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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewämbs bis gewand (Bd. 6, Sp. 5235 bis 5236)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewämbs, s. DWB gewams.
 
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gewamm, s. DWB gewämp.
 
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gewämmert, participiales adjectiv, das in adverbialer function belegt ist: gewämmerte voll Hertel Thüringer sprachschatz 253. vgl. DWB gewampt, DWB gewammt.
 
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gewämp, n., collectiv zu wampe, wamme (s. d.), vgl.wamba, bauch, wampe, ventra Graff 1, 853: anthropomanteia, budelschetzer, wi das gewämp im mentschen lag, also kundten dise sagen, was sein bedeutung an dem ohrte und zu den zeiten als man noch mentschen opffert. Heroldt heydenweldt (1554) p 5a; das gewämp (gwámp), der inhalt des bauches, das

[Bd. 6, Sp. 5236]


unedle eingeweide. Schmeller 22, 914. vgl.gewam, gewei, ingewand vom visch. De Bo westvlamisch idiot. 1, 853.
 
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gewampt, gewammt, participiales adjectiv, das unmittelbar vom substantiv wampe, wamme abgeleitet zu sein scheint, ohne andere verbalformen neben sich zu haben. Stieler führt zwar an (2427): wammen, und wampen, gewammet, und gewampet, propr. adiposum, corpulentum, et habitu corporis opimo esse: deinde magnificé, et fluctuatim incedere, alias sich spreizen, wie die, denen alle gaszen zu enge sein. die belege weisen jedoch alle auf die participialform hin:

dä gnädig herr pfarrer der gfiel ma ganz bsundä:
er geiget ais abä so gschwind wie dä plundä (teufel)
er hat a grosz gwampetö geign auf dä seit —
es hätt dös Berchtsgadnerisch landl drin weit.
Kagerer salzb. ged. (1759), s. Bayerns mundarten 1, 232;

gewampet, 1. dick, wohlgenährt. 2. (sehr gemein) st. schwanger; auch so viel als trächtig. Loritza neues idiot. viennense 51; der hals ist kurz und dick, vorn gefaltet, nicht aber gewammt. Brehm illustriertes thierleben 2, 629.
 
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gewams, gewäms, gewämbs, n., collectiv zu wams (s. d.): das gewamse (niedriges wort) Campe 2, 359; das gewämbs (gwámps), im scherz oder verächtlich als collectiv für kleider überhaupt üblich. Schmeller 22, 914; gewams (das), schlechte kleidungsstücke. Loritza 51; gewämbs, kleidung Himmelstosz aus dem bair. wald, s. Bayerns mundarten 2, 446.
 
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gewan, m., verstärkte form zu wân, wahn (s. d.):

wand ich habe des gewan,
daʒ mir got nicht geruche lan
aplaʒ umb die missetrite
der mir hat vil gevolget mite. passional 590, 50 Köpke vgl. mhd. wb. 3, 494b;

noch weren dar selszen puncte
in den se hedden ghewan,
doch wolden se na vrede stan. d. städtechron. 16, 106 (Braunschweig, d. schichtspiel), ähnlich 16, 215.

vgl. DWB gewähnen sp. 4758: einem den gewahn laszen. Pfister 2. ergänzungsheft zu Vilmar 44.
 
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gewan, n., kontrahierte form zu gwâd'n, durch den wind aufgehäufter schnee, schneegestöber. Schöpf 226. vgl. gwâta (gewehte) Tobler Appenzeller sprachschatz 247; g'wächti, windwehe Stalder 2, 426. vgl. sp. 4741.
 
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gewan, f., s. DWB gewann.
 
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gewan, adj., s.gewon, DWB gewohnt.
 
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gewand I, n. , pannus, vestimentum, vestis. das wort führt mit einer reihe formverwandter bildungen, die aus einzelnen denkmälern in dem gleichen schriftbilde belegt sind (s. DWB gewände, DWB gewann, gewandt), auf den etymologischen zusammenhang zurück, dem auch die verba winden und wenden angehören. die älteren erklärungen knüpfen alle unmittelbar an winden an, dem sie ein verbalsubstantiv wand (vgl. auch wand, paries) zur seite stellen. diesem substantiv wird von den einen die bedeutung 'windung, das gewundene' unterlegt, von den anderen unter anlehnung an das althochdeutsche fem. gewand (terminus, finis) die bedeutung 'das abgegrenzte' zuerkannt. eine andere erklärung hat H. Paul (deutsches wörterbuch s. 181) angebahnt, der in dem abgeleiteten verbum wenden den ausgangspunkt auch für das substantiv gewand sieht, ohne die weiteren folgerungen ziehen zu wollen. die verschiedenen möglichkeiten, die sich ergeben, hat der verfasser folgender darstellung an anderem ort gegen einander abgewogen (vgl. indogermanische forschungen band 14, 406 ff.) und in unserem neutrum ein in der substantivklasse isoliertes particip praeteriti mit der bedeutung 'gewendet, umgebogen, vermutet, das zunächst die äuszere form kennzeichnet, in der seit der vervollkommnung der webstühle und seit der gewerbsmäszigen herstellungnamentlich der tuchedie gewebe aufbewahrt, transportiert und zum verkauf ausgeboten werden. auf grund späterer eingehender betrachtung und vergleichung der für gewand, gewann (s. d.) vorliegenden formen ist der verfasser jedoch zu der überzeugung gekommen, dasz unser neutrum mit diesen auf den gleichen ursprung zurück führt. beiden gruppen ist giwand, terminus finis zu grunde zu legen, das in oberdeutschen quellen als fem., in niederdeutschen als neutrum erscheint. die bedeutung terminus braucht man beim neuhochdeutschen gewand nicht auf den schnitt des kleidungsstückes zu beziehen, sie erklärt sich bei dem älteren gebrauche im sinne von tuch aus der form, in der die stücke vom webstuhl kamen. diese konnte leicht zu einem vergleich mit den streifen führen, in die eine gewannlage getheilt wurde (s. u.). der gleiche bedeutungsübergang läszt sich ja auch bei gêr beobachten. das neutrale geschlecht wird wol im

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zusammenhang mit dem überwiegen niederdeutscher belege für die hauptverwendung zu erklären sein. auszerdem ist bei dem eigenartigen abhängigkeitsverhältnis, in dem gewand nach gebrauch und verbindungen zu dem älteren substantiv gewæte steht, das geschlecht dieses wortes mit in rechnung zu bringen. das gleiche gilt für die form, da unser gewand den dental festgehalten hat im gegensatz zu gewann. bedenken könnte eher die bildung tuchgewender für tuchhändler erregen, da man mit rücksicht auf die synonyma gewandschneider, gewandreisser versucht ist, auch bei ihr die thätigkeit ins auge zu fassen, die der händler beim verkaufe ausübt, insofern er die ballen hin und her wendet. doch vgl. die anmerkungen zu gewander, gewänder (s. d.).
wie bei dem bedeutungsverwandten substantiv kleid reichen auch für gewand die belege nicht über das 12. jahrh. zurück. während das synonymon aber in auszerdeutschen dialekten früher bezeugt ist, gehört gewand nur dem deutschen gebiet an, es hat nach ursprung und verwendungsart keine anhaltspunkte in anderen sprachen, nur das mittelniederländische schlieszt sich auch hierin dem niederdeutschen sprachgebrauche an: gewant (gewænt, gwant) stoff, van allerlei soort, waarvan kleederen gemaakt worden. ... kleeding, gewaad, uitrusting ... koopwaaren, handelswaaren. Verwijs-Verdam 2, 1858 ff. ebenso Oudemans 2, 650. die althochdeutsche periode deckt ihre entsprechenden bedürfnisse ganz mit den älteren bildungen wat, gewæte (angels. waed; altnord. vad gegen gotisch vasti = lat. vestis). da gewand das verwendungsgebiet dieser substantiva als erbschaft übernimmt, musz der abgrenzung von gewand und gewæte das erste augenmerk gewidmet sein.
1) abgrenzung von gewand und gewæte. das vordringen von gewand in der mittelhochdeutschen periode.
a) gleich die ältesten belege lassen gewand in varianten einzelner handschriften an die stelle von wat, gewæte treten. die erste spur bieten glossenhandschriften des 12. jahrh., die in die ältere glosse mutatorium, vestis mutatoria, muzgiwati an der einen stelle das compositum badegewand einschieben, während sie an der anderen stelle (vgl. Steinmeyer-Sievers 1, 596) die alte zusammensetzung stehen lassen, vgl.: padagwant, padegwande, badegwant (zu 2 könige 5, 22) in handschriften des 12. jahrh. aus St. Emmeran, Benedictbeuren, Freising, St. Blasien, Rheinau und Weingarten, s. Steinmeyer-Sievers 1, 451. von hier aus dringt die glosse auch in Straszburger sammlungen ein (s. Steinmeyer-Sievers 4, 419. 4, 238) und wird im 13. jahrh. von zwei handschriften in das summarium Heinrici aufgenommen (Steinmeyer-Sievers 3, 221).
die bezeichnung als badegewand ist in dem zusammenhang, dem die lateinische wortverbindung entnommen ist, auffallend. Luther übersetzt in beiden fällen feierkleid (2 kön. 5, 22 und Esaias 3, 175). der gleiche begriff wird auch in einer stelle der biblischen dichtung dargeboten:

Joseph sinen brderen gebetemit sabeniner wate,
iegelicheme zwei padgwantso man si beʒʒest da vant. genesis, fundgruben 2, 71, 3, ebenso bei Diemer, Joseph 764.

für die erklärung der befremdenden parallele badegewand, feierkleid giebt schon die bedeutungsentwicklung der lateinischen form vestis mutatoria einen fingerzeig, die beide, so weit abstehende, vorstellungen in ihrem umfang vereinigt. der ausgangspunkt dieser entwicklung liegt in der vorstellung des wechsels, des vertauschens: unterkleider werdennamentlich nach dem bademit anderen vertauscht, damit sie gewaschen werden, wenn sie nach längerem gebrauche unsauber geworden sind; die feierkleider aber treten bei besonderen veranlassungen in gleicher weise an die stelle der alltagskleidung. für beide verwendungen des lateinischen wortes vgl. Ducange a. a. o.
die zweite dieser verwendungen ist der deutschen bildung durch die lateinische form aufgeprägt worden, von hause aus hat badegewand nur der ersten entsprochen. diese kommt am deutlichsten in einer späteren stelle zum ausdruck:

sus saʒ ich in dem bade alhie.
mîn kamerære dô von mir gie
in die herberge mîn zehant,
er wolt mir bringen mîn gewant.
U. v. Lichtenstein 729, 4;

in grôʒem zorne er mich lie.
mîn kamerære dô zuo mir gie
und brâht mir al mîn badgewant. 736, 3;

solhe unfuoge ich nie bekant.
nu reiche mir mîn badgewant:
ich wil alsô ungebat ûʒ gân. 738, 6.

aus allen diesen beispielen geht hervor, dasz das badegewand nicht während des bades, sondern nach dem bade angelegt wird;

[Bd. 6, Sp. 5238]


der letzte beleg aber zeigt, dasz es sich auch nicht um einen bademantel handelt, den man etwa wegen der wirkungen des bades anlegt. für diese letztere annahme läszt sich auch nicht das in der mittelhochd. periode vereinzelt gebrauchte wort badewat, badwat anführen (vgl. mhd. wb. 3, 777). vgl.:

daʒ er im den helm durchbrach
ob den ringen durch die batwât. Lanzelot 6433, vgl. anm.;

die helme sich muosten klieben
unz ûf die batwât. Rabenschlacht 700 u. a.

denn man darf hier nicht an eine kopfbinde denken, wie sie etwa die badenden getragen hätten, sondern musz mit Jacob Grimm (zeitschr. d. a. 1, 136) den gegensatz zu jeglicher kleidung in batwat verkörpert sehen, die nackte, blosze haut, hier die stirnhaut. nach alledem ist es notwendig, für badegewant die erklärung aus badewat auszuschlieszen; dagegen dürfen wir wol der thatsache bedeutung zumessen, dasz die ersten belege für gewand gerade an die verdeutschung von vestis mutatoria anknüpfen. es wird ja auch nicht bloszer zufall sein, dasz noch in anderen belegen gewand speziell im zusammenhang mit dem verb. wantalôn, wandeln, mutare angezogen wird, vgl. z. b. die variante der Trierer handschrift zu psalm 102, 27: also daʒ gewant solen sie alten unde alse ein dechesal solt du wandeln si, omnes sicut vestimentum veterescent et sicut opertorium mutabis eos.
b) dasz die ähnlichkeit des lautbildes von gewæte, wat und gewand den übergang der formen oft begünstigte, zeigt die nebenform ingewant zu ingewaide, ingewat (eingeweide), vgl. Lexer 1, 1434. doch genügt dieses moment allein noch nicht zur erklärung der varianten, mit denen jüngere handschriften das vordringende gewand an die stelle eines älteren gewæte setzen. vgl.:

ich brenge dir die tochter dîn.
wir môʒin aver einin kiel havin,
die maniger hande wondir trage,
golt unde steine,
waʒʒerperlîn kleine,
scarlachin unde pellen.
swer dâ koufen wolle,
daʒ wir des gôde stade hân.
seszich rîtâre lossam
die solin derinne verholne sîn.
die juncvrouwe, Constantîn,
bedrûgit die seltsêne wât,
daʒ sie lîchte in den kiel gât
unde schouwet mîn krâmgewant,
sô vôre wir si in daʒ dîn lant. könig Rother 3076

nach den besserungen der herausgeber; die Heidelberger handschrift hat want statt wat mit der sinnwidrigen änderung gan an der reimstelle;

ouch sante sî bî ir dan
vrischiu kleider, seit von gran
und cleine lînwât, zwei,
schuohe und hosen von sei. Iwein 3455

(linwæte Gieszener handschr.; lingewant Heidelberger handschr. nr. 397);

den armen wart er vil holt:
er gab in silber unde golt,
daʒ cuniclîch gewâte,
er was fruo und spâte. kaiserchronik 7966 Schröder

(in der Wolfenbüttler handschr. aus dem 14. jh. cuniclich gewant);

dô sprach er zuo der frouwen'sî dir liep daʒ kindelîn,
so behalt unz an sîn alterdaʒ toufgewæte sîn.
ich wil dir sagen, frouwe,swaʒ im dar von geschiht,
und sî dir liep daʒ kindel,sô vlius daʒ gewæte niht'. Wolfdietrich 28, deutsches heldenbuch 3, 84, variante taufgewante, gewant.

ebenso vgl. in § 101, 2 von Ruprechts Freisinger landrechtsbuch die variante chirchgwant der handschrift von 1328 gegen chirchwat in anderer handschrift. in einem beispiel aus dem Tristrant Eilharts v. Oberge lassen sich die varianten mit sicherheit landschaftlich gruppieren: die mitteldeutsche handschrift zeigt gewant, die sehr späte oberdeutsche (schwäbischen ursprungs aus 1461) wat:

dô der koning vor obir quam
der vrauwen kamergewant began
gân dar vor die warte.
E. v. Oberge Tristrant 6424 Lichtenstein

