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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandstricker bis gewandtrog (Bd. 6, Sp. 5302 bis 5315)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandstricker, m., vereinzelte form für gewandweber: gewandtstricker de sweren ock ... besunderen einen eedt. nd. rechtsbuch 143b, s. Schiller-Lübben 2, 98.
 
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gewandstück, n. zusammensetzung, die den engeren begriff von vestis im gegensatz zu vestimentum hervorhebt, vgl. kleidungsstück theil 5, sp. 1084: der junge könig hingegen schleppte sich in den ungeheuren gewandstücken mit den kleinodien Karls des groszen, wie in einer verkleidung, einher. Göthe (dicht. u. wahrh.) 24, 322;

der du an dem weberstuhle sitzest ...
du beginnest weislich und vollendest
emsig, und aus deiner hand empfängt
jeglicher zufrieden das gewandstück. (vorspiel) 11, 261;

[Bd. 6, Sp. 5303]



zeit und gelegenheit kommt, wir stiften ein schönes gewandstück
oder gerät — ich habe das noch so genau nicht erwogen,
wie oder was — nur dasz wir die kirche bedenken vor allem!
Mörike idylle vom Bodensee, 2. gesang;

an dem in die bretterwand eingelassenen fenster sass eine alte dame, eifrig beschäftigt, an gewandstücken dieser art zu flicken und zu schneidern. L. Schücking in dunkler nacht s. 92; da diese decke oder tapete für keinerlei gewandstück zu brauchen war, so achtete niemand weiter darauf. G. Keller Züricher novellen (Ursula) 2, 146; in den büchern meines groszvaters läuft bis zu seinem seligen ende eine jährliche ausgabepost: zehn pfund taback und ein gewandstück für den armen Krischan Möller. Th. Storm (söhne des senators) werke 7, 309; diesem (tuch) folgte alsbald unter mühseliger und gefahrvoller häutung noch das eine oder andere gewandstück, bis er zuletzt in greuelvoller unbekleidung dasasz. (d. herr etatsrath) 6, 197; die schweren bauschigen gewandstücke, die seine madonnen umwogen, sind die nämlichen, die Bernini 150 jahre später seinen engeln gab. Muther gesch. d. malerei 2, 37.
 
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gewandstütze, f.: gewandstütze, pedamen, pedamentum. Kirsch 180a. wol nicht zu gewand = paries gehörig.
 
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gewandsweise, adv. mit den bedeutungen 'bildlich, zum scherz, uneigentlich'. diese lieszen sich mit Schmeller 22, 942 zur not aus in gewandes wîse erklären, falls diese verbindung aus der älteren sprache zu belegen wäre. da diese anhaltspunkte aber fehlen (vgl. Grimm zu Reinhart v. 2571), liegt es näher, an die verhochdeutschte form zu quantsweise (vgl. theil 7, 2314) zu denken und das compositum von dem noch nicht genau ergründeten niederd. wort quant (tand) abzuleiten.
1) der älteste litterarische beleg entstammt aus Olearius: bedenck einmahl, wie die göttliche kunst dir deinen finger mit sehr vielen zusammenfügungen vereiniget hat, darumb würde es eine rechte vermessenheit oder ein zeichen der thorheit sein, dasz du deinen finger woltest aufrichten, gewandsweise zu bezeigen, dasz du gottes wissenschaft durchgründen köntest. pers. baumgarten 8, 3. daran reihen sich verwendungen bei Lessing und Herder: 'noch', fängt er (d. recensent) an, haben wir die antiquarischen briefe des herrn Lessing ... nicht ausführlich angezeigt.' nein! aber gewandsweise ihnen schon mehr als einen hieb zu versetzen gesucht! Lessing (entwürfe z. fortsetzung d. briefe antiquarischen inhalts) 153, 113; bilden sie sich wohl ein, dass Plinius nirgends von der kunst des steinschneidens ausdrücklich handeln wollen. er gedenkt blos bei gelegenheit der steine ... etwas von dieser kunst ... weil er, wie gesagt, nur gewandsweise von der sache spricht. (28) 103, 318: unverkennbar ist dies der geist des christenthums, seine native gestalt und art. nur dunkle barbarische zeiten haben den groszen lehnsherren des bösen, dessen angebohrnes erbvolk wir sein, von dem uns gebräuche, büszungen und geschenke zwar nicht wirklich, aber gewandsweise befreien könnten, der stupidität und brutalität antichristlich wiedergegeben. Herder werke 18, 296 (briefe zur beförderung der humanität 10, 123); wie nimmt man sich seines eignen baufälligen hauses an? man bessert es ernstlich oder reiszt es nieder und bauet ein andres; in beiden fällen aber erkundigt man sich, was denn eigentlich schadhaftes an ihm sei. der ungenannte gab vieles dafür aus, was es nicht ist; Leszing nahm vieles, was er dafür erkannte, gewandsweise, gymnastisch in seinen schutz. 193 (9, 111).
2) die wörterbücher führen die redensart als eine mundartliche an: Adelung 2, 651 hat sie für Schlesien und Niedersachsen angemerkt, wobei er auf Richey, Kilian u. a. hinweist (vgl. unter quantswise), ihm folgen Campe u. a. Vilmar kurhess. idiot. belegt die verbindung für Oberhessen, seltener für das schmalkaldische; Hertel weist sie aus dem thüringischen gebiet (sprachschatz 253) nach. diese verbreitung zeigt, dasz wir es nicht mit einer vereinzelten mundartlichen wendung, sondern mit einem gemeingut der norddeutschen zwangslosen sprache zu thun haben, wie dies ähnlich schon Voigtel (2, 80) beobachtet.
die erste lexikalische anführung entstammt aus Stieler: gewantsweise, simulate, in speciem, vulgo: pro forma, alio dialecto est quant, unde quanten. s. 2500, vgl. auch 2483; gewandsweise, par finesse, sous quelque pretexte. Pomai 132b; gewandsweise, in schyn, voor't ooge. Weissenbach 437a. als bevorzugte verbindung ist in den wörterbüchern die mit reden, sprechen beobachtet: (was in einer comedie) gewandts weise geredet wird oder zur seiten, what one speaks aside in a play. teutsch-engl. lex. (1716) 770; nur gewandsweise von etwas sprechen, toucher ou parler d'une chose en passant. Schwan 1, 743 (1782); gewandsweise

[Bd. 6, Sp. 5304]


sprechen, zum schein, als vorwand; auch: nur so obenhin, ohne es ernstlich zu meinen. Vilmar 125.
 
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gewandt, participiales adjectiv, dessen gebrauchsformen nach zwei seiten auseinander gehen, nach den verwendungen von wenden und gewenden.
 
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gewandt I , das einfache particip zu wenden (s. d.). hier ist die kürzere, unumgelautete form neuerdings ganz verdrängt worden: gewendter rock, persica. voc. theut. (Nürnberg 1482) M 5; ein gewandt kleid, un vestito tornato, un habit tourné, un habit auquel on a fait donner un soufflet. Rädlein 1, 381; ein gewandtes kleid, un habit retourné, gewandte ou umgewendete schuhe, des escarpins. Schwan 1, 743. vgl. auch abgetragene kleider und schon hunderttausendmal gewandt. Schiller.
 
