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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewannstein bis gewärbe (Bd. 6, Sp. 5324 bis 5331)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewannstein, m.: vor ieden gemeinen stein sollen beide nachparn zusammen 1 kr., vor ein gewandtstein 2 kr., und so es ein eckstein. der etliche nachparn berührt, soll ieder nachpar 1 kr. zu belohnung geben. oberrheinische stadtrechte 1, 747 (1691); 'wollte jemand andere steine als z. b. gewand- und speichelstein machen lassen' u. s. w. (Augsburger bauordn.) bei Birlinger schwäbisch-augsburgisches wb. 195a.
 
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gewapen, n., nebenform zu gewaffen (vgl. oben sp. 4742) ist in der neuhochdeutschen periode nicht mehr belegt.
 
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gewapen, verkürzte form des particips, die in niederdeutschen quellen bei der substantivierung des participialen adjectivs belegt ist: de von Lubecke sanden ut to watere dusent gewapen in Westvresland mit bussen. Lübecker chron. 2, 31, vgl. Schiller-Lübben 2, 98; s. DWB gewapen bei Verwijs-Verdam 2, 1861. auch aus anderen sprachgebieten können parallelen zu diesem gebrauch herangezogen werden, vgl. gewafen Lexer 1, 970. ebenso darf in dem folgenden beispiel: darczu heten wir ... bei 150 schuczen zu rossen, und heten bei 300 wagen und karren, die gewopen leut und zeug furten, und ein grosz volk zu füssen, daʒ man schacz, daʒ sein alleʒ wer bei 800 mannen. Ulman Stromers chronik (Nürnberg), d. städtechron. 1, 41 an das particip gedacht werden, das ja weitgehenden veränderungen

[Bd. 6, Sp. 5325]


und verkürzungen unterliegt (s. bei gewaffnet), vgl.: herczog Adolff und graff Heinreich von Sponheim, di heten 500 spis und 600 gewapend auf wagen und sust vil fussvolks. ebenda 1, 45.
 
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gewäppe, n., s. DWB gewebe.
 
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gewäppelt, gewappelt, particip zu wäppeln, wappeln (s. d.), vgl. Schmeller 22, 964. vgl. die angriffe gegen eine 'staatlich gewappelte kunst' im bairischen landtag 1904.
 
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gewappent, gewappet, s. DWB gewappnet.
 
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gewappnen, gewapnen, verb., verstärktes wappnen (s. d.), in der neuhochdeutschen periode nur noch spärlich belegt: aber bistu har komen mit mir zestritten von des Soldans wegen, so beit, bisz dasz ich mich gewapne. riese Morgant 189, 3.
 