(nach D, in B: kamerwat).
c) die ursprüngliche verschiedenheit in bedeutung und verwendung kennzeichnet sich dadurch, dasz wat, gewæte zunächst der wiedergabe der begriffe vestimentum, vestitus, vestis dient, vgl. Graff 1, 740. mhd. wb. 3, 776b. Lexer 1, 979. 3, 703.
α) gieng thô in ther cuning ... inti gisah thar man ungiwâtitan brûtlouftlîhhemo giwâte, et vidit ibi hominem non vestitum veste nuptiali. Tatian 125, 11 (und er sach da einen man nit gevaʒʒt mit hochzeitleren gewant. cod. Tepl. Matth. 22, 11; und sahe alda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich

[Bd. 6, Sp. 5239]


kleid an. Luther); sliumo bringet thaʒ erira giwati inti giwatet inan inti gebet fingirin in sina hant inti giscuohiu in fuoʒi, proferte stolam primam et induite illum et date annulum in manum ejus et calciamenta in pedes. Tatian 97, 5 (bringt her schier daʒ erst gewant und vaʒʒt in. cod. Tepl. Lucas 15, 22; bringet das beste kleid erfür, und thut in an. Luther) u. a.
β) in charakteristischem gegensatz tritt wat hier zu der parallele pannus, tuch: nioman bleʒʒa niuwes duoches nawit altemo giwate, nemo assumentum pannis(!) rudis assuit vestimento veteri. Tatian 56, 7 (kein nimt daʒ stuck des newen tuchʒ und neet eʒ an daʒ alt gewant. cod. Tepl. Marc. 2, 21; niemand flicket einen lappen von newem tuch, an ein alt kleid. Luther).
γ) erst die mittelhochdeutsche zeit läszt eine erweiterung des gebrauches und des bedeutungsumfanges auch bei gewæte hervortreten:
1)) der umfassendere begriff der kleidung erweiterte sich zu dem der ausrüstung überhaupt. so tritt wat, gewæte bald in gegensatz zu wehr und waffen, bald begreift es auch diese in sich:

sî liten grôʒen unrât
an dem lîbe und an der wât.
eʒ wâren bî ir viure
under wîlen tiure
vleisch mitten vischen. Iwein 6214;

'sît du niht wil erwinden'sprach frou Siglint,
'sô hilf ich dir der reise,mîn einigeʒ kint,
mit der besten wætedie rîter ie getruoc,
dir unt dînen gesellen:ir sult ir füeren genuoc ...'
dô sâʒen schœne frouwennaht unde tac,
daʒ lüʒel ir deheiniuruowe gepflac,
unze man geworhtedie Sîfrides wât.
er wolde sîner reisehaben deheiner slahte rât.
sîn vater hieʒ im zierensîn rîterlich gewant,
dâ mit er wolde rûmendaʒ Sigmundes lant:
und ir vil liehten brünejedie wurden ouch bereit,
und ir veste helmenir schilde schœne unde breit. Nibelungen 64, 1 ff. u. a.;

der sturmküene recke,meister Hilprant,
weder schilt noch wâffentruoger an der hant ...
dô sprach der grimme Wolfhart'welt ir dar blôʒer gân,
sô mac eʒ ân ein scheltennimmer wol gestân ...
dô garte sich der wîsedurch des tumben rât.
ê daʒ ers inne wurde,dô wârn in ir wât
alle Dietrîches reckenunt truogen swert enhant,
dem helde was eʒ leide:vil gerne hêt erz erwant. 2185, 1 ff.

in dieser letzten richtung bewegt sich auch ein groszer theil der composita, die wât, gewæte entwickelt hat: îsenwât Lanzelot 8930. Parz. 75, 5 u. a., vgl. mhd. wb. 3, 776b. Lexer 1, 1458; sarwat Lamprechts Alexander 4122 u. a. vgl. mhd. wb. 3, 778a. Lexer 2, 610 (hier über 50 belege, namentlich aus spielmannspoesie und heldensage); hergewæte (vor allem in rechtsdenkmälern belegt) mhd. wb. 3, 778b. Lexer 1, 1256; dit gehöret dem heergeweth ... dat beste pferd gesadelt, ein furderwagen. all des doden mannes schapene gewand. gericht Lüdenscheid. vgl. J. Grimm deutsche rechtsalterthümer (1854) 573; vereinzelt wîcgewæte (könig Rother 875 in conjectur neben wîcgewant 2682. Rolandslied 5757 Bartsch); strîtgewæte (im Oswalt und bei Jeroschin) und kampfwât (bei Diemer 314, 5); wâpenwât (bei Jeroschin und im mhd. schachbuch), s. Lexer 3, 686. vgl. auch birsgewæte Nibelungen 893, 1.
2)) in anderer richtung wird durch verallgemeinerung der begriff der ausstattung entwickelt. die ursprüngliche vorstellung des stoffes (gewebtes und anderes zeug) bleibt hier als beherrschendes moment von einflusz und wird in den einzelnen compositis nur differenziert. das simplex kommt hier der parallele mit pannus entgegen:

dô hieʒ dar tragen diu wîse
samît von Ethnîse.
unversniten wât truoc man dâ mite,
pfelle von Tabronite
ûʒern lande ze Trîbalibôt.
an Kaukasas daʒ golt ist rôt,
dar ûʒ die heiden manege wât
wurkent, diu vil spæhe hât,
mit rehter art ûf sîden. Parz. 375, 1.

unter den einschlägigen compositis sind schon ahd. linwat (lintamen) und pettiwat (stratoria) belegt, vgl. Graff 1, 741, sie stehen auch im mittelpunkt der verwendung in der mittelhochdeutschen zeit, vgl. bettewât mhd. wb. 3, 777b. Lexer 1, 244; bettegewæte mhd. wb. 3, 778b. Lexer 1, 243; underwât (unterbett, im liederbuch der Hätzlerin); vederwat (federbett, bettzeug) mhd. wb. 3, 778a. Lexer 3, 40; vedergewæte Lexer 3, 38; lînwât mhd. wb. 3, 778a. Lexer 1, 1929.
3)) die übertragung setzt auch bei wat, gewæte früh ein: des meien wât, sîner tugende wât, der kirchen kranke wât, s. mhd. wb. 3, 777b. zu gewæte vgl. sp. 5254.
d) an gewant andererseits tritt als abgrenzender und kennzeichnender zug die bedeutung von zeug, stoff hervor, die an

[Bd. 6, Sp. 5240]


wat und gewæte nur kümmerlich entwickelt ist. die belege für diese bedeutung gehören allerdings nicht zu den frühesten zeugnissen für gewant, sie gewinnen aber an gewicht durch die stilform, der sie entnommen sind. sie stammen aus der rechts- und geschäftssprache des 14. und 15. jahrh. und spiegeln den urwüchsigen gebrauch des wortes unmittelbarer wieder als die an die poetische stilform gebundenen belege des 13. jahrh., die zudem wesentlich oberdeutschen ursprungs sind. dem mittel- und niederdeutschen gebiet gehörte gewand fast nur in der bedeutung von pannus an; für vestis drang hier kleid vor. so zeigen sich landschaftliche gegensätze, die vielleicht noch mehr beachtung beanspruchen, als ihnen in dieser darstellung geworden ist. vgl. auch sp. 5243 ff.
α) dafür, dasz mit gewant ein bestimmtes, durch seine eigenart von andern sich abhebendes gewebe bezeichnet würde, liegen keine anhaltspunkte vor. die verwendungen und verbindungen weisen vielmehr darauf hin, dasz die technik der weberei auf die benennung nicht von einflusz war.
1)) selten wird irgendwie auf die herstellung des stoffes bezug genommen: unde di flut werte me dan funf dage unde nachte uf unde abe ... unde di Lane vur Limpurg warf in die garten alle umbe unde umbe unde maniche rame mit gewande. Limburger chronik 64; were ouch sache, dat einich wiger off underkeuffer gewant machde (15. jahrh.). acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 663 Stein; vort so wat woellen nu vortan uss den vurs. verboeden landen kempt, die zo dem Coelschen gewainde verboeden iss zo vermachen, uss der woellen sullen die wiger und underkeuffer die beste woelle uisslesen, die zo deme Coelschen gewande guit were. (ende des 15. jahrh.) ebenda 664.
2)) die adjectivverbindungen ergeben meist nur unterscheidungen, die die herkunft oder die beschaffenheit (farbe, dichtheit, werth) des stoffes kennzeichnen: unde allerleie gewant mugen si wol sniden zu rechte undene als obene, ane drierleie gewant sullen di understen nicht sniden zu rechte, daʒ ist Ginthisch gewant unde Ipirsch unde Broslisch gewant, di daʒ sniden wollen, die sullen obene uf treten in di obirsten koufgaden. Freiberger stadtrecht 47, 2; vort so selen dieghiene, die Coeltz gewant z snede verkouffent, dat besegelt ende allewege behalden up dat leste ende, up dat man damede gein contrefeit mege driven. gesetze über den verkauf fremden gewandes (1341—60) acten zur verfassung der stadt Cöln 1, 64 Stein; ind ditz ze verstain van gewande van Brabant ind van Vlaenderen. vort van anderen gewande, wa dat gemaicht is, sal men nemen ... einen halven alden groissen. acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 25 Stein u. a.; daʒ gest dheinerlei gewant suln verchauffen hinder einem halben saim (saim, saem, sam, saum bezeichnung einer gewichtsmenge: was ein saumthier tragen kann; saum gewands = 22 stück tuch, s. u.) auszer dunnes gewant daʒ niht soumec ist, s. Westenrieder beitr. 6, 114; eʒ haben die gesworen gesetzet, daʒ gest oder auʒleut, swer die sein, hie in der stat ze Münichen chainerlai gewant süllen verchauffen hinder ainem halben saem, eʒ sey dann Hymperger, Arras, und alleʒ dünneʒ gewant, fuotertuoch, leineintuoch, Ulmer und allerlai tuoch, daʒ nicht saem ist, des mügen sie ain tuoch oder mer verchauffen, ob sie wellent, und chain gast sol hie chainerlai gewant versneiden und dann verchauffen. Münchener stadtrechtbuch von 1347 art. 324 Auer; geste di up deme kophuse stan met schonen gewande, geven islike von der stede 1 schilling. Berliner stadtbuch 15; von dem gten gewande ... von dem grawen, unde wissen hie gemachtem gewande. Straszburger kaufhausordn. von 1401 bei Schmoller s. 21a (Eheberg 1, 5); uf allem gebirge, daʒ in di stat gehort, sal niemant kein gewant veile sniden ane gra gewant. Freiberger stadtrecht 47, 2 Ermisch; das gra gewant Nürnberger polizeiordn. 162, s. unten sp. 5242; ausgenummen grobes, gewant oder welcherlei forb daʒ sei, das im lande gemachet ist zu Peheim, und allerlai Polanisch gewant. Altprager stadtrecht (statutarrecht 58) 39 Röszler; ouch sullent si haben daʒ îsen dâ mit man pfehten sol unde meʒʒen die ellen ... stab ze einvarwem gewande. stadtrecht von Meran 17, z. d. a. 6, 427; in den gademen uf dem koufhouse, do daʒ geferwete gewant billich ston sol. Straszburger kaufhausordn. von 1401; auch namen di vurgenanten denzer, so manne so frauwen, sich ane, daʒ si kein rot gewant mochten gesehen. Limburger chronik 64; item in demselben jar warf de stat zu Nuremberg 7 kleinat auf wol bei on 2 : 50 guld. wert: ein ochsen, ein pferd [verdeckt mit rotem gewant] ein silbrein pecher. d. städtechron. 1, 388 (1434

[Bd. 6, Sp. 5241]


Nürnberg); in den iersten so we mit vremden gewande, id si dicke of dnne, bissen Colne vert z marte, dat he die stucke of die gantze doiche, die iem blivent van alsulchem vremden gewande, niet wieder in die stat van Colne ... brengen en sal. statut über das verhalten der bürger (1341—51) acten zur verfassung der stadt Cöln 1, 64, ebenso 2, 118; vort so en sal nieman, he wone binnen der stat of darbuissen, eghein gewant, dat buissen der stat van Colne gemaicht were, id si dicke of dnne, egeinre wis gelden, zu snede zu vercouffen binnen der stat van Colne. 1, 64; eʒ ist auch gesetzet, daʒ kain mentler niht mache wandelbar gewant, ern habe eʒ so früntgebe gemachet als er durch reht sol. Nürnberger polizeiordn. 161; auch han wir die gewonheid das niman uff geferwit garn adir uff geferwete wollen adir uff unbereid gewand lihen adir gebin ensal. gewohnheiten der handwerker zu Frankfurt (1355) bei Böhmer cod. dipl. Mönofrancofurtanus 635.
β) viel mehr treten die mit dem transport und dem verkauf der waare verknüpften einzelheiten in den vordergrund der verbindungen.
1)) daʒ daʒselbe gewant us den ballen geslagen werde und in den gademen verkôft. Straszburger kaufhausordn. von 1401 bei Schmoller s. 21b, vgl.gewantballen ebenda (21a) u. a.; anno 70 feria 2 et crastina Martini henk man ein zu Geilnhusen genant Conzgin Schatze ein metzeler, der hatte in siner jogent einen ballen mit gewande ufgesnitten und etlich gewant darausz genommen. B. Rorbach liber gestorum Frankfurter chron. 1, 197; item sall men van iederem pack gewandtz, dat durch Coellne gheit ind ein tzeichen van dem assijssemeister hoilen mois, der stadt geven 3 s. accise v. gewand (1487) acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 630 Stein; ok sal men nemen ... von eme pak gewandes oder von eme stucke gewandes beslagen 16 den. Berliner stadtbuch 13; 22 tch ist ain sam gwantz, 24 elen machen ain tch, 45 parchant ist ain fardel, 18 elen ist ain parchant. quelle des 15. jahrh. bei Schmeller 12, 582; item einer kaufft 1 saum gewantz z Köllen ie ein tch für 9 fl. rechenbuch aus dem anfang des 16. jahrh. 64a. vgl. theil 8, sp. 1909.
2)) wir — sollen geben zu Frankford — uf di missen — von deme wagen dee geladen ist mit gewande vier turnose zu geleitzgelde — und uszwendig den missen von deme wagen — ie von deme doche zwene iunge haller — warwert wir — mit unserm gewande durch sin lant faren. vergl. d. stadt Limburg ... über das geleit (1357) bei Arnold beitr. zu den deutschen glossarien 47; von einem wagen mit gewant oder mit kaufmanschaft 12 haller ... und von einem karren, der gewant oder kaufmanschaft tregt, der gibt 6 haller. Nürnberger polizeiordn. 125; item in der selben zit zu halpvasten da solden die Niderlenschen kauflude mit irme gewande uf faren in die misse zu Frankenfurt. Limburger chronik 62; item ein jar darnach ... solden di meister des wollenhantwerkes zu Limpurg uf di misse gen Frankenfurt faren mit ir gewanden. 55.
3)) erköufer die mit dem gewande umbegont. Straszburger kaufhausordn. von 1401 bei Schmoller s. 21b u. a.; steit ok ennich gast met gewande und wil des nicht sniden, so mennich gewand he vorkoppet, von isliken vorkoften gewande gelt he twe pennige. Berliner stadtbuch 15; alle ... kouflüte, die gewant veil habent. Straszburger kaufhausordnung von 1477 bei Schmoller s. 91 u. a.; desgleichen gewand der soll man auch keins feill habenn es saei dann genetz und geschornn. Dreytwein esslingische chronik 69 Diehl.
4)) ist, daʒ ein man gewant gibit zu snidene einem schroter unde intphurt he iʒ im ... daʒ sullen di meistere unde di gewerken zu rechte gelden. Freiberger stadtrecht 47, 2, ebenso 45, 4; di kouflute, di gewant sniden under deme koufhuse, di haben ouch eine innunge in dem koufhuse unde anders nirgen unde also, daʒ nimant kein gewant veile sniden sal denne in der burger koufhuse zu Vriberc. 47, 1 u. a.; ein burger, der gerichte unde voiteie hat in uwir stat, mag wol gewand sniden unde bier schencken unde ander narunge triben. Magdeburger fragen 1, 2, 7, ähnlich 1, 2, 8; vort so en sal man gein vremde gewant an gantzen doichen of an stucken doichen in die zwei huis Orsburch ind Kriechmart of in einich ander huis, da man Coltz gewant mit offenen vinsteren snijdt, setzen noch dainne behalden mit eincher behentgeit. (1341—60) acten zur verfassung der stadt Cöln 1, 64 Stein; auch sei wir zu rat worden von der gewansneider wegen under sneider: das kain snaider, der hantwerk treiwen wil, der schol kainerlai gewant nicht schneiden. Altprager stadtrecht (statutarrecht 58) 39 Röszler;