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gewandt II , die participialform, in der das präfix die bedeutung beeinfluszt und die man deshalb als particip zu gewenden (Graff 1, 756. mhd. wb. 3, 693b. Lexer 1, 983) stellen könnte, wenigstens, was die ältere sprache betrifft. dort zeigt das part. verwendungen, für die jetzt andere präfixe eintreten, vgl. DWB bewandt (theil 1, sp. 1766) und zugewandt (jetzt durch verwandt verdrängt). dagegen ist die heutige alleinherrschende bedeutung 'geeignet zu etwas, geschickt, geübt' erst sehr spät entwickelt. man könnte sogar zweifeln, ob sie überhaupt aus diesem zusammenhang abzuleiten ist, wenn nicht einige verbindungslinien deutlich darauf hinwiesen. haben doch auch 'geschickt und gelegen' eine ähnliche entwicklung aufzuweisen; für andere verwendungen sei an die parallele der lateinischen formen versatilis, versutus erinnert.
1) zugewandt, zugewendet, diese nächste bedeutung unseres particips bildet deutlich auch die grundlage, auf die alle verwendungen zurückführen, die wir mit dem heutigen gebrauche von bewandt und verwandt in beziehung setzen können.
a) die verbindungen, die auf die bedeutung 'bewandt' hinzielen, gehören hauptsächlich dem formelschatz der mittelhochdeutschen dichtung an, wo sie an der reimstelle günstigen boden finden. in die neuhochdeutsche periode greift nur die letzte abgeleitete bedeutung über. die grundlage der entwicklung läszt sich an einigen verwendungen bloszlegen, die das verbum auch auszerhalb der participialform in der althochdeutschen zeit noch aufweist:

ni was, ther nan intfiangi,in gilouba gigiangi;
zi giloubu sih giwanti,thaʒ inan ouh irkanti,
odo inan ereti ubar al,so man gotes sun skal.
Otfrid 2, 2, 25 u. a.

dagegen zeigen schon die mittelhochdeutschen belege an der participialform, obwol sie vorwiegend in der prädicativen function überliefert ist, eine vom verbalgebrauch isolierte bedeutung.
α) die formelhafte verwendung der mittelhochdeutschen zeit.
1)) meist ist die construction unpersönlich.
a))

ich sage dir libir herre.
wir ne mgin da widere niht getn.
din vehten ist nehein vrm.
swa wir sin gebeiten.
ze sorgen ist iʒ uns gewant.
Konrad Rolandslied 14, 19 Grimm,

ebenso 19, 12. ebenso Gottfried v. Straszburg Tristan 1874;

eʒ mac alsô belîbenunz an ir beider tôt,
daʒ wir niht komenin Etzelen lant.
wir suln ir sîn getriuwe:deist uns zen êren gewant. Nibel. 1151, 4.

genau so Tristan 1908, ebenda 5748 (ze hövescheit). A. v. Halberstadt 29, 248;

Nessus wolde ouch vliehen dan.
den schrê der wîssage an,
Astylos was er genant,
dir ist zu vliehen nicht gewant,
wan du wirst von Herculê erslagen.
A. v. Halberstadt 29, 384;

ein junchêrr unde ein ritter sol
hie an sich ouch behüeten wol
daʒ er stille habe die hant
sô im ze sprechen sî gewant.
Thomasin v. Zirclaria d. welsche gast 444,

s. lesebuch 1, 503, 32 (in d. ausgabe v. Rückert: swenner iht sprechen wil).
b))

ich var durch meine werdekeit
nâh ritterschaft in fremdiu lant.
frouwe, eʒ ist mir sus gewant.
W. v. Eschenbach Parz. 11, 8;

die wunden sluoc der minnen hant.
eʒ ist der wunde alsô gewant,
sî wellent daʒ sî langer swer
dan von swerte ode von sper.
Hartmann v. Aue Iwein 1548.


c))

als er der rosse niene vant,
nû tet er alsz im was gewant.
sînen schilt nam er
und in die winstern hant daʒ sper
... und gâhte für daʒ bürgetor. Erec 6703,

[Bd. 6, Sp. 5305]


ebenso 2279. 2409. Gottfried v. Straszburg Tristan 4072. 11841. 4547. 1657;

viel schiere kômen Marke
und hin ze hove mære,
daʒ Tristan komen wære:
des wâren s'alle samet frô
frô meine ich aber, als eʒ in dô
nâch ir leide was gewant.
Gottfried v. Straszburg Tristan 6033.

ebenso A. v. Halberstadt 15, 164. vgl. auch niederdeutsche belege bei Schiller-Lübben 2, 98.
d))

eʒ ist mir sô umb in gewant
daʒ er mir müese gestân
ze mîme kumber den ich hân:
mîn wîp ist sîn swester.
Hartmann v. Aue Iwein 4730;

eʒ ist umbe in so gewant,
er hat wunderlichen site
da er sin brot fristet mite.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 1936 Beneke;

mit frâge er fürbaʒ kam
unz im der wirt tete erkant
wieʒ umbin selben was gewant.
Hartmann v. Aue Erec 473.

ebenso Iwein 190. ähnlich Flos und Blankflos, s. Schiller-Lübben 2, 98;

eʒ ist umben stein alsô gewant:
swer in hât in blôʒer hant,
den mac niemen ...
gesehen noh gevinden.
Hartmann v. Aue Iwein 1203,

ähnl. 3426. Ottokar reimchronik 3668. 9676; alsô ... waʒ eʒ under in gewant. Flore 5654. mhd. wb. 3, 691; wu it dar mede was gewant Kerkhœrd. reimchronik v. 206, vgl. Schiller-Lübben 2, 98.
e))

harti ginc es imi ci hercin
daʒ her widere kêrin solde zir erdin.
ni wêrit duo ci stunden so gewant.
durch alle disi werilt ni rûmiter daʒ paradisilant. Annolied 753 Rödiger;

nû sagent mirʒ her durch die want
jâ ist eʒ niht alsô gewant.
Hartmann v. Aue der arme Heinrich 1268;

er stuont vor in und sprach nie wort,
wan er kein antwurt an im vant,
nâch dem und iʒ was gewant. v. d. 7 stafœren 579;

der meister, alz iʒ war gewant,
entpfienc sie lieplîchen dô. livländische reimchron. 2954 Meyer;

zwêne risen die sint hie ...
und ist iedoch alsô gewant:
wære dehein sô sælec man
der in beiden sigte an,
dem müese ich mîne tohter gebn.
Hartmann v. Aue Iwein 6662,

ebenso 3854. 6610. Ottokar reimchronik 73959. 34591. ebenso livländische reimchronik 4640.
f))

nu rât waʒ uns daʒ beste sî.
dunket dich daʒ wol gewant
sô wil ich wünschen zehant
vol goldes einen grôʒen berc. von den 3 wünschen, s. lesebuch 371, 13;

sold ich dem stuol verliesen
solch êr, daʒ ich verkiesen
müest Cecili daʒ lant,
sô wære übel gewant,
daʒ ich al der werlde vater bin.
Ottokar reimchronik 4974.


2)) spärlicher dagegen sind die fälle, in denen das particip als prädicat an ein subject anknüpft, dieses ist dann immer sächlicher art.
a))

ein wîse man hat schiere bekant
wâ stæter dienest ist gewant.
des hân ich mich hinz iu gewegen
got müeʒe mîn mit sælden pflegen. mittelhochd. fragment, in dem Blikkers umbehang vermuthet wird, 178 bei
Piper höfische epik;

reiniu wîp: den rât mein ich ze guote
muot und zuht ist in gewant.
K. v. Würzburg (lieder u. sprüche 13, 33) 366;

ich var ê mit iu, wiʒʒe krist,
swie mir diu reise an dirre vrist
ze grôʒen sorgen sî gewant,
ê daʒ ich lâʒe ûʒ mîner hant
min lêhen und mîn êre. Otte mit d. barte 495;

drî vlohen also sêre,
daʒ sie die mêre brâchten hein.
mir ist als ein bast wer drumme grein.
ir vlîen was vil wol gewant,
sie hiengen selbe sich zû hant. livländische reimchronik 1545 Meyer.

[Bd. 6, Sp. 5306]



b))

eʒ sol mit iuwern hulden sîn,
daʒ ich ze Parmenie var
und neme nâch iuwerm râte war,
wie unser dinc dâ si gewant
umbe liute und umbe daʒ lant.
Gottfried v. Straszburg Tristan 5121;

aber als diu sache ist gewant.
Ottokar 72375.


c))

sîne sinne und sîne manheit
diu prîsete hof unde lant.
diu beidiu wâren ouch gewant
niht anders wan als er gebôt.
Gottfried v. Straszburg Tristan 18958.

ähnlich K. v. Würzburg Otte 80 (der site sîn). Heinr. v. Krolewitz vaterunser 1755 Lisch (des varwe). Ottokar 1589 (iuwer reis). passional 235, 59 Köpke;

welch cristen dâ blîbet tôt
dem wirt daʒ êwige leben
vor diʒ kurze hie gegeben.
der wechsel wirt also gewant,
des sie mîn sêle ûwer pfant. livländische reimchronik 551 Meyer.


