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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewankele bis gewapen (Bd. 6, Sp. 5319 bis 5324)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewankele, n., verbalsubstantiv zu (der ableitung von wanken) wankeln (s. d.): gewankel Schmidt Westerwäld. idiot. 321; gewankele Kehrein volkssprache in Nassau 1, 438.
 
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gewankern, verb., mundartliche iterativbildung zu dem ausgestorbenen compositum gewanken, vgl.: gawankôn Graff 1, 693 (gawenkjan ebenda 696); gewanken Lexer 1, 975 (gewenken ebenda 983); gwãgkern (um Telfs) hin und her schwanken, taumeln. der baum gwãgkert. Schöpf Tirol. idiot. 226.
ein ausläufer der factitiven ableitung gawankjan liegt vielleicht vor in vergewanken, verhehlen, verbergen (Basel) Stalder schweiz. idiot. 1, 505.
 
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gewann, gewanne, f. (gewand II) theilt sich mit dem neutrum gewende (s. d.) in die erbschaft einer reihe von formen und bildungen, die in eine weite vergangenheit zurückreichen vgl. ahd. f. giwant, giwanta (Graff 1, 761 ff.), neutr. giwand im Heliand; vgl. mhd. f. gewande Lexer 1, 975, neutr. gewende Lexer 1, 982. in der neuhochdeutschen periode mischen sich ebenfalls umgelautete und unumgelautete, starke und schwache formen, ohne dasz man auf grund des genus oder der bedeutung immer gliedern könnte. so finden wir im rahmen der österr. weisth. die pluralformen die gewendt, die gewände, die gewanten, den singular auf einer gewandten; dazu vgl. den plural gewonden in den oberrhein. stadtrechten, den sing. gewand am Mittel- und Niederrhein, gewende in der schlesischen mundart und in der norddeutschen schriftsprache. eine neuerung bringt die jüngere sprache durch assimilation des dentals: gewân luxemburgisch, gewänn Henneberger idiot., gewann in Westdeutschland, und von da in die schriftsprache übernommen.
den sichersten anhaltspunkt für die gliederung ergeben die fälle, in denen die umgelauteten formen zugleich das genus des neutrums erkennen lassen, sie schlieszen sich zu einer gruppe zusammen, in der der zusammenhang mit dem verbum wenden sich ausprägt und die den charakter des verbalsubstantivs je länger je deutlicher zum ausdruck bringt, s. DWB gewende.
weniger leicht sind die linien zu verfolgen, die von dem althochd. fem. giwant, giwanta und dem altsächs. neutr. giwaud ausgehen. die mischung umgelauteter und unumgelauteter formen erklärt sich aus der i-klasse, der giwant angehört; giwanta führt in die a-klasse über. dasz die entwicklung auf abstoszung der umgelauteten formen resp. auf eine differenzierung der formen nach den bedeutungsverschiedenheiten drängte, ist wahrnehmbar. unsicher aber sind die ersten bedeutungsabstufungen, weil die ältesten belege mit der abgeleiteten bedeutung 'finis, terminus' einsetzen, die bei Otfrid und im Heliand auch gleich metaphorische weiterentwicklung zeigt. etwas weiter führt uns die vergleichung anderer composita des gleichen stammes, wie anawanta = versura in den Salom. glossen (Graff a. a. o.) oder einzelner zeugnisse des einfachen subst. wie wendi = conversiones lunae; wanda = turba noch bei Notker. man kann sich vorstellen, dasz die anschauung von einer umdrehung, einer abgelenkten bewegung, den begriff terminus, finis entwickelte, wie er wol schon in dem enteo ni wenteo des Wessobrunner gebetes vorliegt. auch die bedeutung unseres fem. wand = paries liesze sich als übergangsstufe dieser entwicklung deuten, wenn hier nicht an einen anderen ausgangspunkt zu denken ist, an die primitive technik des häuserbaus, das flechtwerk (vgl. got. vandus, rute, altnord. vndr). das vollste sinnliche leben erhielt sich unserem verbalsubstantiv innerhalb der formen des ackerbaus; die zeugnisse entstammen hier freilich jüngeren quellen und reichen nicht aus, um den gang der bedeutungsentwicklung in allen abstufungen sicher zu stellen. manche bedeutung, deren sinnliche frische den anspruch auf ursprünglichkeit erhebt, kann auch das ergebnis späterer besonderer entwicklung darstellen. denn schon gewand = versura (pflugwende) zeigt sich einerseits als das merkmal, andererseits als die wirkung jener eigenthums- und besitzverhältnisse, die in gewand, finis, terminus so abstracten ausdruck gewonnen haben. und von dieser bedeutung versura, pflugwende müssen wir ausgehen. den anlasz zur pflugwende gab wol manchmal die bodenbeschaffenheit, später bei gröszerer flur auch die anordnung oder gewohnheit des eigenthümers, meist aber die grenzlinie, die das feld gegen nachbarn oder gegen auszen abschlosz. da nun aber der pflug nicht auf einem punkte gewendet werden konnte, vielmehr die drehung bei bespanntem pfluge ziemlich raum beanspruchte, so wurde, wenn nicht auf einem wege, sondern auf dem eigenen

