; antheil Butschky kanz. 87; schaz Zesen Rosem. 83; vil gutes Luther Jerem. 31, 17; beförderung Weise erznarren 96; hülfe Moscherosch 27. Schütze Preuszen 55; guten raht Zesen Assenat 561; trostes Micrälius 3, 347; trost Mathesius 161; liebeswerke Rist vorbericht; ehre Olearius 1, 31. Zesen 86; herrlichkeit Olearius 4, 26; dienste Wieland Shakesp. 5, 63; namen Opitz poeterei 16; gerechtigkeit Wieland 13, 262; einen schönen tag Göthe 8, 161.
e) aus solchen verbindungen löst sich die formel zu gewarten ab; sie gewinnt appositionelle und attributive functionen: sonderlich wo ausz gebeuwen künfftiger schaden und nachtheil z gewarten

[Bd. 6, Sp. 5348]


ervolget. Fronsperger bauordn. 6a, vgl. oben unter d); ew. lieb ermesse mit samt ihrer landschaft selbst, ob ihr verfängliche rechtbote thun möget; und ob gleichwohl solche rechtbote sorglich wären, ob nüzzer sei, die dennoch zu thun, damit gewartende aufruhr anzustellen, dann verlierung der sachen im recht, und krieges und schadens zu gewarten (1488). Krenner 12, 216; weil ich nun wuste, dasz der erste zu gewartende sturm dasselbe (d. schiff) unfehlbar in stücken zerbrechen würde. Robinson (1727) 76; jetzo liesz ich die gedancken wegen des schiffs und der etwa daraus annoch zu gewartenden dinge völlig fahren. 82; den hiervon zu gewartenden nutzen anbelangend. Döbel jägerpractica, vorbericht 11.
f) an stelle des substantivobjects sind häufig auch satzbestimmungen angeschlossen.
α) denn ich wills nicht gewartten, das die concilia beschliessen, ob zu gleuben sei an gott vatter etc. Luther 12, 230 Weimar;

sol man mit im mitleiden han,
weil iderman gewarten müs,
das im etwan entschluepff ein fües
pei dieser ungetrewen welt.
H. Sachs (d. geizige wolf) fabeln u. schwänke 2, 157;

warlich wiewol mir Penelope fast liebet, so ist si doch nit allain und ain ainigs weibszbild ... wolt mich demnach ihres heüraths geringlicher verwegen, dann gewarten, dasz man unns allenthalben wirt nachsagen, wie unser kainer Ulyssem in sterck ersetzen, und seinen bogen habe spannen können. Schaidenreisser Odyssee 89a;

der feurwurm brumt und macht sich krausz,
und sprach, es ist die schelmsche mausz,
nun lange zeit mein feind gewesen,
darumb solln die meusz nicht genesen.
ich will sie all allein erschlagen,
ihr dürfft ihn nicht also nachiagen ...
weicht ihr aber nicht, so müst ihr gewarten,
das wirs euch wie den meusen karten.
Rollenhagen froschmäuseler 3, 3, 12.


β) wo bliebe mein seele, so noch nicht sollt wissen, und aller erst von den concilia gewarten, was sie gleuben sollt. Luther 12, 236 Weimar; ich schicke das euch z, was got unser herre damit auszrichten wöll, solle ich in gtter zversicht gewarten. Eberlin v. Günzburg schriften 2, 138; und er wölt gewarten was gegenwald darüber handlen würd. Ayrer proc. 2, 4; wird man die ammen wider auffscharren und viel drein blasen, so mügen sie gewarten, wem die funcken in die augen stieben. Luther (vorrede auf die antwort Balthaser Raida wider d. laster u. lügenbüchlein) 6, 112b Jena; so lang nu der same nicht komen war und nicht ausgedrückt war, wilchs weib sein solt, die den samen solt bringen, must kein weib jungfraw bleiben, sondern alle gewarten, wo gott den samen wolt herbringen. (predigten über d. 1. buch Mose, cap. 4) 24, 122 Weimar; Odysseus vergasz doch in solcher mü und angst seines flosz gar nit, sunder als der auch z land gerungen ware, setzt sich Ulysses wider darauff, gewartend wahin in die wind theten treiben. Schaidenreisser Odyssee 22a.
5) die wörterbücher der älteren zeit buchen bei gewarten nur noch die bedeutung exspectare: gewarten, erwarten, hoffen. Henisch 1594. ähnl. Stieler 2442. Bayer 290b; gewarten, zu gewarten haben, gewärtig sein. Kramer (Nürnberg 1719) 2, 96c. ähnl. Rädlein 382a (avoir un emploi a espérer, ou à atendre). nouveau dictionaire (1772) 339a. teutsch-engl. wb. (1716) 770; erst diejenigen wörterbücher, die sich auf reichere belesenheit in älteren denkmälern stützen, erwähnen auch die entschwundene fügung = warten, pflegen: gewarten ... so das ohne noth verlängerte zeitwort warten ist ... für abwarten, zeit und fleisz auf eine sache wenden, eine im hochdeutschen ungewöhnliche bedeutung (sie wird aus Luther Sirach 38, 37 belegt) ... für erwarten, sowohl von einem künftigen gute, als auch von einem bevorstehenden übel ... im hochdeutschen braucht man es nur noch in der redensart etwas zu gewarten haben. Adelung 2, 651. vgl. auch Heynatz Antibarbarus 53, der speciell für sie können der ampt auch nicht gewarten (Luther Sirach 38, 37) die änderungen der späteren bibeldrucke (warten, abwarten) anmerkt. die mundartlichen wörterbücher bezeugen das vollere fortleben der form gewarten im sinne von warten = exspectare für das bair.-österr. gebiet, vgl. auch Lexer kärntn. wb. 250. Unger-Khull Steir. wortschatz 290.
 
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gewärtig, adj. die bildung ist spät belegt, in einem zusammenhang, dem man wol die auch am verb. gewarten (s. o.) beobachtete grundbedeutung 'aufmerksam' unterlegen darf:

[Bd. 6, Sp. 5349]


ich het eʒ verholn noch lange vrist.
wan daʒ din eltere bruder ist
etlicher maʒe gewertik.
der erblicket des riemen strick
da dirre slussel an hie
zehant er mich nicht enlie
ich must im sagen die warheit. der schlägel ges. ab. 2, 437, vgl. mhd. wb. 3, 531b.