3)) auffallend ist, dasz das particip in attributiver function nicht nur zu sächlichen nominibus, sondern auch zu personen gestellt wird:

dînen friunden zimet daʒ niht wol
daʒ ich diʒ laster dulten sol
von einem sô gewanten man,
der nie mâge hie gewan.
daʒ dich getar gebliuwen der
der sich hât verrunnen her.
Hartmann v. Aue Gregorius 1313 Paul.

ähnl. Iwein 4461. R. v. Ems der gute Gerhard 581;

got hât durch râche an mich geleit
ein sus gewante siecheit,
die niemen mag erlœsen.
Hartmann v. Aue der arme Heinrich 410.

ebenso 12 (von sô gewanten sachen). Gregorius 2837 (wol gewanteʒ brot).
β) diese letzte verbindung mit sache, ding scheint die einzige verwendung zu sein, die auch in die formelsprache der neuhochdeutschen periode für kurze zeit hereinreicht: wie die sachen als sie uns erzehlet gewandt und geschaffen sein. Ayrer process. juris 1, 11 (an andern stellen bewandt und geschaffen).
b) die verbindungen, die in den bedeutungsumfang von verwandt übergreifen, unterscheiden sich von den vorhergehenden, mit denen sie ja die grundlage gemeinsam haben, dadurch, dasz sie stets ein persönliches subject voraussetzen. scheinbare ausnahmen von dieser grundbedingung beruhen auf übertragung:

ir sult des niht vergeʒʒen,
daʒ iu diʒ wunneclîche lant
baʒ unde nâher ist gewant,
dan eʒ den gesten allen sî,
die niht der stat geseʒʒen bî
mit hûse und mit geslehte sint.
K. v. Würzburg troj. krieg 30430.

zu der concurrenz der präfixverbindungen vgl. auszer verwandt: er ist dein sipt blt, er ist dir angewandt, er ist dein man. Geiler v. Keisersberg spinnerin e 6 β; daraus von unsern mitgewandten und nachkommen vermerkt werden möge, dasz wir diesen nöthigen artikel nicht vergessen. vorstellung des landschaftlichen ausschusses (c. 1500) bei Krenner landschafts-handlungen 13, 234; ehrengesandter — so nennt man in Helvetien die gesandten der cantone und zugewandten orte zu ihren tagsatzungen. Wieland (anm. z. 2. gesang d. neuen Amadis) 15, 288.
α) die bewegung ist auf ein sächliches oder abstractes ziel gerichtet. diese gruppe ist weniger entwicklungsfähig.
1)) wir süllen und wellen auch alle di die auf unserm tail gewant sein gewesen zu dem krieg ... darzu halten und pringen. urkunde der herzöge von Baiern 1374, d. städtechron. 4, 178; als unser herr der cardinal bischoff zu Augspurg ain versuechen getan an des kaisers rätt ... und an den andern rätten, die in dem kriege gewant sind. Zink d. städtechron. 5, 281 (Augsburg).
2)) uns ist von uch bewiset liebe und fruntschafft an verkündung ... der geschicht, die uch widder uwere finde von gnaden gottes glucklich ist zugestanden ... des wir mit uch sien erfrawet, dem almechtigen ... danck sagend ... das er ... uch und alle, die mit uch zu den sachen sint gewannt, die wolle fügen zu freudenrichem ende. markgraf Jac. v. Baden an Albrecht v. Brandenburg (1450), d. städtechron. 2, 216 anm.; wie wol nun die berichtung stuend, daʒ die herrn und die von München und all die unter den sachen verdacht oder gewant warn oder sind gewesen, verricht solten sein, dennoch waʒ unser, der austribnen, kainer sicher. J. Kazmair (zu 1399), d. städtechron. 15, 491.

[Bd. 6, Sp. 5307]



3)) unser mitburger Liuppolt Karg, Ulrich Stur ... die alle zu dem egenanten prunnen gewant sind ... habent uns wissen getaun, wie das si ... ain rechenunge mit anander von deʒselben prunnens wegen vorhanden haben. schreiben des Augsburger raths von 1414, d. städtechron. 5, 145.
β) gelegentlich wird das persönliche moment am object verschleiert: it ded. 89  n 7 sz, haben Karl Holtzschuher und Berchtolt Volckmeir vertzert auf dem tage zu Bamberg ... als unser herrn von Sachszen und Brandenburg und die auff bed tail darunter gewant waren denselben tag da miteinander laistoten. d. städtechron. (1441) 1, 469 (Nürnberg); und aller der, so in diesen sachen zu baiden seiten verdacht oder gewant sint. schiedspruch in der fehde zwischen Nürnberg und Albrecht v. Brandenburg (1450), d. städtechron. 2, 232; allen iren helfern und helfershelfern, und die darunder von baiden tailen gewant. H. Mülich d. städtechron. 22, 288 (Augsburg); zum ersten, das alle krieg zwischen in und iren helfern, helfershelfern und allen, die darunter gewant und verdacht send ... aufgehaben und abgethaun sein söllen. ebenda, ebenso 2, 269.
γ) am ergiebigsten ist die bewegung auf ein persönliches ziel.
1)) die bewegung ist eine freie, sie entspringt dem subject nicht aus irgend welchen verpflichtungen, sondern aus eigener neigung: tie tûost tû wider sinnen ze dir, an dih kewante, mit tinero wola-wiligi. Notker Boethius 130b;

ir was di reine also gewant
in dugentlicher crefte
zu werder fruntschefte.
daʒ si ir nit enwolde
verzihen joch ensolde. Elisabeth 5283 Rieger;

do nun der margraf und frow Alitt fil herschaft sachend und aber nüt sachend, die innen lieb und gewandt warend. deutsche volksbücher (Züricher handschrift d. 15. jahrh.) 85 Bachmann-Singer.
2)) die zuneigung beruht auf den verpflichtungen der familienzusammengehörigkeit, auf dem bande des blutes und der sippe, gewandt = verwandt im engeren sinne: und wann wir nun herzog Albrecht obgemelt ... in brüderlicher liebe und treue gewandt und vertrauet sind. verschreibung, die herzog Albrecht herzog Sigmunden geben soll (1465) bei Krenner landtagshandl. 5, 252; dann lieber vetter nachdem und wir euch mit guter lieb, und freundschafft gewandt sind. schreiben des herzogs Heinrich von Landshut (1447), ebenda 3, 213; nachdem nun derselb unser fetter und mir ainander gewant send. Hector Mülich d. städtechron. 22, 300 (Augsburg); nachdem die fursten und herren gesippt, gefrewnt, und also aneinander gewont seinn, daʒ si nicht anders, denn das bruderlich, vetterlich und frewntlich ist, obgot wil fürnemen werden. (1458), copeibuch d. stadt Wien 119, fontes 2, 7; mit denen, die im gefreundt oder gewant sint. Keisersberg seelenpar. 66a; als jungfröwen und witwen ... mit allem irem gt in clöster gangen sind, und iren erben, die inen etwan vast nohe gewant gewesen sint, ir gt enpfürt. Straszburger zunft- u. polizeiverordn. (1471) 295 Brucker; wann aber dem also ist, das uns derselb unser allerliebster veter, eur natürlicher herr, in sipt und freuntlichem verpinden des pluets zuegehört und gewant ist. Aventin (bairische chronik) werke 5, 583;

vor ein minister kiesen theten
frater Franciscum Angelisz,
darumb das er dem kaiser ist
bluts halb gewandt.
B. Waldis Esopus 4, 4, 77 Kurz.