[Bd. 6, Sp. 5242]


dar inne mac ain man innerhalben deʒ gademes haben veile sachen, swelher hande er wil, unde ausserhalb nicht, ane die gewant sneident von hant, die mügen ir gewant wol für her auf die penke setzen für ir gadem. Nürnberger polizeiordn. 154.
5)) von gegebenem gewande eime snider. gebit ein man sin gewant eime snider tzu machine ... her sal is im bewaren. das alte kulmische recht 5, 3, ebenso 5, 4.
γ) in den eben beigebrachten belegen hat sich eine enge berührung zwischen den bedeutungen von gewand und tuch ergeben, in einzelnen fällen ist der gebrauch geradezu identisch. meist aber machen sich doch unterschiede in der bedeutung geltend, indem gewand als der weitere, tuch als der engere begriff erscheint. dieser gegensatz ist vereinzelt an eine verschiedenheit der webertechnik gebunden, tritt aber in der mehrzahl der fälle ohne dieses moment auf.
1)) identischer gebrauch: wer ein dch köfft, wo oder an welhen stetten daʒ ist, es sie verre oder nohe, oder daran er tail oder gemein het, der sol es verungelten, als vorgeschriben stat; brehte aber er daʒ gewant mit her in unser stat zu Strassburg und füre es uswendig für, so sol er aber daʒ ungelt davon geben. Straszburger kaufhausordn. (1401) bei Eheberg 1, 5; were ouch sache, das iemans uf dise ordenunge gewand inkoufte, sollichs mit der elen in diser stat wider z verkoufen und uszusniden ... der sol und mag das bringen für die drie manne ... und wo dann erfunden wurt, das das tche anders ist, dann es von reht sin sol, darumb söllent dieselben drie dem köufer ... ein versigelten schin und urkünde geben. Straszburger stadtordn. von 1496 bei Schmoller s. 99.
2)) technische unterschiede treten namentlich in der zusammenstellung der beiden nomina zu tage: vort soilen arnsdoich, mutzen, beveren hoete ... kirsdoich ind gewantdoich, dat hiebinnen gantz verkouft wirt ... allit gelden van 100 marck 1 marck. acten zur verfassung der stadt Cöln (neue accise von 1399) 2, 93 Stein [klrsey, grobes wollenzeug].
3)) engerer und weiterer begriff schlechthin: wer der ist, der gewant in dem koufhuse koufet ... der sol den zol von ieglichem dch von beiden henden geben. Straszburger kaufhausordn. von 1477 bei Schmoller s. 82 u. a.; der gewant harbringet ... was dch er do nit verkôfet. ebenda 77 (kaufhausordn. von 1461). dem entsprechen auch unterschiede im syntaktischen gebrauch. gewand ist hier durchaus singularetantum, während tuch häufiger in den plural gesetzt ist. andererseits wird gewand ohne artikel eingeführt oder mit dem generalisierenden demonstrativ, während tuch, wo es im singular erscheint, das indefinitum und ähnliche formen anzieht: item der czol vom gewande und wie uf Bartholomei und uf Hedwigis ist halb des closters und halb der försten. schöppenbuch des kreisgerichts zu Trebnitz (1410) cod. dipl. Silesiae 4, 253; des mügen sie ain tuoch oder mer verchauffen, ob sie wellent, und chain gast sol hie chainerlai gewant versneiden und dann verchauffen; eʒ mag ain purger wol ain tuoch chauffen von den gesten, daʒ er im selben oder seiner hausfrauen und sein chinden wil ansneiden oder seinen freunten mit im ze gemain lan. Münchener stadtrecht (1, 324) 125 ff. Auer; von dem growen unde wissen hie gemahtem gewande. wer hie gemaht dch kft, sie siint wis oder growe wifelinge oder berwer ... der git von iedem tche 6 . Straszburger kaufhausordn. von 1401 bei Schmoller s. 21a; es sint auch mastere gesetzet über das gra gewant in sent Seboldes pfarre und in sende Laurencien pfarre. die habent darüber gesworn ze den heligen, daʒ si suln bewarn, daʒ man die grawen tuch würck in der braite und in der dicke walke als vor zwaintzig jaren. Nürnberger polizeiordn. 162; die gesvoren strigere selen sweren zu den heiligen, die doiche reicht ze strichen ... ind si soelen nemen van deme gantzen scharlachen einen halven gulden, van deme langen doiche zwene alde groissen ind van deme kurten einen alden groissen. item van deme striveden scharlachen 2 alde groissen ind ditz ze verstain van gewande van Brabant ind van Vlaenderen. vort van anderen gewande, wo dat gemaicht is, sal men nemen van eime doiche, dat beneden 20 gulden gegolden wirt, einen halven alden groissen. eid. d. geschworenen streicher (1350—60) acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 25 Stein; von dem gten gewande. wêr ein tch von Mechel koft oder verkft. Straszburger kaufhausordn. von 1401 bei Schmoller s. 21a.
4)) aus späterer zeit ist dieser gegensatz in scharfer ausprägung belegt: de bant (wand) tûch, ein stück leinwand von einem gewissen masze. Schmeller 22, 9401.
δ) gegen leinwand (linwat) ist gewand in diesem sprachgebrauch

[Bd. 6, Sp. 5243]


deutlich und bestimmt abgegrenzt: vort wiert sache, dat einich burger of wirt einicher kunne guet verkoufte in sime huise off liesse verkouiffen, die gilt 18 marck zo boessen, id si gewant off lynwait off so wat zo dieme kouifhuisse gehoirt unden ind oiven. ordinancien vom kaufhause (1370—90) acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 47 Stein; ist es aber, das sie ballen in Lamperten über berg füren mit gewand, rein linwot, arras, hosen, birrotel und desglichen. Straszburger kaufhausordn. von 1477 bei Schmoller s. 86. vgl.: Arras und alleʒ dünneʒ gewant, fuotertuoch, leinintuoch. Münchener stadtrecht 324 Auer.
ε) dagegen erweitert sich der bedeutungsumfang in der traditionellen zusammenstellung mit anderen collectivbegriffen: di burger in Vriberc mugen koufen mit lotigem silbere alliʒ, daʒ si wollen, gewant, bli, win, ros. Freiberger stadtrecht 6, 16; item gewant ind alle andere koufmanschaf sal man niemen van deme wane viere junge haller tzo tolle. ordinancie v. zoll- und weggeld (1370—90) acten zur verfassung der stadt Cöln 2, 55 Stein; in dem iersten dat eine wane sal gelden 3 wijsse pennincge, de last hait geladen van wijne, van wollen, van gewaende off van gude van gewichte. verpachtung des stadtpfennigs (1390) ebenda 71.
e) dem entgegen wird gewand in der sprache der poesie durch die bedeutungen gekennzeichnet, die sich an wat, gewæte als maszgebend erwiesen haben, in ihnen liegt auch der ausgangspunkt für die neuhochdeutsche verwendung von gewand. unabhängig von dieser beeinflussung durch gewæte lassen sich nicht viele gebrauchsformen des wortes hier belegen, am ehesten einige composita, vielleicht auch einige vereinzelte zeugnisse für das simplex. die belege für die bedeutungsgemeinschaft mit gewæte führen weit zurück: die genesis und das Rolandslied sind nach allen richtungen ergiebig, während andere wie der könig Rother nicht ganz sichere beispiele bieten. im Nibelungenlied sind beide substantiva concurrenzformen, die mehr vom reim und versmasz als von bestimmten festen verbindungen abgestoszen oder angezogen werden; bei Hartmann v. Aue und ebenso bei Wolfram läszt sich im reimgebrauch ein allmähliches zurücktreten des substantivs wat beobachten. vgl. Zwierzina beobachtungen zum reimgebrauch Hartmanns und Wolframs, vgl. Panzer zeitschr. d. phil. 33, 130.
α) verwendungen, die dem kreise von wat, gewæte unabhängig gegenüber stehen.
1)) unter den gebrauchsformen des einfachen wortes sind mehrere, die sich nicht unmittelbar an verwendungen von wat, gewæte anlehnen; einige von diesen lassen sich mit gröszerer oder geringerer wahrscheinlichkeit mittelbar darauf zurückführen.
a))

eines tages wart eʒ gewar.
do eʒ seines gebetes phlac.
daʒ stoub f dem bilde lac.
do nam eʒ schoneʒ gewant.
unt wischet eʒ harte leise. Jüdel 130, 24 Hahn;

ein gast, den hât mir got gesant.
... ... wâ ist er?
dort, man snîdet im gewant.
R. v. Ems d. gute Gerhard 4195.


b))

er vaʒʒot sin olbenten mit allem gewante,
f sm saʒʒete er wip unde chint. genesis 61, 4 Diemer (Wiener handschr.: mit sinen gwanten fundgruben 2, 45, 24);

mit wibe ich mit gwande
fr er ze Egipte lande. fundgruben 2, 30, 5.


c))

sinem vater er sandeschaz mit gewande,
zehen esel er ladetemit allem des er habete. genesis 100, 7 Diemer, vgl. fundgruben (Wiener handschr.) 2, 77, 7;

Rachel unde Liedie sprachen beide
sine wielten niuhtesir vater gtes,
gewandes noch schaʒʒesnoch deheiner slahte nutʒʒes. 60, 23 (erbes unde scatzes fundgruben 2, 45, 19);

dô sie daʒ vingerlîn gesach,
dô lîʒ sie man unde lant,
beide schaz unde gewant
und alliʒ daʒ sie î gewan.
Eilhard v. Oberge Tristrant 9328 Lichtenstein;

he gaf met williger hant
skat, ros end gewant,
Êvander der rîke.
Veldeke Eneide 6286 Behaghel;

er machte eine wirtschaft
sînen liuten mit grôʒer kraft.
er gap in schatz und gewant. herzog Ernst 4895 Bartsch;

vil manic soumære müelîche truoc,
daʒ ir hovegesinde brâhte von dem lande.
der gienc bî ir tûsent geladen mit schatze unde mit gewande. Kudrun 12, 4;

die gleiche formel in 132, 4. 422, 4;

[Bd. 6, Sp. 5244]


dô wart der vogt von Rînedâ von vil ungemuot,
daʒ si versprechen woltensô rîches küniges guot:
dô muosten si enphâhensîn golt und sîn gewant,
daʒ si mit in fuortensît in Etzelen lant. Nibel. 1430, 3 Lachmann;

gang als in des hordes gaden,
dâ der schaz inne lît,
unt trag' her ûʒ in der zît
gewant, silber unde swert. der Busant 283, s.
v. d. Hagen gesamtabenteuer 1, 345.


d))

dô hieʒ sîn vater Sigemuntkünden sînen man,
er wolde hôchgezîtemit lieben friunden hân.
diu mære man dô fuortein ander künege lant.
den fremden unde den kundengap er ros unde gewant. Nibel. 28, 4 Lachmann,

ebenso 1414, 2. 264, 4. ebenso Kudrun 350 Symons. vgl. 1902, 3 sô heiʒ ich dir geben ... von rossen und von kleidern alleʒ daʒ du wil; vgl. Grimm schenken und geben 189 ff.;

'wâ sint die vriunde mîn,
die durch mîne liebe wellentellende sîn?
die suln mit mir rîtenin der Hiunen lant:
die nemen schatz mînenund koufen ros unt ouch gewant.' Nibel. 1222, 4 Lachmann;

und alleʒ iwer gesinde.swaʒ ir in daʒ lant
habt mit iu gefüeret,ross und ouch gewant,
dem shaffe ich sölhe huotedaʒ sîn niht wirt verlorn. 1598, 6 (ross silber unt gewant C);

die dâ von vremeden erbenkômen zuo dem lande,
der wâren tûsent helde.die zierde er wol mit rosso und mit gewande. Kudrun 175, 4 Symons;

man sach dar hoven wider strit
manigen dorch der minnen gelt
de geziemeret uf datz velt
quamen utz manigen richen
de dar mildichlichen
gaven ros und gewant.
Berthold v. Holle, Crane 365, zeitschr. f. d. alt. 1, 88;

kein ander underscheide
an ir bilden wart erkant
wan daʒ ir pfert und ir gewant
ein ander wâren ungelîch.
Konrad v. Würzburg Engelhard 460;

nu gie Jovinianus doch auʒ dem waʒʒer und vant weder gewant noch ros ... ich ge z im. der gibt mir gewant und ein ander ros. gesta Romanorum 55 Keller.
e))

dô nâhte in ir reiseze den Burgonden dan.
umb si begunde sorgenwîp unde man,
ob si immer komen soldenheim wider in ir lant.
die helde in hieʒen soumenbeide wâfen und gewant. Nibel. 68, 4 Lachmann.


f))

dô hieʒ man den gestentragen ûf den sant
in dem vride Hagenenir spîse und ir gewant,
daʒ si dâ ruowen soltenze vierzehen tagen.
die stolzen pilgerînemuosten im des gnâde sagen. Kudrun 160, 2 Symons;

her gebot einen kamereren,
die truric dar kmen weren,
daʒ man in gewant unde spise gebe. Trierer Sylvester 114 u. a., vgl. sp. 5249.