wie hier, so ist auch sonst die verbindung mit dem verbum substantivum der eigentliche hebel für die gebrauchs- und bedeutungsentwicklung. gewärtig sein geht als vollere (umschreibende) form dem einfacheren gewarten zur seite, von dem es die einzelnen abstufungen der bedeutung empfängt und dem es allmählich den boden abgewinnt. dieser entwicklung kam es zu statten, dasz die verbindung von gewarten mit einem dativ der person der bedeutung nach sich eng mit einer festen formel berührt, in der ein lautverwandtes adjectiv platz hatte. die oben unter gewahr (sp. 4763) belegten verbindungen getriu und gewer; getruwe unde gewer unde gehorsam; getrewe, holt und gewær übten auf die jüngere adjectivbildung gewärtig anziehungskraft aus, so dasz sie in diesem zusammenhang das ältere gewære gänzlich verdrängt. von dieser formel, die im 18. jahrh. aus dem engeren rechtsgebiet in die allgemeinere litteratursprache überdrang, ist bedeutung und gebrauch unseres adjectivs auf der einen seite beherrscht. andererseits aber zeigt sich, dasz auch von sonstigen verwendungen, die an gewarten zu beobachten waren, parallelen mit gewärtig resp. gewärtig sein in die neuere sprache überdringen. hierher gehört der absolute gebrauch, der bei gewärtig von anfang an stärker ausgeprägt ist als bei gewarten, und in besonderer ausdehnung und verbreitung gehören hierher die abstufungen des relativen gebrauches in der bedeutung von 'aufmerksam'.
1) der absolute gebrauch: gewärtig sein oder fleisz haben, oder willen haben oder angedencken, intendere. voc. theut. 1482 (Nürnberg); gewärtig, promptus, paratus. Stieler 2442 (vgl. auch gewärtigkeit); ähnlich Spieser 151a. Steinbach 2, 936. Kirsch 180a.
a) das adjectiv auszerhalb der engen verbindung mit dem verbum substantivum: so ist es mir daz kommen, daʒ ich nit lustigs geschmacks, sonder heilsamer artznei, nit frölichs beiwesens, sonder gewärtiger hilff bedörfft. Hutten (vorred z. gesprächbüchlein) 1, 448;

aber ein knecht ich haben musz,
der ehrlich sei und fein auffrichtig,
gewertig, nüchtern und fürsichtig,
wo ich gen hof zum adel kum.
H. Sachs (d. verspilt reuter) 21, 79;

denn ihre kinder saszen schon gewärtig,
mit froher ungeduld am tische pochend.
Lenau neue ged. 12.


b) die verbindung mit negationspartikeln: nit gewärtig sein, eines radt nit volgen, authoritatem alicujus defugere. Maaler 200b. das adjectiv ungewertig läszt sich in zwei bedeutungen belegen: 'nicht gegenwärtig, nicht verläszlich': Hanns Bernher hat sich Oszwalds, seines diczeit ungewertigen sones, solcher richtung halbn gemechtigt (1487). mitth. d. vereins f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 39, 200; richter, advocaten und zeugen waren im mindesten nicht verpflichtet, solchen unholden, ungetreuen und ungewärtigen leuten ihre dienste zu weihen. Möser patr. phant. (gedanken v. d. ursprung u. nutzen d. sogenannten hyen) 3, 342.
c) die verbindung mit dem verbum substantivum. auch hier macht sich die bedeutung 'gegenwärtig' geltend, die auf einer verblassung der grundbedeutung ('aufmerksam, erwartungsvoll') beruht. einzelne verwendungen gehören dem secundär eutwickelten absoluten gebrauch an:

ich gelob dir vier lange tuoch von Gint,
dasz alle, die hie gewärtig sind,
gemainklich müeszen jehen,
dasz si pesser tuoch nie haben gesehen. d. Neithartspiel, fastnachtsp. 466, 31;

mit zehen tausent gewapneter mannen gewertig zu sein. Aimon bog. c; der erhabenste hat seine schwachen, lässigen minuten — aber das ich — die selbstigkeit, erhält die kräfte in immer gleicher spannung; sie ist immer wach, immer da — immer gegenwärtig und gewärtig. Klinger (weltmann u. dichter) 9, 119; rechnen sie auf mich, ich stehe zu ihnen, wenn es gilt, und bin gewärtig, in jedem augenblicke, wo man mich ruft. W. Alexis Isegrimm 381.
2) der relative gebrauch.
a) die allgemeinere bedeutung: gewärtig sein, 'seine aufmerksamkeit auf etwas richten'.
α) die beziehung auf ein persönliches object prägt meist die bedeutung 'erwarten' aus: damahl fing ich an zimlich dürr und

[Bd. 6, Sp. 5350]


brechhafftig zuwerden, derowegen zerschnitte mich meine frau zu windeln, weil sie ehistens eines jungen erben gewärtig wär. Grimmelshausen Simpl. 519 neudr.; derhalben trachtete ich, wieder in Teutschland zukommen ... weil der commandant zur L. mir geschrieben, dasz ... er meiner noch vor dem frühling gewärtig sein wolte. (4, 6) 307; das prieflein hab ich heind auf den abend aug empfangen, darin vernumen des Friderigs zukunft, weln wir sein gewertig sein. M. Baumgartner an ihren gatten, briefwechsel 37 Steinhausen; vermelde dem herren mareschall, dasz ich seiner nebest einer angenehmen gesellschafft zu der abend collation in meinem lustgarten gewärtig. Gryphius Horribilicribrifax 55 neudr.; eʒ sien der artzet so vil ze Basel und (man sei) noch viler gewertig. Boos Th. u. F. Platter 220; die Jomsvikinger kamen noch früher als man ihrer gewärtig war, mit nur 60 schiffen. Dahlmann gesch. v. Dänemark 2, 100;

o, der gräuel, die sie sah!
blut in strömen! todte leiber!
Blaubarts alle zwanzig weiber
hingen, wie gewehre, da ...
weinend stürzt sie vor ihm nieder
und bekennet ihr vergehn.
gut! so weiszt du dein geschick!
jene dort sind dein gewärtig.
mache dich zur reise fertig.
Gotter (Blaubart) ged. 1, 53;

geh zur mutter!sie ist dein gewärtig.
Houwald heimkehr, 10. auftritt;

ach kaiserin, bist du noch nicht fertig,
ich bin des kaisers schon lange gewärtig.
Arnim schaub. 2, 33.


β) die verbindung mit einem object der sache.
1)) anknüpfung im genetiv.
a)) die bedeutung 'etwas hüten, pflegen' (vgl. auch sp. 5351): weliche dann der rod gewärtig sein und ain gemaine rod von oben herab und unden hin wider auf und iederman vor sten wer darein sten well und darzu gericht ist mit schiff und geschier. rodbuch von Imst (1485), österr. weisth. 3, 164; aldo irer vormundschafft vleissig pflegen und gewertig sein. Luther 12, 20 Weimar; du must deines nutzes auch gewärtig sein. Witzenbürger 3, 151;

du mst deins nutzs auch gwärtig sein,
das hat Esopus auch getriben.
Scheidt Dedekinds Grobianus 119 neudr.;

indem ich mich meiner frühen jugend erinnere, und immer des spruches gewärtig bin. Tieck S. Notanker 4, 219. vgl. auch 2)).
b)) die bedeutung 'etwas erwarten, auf etwas gefaszt sein': ... durch ergebung an dem teufel, mit dem teufel, und musz, aus dieser letzten verlöbnisz, einer heimholung gewärtig sein. Erasmus Francisci der höllische Proteus (1689) 555;

ich hatt üch geben, das ir götter werend,
auch das ir leben solten in eeren;
wie Adam mach ich, das ir sigen sterblich,
desz valsz gewertig.
Sixt Birck Susanna, s.
Bächtold schweiz. schausp. 2, 42;