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besitz gedreht wurde, ein stück unberührt gelassen. demnach blieb, wenn ein feld etwa von nord nach süd und süd nach nord durchgepflügt war, an der nord- und ebenso an der südseite ein breiter streifen übrig, der von ost nach west verlief und auch in dieser richtung gepflügt wurde, die vorwende, wendfahre, vgl. auch anwand und radwende theil 1, sp. 513. in diesem sachverhältnis sind alle anhaltspunkte vereinigt, an denen die verwendungen ansetzen: die grenzlinie, grenzfurche, grenzgraben einerseits, die vorstellung des breiten ackerstreifens andererseits, der auch für gewand = pannus (vgl. sp. 5236) herangezogen wurde, und endlich die gesamtheit der an einen gemeinsamen grenzstreifen reichenden felder. diese vorstellung ist für gewand besonders fruchtbar geworden, sie liegt auch der verwendung zu grunde, mit der gewann noch heute fortlebt. gewann ist jetzt die gesamtheit von feldern, die in einer bestimmten lage oder bodenbeschaffenheit zusammentreffen, und das führt zurück auf die zeit des flurzwanges, wo jedem flurgenossen an jeder lage ein gleicher antheil gesichert war. denn jede lage war in gleiche streifen abgetheilt, die ursprünglich mit der zahl der flurgenossen übereinstimmten. in allen streifen war die gleiche anordnung von furche und scholle, sie alle wurden durch die gleiche richtung der pflugwende am gemeinsamen grenzstreifen zusammengehalten.
1) dasz die ältesten beispiele mit dem abstracteren begriff terminus, finis einsetzen, erklärt sich aus der art der denkmäler, die sie bieten. ebendortbei Otfrid und im Heliandfinden sich auch schon übertragene verwendungen, deren erklärung nicht immer sicher ist.
a) die bedeutung 'terminus, finis'.
α) bei Otfrid ist sie zunächst räumlich, im Heliand zeitlich gefaszt:

er es er nio nirwant,er eʒ allaʒ thiʒ lant
gidruabta harto in warumit sines selbes leru;
nist thes gisceid noh giwant,wio er girrit thaʒ lant.
Otfrid 4, 20, 27;

'hwô lango skal standan noh' quâðan sie,
thius werold an wunniun,êr than that giwand kume,
that the lasto dagliohtes skîne. Heliand 4289, ebenso 268. 4350. 4357. 4728. 4732 Cott.