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gewappnet , participiales adjectiv zu wappnen (s. d.). wie beim substantiv die formen wappen und waffe in der schriftsprache neben einander bestehen, so beim verb. wappnen und waffnen, vgl. theil 13, 326 ff. 271 ff. u. a. die folgerungen, die sich hieraus für das particip ergeben, sind schon oben unter gewaffnet (sp. 4764 ff.) zusammengestellt worden, hier soll diese frühere skizze ihre ergänzung finden. die niederdeutsche form des particips, wie sie Heinrich v. Veldeke im Servatius gebraucht hatte, ist aus der mittelhochdeutschen dichtung zunächst bei Wolfram v. Eschenbach zu belegen. bei ihm sind zwei formen des gebrauchs zu beobachten: an einer einzigen stelle die später oft wiederholte verbindung von fuoʒ ûf gewâpent und in zahlreichen fällen die bezugnahme auf die rüstung des pferdes. in beiden formen ist es mehr der defensive charakter der ausrüstung, die schutzwehr, die die fügungen beherrscht. anders in einer verbindung, die aus der niederdeutschen rechtssprache in die ältere litteratur überdringt: mit gewapenter hant (Freiberger stadtrecht 28, 3). hier wird die angriffswaffe in den vordergrund des bedeutungsgehaltes geschoben. so sind also schon in den ältesten belegen für unsere form die anhaltspunkte zu mehrfacher richtung der bedeutungsentwicklung gegeben. der gegensatz zwischen schutz und angriffswaffe, wie er sich in den participien gepanzert und bewaffnet heute ausprägt, erwächst je nach den einzelnen wortverbindungen dem bedeutungsgehalte des particips, dessen ursprünglicher umfang sich mit unserem particip ausgerüstet, gerüstet deckt.
es ist nun die frage, ob sich die bedeutungsentwicklung des particips irgendwie von den linien abhebt, die für das verbum wappnen zu ziehen sind. bekannt ist, dasz sich zwischen verbum und substantiv ein durchgreifender gegensatz in der verwerthung der doppelformen beobachten läszt. beim substantiv hat die schriftsprache eine differenzierung der bedeutungen nach den formen durchgeführt. waffe hat im heutigen schriftgebrauch alle verwendungen eingebüszt, in denen das defensive moment, die bedeutung 'schutzrüstung' herausgearbeitet ist. doch hat sich auch an die form wappen aus dieser gruppe nur ein trümmerstück abgeleiteter verwendungen geheftet: unser heutiges substantiv wappen begreift die embleme in sich, die an der schutzrüstung als zierrat und kennzeichen angebracht waren, und hat sich nach dieser richtung nun weiter entwickelt und isoliert.
von dieser bedeutungsdifferenzierung ist im gebrauche der doppelformen des verbums wenig zu bemerken. für das particip im besonderen gilt folgendes. die form gewappnet dringt in alle verbindungen ein, die das particip gewaffnet entwickelt hatte, sie bringt zugleich einige neue verbindungen mit, die aus niederdeutschen quellen zuerst zu belegen sind. so halten sich in der frühneuhochdeutschen periode die umfassende bedeutung 'ausgerüstet, gerüstet' ebenso wie die engeren bedeutungen 'gepanzert' und 'bewaffnet'. die beiden letzteren richtungen, die ausschlieszliche betonung des defensiven momentes im einen, des offensiven im anderen falle, finden im laufe der weiteren entwicklung wenig förderung, sie erhalten sich in einzelnen festgeprägten typen. dies erklärt sich einerseits daraus, dasz das substantiv waffe mit seiner neuen engeren bedeutung einen einflusz darauf ausübt, dasz für den offensiven theil der rüstung die formen mit spirans vordringen: waffnen, bewaffnen, gewaffnet, bewaffnet. andererseits tritt infolge der neueren militärischen entwicklung seit der einführung der feuergewehre das defensive moment an der ausrüstung des einzelnen immer mehr zurück und die veranlassung, die formen in diesem zusammenhang anzuziehen, schränkt sich immer mehr auf darstellungen vergangener zeit ein. so ist es wesentlich die anknüpfung an mittelalterliche verhältnisse, die den heutigen gebrauch von gewappnet in der eigentlichen bedeutung beherrscht, und hier wiederum wiegt die allgemeinere, weitere bedeutung 'gerüstet' vor. in der übertragenen verwendung hat unsere form jedoch ihr gebiet entschieden ausgedehnt, und endlich läszt sich ein einflusz der neueren bedeutung der form wappen auch nicht verkennen.

[Bd. 6, Sp. 5326]



1) älteste belege. verbreitung und gebrauchsentwicklung in der mittelhochd. zeit und in dem übergang zur neuhochd. periode.
a) hervorhebung des defensiven charakters.
α) beziehung auf die ausrüstung des menschen
1))

sîn ors wart gewâpent sân,
reht als erʒ gein strîte reit.
sîn swert, dâ mit ers tages streit,
man vorn an den satel hienc.
von fuoʒ ûf gewâpent gienc
Orilus zem orse sîn.
Wolfram Parz. 274, 10;

gewâpent, als ein künec sol
von dem haupte biʒ an den fuoʒ.
Ulrich Willehalm 186b;

des ersten gehört daz, daʒ wir sient gewoppent z gantzem harnasch vom fs f untz an daʒ houpt mit solichem woppen oder harnasch, als unser ietweder gehaben mag. Basler chron. 4, 156;

dô sprach der vil gehiure,
daʒ si für sînen schœnen sal
gewâpent kæmen über al,
swenn er ob tische sæʒe.
Konrad v. Würzburg turnei von Nantheiz 36.


2))

sît der gewâpenoten val
sô grôʒ ist an der zal,
sô merket die geschicht,
wie vil was denn der blôʒen niht,
man kind unde wîp,
diu da verluren den lîp.
Ottokar reimchronik 52345.

dieser gegensatz von gewâpent und blôʒ darf jedoch nicht einseitig unter dem gesichtspunkt der schutzrüstung betrachtet werden, er gehört vielmehr mit dem haupttheil der vielverzweigten verbindungen, die er entwickelt hat, unter den allgemeineren zusammenfassenden begriff, vgl.:

wan als noch dicke geschiht,
sô der gewâpenden gîtikeit
die blôʒen verjeit
von des roubes gewin.
Ottokar reimchronik 77654.