er war einer stattlichen verehrung gewertig. Witzenbürger 3, 22; wie es ein sach ware, weisz ich nit, denn es traumte dem bruder, wie er ein kalb geboren und grosser straffe gewertig were. Kirchhof wendunm. 1, 492 Österley; und wiewol er alle mittel, sein gsundtheit wider zu überkommen, nicht underlassen, ist es doch alles umb sonst, darumb er teglich dess todts gewertig. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208), s. 40; wir aber ettlich wochen lang eines andern schiffs sancta Cristina genanntt, von unsern herrn aus Marsillia abgeförttigt teglich gewertig gewesen. Krafft reisen 77; sein theil und wart an gütern ... daran er nach seiner mutter tode seines erbtheils gewärtig ist. Helfenst. urk. vom j. 1433 bei Schmid schwäb. wb. 517; da waren wir erst eines anderen (sturmes) gewertig, wie dann auch geschach. Rauwolf 12;

gewertig sein die feind kains hails
wann got der herr ist unsers thails.
Schwartzenberg 104, 1;

er ist kaum ihres flehens gewärtig
so hält er zum voraus sich mit der ausflucht fertig.
Hagedorn 2, 147;

alle fragen bestürzen, deren wir nicht gewärtig sind. Lessing (d. freigeist 1, 1) 2, 51; wir bleiben dessen gewärtig, dasz es noch dermahleins geschehen werde, we hope, wait, expect or trust that it will once come to pass. teutsch-engl. wb. (1716) 770;

o ihr sünder, unbuszfertig,
wandelnd auf des irrsals wegen,
seid des götterzorns gewärtig,
der euch allwärts droht entgegen.
A. Grün (gimpel) ged. 284;

[Bd. 6, Sp. 5351]



ihr dölpel, rief der mann, mit greszlichem gesicht,
nichts könnt ihr alle, sagt' ichs nicht?
flieht, oder seid des stocks gewärtig.
Lichtwer fabeln (d. wächserne nase) 172;

hier stand ein rathaus funkelneu —
bis auf die ratsherrn — fertig,
dort war der turm der domprobstei
noch seines knopfs gewärtig.
A. Blumauer Virgils Äneis 1, 354;

es ward der tag der feierlichen wahl
gesetzet und der auftrag mir ertheilt,
dich einzuladen, dasz du unverfehlt ...
erscheinest und der wahl gewärtig seist.
Uhland Ludwig d. Bayer 1;

wie dann der scharfrichter erst von haupt zu haupt, dann je bei dem zehnten mann innehielt und der gnade gewärtig war, ja selbst um dieselbe flehte. G. Keller (d. landvogt v. Greifensee) 6, 238; in dieser hoffnung ergab er sich mit stillen seufzern in sein schicksal und war der nächtlichen rippenstösse und des streites um die decke gewärtig, die es nun absetzen würde. (die drei gerechten kammmacher) 4, 224; er ist des todes gewärtig. Steinbach 2, 936; des krieges, eines besseren glücks gewärtig sein u. a. ebenda; sie ist ihrer niederkunft alle stunde gewärtig, she will soon be brought to bed. teutsch-engl. wb. (1716) 770; bedauere sehr, wars nicht gewärtig. Kotzebue dramat. spiele 1, 22; die morgendämmerung liesz die aus dem dunkel hervorleuchtenden figuren wie belebt erscheinen, als ob sie der dinge gewärtig wären, die da kommen sollten. G. Keller grüner Heinrich 3, 246.
c))

draus zog er mann bei mann hervor,
und raunt' ihm heimlich ding ins ohr: —
'wohlauf, wohlan! seid fertig;
und meines horns gewärtig!'
Bürger (die entführung) 217 Sauer;

und als er diesz mit fleisz gethan,
tritt er als ministrant
dem priester zum altar voran,
das meszbuch in der hand,
und knieet rechts und knieet links,
und ist gewärtig jedes winks.
Schiller (gang nach d. eisenhammer) 11, 253.

andere verbindungen mit dem gleichen object s. unter 7)).
2)) die anknüpfung im dativ, auf die bedeutung 'pflegen' beschränkt: zum achten sol die jaghut dem galdviech gewertig sein. österr. weisth. 4, 376; bist du des keysers geboten nit gewertig, so wirdt er dich hencken. Aimon bog. b; ain jeder geschworen, der gesetzt wurt, soll schwörn ain aid ... das er ... gleichs recht sprechen welle dem armen als dem reichen, dem reichen als dem armen, und darinn kainerlai ansehen darzue, weder schankung, miet noch gab nemen welle bei seiner seel seligkait, und dem rechten gewärtig sein. (lantsprach d. gerichts Schlanders 1490), österr. weisth. 4, 174.
3)) die überführung in den accusativ, auf die bedeutung 'erwarten' beschränkt.
a)) was er jederzeit gegen den feinden gedenckt, berahtschlagt oder fürnimpt, das soll er hergegen von seinen feinden auch besorgen und gewärtig sein. Schwendi discours von bestellung des kriegswesens 56b; also iebte sich in gten sitten und in briederlicher liebe, das man doch seligkait allein durch den glauben gewertig were. Eberlin v. Günzburg (freundl. u. tröstl. vermahnung) 2, 149; hiet dich, das du kain hilff annemst noch gewartig seiest, damit dir zehelffen, dann allain gottes trostlichs wort. 142; vilen ist wissend ... das die warhafftigen trewe diener der grossen fürsten, nit allein böse belonung entpfangen, sonder auch das noch erbärmmiglicher ist keinen danck für ire warhafftigen treüwen dienst, von solchen herren gewertig sein mögen. Hartmuth v. Cronberg schriften 103 neudr.; von welchem wir zeitliche und ewige gütter gewärtig sein können. Butschky hochd. kanzl. 304 (neben: etwas dessen man nicht gewärtig gewesen. 490); seind also ew. keiserl. majest. allergnädigste endlich-und willfährige resolution hierüber gewärtig, deren wir uns zu keiserlichen gnaden gehorsambst befehlen (1613). Londorp 1, 133b; der hofschauspieler herr Unzelmann hat ... sich auf die hiesige hauptwache in arrest zu begeben und weitere verfügung gewärtig zu sein. Göthe briefe 19, 431.
b)) der accusativ hat sich am consequentesten da durchgesetzt, wo eine person, von der man etwas erwartet, mit angegeben ist: am dinstag und mittwoch nach Letare lag die versamelt bawrschaft zu Newsesz, und was der ausschusz von inen uff iren furschlag antwurt gewertig. Th. Zweifel Rotenburg im bauernkrieg, Baumann 95; also muste das bedrängte Kolzester alles trostes, und alles entsatzes, den die belägerten von

[Bd. 6, Sp. 5352]


seiner königlichen hoheit zu wasser, und zu lande gewärtig, entbähren. Zesen gekrönte majestät 72; ein schön spiel ... erfreulich, weil wir von ihr gestr. eine gute verehrung gewertig sind. Gryphius Peter Squenz 18 neudr.;

antwortet ihm, vor mich, mit canoniren
auf diesen brieff. meint er uns zu vexiren:
vor dinten blut, und kugeln vor papir
soll er alsbald gewärtig sein von mir.
Matthäus Lüther belagerung und entsatz der stadt Wien 8 neudr., vgl. auch 5)), a));

du wöllest mögliche dienste von mir gewärtig sein, a me omnia in te studia atque officia, quae quidem ego praestare potero, expectes. Henisch 1594; von gott, der warhafftig ist, alles, so uns beid an seel und leib von nöten, seiner getreuwen und gewissen verheissung nach, wie er weisz, dasz iedem nutz und gt ist, gewertig sein. Kirchhof wendunm. 1, 211 Österley;

dir hat sie (d. gelegenheit) ihn übergeben
meines lebens vollgewinn,
dasz ich nun, verarmt, mein leben
nur von dir gewärtig bin.
Göthe (buch Suleika) 5, 144.


