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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewändestein bis gewandgehalter (Bd. 6, Sp. 5290 bis 5292)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewändestein, m.: gewändstein, jamb-stone, lanci. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewandfall, m., zur bedeutung vgl.: alle hörigen hatten dem herrn kopfzins und erbschaftssteuer zu entrichten. ... die strengere form derselben, der 'buteil', hatte noch am meisten von dem ursprünglichen charakter bewahrt, indem der herr entweder einen anteil ... des ganzen beweglichen nachlasses oder doch des viehbestandes, nebst dem heergewæte des verstorbenen mannes oder der gerade der verstorbenen frau, beanspruchte; die mildere form war die des 'falles' (sterbfall, todfall, oder der kurmede), wobei der herr nur das beste stück vieh (als besthaupt) und das beste kleid (als gewandfall) erhob. R. Schröder d. rechtsgesch.4 s. 456.
der zweite compositionstheil entfaltet hier die gleiche bedeutung, die das verbum fallen in wendungen wie jemanden zufallen (mhd. vallen, gevallen), heimfallen entwickelt. vgl.: gotes hiusern viel daʒ ander teil. Hartman v. Aue armer Heinrich 256; waʒ davon gevellet, daʒ ist czu antwurten in die losungstuben. d. städtechron. 2, 34 u. a. daneben weist val in der älteren sprache auch die bedeutungen 'sturz, untergang, tod' auf. in wendungen wie sie in: diu herschaft hât von allen iren eigenen mannen ze valle daʒ beste houbt (s. mhd. wb. 3, 222a) vorliegen, könnte man val auch von dieser bedeutungsrichtung aus erklären; sobald man jedoch die belege in ihrem besonderen zusammenhange beurtheilt, wird man sich für die erklärung aus zufallen, heimfallen entscheiden. beachtung aber verdient, dasz tôtval in der mittelhochdeutschen

[Bd. 6, Sp. 5291]


periode zwei ganz verschiedenartige bedeutungen aufweist (mhd. wb. 3, 222a): 1) tautologisch = tod (vgl. dô ich ... den tôdes val in daʒ waʒʒer wolde hân getân) und 2) in der rechtssprache der erbschaftsantheil, der bei einem todesfall dem herren des verstorbenen zukommt.
dieser antheil ist im gewandfall auf das gebiet der kleidung eingeengt, das einzige beispiel zugleich für die concurrenz zwischen gewand und seiner mundartlichen (alemannischen) nebenform häsz (theil 4, 2, sp. 555), vgl. hæzeval Grimm weisth. 1, 68. auch wat ist in verbindung mit diesem gebrauch von val belegt, doch noch nicht in composition: stirbt ain aigen man bi siner genozschaft, da nimpt man den besten val und wat und wafen. vogteibuch d. abtei Alpirsbach (1408) bei Reyscher 39. für unser compositum fallen die ältesten belege ebenfalls noch in das 15. jahrh.: unnd ob ain gottshusz sant Polayen man sturb und liberben verliesz, das nit knaben werindt, und der erbfal an frowen fiel oder an tchteren, so ist der gwandfal des waibels inn dem hoff, darin er dann hört. weisthum von ... Mühlibach (1472) bei Grimm weisth. 4, 408; item wan ein frauw in witwen stat abgath, so gevalt einem herren von Ouw ein gewandfahl und ir beste pet und alles ir gespunen garn. öfnung zu Mülheim (1475) 1, 262. später, als der brauch längst ausgestorben war, lebte das wort noch lange litterarisch weiter, in rechtsgeschichtlichen erörterungen und in wörterbüchern: und disz hat man hauptrecht genannt, budtheil, gewandfäll, item ein todte hand. Besoldus thesaurus practicus 342 (ausgabe von 1697); weitere litteratur bei Brinckmeier gloss. dipl. 1, 914, vgl. auch R. Schröder a. a. o.; todte hand, alias haubtrecht, wantmal, gewandfäll. Stieler 752; gewandfall oder gewandrecht. Chomel 4, 1041. Adelung 2, 650 (gewandfall, niedersächs. watmal). Weissenbach 437a, ebenso Campe, Voigtel, vgl. Thiel landw. lex. 4, 421.
vereinzelt ist auch in der schönen litteratur auf den brauch wieder bezug genommen worden: so etwas sollte der mensch stets deponieren und alle freudenblumen aufkleben ... in einem kräuterbuche; nicht einmal seine alten fracks, pikeschen und bratenröcke ... sollte er verschenken und versteigern, sondern hinhenken sollt' er sie als hülsen seiner ausgekernten stunden, ... als gewandfall oder todte hand, die der erinnerung heimfällt von den gestorbenen jahren. J. Paul unsichtbare loge 3, 176.
 
