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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandschrank bis gewandt (Bd. 6, Sp. 5302 bis 5304)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandschrank, m., gleichbedeutend mit kleiderschrank, vgl. theil 5, sp. 1082:

dann im gewandschrank
nahm sie den festschlafrock von stahlblauwollenem damast.
J. H. Voss Luise 2, 106.


 
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gewandschreiter, m., vgl.: item, ain itlicher sneider oder gewantschreiter, der sol ain tuch aigenlich messen, als pald es im zu pracht wirt, e daʒ ers gesneit. österr. weisth. (Kaltern, Tirol) 5, 303 (variante schneiter). gemeint ist hier jedenfalls nicht der tuchhändler (gewandschneider), sondern der schneider. ob verschrieben für gewandschrœter?
 
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gewandstall, m. die zusammensetzung soll nach Westenrieder in der bedeutung von gewandkammer und ähnl. gebraucht worden sein: nahmen die herzen von dem gewandstall irer verstorbenen leibeigenen das beste gewand. glossar. germ. lat. 205.
 
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gewandstange, f.: gewandstange, furca bicornis, perticas sustinens. Kirsch 180a.
 
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gewandstein, m., s. gewannstein.
 
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gewandstoff, m. zusammensetzung, welche die am einfachen gewand verloren gegangene bedeutung von pannus wieder zurückgewinnt, vgl. DWB kleiderstoff: auch zeigte ich das höchst künstliche und zierliche besteck, da wurde die hausfrau verdrieslich, dasz sie leer ausgehen sollte, nach einer pause um ihre geduld zu prüfen zog ich endlich den gewandstoff hervor, das räthsel war aufgelöst. Göthe (an Bettina januar 1808), schriften der Göthegesellsch. 14, 164.
 
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gewandstricker, m., vereinzelte form für gewandweber: gewandtstricker de sweren ock ... besunderen einen eedt. nd. rechtsbuch 143b, s. Schiller-Lübben 2, 98.
 
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gewandstück, n. zusammensetzung, die den engeren begriff von vestis im gegensatz zu vestimentum hervorhebt, vgl. kleidungsstück theil 5, sp. 1084: der junge könig hingegen schleppte sich in den ungeheuren gewandstücken mit den kleinodien Karls des groszen, wie in einer verkleidung, einher. Göthe (dicht. u. wahrh.) 24, 322;

der du an dem weberstuhle sitzest ...
du beginnest weislich und vollendest
emsig, und aus deiner hand empfängt
jeglicher zufrieden das gewandstück. (vorspiel) 11, 261;

[Bd. 6, Sp. 5303]



zeit und gelegenheit kommt, wir stiften ein schönes gewandstück
oder gerät — ich habe das noch so genau nicht erwogen,
wie oder was — nur dasz wir die kirche bedenken vor allem!
Mörike idylle vom Bodensee, 2. gesang;

an dem in die bretterwand eingelassenen fenster sass eine alte dame, eifrig beschäftigt, an gewandstücken dieser art zu flicken und zu schneidern. L. Schücking in dunkler nacht s. 92; da diese decke oder tapete für keinerlei gewandstück zu brauchen war, so achtete niemand weiter darauf. G. Keller Züricher novellen (Ursula) 2, 146; in den büchern meines groszvaters läuft bis zu seinem seligen ende eine jährliche ausgabepost: zehn pfund taback und ein gewandstück für den armen Krischan Möller. Th. Storm (söhne des senators) werke 7, 309; diesem (tuch) folgte alsbald unter mühseliger und gefahrvoller häutung noch das eine oder andere gewandstück, bis er zuletzt in greuelvoller unbekleidung dasasz. (d. herr etatsrath) 6, 197; die schweren bauschigen gewandstücke, die seine madonnen umwogen, sind die nämlichen, die Bernini 150 jahre später seinen engeln gab. Muther gesch. d. malerei 2, 37.
 
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gewandstütze, f.: gewandstütze, pedamen, pedamentum. Kirsch 180a. wol nicht zu gewand = paries gehörig.
 