4)) andere formen der anknüpfung: durch diesen ... wirstu gewiesen, der trew und liebe, so du von Rosamunde gewertig bist. buch d. liebe 237;

drugen ein warmen hirsz inns schiff
in einem grosen hafen tif,
z zeigen an, das, wie sie könten
den hirs warm lifern an ferrn enden,
also weren sie allzeit gwärtig,
z dienen iren freunden färtig.
Fischart d. glückhafft schiff 192 (neudruck 8);

es warn auch gestern mitwochs hieher komen der statt Schwebischen Hall erber ratsbotschaften ... und warn der von Nurmberg und Dinkelspuhel ratsbotschaften auch hieher zu komen gewärtig. Th. Zweifel bei Baumann s. 101; auch, sagt er, werdest du dir keine hoffnung machen, jemals gnade zu seinen füssen zu erwimmern, wenn du nicht gewärtig sein wollest, im untersten gewölbe seiner thürme mit wasser und brod ... traktirt zu werden. Schiller (die räuber 1, 2) 2, 38; herr, wenn das ding in den zeitungen erschiene, ich wäre ja gewärtig, die Maria Stuart das nächste mal ganz ohne Elisabeth geben zu müssen. Houwald epilog zu Maria Stuart; sich wenigstens des jahrs zweimal zur communion einzufinden, oder im gegenspiel gewärtig zu sein, dasz ... corpus constit. Brandenb.-Culmb. 1, 253; ich bin es gewärtig, bin's völlig zufrieden, dasz morgen jemand kommt und mir sagt: deine braut hat ruhe, Agnes ist gestorben. Mörike (maler Nolten 2) 44, 245; dann der ritt über stock und block; wie die tonnen auf den kleppern schaukelten! war jeden augenblick gewärtig, einer kippte und purzelte. Alexis hosen d. herrn v. Bredow 2, 1, 96.
5)) von den verbindungen mit hilfsverben, die wir oben an gewarten beobachten konnten, sind es nur die mit sollen und müssen, die bei gewärtig sein günstigen boden gefunden haben.
a)) ir söllen ... gewertig sein gemainer und sonderer leiden, wie si gott auff euch wirt lassen fallen. Eberlin v. Günzburg (freundl. und tröstliche vermahnung) 2, 146; höhers unnd kümerlichers hertzenleid mag einem auff erden nicht zustahn, als so er von dannen, daher er allen guten willen solt gewertig sein, hingegen allerlei widerwillen ... musz erfaren. Fischart Garg. 339 neudr.; wo sie nun also, wie sie angefangen, fortfahren würden, solten sie auch hinfürt allezeit sig und triumpf wider ire feind ... gewertig sein. Josephus deutsch (1569) 142a; meinem getreusten cameraden Spring-insfeld schenckte ich zwölff reichsthaler, der rieht mir dargegen, ich solte mein reichthum von mir thun, oder gewärtig sein, dasz ich dadurch in unglück käme. Grimmelshausen Simpl. (3, 13) 245 neudr.; solte sich heben und fortpacken, oder gewärtig sein, dasz man ihm, als einem bösewicht, was anders wiese. Erasmus Francisci indisch-chinesischer lust-garten (1668) 1, 95; sol auch gewertig sein ihn auf freien, öffentlichen strassen zu attaquiren, und in allen compagnien zu schimpffen. Schoch komödie vom studentenleben 56 neudr., vgl. auch oben 3)), b)).
b)) müssen.
α)) wo die meuse mit den katzen essen wollen, do mussen sie einer scharffen tischzucht gewertig sein. B. Krüger Hans Clawerts werckliche historien 32 neudr.; sonder müssen solcher gnedigen gaben allein ausz lautter götlicher barmhertzigkeit hoffen und gewertig sein. Schwartzenberg beschwerung d. alten teuflischen schlangen 59a; darum ich mich in stich geben, und der sycophanten gifftigen natterbisz auch werde gewertig sein müssen. Hollonius somnium vitae humanae 71 neudruck.
β)) die gröst plag ist ein mensch dem andern auff erden

[Bd. 6, Sp. 5353]


dann einer dem andern beistand thn solt, so ermördet erst einer den andern auff dem lande, ja was schaden msz der mensch auff erden gewertig sein, von mancherlei schädlichen, vergifften und bösen thieren, das ob dem meer nit ist. verdeutschung von Petrarcas trostbüchlein (1559) 78a; was man am andern sihet, das musz man selber auch gewärtig sein. Henisch 1594; dahero betrachte ich, wan wir keinen lohn haben, so wir die feinde nicht lieben, was vor grosse straffen wir dan gewärtig sein müssen, wan wir auch unsere freunde hassen. Grimmelshausen Simpl. 70 neudruck; alle von dieses königs küchen, das ist, von seiner milten hand, alles was sie bedürffen, gewertig sein und entpfahen müssen. Kirchhof wendunm. 1, 207 Österley; also musz das heilig evangelion von der rechten und lincken seiten gewertig sein allerlei lesterung. Eberlin v. Günzburg (mich wundert, dasz kein gott im land ist) 3, 164 neudruck.
γ))

wer uber sich wirfft einen stein,
der musz wol selbst gewertig sein,
das, so derselbe felt herab,
ihn erstlich treff auff seinen kopff.
B. Krüger Hans Clawert 45 neudr.;

wer nun mit solchen leuten gemeinschafft, und gefallen an inen hat, oder vertheidiget sie, der ... musz gewertig sein, dasz ihn gott der mal eins mit den bösen buben hinreisse. Mathesius diluvium 302b; und müste wohl darzu gewärtig seyn, dasz er mit einem gnädigen staupbesen zum überflusz bedacht würde. Weise die drei ärgsten erznarren 96 neudr.; darnach müste er gewärtig sein, dasz ihm allerhand narrenschellen angehenckt, und er mit einem unrechten bericht abgewiesen würde. 31; in sölicher kewschait mag sich niemand verloben, sonder man musz von got gewertig sein, ob er ain mann ain mann wollt lassen bleiben und ain weib lassen ain weib bleiben. Th. Zweifel bei Baumann s. 29; (auf Formosa) mann und weib wohnen jeglicher in absonderlichen häusern und gehet der mann nur des nachts als heimlich zu der frauen, und musz noch gewertig sein, ob sie ihn wil einlassen oder nicht. Olearius anhang = beschreibung etlicher orientalischen inseln zu Mandelslos morgenländ. reise (1696) 161; auszer dieser hätten sie auch noch eine besondere sprache, nemlich die rothwelsche, e. g. uterflæ unsklä ... das wäre: wenn er nichts gesagt hätte, so hätte er nicht zu gewarten, dasz er gehencket würde; weil er aber bekennet, so müste er gewärtig sein, dasz er gehenckt oder gerichtet würde. Hildburghauser wörterbuch (1753 ff.) s. 24 bei Kluge rotwelsch 1, 222; übermorgen ist der siebente tag; dann muszt du gewärtig sein, dasz Landolt herkommt, deine entscheidung zu holen. G. Keller (landvogt v. Greifensee) 6, 203; (Hadlaub musz) im übrigen gewärtig sein, dasz er leib und leben verlieren kann. (Züricher novellen) 6, 103.
6)) verbindung mit dem reflexivpronomen:

