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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandgasse bis gewandkalter (Bd. 6, Sp. 5291 bis 5294)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandgasse, f., gewandgäszchen,n., an gewand = pannus anknüpfend: wie es dann allhier zu Leipzig eine

[Bd. 6, Sp. 5292]


gleichmäszige bewandnüsze hat entweder in unserm Paulino collegio ... oder vor collegio, und vorm thorwege, des gewand - gäszgens. Prätorius wündschel-ruther 153; wir gehen nun vom alten neumarkte weg ... nach dem gewandgäszgen. dieses hat von dem gewandhause, welches die ganze linke seite desselben einnimmt, seinen namen. beschreibung der stadt Leipzig 1784, s. 55.
 
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gewandgehalter, gewandgehälter, m., in Nürnberger quellen älterer zeit belegt und zwar in der form gewandkelter. das wort knüpft an gewand = vestis an und verallgemeinert sich zu der bedeutung 'kleiderschrank':

wuschtucher neser und hentschuch
gewantkelter leden pulpit
und etlich pucher zimen mit.
Folz (von allem hausrat), fastnachtsp. 1217 Keller,

nun in eim winckel stund ein alter
grosser vierecketer gwandkalter;
den reisz er auff und schawt hinein,
vermeint, es solt der laden sein.
H. Sachs (d. faul Fritz im keller) 17, 283 Keller-Götze.


 
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gewandgeld, n., vgl. DWB gewanden II, 1. s. Unger-Khull Steirischer wortschatz s. 290.
 
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gewandhalle, f., jüngere und vereinzelte bildung für gewandhaus (s. d.); vgl.hallordtnongh des gewandtz für Düren von 1618, s. Bonn etc. materialien z. gesch. von Düren s. 43; bürgermeister, schöffen und rath erhielten das recht ... den grosshandel mit wollentuch ausserhalb der gewandhalle straflos gestatten zu dürfen. P. B. Bergrath annalen des hist. ver. f. d. Niederrhein 5, 110.
 
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gewandhändler, m.: gewandhändler, der gewand oder tuch nach der elle ausschneidet und verkauft, ein gewandschneider oder wandschneider, a draper, a woollen draper, he that sells woolen cloth by single ells. teutsch.-engl. lex. (1716) 770; gewandhändler, le marchand drapier. Schwan 1, 743.
 
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gewandhaus, n. , mit anknüpfung an gewand = pannus, ganz selten auch mit anlehnung an gewand = vestis.
1) der allgemeinere gebrauch, die anknüpfung an pannus, vgl. DWB tuchhaus, DWB tuchhalle. auffallend ist, dasz gerade hier auch formen mit wat belegt sind: eʒ sol auch niemand sten mit graven noch mit leinem tch ze marckt, er enhabe denne ain panc in dem wathause. Nürnberger polizeiordn. 162 Baader (an der gleichen stelle auch tuchhaus) u. a.; niederdeutsche quellen bieten die form wanthus: wat de rad hedde an worttinse unde an ervetinse, alze an husen, an worden, an wanthuse, an beckerschernen. Braunschweiger zinsbuch von 1401, d. städtechron. 6, 125, anm. 2; do sloghen se dat radhus vor one to: dar hauweden de timmerlude mit den bintexsen in ... unde tobreken dat jamerliken entwei, so dat de heren achter affkemen na dem wanthuse. Braunschweiger schichtbuch (zu 1512), d. städtechron. 16, 453.
a) die ältesten belege fallen in das 14. jahrh.: daʒ nû noch nummermê in der ... nuwen stadt ... nichein râthus edir rête sollen sî edder werden, noch gewanthûs, wâghûs noch koufhûs. Nordhäuser urkunde von 1365 (vgl. Bech Germ. 20, 38); soe hebben wi onser stat van Goch weder georlofft ... dat die burgermeistere schepen ende ræt der vœrg. stat, een vleyshuys ende een gewanthuys setten ende maken mœgen. privilegium herzog Eduards v. Geldern für die stadt Goch (1370), annalen des hist. ver. f. den Niederrhein 6, 69; in dem selven jar namen die heren van Colen unser frauen bilde vur deme gewanthuse, dat nu fleischhus is, ind satten dat bilde zu sent Mertin. d. städtechron. (1372) 13, 72 (Cöln); und das waszer stemmet bei der flaischprucken untz zu dem gewanthaus an dem marckt. (1445) 1, 412 (Nürnberg); item im dreu und sechtzigisten jare vor Walpurgis hab ich von dem gemach im gewanthaus geben anderhalb nacht von vierhundert schefflein ie von einem ein pfenning. Tucher baumeisterbuch 114, ebenso 246, vgl. oben sp. 5283; gewanthausze oder tuchhausze, pannitorium. voc. theut. (Nürnberg 1482) M 5; gewanthusz, pannitorium, vulgo tuchhusz oder gadem. voc. incip. theut.; gewanthuyss, pannetum Schueren Teuthonista 304b; tuch und gewandhaüser etc. werden billig ... an bequeme örter geleget. Gruber friedens und kriegsschul (1697) 288.
b) solche verkaufshäuser, die, wie die tuchhalle, das gewandhaus, zu bestimmten zeiten leer standen, boten dem städtischen gemeinleben gelegenheit, in breiterem rahmen sich zu entfalten; begünstigt wurde diese entwicklung vor allem an den orten, wo die kaufhalle im untern stockwerk des rathhauses untergebracht war, vgl. Schmoller Straszburger tuchmacherzunft s. 393.

