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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandschneiderin bis gewandstricker (Bd. 6, Sp. 5301 bis 5302)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandschneiderin, f.: burget imand, er sei purger oder gast, einer kramerinne, gewandsneiderinne oder andern weiben, die manne haben. Altprager stadtrecht 76 (statutarrecht 119) Röszler; doch sol er zuvor mit seinem rechten beweisen, das die schulde on sein und seiner freund wissen und wort gemachet sei, aussgenomen gewanntschneiderin, kremerin. Nürnb. polizeiordn. 30 (Baader); gieng derwegen erstlich zum protonotario und sagte, dass seine fraw, die gewandschneiderin, ihm wol wissend, viel guts wündschet und zu sagen befohlen habe, neben und mit freundlicher bitte, ihr fünfftzig goldkronen vorzustrecken und zu leihen. Kirchhof wendunm. (3, 174), 2, 444 Österley.
 
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gewandschneiderinnung, f.: die gewandschneiderinnung, le corps des marchands drapiers. Schwan (1782) 1, 743; das gewandschneiderinnungshaus, la maison de la commuauté des drapiers. ebenda.
 
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gewandschneidung, f.: pannicidium, gewantsnidunge. voc. lat. germ. bei Diefenbach 409c. die spärlich bezeugte bildung ist durch die folgende verdrängt worden.
 
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gewandschnitt, m., nomen actionis zu gewand schneiden in der bedeutung von tuch ausschneiden, verkaufen, vgl. auch DWB gewandkauf. das compositum steht also mit dem worte kleiderschnitt (vgl. theil 5, sp. 1082) in keiner bedeutungsgemeinschaft. es ist aus niederdeutschenspäter auch aus mitteldeutschen quellen belegt; in oberdeutschen denkmälern finden wir die vereinzelte stelle der Augsburger rathsdecrete mit der form gewandschnitz.
1) id si zu wissen, dat gein man, hee sij, we hee sij, geine flockendoich binnen Coelne brencgen ... sall ... bi wilchme brgere sulche doiche vonden wurden, der en sall ouch achter der tzijt numberme mit deme gewantsnede sich geneiren. handel m. fremden tuch (1407), acten z. verfassung d. stadt Cöln 2, 171 Stein; dit is der eit dergheenre, die den gewantsnit bewarent. (1413), 1, 283; item den gewantsnit zo dubbelen, also zo verstain, daevan men bissher 1 marck van einem doiche gegeven hedde, dat men nu vortan daevan 2 marck

[Bd. 6, Sp. 5302]


geve ind so vortan. (1487), 2, 630; auff 24 tag jener anno etc. 1517 hat ein erber rat Jacoben Höchstetter, darumb das er mit verkauffung seines gewands gegen den pauren bisher so gar beschwärlich gehandelt hat, den gewanndschnitz auffgehöpt. Augsburger rathsdecrete, s. d. städtechron. 25, 81 anm.; soll nhiemandt, von den gewandtmechern oder gwandtschneidern alhier ... so das ambacht und den gwandtschnidt nicht haben, iniche gesellschafft zu gewinn ... halten. hallordnung des gewands für Düren bei Bonn materialien zur gesch. von Düren s. 46; niemand soll anderswo, als in seinem laden gewand schneiden, und soll ein jeder in dem erbe, wo er seinen gewandschnitt treibet, ein eigenthümliches anpart ... haben. Danziger willkür (druck v. 1761) 171; dass nicht wenige personen, so nicht ihrer zunft, auch dessen nicht befugt wären, eines gefährlichen gewandschnitts sich unternehmen, und ... allerlei tücher ... vertrieben. kurf. sächs. mandat von 1626 bei G. L. Funke 4, 234; es soll auch keiner, der nicht seines handwercks ein tuchmacher ... einiges gewandschnitts in städten oder dörffern inn- und ausserhalb der jahrmärckte, sich unterfangen, oder untüchtige tuche vertreiben und verschneiden. ebenda s. 235.
2) aus dem bedeutungsgehalt (detailhandel mit tuchen) trat die vorstellung des besonderen objectes zurück, so blieb nur die allgemeinere vorstellung des kleinhandels übrig: sein rath wäre er fienge einen gewandschnitt mit tauben an. denn wo ein paar sechs pfennige gülte, und er verkauffte tausend, so hätte er unfehlbar zwantzig thaler und zwantzig groschen. Chr. Weise die drei ärgsten erznarren s. 106 neudr.
3) die wörterbücher verhalten sich diesem in oberdeutschen quellen so selten belegten substantiv gegenüber lange gänzlich ablehnend. erst Frisch 2, 421 verweist auf Carpzow: den tuchhandel oder gewandschnitt hatten die tuchmacher nicht. zittauische chron. 4, 162; Chomel 4, 1040 bezieht sich auf die oben angeführten sächsischen landesgesetze. bei beiden ist es wie bei Haltaus (700), Scherz (544) litterarische überlieferung, die das wort zur aufzeichnung bringt, nachdem der eigentliche gebrauch schon abgestorben war. daran schlieszen sich an: Adelung 2, 651. Campe 2, 359. Voigtel 2, 80; der gewandschnitt, tuchhandel, le negoce, trafic de drap. Schwan (1782) 1, 743; gewandschnitt, verkoping van 't wolle laken, by de el of in 't kleene. Weissenbach 437a; gewandschnitt, cloth-trade. Hilpert 1, 463a.
 
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gewandschrank, m., gleichbedeutend mit kleiderschrank, vgl. theil 5, sp. 1082:

dann im gewandschrank
nahm sie den festschlafrock von stahlblauwollenem damast.
J. H. Voss Luise 2, 106.


 
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gewandschreiter, m., vgl.: item, ain itlicher sneider oder gewantschreiter, der sol ain tuch aigenlich messen, als pald es im zu pracht wirt, e daʒ ers gesneit. österr. weisth. (Kaltern, Tirol) 5, 303 (variante schneiter). gemeint ist hier jedenfalls nicht der tuchhändler (gewandschneider), sondern der schneider. ob verschrieben für gewandschrœter?
 
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gewandstall, m. die zusammensetzung soll nach Westenrieder in der bedeutung von gewandkammer und ähnl. gebraucht worden sein: nahmen die herzen von dem gewandstall irer verstorbenen leibeigenen das beste gewand. glossar. germ. lat. 205.
 
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gewandstange, f.: gewandstange, furca bicornis, perticas sustinens. Kirsch 180a.
 
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gewandstein, m., s. gewannstein.
 
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gewandstoff, m. zusammensetzung, welche die am einfachen gewand verloren gegangene bedeutung von pannus wieder zurückgewinnt, vgl. DWB kleiderstoff: auch zeigte ich das höchst künstliche und zierliche besteck, da wurde die hausfrau verdrieslich, dasz sie leer ausgehen sollte, nach einer pause um ihre geduld zu prüfen zog ich endlich den gewandstoff hervor, das räthsel war aufgelöst. Göthe (an Bettina januar 1808), schriften der Göthegesellsch. 14, 164.
 
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gewandstricker, m., vereinzelte form für gewandweber: gewandtstricker de sweren ock ... besunderen einen eedt. nd. rechtsbuch 143b, s. Schiller-Lübben 2, 98.

 

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