die bürger sind sich schon aufruhr und tod gewärtig.
Zachariä 1, 179 (schnupft.);

gnädiger herr, sie werden verzeihen. — ich war mir eines so frühen befehls nicht gewärtig. Lessing (Emilia Galotti 1, 6) 2, 385 (vgl. auch unter gewärtigen); der herzog von Burgund war sich seiner nicht gewärtig, und erschrak heftig, als er den Eckart vor sich sah. Tieck (Eckart u. d. Tannenhäuser) Phantasus 1, 207 (1812); vgl. auch: nicht ... titel, welche akademieen verleihen, sind das errungene gut des durchschmerzten herzens! das gestählte herz selber ist es: die sich alles gewärtige seele. Rahel buch d. andenkens für ihre freunde 1, 310.
7)) das adjectiv ohne verbindung mit dem verbum substantivum.
a)) absolut gebraucht:

denn ihre kinder saszen schon gewärtig
mit froher ungeduld am tische zahnend.
Lenau neue ged. 12.


b)) mit abhängigem genetiv:

wir standen, keines überfalls gewärtig,
bei Neustadt schwach verschanzt in unserm lager.
Schiller (Wallensteins tod 4, 10) 12, 352;

entrollt steht auf dem plan
das heer, des kampfs gewärtig.
A. Grün (d. vogel an d. federn) ged. 273;

da mahnt sie und mustert die reihen in hast.
und tummelt, schon längst
des aufbruchs gewärtig, den thrakischen hengst.
Leuthold (Penthesilea 1) ged. 220;

längst schon dieses tags gewärtig,
nah ich so mich weise vor.
Grillparzer (d. traum ein leben) 7, 192;

während seines redens war der wildmeister, der etwas zu melden haben mochte, in das gemach getreten und, seiner

[Bd. 6, Sp. 5354]


zeit gewärtig, an der thür gestanden. Th. Storm (zur chronik von Grieshuus) werke 6, 156; es (d. pferd) weidet gesellig, unter einem wachsamen führer, dem winde entgegen vorschreitend, mit den nüstern und ohren immer der gefahr gewärtig. Hehn kulturpflanzen u. hausthiere (6. aufl.) 19;

wenn du, keiner list
gewärtig, bei verschlosznen thüren
einst unbeschützt in seinen händen bist.
Wieland (schach Lolo) 10, 337;

dasz die starken gehorchend stehn
jedes winkes gewärtig.
Göthe (Faust 3) 12, 223;

des dichters wink gewärtig,
melodisch klingt die durchgespielte leier. (kurz u. gut) 2, 5;

wedelnd, doch des winks gewärtig
sah der hund zum schulzen auf.
Joh. Friedr. Kind gedichte;

mein hoher herr, hier lieg ich dir zu füszen,
gewärtig dessen, was du mir verhängst!
H. v. Kleist (Käthchen 4, 3) 3, 105;

er fand die römischen provinzen unverändert ruhig und seiner gebote gewärtig. Ihne römische geschichte 8, 302;

ew'gen frieden uns zu stiften,
taucht er in die lebensflut —
steht mit vollen händen in der mitte,
liebevoll gewärtig jeder bitte.
Novalis (geistl. lieder 2) werke 1, 330 f. Heilborn;

die cavaliere waren abgestiegen und standen des danks gewärtig. Immermann 6, 73; gleich schönen, nackten, schlafenden mädchen liegen die dinge um uns her, der empfängnisz gewärtig. (epigonen) 3, s. 181.
c)) mit abhängigem satz:

über einem höllenreiche steht
die bange stadt, gewärtig jede stunde,
dasz es mit donners krachen sich entzünde.
Schiller (jungfr. v. Orteans, prolog 3) 13, 182;

so wandte sie sich nun anscheinend ganz ruhig zum gehen, gewärtig, wer sie begleiten würde, aber sich deswegen nicht unentschlossen aufhaltend. G. Keller (d. grüne Heinrich) 1, 236; er that diese frage mit anständiger wiszbegier, ohne spott, gewärtig, schon wieder etwas neues, vielleicht günstiges und rühmliches zu erfahren. (Martin Salander) 8, 9.
b) die besondere bedeutung der dienstbarkeit und dienstwilligkeit, vgl. dienstgewärtig theil 2, sp. 1126; sie ist an die verbindung mit einem dativ der person geknüpft.
α) der gebrauch auszerhalb der formelhaften verbindung mit synonymen.
1)) die briefe, die ihn in einer gemeinschafft zugehörten, das er die in ein gemein handt legte, do man ihn beiden damit gewertig were. urkunde von 1417 bei Haltaus 712; der meiger sol auch gebunden sin, daʒ er ein recken ziehen sol, domit er dem dorf sol gewartig sin. (weisthum v. Sundhausen) weisthümer 5, 534; zum sibenden ist angedelt, das ain ieder inhaber der zwai mallmiten zu Heisern beim schlosz Petersperg den gemainsleiten zu Haimbingen mit aller zuegeherung, was man zu beiden millen bedarf, gewertig sein solle. (ordnung zu Haimingen), österr. weisth. 3, 64; allhie ist ain ieder gerichtsman ainem hieigen pfleger auf ain pferd, mit welchem er dem gericht in fürfallenden nötten von obrigkait wegen gewertig sein soll, nach seinem gueten willen ain fueter ... zu geben schuldig. (landrecht d. pfleggerichtes Wartenfels), ebenda 1, 158; als ouch Götzman Múnch 6 marck silbergelts uff der stúr ze Múlhusen hat, die im lang nit waren worden, die gab er mir. die bestätet mir unser herr der kúng, und schreib den von Múlhusen, das sie mir dmit gewärtig weren. Henmann Offenburg chronik (1417), s. Basler chron. 5, 239; ock schullen de radt ore borger de up der ffrieheit to sunthe Egidien wonen, bi older ffrieheit latenn. sunder des schotes unde anderer overicheit sullen se sick na dem rade richten unde darmidde wu van older hergebracht, gewerdich sin. d. städtechron. (1510) 16, 545 (Braunschweig, d. schichtbuch); item man bestellet in der zeit ainen hauptman hie, was genant graff Ulrich von Helfenstain, mit 15 pfärden, darauf gab man im 1200 fl. ain jar, und solt hie in der stat mit haus sitzen und der stat gewertig sein als ain hauptman. Burkard Zink d. städtechron. 5, 169 (Augsburg); das wir ... ihn zu unserm rath und diener uffgenommen und bestelt haben ... also ... das er uns ... von haus aus raths und diensts in unserer statt Maintz gewertig sein soll. urkunde von 1521 bei Haltaus 712; mer sol ain jeder burger ainem jeden richter, wann er sein pegert, pei tag und nacht gewerdig sein. (marktartikel von 1590), österr. weisth. 6, 161; auch sol kain ausslender,

