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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandbone bis gewandel (Bd. 6, Sp. 5283 bis 5285)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandbone, f.: gewantbonen ... faba inversa latine. die maister sprechen das dises sei ain kraut und hat braite bleter nahet als boberellen alkakenge genant. dises kraut tregt bonen die sind gestülpt, sein stengel ist ains arms hoch. Herbarius (Ulm 1487) n 5.

[Bd. 6, Sp. 5284]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandbürste, f.: scopina, gewantburst S. Heyden nomenclatura rer. domest. a 5a; scopula, bsemle oder ein gewandbürst Frisius (1574) 1188b; häszbürst, gewandbürst Emmel nomenclator quadriling. 331; gewandtbürste, kehrbürste, des vergettes. Hulsius (1614) 163b. ebenso Henisch 1593. Frischlin nomenclator cap. 139. Pomai grand. dict. royal 132b. Spieser 151a. Rädlein 381b. Aler 935a; gewandbürste, scopula Kirsch 180a; die so si (die pfaffen) an iren kutz ht sehen, der eine grosse grne sidene schnr als ein barfsser grtel hat mit grossen zotten, sidenen fasen wie die gewant bürsten, so gatt inen ein grosser stich zm hertzen, wann si erinnert werden des grimmen tods. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 41 neudr.
 
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gewändchen, n.:

o du mein gar zu fleiss'ges spinnermädchen,
im schönen selbst gesponnenen gewändchen,
die rührig mit dem füsschen und dem händchen,
du sitzest tag und nacht am spinnerrädchen.
Rückert lyrische gedichte 2, 62, vgl. auch gewänderchen.


 
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gewandcise, f., s. gewandzise.
 
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gewanddarstellung, f., von Campe 2, 359 als neues wort für das frz. drapierung gebucht: die gewanddarstellung ... die darstellung, nachbildung der gewänder in der mahlerei und bildhauerkunst (drapierung). wenn von gemählden und zeichnungen die rede ist, auch die gewandmahlerei, gewandzeichnung.
 
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gewande, gewante, f., s. DWB gewohnde, gewohnte, DWB gewohnheit.
 
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gewände I. f. und n., s. DWB gewann.
 
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gewände II. n. , collectivbildung zu wand, paries. die verhältnismäszig junge bildung gehört der schriftsprache, wie schon bei gewand III erwähnt, nur in der engeren bedeutung eines terminus des baugewerbes an, umfassender ist der gebrauch in der bayrisch-österreichischen mundart, wo der collectivbegriff auf gebilde der natur ('felsen, gebirgswände') übertragen ist.
1) der terminus des baugewerbes.
a) die allgemeinere bedeutung ist hier selten: Theophrastus bezeuget, wie das Cadmus z Thebis die ersten steinhütten z Phenicia z der mauer und thüren erfunden habe, unnd sonderlich sol Crope die erste stath mit gewend oder gemeuer umbgeben haben. Fronsperger bauordnung 63a; gewände, die wände in einem gebäude, von dem worte: die wand. Täubel verzeichnisz gleichlautender teutscher wörter s. 10 in seinem practischen wb. der buchdruckerkunst.
b) weitaus verbreiteter ist die engere bedeutung, die aus den zusammensetzungen thürgewände, fenstergewände am sichersten zu erschlieszen ist, der theil der wand, der eine öffnung umschlieszt. im zusammenhang mit dieser verwendung steht eine lautlich fast gleichartige bildung geweng, gewenge, gewänge mit gleicher bedeutung (s. d.), die auf wange zurückführt. es ist nicht ausgeschlossen, dasz diese form auf die hier behandelte bedeutung von gewände einflusz ausgeübt hat: partes columnarium ... gesimslein ... coronices, binden, sive gewäntlein, fasciae. Stieler 1693; in Berlin ist der schlechte geschmack aufgekommen die gewände und den bogen der hausthüren perspectivisch zu machen. Sulzer theorie der schönen künste 4, 532b; im thürgewände ein verziertes steinernes sitzchen, wie wir sie wohl bei uns in alten gebäuden auch noch antreffen. Göthe (italienische reise) 27, 44, ebenso Benvenuto Cellini 2, 11; vorwärts gehend erblickte ich, linker hand, in der mauer ein pförtchen, das ich mich nicht erinnerte je gesehen zu haben. es schien niedrig, aber der spitzbogen drüber hätte den gröszten mann hindurch gelassen, bogen und gewände waren auf's zierlichste vom steinmetz und bildhauer ausgemeisselt, die thüre selbst aber zog erst recht meine aufmerksamkeit an sich. (dicht. u. wahrh. 2) 24, 81; die zweite thür ist an den gewänden mit baumstämmen verziert, deren dürre äste sich um einanderschlingen. Stieglitz von altdeutscher baukunst 231; nach einem spitzbogen in die höhe gehend, sind die gewände zunächst der öfnung mit einigen gliedern verschen. ebenda; der daneben liegende gerade theil der gewände ist, auf jeder seite der thür, mit einer niedrigen cannelirten säule besetzt. 232; gewände, aufsteigender teil der umfassungen von thüren und fensteröffnungen. Lueger lex. der ges. technik 4, 633; die seiten der lichtöffnung bilden die senkrecht aufsteigenden fenstergewände. 167; gewände, die seitenwände einer thür oder fensteröffnung. Otte kunstarchäologie 347; gewände, n., jambe, jambage, aussen bündig stehende gewände, outside jointed jambstones ..., in die mauerstärke gesetzte gewände, ...