β) in der späteren sprache ist diese allgemeinere fassung nur an formen von gewende belegt, bei denen aber das genus unsicher bleibt: des libs gewende (evangelium Johannis in Pfeiffer übungsbuch), vgl.: umb die Grenitz und gewende des gerichte und wichbilde. urkunde von 1451 bei Haltaus 701.
b) fraglich ist, wie weit übertragungen mit sicherheit aus diesen bedeutungen zu erklären sind.
α) am einleuchtendsten ist der zusammenhang in dem folgenden gebrauch:

thô wurdun sân aftar thiu
thâr te Hierusalêmjungaron kristes
forð-ward an ferdi,fundun al sô he sprak
word-têkan wâr;ni was thes giwand ênig. Heliand 4550, ebenso 4043. 4084. 4462.

die vermittelnde bedeutung liegt hier in dem begriff der einschränkung.
β) schwieriger liegen verwendungen Otfrids, die bis zu der bedeutung von 'individualität, eigenart' führen:

'joh wer thir dati thia maht,thaʒ thu so scono sehen maht!'
'thes zelluh iu' quad er 'giwant:then wir thar heiʒen heilant!' 3, 20, 45.

bei formen nach der a-declination ist es auch nicht immer möglich, die grenzlinie gegen gewonida zu ziehen (vgl.fona kiwondu, fona kiwandu, ab usu keronische glossen bei Graff 1, 871). doch sind wol hierher zu rechnen:

wiʒit thaʒ ouh filu fram,theih fon mir selbemo ni quam;
ist warhaft, ther mih santa,ni wiʒut sin giwanta.
Otfrid 3, 16, 64;

des megines giwanta ni weiʒ, nesciero virtutem vocis. Monseer fragmente 26, 18 Hench;

die wir do begruben tot,
die sint lebene irstanden
und sint in den gewanden,
daʒ man sie horet unde siet.
Hesler evangel. Nicodemi 2724 Helm.


2) die sinnliche veranschaulichung des grenzbegriffes im rahmen des ackerbaus, der landwirthschaft.
a) der grenzstreifen, der bei der pflugwende entsteht und der andererseits die besitzverhältnisse wieder zum ausdruck bringt. die bedeutung nähert sich bald allgemeiner der von rain, bald im besondern der von anwand, vorwende u. a.: so es sich aber begäbe, dasz er von der strassen über ander zwaier gründ zu seinem land fahren müsste, so soll er den rain oder die gewandten miten under die deixl nemben. landrecht v. Raschenberg