2)) unter den zusammensetzungen mit gewand nehmen diejenigen unsere aufmerksamkeit in anspruch, die sich der verbindung mit wat, gewæte ganz entziehen oder erst nachträglich erschlieszen.
a)) voran steht kramgewant, das unmittelbar auf die verwendungen zurückführt, die sich uns als die ursprünglichen beim grundwort ergeben haben:

unde schouwet mîn krâmgewant,
sô vore wir si in daʒ dîn lant. könig Rother 3077;

lasz mir also bereiden,
als ich dich will bescheiden,
einen krame vil richen ...
eme wart ein kavin, als er hatte gereit,
von hentschuwen und kramgewant,
damidde er fur in dem land.
Morolff der verstalte sich
mit gewande wonderlich. Salman u. Morolf 2, 1723 bei v. d. Hagen;

nu hœret von Obîen sagn.
diu bôt ir haʒʒes genuoc
Gâwân, dern âne schulde truoc:
sî wolt im werben schande.
einen garzûn si sande
hin ze Gâwân, dâ der saʒ:
si sprach 'nu vrâge in fürbaʒ
ob diu ors veile sîn,
und ob in sînen soumschrîn
lige inder werdeʒ krâmgewant.
wir frowen koufenz al zehant.' Parzival 360, 15, ebenso 563, 12. 616, 16. 623, 25.

[Bd. 6, Sp. 5245]


vgl. dazu die belege aus der rechts-sprache: die cremer haben ouch eine innunge, also daʒ nimant kein cramgewant noch kramerie veile sal haben in Vriberc, he gewinne alrest ir innunge mit drizik schillingen. Freiberger stadtrecht 250 (cap. 47, 1), ähnlich Münchener stadtrecht (7, 98) 290 Auer. Altprager stadtrecht (statutarrecht 58) 38 Röszler; daʒ ist deu maut datz Zwiseln ... von dem saum swaʒ ein ros treit, eʒ sei wachs, smer, swein oder gewant 4 pfenn. von dem saum, eʒ sei leinein oder wollein oder hæut, pfeffer oder chramgewant, swaʒ trukhen ist, geit man 12 pfenn. (urbarum Baiuvariae inferioris) monum. Boica 36, 457; es sol auch niemant mit tälern noch mit kromgewant vor der kirchen sten; doch mugen die tellrer ir krömgewant am hals tragen am marckt und anderthalben in der stat und nit vor der kirchen. aus Münchener handschr. bei Schmeller 22, 941. die verbindung mit wat ist hier erst spät und nur aus dem renner belegt, vgl. kramwât Hugo v. Trimberg renner 16689.
b)) nicht so geklärt ist das verhältnis der concurrenzformen in den verbindungen wîcgewant, sturmgewant u. a.
sturmgewant steht allerdings nur mit sturm gezouwe, sturm geziuc in wettbewerb; sturmgewæte ist nur in varianten belegt: ir liehteʒ sturmgewæte daʒ slouften sî dô an. Ortnit 381, 1 (andere lesart sturm gewante). aber die bildung läszt sich überhaupt erst in den jüngeren gedichten der heldensage nachweisen:

dô sprach der Lampartemir ist ein troum bekant.
vil lieber kamerære,nu brinc mir mîn sturmgewant. Ortnit 73, 2,

ebenso 550, 1. Alpharts tod 121, 3. Wolfdietrich 436. Lorengel 174, 4 (zeitschr. f. d. alt. 15, 214). Sigenot 109. Schade u. a.;

sî nâmen vil der rosse und ander sturmgewant. Ortnit 479, 1;

ir sult dar an gedenken,ir helde, sît gemant,
ich wil deheinen füeren,od er habe sturmgewant,
er sî ouch ein edel ritteroder ritters genôʒ;
mir envolgt deheiner,ist im ein vinger blôʒ. 45, 2, deutsches heldenbuch 3, 9, ebenso Wolfdietrich 318, 2.


früher bezeugt ist dagegen wîcgewant, und diesem steht wiederum wîcgewæte zur seite:

sowar die hêrren hinin rietin,
dê riesin liefen alliʒ mite
in ere wîchgewête. könig Rother 875,

vgl. auch die conjectur Rückerts 1002: wîcgewête für wîcgewere;

die helde uf sprungen
daʒ gotes lop si sungen.
si sluffen in wiges gewate. Rolandslied 204, 25 Grimm.

dagegen ist gewant durch den reim gesichert in einer anderen stelle des könig Rother:

dô wâfende sich Aspriân,
unde zwelf rîtâr lossam
sluffen in er wîcgewant.
in was zô deme storme harte lieb. 2682.

dazu vgl.:

ê daʒ mans vollen gerte, man sach wol gewâfent stân
den snellen videlære.den helm er ûf gebant:
in hêrlîcher varwewas sîn wîcgewant:
er bant ouch zeime schafteein zeichen daʒ was rôt. Nibel. 1535, 2 Lachmann, ebenso 2254, 2;

dô sprach Wate der wîse:'sô traget ûʒ ûf den sant
schilt unde wâpenund iuwer wîcgewant.
tuot iuch selbe unmüeʒic,die knehte heiʒet dienen.
diu ros sol man baneken.ir heiʒet halsperge und helme riemen.
ob iuwer etelîchemdaʒ kleit niht rehte stât,
daʒ zuo dem wâpen gehœret,sô habet des mînen rât;
eʒ hât mîn vrou Hildevünf hundert brünne
mit uns her gesendet;die geben wir der guoten ritter künne. Kudrun 1146, 2 Symons, ebenso 1376, 2; vgl. auch Biterolf 109, ebenso 2245. 6586. 8519.

mit strît sind neben strîtgewant auch die verbindungen strîtgewæte und strîtkleit belegt (vgl. auch strîtlîch gewant Nibel. 831, 4):

dâ von dî schrift sus sagit,
daʒ Saul Dâvîd an tête
vil gar sîn strîtgewête,
und einen helm êrîn
sturzt er ûf daʒ houbt sîn.
N. v. Jeroschin 2979;

des erschrâken die heiden alle sêr,
in wart von den betten ger.
grôʒiu nôt wart in bekant,
sie leiten an ir strîtgewant. Oswalds leben 2114 Ettmüller;

sie zugen abe ir strîtgewant
und vielen kriuʒwîs ûf daʒ lant. 1713, ebenso 1158, 1704;

[Bd. 6, Sp. 5246]



dô swang er abe die kotten, und lieʒ sie vallen an das gras.
sô rehte wünnenclîche der monich gewâpent was.
was tragent ir under den hosen? sprach er Hiltebrant.
das tuon ich, lieber bruoder, mîn alteʒ strîtgewant. d. rosengarten 570 W. Grimm, ebenss Lauria 1761 Schade.

mit kampf ist nur kampfwat belegt Diemer 314, 5; ebenso steht dem oben besprochenen hergewæte keine verbindung mit gewant zur seite. îsenwât (vereinzelt îsenkleit) andererseits hält den belegen für îsengewant die wage (vgl. mhd. wb. 3, 777b, 664a. Lexer 1, 1458, 1457, 1456):

dâ liefen unde giengen
manc werder man in îsenwât:
den wart dâ gâlûnt ir brât
mit treten und mit kiulen.
Wolfram Parz. 75, 5 u. a.;

nu brinc mir her vil balde
mîn ros, mîn îsengwant.
wan ich muoʒ einer frouwen
rûmen diu lant.
Kürenberg minnes. frühl. 9, 30;

vil schiere brâhter ime nâ
sîn ros und sîn îsengwant.
Hartmann v. Aue Iwein 965.

ebenso Erec 9255. 2409. Wirnt v. Gravenberg Wigalois 5496. H. v. d. Türlin krone 15115. Eraclius 5096 Gräf. Neidhart v. Reuenthal 54a, 76 Keinz:

dô wâpnt er sich verholne
unde truoc verstolne
under der wât sîn îsengwant.
Hartmann v. Aue Erec 3065;

eʒ ensol auch nieman furbaʒ auf unser tœidinch fürn armbrost, sper, ... verborgen hüt noch dehein eisengwant (1285). monum. Wittelsbacensia 153.
stahelwat erscheint in varianten des Wolfdietrich neben stahelgewant, daneben ist auch stahelkleit belegt, vgl. Lexer 2, 1129. dazu vgl.:

er fuorte ein stehelîn gewant,
daʒ lûter als ein spiegel schein.
Konrad v. Würzburg turnei von Nantheiz 426; ebenso Trojanerkrieg 2672 Keller;

Hector der hete an sich getân
von stahelringen ein gewant:
daʒ beste, daʒ ie wart erkant
über al des landes creiʒ. 3705.

in diesen verbindungen entfalten beide concurrenzformen sowol die collectivbedeutung ausrüstung als auch die individualisierende von kleidungsstück, ohne dasz sich jeweils feststellen liesze, ob gewand durch gewæte in diese verbindungen und verwendungen gezogen wurde oder umgekehrt. manche lassen sich aus der selbständigen entwickelung beider worte zugleich erklären, und in solcher berührung liegt vielleicht der ausgangspunkt des ganzen prozesses der verdrängung von gewæte durch gewand.
3)) das gleiche gilt auch für die folgenden im zusammenhang mit den letzten compositis stehenden verbindungen, die ebenfalls zumeist dem worte gewand vorbehalten sind:

dô gab er Gunthêren,dem helde lobelîch,
daʒ wol truoc mit êrender edel künic rîch,
swie selten er gâbe enphienge,ein wâfenlich gewant. Nibel. 1634, 3 Lachmann;

ir kiele sê dô stêʒen
in daʒ frümede lant.
sie trôgen rîterlîch gewant
alle gelîche,
sie vôren vermeʒʒelîche. könig Rother 203;

sîn vater hieʒ im zierensîn rîterlich gewant,
dâ mit er wolde rûmendaʒ Sigmundes lant:
und ir vil liehten brünejedie wurden ouch bereit,
und ir veste helmen,ir schilde schœne unde breit. Nibel. 67, 1 Lachmann;

daʒ swert ist ain riterlich gewant.
iʒ zimet wol in iwer hant. Rolandslied 3598 Grimm (variante A: want);

dô schuʒʒen si die gêremit krefte von der hant
durh die vesten schilteûf liehteʒ ir gewant,
daʒ die gêrstangenhôhe dræten dran. Nibel. 1975, 3, ebenso 432, 6. 435, 4;

dô nam der herre Dietrichselbe sîn gewant;
im half, daʒ er sich wâfent,der alte Hildebrant. d. Nibelunge not 2261, 1 Lachmann;

'wir solden ungevangenwol rûmen diʒe lant',
sprach sîn bruoder Hagene,'het wir daʒ gewant
der wir ze nôt bedurfen,und diu swert vil guot,
sô wurde wol gesenftetder schœnen frouwen übermuot'. 422, 2, ebenso 423, 3.


β) verwendungen, die sich an die gebrauchsformen von wat, gewæte anschlieszen lassen.
1)) innerhalb der composition.
a)) die umfassendere bedeutung von wat, gewæte tritt in einzelnen verbindungen wie linwat, bettewat deutlich hervor, sie

[Bd. 6, Sp. 5247]


erweitert sich in einer wortverbindung wie sateles gewæte (Parz. 530, 30) zu dem allgemeinsten begriff von ausrüstung.
für linwat ist schon oben aus dem variantenapparat zu Iwein 3455 die lesart lingewant beigebracht worden. aus der früheren zeit läszt sich nur lînwat oder linin gewant belegen. die form lingewant gehört der übergangszeit an und taucht auch in der rechtssprache erst später auf: noch ist manchir hande kleinote. das dortzu gehoret (zu den gerätschaften, die die frau erbt). alleine en benumete ich is sunderlichen nicht. alse borsten, scheren, spigele und alle lingewant ungesneten. d. alte kulmische recht 4, 50 Leman; swenne ain frowe oder man ain tohter hin ze manne gibt, der schol man me niht geben leingewandes denne ain rockelein und ain mursnitz und hemde swie vil man wil. Nürnberger polizeiordn. 60 Baader.
zu bettgewand vgl.:

ich wil iu kurzlîchen sagen,
des rîches frouwe wart getragen
in des alten wîbes hus zehant.
man legte ir bettegewant
ûf die erden zuo der gluot. Eraclius 3962 (3740) Gräf;

got den tûvelen vorhînc,
daʒ si mit sam dem bet in ûf
hôge vûrtin in dî luf ...
daʒ er begonde schrîen
nâch hulfe an Marîen ...
zuhant der tûvil in vallin lîʒ
unvorsêrit in ein brûch, —
want sîn Marîe hatte rûch ...
... want al daʒ bettegewant
man noch dort in dem brûche vant.
N. v. Jeroschin 26040.

vgl. lectisternium bettegewant in den späteren vocabularien. in den gleichen bedeutungszusammenhang gehörte auch kistengewand (lintea cistalia, quae cista clauduntur): alliʒ dacz czu hergewete und czu kistengewende gehorit. urk. von 1403 bei Haltaus 1091.
b)) dem entgegen prägt sich der engste begriff in den verbindungen aus, die die bekleidung eines einzelnen körpertheils näher kennzeichnen. vgl. ahd. ahsalgiwati, peinkiwati Graff 1, 741 ff., mhd. beinwat, niderwat u. a.:

ir hüete unde ir beingewant
daʒ stuont wol nâch ir rehte.
die selben gotes knehte
die truogen an ir schenkelen
lînhosen, die obe ir enkelen
wol einer hende erwunden,
nâh an ir bein gebunden.
Gottfried v. Straszburg Tristan 2636;

so kument mine vriunt, bringent min kampfes wat;
min bein gewant daʒ sint zwen' sek niht wol genat,
min wapen rok ein linin tuoch von kranker tat.
Regenboge, s.
v. d. Hagen minnes. 3, 346a; ebenso Laurin 181 Müllenhoff;

beingewant bei Königshofen 137 Schilter; painwappen oder paingewande, crurarele. vocab. von 1482. vgl. Lexer 1, 160. vgl. armwâpen:

der abbet unt der münich gie
zuo einem fiure an ir gemach.
alsô schiere daʒ geschach,
man zôch in abe sâ zehant
ir schuohe unde ir obergewant. der mönch und die gänslein 68, zeitschr. f. d. alt. 8, 98;

wenn ouch ain frow von tod abgät, so sol ainem bischoff ze val werden das best bett ... und ainem keller das best ober gewand und under gewand, als si an hochzitlichen tagen ze kilchen gät, iettweder gewand ains. öfnung v. Laufen bei Grimm weisth. 1, 6;

und künt ich uch betüten
so sprach ich das der wurfel wer
ein dieb und ein rober
wann er sezt mangen in sin nider gewant
so tut er aim ain ander schant
er fromt mangen erstochen
der würfel hat zerbrochen. der würfel 25, liedersaal 3, 231;

dri junckfrowen spunnen garn
zuo aineʒ müncheʒ nider gewant. spruchgedicht 113, ebenda 564;

und zoch sich in herren Cünen hus uʒ untz in sîn nider gewand, und in sin hemede. urkundenbuch d. stadt Freiburg i. B. 2, 63 Schreiber;

Gâwân die wunden verbant,
mit der frouwen houbtgewant. Parz. 507, 22;

diu manheit sprach 'ich wil den zagen
von mir in einen weber jagen
der sitzet stæte ân schamgewant;
dâ bî sîn zageheit ist erkant. Seifried Helbling 7, 793, s. zeitschr. f. d. alt. 4, 151.