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so wurde der name gewandhaus allmählich mit einrichtungen in beziehung gebracht, die dem ersten gebrauch sehr fern stehen: gewandhaus, grosses gebäude in mess und marktstädten, in welchem die tuchmacher und wollwarenfabrikanten ihre waren feilbieten konnten. sie enthielten nicht selten säle zu innungsfesten und wurden auch hier die fahnen und dekorativen festgewänder aufbewahrt. im innern befand sich in der mitte eine strasse und rechts und links die verkaufsläden ... die bekanntesten bauten dieser art dürften das ehemalige gewandhaus in Leipzig und jenes in Krakau sein; letzteres wird noch heute als verkaufshaus für verschiedene waren benützt. Lueger lex. d. gesammten technik 4, 633. das gewandhaus in Leipzig darf hier wol als typisch gelten und in seinen entwicklungsformen verfolgt werden. nach dieser seite beanspruchen schon die 4 verschiedenen bauten, um die es sich hier handelt, beachtung. das älteste haus diente zunächst nur verkaufszwecken; es wurde zu ende des 15. jahrh. durch einen neubau ersetzt, der mit dem zeughause zusammen stiesz. auch dieser bau wich in der mitte des 18. jahrh. einem neuen bauwerk, das nur im erdgeschosz und ersten stock dem handel und gewerbe diente, im obersten stockwerk jedoch säle enthielt: den saal für die städtische bibliothek und den ball- und concertsaal. aus diesem concertsaal haben die gewandhausconcerte den alten innungsnamen au das musikalische gebiet übertragen, so dasz, als zu ende des 19. jahrh. der bau eines concerthauses notwendig wurde, dieser neubau, der mit der tuchmacherinnung gar nichts mehr zu thun hatte, doch in dem namen gewandhaus den historischen zusammenhang aufrecht erhielt: nachdem die ersamen meister desz handtwergs der wolleweber ... das hausz uber dem loche gelegen ... lange zeit und jahr in irer besitzung und gewehr gehapt haben ... das sie ir gewandt und tuch, das sie selbst machen, doruff alle marckttage ... feil haben, auch ir gewandt doruff dene, die das von ine bei der elen kauffen wollen, schneiden mogen. urkunde von 1469, Leipziger urkundenbuch 1, nr. 440 (vgl. schon aus 1341: pannificibus Lypcensibus domum quandam sitam iuxta institores ... super via, quae in vulgo dicitur das Loch ... possidendum contulimus. urkunde nr. 34); wir werdenn bericht, das ... ir uch an dem gewannt hawsze, das ir vorczeiten mit unnser gunst ... zcubawen furgenomen, zcubawen gar leszlich irtzeigt habt ... und uf das ir sollich haws deste statlicher ... bereitenn muget, so ist unnser begerung, das ir allen burgern bei uch saget, das sie sich mit iren gebewden ... bis ir das haus vorbringt enthaldenn, und allen zcigel, den ir kont gemachen ... alleine zcu bauwunge des hawses gebraucht. schreiben des kurfürsten Ernst von Sachsen an den rat zu Leipzig 1478, ebenda nr. 498; item dem priori zu sant Paull abir fur 67 m maurstein, die er dem rate zu dem gewanthausze gelassen hat ... 67 sz. silbernn. urkunde des predigerklosters von 1481, ebenda 3, nr. 243; den 10. august (1740) liesz e. e. hochweiser rath dieser stadt den anfang zu bauung des gewandhauses machen, und zwar mit der hälfte nach dem neuen neumarkt zu, welche bis auf das unterste gewölbe, worinnen die wollwaage sich befindet, abzutragen. es soll das ganze gebäude zu e. hochw. raths bibliotheque und andern dienlichen behältnissen eingerichtet werden. aus Riemers Leipz. jahrbuch bei Wustmann quellen zur gesch. Leipzigs 1, 227, vgl. auch s. 277; den 18. september (1765) ist ein neues collegium musicum, das universitätsconcert genannt, in dem cramerhause auf dem neuen neumarkte zum erstenmal probiret worden ... den 6. august (1766) hat das allhier befindliche collegium musicum im gewandhause wegen des ... namensfestes ... unsers gnädigsten landesherrns eine feierliche cantata ... aufgeführet. ebenda s. 433; das gewandhausz, ein schönes steinernes 1740 erbautes gebäude, ist unstreitig unter den öffentlichen hiesigen gebäuden das schönste und von edler bauart ... im erdgeschosse ist die wollwaage ... wo zugleich die öffentlichen auctionen gehalten werden, sonst sind in diesem geschosse noch einige niederlagen für kaufleute. das mittel- oder halbgeschosz dient zum gewandhause, wo messenszeit die fremden tuchmacher und tuchhändler ihre waaren feil haben; ausser der messe macht ein theil desselben den fechtboden aus ... das dritte oder hauptgeschoss ist ein grosser schöner von allen seiten erleuchteter saal, auf welchem seit 1747 die grosse und kostbare rathsbibliothek aufbewahret wird. beschreibung der stadt Leipzig 1784 s. 55; durch gute verwaltung und kluge anwendung dieses vermögens ... war diese bibliothek im jahr 1733 schon 30000 bände stark und der rath lies daher auf dem einen flügel