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(1671), österr. weisth. 1, 95; ain nachtper der trat und gefelt ist zu ainem ... soll auch, aufs lengist er mag, auf seinem zueweg fahren, und ... wann er seiner gründ nimer gehaben mag, so soll er ain rain zwischen der deixl nemen und soll die deixl über sich kern übrn rain; wo er aber auf ainer gwandten ferth, so soll er auf ainem thail faren als auf dem andern bis das er auf seine gründ kombt. landrecht v. Lebenau (17. jahrh.), ebenda 1, 78; wan aber ainer peunten (ein grundstück dem allgemeinen viehtrieb entziehen) will ... so soll er an der acker leng drei schuech oder radtweit und an der gwandten, das er mit drei rossen das seinig gewinnen mag, ligen lassen. ebenda 1, 96; der zaun schaidt zwischen Talgeüdorffer und Lennczen am Gasstperg gründen auf und auf nach dem haag und zaun bis auf die gwandten zwischen der Perger und des Lentzen am Gasstperg. landrecht d. pfleggerichtes Wartenfels (1585), ebenda 1, 165; an der 'g'wand' (ackergrenze), wo umgewendet wird. M. Meyr Ries 144, s. Sanders ergänzungsband 628a; anwand, g'wand, f., die lange seite eines ackers, woran mehrere äcker mit ihrer schmalen seite gränzen 'Ulm, Memmingen, auch an andern orten'. Schmidt schwäb. wb. 516. das gleiche belegt J. Grimm theil 1, 514 für anewanne aus dem westphälischen. hier sind auch umgelautete formen belegt: wo die gewendt in den gemainen veldern an einander ligen und geen, sol er dem andern einen ausgewandten ligen lassen. landrecht d. pfleggerichts Wartenberg (1585), österr. weisth. 1, 154.
b) hieran knüpfen einige sonderformen der entwicklung.
α) der gewand, ein nur in dem weinbaue in Franken und am Rheinstrome übliches wort, denjenigen graben zu bezeichnen, worin die fächser geleget werden, so auch der wendegraben genannt wird; beides von wenden, so fern solches daselbst von der anlegung eines weinberges gebraucht wird. am Rhein heiszt ein solcher graben das gewände oder gewende, imgleichen ein rottgraben. Adelung 2, 650, ebenso Krünitz 18, 95; gewand (der), pl., die gewänder (t. de vigneron) le fossé dans lequel on met les provins. Schwan (1782) 1, 743.
β) die herausarbeitung des begriffes des grenzmerkmals: der lentz, der sommer, der herbst unde der winter ... ieder rumet sich seines guten willen ... wie sie holtz vellen, gewent zeunen, heuser den swalben gleich klecken. ackermann aus Böhmen 53 Knieschek; wer verziehet ind guith vergifft zo andern handen, dat erfschaft isz, die sall des erffs vollmechtig sin — ind dan vergeven mit laeken, pelen indt gewandt (zäunen). ritter und landrecht der grafschaft Berg (14. jh.), § 39; vgl. DWB gewanne, grenze Wallraf altd. histor.-diplomat. wb. 28. urkunden von 1421 und 1534 mit der gleichen bedeutung s. bei Brinckmeier gloss. dipl. 1, 912.
γ) die entwicklung eines längenmaszes ist fast ganz auf die umgelauteten formenund zwar auf das neutrum gewende — eingeschränkt, vgl.: die schol vier eckerlenge haben und iede eckerlenge sol haben zwelf gewende, das sint acht und vierzig gewende, und iedes gewende sol haben dreiszig meszruten. Brünner str. s. 223. doch vereinzelt begegnen auch unumgelautete formen mit der schwachen flexion des fem., vgl. gwanten = diaeta, stadium, in Münchner handschriften des 15. jahrh. bei Schmeller 22, 943.
3) die bedeutung bleibt an der vorstellung eines grenzmerkmals nicht hängen, sondern überträgt sich auch auf die fläche, die durch die grenzstreifen gekennzeichnet wird: gewänn (gewende), ein strich neben einander hinziehender ackerstücke gleicher länge, oder die obere und untere fläche, wo pflug und egge wenden. Spiesz Henneb. idiot. ansätze sind schon in den obigen verwendungen gegeben, werden aber in bestimmten zusammenhängen weiter ausgebildet. für diese seite der bedeutungsentwicklung wird vielfach ein anderer ausgangspunkt gesucht. einige gehen von der des dentals entbehrenden form aus. Schmeller 22, 191 führt wanne = flieszendes wasser (fuldaisch) an, ohne jedoch schlüsse daraus zu ziehen. andere weisen auf winnen, gewinnen hin, vgl. DWB gewann, DWB winnung Schmitz sitten und bräuche des Eifler volkes 1, 225. diese auffassung hat allerdings die bei tagwann (s. d.) zu tage tretende bedeutung für sich, doch ist mit rücksicht auf die mannigfachen gleichbedeutenden zeugnisse für formen mit dental höchstens anzunehmen, dasz von dieser seite aus eine neue form und bedeutung in den zusammenhang von gewand, gewende eingesprengt ist. andere, die sich an die form mit dem dental halten, sehen in dieser ein particip, vgl.: die gewandte, oder gwanten; ein gepflügter, umgewendeter acker, hochd. das gewende, engl. wend. in einer urkunde vom j. 1719 'hat den zehend nur von ainem gwāndl zu geben', d. i. von einem einzigen kleinen acker.

