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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandtruhe bis gewandzeichnung (Bd. 6, Sp. 5316 bis 5318)
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[Bd. 6, Sp. 5316]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandtruhe, f. mehrfach aus der heutigen österr. dialectlitteratur belegt: oben in Sopherls schlafkammer sasz die magd auf der gewandtruhe neben der thür. Anzengruber (dorfgänge) 3, 129; der kaplan griff hinter sich nach dem hut, der auf einer gewandtruhe lag. (gott verloren) 289; no is mein' g'wandtruhen noch da, ich find' niemand, der mir 's fortschafft. (jungferngift 4, 6) 8, 77; sie legte das sparkassenbuch in ihre gewandtruhe ganz zu unterst und diente weiter beim Gregerbauer. Rosegger idyllen 441. älter und aus Frankfurter urkunden belegt ist kleidertruhe, vgl. theil 5, sp. 1082.
 
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gewandtuch, n. während gewand in der bei Schmeller 22, 940 aus Welsch-Tirol belegten verbindung de bant (wand) tuch eine maszbestimmung entwickelt, deutet das compositum in folgendem beispiel wol auf die art des stoffes hin: wir schicken euer lieb den swartzen sammet, swartz gewanttuch zu einem rock. Anna v. Brandenburg an ihre schwester (1480), s. Steinhausen privatbriefe 1, 217; vgl. auch englisch gewandtuch, pannus Britannicus. Henisch 1593.
 
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gewandung, f. junge collectivbildung, die in ihrer hauptverwendung auf gewand = vestis zurückführt, in vereinzeltem gebrauch jedoch auf wand = paries hinweist.
 
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gewandung I , die collectivbildung zu gewand gehört in ihren litterarischen belegen dem 19. jahrh. an und zwar dem sprachgebrauch der zeit nach Göthe. die erste buchung bietet jedoch schon Campe 2, 359. mundartlich weisen die spuren in das 18. jahrh. zurück und zwar in den bair.-österr. formen gwäntung österr. weisth. 5, 730; g'wandting, gwantig Schöpf Tirol. idiot. 800. in den gebrauchsformen greift diese collective bildung jedoch nur wenig über die grenzlinien hinaus, die wir oben für die neuhochdeutschen verwendungen des einfachen gewand festgestellt haben: die umfassendste bedeutung lebt wie bei gewand wiederum in der bair.-österr. mundart und wird gleichfallsin bestimmte schranken eingeengtin der fachsprache der bildenden künste aufrecht erhalten. sonst ist der umfassende begriff nur wenig gepflegt, ja auch die engere bedeutung von vestis ist dieser collectivbildung nicht fremd; und ganz besonders beliebt scheint an ihr neuerdings der übertragene gebrauch im sinne von hülle, form, im gegensatz zum inhalt.
1) die umfassende bedeutung.
a) der mundartliche gebrauch: so ain schwecher ain aiden in sein haushaben einnimbt ... soll derselb im haushaben, so lang er daselbst bleibt, in allem treulich und fleissig sein. dagegen soll er als anders hausvolk mit zimblicher gwäntung und in ander weg nach hauses staten treulich und gebürlichen gehalten ... werden. österr. weisth. (Enneberg, Tirol) 5, 730; g'wandting, f. (am Eisack und anderwärts), collect. kleidung Schöpf Tirol. idiot. 800; 'gwantum, kost geld bei Schmeller 22, 942.
b) die fachsprache der bildenden künste: hiebei konnte der sinn für schöne und edle formen nicht gedeihn; alle einfache groszheit verschwand. in der gewandung zeigte sich dieser verderb ganz besonders und am frühesten. G. F. Schuppe über die neuere deutsche kunst, s. taschenbuch auf 1837, s. 82; dieselbe groszartigkeit, welche gestalt und haupt charakterisirt, durchdringt auch die formen und falten der gewandung. Stahr 2 monate in Paris 1, 140; die gewandung vor allem ist voll fluthenden lebens. 149; der zum laufschritt gehobene rechte fusz, die kurzgeschürzte gewandung ... alles kündet und ist lebendigste bewegung. ebenda; vgl. auch jahrbücher der gegenwart (1847) 213; sie hatten sich in Sanct Gallen bei ihren malereien stets an überlieferung alten bildwerks gehalten und für gewandung faltenwurf und bezeichnung der gestalt einen gleichmässig sich wiederholenden zug angenommen. Scheffel Ekkehard s. 136; ein florentinischer gesell ... war dem schreibemeister behülflich, woher manche der gemälde ihre ausdrucksvolle einfachheit und edle gewandung erhielten. G. Keller (Züricher novellen) werke 6, 76; die unendliche zartheit, mit welcher die fernen, durchschimmernden gewandungen um die körperformen sich schmiegen, die behandlung der farbentöne wirken ... wohlthuend auf das auge. Guhl leben d. Griechen u. Römer 2, 213.
2) verengerung des begriffes, eine anzahl von kleidungsstücken.
a) der frauen gemüth, wie hoch es auch genaturt sein mag, erfreut sich allzeit an schmuck zierrath und prächtiger gewandung. Scheffel Ekkehard s. 4; Dominik ... schnürte seine gewandung noch fester zusammen, hob sie auf die schulter und verliesz den hof. Auerbach (der Lehnhold) dorfgesch. 4, 118.
b) die gesamtheit dessen, was jemand an sich trägt; der

