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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewändermaler bis gewandflecker (Bd. 6, Sp. 5289 bis 5291)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewändermaler, m., -malerin,f.: ein kronprinz kann kein system ausstehen ausser das der attrakzion; keinen anderen wahrheitmaler als den gewändermaler. J. Paul palingenesien 2, 70; der lektor hatte ... die hoftrauer schon an- und approbiert ... die weiber waren als hochselige aus den betten gestiegen, weil für diese fleissigen gewändermalerinnen eine lange wesenkette von rökken und von deren trägern wol so schwer wiegt als für ihre männer eine gekoppelte sippschaft von pferden. Titan 2, 76.
 
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gewandern , verstärktes wandern (s. d.), berührt sich eng mit gewandeln (s. o.).
1) der intransitive gebrauch.
a) ambulare.
α) und ward der schnee so dick und so grosz, dasz niemant gewandern möcht. B. Zink d. städtechron. 5, 179 (Augsburg); so balde es in besserung mit im kom, und ehr ... gewandern konde, in eigener person zu erscheinen. H. v. d. Planitz berichte (1521 ff.) s. 112 Virck.
β) gewander hin, war wollest du (et ambula). mitteldeutsches evangelium Joh. 5, 12, s. Schönbach Wiener sitzungsber. 137, 10 (nim dein bette und gehe hin. Luther); und ob er lihte wil gewandern hin in der dritten wahte al dar, et si in tertia vigilia venerit. ebenda (Luc. 12, 37: und so er kompt. Luther);

[Bd. 6, Sp. 5290]


do dacht si mit klucheit,
wie si von mir gewanderte
und dahin sich veranderte,
da ir beschert was ir tot. passional 654, 31 Köpke.


b) congredi, commercium habere:

si sanden bischolf Brûnen heim
daʒ er den kuning von Bêheim
her ze Brunne brachte:
dester schiere man möhte
zwischen in gewandern
von einem hinz den andern.
Ottokar steir. reimchr. 14511 Seemüller;

mit uns gewandernt her und dar, hic nobis cum sunt. mitteld. evangel. Marc. 6, 3, s. Schönbach a. a. o. (sind nicht auch seine schwestern alhie bei uns. Luther); und ob ein wip nach ir begir verlat ir man und einen andern gelat ... hin zu ir gewandern. ebenda Marc. 10, 12 (und freiet einen andern. Luther).
2) vereinzelt scheint auch der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare von gewandeln übernommen zu sein, im vorliegenden fall allerdings unter dem einflusz des reimzwanges:

dise herren alle
bitt ich des mîn geziuge sîn,
daʒ ich umb den schaden mîn
gen iu dhein rede ander
nimmer gewander. österr. reimchronik 22637.


 
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gewänderpracht, f., vgl.: in rücksicht des farbenreichthums und der gewänderpracht. Fr. Schlegel 6, 110.
 
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gewandert , participiales adjectiv, mit dem gleichen bedeutungsübergang, der uns an bewandert vertraut ist.
1) das particip in der grundbedeutung: gewandert ... peregrinatus Hulsius (1631) 166a; gewandert, qui multas peoragravit terras. Spieser 151a, ähnl. Gürtler, Kirsch, Bayer; gewandert, qui a voyagé, qui exteras perlustravit terras. nouveau dict. du voyageur 145, ebenso Pomai, Veneroni; gewanderter handwercksgesell, un compagnon de mestiere qui a couru pays. Hulsius (1614) 163b, ebenso (ausgabe von 1631) s. 166a, ebenso nouveau dict.; garçon de metier, qui a bien hantu et couru les pays. Rädlein 381b; ein gewanderter handwerksbursche, garçon de metier, qui est allé voyageur. Schwan (1782) 1, 743; gewandert, bewandert, gereist hebbende. Kramer (Nürnberg 1719) 2, 96c.
2) übergang zur übertragenen verwendung: dann es so ein grob, unverstóndig, auch ungewandert volckh (die Moscowitter). S. Kiechel reisen 115 Haszler; man hüet sich fur gewanderten jungkfrawen, und ungewanderten jungen gesellen. Henisch 1594; er ist ein gewanderter gesell, einmal zu marckt, zweimal zur mühle, und dreimal zu bad gewesen (zur verhöhnung von stubenhockern). ebenda; so soll doch ein jeglicher wundarzt von ihm selber erfaren, gewandert und geschickt sein, ihr (der wunden) wesen und eigenschaft zu erkennen. Paracelsus opus chirurg. 7; ich will meine untugenden so wenig verhelen, als meine tugenden, damit ... der ungewanderte leser auch erfahre, was vor seltzame kautzen es in der welt gibet. Simpl. 319 neudr.; niemand, der auf dem felde der synonymik einigermassen gewandert ist. Weigand syn. 2, 5.
 