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Höfer wb. der in Oberdeutschland übl. mundart 1, 296, ebenso Loritza idiot. Viennense 51. innerhalb dieser bedeutung, die auf die fläche gerichtet ist, ergeben sich wieder mannigfache abstufungen, je nach der enge oder weite der abgrenzung, d. h. je nachdem an ein einzelnes stück gedacht ist oder an die gesamtheit der einen gemeinsamen grenzstreifen berührenden stücke. daneben macht sich frühzeitig auch die völlige abstreifung dieser bestimmung in dem verallgemeinerten begriffe gut, gegend, bezirk geltend.
a) engste fassung: das einzelne theilstück: gewend, gewendte, gewinde, n., beet, der teil eines ackers, der zwischen zwei furchen liegt. Schuermans vlaamsch idiot. 154; gewand im limburg. noch heute üblich in ähnlichem sinne. ebenda; gewand (Nürnberg) ackerbeet, terra versa et aggressa inter duos sulcos, versura. Schmeller 22, 943; g'wann, f. ... das feld welches zwischen zwei sogenannten hauptonweder (anwändern) ... der länge nach ... liegt. Schmidt Westerwäld. idiot. (1800) 69; gewann ... alles feld, welches zwischen 2 anwannen liegt. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 162, vgl. auch Thiel 4, 421; wann die erbern leut, die gancz gemain dacz Marcharstorf, zu der abgenanten meiner chirichen ledichlich gegeben habent die guter alle, die hernach geschriben sind ... zwo gewanten akkers, gelegen in den Rewtten daselbens czu Marchartstorf. urkunde der Benedictinerabtei zu den Schotten aus 1383, fontes 2, 18, 393. hierher gehört wol auch folgender beleg für das neutrum mit der umgelauteten form: der herre sol auch haben das dritte gewende in der vogetîgen. weisth. 1, 701 Grimm; vgl. auch: ghewendhe, ghewende, vetus sax 1 morghe landh. Schiller-Lübben 2, 101; fundus sexaginta decempedum. Kilian. in den gleichen zusammenhang reiht sich auch das folgende beispiel ein: ich Ffridreich ... das ich mit wolbedachtem mut und nach rat piderberlewt einen wechsel gethan hab mit Hansen dem Elach zu Reiffental umb ettleich äkker mit nam zwigewonte äkkerl, die do ligen pei dem ir dem akker und in den hoff gein Urtal gehören. urkunde d. klosters Ensdorf (1463), monumenta boica 24, 250. die function der verbindung ist hier entschieden die attributive, die hier anscheinend secundär entwickelt ist.
b) weiteste fassung: abstreifung aller nebenvorstellungen in der allgemeineren vorstellung flur, gegend, land (gewande, een landgoed, eene boerdery of boereplaats ... vooraad, rigkdom. Verwijs-Verdam 2, 1857), die sich in mitteldeutschen denkmälern der geistlichen litteratur ganz auszerhalb des rahmens landwirthschaftlicher vorstellungen zeigt. auch in neuerernamentlich mundartlicher litteraturtritt diese allgemeinere bedeutung wieder auf, doch sucht sie hier immer wieder mehr anlehnung an die formen des ackerbaus.
α) die sollent fliehen uf gewande der berge, fugient ad montes; in Galileenlande zu Chana der gewande, in regione Cana; sin lumunt nu gebreidet wart in aller der gewande, die was in deme lande, in omnem locum regionis; die menschen wandernde ich gesehen rehte als die baume uf der gewende (reim hende), velut arbores ambulantes. s. Schönbach wortschatz eines md. evangelienwerkes aus St. Paul; Wiener sitzungsberichte 137, 110;

des quam uʒ deme lande
bi Marcburg der gewande
zwolf dusent armer lude dar. Elisabeth 7600 Rieger;

sa fur mit frouden sine vart,
manigen herligen stig
Duringer herre Ludewig,
lantgrave der gewande,
ein furste Hessen lande. 4531, ebenso 4413. 5424;

gesprochen von den herren wart
ein lobeliche mervart,
von den fursten uf geleit
gemeine uber alle cristenheit,
umme alle die gewande
zu deme heiligen lande. 4121;

doch war den luden vil gedacht
alumme in der gewande,
wie man gein Ungerlande
di claren solde schicken. 1233, ebenso 3675.