3)) die verpflichtungen staatsrechtlicher natur. verwandt im weiteren sinne.
a)) des höherstehenden: aber sein kaiserlich gnad hab in die sachen gesehen mit fleis, darinn rat gehalten, und meniger ursach funden damit sein kaiserlich gnad dem heiligen reich und den kurfürsten und fürsten des reichs also verpunden gewantt und verphlicht, dadurch solhs so er von des reichs wegen begert hat nicht muglich ... sei. Friedrich III. über eine verbindung mit Burgund (1473), monumenta Habsb. 1, 1, 21.
b)) des untergebenen.
α)) das der romisch keiser unser herr sei widersprechen wier nit, versehen uns aber das meniglich in dem heiligen reich wissentlich sei das wir allain von des kunigreiches Beheim und der chur wegen dem romischen keiser gewont sein. könig Matthias v. Ungarn an den reichstag (1481) bei Senckenberg 1, 53; wo das nit solt beschehen, nach dem und wir dann dem heiligen römischen reich gewant sint, so verstat ewer gnad wol, das wir die lenge erenhalb nit mochten vertragen sein. (1450), d. städtechron. 2, 384; wann wir aber geneigt

[Bd. 6, Sp. 5308]


sein, dieselben von Lübeck, als die so uns und dem heiligen reiche am mittel gewandt sind, an aufnehmung, und redlichen stande, wesen und herkommen, und nemlich bei den vorgemeldten freiheiten ... zu handhaben. kaiserliche confirmation über zollbefreiung d. stadt Lübeck (1473) bei v. Westphalen monum. ined. rer. Germ. 4, 1083. ebenso urkunde von 1470 bei Haltaus 700.
β)) wellen wir fur uns ... ewrer lande und leute ... und aller der ewern und die euch gewandt sein und zu versprechen steen, veinde sein und des unser ere fur uns, unsere commün, helffer, helffershelffer und alle die unsern und die uns gewandt sein, erberglich bewart haben. nürnbergische absage wider markgraf Albrecht (1449), d. städtechron. 2, 515; und wie sich die vientschaft zwúschent úch, den uwern und den selben únsern eidgnossen von Schaffhusen und uns als helfern machen wirt mit todschlegen, nomen, brand und in ander wege, wellent wir gen úch, allen den úwern, allen uwern helfern und allen denen, so uch gewant sind, unser und aller der unsern ere wol bewart ... haben. chronik d. stadt Zürich 253, quellen zur Schweizer geschichte bd. 18; sunder ein jeglich burger und hindersehsz, der der stat gewant ist, und sin gesinde, soll sin cleidung, es si rock oder mantel, zrihten machen das die zm minesten ein halb vierteil gange für sin scham. Straszburger zunft- u. polizeiverordn. (1480) 462; welich mannesperson darüber in ein frowencloster ginge oder wie er darin keme, und das meister und rat fürkompt, ist er der stat gewant, so sol er der stat bessern 5 lib, δ; ist er aber geistlich oder unserm gnedigen von Strässburg gewant, so sol man z frischer getat ine in siner gnaden kercker tn leigen. 297 Brucker; wie das du mit etlichen deinen herrn und fründen also gewant seiest, das dir ausserhalb derselben nit fügclich sei, ain underreden mit uns z haben. H. Mülich d. städtechron. 22, 280 (Augsburg); uns gedaucht auch guet, das ir die nächst abgeschrift und die ietzo euch zuhanden kombt verkündet het den stetten und märkten, die ditzmals gewant sind mit unserer gnädigen frauen. Aventin (bair. chronik) 5, 585.
4)) die privatrechtliche seite solcher verpflichtungen wird seltener betont: item der anschlag der steuer des bemeldten dorfes Oeting auf etliche bauern daselbst die allein unserm gnädigen herrn mit scharwerk gewandt sind ... bringt alles in einer summa 130 . anschlag d. steuer im oberland (1464) bei Krenner 7, 160.
δ) abstreifung der näheren bestimmungen in der substantivierung.
1)) die staatsrechtliche bedeutung: fur uns, unser commaun mitsampt unsern helffern, beilegeren und gewantten und allen den, die wir auf ewern schaden bringen mügen. fehdebrief des markgrafen Albrecht gegen Nürnberg (1449), d. städtechron. 2, 515; desgelick wi genanten stede affseggen allen gram, unwillen unde vehde, de wi ... vorhenget hebben tegen de genanten herschop tho Brunswig, ore manschop, gewanthen unde anhengere. friedensvertrag zwischen Goslar und den herzögen. urkundenb. d. hist. vereins f. Niedersachsen 7, 333; furder, dat he sik tomalen untemelik hadde laten hören vor dem Ekholt aver den rat und erbare borger, dabi seggende gegen dejenige, de en strafeden, he hedde des gude hovetlude, de em wol scholden entheven, eft he derhalven in last queme, so dat he des rades und erer gewanten wenig achtede. bericht des bürgermeisters Langebek über d. aufstand zu Hamburg (1483) bei Lappenberg hamburgische chron. 350; an einen erbern rat ist von etlichen iren burgern und gewanndten, die gerechtigkeit in die Begnitz haben (gelangt, das inen) oben, inner- und unterhalb diser stat ... von etwo vil personen manicherlai beswerden ... zugefügt werden. Nürnb. polizeiordn. 189 Baader. vgl. auch: einichem irem burger oder zugewanndten. ebenda.
2)) die privat- und familienrechtliche bedeutung: furder lichtede he vor ere kleder, seggende aver all sinen gewanten; kamet her, gesellen. bericht des bürgermeisters Langebek über d. aufstand zu Hamburg (1483) bei Lappenberg hamburgische chron. 356; anno 1497 die decima aprilis hat mir min liebe mter an lassen schniden 10 ellen schwarz Londesch tch, ... ob jemants storb von unsern vorsipten und gewanten ... das ich furters nit dorf kleider (als vor oft geschehen ist) dorf entlehenen. Joh. Rorbach tagebuch (1497), Frankfurter chron. 1, 284.
2) für die bedeutung 'geschickt, anstellig' lassen sich mehrere erklärungen beibringen, die vielleicht auch verschiedene ausgangspunkte der entwicklung darstellen. den verwendungen, die wir unter 1, a) und b) besprochen haben, am nächsten steht der relative gebrauch: geschickt zu etwas:

[Bd. 6, Sp. 5309]


ich jag gar fürstlich über land,
birsen ist mir nit bekant,
darzuo so bin ich nit gewant,
trüw ist vor allen dingen.
Huco v. Montfort 9, 23;

ir (der alten Schwaben) klaidung war nichts anderss dann ungerbte haut umb den leib, das si wol halb nackent giengen, waren zu ross kriegen nit allein gewandt, das si oft im treffen von den pferden sprangen und sich zuo fuoss wörten. Elucidarius v. 1543 (Augsburg), s. Alemannia 1, 92. dagegen läszt sich der absolute gebrauch, wenn er sich auch aus der abstreifung der näheren bestimmungen leicht erklärt, doch ebenso gut an das particip von wenden in der bedeutung 'beweglich' anknüpfen, vgl. versutus, versatilis, vgl. DWB gewendig, womit der mundartliche gebrauch von gewendet übereinstimmt: der Jonas prophet muesz ein zimblich klaine ringe person oder jüngling sein ... darzu man nun etwan ein kekhen gewenten pueben brauchen ... muesz. befehle Wilhelms V. die fronleichnams procession betreffend (1580), s. Westenrieder beiträge 5, 119. vgl. auch die viel belegte verbindung ein gewandt pferd, un cheval adroit, léger a la main. Rädlein 1, 381 u. a. auffällig bleibt unter allen umständen, dasz die belege so spät erst einsetzen; Luther hat überall gelenk (s. d.), wo wir jetzt gewandt gebrauchten; die ältesten litterarischen zeugnisse sind aus Günther und Hagedorn entnommen. doch kann dieser umstand auch der dürftigkeit unseres materials zuzuschreiben sein, denn das angeführte beispiel aus Westenrieder läszt darauf schlieszen, dasz in der zwangsloseren sprache eine längere entwicklungsreihe vorherging, ehe der wortgebrauch in die litteratursprache aufgenommen wurde.
a) der relative gebrauch.
α) freie verbindungen.
1))

straff sind die sehnen meiner jugendkraft:
ich bin gewandt zu ringen.
Bürger (an Friedrich Leopold) 1, 237;

doch siehst du wohl, dasz matt und schwach und arm
die aftermuse um erbarmen flehet, ...
denn noch ist nicht ihr schlaffer arm
gewandt, Apollos sehne schnell zu biegen.
Novalis (an Bürger) 1, 391 E. Heilborn;

alle anfeindungen seiner brüder (die der alte vater, da ihnen Joseph verzieh, verzeihungsvoll einem kampfe vergleicht) haben ihn nur stark gemacht; alle feindliche schicksale haben ihn gewandt gemacht mit armen und händen. Herder (briefe, das studium der theologie betreffend, 1. theil) 10, 50.
2)) die in der heilungskunst gewandt, sind anderer meinung. Hagedorn 2, 107; sophist, der trugschlüsse macht, in trugschlüssen gewandt ist. Frisch 2, 287a;

der in ränken und schwänken und allen
streichen gewandt war.
Göthe (Reineke fuchs) 40, 79;

man fühlt, dasz eine geläuterte schriftsprache, so gewandt sie in allem übrigen sein mag, heller und durchsichtiger aber auch schmackloser geworden ist und nicht mehr fest dem kerne sich anschlieszt. Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 16; dasz dieser gute kopf zum theoristen der feinsten philosophie scharfsinnig, und zum theoristen der sch. k. u. w., als virtuose in den besten werken der ausländer insonderheit belesen, und zum verbesserer eines vernünftelnden Franzosen gewandt gnug sey, dörften wir fast zweifeln. Herder 5, 284;

dieweil ich bin, musz ich auch thätig sein.
ich möchte mich sogleich zur arbeit schürzen,
du bist gewandt die wege mir zu kürzen.
Göthe (Faust II) 41, 106.