[Bd. 6, Sp. 5355]


der ... meinem genadigen herren von Admund und dem gotzhauss in dhainerlai gehorsam nicht gewärtig ist, dhain tuech versneiden. (banntaiding zu St. Gallen, anfang des 16. jahrh.), ebenda 6, 43.
2)) kain fred nit anstossen, pis er die offentlichen feind des römischen reichs ... im gleich und dem römischen reich gewärtig macht. Aventin (chronik) 4, 528; welche gegent ietzo ein tail dem ungarischen künig ein tail dem erzherzogen von Oesterreich gewertig ist. 68, ebenso 36. 543 (bair. chronik, kurz. auszug) 1, 170; alsz nu derselbig dasz schlosz einnam, beschicket er desz gottshausz arme leut und hindersessen, die muesten im schweren, im und der herschaft gewertig sein. J. Knebel chronik von Kaisheim 270 Hüttner; also dasz die bauren sich bewilligten, si woltem dem gotszhausz und seinem prelaten gewertig sein und pleiben und nit zu den pauren ... laufen. 434b; item, dasz ein abt den vier orten gewertig, und alle plätz desz closters ir offne heuser sein söllen. Stumpf Schweizer chronik (1606) 374b.
β) die formelhafte verbindung mit synonymen.
1)) das er uns mit rat und dienerschafft halben bis auf sein abschreiben, verwant bleiben, auch uns zu unsern geschefften gewertig und beraten sein will. urkunde von 1490 bei Haltaus 712; meinethalben lege mir nichts daran, wenn ich gleich noch erger von H. G. schriebe, denn er solt ja schier wissen, das ich nach seinem tollen kopff nichts frage, und im zu recht allzeit gesessen und gewertig bin. Luther (trostschrift für d. christen v. d. Mitweid 1535) 6, 325a Jena; wurde aber ain artzt, zu ainem gar armen ... beruefft, solchen armen dürfftigen kranckhen soll der artzt, on ainiche belonung, umb gottes willen ... gewärtig und willig ... sein. kärnth. policeyordn. fol. 37b bei Haltaus 712.
2)) also namen sie die wag ein an des kaisers stat und satzten den Caspar wider zu ainem wäger und muest in schweren, treulich (und) gewertig (zu) sein ainem kaiser. B. Zink d. städtechron. 5, 276 (Augsburg); er hett vormals auch gehört, wie etlich biderleut, die ... der stat alwegen treu und gewertig gewesen wären, die gar klainen oder üblen lon darvon pracht hetten. 202; ist ime (Isaac) der son gottes erschienen ... sein segen dahin gesprochen, das sein narung ime gediehen, sein weib unnd kind gehorsam, sein leutlein im treu unnd gewertig gewesen. Mathesius hochzeitpredigten 103 neudruck.
3)) aber welcher edelmann eine hofmarch hätte, und seiner gnaden in die landschaft nicht verpflichtet oder gewärtig wäre, demselben edelman soll man seine leute ohne mittel anlegen, es sei der grund sein oder ander. (1488), s. Krenner bair. landtagshandl. 10, 139; und voraus Pannonia hab obg'nant kaiser geben, dan nachdem es mit seiner macht iezo lang her bei dem römischen reich ... anhengig und gewärtig gewesen ist. Aventin (chronik) 4, 977; die hämermaister solten auch all unserm bropst gehorsam und gewärtig sein. (d. stiftes Admont rechte, hammerordnung 18. jahrh.), österr. weisth. 6, 278; es soln auch die obgemelten landleut den vorgemelden anwäldn, vitztumb, pflegern, richtern und ambtman gehorsam und gewartig sein. (landtaiding des landgerichtes zu Windisch Matrei), ebenda 1, 316; begeren darauf an euch ... dasz ir benanten unsern rat Georgen truchsässen alsz unsern obristen veldhaubtmann ... alsz lang diser zug und hilf weret, in billichen sachen gehorsamb und gewertig sein wellet. Georg v. Waldburg an erzherzog Ferdinand bei Baumann s. 534; ist unser ernstlich mainung, das alle inwoner und burger ... ietz geordneten ausschusz als der oberkait samptlich und sonderlichen in stetten, vorstetten, ampten, dörfern und weilern iren zimlichen gebotten und verbotten geharsam, gewertig und gevolgig sein ... sollen. Th. Zweifel Rotenburg im bauernkrieg, Baumann s. 444.
4)) ich n. gelobe ... herrn Ferdinandem dem dritten römischen kaiser ... getreu, gehorsam, und gewärtig zu sein (1615). Londorp 1, 219b; item ein jeder müller solt seiner herrschaft aid pflicht thn und selben mitt seinen diensten ... gehorsam, getrew, und gewertig z sein. Tengler laienspiegel (Straszburg 1511) 28a; soll darauf der vorgenant abbt Gerhart ... glübd und aide thun, unsz und dem h. reich davon getrew, gehorsam, und gewertig zu sein, zu dienen und zu tund, alsz sich von solcher lehen wegen gebürt. Maximilian belehnt d. abt zu Alpirspach mit d. blutbann 1504 bei Reyscher Würtenb. statutarrechte 49; so ihr unsere geschworne dorfrichter zu werden gedenket ... das ihr ... deroselben pflöger, wie auch

[Bd. 6, Sp. 5356]


lantrichter in ambt Märckhtl in allweeg getreu, willig und gewertig sein wollet. (banntaiding d. herrschaft Stein in Märktl), österr. weisth. 6, 391; welicher meins genadigen herrn von Admund hold und hindersäss ist mit hantgelobtn treun on ains geswornn aides statt, sein getreur und gewärtiger hold zu sein ... und das nicht hielt, der ist seine erib und paurecht verfallen. (banntaiding zu St. Gallen, anfang d. 16. jahrh.) 6, 41.
γ) die formel in der neueren sprache.
1)) als rechtsformel: alles, was lieb, getreu, hold und gewärtig war, muszte sich zu einer solchen urkunde verstehen. Möser patr. phant. 3, 345; Aristion sollte ... sich der höchsten gewalt in Athen bemächtigen und dafür seiner majestät in allen billigen und unbilligen dingen gehorsam und gewärtig sein. Wieland (Athenion genannt Aristion 7) 30, 322;

muss dem vaterlande dienen,
muss in rath und that dem herren
hold und treu sein und gewärtig,
muss ihm beistehn mit gewicht.
Herder (Cid 13) 28, 421;

und doch schwur er hernach (es kann ein jahr sein) mir immer treu und gewärtig zu bleiben.
Göthe (Reineke fuchs) 40, 52, ebenso 40, 82;

wir sind ihm (d. könig) unterthan und gewärtig, in dem was ihm zukommt. (Egmont 2) 8, 220; der herzog habe gelobt dem könige, seinen kindern und seiner königinn treu und gewärtig in jeder not zu sein. Dahlmann dän. gesch. 1, 473; herr kurfürst, da ich nun euer mann bin, so musz ich euch treu und gewärtig sein, das versteht sich. Alexis hosen d. herrn v. Bredow 2, 126; gott wolle geben, dasz ... die mannigfachen beweise der huld, ... in den herzen meiner nachkommen gegen das angestammte kaiser- und königshaus stets dieselben gefühle ehrfurchtsvoller liebe und persönlicher anhänglichkeit lebendig erhalten, mit denen ich eurer majestät als allerhöchstdero geborner brandenburgischer lehnsmann stets treu, hold und gewärtig sein werde. Bismarck an kaiser Wilhelm I., vgl. ged. u. er. 1, 244; sie verloren die kaum errungene landesherrliche gewalt ... suchten wie alle mächtigeren reichsfürsten verwaltung und rechtspflege ihres landes vor jedem eingriff der reichsgewalt zu behüten und blieben dabei dem kaiserhause hold und gewärtig. Treitschke d. gesch. 1, 26.
2)) nun, sie sollen meine tochter haben, wenn sie sie in ehren halten und ihr treu und gewärtig sein wollen. Gellert 2, 159;