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des zeughauses, dem heutigen gewandhause, 1740 den gegenwärtigen saal aufrichten. Leipzig, ein handbuch für alle diesen meszplatz besuchenden fremden (1802), s. 40; im zweiten stock (des alten zeughauses) richtete man den platz zu einem gewandboden für tuchmacher und tuchhändler ein. im dritten stockwerk machte man aus dem einen theile desselben den konzertsaal und aus dem andern den ballsaal. ebenda s. 43; während ich dieses vollendete, lernte ich in den Leipziger gewandhausconcerten zuerst Beethoven'sche musik kennen (1827): ihr eindruck auf mich war allgewaltig. Richard Wagner (selbstbiographie) werke 12, 6; als es das publikum verwirrt ... Rossini's ouvertüre zu 'Wilhelm Tell' in demselben konzerte, in welchem es Händel und Beethoven gehört hatte, mit ... jubel aufzunehmen, wie ich diesz selbst meiner zeit in einem der berühmten Leipziger gewandhaus-konzerte erlebte. (bericht über eine in München z. erricht. deutsche musikschule) 82, 153; in meiner jugend wurden in den berühmten Leipziger gewandhauskonzerten diese stücke einfach gar nicht dirigirt; sondern ... unter dem vorspiele des damaligen konzertmeisters Matthäi wurden sie etwa wie die ouvertüren und entreakte im schauspiele, abgespielt. (über das dirigiren) 270.
2) dieser glänzenden entwicklung steht die anlehnung an gewand = vestis mit nur sehr bescheidenen ansätzen gegenüber: bei Diefenbach-Wülcker 1, 619 ist aus vocabularien neben der bedeutung pannetum auch die von vestiarium belegt. dazu vgl.: und sprach zu dem, der über das gewandhaus was. Züricher bibel von 1530, 2 kön. 10 (qui erant super vestes; kleiderhaus bei Luther). vgl. kleiderhaus theil 5, sp. 1080.
 
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gewandhof, m., s. DWB wandhof.
 
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gewandhose, f., mit anlehnung an gewand = pannus: gewandhose, hose aus 'gradel'. Unger-Khull Steir. wortsch. s. 290. vgl. auch gewandleibel ebenda. vgl. DWB gradel, fester stoff aus baumwolle oder leinen. ebenda s. 301.
 
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gewandhüter, m., gewandhüterin,f. die formen entstammen dem mittelalterlichen badeleben und beziehen sich auf die obliegenheit des dienenden personals, die kleider der gäste zu verwahren, während diese badeten. die männliche form ist seltener und nur lexicalisch belegt: capsarius, qui vestimenta suscepta custodit, gewandhieter (im bad). Pinicianus prompt. (1516) C 3d. das fem. erscheint namentlich in rechtssatzungen, so als variante für baddienerin in mehreren handschriften des rechtsbuchs Ruprechts v. Freysing: hat einer der paddinrnn (varianten gewanthüterin, gwanthüterin) sein gewanddt zu behalte geben ... so sol er den ane sprechenn umb das gewadt das er verloren hat. 2, cap. 39 Maurer; vgl. auch: swaʒ der selb und sein hausfrau und sein hausgesind ze pad verliesent, daʒ süllen die gewanthütterinn gelten. stadtrecht von München 333 Auer, vgl. auch Pinicianus F 1d.
 
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gewandig, adj. aus Nürnberger und Ulmer mundart zugleich belegt, nach den betreffenden lexicalischen angaben scheinbar auch mit der gleichen ausdehnung des bedeutungsumfanges. in wirklichkeit wird jedoch wol zu trennen sein:
1) an die unter 3, a, β, 6)) (vgl. sp. 5263) gebuchte unterart der bedeutung pannus lehnt sich das adjectiv in der Nürnberger mundart an: gwantig (Nürnberg, Hsl.) von tüchern, dicht, gut. Schmeller 22, 942. ähnl. Schmid schwäb. wb. 517.
2) mit der an der bedeutung vestis hervorgehobenen betonung des faltenwurfs stimmt überein: g'wantig, lang und weit zugeschnitten; ein gwantiger rock (Ulm). Schmid schwäb. wb. 517. ähnl. Schmeller a. a. o.
 
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gewandkalter, s. DWB gewandgehalter.

 

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