β) in der composition.
1)) kriegsgewandt theil 5, 2272, vgl.: die Franzosen waren kriegsgewandter und zahlreicher als ihre gegner. Eichendorff dichter und ihre gesellen 1, 10. ebenso vereinzelt gefechtsgewandt, pfeilgewandt (vgl. pfeilgeübt theil 7, sp. 1662), geschäftsgewandt, vgl. theil 4, 1, sp. 3827;

Alexis. du bist ein mensch, der mit gefäll'ger tünche
die rohheit des gemütes überzog.
fein, höflich, unterwürfig, dienstgewandt,
frech, aufgeblasen, rauh, gemein und wild.
K. Immermann die Bojaren 5, 1 (werke 15, s. 250).


2)) lebensgewandt, vgl. theil 6, 443, vgl.: gleich nach Lucidor kam noch ein fremder hinzu, nicht mehr jung, von bedeutendem ansehn, würdig, lebensgewandt und durch kenntnisz der weitesten weltgegenden höchst unterhaltend. Göthe (wanderjahre 1, 8) 21, 133;

der kaiser ...
als er ging die krone sich zu holen,
hat er uns auch die kappe mitgebracht.
nun sind wir alle neugeboren;
ein jeder weltgewandte mann
zieht sie behaglich über kopf und ohren. (Faust II), ebenso wahlverwandtschaften 1, 10.

[Bd. 6, Sp. 5310]



3)) federgewandt, ebenso redegewandt, vgl. theil 7, 461:

so möcht ich selbst in künstlichen sonetten
in sprachgewandter masze kühnem stolze
das beste, was gefühl mir gäbe, reimen. (das sonett) 2, 271.


b) der absolute gebrauch. die wörterbücher nehmen von dieser verwendungsart in geringerem grade kenntnis: gewandt, gewiegt, geschickt, versato, habile, addirizzato, scozzonato, habile, adroit, adressè. Rädlein 381b; gewandt, vlug, vaerdig, vel bedreeven. Weissenbach 437a; gewandt, versutus, versatilis. Aler 935a; gewandt, inversus ... versutus et callidus. Kirsch 180a; gewandt, agile, souple, expéditif. nouveau dict. (Straszburg 1772) s. 339a; dazu vgl. aus der bair. mundart Schmeller 22, 943. Lexer kärntn. wb. 255. vgl. auch Firmenich 1, 473, 60 für das kölnische.
α) die function des prädicats.
1))

es heiszt: ich läg im sode,
und wäre nicht gewandt.
o! reist mich aus dem kittel,
und gebt erhöhungs-mittel,
und seht mich wieder an, was gilts? ich bin galant.
Günther ged. 210;

wie geheim und heilig wiederum ist Jacobs gesicht des eröfneten himmels, des ihm so nahen gottes seiner väter, wie bittersüsz und angenehm-mühselig die beschreibung seines dienstes bei Laban, gleichsam heroisch-nächtlich sein kampf mit dem unbekannten, und endlich über alle maasze gewandt und biegsam die verschlungene geschichte Josephs. Herder (briefe, das studium der theologie betreffend, 1. theil) 10, 37; er ist gewandt wie ein aal, klammert sich aber auch ebenso fest an. Grabbe (Napoleon 3, 3) werke 3, 138.
2)) er ist eigentlich pracktischer natur, auch über seine jahre im leben einsichtig und gewanndt, und weisz, wie ich schon in häuslichen dingen sehe, ein ihm aufgetragnes geschäft mit ruhe und sicherheit durchzuführen. Göthe briefe 21, 398; Wilhelm Schlegel ist nun hier und es ist zu hoffen dasz er einschlägt. so viel ich habe vernehmen können, ist er in ästhetischen haupt- und grundideen mit uns einig, ein sehr guter kopf, lebhaft, thätig und gewandt. 11, 67; er (der Perser) war scharfsinnig, gewandt, gebildet, mild und freundlich gegen fremde und unterworfene. E. M. Arndt geist der zeit (1807) 1, 127.
3))

es könne
Hinze der kater sogleich die botschaft Reineke bringen,
weil er klug und gewandt sei.
Göthe (Reineke fuchs) 40, 32

(Gottsched s. 43: als welcher sehr klug und gescheid wäre. Reinke de vos vrod.); andere völker mögen gewandter sein und witziger und ergötzlicher, aber keins ist so treu wie das treue deutsche volk. Heine Harzreise;

und drei feen
schön zu sehen
aber tückisch und gewandt.
Grillparzer (Melusina) 7, 228.

dazu vgl.: das ist e' gwandter, ein handvester. wörterbuch des Konstanzer Hans (1791) bei Kluge rotwälsch s. 257.
β) die function des attributs.
1)) ein gewandt pferd ... un cheval adroit, légèr à la main. Rädlein 1, 381; ein wol gewandt pferd, a horse well managed. teutsch-engl. wb. (1716) 2447. ähnlich Kramer (Nürnberg 1719) 2, 96a; ein gewandtes pferd, cheval achéminé; ein pferd gewandt machen, déliberer un cheval. nouveau dict. (Straszb. 1772) 339a. Schwan (1782) 1, 743.
2)) dasz euch ein gewandter fusz mehr gilt als ein gewandter kopf. Saphir extra bazar 3 (1833); was Gaius Gracchus gewandte hand zusammengezwungen, hatte theils die macht der verhältnisse, theils und vor allem die grobe bauernfaust seines unfähigen nachtreters wieder aufgelöst. Mommsen röm. gesch. 2, 198.
3)) die versetzung des hofmechanicus Körner von Weimar nach Jena brachte einen geschickt-gewandten, thätigen mann den dortigen anstalten in die nähe. Göthe (tag- u. jahreshefte 1817) 32, 117; der herr mit der brille ... kannte jeden schlupfwinkel, welchen das gesetz dem gewandten mann offen lässt. G. Freytag (soll u. haben 1, 8) 4, 129; du wirst aus den zeitungen meine wahl in Brandenburg ersehn haben; es war ein harter kampf, da der gegner oberbürgermeister und ein sehr gewandter fähiger mann ist. Bismarck an seinen bruder 10, 2. 49, s. Kohl Bismarckbriefe 77; der kurfürst ... bat ihn plötzlich, den jagdjunker vom Stein, einen jungen, rüstigen und gewandten herrn ... ins zimmer zu rufen. H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 4, 137 Zolling;