[Bd. 6, Sp. 5248]


dazu vgl. die zusammenfassende bedeutung leibsgewand: von des leibes gewandt Wiener arzneihandschr. bei J. Haupt (Wiener sitz.-ber. 71) s. 456.
c)) die gliederung nach schnitt und form wird auch durch andere verbindungen erzielt, vgl.: stirbt ain gotzhus man ... aines herren amptman werdent die besten hosen, kapp und gürtelgewand. öfnung v. Wiesendangen (1473) bei Grimm weisth. 1, 140. ebenso vgl. 1, 106. 4, 408 u. a. s. sp. 5255. namentlich gehören hieher zusammensetzungen, die den anlasz kennzeichnen, bei dem das kleidungsstück getragen wird, oder die den träger nach geschlecht, beruf oder stand näher bestimmen. vgl. ahd. carwat (veste lugubri), dincwat (toga), wibgiwati (muliebri) Graff 1, 741. dieser bedeutungsverengerung geht andererseits ein collectives moment zur seite, indem der begriff alles wesentliche umfaszt, was zu der betreffenden art der kleidung gehört:

von beʒʒerm pirsgewætehôrt ich nie gesagen.
einen roc swarz phellînsach man in tragen,
und einen huot von zobele,der rîche was genuoc.
hei waʒ er bortenan sîme korhære truoc. Nibel. 893, 1;

alleʒ mîn gewætewil ich mit mir tragen,
den gêr zuo dem schildeund mîn pirsgewant. 916, 3;

daʒ müeʒ er alsô lîden
und daʒ im sîn rennegewant,
sô er ûf den buhurt rant,
würd ein alteʒ plahenvâch. Seifried Helbling 8, 323;

di nû vor grôʒer huote megen,
die sulen balde ir besteʒ vîretacgewant anlegen.
Neidhart v. Reuenthal 3, 14 Keinz;

zehant huob sich Reinhart
vil wunderlîche drâte
in sîne kemenâte
und nam sîn hovegewant
daʒ allerbeste, daʒ er drinne vant. Reineke fuchs 1817 Reiszenberger.

vgl. auch Schmeller 22, 941;

diu kuneginne Larie
gie do mit der wirtin.
ir kamergewant trc man in,
und entlt den helfant.
Wirnt v. Gravensberg Wigalois 11460.

ähnlich Eilhart v. Oberge Tristrant 6417 ff. (s. oben). Parz. 353, 8, ebenso 669, 5;

achcig somere di nam her
zu der kuninginnen namen
di gecelt und camer gewant trougen.
Ulr. v. d. Türlin Wilhelm 126a;

dô diu künegîn ir reisegewant
ab gezôch unt sich gebant,
si kom als eʒ ir wol gezam:
Feirefîʒ an einer tür si nam. Parz. 807, 88,

ganz ähnlich Pleier Meleranz 10845 Bartsch. H. v. d. Türlin krone 21289. Ulr. v. d. Türlin Wilhelm 105a. Pleier Garel. 13, 144 Zingerle, s. Wiener sitz.-ber. 50, 547;

und ist ir ernest als mir,
zwâre sô vinden wir
beide etlîchen list
der uns nütze dar zuo ist,
swie uns scheiden driu lant,
daʒ uns niener nahtgewant
noch sô vil sô ein hemde
nâch dirre langen fremde
underwîlen scheide.
Hartmann v. Aue 2. büchlein 660;

ir witewelich gwant si da verlie. ... unde leit ir brutgwant ane. jüngere Judith, Diemer 161, 12;

Gotelint vlôs ir briutegewant.
bî einem zûne man si vant
in vil swacher küste. meier Helmbrecht 1631;

ich sül die messe singen.
mir sül sô wol gelingen,
als ich daʒ messegewant
an mich gelege, daʒ ich zehant
der buoch ein wîser meister sî. d. pfaffe Amis 1419, ebenso 1461.

vgl. auch buch der rügen 1189 (zeitschr. f. d. alt. 2, 79); dar nâch, ê der priester daʒ messgewant abziech, schol er die stain segenen. Megenberg buch d. natur 472. M. Beheim buch v. d. Wienern 105, 26. ebenso in den Nürnberger polizeiordn. 322; im stadtrecht von Meran 20 (zeitschr. f. d. alt. 6, 429); in einer schles. urkunde von 1381 (cod. dipl. Silesiae 2, 179) u. a.:

da sprach er zu der frawen 'sei dir lieb das kindelein,
so behalt (es) untz an sein alter das tauffgewante sein.
ich wil dir sagen, frawe, was im darvon geschicht,
und sei dir lieb das kindelein, so verleuse das gewant nicht. Wolfdietrich 28 bei
Hagen heldenbuch 1, 76;

[Bd. 6, Sp. 5249]



wa si ouch junge westebarn,
armer vrouwen kinder vant,
den nade si ir doufgewant
mit ir selbes hende. Elisabeth 2358.


d)) am seltensten sind in der älteren zeit composita, in denen der stoff gekennzeichnet wird:

den rittern gap man goltgewant.
Heinrich v. Neustadt Apollon. 1156;

kürsen- oder kürschengewand, pelzkleidung. cod. Germ. Monacensis. vgl. Schmeller 22, 941. dazu vgl.:

dar nâ die vorsten rîke
gâven vollîke,
her iegelîch met sînre hant,
dûre pellîn gewant
ende ros ende skat,
silver ende goltvat,
mûle ende ravîte,
pelle ende samîte
gans ende ongeskrôden ...
Heinrich v. Veldeke Eneide 13184 Behaghel.


2)) auszerhalb der composition überwiegt die umfassendere bedeutung, jedoch weniger in dem weiteren sinne von ausrüstung als in dem engeren von kleidung. charakteristisch ist, wie sich die concurrenz zwischen gewand und kleid hier in dem verschiedenartigen gebrauch der numeri äuszert, während die zwischen gewand und gewæte an den einen numerus des singulars gebunden bleibt:

ob ir des gert, ich hân gewant,
daʒ al der Franzoiser lant
niht mac erziugen beʒʒer wât
denn iu mîn hant ze geben hât.
W. v. Eschenbach Willehalm 137, 27 Lachmann;

da er alsus wart geczieret
mit cleidern und mit gewande
so hub er sich von dem lande. Salman und Morolf 2, 1723 ff. bei
v. d. Hagen u. a., s. u.;

'nû sich mich an, wie ich stan,
und waʒ ich gewantes an mir hân,
daʒ merk in dînem muot,'
sprach sant Peter der guot.
ich sag iu waʒ er an truoc.
sîn kleider wârn fremd genuoc.
J. Enikel weltchronik 25372;

von dannen kêrten wir dô sâ
hin an den selben stunden
dâ wir den künec funden.
dem was mit vlîʒe wol bereit
vil edel kleit und angeleit
was im mit wirden sîn gewant.
vil wol ich in bekleidet vant
von samît und baldekîn,
von zobel und von hermîn.
R. v. Ems d. gute Gerhard 4473.


a)) allgemeinster begriff: vorrat von kleidern. vgl.gewæte in:

er hieʒ in geben wægenevil wol geladene,
da man f frte wipmit ir chinden unde andir ir gesinde
dar z ir gewæteunde alliʒ daʒ si hæten
daʒ gebot er zehantbringen in Egipten lant. genesis 99, 31 Diemer, ähnlich kaiserchronik 11863.

dazu vgl.:

owî, wie gerne ich noch riete,
daʒ man die boten liete
rîtin hin zô lande
unde vaʒʒede si mit gewande;
sulicher slachte iʒ wêre,
daʒ man en mochte given mit êren. könig Rother 1185;

wildu mir volgen,
besende dû dîne holden,
heiʒ si vaʒʒen mit gewande
dem alrebesten daʒ man vinde im lande. Crescentia 27 Schade;

ir kiele wârent wol geladen,
als wir daʒ tiutsch buoch hœren sagen,
mit spîs und ouch gewande,
als si eʒ wolten füeren gen Jêrusalêm zuo lande. Orendel 447 Berger, vgl. auch sp. 5244;

dîu ros gezogen wârenSigmundes man,
als si wolden rîtenze Niblunge lant:
eʒ was ûf gesoumetal der recken gewant. Nibel. 1023, 4 Lachmann;

dô hieʒ man in behaltenalleʒ ir gewant.
die besten herbergeman suohte, die man vant,
Sîfrides knehten:man schuof in guot gemach. 127, 1;

man schuof in herbergeund behielt in ir gewant. 481, 1;

von des wirtes gademekleider man dô truoc.
allen die ir gerten,den gap man ir genuoc.
dar zuo gap man in schildeund ros von Îrlande.
diu edele küniginnezierte ouch vil der vrouwen mit gewande.
si gap wol tûsent wîbenhêrlîche wât
unde vil den meiden,daʒ kinden rehte stât. Kudrun 40, 4 u. a.

[Bd. 6, Sp. 5250]


in diesen bedeutungskreis gehört folgende sprichwörtliche verbindung:

von Osterrich dem herren mîn
schad und laster hie geschiht:
ê daʒ ir die gîgen geriht,
langst ê die Unger hânt
an der herberg daʒ gewant.
Ottokar reimchronik 25441.


b)) die gesamtheit dessen, was jemand an sich trägt. dieser begriff wird nur selten positiv ausgeprägt. vgl. den vereinzelten beleg für gewæte:

d man die secche enbant, in des iungesten sacche man in fant.
er fîen bi der hant, îe doch erniene bant.
er chod, fon rehten sculden sines herren scalch mse sin.
alleʒ ire gewate si zarten, vil parmichlichen erhariten
'so wê uns wenigen daʒ uʒ chom Beniamin'. genesis 67, 38 Hoffmann, ebenso Diemer 96, 7.

vgl. zu gewant:

ouch was er habelôs dâ gar.
er het sich niht gewarnet dar:
wand in kom diu reise gâhes an,
als ich iu dâ vor gesaget han.
er het dâ niht mêre
(daʒ bekumbert in dô sêre)
wan daʒ phärt und sîn gewant.
Hartmann v. Aue Erec 244;

Tristan der nam in an die hant,
sîn bereitschaft unde sîn gewant,
daʒ was, als eʒ dô mohte sîn,
ein vil armeʒ rockelîn
beschaben unde versliʒʒen
wâ unde wâ zeriʒʒen:
daʒ truoc er âne mantel an.
diu kleider, diu der guote man
under sînem rocke truoc,
diu wâren armeclîch genuoc. Tristan 3997.

viel häufiger giebt zu solcher ausprägung das negative moment anlasz, wenn die kleidung abgestreift, abgezerrt wird oder überhaupt mangelt:

von disen strengen sachen
muos er durch not erwachen.
im switzten âdern unde bein.
der tag ouch durch diu venster schein.
dô sprach er 'wê wâ sint diu kint,
daʒ si hie vor mir niht sint?
wer sol mir bieten mîn gewant?'
Wolfram Parz. 245, 24;

da begunde er sich schamen
daʒ er gewandes niht het ane. genesis 14, 21 Diemer;

so sich Lutzifer vermasz
daʒ er über got wolt sin
do hett er och der hell pin
och her Adam stunt ze hant
do er sündet an gewant. liedersaal 2, 53 Laszberg;

si sprach: merck, was ich dir sag.
das pild, so ich an mir trag ...
da main ich liebe mit ...
noch mer gebt mir des pildesstiür
und sagt, durch welliche aubentewr
tragt ir die lieb on claider?
si sprach: da wont si laider
in meinem sinn nackent und plosz ...
darumb trag ich si an gewandt.
Cl. Hätzlerin liederbuch 2, 68, 104;

ther keiser hieʒ in scenden,
pinten sîne hende
mit ketenen unt mit snuoren
hieʒ er in mit ime fuoren.
thaʒ gewant sie ime ûʒ slouften.
thaʒ hâr sie ime zerouften. Rolandslied 6118 Bartsch;

junchêrren snel und niht ze laʒ
maneger im dar nâher spranc:
si enschuohten bein, diu wâren blanc.
ouch zoch im mer gewandes abe
manec wol geborner knabe.
Wolfram Parz. 243, 17;

mir und mînen wibe
zôch er ab dem lîbe
unser beider gewant. meier Helmbrecht 1841

(vgl. Ebern. v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 3388: sie zôch ûʒ ir gewête);

er brach sin site und sîne zuht
und zarte abe sîn gewant,
daʒ er wart blôʒ sam ein hant.
Hartmann v. Aue Iwein 3235;

der edel vürste jâmers rîch
gie barvuoʒ, wüllîn ze lîch ...
der bischolf ... sprach ...
sô sî iu daʒ ze buoʒe gegeben,
daʒ ir vürstenlîche lebet ...
tuot iuch ûʒ dem gewande:
des habe wir an iu schande. Mai u. Beaflor 199, 11

(vgl. passional 182, 92: Agatha wart gemachet bloʒ von allem irme gewete).

[Bd. 6, Sp. 5251]



c)) in positiver verwendung ist der umfassende begriff meist auf das beschränkt, was man von der kleidung am menschen sieht, also die oberkleider. zu gewæte vgl.:

do Ruben z der grbe chomund er in niht mohte vinden,
sin gewæte er zarte. genesis 76, 28 Diemer (ebenso fundgr.) u. a.

zu gewant vgl.:

an dem sibenden morgenze Wormz ûf den sant
rîten die vil küenen.alleʒ ir gewant
was von rôteme golde,ir gereite wol getân. Nibel. 72, 2;

sîn gewant ich alleʒ niht enkan
gemerken, waʒ er an truoc,
wan eʒ was rich genuoc,
für wâr ich daʒ sprechen mac.
J. Enikel weltchronik 25384;

under dem stein ligt ein stein, auf dem das gewant Christi geteilt und gelost ist worden. Muffel beschreibung d. stadt Rom 14.
d)) in dieser richtung verallgemeinert sich und verblaszt der begriff zur kennzeichnung der äuszeren erscheinung einer person. zu wat, gewæte vgl.:

sin tohter Dina.diu ne beite neheine wile.
si scouwete in dem lande.
wî deu wîp ir gewate stalten. bücher Mosis 30, 12 Diemer;

dô kom der küene Volkêr,ein edel spilman,
zuo der hovereisemit drîzec sîner man:
die heten sölech gewæte,eʒ möhte ein künic tragen.
daʒ er zen Hiunen wolte,daʒ hieʒ er Gunthere sagen. Nibel. 1416, 3 Lachmann;

vor ziten ward der hoff erdacht,
das man groszen adel volbracht
an wirdi und ritterlicher tat,
wie ainr kam in siner wat.
hat er sich ritterlich gehalten,
so ward er weder geslagen noch geschalten. geistlich spiel v. S. Meinrads leben und sterben 7775 Gall Morel;

vgl. gewant in:

nû stant ûf, herre Constantîn,
und intfâ wir dise geste.
wê gerne ich daʒ wiste,
wannen sie kumen wêren.
ir gewant ist seltsêne. könig Rother 255;

