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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewanddarstellung bis gewandelt (Bd. 6, Sp. 5284 bis 5287)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewanddarstellung, f., von Campe 2, 359 als neues wort für das frz. drapierung gebucht: die gewanddarstellung ... die darstellung, nachbildung der gewänder in der mahlerei und bildhauerkunst (drapierung). wenn von gemählden und zeichnungen die rede ist, auch die gewandmahlerei, gewandzeichnung.
 
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gewande, gewante, f., s. DWB gewohnde, gewohnte, DWB gewohnheit.
 
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gewände I. f. und n., s. DWB gewann.
 
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gewände II. n. , collectivbildung zu wand, paries. die verhältnismäszig junge bildung gehört der schriftsprache, wie schon bei gewand III erwähnt, nur in der engeren bedeutung eines terminus des baugewerbes an, umfassender ist der gebrauch in der bayrisch-österreichischen mundart, wo der collectivbegriff auf gebilde der natur ('felsen, gebirgswände') übertragen ist.
1) der terminus des baugewerbes.
a) die allgemeinere bedeutung ist hier selten: Theophrastus bezeuget, wie das Cadmus z Thebis die ersten steinhütten z Phenicia z der mauer und thüren erfunden habe, unnd sonderlich sol Crope die erste stath mit gewend oder gemeuer umbgeben haben. Fronsperger bauordnung 63a; gewände, die wände in einem gebäude, von dem worte: die wand. Täubel verzeichnisz gleichlautender teutscher wörter s. 10 in seinem practischen wb. der buchdruckerkunst.
b) weitaus verbreiteter ist die engere bedeutung, die aus den zusammensetzungen thürgewände, fenstergewände am sichersten zu erschlieszen ist, der theil der wand, der eine öffnung umschlieszt. im zusammenhang mit dieser verwendung steht eine lautlich fast gleichartige bildung geweng, gewenge, gewänge mit gleicher bedeutung (s. d.), die auf wange zurückführt. es ist nicht ausgeschlossen, dasz diese form auf die hier behandelte bedeutung von gewände einflusz ausgeübt hat: partes columnarium ... gesimslein ... coronices, binden, sive gewäntlein, fasciae. Stieler 1693; in Berlin ist der schlechte geschmack aufgekommen die gewände und den bogen der hausthüren perspectivisch zu machen. Sulzer theorie der schönen künste 4, 532b; im thürgewände ein verziertes steinernes sitzchen, wie wir sie wohl bei uns in alten gebäuden auch noch antreffen. Göthe (italienische reise) 27, 44, ebenso Benvenuto Cellini 2, 11; vorwärts gehend erblickte ich, linker hand, in der mauer ein pförtchen, das ich mich nicht erinnerte je gesehen zu haben. es schien niedrig, aber der spitzbogen drüber hätte den gröszten mann hindurch gelassen, bogen und gewände waren auf's zierlichste vom steinmetz und bildhauer ausgemeisselt, die thüre selbst aber zog erst recht meine aufmerksamkeit an sich. (dicht. u. wahrh. 2) 24, 81; die zweite thür ist an den gewänden mit baumstämmen verziert, deren dürre äste sich um einanderschlingen. Stieglitz von altdeutscher baukunst 231; nach einem spitzbogen in die höhe gehend, sind die gewände zunächst der öfnung mit einigen gliedern verschen. ebenda; der daneben liegende gerade theil der gewände ist, auf jeder seite der thür, mit einer niedrigen cannelirten säule besetzt. 232; gewände, aufsteigender teil der umfassungen von thüren und fensteröffnungen. Lueger lex. der ges. technik 4, 633; die seiten der lichtöffnung bilden die senkrecht aufsteigenden fenstergewände. 167; gewände, die seitenwände einer thür oder fensteröffnung. Otte kunstarchäologie 347; gewände, n., jambe, jambage, aussen bündig stehende gewände, outside jointed jambstones ..., in die mauerstärke gesetzte gewände, ...