[Bd. 6, Sp. 5311]


das maskenhafte spiel, das ein gewandter freund
aus Roms verfall'nem schutte ...
neubelebt herangeführt.
Göthe (was wir bringen, 19. auftritt) 11, 315;

uns aber hat er
seine gewandteste
verzärtelte tochter
freut euch! gegönnt. (meine göttin) 2, 62;

schon sah er im geiste die schöne Fides ... als gewandte, lebensfrohe frau vor sich stehen und gehen. Keller Züricher novellen (Hadlaub) 1, 82; denn sicherer und entscheidender tritt ein körperlich starkes und gewandtes volk, begabt mit muth und vaterländischem sinne vor den risz als ein ... ungeübtes und schwaches. Guts Muths turnbuch f. d. söhne des vaterlandes 17.
4)) und wenn sie denken, dasz vom beweglichen ladendiener und dem eingebildeten kaufmannssohn, bis zum gewandten abwiegenden weltmann ... alle nach und nach, bei mir vorbei gegangen sind. Göthe (lehrjahre 4, 16) 19, 98; hierauf folgen einige honnetetäten für des autors persönlichkeit, wie es einem so gewandten welt- und hofmanne geziemt. briefe 21, 439; abgesehen von dem gesicherten und reichlichen erwerbe, welchen ein gewandter geschäftsmann verbürgte, war ja diese ganze kunst dem dienste der frauen gewidmet. G. Keller (d. grüne Heinrich) 1, 226.
5)) ein gewandter arbeiter, an expeditious or clever workman. Hilpert 1, 463a;

und so hab' ich auch den fischer
ruhig sehen netze werfen,
brauchte dem gewandten tischer
winkelmaasz nicht einzuschärfen.
Göthe (divan, buch des unmuths) 5, 105;

an die ecke der strasze dort
setzt ihr tischchen mit kupfermoneten die wechslerin,
hier den stuhl der gewandte barbier.
Platen (bilder Neapels) 2, 213;

zu einem artigen haus .. zu kommen, ergebe sich die vorteilhafteste gelegenheit aus dem amtlichen geschäftsleben selbst ... wo ein gewandter notar, wenn er die augen aufthue und etwas wage, ja zunächst bei der anrichte stehe. G. Keller (Martin Salander) werke 8, 138; da brachte sie ... unterschiedliche tuchabschnitzel, ... die sie ihm ja nicht zu verlieren empfahl, indem ein gewandter schneider die existenz eines rockes mit dergleichen um ein volles jahr zu fristen vermöge. d. grüne Heinrich 1, 20; der mann hat savoir vivre, gibt einen gewandten wirth. H. Kurz (der sonnenwirth) 6, 195;

die schale siehst du nur, den edelstein
hat ein gewandter dieb listig gestohlen.
Grillparzer (Blanca v. Kastilien 5, 9) 105, 192;

der gewandte schwimmer strebte einer wassernixe zu. Rosegger (Heidepeters Gabriel) 11, 282; schlittenfahrten, die, so oft es sich thun liesz, veranstaltet wurden, gaben ihm gelegenheit, sich als gewandten vorreiter ... zu zeigen. Immermann (epigonen 2, 14) 5, 142; 'so entrinnst du uns nicht, du doppelzüngiger!' drang herr Wilhelm Tracy, der unter den vieren der gewandteste redner war, auf den primas ein. C. F. Meyer der heilige 210.
6))

so übt er jedes pünktlich aus,
mit schnell gewandtem sinn.
Schiller (der gang nach dem eisenhammer) 11, 253;

selten hat wohl ein maler mehr gewandte fügsamkeit, sich in alle nur erdenkliche formen einzupassen, an den tag gelegt, als Johann Franz Barbieri. Matthisson (umrisse aus Italien, Bologna) 4, 166; Hermann's gewandte entschiedenheit, der leichte ton, mit welchem er von allem wenigstens zu reden wuszte, waren eigenschaften, die ihm bei ihr nur nützten. Immermann (epigonen 2, 13) 5, s. 139; Anton hatte einen tiefen respect vor dem gewandten ton, der leichten unterhaltung und den geschliffenen formen des umgangs in die familie mitgebracht. G. Freytag (soll u. haben 4, 3) 5, 55; sonst war er von gewandten weltformen, scherzte mit grazie, sprach über alle vorkommnisse des lebens, ohne den schein übergroszer vertraulichkeit anzunehmen. Gutzkow ritter v. geist 25, 35; eine gewandte schreibart, sprache, a free, clear, easy style, language. Hilpert 1, 463a, ähnlich Heyse 1, 577; bei all diesem freute ich mich ... ihrer klaren und gewandten schreibweise. G. Keller (an Ludmilla Assing) bei Bächtold 3, 55; eine gewandte, obschon falsche technik war das eigentliche wissen meines meisters. (d. grüne Heinrich) 1, 272; bei dieser gelegenheit wird ihnen das variiren derselben melodie grosse dienste thun und es ist ein sehr schöner einfacher eindruck den man am rechten orte durch einen minor durch eine gewandte harmonie hervorbringt. Göthe an Kayser (1780), briefe 4, 170.

[Bd. 6, Sp. 5312]



γ) die function des adverbs.
1))

dasz niemand feiner lacht
als Signor Klaudio, noch schöner tanzt und singet,
gewandter reitet.
Wieland (Pervonte) 18, 145;

der gewandt wie keiner die höchsten
rahen erklomm und gewandt am ergriffenen taue herabglitt.
Voss Ovid 1, 192;

es knackte der fuss, sie drohte zu fallen,
eilig streckte gewandt der sinnige jüngling den arm aus,
hielt empor die geliebte.
Göthe (Herm. u. Dor. 8) 40, 320;

unvermerkt drangen seine blicke ... in einen garten ... wo ein frauenzimmer ... sich in eine grosse wasservertiefung stürzte, darin verschwand, wieder hervorkam, das nasse köpfchen schüttelte ... geschickt und gewandt mit dem kopf sich wieder untertauchte. Heinse (Hildegard von Hohenthal) werke 2, 5; der vornehme stolz der mutter, der miszfällige blick der tochter und das zerstreute auge des sohnes wurden von dem armen bocher eben so gewandt aufgefangen, wie die bunten strahlen eines prismas von einem beobachtenden naturforscher. G. Freytag (soll u. haben 1, 4) 4, 52.
2)) er verbirgt seine gesinnungen nicht, ja er läszt sie nicht einmal errathen, sondern er spricht sie ganz deutlich aus; doch weisz er sie rhetorisch gewandt mit allgemeineren historischen, kritischen ansichten und überzeugungen zusammenzuflechten, dasz man recht aufpassen musz, um genau zu unterscheiden, wo man mit ihm einig seyn kann, oder wo man ihn musz fahren lassen. Göthe briefe 20, s. 96; anstatt mich nun gewandt und klug nach der sache umzuthun und irgend einen aufschlusz zu suchen, ging ich, nach meiner entschlossenen weise, sogleich meinen weg nach hause. (dicht. u. wahrh. 20) 48, 183.
c) die verstärkung durch adverbien wird bei Göthe angebahnt, der synonyme participia mit gewandt verbindet, die in die function des adverbiums übergleiten, vgl. geschickt gewandt (s. oben sp. 5310). dazu vgl. DWB kluggewandt, kühngewandt, raschgewandt, schnellgewandt. andere art sind allgewandt, vielgewandt u. a.
d) auch steigerungsformen als sicherste zeugnisse für den übertritt in die kategorie des adjectivs sind am absolut gebrauchten particip belegt, vgl. oben der gewandteste redner u. a., vgl.: stieg er, gewandter als das gemstier, an schwindlicht hohen felswänden zu den grünen vorspringen der grindeln. Zschokke novellen (Addrich im moos cap. 13) s. 66.
 
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gewandtheit, f. , ableitung vom vorigen, jedoch nur in den unter 2) dargestellten bedeutungen. das älteste beispiel ist aus Lessing belegt:

das feine, spitze ding, besorg ich nur,
in meiner plumpen hand zerbricht(s). so was
will ausgeführt sein, wie's erfunden ist:
mit aller pfiffigkeit, gewandtheit. (Nathan 3, 4) 33, 84.