'daʒ tuon ich', sprach Hagne:zeinem venster er dô gie,
sîn ougen er dâ wenkenzuo den gesten lie.
wol behagte im ir geverteund ouch ir gewant:
si wâren im vil vremdein der Burgunden lant. Nibel. 85, 3. vgl. 63, 2 Lachmann;

einen er im schiffe sach:
der het an im alsolch gewant,
ob im dienden elliu lant,
daʒ eʒ niht beʒʒer möhte sîn.
gefurriert sîn huot was pfâwîn.
Wolfram Parz. 225, 9;

manc ungevelschet frouwen vel
man dâ bî rôten münden sach,
ob Kyôt die wârheit sprach.
rittr und frouwen truogn gewant,
niht gesniten in eime lant;
wîbe gebende, nider, hôch,
als eʒ nâch ir lantwîse zôch. 776, 11;

gerne mugt ir hœren wie die dörper sint gekleidet: üppeclîch ist ir gewant.
enge röcke tragent sî und enge schaperûne. Nei thart 49a, 42 Keinz;

nach der ungehorsam
wart das wip und Adam
mit zweien röcken angeleit,
domitte sü gott bekleit.
die röcke worent vellin.
es mochte do nit weher gesin,
wanne ich wene, in ture weren
nodeln und scheren,
vadem und vingerhut.
dovon must sü duncken gut
das selbe unreht gewant
das gott andett mit siner hant
dem man und dem wibe
zu decken ir schame an irem libe.
Lutwin Adam u. Eva 744;

nu wiʒʒet doch daʒ, daʒ Rûal
swie unhovebære
gewandeshalp er wære
er was iedoch zewâre
an lîbe und an gebâre
vollekomen unde rîch.
Gottfried v. Straszburg Tristan 4028;

ouch was er an gewande
gelîch herrn Tristande. Tristan als mönch 925 Paul;

owê, herre, ir spottet mîn;
daʒ sult ir billîch lâʒen sîn ...
die Bêheim tragent ir gewant,
als sit ist in Bêheimlant,
die Sahsen und die Pôlân
tragent ouch gewant an. Seifried Helbling 7, 738;

[Bd. 6, Sp. 5252]



ich wolte, swer in Ôsterlant
trüeg nâch Bêheim sit gewant,
swes in vragte ein biderb man,
daʒ er spræch 'nie roszmie pan',
und mit sînem munde
niht anders reden kunde;
und wer in dem lande snite
gwant, nâch der Pôlâne site
daʒ dem sîn hâr wære geschorn
hôch ûf vür diu ôrn,
daʒ sold im nimer wahsen;
und swer nâch den Sahsen
in Ôsterrîche gewandes pflæg,
daʒ im diu Ôstersprâche gelæg. 8, 738 ff.


e)) bei dem umfassenden begriff sind es auch meist nur allgemein gehaltene epitheta, die in der form des adjectivs, vereinzelt auch eines substantivischen genetivs, zum substantiv treten.
α)) gelegentlich kennzeichnet das adjectiv den stoff oder die farbe der kleidung. vgl. oben die composita:

ûf rihte sich der wîgant.
dô was sîn lînîn gewant
nâch wunden unde harnaschvar.
zuo zim was geleget dar
hemde und bruoch von buckeram;
den wehsel er dô gerne nam,
unt eine garnasch märderîn
des selben ein kürsenlîn.
Wolfram Parz. 588, 12;

dû (Moses) kundest nimmer lieber sîn
einer küniginne ...
ich sneit dir sîdîniu gwant
daʒ beste daʒ ich veil vant.
J. Enikel weltchronik 7249;

hieten
herin gwant an.so si ze gotes dienste solden gan. jüngere Judith, s.
Diemer ged. d. 11. u. 12. jahrh. 143, 3,

vgl. herin gewete im passional 58, 22 Köpke, ebenso bei Veldeke Eneide 13184 Behaghel;

der sun hieʒ balde springen
sin fuchsin gewant im bringen, ...
hemde, schuhe und underkleit,
sin gewant er im an leít. der Kozze 633 ff., Koloczaer codex 174.

des dritten morgens do man sanc,
und vor der kirchen was gedranc,
und die sune ze kirchen wolden gan,
do sahen sie den vater stan,
in wiltwerkinem gewant. 695, ebenda 175;

der risz herr Dieterich nam
der fürst im unter die chsen kam
doch wolt ers nicht verschlaffen
er schriet im durch sein hörnen gwand
da blut ran im in die handt
der risz der schrei laut waffen. Sigenot 99 Schade, ebenso 70;

ich weiʒ si in allen gahenchouflüte sahen;
si frten mislich gwant,si wolten ze Egipte lande. genesis fundgruben 2, 54, 32, ebenso bei Diemer;

als ein iuncherre von hove vert. heime wil varn. so treit er gerne zerhowen gewant wiʒ und rot. under ein ander gesniten. daʒ stet gar wol bei ein ander. predigtbruchstück (13. jahrh.), s. Strauch zeitschr. f. d. alt. 41, 369;

diu junge küniginnevroelîcher nie
wider morgen wart gekleidetmit liehtem ir gewande. Kudrun 385, 3 Symons.


β)) spärlicher sind die adjectiva, die auf den stand oder beruf des trägers hinweisen, hier treten natürlich auch substantivische genetive zur seite. schon für gewæte liegen dafür belege vor: daʒ engelische gewête. Heinrich u. Kunigunde 1924 Bechstein (vgl. auch unten sp. 5254); der bûliute gewete. kaiserchron. 4789;

er tet sich der werlde abe.
er læit an gæistlich giwant. Tnugdalus (Hahn, ged. d. 12. u. 13. jahrh. 45, 1);

waʒ sol münichen wertlich gewant. der Meisner bei
v. d. Hagen 3, 108a;

die der obristen ere.
under der phaffhæit solden phlegen.
den daʒ vingerl.unt der stap ist geben.
unt ander vil bezæichenlich gewant.
da von si bischof sint genant.
ze den ist daʒ recht enzwæi. v. d. totes gehügede 59.


γ)) unter den sonstigen adjectivverbindungen nehmen die rühmenden epitheta den breitesten raum ein, sie sind vielfach auch schon neben gewæte belegt. dagegen sind andere kennzeichnende beiworte spärlich belegt.
1)))

im enmac gehelfen niht sîn hovelîch gewant.
Neidhart v. Reuenthal 53, 76 Keinz;

dô si an geleitenir wunderlich gewant,
dô sageten sim rehtedie reise in Etzelen lant. Nibel. 1478, 3 Lachmann;

[Bd. 6, Sp. 5253]



nâch den hergesellenwart bote sâ gesant,
ob si wolden schouwenniweʒ ir gewant. 359, 2;

swenn ich den armen sach dâ vor
mit kumberlichen nœten sîn ...
sô gap ich mit mîner hant
eteswenne ein alt gewant.
Rudolf v. Ems, d. gute Gerhard 956;

hin tet er diu rîchen kleit
und schiet sich von dem lande
mit dürftigen gewande.
Hartmann v. Aue Gregorius 2750.


2))) zu guot gewæte vgl. genesis 43, 15 Diemer. dazu vgl.:

Joseph hieʒ er schone schern,
er chleidet in mit gtem gewande. genesis 84, 4 Diemer;

ich wil daʒ have grâven îgelîch
zwelf rîter hêrlich,
die alle sô gût gewant haven
daʒ wir âne laster vor ein kuninc mugin tragen. könig Rother 132;

dô wart ûʒ den schrînengesuochet guot gewant.
swaʒ man in der valdeder guoten wæte vant,
die bouge mit den borten,daʒ was in vil bereit.
sich zierte rîterlîchemanic wætlîchiu meit. Nibel. 275, 4 Lachmann, ebenso 348, 17. 533, 2. Kudrun 219, 2;

daʒ ich selbe vierdeze vier tagen trage
ie drîer hande kleiderund alsô guot gewant
daʒ wir âne schanderûmen Prünhilde lant. 351, 3, ebenso 1262, 3. 1790, 1;

noch gap man hie den heldenvil beʒer gewant
denne si ie getrüegennoch bî allen ir tagen. 655, 6;

dô der herr von ir gie,
diu frou leit und zorn gevie.
si sprach: Moyses, liebeʒ kint,
dîn triu ist gên mir worden blint! ...
ich gap dir gwant ûʒ mînem schrîn,
daʒ best, daʒ ie man getruoc.
J. Enikel weltchronik 7034;

huite erdenket ir einʒ, morgen erdenket ir ein anderʒ. alse ie einer einen iteniuwen funt vindet, den müeʒent sie danne alle versuochen. und ir gebet etewenne einem alse vil ze lône, der iu daʒ guote gewant ze hadern machet, alse iuch daʒ gewant dâ kostet, oder halb als vil. Berthold v. Regensburg predigten 1, 396 Pfeiffer.
3))) den verbindungen cuniclîch gewæte (kaiserchronik 7966 Schröder. A. v. Halberstadt 16, 340) und êrlîche gewête Orendel 477 steht für gewant nur die reich belegte verbindung mit hêrlîch gegenüber:

durch ir kinde liebehieʒ si bereiten kleit.
dâ mite wârt gezieretvil frouwe unde meit
und vil der jungen reckenûʒ Burgonden lant.
si hieʒ ouch vil den fremdebrüeven hêrlich gewant. Nibel. 263, 4 Lachmann.

ebenso 73, 4. 348, 8. 445, 4. 721, 4 u. a.; êrlich gewant 80, 3 Lachmann (gegen hêrlich bei Zarncke und Bartsch), ebenso 267, 2.
4))) reiche wat Laurin 1767 Schade. dazu vgl.:

dô kom der wirt des landesund ouch sîn schœne wîp
mit rîchem gewandegezieret was ir lîp. Nibel. 1798, 2 Lachmann;

ditz sint cleider der ich gnuoc
in mîme troume dicke truoc.
ichn sihe hie niemen des sî sîn:
ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.
nû waʒ ob disiu sam tuont?
sît daʒ mir ê sô wol stuont
in mîme troume rîch gewant.
Hartmann v. Aue Iwein 3593;

dô er ze hove gie,
der herzog in enphie
und die herren besunder,
si nam des michel wunder,
von wann im wære gesant
daʒ sô rîche gewant.
Ottokar reimchronik 43040;

vil knecht und meide haben ... reiches gewandes und allerlei ander habe heuser und kisten vol. ackermann aus Böhmen 54 Knieschek.
5)))

do waren si ungehorsam.
worden bediu ensant.
ein wunechlich giwant.
het in der tivel ab gezogen.
er het siu bediu sampt betrogen. anegenge 17, 70 Hahn;

ein gewant kostlich
mit gesmîde wol beslagen
hieʒ er im dar tragen.
Ottokar reimchron. 42990;

der chunich gebotdaʒ man im braht den man gt
unde in badet schiere,gechleideten in gewant ziere. genesis 84, 6 Diemer;

dô sprach der künic Gunther'frouwe, ich wilz iu sagen.
wir müeʒen michel sorgebî hôhme muote tragen.
wir wellen hübschen rîtenverre in fremdiu lant:
wir solden zuo der reisehaben zierlich gewant.' Nibel. 345, 4 Lachmann.

[Bd. 6, Sp. 5254]



f)) spärlich nur ist der engere begriff, die bedeutung kleidungsstück belegt. auch die adjectivverbindungen sind im vergleich zu den oben (sp. 5247) besprochenen compositis hier wenig zahlreich:

sie gurte den gürtel ze hant
über ir obersteʒ gewant
und gie in dem palas
wider und vür.
Heinrich v. d. Türlin krone 23317 (288a) Scholl.

dagegen überwiegen verbindungen mit dem possessivpronomen, während das demonstrativ zurücksteht.
α)) zu gewæte vgl.:

sineʒ brdir gewæte
daʒ si behalten hæte,
daʒ hieʒ si in an leken.
den lip wol bedechen. genesis 49, 19 Diemer.

dazu vgl.:

diu state enmohte in niht geschehen
daʒ sî hæten besehen
waʒ in dem vaʒʒe wære.
daʒ was in aber unmære:
wan sî hâten des gedâht,
sô siʒ ze hûse hæten brâht,
sô sachen sî mit gemache
ir fundene sache.
sî wurfen drüber ir gewant
und zugen vaste an daʒ lant.
Hartmann v. Aue Gregorius 975;

dô lîʒ er si ûf zu hant
und nam si under sîn gewant.
Sibote der vrouwen zucht 374 Lambel;

do begunden di ritter zuo gân.
sümelich gâben im ir gewant
sümelich phenninge zehant,
sümelich phært oder swert.
Stricker pfaffe Amis 697;

ein vrowe sol recken niht ir hant,
swenn si rît, vür ir gewant.
Th. v. Zirclaria d. welsche gast 438;

dâ sî bî dem tanze
gie, er gie ir an der hant.
von dem ridewanze
kom sîn vuoʒ ûf ir gewant;
daʒ lac an der erde.
Neidhart v. Reuenthal 59, 46 Keinz;

in schouben wisz was ir gewant
von semit blaw usz gros Vogart
mit hueten nach der Rüssen art.
H. v. Sachsenheim mörin v. 674,

vgl. auch Neidhart 33, 47. Sigenot 183 Schade u. a.
β))

Noe tranch win unde slief,daʒ gewant er niden ouf swief. genesis 30, 24 Diemer;

Genoveve leit den mantel an,
dâ von se ein teil schame gewan,
wan ir daʒ selbe gewant
ob den enkelen erwant
alsô daʒ eʒ ir niht tohte.
Ulrich v. Zatzikoven Lanzelet 5859;

daʒ eʒ dir in dem bûche wære,
daʒ du gewandes würdest sat!
daʒ wart wâr an der stat:
daʒ gewant was in dem wîbe;
daʒ hæte sie in dem lîbe
vil nâch gezerret enzwei.
vil ungefuoge sie schrei:
wan ir was wirs danne wê. v. d. drei wünschen, vgl.
Wackernagel lesebuch 372.


γ))

dar nâch gap das getriuwe wîp
ir lieben sune an sînen lîp
kettenwambîs unde swert.
des was der jüngelinc wol wert.
noch gap si dem selben knaben
zwei gewant, diu muost er haben. meier Helmbrecht 152.


3)) die übertragene verwendung war auch schon bei gewæte ausgebildet, vgl.:

d dei wenigen liute
fluren daʒ englische gewate
unt nacchet waren
in suntlichen gebaren. genesis fundgruben 2, 22, 19;

bis gegrueʒet, klare sunne!
von dir hat der himel wunne,
sunnen schin ist din gewæte,
gotes wisheit dir daʒ næte. minnes. bei
v. d. Hagen 3, 431a;

die werlt und ir richeit
durch got er alleʒ varn lieʒ.
um den ewigen genieʒ
warb er mit stetem vliʒe.
er hielt in schoner wiʒe
siner tugende gewete. passional 204, 13 Köpke.

das gleiche läszt sich nun auch für gewant belegen und zwar sowol in der geistlichen litteratur, wo die überlieferte terminologie die anhaltspunkte bot, als auch in der weltlichen lyrik.