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gewandfalte, f., im plural ersatz für den älteren gebrauch von gewand in der bedeutung 'draperie', s. sp. 5266: die augen, die nasen, die bärte, die gewandfalten, die flügel der engel — alles macht, obwohl mit dem pinsel gezeichnet, mehr den eindruck, als sei es aus steinwürfeln zusammengesetzt. Muther geschichte d. malerei 1, 16.
 
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gewandfärber, m.: gewandferber, walcker, wäscher, fullo, qui pannos et vestimenta lavat. Henisch 1593.
 
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gewandfetzen, m.: Michelangelos jüngstes gericht erhielt, da die nacktheit anstöszig erschien, jene gewandfetzen, die es heute entstellen. R. Muther gesch. d. malerei 4, 7.
 
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gewandfigur, f.: die schönen, aus weichem thon geformten arabesken, löwen, greife, sphynxe und niedlichen gewandfiguren nach antiken mustern gefielen mir fast besser, als die bilder meines vaters. Kügelgen jugenderinnerungen eines alten mannes (2, 2) 83.
 
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gewandflecker, m.: gewandflecker, interpolatores qui antiquas vestes renovant. Pinicianus k 2b. vgl. altgewänder unter gewänder sp. 5289; kleiderflicker theil 5, 1079.
 
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gewandführer, m., anknüpfend an die bedeutung von pannus: der gewandfüerer oder gewandschneider war als tuch- und leinwandhändler im kleinen dem tuechmanger oder groszhändler und verleger entgegengesetzt. Schmeller 22, 941.
 
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gewandgaden, m., anknüpfend an die bedeutungen von pannus und vestis: gewandtgaden oder tuchgaden, panificina, vestiarium. vocab. theut. (Nürnberg 1482) H 5; gewandgaden. als von der vier gewant gaden wegin, da sie umb zweieten. Frankfurt (1376), s. Diefenbach-Wülcker 1, 619; item da nu Heintz Dullin und Henne Noszbaum usz der stad waren gefarn, da slosz der rad ir hoffe zu und ir gewantgaden und versperten alle ir gut. d. städtechron. 17, 305 (Mainz); item 15 newe kammern in den gewandgaden gebessert, newe balcken, und darunder benck. aufzeichnungen im Erfurter hof (1500) bei Michelsen 15. dazu vgl. gewantgaden, vestiarium, kleiderkammer (aus Twinger). Brinckmeier 1, 114. vgl. unten gewandkammer, vgl. kleiderkammer theil 5, sp. 1080.
 
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gewandgasse, f., gewandgäszchen,n., an gewand = pannus anknüpfend: wie es dann allhier zu Leipzig eine

[Bd. 6, Sp. 5292]


gleichmäszige bewandnüsze hat entweder in unserm Paulino collegio ... oder vor collegio, und vorm thorwege, des gewand - gäszgens. Prätorius wündschel-ruther 153; wir gehen nun vom alten neumarkte weg ... nach dem gewandgäszgen. dieses hat von dem gewandhause, welches die ganze linke seite desselben einnimmt, seinen namen. beschreibung der stadt Leipzig 1784, s. 55.
 
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gewandgehalter, gewandgehälter, m., in Nürnberger quellen älterer zeit belegt und zwar in der form gewandkelter. das wort knüpft an gewand = vestis an und verallgemeinert sich zu der bedeutung 'kleiderschrank':

wuschtucher neser und hentschuch
gewantkelter leden pulpit
und etlich pucher zimen mit.
Folz (von allem hausrat), fastnachtsp. 1217 Keller,

nun in eim winckel stund ein alter
grosser vierecketer gwandkalter;
den reisz er auff und schawt hinein,
vermeint, es solt der laden sein.
H. Sachs (d. faul Fritz im keller) 17, 283 Keller-Götze.

 

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