es ist eine der letzten, abgeleiteten bedeutungen des particips, die hier an dem ersten beispiele für das substantiv zu tage tritt. spätere belege greifen mehr auf ursprünglichere verwendungen zurück, so auf die körperliche fertigkeit und geschicklichkeit. eine grosze mannigfaltigkeit der verwendungen läszt sich aus Göthe nachweisen, der das substantiv sehr begünstigt. ihm entstammt auch das erste beispiel für den pluralgebrauch, der sich jedoch wenig entwickelt: dieser brachte den sohn zurück, geübt in allen ritterlichen gewandtheiten. (noten z. divan) 6, 226; bei deinen übrigen talenten und gewandtheiten. Rahel buch des andenkens 2, 145; ungeschicklichkeit, die doch so viele gewandtheiten und fertigkeiten gar nicht ausschloss. 'unsere zeit' (1881) 1, 362.
1) der absolute gebrauch: gewandtheit, plur. inus., vlugheid, vaerdigheid, bedreevenheid, f. Weissenbach 437a.
a) körperliche geschicklichkeit.
α) die beliebteste verbindung ist hier kraft oder stärke und gewandtheit. bald wird in solchen verbindungen das zusammengehörige der beiden eigenschaften, bald deren verschiedenheit hervorgehoben.
1)) erinnert man sich aber seiner universitätsjahre, wo man gewisz zum fechtboden eilte, wenn ein paar meister oder senioren kraft und gewandtheit gegen einander versuchten. Göthe (noten z. divan) 6, 226; der adel bestand aus den männern gewisser familien, denen man besondere kraft und gewandtheit als angeborene vorzüge zuschrieb. Schlosser weltgesch. 12, 180; aber die gewandtheit und kraft, mit welcher er das pferd herunterrisz und zum stehen brachte, liesz einen jungen mutigen reiter ahnen. Hauff Lichtenstein (1) s. 15; so erschienen hier die einen von rastloser arbeit gebräunt und getrocknet, zäh und hart, andere in energie und gewandtheit aufblühend. G. Keller d. grüne Heinrich 1, 39; das

[Bd. 6, Sp. 5313]


volk bestand zwar in der heroenzeit aus edeln und unedeln ... der vorzug der ersteren beruhte nicht etwa blos auf ihrer geburt, sondern es bedurfte dazu auch der erwerbung einer gröszeren stärke, tapferkeit und gewandtheit. Schlosser weltgesch. 12, 179.
2)) dort hingegen (in Rom) hat man, auf einem beinahe rechtwinklicht aufgestellten stück architektur, von den ziemlich hohen stufen (d. heil. treppe) eine nach der andern unter die kniescheiben zu bringen, wozu denn doch in der that nicht wenig muskelnkraft, und überdem noch ein hoher grad von gymnastischer gewandtheit erfordert wird. Matthisson (Rheinfahrt, Einsiedeln) 2, 175;

es hielt der schlanke sich, der leichte
in seinem vortheil offenbar.
er wich dem feind um keine hand breit;
dem war die kraft, ihm die gewandtheit.
K. Immermann Tristan u. Isolde (werke 13, s. 139);

allein alle diese einfachen ... arbeiten, können zwar stärke und dauer geben, aber gewandtheit weder geben noch lassen. Guts Muths turnbuch für die söhne des vaterlandes (1817) 19; gewandtheit geht über stärke, franz. adresse passe force ... engin vaut mieux que force. Wander 1, 16; der erste winter war eine harte lehrzeit ... aber sein ehrgeiz war aufgestachelt, und eine natürliche gewandtheit kam ihm zu gute. G. Freytag (freicorporal) 12, 210.
β) schon die körperliche geschicklichkeit ist meist nicht blosz das ergebnis längerer übung, sondern zugleich der ausflusz geistiger beweglichkeit.
1)) die dicken küssen machen das sizen ziemlich erträglich (in d. holl. kutschen), aber mit der gröszten gewandheit kann man sich auf schlechtem steinpflaster nicht vor argen kopfnüssen an den holzwänden bergen. Niebuhr nachgel. schriften 193; diese Altmärker und Magdeburger waren keine hünengestalten wie die Pommern und Westphalen, aber in ihrer gelehrigkeit, gewandtheit und gutwilligkeit erhoben sie sich an diesem tage zu der höchsten stufe kriegerisches heldenthums. Sybei begründung des d. reiches 54, 195; er erinnert an Murat ... aber mehr an seinen muth als an seine gewandtheit. Grabbe (Napoleon 5, 5) 3, 237; Alfons soll hier über die auszerordentliche schönheit und kriegerische gewandtheit Antonios erstaunt, zu den seinigen geäussert haben. Platen (geschichten des königreichs Neapel 3, 9) 5, 196.
2)) seine sprache ist äusserst preussisch und auch sein spiel ... hat eine gewisse anmaszliche gewandtheit. Göthe (aus Frankfurt 1797) 43, 36; der bürger ... genosz auf den bretterbänken den kaffe, welchen ... die wirthsleute mit groszer gewandtheit ... zu bereiten wuszten. G. Freytag (aus einer kleinen stadt) 13, 142.
b) die geistige beweglichkeit.
α) mit körperlicher fertigkeit verbunden ist die gewandtheit des sprechenden: du solltest einmal hören, mit welcher gewandtheit ein solches sächsisches mädchen auf fragen antwortet. H. v. Kleist briefe an seine braut s. 47; dr. Buchholz fuhr fort die neusten physisch-chemischen erfahrungen mit gewandtheit und glück vorzulegen. Göthe (annalen 1796) 31, 69; der schlosser Vinzenz sprach mit wärme und groszer gewandtheit gegen diese einrichtung. Auerbach neues leben 3, 209; Leo setzte mit vieler gewandtheit den dichterwerth Byrons auseinander. 2, 179.
β) die beweglichkeit und schmiegsamkeit gegenüber den lebensverhältnissen; vereinzelt wird sie auch als verschlagenheit aufgefaszt.
1)) der aufenthalt in Paris, die beobachtung des äusseren der hofleute ... alles trug dazu bei, die höchste gewandtheit und schicklichkeit des geselligen lebens gleichfalls auf die bühne zu verpflanzen. Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 66; das haben sie (die Russen) bewiesen und werden sie beweisen, wie fürchterlich unter gewissen umständen ein volk ist, dessen gehorchende feste tapferkeit mit blindem gehorsam vereinigen und dessen befehlende die feinheit und gewandtheit von gebildeten haben. E. M. Arndt ansichten u. aussichten 500; entweder, dacht ich, kannst du dir noch glücklich durch gewandtheit dein eigenthum erobern oder du entdeckst dich dem geheimrath von Harder und machst diesem maskenspiel ein ende. Gutzkow ritter v. geist 1, 257; auf einer anderen insel saszen die geschworenen, schlichte männer ... mit ihrem obmann, zu dem sie in der eile denjenigen ernannt, dem sie unter sich vermöge seiner sonstigen etwaigen stellung die meiste gewandtheit zutrauten. G. Keller (Martin Salander) werke 8, 318; ich weisz, dasz die papiere hier vorhanden sind, ich habe grund anzunehmen, dasz es ihnen bei ihrer gewandtheit

[Bd. 6, Sp. 5314]


möglich sein wird, den besitzer derselben zu ermitteln. G. Freytag (soll u. haben 6, 3) 5, 331; der minister hatte den eindruck, dasz die kategorie unsres hausbacknen preuszischen landadels ... die mängel, welche er an der gewandtheit des personalbestandes dieses dienstzweiges fand, zu decken nicht geeignet war. Bismarck gedanken u. erinnerungen 1, 3.
2))

ich lasse mich niemals
wieder nach hofe bereden, um in des königs gewalt mich
wieder zu geben; es brauchte warhaftig die gröszte gewandtheit
meinen daumen mit noth aus seinem munde zu bringen.
Göthe (Reineke fuchs) 40, 101;

vor gerichte vertratest du uns, wir waren geborgen.
niemand konnte bestehn vor dir und deiner gewandtheit. ebenda 120