[Bd. 6, Sp. 5255]



a)) waʒ gewandis han wir denne an? gaudium et leticiam. froude. unde mandunge. ut cantet tibi gloria mea et non conpungar. zuo fronen hohzitin horit schone gewate. zuo schoneme gewate. nehein unfroude. die wiele wir in deme fulen sacche sin. des fleisglichen gewatis. so muoʒʒin wir iemir mit ruwe sin. umbe unser sunde. altd. predigten u. gebete (Wackernagel) 2, 83; in deiner werkstat sahen wir dich ein edel gewant von regenpogen wurken. ackermann aus Böhmen 27, 10 Knieschek.
b))

swie wol ich welhische kan,
sô wil ich doch in mîn getiht
welhischer worte mischen niht.
der zühte lêre gewant sol gar
von sîme gebote sîn einvar.
Th. v. Zirclaria d. welsche gast 37.


c))

bluomen schîn
ich dâ vant.
heide hât ir lieht gewant.
Neidhart v. Reuenthal 1, 12 Keinz;

guot mære ich den vrouwen wil sagen,
daʒ von liehten rôsen diu heide hât gewant,
daʒ beste daʒ sî vant. 12, 3;

sendeʒ herze wirt ermant
herzeclicher ungehabe,
sô der linden ir gewant
valwet unde riset abe.
Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 5, 10 Bartsch.


f) die bedeutung vestimentum für gewand in der rechts- und geschäftssprache.
wenn gewand in der älteren poesie somit ganz in den verwendungskreis von gewæte hineingewachsen ist, so hält die ältere geschäftssprache in dieser richtung nicht gleichen schritt. die belege sind hier spärlich und mehren sich erst am ausgang der periode, dabei musz hervorgehoben werden, dasz sie fast ausschlieszlich oberdeutschen quellen zu entnehmen sind: und ist aber daʒ ein hunt einen man an vellet, und in biʒet in sin gewant oder in sine bloʒe hut, swa daʒ an sinem libe ist: und wert er sich des und slehet in ze tode: er sol im einen alse guten geben als iener was. Schwabenspiegel cap. 282 § 8 Gengler; ist das rauber reittnn oder gennth unnd verkernnt ir gewannt unnd verpergent sich unnter den augenn das man si nicht erkennen mag. land- und stadtrechtsbuch Ruprechts v. Freising 2, cap. 31 Maurer; wer aus der padstubnn stilt gewannt daʒ sol man richtenn gegnn der müdlieberei. wirt er aber nicht fundenn und hat ener der paddinrnn sein gewanndt zu behalltenn gebnn unnd hat ir den lon von gebnn. so sol er den pader an sprechnn umb das gewanndt das er verlornn hat. ebenda 2, cap. 39 Maurer; swenne got úber únser aine gebutti, die sol ir gewant, daʒ ze irm libe höret, gen ze ainem val dem closter ze sante Bläsin (1306). Mone zeitschr. 9, 480; eʒ mag aber ain frau, die ainen wirt hat, an iren lesten zeiten wol hinschaffen durch got, und iren freunten, und wem si wil, ir morgengab, ir prautklainot, ir gewant, daʒ ir ir vater und ir muoter ... geben habent. stadtrecht von München 221 Auer (variante präutgewant); in dissem wichbilde, wo man den fruwen dritten teil gibt, do gibt man nimande hergewete wen den sonen ... si nemen ouch alle sine cleider zcuvor, unde gortel, gewant, waʒ des ist, ab man si nicht durch god gibt mit orer aller willen. Ortloff das rechtsbuch nach distinctionen 1, cap. 9; wo ain man abgat mit tod ... sol werden den kellern so denn den kelnhoff hannd das best gewanndt, als er ze kirchen gaut ... es sol ainem waibel ouch werden gürttelgwanndt oberes und unndres, kappen, hosen und schuh. öfnung zu Neukilch (1330) bei Grimm weisth. 1, 293, vgl. sp. 5248; daʒ mein tohter .. und mein swester .. die egenanten zehen phunt geltes in nutz und in gewer inne haben suln ze pessrunge irr phrünt und irs gewants unverchummert untz an irn tode (1340). urkundenbuch der abtei v. d. Schotten 195, fontes 2, 18, 222; wa ain zinserin stirbt, von der nimpt man das best. das sie gespinnen kan und dem zinszmaister wirt ir hüll, ir gürtel, gewant und ir schuch. vogtbuch der abtei Alpirsbach (1408—1417) bei Reyscher altwürtemb. statutarrechte 39; wer ain iunkfrawen oder eczleiche frawen mit gewalt und unkewschlich niderdruckt und notzerret, den schol man enthawpten ... ist es aber, das di iunkfrawe oder frawe in czurissenem und blutigem gewande clagt und hat des kainen geczewgen, der, den si beclagt, der wirt ir gerecht mit czwaien geczewgen. Iglauer stadtrecht 55 bei Tomaschek deutsches recht in Österreich 248; man schribet allen rêten: swele des rates knecht worden ist, der der enheis herren noch burger

[Bd. 6, Sp. 5256]


sunderlich gewant noch röke tragen sol. Züricher stadtbücher (1319) 1, 17 Zeller-Werdmüller; es sol ch enkein frw, weder elich wip noch ledig tochtern, enkein gewant obnan an mer tragen, won dʒ inen dʒ hbtloch zweier vinger breit uf der achslen ligen sol, und sol ch der selben gewanden enkeins mer vor uf noch nebenz knpflet noch gebrisen sin. 1, 185; das erste, das niman kein gewand machen sal mit litzen, her habe unser zunfft, ane die scheffen das sie selbir mit irme gesinde tragen wulden. auch sal niman der vierhande gewand herin furen adir veile han, die uns virboden sint, eʒ were dan in den mezsen. gewohnheiten der handwerker zu Frankfurt (1355) bei Böhmer cod. dipl. Moenofrancof. 633; eʒ sol auch nieman weder man noch frawe kain silber auf kain gewant schlahen danne silberine heftelein. Nürnberger polizeiordn. 66 Baader; und darumb so sol man ... z zweien jor eime (wächter auf dem münster) 8 eln tchs z eime gewand (geben). Straszburger zunft u. polizei verordnungen des 15. jahrh. bei Brucker 506.
g) die letzten ausläufer des gebrauchs von wat, gewæte reichen bis über das 16. jahrh. hinaus, sie finden sich in denkmälern, deren sprache den landschaftlichen charakter sorgloser festhält. betheiligt sind hieran oberdeutsche, mitteldeutsche und niederdeutsche quellen:

die priesterschafft ouch uszhin kert
in irem priesterlichen wad.
Murner gäuchmatt 413 Uhl;

he (kaiser Otto IV.) reit wedder ut der stad und leide af sîn koninglike gewat und toch ut sine scho. Magdeburger schöppenchronik, d. städtechron. 7, 49; ebenda 15: ridderlich gewede; cleinot ind gewait d. städtechron. 13 (Cöln 1499) 491;

ihr herrn von Hamburg, wir bitten umb ein ... gnade,
dasz wir mögen den Trorenberg hingehn,
in unserm besten gewade. Stortelekerlied (1402) bei
Soltau hist. volksl. 2. hundert s. 8.

ob aus der anführung von wad bei Henisch auf längeren gebrauch geschlossen werden darf, ist fraglich. dagegen hält sich das substantiv in der composition: der pfaff wirt gewasst mit eim rock und mit leinin niderwaten. 3 Mos. 6, 10 bei Eggestein, ebenso Koburger; vgl. und der priester sol seinen leinen rock anziehen, und die leinen niderwad an seinen leib. Luther (leine lender tch Eck); also het der alt Jacob Felber, der burgermaister, das koren, und Cecillia Klöckin das bettgewat, das tygen flayschs und schwinine bachstuck, da luget sie treulichen zue. Heggbacher chronik (1541) bei Baumann quellen zur gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 283.
2) formen.
a) das präfix.
α) mitteldeutsche und niederdeutsche mundarten weisen frühzeitig formen ohne präfix auf, die bis in die neueste zeit fortleben, theilweise mit isolierter bedeutung.
1)) rîterlîch want Rolandslied 5577 Bartsch nach der Straszburger handschr. gegen gewant in der Heidelberger;

werltliche want durch wertlich lop sol man geben,
daʒ wirdet die edelen herren sere:
swer münichen werltlich want gebe, des lop daʒ mueʒe erkrummen ...
waʒ sol münichen werltlich gewant. der Meisner bei
v. d. Hagen minnes. 3, 108a;

want, gewand, tuch, zeug Schiller-Lübben 5, 594; gewanthuyss ... wanthuys G. v. d. Schueren Teuthonista 304b.
2)) euch kleidet pur in lauter schwarzes wand. Spee trutznacht. 169; der mutter tod ... beweinen ... in schwarzem trauerwande. Dietr. v. d. Werder Tasso 6, 59; wand, n. pannum (!) Schottelius 1440; wand, pannus ... gewand, vestimentum. Frisch 2, 421; wand an stat gewand. tuch, laken, pannus. Richev 333; ähnlich Scherz 1935; wandbereiter teutsch-engl. wb. (1716) 2378; wand brem. wb. 5, 177. Schütze 4, 336; wand, dat, ein wollenes gewebe, tuch. Danneil wb. der altmärkisch-plattd. mundart 243; wand, msc. tuch, kleiderstoff aus wolle; ... nur im westfälischen und sächsischen Hessen üblich. Vilmar kurhess. idiot. 441, vgl. auch Firmenich 1, 320a (aus Kurhessen). in der neueren schriftsprache findet sich wand bei Voss: flammen in safranfarbiger wande. Virgils ländl. ged. (4, 44) 1, 163. sonst ist es namentlich Temme, der diese form belegen läszt: blauen mantel von grobem tuche, sogenannten wand. gartenlaube 9, 161b u. a.
β) in oberdeutschen quellen begegnet die form ohne präfix nur ganz vereinzelt und unter verhältnissen, die ihre besondere erklärung verlangen: niderwant statt niderwat cod. germ. Monac. 717

[Bd. 6, Sp. 5257]


bei Schmeller 22, 940; der wanthüeter in einer handschr. des Müuchener stadtrechts neben wâthüeter und gewandhüeter. hier scheinen die doppelformen wât und gewæte, die sich namentlich in festen verbindungen und compositis bemerklich machen (vgl. lînwât und sateles gewæte), auch auf die jüngere bildung gewant ihre wirkung ausgeübt zu haben, die in leinwand feste geltung gewonnen hat.
γ) anders zu beurtheilen ist die präfixlose form der mittel- und niederdeutschen mundarten. sie ist von anfang an beim neutrum nachzuweisen, steht also keinesfalls unter dem einflusz des fem. wat. wenn in dem worte beiderwand (beiderwand, fem. und neutr. beidermann, msc. und neutr. gewand, zeug, aus beiden stoffen, gewebe halb aus linnen halb aus wolle. Vilmar idiot. v. Kurhessen 29) das femininum und gelegentlich das masculinum neben dem neutrum belegt ist, so beruht dies auf secundärer entwicklung. für die ältere sprache kommt nur das neutrum hier in betracht und überall ist die bedeutung einseitig auf die von pannus beschränkt, die verwendung steht also von wat, gewæte so weit ab als möglich. für den mangel eines präfixes musz demnach die erklärung im zusammenhang mit der auch sonst beobachteten abneigung dieser mundarten gegen unser präfix gesucht werden.
δ) das präfix selbst unterliegt in den älteren denkmälern oberdeutscher zunge und in heutigen zeugnissen für die mundart der gewohnten synkope: gwand d. städtechron. 5, 44 u. a.; g'wand Hunziker Aargauer wb. 119 u. a.
b) der auslautende dental.
α) zu der für das mittelhochdeutsche geltenden und namentlich in den ausgaben durchgeführten abstufung vgl.: sol ch kein underköfer, der z dem gewande gehöret, nieman kein gewant verkoufen an keinen stetten, wo daʒ ist, es sie danne ... in den gademen uf dem koufhuse, do daʒ geferwete gewant billich ston sol, also doch daʒ daʒselbe gewant us den ballen geslagen werde und in den gademen verkft. Straszburger kaufhausordn. 21b; da solden di Niderlenschen kauflude mit irme gewande den Rin uf faren in di misse zu Frankenfurt. ... da qwamen der grebe von Wede unde her Salentin von Isenburg unde namen da den kaufluden me dan vir dusent guldenwert gewandes ... darzu wart den kaufluden di rame unde ir gewant wider. Limburger chronik 62. aus der übergangszeit ist die tenuis noch zu belegen in einzelnen chroniken, vgl. d. städtechron. 1, 101. 4, 137; im buch Weinsberg 2, 248; in vocabularien, vgl. gewant, pannus. vocab. incip. theut., s. auch Diefenbach 616b. die letzten belege zeigen Muffel, Tucher und die Straszburger ordnung v. 1502.
β) die verbindung dt ist bei gewand seltener als in anderen ähnlichen fällen: vestis gewandt S. Heyden nomenclatura rer. dom. (1539) a 4a; ebenso Junius (1602) 148a. Hulsius (1614) 163b (in der späteren ausgabe von 1631 schreibt er gewand); gewandt, kleid, amictus Bayer (1733) 290b.
γ) die media im auslaut läszt sich schon bei Eggesteinhier im gegensatz zum codex Tepl.belegen: erallten si als dʒ gewand. psalm 102, 27; der leib mer denn daʒ gewand. Matth. 6, 25; dazu vgl.: als ... die von Ulm mit irm gewand haim wolten. d. städtechron. 5, 44; ebenso 4, 94 u. a.; nider gewand, subligar Dasypodius F 2; gewand, kleidung Maaler (1561) 178d, ebenso Frisius (1574) 1370b. Frischlin nomenclator cap. 139; ghewaed, ghewand Kilian (1632) K 4b; gewand Henisch 1593. Emmel o. o. 7. Hulsius (1631) 166a. Schottelius 634b u. a.
c) in der form gewante, gewande, die im 16. jahrh. vereinzelt auftaucht und die nicht immer mit sicherheit von gewande, gewonde (s. gewohnheit) zu trennen ist, liegt spätere erweiterung vor, wie sie namentlich unter dem zwang von metrum und reim begünstigt wurde:

sie sprach: 'ich hab augen im ars',
und sie entschlieff zu hande.
Esops gedacht, nn erfars;
deckt ir af das gewande.
H. Sachs fabeln und schwänke nr. 88.

dazu vgl. DWB gewante oder klayde vocab. theut. Nürnberg 1482.
d) die pluralbildung.
α) der plural ist, wie sich aus der ursprünglichen collectivbedeutung von selbst ergiebt, der älteren sprache an und für sich nicht eigen. in der bedeutung von pannus, tuch ist er nur einmal belegt in einem zusammenhange, wo eine mehrzahl von besitzern hervorgehoben wird: solden di meister des wollenhantwerkes zu Limpurg uf di misse gen Frankenfurt faren mit iren gewanden. unde worden nidergeworfen ... unte wart in genomen me dan druhondert duch. Limburger chronik 70.

[Bd. 6, Sp. 5258]


das gleiche gilt für die bedeutung vestimentum, vestis in den beiden folgenden fällen:

dâ bî man sie erkennet ...
sô der vürst ûʒ Ôsterrîch,
des küneges sun, ze hove gêt
und vor sînem vater stêt,
so mac der künec nemen war
daʒ ein fürstlîchiu schar
dâ bî sînem sun wær,
ân daʒ sie allerslahtær
sint mit ir gewanden. Seifried Helbling 8, 738 ff.;

und sol ch enhein elich wip noch wittwa weder gold, silber, edel gestein noch siden uf dien selben gewanden mer tragen. aber tochtern mugent wol uf irem gewand tragen gold, silber, berlen und siden. Züricher stadtbücher 1, 186 Zeller-Werdmüller. bei dem hinweis auf einen bestimmten träger sind die beispiele ganz vereinzelt und meist aus fremder vorlage zu erklären: unde vassent in mit seinen gewanden. Marc. 15, 20. codex Tepl. (ebenso Koburger, Eggestein; cleidern Beheim; kleider Luther u. a.); ebenso Marc. 9, 2 u. a.;

er (Jacob) vaʒʒote sine olbenten mit sinen gwanten.
ûf sme saʒte er wîb und chint und fr den sinen sint. genesis (Wiener handschr.), fundgruben 2, 45, 24.