[Bd. 6, Sp. 5285]


jambstones, standing in the thickness of the wall; steinernes gewände Rumpf technol. wb. 1, 210b. eine ausführliche, ins einzelne gehende darstellung giebt Müller-Mothes archäologisches wb. 458b. auch aus der Luxemburger umgangssprache ist das wort belegt und zwar mit unterdrücktem dental: gewänner, pl. (arch.) die seitenmauern oder pfeiler (einer thüre, eines fensters). Gangler 179.
2) die umfassende bedeutung des collectivs mit der übertragung auf erscheinungen in der natur, im besonderen auf berg und fels, wurzelt in der gebirgswelt des bairisch - österreich. landes, sie ist vom mundartlichen gebrauch aus auch in schriftsprachliche quellen übergegangen, vgl. Schmeller 22, 940. Schöpf 799. Lexer kärntn. wb. 250. Unger-Khull s. 290.
a) des pannholz halben. der ist ausgezaigt von dem Höllenstainer velt ... hinauf in das gewent und von demselben gewent umb durch bisz in die Camerkirchen. österr. weisth. (Lichtenwert, Tirol 1519) 2, 128; wie dann daselbst zwischen den zwaien gräblen ain vermarchung aufgericht ungeverlich 100 schrit gegen dem stainen gewend, die Hoch-risz genannt. (Kufstein, Tirol) 2, 34.
b)

frisch auffi auf de alm, frisch ei~ hi~ ei~s gwent,
und dás mi mei~ deənal ə~n juchən kennt. s.
Schmeller 22, 940;

a gambs auf'n g'wänd und a punkt in der scheibn,
und mei' schatz in der alm — is mei' thoa und mei' treibn. s.
Schöpf 799 u. a.


c) mit ausgebreiteten armen ... ist er über das gewänds hinausgesprungen und hat sich zerschmettert. Hermann Schmidt (Friedel und Oswald 4) 23, 14; ich lob' mir meinen pfarrer drüben im gewänd', den alten eisgrauen mann, der erst mit der welt fertig geworden ist, eh' er sich hat weihen lassen. Anzengruber (dorfgänge 3, 93); der bursche weisz wohl, er hat sein auge zu wahren, dasz das rad in seinem haupte nicht anhebt zu kreisen. er weisz wohl: blickt er empor am gewände, so ist es der abschied vom himelslicht, und senkt er sein auge niederwärts, so schaut er in sein grab. Rosegger schriften des waldschulmeisters s. 173; er besteigt das niedrigere gewände, über welches der holzhauer mit seiner kraxe noch wandeln musz, er erklettert hänge, an denen der wurzner seinen speik aussticht; er schwingt sich über schluchten und klippen, denen kaum mehr der gemsjäger traut. 172; dem hirten hab ich die heerde von dem gefährlichen gewände abgeleitet. 221; drei dieser wässer bilden fälle über terassenförmiges gewände. Haidepeters Gabriel (werke 11) 280; du lauerst ihm auf, wo er stand halten musz, so neben einem jähen gewänd. P. Heyse (auf der alm) 5, 311.
 
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gewändeanker, m., s. DWB gewände II: gewändanker (bauw), cramp-iron for fastening the jambstones on the wall. patte en plâtre; patte des lancis. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewändegliederung, f., s. DWB gewände II: gewändgliederung, f., franz. chambranle, bandeau, moulure de lancis, engl. dressing of a jamb. Müller-Mothes archäol. wb. 458b; gesims oder verkleidung eines gewändes, dressing of a dore-jamb or window-jamb. chambranle, bandeau, moulure de lancis. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewandel, gewandl, n., diminutivform zu gewand I, der bairisch - österreich. mundart angehörig und von da in die litteratur eingedrungen, vgl. gewändlein und gewändchen:

ich mag auch nit nur uber schüssl und teller
und psunder zmeinn gbäntl und feder bat,
woll gschbeign zu andern hausradt. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 9) 243;

du sagst, du kund vill schneiden mit scher;
dapey stet dir der seckl lär.
von wen wolstu mir schneidn mäntl?
du hast selb an ain possz gbäntl. 270;

sitz auff den stuel daher
und heb vornenn auff dein gwäntl;
hast ain pruech an, so lesz das pantl. 11, 125;

der stil selbst ist eine manier, ein gewandel, welches ein launist an-, aus- und abziehen kann. Rahel buch d. andenkens 2, 212; da ist net viel bei dir zu holen! malermadl? a verschmierte leinwand, an zahnbürschtel, wanns eins hast, a malschürzen und a schlecht's gwandl — dein best's hast an, net? H. Böhlau der rangierbahnhof 103.
 
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gewändel, gewändl, gewäntl, n., diminutivform zu gewände (gewand II): gewäntl kommt auch von kleinen gartenabtheilungen vor, die auf einmal umgewendet werden. Schmeller 22, 943.