3)) item im inriden sal man bestellen usz dem rade an die hoe dore bi der urglocken zwene, mit namen Heinrich Wijsse zum Klobelauch und Arnold Glauburg, und uff 60. gewapeten usz den hantwerckern mit stangen. (polizeiliche verordnungen d. rathes zu Frankfurt bei ankunft d. königs Friedrich 1442) bei Janssen Frankf. reichscorrespondenz 2, 39.
β) bezugnahme auf die schutzkleidung des pferdes:

daʒ er daʒ ors mit sporn rite
unʒ er versuochte sînen site.
daʒ was gewâpent wol für strît:
pfellel unde samît
was sîn ander covertiur.
Wolfram Parz. 540, 9, ebenso 211, 5;

dô reit der künec Parrel
starc, küene, unde snel
ein ors, gewâpent ûf den huof. Willehalm 429, 11;

dô saʒ der künec von Brandigân
ûf ein gewâpent kastelân.
daʒ was geheiʒen Guverjorz. Parz. 210, 6.


b) das offensive moment wird in der verbindung gewappnete hand herausgearbeitet: (die ruhestörer) triben daʒ also lange, daʒ si kumen in daʒ hus mit gewapenter hant unde mit gerukter were wiʒʒenliche den nakeburen, diʒ heiʒen alliʒ rehte heimsuchunge. Freiberger stadtrecht 28, 3 Ermisch s. 170. vgl. dazu: mit gewaffneter handt Schwabenspiegel 301 Laszberg. Augsburger stadtrecht 72. Kolmarer stadtrecht u. a. s. oben sp. 4747. vgl. DWB met gewapender hant Verwijs-Verdam 2, 1861 ff.;

der kunic in die viende brach
mit wol gewapenter hant. passional 94, 89 Köpke;

auf montag vor Simonis et Jude (1368) da erhueb sich ain groszer auflauf hie zu Augspurg in der stat. dem was also: sich hett gesamlet ain grosz volk mit gewaptneter hand und kamen auf den Berlach. B. Zink d. städtechron. 5, 1 (Augsburg); etlich mit gewappneter wehrhafter hand, die die andern entretten wollten. Zorn Wormser chronik 232.
c) in den meisten gebrauchsformen ist jedoch zwischen diesen beiden richtungen der kampfrüstung gar nicht geschieden, die ursprüngliche bedeutung ist allgemeiner und neutraler.
α)

doe Attila dartoe reit
gewapent, mede scaren breit.
H. v. Veldeke Servatius 2, 96;

da kam Jacob Püttrich von Bairn selbviert haimlich gewapnet her gen Augspurg und kam auf ain turn bei Göginger tor, darauf was ain ungetreuer man ... der liesz in auf den turn. B. Zink d. städtechron. 5, 2 (Augsburg); churfürst Johannes, grauff z Nassow, ertzbischof z Menz ... rait ganz gewaupent in, das susz kain gaistlicher nie tett, und kert in das husz z der sunnen. U. v. Richenthal chronik d. Konstanzer konzils 43 Buck;

[Bd. 6, Sp. 5327]


gen Naʒʒen fr der unvertzait
mit manigem helde, wol berait,
gewappent und berüstet wol.
Suchenwirt 1, 101.

dazu vgl.: etzliche van in algereide gewapent waren. acten zur verfass. Kölns 1, 169; bi 22 knechten mit iren dienern, die stäteklich gewapnot warend. U. v. Richenthal chronik d. Konstanzer konzils 181 Buck. u. a. s. DWB wappnen.
β) attributive verbindungen.
1))

dô sach der künic vor im stân
fünfzehen gewâpent man.
Enikel weltchronik 24560;

500 gewoppeter manne von den zunften. Basler rathsbücher, s. Basler chron. 4, 42; und frtend inn die von Constentz usz mer dan mit dusend gewaupoten mannen. U. v. Richenthal chronik d. Konstanzer konzils 80; item darnach 1456 jar ... zoch (man) von Nurmberg an die Türcken 1000 man und 86, al wol gewapter man. d. städtechron. 10, 217 (Nürnberg); grifis haiʒt ain greife ... ist des leibes sô starch, daʒ er ainen gewâpenten man überwindet. K. v. Megenberg buch der natur 190, 5; an dem stain man vint ainen gewâpenden man oder ain juncfrawen mit aim umbswebenden klaid und ainen lorpaum helt, daʒ ist ain zaichen, daʒ der stain geweiht ist. 467, 17. vgl. auch wolgewapnet knächt österr. weisth. 4, 343, 5.
2)) so scholde we nomen den dredden del eder dat nomen und deilen na antal der gewapender lude und wat we reisener eder reiseger have med einander wunnen, dat scholde we ... ok deilen na antal der wapender lude. urkunde herzog Friedrichs v. Braunschweig, urkundenb. d. histor. vereins f. Niedersachsen 6, 377 ff.; und beht man die mit gewaupnoten lüten, innen mit unszers herren des küngs diener und ussen mit der von Constentz lüt. U. v. Richenthal 118.
3)) das nit als vil gewapot volk damit ging. 83; do schrei di frowe ... esz were gar vele gewopendes volks vor deme thore. Stolle Thüring-Erf. chronik 2 Hesse.
4))