Euphrosyna! Euphrosyna!
deinem liebsten treu gewärtig! —
seht, sie folgte ihm aus liebe
als ein klausner in die einöd'.
Z. Werner Martin Luther 5, 3;

eigentlich aber hat sich unser dichter zu einer freiwilligen armuth bekannt, um desto stolzer aufzutreten, dasz es ein mädchen gebe, die ihm deswegen doch hold und gewärtig ist. Göthe (noten z. divan, Suleika) 6, 148; wer übrigens viele wörter gebildet, gebraucht und in umlauf gebracht, ist am besten berechtiget und am meisten verpflichtet darzulegen, dasz er mit sprachbewuszt und im sprachgefühl der hochheiligen muttersprache allzeit hold, treu und gewärtig gehandelt. F. L. Jahn werke 2, 2, 610.
δ) die lockerung des formelhaften gefüges in der neueren sprache:

erstgebohrene tochter des ewigen, himmlische liebe,
dir jetzt flücht ich in arm, sei mir gewärtig und hold.
Kosegarten rhapsodien 3, 369;

'warum denn aber bei unsern sitzen
bist du so selten gegenwärtig?'
mag nicht für langer weile schwitzen,
der mehrheit bin ich immer gewärtig.
Göthe 47, 221;

ich weisz mir einen braven mann
mit ehr' und sitten angethan,
löblich höflich und dienstfertig,
der feinde schreck, den freunden gewärtig.
so edler sinn! so kluger verstand!
ein lichtes muster für stadt und land.
Immermann ged. 1, werke 11, 30;

du aber Medea, sei mir gewärtig.
Grillparzer (gastfreund) 5, 18;

seid mir gewärtig, götter. (Argonauten) 5, 50;

in jeder not
gewärtig seinem volke.
Wildenbruch kranzspende auf Th. Körners grab;

wozu denn haben andere neben mir besseren leib und schärfere sinne? werden sie mir nicht immer gewärtig sein zum liebreichen dienste wie jetzt. Schleiermacher (5. monolog).
3) die wörterbücher verzeichnen überwiegend die bedeutungsgemeinschaft von gewärtig sein mit gewarten: gewärtig, gewärtig

[Bd. 6, Sp. 5357]


sein, idem quod gewarten. Henisch 1594. im besondern ist es die bedeutung exspectare, die hier angemerkt wird, vgl. Bayer 290b u. a. Adelung bringt (2, 651) auch die verbindung treu, hold und gewärtig zur geltung, die von da ab namentlich in den historischen wörtersammlungen ihren platz beansprucht. vgl. dazu: gewärtig in der verbindung einem treu, hold und gewärtig sein, gehört zu den halb sinnlosen wörtern, bei denen man sich nichts recht bestimmtes denken kann. am natürlichsten heiszt es wohl so viel, als willig, jemands befehle zu erwarten, folglich auch zu erfüllen. allein wenn nun ein magister der weltweisheit schwört, der philosophischen fakultät, die er nach geschehener erhöhung nie wieder zu sehen entschlossen ist, treu, hold und gewärtig zu sein; wie läszt sich da an erfüllung der befehle denken? Heynatz antibarbarus 2, 1, 53. die mundartlichen wörterbücher zeigen, dasz das adjectiv in der bedeutung 'erwartend' noch heute lebendig ist: g'wärtig, i' bi' 's g'wärtig, ich erwarte es. Hunziker Aargauer wb. 119; gewärtig, adj. kəwætig Lenz, vergleichendes wörterbuch d. nhd. sprache mit d. Handschuhsheimer dialekt 28.
 
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gewärtigen, verb. , ableitung zu gewärtig, die jedoch nur einen theil des bedeutungsumfangs des adjectivs in die verbalsphäre überführt: gewärtigen ist, wenn auch einzelne verwendungen einen umfassenderen gebrauch erschlieszen lassen, doch im wesentlichen auf die parallele mit exspectare beschränkt, innerhalb der es namentlich den reflexivgebrauch sehr entwickelt zeigt. das älteste zeugnis steht isoliert; es gewährt aber einen deutlichen einblick in die entstehungsweise der bildung: ir salt keiner gnaden von mir gewertigen sein. Wickram Galmy 355, vgl.gewartend sein (österr. reimchronik, vgl. oben sp. 5341); gewarten sein (Fronsperger, Waldis, G. Forster frische teutsche liedlein, Sterzinger spiele, vgl. sp. 5342. 5343. 5346). nach einer anderen richtungder transitiven actionsartweist das spätere zeugnis Schottels: gewertigen, etwas zu zahlen gewertigt werden. 635. diese seite der entwicklung blieb jedoch in der litteratursprache wenig ergiebig, vgl.:

der reiche Max verstirbt.sein testament gewärtigt
dem, der die beste grabschrift fertigt,
zweihundert thaler honorarium.
nichts kann so leicht erworben werden.
Kretschmann (d. epitaphium) werke 2, 270.

wenn in diesen belegen die bedeutung 'gewärtig machen' vorspringt, so laufen in ähnlicher richtung auch die ältesten zeugnisse des regeren litterarischen gebrauches, der mit Lessing einsetzt und in der neueren sprache noch fortdauert. sie zeigen die form der reflexivverbindung, die das object der sache ursprünglich im genetiv eingliedert. indem auch hier der accusativ vordringt, weicht zugleich das reflexivpronomen zurück, und die fügung geht in die bedeutungsgemeinschaft mit gewärtig sein, exspectare über. wie weit dieser wandel in zusammenhang mit dem ältesten belege (aus Wickram) steht, entzieht sich bei der dürftigkeit der litterar. zeugnisse älterer zeit einem sicheren urtheil.
1) die reflexivverbindungen.
a) mit genetiv des sächlichen objectes: man hat meinen entschlusz sogleich nach W. gemeldet, und in einigen wochen kann ich mich von dorther der völligen erklärung gewärtigen. Lessing briefe (6. 12. 1771); es ist nicht abzusehen wie mit solchen gliedmassen versehene geschöpfe sich einer andern bestimmung hätten gewärtigen können. Kant 6, 238;

wer konnte
so freudigen besuches sich gewärtigen.
H. v. Kleist d. zerbrochene krug 4. scene;

die enge und beschränktheit der meisten häuser, welche mit unsern begriffen von bequemer und stattlicher wohnung nicht wohl vereinbar ist, führt uns auf ein volk, welches, durchaus im freien, in städtischer geselligkeit zu leben gewohnt, wenn es nach hause zurückzukehren genötigt war, sich auch daselbst einer heiter gebildeten umgebung gewärtigte. Göthe (Zahn's ornamente aus Pompeji) 44, 146; ohne den besitz einer gehörigen zahl fester plätze ... muszte Pyrrhus sich eines langwierigen und schwierigen krieges gewärtigen. Schlosser weltgesch. 3, 291.
b) die casusform des objects ist nicht erkennbar: er konnte sich nichts gutes von ihm gewärtigen, und versprach also demjenigen eine grosse belohnung, der ihn aus dem wege räumen würde. Lessing (hamburg. dramat. 40. stück) 93, 351;

den armen schelm, den hätt' ich abgefertigt;
vielleicht noch besser, als er sich gewärtigt.
Herwegh (die industrieritter) ged. u. krit. aufsätze 2, 9.


c) überführung des objects in den accusativ: ich musz mir in der nächsten woche wieder einen solchen fall gewärtigen.