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gewandsweise, adv. mit den bedeutungen 'bildlich, zum scherz, uneigentlich'. diese lieszen sich mit Schmeller 22, 942 zur not aus in gewandes wîse erklären, falls diese verbindung aus der älteren sprache zu belegen wäre. da diese anhaltspunkte aber fehlen (vgl. Grimm zu Reinhart v. 2571), liegt es näher, an die verhochdeutschte form zu quantsweise (vgl. theil 7, 2314) zu denken und das compositum von dem noch nicht genau ergründeten niederd. wort quant (tand) abzuleiten.
1) der älteste litterarische beleg entstammt aus Olearius: bedenck einmahl, wie die göttliche kunst dir deinen finger mit sehr vielen zusammenfügungen vereiniget hat, darumb würde es eine rechte vermessenheit oder ein zeichen der thorheit sein, dasz du deinen finger woltest aufrichten, gewandsweise zu bezeigen, dasz du gottes wissenschaft durchgründen köntest. pers. baumgarten 8, 3. daran reihen sich verwendungen bei Lessing und Herder: 'noch', fängt er (d. recensent) an, haben wir die antiquarischen briefe des herrn Lessing ... nicht ausführlich angezeigt.' nein! aber gewandsweise ihnen schon mehr als einen hieb zu versetzen gesucht! Lessing (entwürfe z. fortsetzung d. briefe antiquarischen inhalts) 153, 113; bilden sie sich wohl ein, dass Plinius nirgends von der kunst des steinschneidens ausdrücklich handeln wollen. er gedenkt blos bei gelegenheit der steine ... etwas von dieser kunst ... weil er, wie gesagt, nur gewandsweise von der sache spricht. (28) 103, 318: unverkennbar ist dies der geist des christenthums, seine native gestalt und art. nur dunkle barbarische zeiten haben den groszen lehnsherren des bösen, dessen angebohrnes erbvolk wir sein, von dem uns gebräuche, büszungen und geschenke zwar nicht wirklich, aber gewandsweise befreien könnten, der stupidität und brutalität antichristlich wiedergegeben. Herder werke 18, 296 (briefe zur beförderung der humanität 10, 123); wie nimmt man sich seines eignen baufälligen hauses an? man bessert es ernstlich oder reiszt es nieder und bauet ein andres; in beiden fällen aber erkundigt man sich, was denn eigentlich schadhaftes an ihm sei. der ungenannte gab vieles dafür aus, was es nicht ist; Leszing nahm vieles, was er dafür erkannte, gewandsweise, gymnastisch in seinen schutz. 193 (9, 111).
2) die wörterbücher führen die redensart als eine mundartliche an: Adelung 2, 651 hat sie für Schlesien und Niedersachsen angemerkt, wobei er auf Richey, Kilian u. a. hinweist (vgl. unter quantswise), ihm folgen Campe u. a. Vilmar kurhess. idiot. belegt die verbindung für Oberhessen, seltener für das schmalkaldische; Hertel weist sie aus dem thüringischen gebiet (sprachschatz 253) nach. diese verbreitung zeigt, dasz wir es nicht mit einer vereinzelten mundartlichen wendung, sondern mit einem gemeingut der norddeutschen zwangslosen sprache zu thun haben, wie dies ähnlich schon Voigtel (2, 80) beobachtet.
die erste lexikalische anführung entstammt aus Stieler: gewantsweise, simulate, in speciem, vulgo: pro forma, alio dialecto est quant, unde quanten. s. 2500, vgl. auch 2483; gewandsweise, par finesse, sous quelque pretexte. Pomai 132b; gewandsweise, in schyn, voor't ooge. Weissenbach 437a. als bevorzugte verbindung ist in den wörterbüchern die mit reden, sprechen beobachtet: (was in einer comedie) gewandts weise geredet wird oder zur seiten, what one speaks aside in a play. teutsch-engl. lex. (1716) 770; nur gewandsweise von etwas sprechen, toucher ou parler d'une chose en passant. Schwan 1, 743 (1782); gewandsweise

[Bd. 6, Sp. 5304]


sprechen, zum schein, als vorwand; auch: nur so obenhin, ohne es ernstlich zu meinen. Vilmar 125.
 
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gewandt, participiales adjectiv, dessen gebrauchsformen nach zwei seiten auseinander gehen, nach den verwendungen von wenden und gewenden.

 

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