do man zu sach loufen hie
mit vil groʒer unzucht
alsam in einer tobesuht
die gewapente rote. passional 58, 93 Köpke.


d) der übertragene gebrauch ist aus der älteren sprache nur spärlich belegt:

die rittere ritterlîchen dâ
von Revele wâren îsgrâ
gewâpent wol mit êren. livländische reimchronik 8345 Meyer.


2) die formen im übergang von der mittelhochdeutschen zur neuhochdeutschen periode. wie am verbum, so zeigen sich auch am particip die veränderungen und schwankungen gegenüber der gleichförmigkeit, die in mittelhochdeutschen belegentheilweise unter nachhilfe der herausgeberzu beobachten sind. sie erstrecken sich auf qualität und quantität des stammvocals, noch mehr aber auf die schreibung des labials. für die participialform im besonderen kommt noch die stellung des nasals zwischen labial und dental in betracht, ebenso die mannigfaltigen versuche, die wortform im ganzen zu kürzen.
a) der stammvocal.
α) umlautserscheinungen: geweppneter hand J. Knebel chronik v. Kaishein 232; gewaepent Kilian K 4b.
β) dehnung oder trübung: gewaupent U. v. Richenthal 43; gewaupot 80; gewaupnot 118; gewoppent Basler chron. 4, 156.
b) der labial.
α) die einfache consonanz, die mit ausnahme der Basler chron. (gewappet 4, 42, vgl. 156) bis in das 16. jahrh. fast allein herrscht, wird auch in der späteren zeit durch die oben angedeuteten sonderbedingungen der participialform noch lange gestützt.
1)) die form gewapent hält sich vor allem auf niederdeutschem boden, so in einer Braunschweiger urkunde von 1393; in den acten zur verfass. v. Köln, später noch bei Rotmann 108 neudr., vgl. auch gewaepent bei Kilian. aus mitteldeutschem gebiet vgl. gewapent im passional (Köpke), bei Stolle thür. chron., ja sogar noch im (Nürnberger) decameron. dazu vgl. gewapet in der Frankf. reichscorresp. 2, 39.
2)) auf oberdeutschem gebiet gehen hier die oben besprochenen vocalveränderungen zur seite, einzige ausnahme gewapot bei U. v. Richenthal 83.
3)) meist wird der einfache labial durch folgende consonanz gestützt.
a)) gewapter d. städtechron. 10, 217. kirchenlied nr. 1341; aus contamination mit dieser und der regelmäszigeren form musz wol die eigenthümliche form gewaptneter erklärt werden. vgl. Luther sprüche 6, 11. d. städtechron. 5, 11 (Augsburg). 5, 15.

[Bd. 6, Sp. 5328]