[Bd. 6, Sp. 5358]


Göthe briefe 11, 46; wir erkennen den fürsten an, weil wir unter seiner firma den besitz gesichert sehen. wir gewärtigen uns von ihm schutz gegen äuszere und innere widerwärtige verhältnisse. (W. Meisters wanderjahre 3, betrachtungen) 22, 237; ein mensch, wie ein buch, kann dem sinne nach zerrissen werden, und dann kann man alles daraus machen. das pflegt sich Fichte beim anfang seiner bücher zu verbitten. dies recht des denkers an ein feindliches publikum, kann sich der mensch bei seinen freunden gewisz gewärtigen. Rahel buch d. andenkens für ihre freunde 1, 473.
2) die allgemeine parallele mit 'gewärtig sein', exspectare.
a) die ältesten belege entstammen auch hier der sprache Lessings, doch bietet dieser die verdrängung des reflexivpronomens nur da, wo das bedürfnis vorlag, das object der sache zum mittelpunkt einer passivconstruction zu erheben:

ja wohl! als wär von christen nur, als christen,
die liebe zu gewärtigen, womit
der schöpfer mann und männin ausgestattet. (Nathan 2, 1) 33, 43.


b) die anfügung des sächlichen objects im accusativ: wir werden von diesem grundsatz in ansehung der wahrheit niemals einigen aufschlusz gewärtigen können. Kant 11, 167; nun, lieber, binnen 3 wochen a dato ... gewärtige von ew. liebden folgendes. Wieland (an Merck) briefwechsel s. 86;

'du sollst hinein gelangen,
geh, Nischader, ohne bangen!'
so von den göttern abgefertigt,
gieng Nala, der nicht das gewärtigt,
eingieng er zum königsschlosse.
Rückert Nal u. Damajanti 27;

die recension des herrn professor Scherer gewärtige ich mit beklemmten herzen. G. Keller (brief v. 18. 3. 1878) bei Bächtold 3, 387; ich musz ... aufrecht erhalten ... dasz der königlichen regierung irgend eine offizielle, dahin zielende, glaubwürdige mitteilung nicht zugegangen ist. ich kann eine negative nicht beweisen. ich gewärtige von dem herrn, der die behauptung aufstellt, den beweis der affirmative. Bismarck preusz. abgeordnetenhaus 2. dez. 1863.
c) anknüpfung in satzform: zuletzt ward beschlossen einen herold an die katze abzuschicken und sie aufzufordern das schlosz zu verlassen, oder zu gewärtigen, dasz gewalt gegen sie gebraucht würde. Grimm (d. drei glückskinder) märchen 210; ich muss gewärtigen, dasz man mich in wenig monaten oder vorher wieder herbeiruft und hier behält. Bismarck an seine frau 23. 5. 1862. andere beispiele s. unter e), α).
d) vereinzelte anfügung eines objectes der person: heute gewärtigte sie dazu die beinah einzige familie, welche bei schönem wetter zuweilen noch gegen abend kam, um den kaffee im freien zu trinken. andere gäste hatte sie seit wochen nicht gesehen. G. Keller (Martin Salander) 8, 26.
e) wie bei gewärtig sein und gewarten, ist auch hier die verbindung mit hilfsverben beliebt; dabei finden sich formen der umschreibung, die nur an gewarten, nicht aber an gewärtig sein zu belegen sind.
α) er sah überdem kein mittel vor sich, seine schulden zu tilgen, ohne sich dem pastor M. aufs neue zu entdecken, dessen achtung und freundschaft er dann völlig zu verlieren gewärtigen musste. Moritz Anton Reiser 332 neudr.; gemäsz der doppelnatur, die in ihm waltete, erschaute er nun plötzlich die seltsamkeit, dasz er predige und lehre, während er allstündlich gefängnisz oder gar den tod gewärtigen muszte. Auerbach neues leben 3, 180; er sang an eine hartherzige oder spröde schöne um erhörung, und dasz diese so lange als möglich ausblieb, muszte er eben gewärtigen und ertragen wie jeder singer. G. Keller (Züricher novellen) werke 6, 70; ob ihre vorhabende Schweizerfahrt in diese oder eine spätere zeit fällt, musz ich freilich gewärtigen. (brief v. 18. 5. 1889) bei Bächtold 3, 623; ob 'Romeo und Julie' ... als einzelausgabe noch glück machen werden, müssen wir gewärtigen. (brief v. 25. 12. 1875), ebenda 219.
β) hätte ich nur geld und an einem andern orte arbeit zu gewärtigen, da reist' ich nach Reutlingen zu meiner bas' und zöge ganz weg aus der hiesigen gegend. Immermann (Münchh. 4, 6) 2, 137; wie ist es, herr hofschulze, von wegen des zweiten käses, welchen küsterei annoch vom hofe zu gewärtigen hat. (2, 9) 1, 383; man habe sonst die kriegserklärung Englands zu gewärtigen. Sybel begründung des deutschen reiches 3, 351; ein solches verfahren beginnt für den einzelnen gewöhnlich damit, dasz er ... von oben gunstbezeigungen und von unten

[Bd. 6, Sp. 5359]


schmähungen zu gewärtigen hat. verhandl. d. nationalversammlung zu Frankfurt (3) sp. 2105b; jetzt weisz er, was er zu gewärtigen hat, rief Leo abermals. Auerbach neues leben 2, 217; nach got. ... thiudinassus 'regierung' hätte man ein got. thiunassus 'das diener-sein, dienst' zu gewärtigen. Kluge etymol. wb. 72; sie sind aber ja ein hexenmeister an fleisz, wenn wir drei neue arbeiten zu gewärtigen haben. G. Keller an Storm (deutsche rundschau oct. 1903, s. 62).
γ) auf einer staubigen strasze balgte sich ein haufe angetrunkener jünglinge ... kurz, es war ... zu gewärtigen, dasz später am tage einige der freiesten männer nicht mehr auf ihren füszen würden stehen können. G. Keller (Martin Salander) 8, 77; letzterer wurde nun beauftragt, sich gehörigen orts zu erkundigen, wann die erlösung des grobschmiedmagisters zu gewärtigen stehe. Immermann (Münchh. 4, 9) 2, s. 152; da die königliche regierung ihrerseits ebenfalls an den auffassungen festhält, welche durch ihre organe bei berathung des budgets für 1862 vertreten worden sind, so steht zu gewärtigen, dasz die ergebnisse einer sofortigen beschlusznahme über den etat ... nicht förderlich sein werden. Bismarck reden 2, 15.
δ) ja, meine herren, wenn wir gewärtigen könnten, dasz, falls wir ihnen eine vorlage machen, sie sie mit besonnener würdigung der interessen des landes ... beurtheilen. Bismarck reden 3, 25. vgl. auch die zahlreichen beispiele unter 1).

 

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