β) der wind hat ganze gewände wald darnieder gelegt. Melzer Schneeberger chron., vgl. Frisch 421 (der es als silvae latera deutet); ganze lander und gewandten (korn, gersten, waiz). Stelzhamer lieder in obderenns'scher mundart 160; es steht dies jahr in der gewanne weniger korn. romanzeitung (75) 675; durch alle gewannen schweifte Luzian und fand seine vermutung bestätigt. die sonne arbeitete mit aller macht und suchte wie mit strahlenbanden die halme aufzurichten. Auerbach (Luzifer) dorfgesch. 3, 142.
c) in der mitte zwischen diesen beiden extremen hält sich die

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fruchtbarste bedeutung, die die gesamtheit der an einen gemeinsamen grenzstreifen reichenden flurstücke umfaszt.
α) besonders reichlich flieszen die belege aus hessischen urkunden. von wichtigkeit ist hier der durchgängige gebrauch des singulars und die kennzeichnung des fem., durch beides zusammen wird die ableitung des wortes aus einem particip widerlegt: 1. jug. ex opposito quod dicitur gemeine garte item in der langen gewanden super Winsheimer wingart. 6 jugera super Winsheimere gewandin et super Lamisheimer straʒen in der langin gewandin. Baur hess. urkundenb. (Worms 1299), vgl. Kehrein 62; propria bona mea sita in terminis dicte ville Sanwelnheim, videlicet in inferiori campo eiusdem ville in loco dicto krumgewande 7 iugera ... item 3 iugera uf der hoher gewanden. (1319) 2, 826; item in secundo campo versus Oppenheim an der holen gewande 3 iugera ex utraque parte apud feodum. (1268) 2, 228; 2 jurnales ... quorum ... alter et dimidius contigui sunt agris dicti Karoli et tendit usque ad korzgewande. (1241) 2, 87; in ringewandun. (1283) 2, 369; in der kortzen gewanden. (1320) 2, 839; in der diffen gewande. (1310) 2, 710; 1 zweideil in dalgewanden. (1310) 2, 745; an lachegewande. (1307) 2, 679; in cruces gewande. (1306) 2, 663; in der hindergewanden. (1319) 2, 826; locus dicta, mittelgewanda. (1303), vgl. Kehrein 62. vereinzelt begegnet die umgelautete form neben der nichtumgelauteten: item 1 iuger an der krummengewende ... item 1 quartale pratorum an der korzengewande, item 4 quartalia cum dimidio pratorum an der langen gewanden. (1314) 2, 750.
β) die feldruth und mass, so sie (sc. die Wieslocher) uf ihrer gemarckung gebrauchen, stehet mit ihrer lengin an der kirche eingehauen, ist ungefehr sechzehen schuh. haben nit gleiche morgen, alsso dass einer so viel ruthen hab als der ander, sonder werden ihre morgen nach gelegenheit der gewonden gemessen. oberrheinische stadtrechte 1, 718 (1557); die sämtlichen bauern und hindersässer zu Ramsdorf ... wollen schuldig sein ... auf des ritter-guths feldern, und zwar auf den fünf Hermsdorffischen gewändern, jedes gewände auf 4 acker gerechnet, denen beiden gewänden das Birckicht genannt, das gewände nach der heyden nacher Hermsdorf zu, auf 7 acker, das obergewände nacher Breitingen auf 8 acker gerechnet ... zu ackern. erbvergleich zu Ramsdorf (1595) bei Klingner dorf- u. bauernrechte 1, 639.
γ) gewande, f. ... immer eine grössere abtheilung eines banns; jeder dieser letzteren bestand aus mehreren gewanden. Ch. Schmidt elsäss. mundart 144. dazu vgl.: item 1 acker uf die anewende ... item acker uber den Eschenheimer weg, in dieselben gewanden (1299). alsatia diplom. nr. 812. heraus: die hohe — kurtze — lange — mittele — ussere gewande. Ch. Schmidt a. a. o. 144 (aus dem 13. jahrh.); die grundstücke einer gemarkung bilden je nach lage, besitz- und anbauverhältnissen getrennte gruppen, gewanne mit besonderen namen. diese beziehen sich auf bodenbeschaffenheit wie 'Ried', 'Sand', 'Letten', auf benützungsart wie 'Bungert' (baumgarten), 'Köhlgarten', 'Neumatten', auf besitzverhältnisse wie 'Allmend', 'Klosterhof', 'Rittersgrund', auf die lage wie 'Eck', 'Sommerberg', 'Sattel' oder endlich auf historische erinnerungen wie 'Heidengrab', 'Franzosenweg', 'Judenbuck' u. a. m. ... scharf abgegrenzt sind die gewanne meist nicht; wo eine ungeregelte gemenglage der parzellen herrscht, gehen dieselben oft unklar in einander über. Lueger lex. d. ges. technik 4, 633; gewann, f., selten n., eigentlich: die grenze der gemarkung, dann: die gemarkung selbst. das wort dient jetzt als eigenname zu einer äuszerst häufig vorkommenden flurbezeichnung, wenn sich gleich sehr oft nicht nachweisen läszt, ja es unbegreiflich erscheint, wie die jetzt mit diesem namen bezeichnete flurgegend in irgend einer weise habe die grenze abgeben oder die ganze gemarkung ausmachen können. Vilmar kurhess. idiot. 448; gewân, f. (agr), die flur, die sämmtlichen zu einem dorfe gehörigen getreidefelder, les champs.vgl. mittelalt. gewænde, portio agrorum. Gangler lex. d. Luxenburger umgangsspr. 179.
δ) jedes dieser grossen felder zerfällt wieder in einzelne vierecke, die man gewannen nennt. Oppenheim deutsche jahrb. f. politik 12, 20; war die erweiterung der grenzen unmöglich, so muszte ein theil des volkes ausziehen und neue fluren suchen ... dasselbe leiden aber hat bestanden, so lange sich im mittelalter freie bauern in dem bann des flurzwangs und der gemeinde eigen erhielten. ja es besteht noch heut in anderen formen überall, wo der zwang der dreifelderwirthschaft oder vielgetheilter gewanne die dorfgemeinde einengt. G. Freytag (bilder 1) 17, 74; man teilte die ganze feldmark