b)) gewapnet d. städtechron. 5, 23 (Augsburg). Gregors dialoge (Augsburg 1473). S. Frank. Eberlin v. Günzburg 2, 98. 3, 235. S. Fischer chronik v. Ulm. Erasmus Alberus. Hans Staden. Kirchhoff milit. disc. 6. Ringmann Caesar. Micyllus Tacitus 441b. Plutarch deutsch (1580). Ayrer. Praetorius; gewapnet Hulsius (1616, gegen gewapffnet 1605) 137a. ebenso Spiesz 151a. Pomay 132. Rädlein 382a. ja sogar noch bei Reiske Demosthenes (1764) 436, bei Moritz Anton Reiser 67 und in den ersten ausgaben von Voss.
β) die doppelconsonanz. vgl. die Basler rathsbücher (s. o.).
1)) gewappent Suchenwirt 1, 101. voc. theut. Nürnberg. Dürer nachlasz 391. W. v. Königstein tagebuch 2, 85 (Frankfurt). Wilwolt v. Schaumburg 157. Emser.
2)) die form gewapfnett, die übergangsstufe von gewappnet zu gewaffnet, findet sich verspätet und wol secundär entwickelt bei Hulsius (1605) 63a, ist aber in späteren auflagen anderer hand durch gewapnet ersetzt worden (s. d.).
3)) gewappnet Eberlin v. Günzburg 3, 52 (vgl.geweppnet bei Knebel, s. o.). Hans Sachs fabeln und schwänke 3, 253. Zorn oberrh. chronik 232. oberrh. stadtrechte 1, 795 (Boxberg 1, 795). vgl. die übrigen belege aus schriftstellern des 18. und 19. jahrh.
c) sondererscheinungen an den flexionsformen des particips.
α) der flexionsvocal.
1)) bei U. v. Richenthal ist dem vocal die volle qualität meist bewahrt: gewapnot 181; gewaupnot 118, ähnl. 83.
2)) sonst erscheint der vocal tonlos und wird entsprechend den schwankungen bei silbenbildenden liquidis bald vor, bald nach dem nasal angedeutet, vgl. oben zu gewapent, gewappent und gewappnet.
β) der nasal verfällt andererseits auch der ekthlipsis: gewaupot, gewapot bei U. v. Richenthal; gewapet Frankf. reichscorresp. 2, 39; gewapter d. städtechron. 10, 217; gewappet Basler chron. 4, 42.
3) in bedeutung und gebrauch macht sich in der neuhochdeutschen periode immer mehr der allgemeinste und umfassendste begriff gerüstet geltend, einzelne gebrauchsweisen und formen halten die engeren, nach der offensiven oder nach der defensiven seite sich einschränkenden bedeutungen fest, ohne jedoch das allgemeine sprachgefühl zu beeinflussen. wenn man hier der neuhochdeutschen periode einen besonderen zug zuweisen will, kann das höchstens die bevorzugung übertragener verwendungen von gewappnet im gegensatz von DWB gewaffnet sein. doch stehen die so erworbenen verbindungen occasionell auch immer wieder der concurrenzform offen.
a) der umfassende begriff wird vor allem in den wörterbüchern angezogen: gewappent oder von fusz auf gewappenter (s. darüber sp. 5330), expedarmatus. voc. theut. (Nürnberg 1482) M 5; gewapfnett, armato Hulsius (1605) 63a u. a.; ghewaepent, armatus Kilian K 4b (vgl. sp. 5330); gewapnet, armato, armé Rädlein 382a. Stieler 2434. Spieser 151a. Pomay 166a.
α) in appositioneller function: da nun sein gesatzbuch, das er Alcoran nennet, gesetzt und fertig ware, kame er mit solchem schein und den zweien gesellen gewapnet desto künstlicher für das volck. S. Franck weltbuch 119b, ebenso 193b; do hadden de godtlosen ... noch twe porten geopent ... unde leiten tho sick in ... ein grote mennichte van buren, al gewapendt und gerüstet. B. Rotmann restitution rechter und gesunder christl. lehre 108 neudr.;

die ahnen ungezählet,
die, um und um gewappnet und gestählet,
in langer reih im vorsahl wache stehn.
Wieland (Klelia u. Sin. 1, 235) 21, 184;

seine väter standen alle
aus gegossenem metalle,
schön gewappnet, ohne zahl
in dem ungeheuren saal.
F. L. Stolberg (die büszende) 1, 164;

dann aber geh und biet auf die getreuen
rings herum im ganzen lande.
heisz sie sich stellen, gewappnet, bewehrt
mit schild und panzer, mit lanz' und schwert,
und sich verbergen im nahen gehölz.
Grillparzer 3, 17 (der gastfreund);

tausend ritter, wohlgewappnet,
hat der heil'ge geist erwählt,
seinen willen zu erfüllen,
und er hat sie mutbeseelt.
Heine Harzreise.


β) in bestimmten attributiven verbindungen.
1)) ich enweisz nit wer du pist, der mich pei meinem namen genennet hat, dann ich dir sage das mich daʒ ein unbeherzent und frömde sache düncket an einen gewapenden ritter ein nakede frawen ze tödten. decam. 360, 11;

[Bd. 6, Sp. 5329]


da lehnten in hohen nischen
geschmückter frauen viel,
gewappnete ritter dazwischen,
mit goldnem saitenspiel.
Uhland (mährchen).