(im Reinke de vos fallacien, bei Gottsched verschlagenheit), ebenso 207.
γ) doch auch auf die höhere denktthätigkeit wird das substantiv übertragen: selbst die elendsten spitzfündigkeiten der möncherei, die romanhaftesten phantastereien zeigen, dasz feinheit und gewandtheit gnug in der welt war, dergleichen auszudenken, zu faszen: dasz man würklich scharf anfing in so feinem elemente zu athmen. Herder werke 5, 528 (auch eine philosophie der geschichte); seit Schillers ableben hatte ich mich von aller philosophie im stillen entfernt und suchte nur die mir eingeborene methodik, indem ich sie gegen natur, kunst und leben wendete, immer zu gröszerer sicherheit und gewandtheit auszubilden. Göthe annalen 1817, werke 30, s. 305 (Cottasche jubil.-ausgabe); geist und gewandtheit und manche einzelne treffliche entworfene und durchgeführte stücke erscheinen freilich auch in diesem buche. E. M. Arndt schriften an meine lieben Deutschen 3, 29.
δ) bei der beziehung auf geistige fähigkeiten werden auch die verbindungen des absolut gebrauchten substantivs mannigfaltiger; an stelle von formeln wie mit gewandtheit, mit groszer gewandtheit u. a. treten landschaftliche kennzeichnungen, charakterisierende adjective: sie schnappten dem armen landskinde jeden bissen vor dem munde weg ... diese spitzköpfigen Franzosen, an welche Friedrich, in einseitiger schätzung überrheinischer gewandtheit seine gunst und sein geld oft wegwarf. Prutz vorlesungen über die gesch. d. deutschen theaters 293; weil aber ... alles dieses eine gewisse durchdringende individuelle einsicht verlangte; so wurde die persönliche gegenwart desjenigen der zu entscheiden berechtigt war, um so mehr erfordert, als hier kein plan sich denken liesz, und nur eine, die augenblicklichen umstände benutzende gewandtheit zum ziele führen konnte. Göthe (annalen 1809) 22, 48; ich würde ihnen niemals rathen eine stelle anzunehmen, die so viel routinirte gewandtheit erfordert, wenn man sie mit einer gewissen aisance bekleiden und nicht sein leben darüber aufopfern will. briefe 15, 297; ein hofmeister, der mädchen zu erziehen wüszte ... müszte so viel welt, so viel weiberkenntnis, so viel witz, so viel launige gewandtheit bei eben so vieler festigkeit besitzen. J. Paul (mumien 16. sektor) 1, 127.
2) der relative gebrauch.
a) beziehung auf organe des körpers: er hat eine grosze gewandtheit seines körpers und ist herr über alle seine organe, deren unvollkommenheit er zu verbergen, ja sogar zu benutzen weisz. Göthe briefe 11, 53; begeistert sie mit der liebe fürs vaterland ... steigert ihnen die kraft und gewandtheit des körpers. Guts Muths turnbuch für die söhne des vaterlandes 17; gewandtheit des leibes. ihrer bedarf der wehrmann, so wie der eigentliche krieger. 24;

an Solamir und seinen edlen schätzt
ein weiblich auge, lüstern, manchen reiz
... gewandtheit der gestalt,
der neigung feuer und der werbung kühnheit.
Göthe (Tancred 1) 7, 244;

nun als ich heut' am wagen dich sah in froher gewandtheit,
sah die stärke des arms und die volle gewandtheit der glieder,
war ich betroffen. (Herm. u. Doroth.-Erato) 40, 308;

in freien stunden streiften sie botanisirend durch wald und feld oder übten an den stangen ... die gewandtheit ihrer glieder. Th. Storm (John Riew) werke 8, 103.
b) einschränkung des begriffes auf einzelheiten der äuszeren erscheinung: der keiser bewunderte die schöne haltung der truppen so wie des anführers gewandtheit als reiter. Platen (gesch. d. königreichs Neapels 1, 3) werke 5, 53; die raschen übergänge ihres mienenspiels vom ernst zur kindlichen fröhlichkeit, ihre gewandtheit beim auf- und abtragen der speisen ... all das

[Bd. 6, Sp. 5315]


schwebte anhaltend vor seinen augen. Zschokke novellen (Addrich im moos 8) 3, 41; bei der mutter an die einfachste lebensweise gewöhnt, war meine gewandtheit in fisch- und vogelessen nur gering. G. Keller (d. grüne Heinrich) 1, 306; je weiter aufwärts er (der sprachforscher) klimmen kann, desto schöner und vollkommener dünkt ihn die leibliche gestalt der sprache, je näher ihrer jetzigen fassung er tritt, desto weher thut ihm jene macht und gewandtheit der form in abnahme und verfall zu finden. Grimm vorrede zum wb. 1, 3.
c) die gröszte vielseitigkeit zeigen die verbindungen, die den begriff nach der verstandesseite bestimmen und ergänzen.
α) genetivverbindungen.
1)) eine person, wie Aruja, konnte auch der gewalt nachtheilig werden, die ihr die gewandtheit ihres geistes ... über den geist, das gemüth und die leidenschaft des sultans erworben hatten. Wieland geschichte des weisen Danischmend cap. 49) 8, 447; sie wichen mir mit der ganzen gewandtheit ihres geistes aus. Immermann (epigonen 2, 6) 5, 104; wo er (Diogenes) zwar von seiner gewöhnlichen diät so wenig als möglich abweicht, aber durch die gewandtheit seines witzes, die freiheit seiner zunge ... sich so angenehm macht, dasz seine erscheinung eine desto lebhaftere freude unter den gästen verursacht, je karger er mit dieser gefälligkeit ist. Wieland (Aristipp 2, 39) 23, 312; auch erinnere ich mich ihrer äuszerung dasz den Deutschen gewandtheit der sprache und das wortspiel fehle; ich war damals ihrer meinung entgegen und bin es noch. Cl. Brentano ges. schriften 7, 5; wenn ich nun auch glauben dürfte, mit gehörigem fleisz, des griechischen hinlänglich meister zu sein, wenn ich mir sogar schmeicheln könnte, die so nothwendige gewandtheit des deutschen ausdruks zu besitzen. W. v. Humboldt an Schiller (8. mai 1792) s. 43 Leitzmann.
β) präpositionalverbindungen.
1)) herr Grüner ... spielte hier einige gastrollen. er hat gewandtheit auf dem theater und eine leichte cultur. Göthe (Schweizer reise von 1797) 43, 36.
2)) dann fing er an ... die versammelten zu entzücken — durch redeschmuck — und gewandtheit im ausdruck. Rückert (1. makame) 11, 232; der schlendrian auf den meisten teutschen sprachschulen martert den jugendlichen geist, bevor er noch festigkeit, gewandtheit und sicherheit in seiner landessprache erlangt hat. Schwarzott ein teutsches wort gegen die unteutschen kunstausdrücke, s. Fr. Schlegel deutsches museum 3, 117.
3)) bei den laufenden geschäften zeigte er (erzherzog Johann) gutes und schnelles verständnisz und praktischen sinn, und unterstützte seine minister vortrefflich durch die gewandtheit, widerwärtiges abzuhalten oder aus dem wege zu schaffen. G. Freytag (Karl Mathy 3, 5) 22, 297; die gewandtheit, im gesellschaftlichen tone zu sprechen. Kant anthropologie 22.
3) die eben belegten und andere ähnliche verbindungen verdichten sich theilweise zur composition.
a) composita, die auf den relativen gebrauch zurückführen.
α) in Jena und Halle war die rohheit aufs höchste gestiegen, körperliche stärke, fechtergewandtheit, die wildeste selbsthülfe war dort an der tagesordnung. Göthe (wahrh. u. dicht. 6) 25, 58; klettergewandtheit.
β) in den römischen elegien hatte Göthe mit eben so viel geistesgewandtheit als feinheit des geschmacks sich zu einem deutschen Properz umgestaltet. Bouterwek gesch. d. poesie 11, 386, vgl. oben theil 4, 1, sp. 2761. vgl. federgewandtheit, zungengewandtheit; in der freien sicherheit der weltgewandtheit. gartenlaube 10, 114a.
γ) mehr formengewandtheit als gedankenfülle. monatsbl. 1, 336a; versgewandtheit zeitschr. d. philologie 11, 146.
b) composita, die auf den absoluten gebrauch zurückführen: affengewandtheit, schlangegewandtheit, taschenspielergewandtheit u. a.
 
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gewandtheil, m. vereinzelte jüngere bezeichnung für den gewandfall (vgl. sp. 5290), sie ist wol nach der analogie von butheil (bautheil) gebildet: gewandtheil, s. DWB gewandfall Hilpert 1, 463a; eine besondere bürde, welcher noch die hörigeneinwohner der städte unterworfen waren und die unter dem namen des budtheiles, gewandtheiles oder hauptrechtes mit charakteristischen zügen den stand ihrer hörigkeit bezeichnete. Berlepsch chronik d. gewerke 1, 23.
 
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gewandting, f., s. DWB gewandung.
 
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gewandtrog, m., gewandtröglein,n., vgl. DWB gewandlade, DWB gewandtruhe: du solt den schlüssel zu dem gwand dröglin schicken. Th. Platter briefe an seinen sohn 3.

 

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