[Bd. 6, Sp. 5285]


jambstones, standing in the thickness of the wall; steinernes gewände Rumpf technol. wb. 1, 210b. eine ausführliche, ins einzelne gehende darstellung giebt Müller-Mothes archäologisches wb. 458b. auch aus der Luxemburger umgangssprache ist das wort belegt und zwar mit unterdrücktem dental: gewänner, pl. (arch.) die seitenmauern oder pfeiler (einer thüre, eines fensters). Gangler 179.
2) die umfassende bedeutung des collectivs mit der übertragung auf erscheinungen in der natur, im besonderen auf berg und fels, wurzelt in der gebirgswelt des bairisch - österreich. landes, sie ist vom mundartlichen gebrauch aus auch in schriftsprachliche quellen übergegangen, vgl. Schmeller 22, 940. Schöpf 799. Lexer kärntn. wb. 250. Unger-Khull s. 290.
a) des pannholz halben. der ist ausgezaigt von dem Höllenstainer velt ... hinauf in das gewent und von demselben gewent umb durch bisz in die Camerkirchen. österr. weisth. (Lichtenwert, Tirol 1519) 2, 128; wie dann daselbst zwischen den zwaien gräblen ain vermarchung aufgericht ungeverlich 100 schrit gegen dem stainen gewend, die Hoch-risz genannt. (Kufstein, Tirol) 2, 34.
b)

frisch auffi auf de alm, frisch ei~ hi~ ei~s gwent,
und dás mi mei~ deənal ə~n juchən kennt. s.
Schmeller 22, 940;

a gambs auf'n g'wänd und a punkt in der scheibn,
und mei' schatz in der alm — is mei' thoa und mei' treibn. s.
Schöpf 799 u. a.


c) mit ausgebreiteten armen ... ist er über das gewänds hinausgesprungen und hat sich zerschmettert. Hermann Schmidt (Friedel und Oswald 4) 23, 14; ich lob' mir meinen pfarrer drüben im gewänd', den alten eisgrauen mann, der erst mit der welt fertig geworden ist, eh' er sich hat weihen lassen. Anzengruber (dorfgänge 3, 93); der bursche weisz wohl, er hat sein auge zu wahren, dasz das rad in seinem haupte nicht anhebt zu kreisen. er weisz wohl: blickt er empor am gewände, so ist es der abschied vom himelslicht, und senkt er sein auge niederwärts, so schaut er in sein grab. Rosegger schriften des waldschulmeisters s. 173; er besteigt das niedrigere gewände, über welches der holzhauer mit seiner kraxe noch wandeln musz, er erklettert hänge, an denen der wurzner seinen speik aussticht; er schwingt sich über schluchten und klippen, denen kaum mehr der gemsjäger traut. 172; dem hirten hab ich die heerde von dem gefährlichen gewände abgeleitet. 221; drei dieser wässer bilden fälle über terassenförmiges gewände. Haidepeters Gabriel (werke 11) 280; du lauerst ihm auf, wo er stand halten musz, so neben einem jähen gewänd. P. Heyse (auf der alm) 5, 311.
 
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gewändeanker, m., s. DWB gewände II: gewändanker (bauw), cramp-iron for fastening the jambstones on the wall. patte en plâtre; patte des lancis. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewändegliederung, f., s. DWB gewände II: gewändgliederung, f., franz. chambranle, bandeau, moulure de lancis, engl. dressing of a jamb. Müller-Mothes archäol. wb. 458b; gesims oder verkleidung eines gewändes, dressing of a dore-jamb or window-jamb. chambranle, bandeau, moulure de lancis. Rumpf technol. wb. 1, 210b.
 
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gewandel, gewandl, n., diminutivform zu gewand I, der bairisch - österreich. mundart angehörig und von da in die litteratur eingedrungen, vgl. gewändlein und gewändchen:

ich mag auch nit nur uber schüssl und teller
und psunder zmeinn gbäntl und feder bat,
woll gschbeign zu andern hausradt. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 9) 243;

du sagst, du kund vill schneiden mit scher;
dapey stet dir der seckl lär.
von wen wolstu mir schneidn mäntl?
du hast selb an ain possz gbäntl. 270;

sitz auff den stuel daher
und heb vornenn auff dein gwäntl;
hast ain pruech an, so lesz das pantl. 11, 125;

der stil selbst ist eine manier, ein gewandel, welches ein launist an-, aus- und abziehen kann. Rahel buch d. andenkens 2, 212; da ist net viel bei dir zu holen! malermadl? a verschmierte leinwand, an zahnbürschtel, wanns eins hast, a malschürzen und a schlecht's gwandl — dein best's hast an, net? H. Böhlau der rangierbahnhof 103.

 

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