2)) Sigverus, ein gewapneter kriegsmann, laufft ein. J. Ayrer (Valentin u. Ursa 2) 1408; so wird dich das armut ubereilen, wie ein fusgenger, und der mangel, wie ein gewaptneter man. Luther sprüche 6, 11, ebenso 24, 34; das verderben nahte sich ihm, wie ein gewaptneter mann, der sünder erbebte in den innersten tiefen seiner seele. Moritz Anton Reiser 67 neudr.; da er (d. landmann) hingegen bei anhaltenden allzuniedrigen preisen am ende hof und pflug verlassen, und weil ihn die armuth wie ein gewapneter mann überfällt, auf eine andere art, vielleicht gar unter einem andern himmelsstriche, sein brod zu verdienen suchen musz. wahrheit ohne schminke über den freien getreidehandel (1804) 41; es was aber um Hussa herberg in den heüssern verborgen fil gewapnetter menner, die uff Hussa antwurt gewartet hetten, wer er nit guttwillig mit in gangen, so wurden in die gewapneten gefiertt haben. S. Fischer chronik v. Ulm s. 180 Veesenmeyer; bei den fremden nationen machen die vorgänge in Deutschland ja sehr leicht den eindruck, dasz bei uns ... die geharnischten männer aus der erde wachsen ... worauf sie über einander herfallen und sich so raufen, dasz der fremde Jason ganz ruhig dabei stehen kann und zusehen, wie die deutschen gewappneten recken sich unter einander bekämpfen. Bismarck;

und es klingt herauf wie stimmengewirr,
wie flüchtiger hufschlag und waffengeklirr,
und tief aus dem wald zum gefechte
sprengt ein fähnlein gewappneter knechte.
Th. Körner Harras der kühne springer.


3)) aber der tzouberer werck ob sie gleich wunderberlich und seltzam, so sint sie doch mherteils vorgebens und unnutz, dartzu erschrecken die lewt davon, als so sie machen ein gesicht in lufften, oder in stuben, von gewappenten lewten, vorstorben geister oder ander narren weisz. Emser gegen Luther 118 neudr.; darein ward er (Husz) nit allain beschlossen, sunder allzeitt mit gewapneter gwar verhiet. S. Fischer chronik v. Ulm 182 Veesenmeyer; auff die ding antwortet Cicero nichts anders, dann es were nicht desz römischen volcks gewonheit, dasz sie von den gewapneten feinden geding auffnemen. Ringmann Cäsar s. 53b.
4))

gefallen ist der bessere mann,
es siegte der bankert, der schlechte,
gewappnete diebe vertheilen das land
und machen den freiling zum knechte.
Heine Romancero.


γ) die substantivierung ist meist mit dem pluralgebrauch verknüpft. der singular erscheint nur vereinzelt neben einem pronomen indefinitum, auszerdem häufiger in der gern wiederholten beziehung auf den teufel.
1)) der singular.
a)) auf seinen wink trat ein gewappneter an den groszen viereckigen erzschild, der zwischen zwei eichen wie eine glocke aufgehangen war. Hermann Schmidt Friedel u. Oswald 21, 69.
b)) dan weil wir alle verdampt warn, und uns kein werck weder der menschen, noch der engel helffen kund, wir waren alle des teuffels, der starck gewapneter hatte seinen pallast, das ist, die gantze welt, also bewart, das er fur allen creaturen wol zufrieden bleib. Erasmus Alberus widder Jörg Witzeln B 6a; er (der teufel) ist nicht schwach, sondern ein starcker gewapneter, darumb er den starcken verglichen ... wird. Prätorius Blocksberg 121; solche wagehälse kennen der höllischen starcken gewapneten nicht und müssen endlich mit blutigen kopff und verschreten gewissen zum abgrund fahren. catastr. muham. 210.
2)) der pluralgebrauch: ward ainer auszerwelt, von dem nicht zweifel was, er wurd im das haubt mit ainem schlag abhauen. da der erwirdig man under die gewapenten gefürt ward, da lief er z stundt z seinem wapner, wann er iesche, das man im ein claine frist gäbe z betten. Gregors dialoge (Augsburg 1473) 3, 37; Tarquinius hatte sich mit vil gewapneten seiner partheil darz gerüst, ob ihm jemandt widerstandt thun wolt, das er den übergwältigen möcht. Livius (Straszburg 1562) 176; er liesz auch auff den andern tag vil gewapneter die er hat, z im an den richterstl stellen. 43b; er aber het seines volcks und der gewapneten viel bei einander. Plutarch deutsch (1580) 11a; hat das bubenvolk auch under die juden gewolt daselbst auch mutwillen zu triben, aber es ist inen nit gestat worden, sunder sin mit gewappenden vorwart worden. tagebuch des W. Königstein in quellen zur Frankf. geschichte 2, 85;