[Bd. 6, Sp. 5317]


kämmerer Spazzo ... warf einen wohlgefälligen blick auf seine gewandung, als wär' er sicher, seiner gebieterin augen heut auf sich zu lenken, denn er hatte ein gestickt hemde von glanzleinwand angelegt und ein saphirfarbiges oberkleid mit purpurnen säumen, alles nach neustem schnitt. Scheffel Ekkehard s. 4; ein bad war ihm zurecht gemacht und frische gewandung bereitet. 87.
c) das einzelne kleidungsstück, das der gesamten tracht den charakteristischen zug giebt: wir danken, fiel ihm frau Hadwig in die rede ... der abt zog eine funkelneue kutte herfür und sprach: so ernenne ich denn unseres klosters erlauchten schirmvogt zum ... zugeschriebenen bruder und schmück' ihn dessen zum zeugnisz mit des ordens gewandung. Scheffel Ekkehard s. 23, ähnl. s. 38; da sah er des kellermeisters gewandung und ein paar fliegender zöpfe, die nicht zu diesem habit gehörten. 72; und wenn ich im hemd angeritten käme, so wär' die gewandung noch stolz genug, um vor euch schwarze kutten als herold zu treten. ebenda; sie hatte vom fenster aus dem fremden nachgespäht ... aber des mannes antlitz und gewandung war ihr unbekannt geblieben. Th. Storm (Enkenhof) 4, 285; ein gefeierter früherer tage erscheint einem späteren geschlechte als ein mann in altmodischer gewandung, ebenso in seiner gesinnung, nie in seinen anschauungen veraltet. Anzengruber ges. werke 3, s. 3.
d) den abschlusz dieses entwicklungsganges kennzeichnet die umsetzung in den plural für die unter b) angeführte verwendung: ein fürsichtiger hausvater, der die abgetragenen gewandungen dem hebräer überlässt. Scheffel Ekkehard s. 133.
3) übertragener gebrauch.
a) übertragen auf sinnliche vorstellungen:

einst in der zeiten brandung
warst du ein port der landung
in lieblicher gewandung
so einsam und so still;
in fehden und in streiten,
die einst die welt entzweiten,
im epos jener zeiten
ein liebliches idyll.
Leuthold Ufenau s. 100.