[Bd. 6, Sp. 5286]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandele, gewandle, n., verbalsubstantiv zu wandeln (s. d.): wenn man auf den strassen ging, konnte man doch seine gedanken zusammen halten; es war hübsch still und sachte drin, nicht so ein getriebe und geschreie, so ein gehandle und gewandle als jetzunder. Immermann (der carneval und die somnambule) 8, 111.
 
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gewandeln, verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitiven im sinne von ambulare, an dieser bildung theil nimmt.
1) der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare ist natürlich früher bezeugt (s. DWB wandeln), die belege reichen hier schon in die althochdeutsche periode zurück, entstammen jedoch nur den glossen, s. Graff 1, 764. nur bedingt hierher zu rechnen ist das partic. praeteriti kiwantalot, das in attributiver verbindung die bedeutung weit verschiebt (kiwantaloteru stunto, versa vice. Steinmeyer-Sievers 1, 493b). andererseits ist für mutare, giwantalon in den glossen zum liber comitis (Steinmeyer-Sievers 1, 818a) die auffassung nicht unzweifelhaft. die stelle bezieht sich auf Matth. 5, 42 und hier hat die vulgata mutuari: volenti mutuari a te, ne avertaris; sicherer führt die stelle einer Tegernseer handschr. des 11. jahrh.: vertere, giwantalon Steinmeyer-Sievers 2, 671a (zu Aeneis 12, 825: aut vocem mutare viros aut vertere vestem, oder die sprach' umtauschen, und vorige kleidungen wandeln. Voss).
a) in dem eben angezogenen beleg zielt das verbum auf ein sächliches, reales object. diesem zusammenhang erwächst die bedeutung 'wegnehmen, zurücknehmen':

er chouffe wol oder ubele,
er wil ettewaʒ darubere.
niemer er gewandelôt,
des er verchouffet. genesis 1726 Piper;

di wîle her lebit sô mag her di gebe nicht gewandiln noch entvremden. Kulm. recht 4, 15.
b) bei einem persönlichen object leitet diese bedeutung zu der von 'entfernen' über.
1))

vater, als ich han gesehen
wie ir minem enen getadet,
und in zu tische geladet,
uʒ der stiege gewandelt,
nach eren schon gehandelt,
daʒ gibet mir die lere,
daʒ ich din alter ere. vom kotzen 250 Koloczaer cod.


2)) auch sullen wir in einen richter geben ... swenne si wellen, so mügen si den gewandeln, ob er eʒ umb si verschuldt. monum. Zoller. 3, 187 (zu 1347); hedden se beseten, so weren se vol gesogen ... nu komet andere de hungerich sin ... hirbi nam de keiser ene merke, dat he nimmer sine richtere gewandelde. sächs. weltchronik 92.
c) in der übertragenen verwendung spaltet sich die bedeutung je nachdem die änderung auf etwas zielt, das auszerhalb des subjectes liegt oder innerhalb desselben zu suchen ist.
α) objecte auszerhalb der sphäre des subjects.
1)) unpersönliches object:

den (Widolt) triven ses riesin vrêsam
unde heiʒen ene ungebêre hân,
daʒ die burgêre
immer sageten mêre ...
unze her vor Constantîne quam.
dô sprach ein grâve oberlût
'hîr veret des tûvelis brût,
— mochtich die schande
immer mêr gewandelen, —
(sô mir daʒ heiliche liecht!)
ichne gebeite sîn vor deme kuninge nicht.' könig Rother 1057 v. Bahder;

das er mit uwer und ander, die zu dem heilgen riche gehorent, hulffe soliche grosze irrunge und gebrechen, die leider lange zit in der heiligen kirchen ... deste basz furgesin und wiedersten und mit der gots hulffe gewandeln und zu gutem wesen bringen möge. Frankfurts reichscorrespondenz (aus 1401) 1, 564. ähnl. 1, 576; ick en mach nicht gewandelen (immutare) dat wort des heren. Halberstädt. bibel (1522) 4 Mos. 22, 18 bei Schiller-Lübben 2, 97;

sal daʒ wesen uwer got
und uwer irlosere,
den ir so offenbere
vor u sus laʒet handelen,
so wol so irʒ gewandelen
im an den wihten mohtet,
ob ir so vil im tohtet,
daʒ ir in torstet gesturen.
Hesler evangel. Nicodemi 4978 Helm, ebenso 4354;

wultit uns darumme umme sodaner velen bodischafft nicht vordengkin. denne wir desz andirs nicht wol gewandelin