[Bd. 6, Sp. 5330]


doch auf dem wall
tanzen mit schall
der graf und seine gewappneten all.
Uhland (graf Eberstein);

du nimmst gewappnete, und alle pforten
besetzest du, die aus dem schlosse führen.
Grillparzer (könig Ottokar 2) 65, 55, vgl. auch die form gewaffnete oben sp. 4749;

und doch sah ich eine stunde von hier ... zweihundert gewappnete, den fusz im bügel, die lanze in der hand. Hebbel (Agnes Bernauer 4, 10) 4, 70; ich begreife die versuchung ... jede ... grosze vorlage gewissermaszen als ein trojanisches pferd zu benutzen, um im innern desselben eine anzahl gewappneter gegen die burg der gesammten gesetzgebung in die mauern Ilions einzuführen. Bismarck reden 4, 337.
b) verengerungen des begriffes nach der seite der defensive oder offensive.
α) für die hervorhebung des defensiven momentes liegen durchaus nicht so zahlreiche belege vor, wie man gern annimmt.
1)) erschlossen kann sie werden aus der zähigkeit, mit der die folgende verbindung wiederholt wird: von fusz auf gewappenter, expedarmatus. voc. theut. (Nürnberg 1482) M 5; ghewæpent vanden hoofde tot de voeten, cataphractus. Kilian K 4b; von fusz auf gewapnet, armatura integra paratus. Stieler 2434; an iedlichem ort was ein kostlich gezelt mit sonderlichen schranken verwart ... und vor der majestat gezelt die schranken mit vil von fues auf gewappenter fürsten, graven, herrn und ritterschaft besetzt. Wilwolt v. Schaumburg 157 (litt. verein 50).
2)) auch im sprachgebrauche von Voss scheint gewappnet speciell auf die rüstung zu gehen:

gingen sie beid' in die schlacht, mit strahlendem erze gewappnet. Ilias 13, 105;

vgl.:

fasste mit nervichter hand die scharfe lanze, und stand nun
neben dem vater am stuhle, mit blinkendem erze gerüstet. Odyss. 21, 434 (ausgabe von 1802: gewapnet).

sicher ist diese auffassung jedenfalls in: der schildgewappnete streiter. Ilias 8, 155.
3)) ebenso liegt sie vor in der übertragung des particips auf das feste undurchlässige fell einzelner thiere. hier kann nur der panzer, nicht die gesamtrüstung den übergang vermittelt haben: dann das thier (d. rhinozeros) ist also gewappent, dasz ihm der helfant nichts kann thun. Dürer nachlasz 391; auch hat es eine art thierer, heisset dattu ... ist gewapnet allenthalben umb den leib her ... das wapen ist wie horn, schleusset auf einander mit gellencken wie harnisch. Hans Staden reisebeschreibung (1567) bei Vilmar 434.
β) die hervorhebung des offensiven momentes.
1)) die verbindung des appositionellen particips mit angriffswaffen:

die schergen da verporgen lagen ...
gewappnet mit schwertten und spiessen.
H. Sachs (d. zwei betrog. buhler) fabeln u. schwänke 3, 253 neudr.;

auch wann die burger oder einwoner solten mit irer wehr und gewapnet einher gehn, und sonst mit andern leuten nichts z schaffen haben, möchten sie leichtlichen selber under einander mutwillig werden. Micyllus Tacitus 451a; wie es aber darnach dem hauffen gefelt, also sitzen sie mit irer weer und gewapnet durch einander nider. 441b.
2)) auch die alte attributive verbindung mit gewappneter hand fristet sich noch länger fort: da nam Gerg Gumperger den abt bei der kuthen und zoch in frevelich hin und her schmechlich und stiesz den bursner oft mit geweppneter hand frevelich. J. Knebel chronik v. Kaisheim 232 Hüttner; were die nohtwehr unrecht gewesen, warumb wolte dann David, ein mann nach dem hertzen gottes ... die feindt mit gewapneter handt erlegt haben. Kirchhoff militaris disciplina 6; die ander (die nächst höchste) buss ist 2  , verbricht man mit gebesserter und gewapnetter handt, hatt man dem schultheissen von alters hero volgen lassen. oberrheinische stadtrechte 1, 795 (Boxberg 1578);

das mer unsicher war,
ruert ein armada dar
mit gewappneter hent.
H. Sachs (d. ungelücklich kampf künig Colerus aus Norwegen) 22, 503;

schlg auff sein haupt so hart mit gwapter hand. Jesus würt ... verspott bei
Wackernagel kirchenl. nr. 1341.

im plural: denn nicht nur fällt er die griechischen staten mit gewapneten handen, sondern er hat auch so gar nie aufgehört das zu thnn. Reiske Demosthenes und Äschines reden 1, 361.