b) auf abstractionen übertragen: so wäre also die volksliteratur nur formell von der höheren unterschieden? ihre ganze eigenthümlichkeit bestünde in der veränderten sprachlichen gewandung? Auerbach schrift und volk 193; es gibt, wie für das auge, so auch für das ohr gleichsam eine mode. wie manche körperliche, so erscheint uns auch nach und nach manche geistige gewandung nicht mehr so auffällig. 219; so viel ist sicher, dasz auf die orthographische, überhaupt auf die sprachliche gewandung der druckschriften im 16. jahrhundert nicht die gleiche sorgfalt verwandt worden ist wie heute. Kluge von Luther bis Lessing 55, ebenso 66; wortschatz und wortgebrauch, stammbildung und syntax behalten noch die alte eigenart; nur die äuszere gewandung ist modern. 67; Gottsched aber hat, ... nicht nur viele hundert wörter mit sicherm sprachgefühl geschaffen. ... er hat auch tausende von solchen wörtern aus dem staube der büchersäle hervorgesucht und sie uns, zum teil in neuer gewandung, zu einem lebendigen besitztum gemacht. E. Reichel Gottsched im rahmen d. deutschen wörterbücher, grenzboten 60. jahrgang nr. 34.
4) die composition ist, wie es bei der jungen bildung natürlich ist, noch wenig vorgeschritten, doch liegen für die hauptformen schon belege vor.
a) des predigers tochter, die holdselige jungfrau Margaret, aber zieht mit dem jungen, lebensfrischen landsknecht Franz Körber, der das studium der theologie auf der Wittenberger hochschule gegen das bunte kriegsleben vertauscht, selbst in landsknechtgewandung. K. Telmann s. gegenwart 12, 76b.
b) diese anklage richtet sich nicht sowohl gegen die schweiz. vokalgewandung von Zwinglis schriften, als vielmehr gegen seinen wortschatz. Kluge von Luther bis Lessing 69.
 
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gewandung II, f., zu wand = paries: billig zu verkaufen ein glas-abschlusz mit gewandung und thüre. Heidelberger zeitung 1901.
 
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gewandwandelung, f.: als die herrliche gestalt (der Händel-Schütz) das podium bestieg, war alles auge, und nun begannen die wunderbaren so berühmt gewordenen gewandwandelungen ... alle weiblichen costüme des classischen alterthums, priesterliche und profane ... wechselten schnell vor unsern augen in den attitüden bekannter antiker bildwerke. W. v. Kügelgen jugenderinnerungen eines alten mannes 240.
 
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gewandwerk, n. neue mundartliche collectivbildung aus der gleichen gegend, die den collectivgebrauch von gewand bewahrt,

[Bd. 6, Sp. 5318]


vgl. auch gewandzeug: in der gläubigkeit kann freilich einer als a ganzer drein stecken wie im g'wandwerk, aber dös reicht nit ein' trum über ihm weg. Anzengruber (jungferngift 3, 1) 8, 53; und dös g'wandwerk von der alten Simmerlin all 's von schweren zeug. (2, 3) 8, 43; was hätt' ich auch jetzt viel schön's an dir? um dein bissel wachstum laszt dein g'wandwerk herumschlumpen, wie keine thut, die ein wenig schanierlichkeit im leib hat. (d. starke Pankraz u. d. schwache Eva) 3, 257.
 
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gewandwolle, f.: tinea haiʒt ain schab. daʒ ist ain gewantwurm, sam Isidorus spricht, und wechset von faulem luft und von saiger fäuhten in der gewantwollen, dar inn sitzet eʒ und durchnegt si. Konr. v. Megenberg buch der natur 309, 16.
 
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gewandwurm, m. in zwei verschiedenen bedeutungen.
1) anknüpfend an gewand = pannus: schab ... gewandwurm bei Konr. v. Megenberg buch der natur 309, 14. s. das vorhergehende.
2) anknüpfend an gewand = paries, vgl. wantwurm, cimex, vgl. altd. bl. 1, 349. mhd. wb. 3, 827a. Lexer 3, 684; s. gewandwürmlein. vgl. DWB hauptwurm theil 4, 2, sp. 639, vgl. DWB müllerfloh theil 6, 2655.
 
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gewandwürmlein, n., diminutiv zu gewandwurm 2: sah er etlich fischer ... miteinander gwandtwürmlein oder leüsz von den kleidern lesen. S. Franck chronika 20b; gewandwürmle, leusz, pediculi. Henisch 1593.
 
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gewandzeichnung, f. bei Campe 2, 359 als neugebildet aufgeführt.

 

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