[Bd. 6, Sp. 5287]


konnen. Margarete v. Braunschweig an ihren bruder bei Steinhausen privatbriefe 1, 30.
β) objecte innerhalb der sphäre des subjects.
1))

wan der kunic rîche
was dô sô tugentveste
daʒ er sîne geste
schône und wol hieʒ handeln.
ern wolte nie gewandeln
an den êren sîne site.
K. v. Würzburg Engelhart 650 Haupt;

vgl. auch:

hienach an dem sibenden tage
wart im sin mut gewandelt. passional 275, 5 Köpke;

sant Augustînus schrîbet also: mensche, kanst du dîn leben gewandeln, sô kan ouch unser herre sîn urteil gewandeln. sprüche deutscher mystiker, s. Pfeiffer Germania 3, 230a.
2)) sich gewandilon, sich verändern, glossen zu homilien, vgl. anzeiger für kunde der deutschen vorzeit 8, 503. vgl.:

mit vreuden si do heim schiet
und was uf ein ander leben
gewandelt, daʒ ir wart gegeben
von unsers herren gute. passional 404, 38 Köpke.


2) der intransitive gebrauch mit der bedeutung ambulare.
a) für das grundwort wandeln nimmt die allgemeine auffassung bei diesem gebrauch mitteldeutschen ursprung an und stellt dessen einbürgerung in unsere schriftsprache unter den einflusz Luthers. da nun aber aus unseren beispielen hervorgeht, dasz die verstärkte form gewandeln hier gerade in oberdeutschen denkmälern verhältnismäszig früh belegt ist, so läszt sich diese anschauung nicht halten. Luthers einflusz ist die verdrängung der volleren form gewandeln durch das einfache wandeln mit zuzuschreiben, nicht aber die einbürgerung des verbums überhaupt.
α) der ander wec daʒ ist der wec der gotheit. waʒ wege hât diu gotheit oder war mac sie gewandeln, wan si doch an allen steten ist, oder wâ mit wandelt si, wan si doch niht vüeʒe hât? predigt des 14. jahrh., s. zeitschr. f. d. alt. 8, 245; also sont si des richs strasse offen und in êren halten, das mängclich uf und nider gewandlen mug ze ross und ze fss. St. gallische rathssatzungen 272 (mitth. d. hist. vereins zu St. Gallen 4, 124); dan er (der schnee) was so tieff, des nit z schribend ist, und mocht imen gewandlen. Hug Villinger chronik 18; es geturste ouch niemant gewandeln in dem lande one ir geleite und wortzeichen. Königshofen d. städtechron. 8, 487 (Straszburg).
β) in einigen der oben angeführten beispiele ist das verbum für das umherziehen und die reisen der kaufleute angezogen. dieser engere gebrauch wird durch die schon aus lautlichen gründen beliebte verbindung von handeln, wandeln begünstigt und beeinfluszt wieder die bedeutungsentwicklung. an eine nachwirkung des sociativen präfixes ist dagegen nicht wol zu denken: und die strossen verwustet werent, das kouflüte und andere nüt gewandeln möhtent. Königshofen d. städtechron: 8, 448; und do sü den turn Babilon gebuwetent wol fünf welscher milen hoch, do wolte got ir hochfart nüt me vertragen und verwandelte ire sprochen ... und kundent nüt me mittenander gereden noch gewandeln. 245.
b) wie andere intransitive verba der bewegung läszt auch dieses gewandeln gelegentlich einen accusativ des inneren objectes zu sich treten: und darumb do besatzte derselb Wernher mit der vesti Valkenstein, daran er doch gar einen kleinen teil hat, das niemant die strasze noch das tal für dieselb vesti Valkenstein uf noch abe gewandelen mocht. urkundenbuch der stadt Freiburg i. B. 2, 59 Schreiber.
 
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gewandelt , participiales adjectiv mit beiden oben belegten bedeutungen.
1)

Augustinus genande
und wolde irn willen gerne tun.
er was nu ein gewandelt sun.
wand als er vor die muter vloch.
durch daʒ si in zu Cristo zoch,
sus war er ir nu gerne mite. passional 425, 8 Köpke.


2)

da ging ich
meinen gewandelten weg zurück.
Klopstock Messias 18, 323.

 

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