[Bd. 6, Sp. 5324]


nach massgabe der bodenverschiedenheit in eine grössere oder geringere zahl von verlosungsbezirken (gewannen) in der form von parallelogrammen, die nach der zahl der berechtigten durch parallellinien in teilstrecken zerlegt wurden. die verlosung der teilstücke erfolgt für sämtliche gewanne zugleich, so dasz jeder losende in jedem einzelnen gewann seinen anteil, und zwar in derselben reihenfolge wie in allen übrigen gewannen, erhielt. R. Schröder lehrbuch der deutschen rechtsgeschichte4 s. 58 u. a. vgl. auch Landau die deutschen territorien 32 (jene vierecke werden in Mittel- und Süddeutschland gewende genannt, im niederdeutschen wande oder wanne).
ε) die hier (im Elsasz) 'gewanne' genannten feld- wiesen- u. waldkomplexe. volkszeitung 23, 180; steuernachlasz wegen hagelschadens ... die abschätzung wird, so viel möglich, nach gewannen gemacht und bei jeder abtheilung angegeben, in welche verschiedene güterklassen die beschädigten güter gehören. Rettig der badische bürgermeister 106; die zu einem stammgut gehörenden gegenstände werden in den grundbüchern einzeln mit genauer beschreibung, die liegenschaften unter angabe von maasz, culturart, flur, gewann und nebenliegern eingetragen. badische verordnung vom 10. nov. 1842, s. regierungsblatt s. 302; 7 ar 94 qm bauplatz (seither spielplatz) in der gewann 'Busenthal' an der Bergstrasze im stadttheil Neuenheim, neben Friedrich Wipfler, Leonhard Schmitt und Friedrich Wolff und kinder. Heidelberger zeitung 1896; der schon lang ersehnte regen hat sich heute mittag infolge eines gewitters eingestellt. der dem gewitter vorausgehende sturm hat in einigen gewannen den hopfen, die bis jetzt recht gut stehen und daher eine gute ernte in aussicht stellen, dadurch geschadet, dasz von ihnen eine menge hopfenstangen umgeworfen wurde. die getreideernte ist beendigt und hat die landwirthe in jeder hinsicht befriedigt. ebenda 1899. für das schwäbische, wo wie im bairisch-österreich. der dental erhalten blieb, ist zu vergleichen: die ... in den gewänden Vogelsang und Steinenhausen ... beschlossene gebäudehöhenvorschrift wurde ... genehmigt. Stuttgarter rathhausbericht (schwäb. Merkur juni 1904), vgl. auch C. Lotter die gewande um Stuttgart. ebenda januar 1904.
 