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gewändestein, m.: gewändstein, jamb-stone, lanci. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewandfall, m., zur bedeutung vgl.: alle hörigen hatten dem herrn kopfzins und erbschaftssteuer zu entrichten. ... die strengere form derselben, der 'buteil', hatte noch am meisten von dem ursprünglichen charakter bewahrt, indem der herr entweder einen anteil ... des ganzen beweglichen nachlasses oder doch des viehbestandes, nebst dem heergewæte des verstorbenen mannes oder der gerade der verstorbenen frau, beanspruchte; die mildere form war die des 'falles' (sterbfall, todfall, oder der kurmede), wobei der herr nur das beste stück vieh (als besthaupt) und das beste kleid (als gewandfall) erhob. R. Schröder d. rechtsgesch.4 s. 456.
der zweite compositionstheil entfaltet hier die gleiche bedeutung, die das verbum fallen in wendungen wie jemanden zufallen (mhd. vallen, gevallen), heimfallen entwickelt. vgl.: gotes hiusern viel daʒ ander teil. Hartman v. Aue armer Heinrich 256; waʒ davon gevellet, daʒ ist czu antwurten in die losungstuben. d. städtechron. 2, 34 u. a. daneben weist val in der älteren sprache auch die bedeutungen 'sturz, untergang, tod' auf. in wendungen wie sie in: diu herschaft hât von allen iren eigenen mannen ze valle daʒ beste houbt (s. mhd. wb. 3, 222a) vorliegen, könnte man val auch von dieser bedeutungsrichtung aus erklären; sobald man jedoch die belege in ihrem besonderen zusammenhange beurtheilt, wird man sich für die erklärung aus zufallen, heimfallen entscheiden. beachtung aber verdient, dasz tôtval in der mittelhochdeutschen

[Bd. 6, Sp. 5291]


periode zwei ganz verschiedenartige bedeutungen aufweist (mhd. wb. 3, 222a): 1) tautologisch = tod (vgl. dô ich ... den tôdes val in daʒ waʒʒer wolde hân getân) und 2) in der rechtssprache der erbschaftsantheil, der bei einem todesfall dem herren des verstorbenen zukommt.
dieser antheil ist im gewandfall auf das gebiet der kleidung eingeengt, das einzige beispiel zugleich für die concurrenz zwischen gewand und seiner mundartlichen (alemannischen) nebenform häsz (theil 4, 2, sp. 555), vgl. hæzeval Grimm weisth. 1, 68. auch wat ist in verbindung mit diesem gebrauch von val belegt, doch noch nicht in composition: stirbt ain aigen man bi siner genozschaft, da nimpt man den besten val und wat und wafen. vogteibuch d. abtei Alpirsbach (1408) bei Reyscher 39. für unser compositum fallen die ältesten belege ebenfalls noch in das 15. jahrh.: unnd ob ain gottshusz sant Polayen man sturb und liberben verliesz, das nit knaben werindt, und der erbfal an frowen fiel oder an tchteren, so ist der gwandfal des waibels inn dem hoff, darin er dann hört. weisthum von ... Mühlibach (1472) bei Grimm weisth. 4, 408; item wan ein frauw in witwen stat abgath, so gevalt einem herren von Ouw ein gewandfahl und ir beste pet und alles ir gespunen garn. öfnung zu Mülheim (1475) 1, 262. später, als der brauch längst ausgestorben war, lebte das wort noch lange litterarisch weiter, in rechtsgeschichtlichen erörterungen und in wörterbüchern: und disz hat man hauptrecht genannt, budtheil, gewandfäll, item ein todte hand. Besoldus thesaurus practicus 342 (ausgabe von 1697); weitere litteratur bei Brinckmeier gloss. dipl. 1, 914, vgl. auch R. Schröder a. a. o.; todte hand, alias haubtrecht, wantmal, gewandfäll. Stieler 752; gewandfall oder gewandrecht. Chomel 4, 1041. Adelung 2, 650 (gewandfall, niedersächs. watmal). Weissenbach 437a, ebenso Campe, Voigtel, vgl. Thiel landw. lex. 4, 421.
vereinzelt ist auch in der schönen litteratur auf den brauch wieder bezug genommen worden: so etwas sollte der mensch stets deponieren und alle freudenblumen aufkleben ... in einem kräuterbuche; nicht einmal seine alten fracks, pikeschen und bratenröcke ... sollte er verschenken und versteigern, sondern hinhenken sollt' er sie als hülsen seiner ausgekernten stunden, ... als gewandfall oder todte hand, die der erinnerung heimfällt von den gestorbenen jahren. J. Paul unsichtbare loge 3, 176.
 
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gewandfalte, f., im plural ersatz für den älteren gebrauch von gewand in der bedeutung 'draperie', s. sp. 5266: die augen, die nasen, die bärte, die gewandfalten, die flügel der engel — alles macht, obwohl mit dem pinsel gezeichnet, mehr den eindruck, als sei es aus steinwürfeln zusammengesetzt. Muther geschichte d. malerei 1, 16.
 
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gewandfärber, m.: gewandferber, walcker, wäscher, fullo, qui pannos et vestimenta lavat. Henisch 1593.
 
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gewandfetzen, m.: Michelangelos jüngstes gericht erhielt, da die nacktheit anstöszig erschien, jene gewandfetzen, die es heute entstellen. R. Muther gesch. d. malerei 4, 7.
 
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gewandfigur, f.: die schönen, aus weichem thon geformten arabesken, löwen, greife, sphynxe und niedlichen gewandfiguren nach antiken mustern gefielen mir fast besser, als die bilder meines vaters. Kügelgen jugenderinnerungen eines alten mannes (2, 2) 83.
 
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gewandflecker, m.: gewandflecker, interpolatores qui antiquas vestes renovant. Pinicianus k 2b. vgl. altgewänder unter gewänder sp. 5289; kleiderflicker theil 5, 1079.

 

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