[Bd. 6, Sp. 5331]



c) die übertragenen verwendungen.
α) in freier stellung, vgl. oben sp. 5327; vgl.: wie der teuffel so gar nichts fragt nach unserm predigen, blappern, schwatzen etc. vom evangelio, er waiszt wol, das uns sollich geschrai dienet zu grosserem fall, so wir nit starck gewapnet send wider ihn mit christlichem gebett. E. v. Günzburg schriften 3, 235 neudr.; das ist aber war, das dise grossen helden und vorfechter der kirchen mit lügen wider mich gewapnet seindt gesin. 2, 99; gegen alles leiden gewappnet. P. H. Sturz (schriften 1779 ff.) 2, 344. unserem sprachgefühl ist heute in verbindungen wie gegen angriffe, beschuldigungen, anfechtungen, versuchungen gewappnet sein, nur gewappnet und nicht mehr gewaffnet (noch weniger bewaffnet) geläufig, doch vgl.: ich fühle mich der gefahr gewaffnet. Auerbach (s. oben sp. 4748). vgl.: gegen versuchungen ... gleichgültig oder gewaffnet. Wieland (Agathon 12, 3) 3, 76 u. a.
β) attributive verbindungen: gewappneter mann, vgl. sp. 5329; im 4. cap. ist geschriben ain gewappnet gepott (also geben si seltzam namen iren merlin) kain bruder sol groschen oder gelt nemen. E. v. Günzburg 3, 52; als doctor Alfred Königsberg ihm sein trauerspiel Manlius widmen wollte, nahm er (Hebbel) dies dankend an und lobte dessen 'ernsten, gewappneten geist, der die wahre geschichte gegen die conventionelle in ihre rechte einzusetzen sucht'. Kuh Hebbel 2, 719.
d) einwirkung des substantivs wappen.
α) schon in dem bekannten sprichwort, das hier folgt, scheint diese vorzuliegen, und hieraus sich der doppelsinn der bedeutung zu erklären: papst Leo ward von den barfüszermönchen bestochen mit 8000 ducaten, dasz er sie nicht wollte reformiren. da er nun das geld aufm tisch sahe, sprach er 'wer kann so viel gewappneten widerstehen'. Luther tischreden 3, 181 Fürst; vgl.: wer kann so viel gewappneten widerstehen, sprach der papst, als man ihm es baar in scudi hinlegte. Eiselein 235. Wander 1, 1650.
β) deutlicher liegt dieser einflusz in der verbindung gewappnete steine vor: gewapnete steine, die eck- oder hauptsteine einer gränze mit den wappen der herrschafft. Beck de jure limitum p. 14, s. Frisch 2, 422c; zweitens sind die gränzen der 3 dörfer gegen die anstoszenden markgräflichen gemeinden ... gemeinschaftlich zu untersuchen, zu bereinigen und 'mit hohen gehauenen und gewappneten steinen' als landgränzen auf beiderseitige kosten zu versteinen. in urkunden über die landvogtei Schliengen, s. zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 17, 373.
γ) fraglich dagegen ist von einem gût gewâpent sin, durch erbrecht ansprüche an dasselbe haben. (aus 1466) bei Arnoldi beiträge z. deutschen glossarien 111. vgl. dazu: und hat jhn gott mit grossem ansehen und gewalt dermassen begnadet und gewapnet, das Deutschland unter jhm in ziemlicher ruhe und friede gesessen. Schickfus chronik von Schlesien (1625) 4. buch 287.
 
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gewäpnis, f., collectivbildung, im 15. jahrh. aus Mainz bezeugt: item das niemant zu Mentze soll riden mit swerten, rutingen, stichmessern, buckelern oder mit anderm geweppnisse. friedensbuch der stadt Mainz (1430) 43. zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 7, 18; wer esz auch, das imant sust mutwilliglichen einich waffen, oder gewepnisse, esz were von messern, swerten, degen, pantzern oder anders wie man das genennen mochte, druge. 40.
 
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gewar, s. DWB gewahr.
 
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gewärbe, gewärble, s. DWB gewerbe, DWB gewerble.

 

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