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gewanneintheilung, f.: die gewanneintheilung der flur sicherte in jedem orte mit peinlicher gerechtigkeit die gleichheit der antheile. A. Meitzen volkshufe u. königshufe 5, s. festgabe für Hanssen.
 
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gewannen, nebenform zu gewinnen (s. d.).
 
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gewannet, particip praet. zu wannen, eine ableitung von wanne, f. (futterschwinge): allerlai korn, wol gewannet. österr. weisth. (Münsterthal in Tirol 1427) 4, 351.
 
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gewanngrenze, f.: in der regel sind von den dänischen landcommissariaten nur wenige linien, meist nur die aussen- und gewanngrenzen und die wege und gräben aufgemessen worden. A. Meitzen ebenda.
 
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gewannlage, f.: als einheitsmasz hielt man im allgemeinen das ganze mittelalter hindurch an der hufe fest, worunter man auszer hof und garten und dem nutzungsrecht an der almende das in gewannlage befindliche, dem flurzwange unterliegende ackerland, meistens in einem gesamtumfange von dreiszig morgen, verstand. R. Schröder rechtsgesch. 409.
 
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gewannstein, m.: vor ieden gemeinen stein sollen beide nachparn zusammen 1 kr., vor ein gewandtstein 2 kr., und so es ein eckstein. der etliche nachparn berührt, soll ieder nachpar 1 kr. zu belohnung geben. oberrheinische stadtrechte 1, 747 (1691); 'wollte jemand andere steine als z. b. gewand- und speichelstein machen lassen' u. s. w. (Augsburger bauordn.) bei Birlinger schwäbisch-augsburgisches wb. 195a.
 
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gewapen, n., nebenform zu gewaffen (vgl. oben sp. 4742) ist in der neuhochdeutschen periode nicht mehr belegt.
 
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gewapen, verkürzte form des particips, die in niederdeutschen quellen bei der substantivierung des participialen adjectivs belegt ist: de von Lubecke sanden ut to watere dusent gewapen in Westvresland mit bussen. Lübecker chron. 2, 31, vgl. Schiller-Lübben 2, 98; s. DWB gewapen bei Verwijs-Verdam 2, 1861. auch aus anderen sprachgebieten können parallelen zu diesem gebrauch herangezogen werden, vgl. gewafen Lexer 1, 970. ebenso darf in dem folgenden beispiel: darczu heten wir ... bei 150 schuczen zu rossen, und heten bei 300 wagen und karren, die gewopen leut und zeug furten, und ein grosz volk zu füssen, daʒ man schacz, daʒ sein alleʒ wer bei 800 mannen. Ulman Stromers chronik (Nürnberg), d. städtechron. 1, 41 an das particip gedacht werden, das ja weitgehenden veränderungen

[Bd. 6, Sp. 5325]


und verkürzungen unterliegt (s. bei gewaffnet), vgl.: herczog Adolff und graff Heinreich von Sponheim, di heten 500 spis und 600 gewapend auf wagen und sust vil fussvolks. ebenda 1, 45.

 

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