β) die wenigen belege der älteren sprache haben durchweg die schwache form des plurals dargeboten und diese herrscht auch bis in die neuere zeit in der gehobenen sprache vor. die ausdehnung des pluralgebrauches selbst steht im zusammenhang mit der in der neueren sprache zunehmenden verengerung und einschränkung der collectivbedeutung (s. 3).
1)) die formen des accusativs und nominativs:

sie streuten ihm palmen! sie warfen
ihre gewande vor ihn, und ruften: hosanna dem sohne Davids!
Klopstock Messias 7, 607;

ebenso 12, 121. 12, 154. 16, 295; ebenso Bürger Ilias 22, 154;

aber bade dich nun und lege dir reine gewand' an.
Voss Odyssee (1806) 4, 750

(1781 ein reines gewand); ebenso 4, 750. 13, 67. Orpheus der Argonaute 651. 760. 1135. Hölty ged. 51; in schwarze gewande verhüllt Voss Orpheus der Arg. 964. Odyssee 7, 6. 15, 104. 24, 44;

doch nun wieder welch erscheinen.
liegen schätze dort verborgen? blumenstreifige gewande
hat er würdig angethan.
Göthe (Faust 2) 41, 229, ebenso 30, 50. 39, 255 u. a.;

wir kommen, wir kommen,
mit festlichem prangen
die braut zu empfangen;
es bringen die knaben
die reichen gewande, die bräutlichen gaben.
Schiller (braut v. Mess. 3, 5) 14, 92;

und eines weibes leuchtende gewande,
vom strudel fortgerafft, die nacht durchblinken.
Grillparzer (Libussa) 8, 111, 123;

weh, ihr damen! die gewande
haschen schon die wilden wellen,
und die hemden schüchtern flackern,
ohne schiffe, luft'ge segel.
Cl. Brentano ges. schr. 2, 413, ebenso 3, 15:

auf seinem gipfel (des berges) stehn zwölf greise
und schauen in des himmels pracht.
sie hüllen sich in die gewande
und schlummern über jeden tag.
G. Schwab (legende v. d. 3 königen 1) 441;

mit sinnender miene wirft er (der schneider) die ballen auseinander ... macht ... brautgewande und todtenkleider mit der nämlichen nadel. Hebel (über das glückliche los des schneiders) 4, 346;

Helena trat indes an die kleidertruhen, darin sie
bunte gewande, das werk ihrer eigenen hände, verwahrte.
Jordan Odyssee 15, 104, vgl. oben zu
Voss;

jetzt finden wir das kostbare stück unter Voltaires schriften, wo wir es mit erbauung lesen mögen. der geniale schalk versteht sich in alle gewande zu hüllen. Bernays schriften 2, 169 (zur erinnerung an herzog Leopold).
2)) die form des dativs:

jene gingen; es führten sie Ares und Pallas Athene.
beide waren von gold, in goldnen gewanden gekleidet:
schön in ihrer rüstung und grosz.
Stolberg Ilias 18, 518

hier wuschen die ritter
sich auf befehl der priesterin ab, und dekten die glieder
mit umduftenden weiszen gewanden, das opfer zu feiren.
Wieland Hermann 1, v. 632;

der geliebte sohn des Odysseus,
angethan mit gewanden, und hängte das schwert um die schulter.
Voss Odyssee 2, 3 (1806; legte die kleider an 1781),

ebenso 4, 253. Ovid nr. 38, 43. Orpheus der Argonaute 811;

[Bd. 6, Sp. 5259]


man musz sich nach des landes weise richten,
wie in getränken, speisen und gewanden,
so manchmal auch im malen und im dichten.
Uhland (Fortunats) 1, 356 E. Schmidt, ebenso 1, 212. 204.

ähnlich Heine 7, 195 (Lutetia 2). Geibel juniuslieder 151;

in diesem thal der weiszen blütenbäume
kam mir des ortes genius oft genaht ...
er gieng nicht steif in classischen gewanden,
gieng keck und flott und trank wie ein student.
Scheffel widmung zum gaudeamus.


γ) die starke form des plurals taucht zuerst aus mundartlichen guellen auf (ganze bethgewenter Münchener bericht von 1632 bei Westenrieder beitr. 7, 316); in die schriftsprache ist sie durch Lessing eingebürgert worden: ich meine die verschiedenheit in der bekleidung. ... und diesen leuten antworten kenner der kunst in allem ernste, dasz es allerdings ein fehler wider das übliche sei (figuren nackend darzustellen), dasz aber die künstler dazu gezwungen worden, weil sie ihren figuren keine anständige kleidung geben können ... und lieber gegen die wahrheit selbst verstossen, als in den gewändern tadelhaft werden müssen. (Laokoon) 9, 42;

stieg empor.
in's duftende gemach, wo, allerlei
an kunst, gewänder lagen, das gewerk der mädchen Sidon's.
Bürger Ilias 6, 379 (wo sie die schönen gewande verwahrete.
Voss);

der art nach, an die wir unser auge gewöhnt, ist mancher figur ihr kleid so nöthig, als mancher schöne ihr leichtes nachläsziges gewand: und da eine bekleidete welt doch die welt unsres anschauns, und des üblichen um uns ist; die malerei aber für das anschauen arbeitet — wie wesentlich sind ihr nicht die gewänder. Herder (die plastik von 1770) 8, 134;

ein schlender
von weiszem krepp, halbeng, halbweit
und faltenreich, wie griechische gewänder ...
kurz ein Pariser hemd, mit breiter falbala,
dient der verwelkten brust zum täuschenden futtrale.
Gotter (miszkalender) 1, 68;

von den modernen bildhauern wurden sehr wenige so häufig, von befugten richtern, den meistern Athens und Roms an die seite gestellt, als Donatello, vorzüglich wegen seines musterhaften geschmacks in stellungen, gewändern und umrissen. Matthisson (umrisse aus Italien, Florenz) 4, 187; was die gewänder betrifft, malte er diejenigen zuerst, über deren farben er schneller gewisz geworden. Göthe (J. Bossi über Leonard da Vinci) 39, 117, ebenso 39, 7 (1840); ebenso Heinrich Meyer kl. schriften zur kunst 121. J. Paul Quintus Fixlein 21; die mannigfaltigkeit unserer gewänder. Göthe 36, 262, ebenso Heinrich Meyer kl. schriften zur kunst 114. Schiller 12, 448. Chamisso (Salas y Gomez 2) 4, 155. G. Schwab legende von den 3 königen 8; da ... der gröszere kunstwerth in den harmonischen zu jedem charakter, zu jeder stellung passenden gewändern liegt. Göthe 44, 21. 43, 418; die wundersamen wesen sind zumeist in schleppende, zur not aufgeschürzte gewänder von grauer oder brauner farbe, auch wohl in reines weisz gehüllt. Mörike (maler Nolten 1) ges. schriften 3, 12; auf einem hügel in der nähe wurde ein trupp reiter sichtbar, die abendsonne vergoldete rüstungen und gewänder. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 148;

ich stand verdutzt.
rings griechische gewänder! — ists auch noch
die alte Davidsstadt?
O. Ludwig (die Makkabäer) 3, 313.


3) gewand in der neuhochdeutschen periode.
schon die mittelhochdeutsche zeit hatte gewand auf kosten des älteren gewæte obsiegen lassen, und im ausgange dieser periode kann eigentlich nur noch von einem wettstreite zwischen gewand und kleid die rede sein. dieser letztere ist es nunmehr, der den neuhochdeutschen gebrauch beherrscht und verschiebt. gewand wird in seinem verwendungsgebiete durch das allgemeinere und beweglichere synonym eingeengt, erfährt aber in den ihm eigenen gebrauchsformen eine steigerung und mannigfache differenzierung.
die bedeutung pannus, tuch, ist die erste, die am gebrauche von gewand verkümmert, sie führt bald nur noch in den wörterbüchern ein scheindasein.
unter den von gewæte übernommenen bedeutungen vestimentum, vestis schwindet die erstere, der umfassende begriff, der die mittelhochdeutschen belege beherrscht hatte. die verwendungen und verbindungen dieser art werden von den collectivformen kleidung, kleider in besitz genommen. nur die bairischösterreichische mundart bewahrt hier reste früheren allgemeineren gebrauches.

[Bd. 6, Sp. 5260]



der engere, individualisierende begriff vestis andererseits, der in mittelhochdeutschen belegen weniger zur geltung gekommen war, giebt jetzt die eigentlichen anhaltspunkte für den gebrauch und für die abgrenzung der synonymen formen.
kleid ist bedeutungsschwächer, abstracter; gewand erschlieszt mehr vorstellungsgehalt und beruht auf eindringlicher lebendiger anschauung. einerseits ist es die vorstellung des faltenwurfs, die den gebrauch beherrscht; sie führt das wort namentlich da ein, wo die tracht der antiken welt, aus neuerer zeit diejenige des orientes, die frauenkleidung, die geistliche tracht, die vermummung in weite faltige stoffe gekennzeichnet wird. gelegentlich wirkt bei neueren schriftstellern auch die etymologische anlehnung an winden mit. in zusammenhang mit diesen beobachtungen steht das allgemeinere ergebnis, dasz gewand von der gehobeneren sprache der poesie, wie der prosa bevorzugt wird; man vgl. z. b. den ungewöhnlich starken verbrauch in Freytags ahnen; wo das synonyme kleid in der gehobenen sprache verwendung findet, handelt es sich meist um den abstracten begriff, oder der darsteller sucht einer wiederholung des ausdrucks auszuweichen. charakteristisch nach all diesen punkten ist die abhandlung von Herder (die plastik von 1770), die das gegensätzliche verhältnis des bildhauers und des malers zur frage der bekleidung oder entblöszung der dargestellten personen entwickelt. wo vom bildhauer gesprochen wird, herrscht gewand vor, wo vom maler die rede ist, kleid, kleider u. a.: in der bildnerei ist gewand, als gewand unwürksam, nicht blos, weil es verhüllet, sondern auch, weil es etwas fühlbar macht, was in seinem wesen und zu seinen zwecken nicht fühlbar sein muste. ... in der malerei ists, dem ersten grundsatz ihres wesens nach, anders. sie zeigt die schöne oberfläche, so fern sie anscheinendes bild giebt, und zu diesem anschein gehören auch kleider. ... das kleid wird nicht mehr, als es seiner natur nach sein soll, farbe, anschein; der mahler kann also in sie, in ihren wurf, in ihre falten, in ihren schön verhüllenden betrug würklich einen theil seiner kunst legen. ... der art nach, an die wir unser auge gewöhnt, ist mancher figur ihr kleid so nöthig, als mancher schöne ihr leichtes nachlässiges gewand: und da eine bekleidete welt doch die welt unsres anschauns, und des üblichen um uns ist; die malerei aber für das anschauen arbeitet — wie wesentlich sind ihr nicht die gewänder! Herder (die plastik von 1770) 8, 133. 134; kunst soll fühlbar schöne form, ein schönes völliges vom körper geben; unter einem gewande gibt sie nichts davon, und statt dessen nur einen unangenehmen steinernen teppich. durchs nasse gewand wird das teppichartige, körperliche des kleides vernichtet: es wird nur eine vorscheinende wolke, durch die ein körper durchscheinet, und fürs gefühl noch seine schöne fülle behält. 137; es ist die gemeinste bemerkung, dasz in der bildnerkunst die bekleidungen gar nicht von der würkung sind, als in der malerei, dasz wenn in dieser sich ein würklicher grosser theil der schönen kunst in den gewändern äuszern kann, sie in jener der hand des bildners nie meisterstück seiner kunst, sondern öfters ein ungelegnes hindernisz werden. 133; wenn uns das gewand blos etwas besseres, einen schönen körper, entzöge; so gölte die klage über diesen raub, der malerei nicht minder, als der bildhauerei: denn beide arbeiten — auf das schöne und in beiden ist das schöne eines vollkommenen körpers doch immer etwas schöneres, als das schöne eines vollkommenen kleides. 133; gebildet kann nichts werden, und also auch dem sinn des schönen nichts fühlbar werden, als was an sich fühlbar sein soll, ein solidum, ein völliges; sind das aber gewand und lumpen? in der natur sind sie der bedeckung, der noth wegen da ... nur hüllen für den körper, ihn unsichtbar zu machen, dörfen und sollen sie so wenig als möglich selbst körper sein. und in der kunst sind sie doch nichts als körper. das herabfallende gewand von stein, von erz, von holz hört auf gewand zu sein ... das unding von gewande ist das wesentliche der kunst geworden und das dadurch verhüllte wesentliche ist für das gefühl vernichtet. 132; Apollo vom siege des Pythons kam gewisz nicht unbekleidet; aber sehet! der künstler wusste das gewand zu entfernen, wo ers nicht brauchen und auch nicht gar missen konnte. da stehet der überwinder mit freier brust und bis an die füsze nacktem leibe: die träge last des kleides ist zurückgeschoben, und ruhet, wo sie das mindeste verbergen kann, auf seiner rechten schulter und seinem vorgestreckten arme. wer den schönen freigebildeten körper mit seinem auge fühlet, und bedenkt, was er bei umwundnen

[Bd. 6, Sp. 5261]


gewande nicht hätte fühlen können, wird nicht warum? fragen. 135.
in der sprache der poesie üben noch immer versmasz und reim ihren einflusz aus auf den jeweiligen gebrauch des einen oder andern der beiden synonyma, vgl.:

solt auch die kleider all zerschneiden,
kein ganz gewand nit an dir leiden.
dann wer jetzund nicht an im treit
ein lumpecht wol zerhawen kleidt,
den heiszt man gleich ein bawrenknollen.
Scheidt Grobianus 133 neudr.;

liebes kind, was bist du mir doch ein lässiges mädchen!
deine kostbaren kleider, wie alles im wuste herumliegt!
und die hochzeit steht dir bevor! da musz doch was schönes
sein für dich selber.
Voss Odyssee 6, 26 (ausg. von 1781);

vgl. dazu:

welch ein lässiges mädchen, Nausikaa, bist du der mutter!
dein gewand, wie liegt es in wust, so gepriesener schönheit
und dir naht die vermählung, wo schönes du brauchst. ausgabe von 1793.

A. W. Schlegel (charakteristiken und kritiken 2, 134) tadelt an dieser stelle, dasz gewand als collectivum gebraucht sei, er gesteht zu, dasz dies dem ursprung des wortes entsprechen könne, meint aber, jetzt sei es 'gewisz gar nicht üblich'. zum bestreben, bei wiederholung des begriffes den sprachlichen ausdruck zu differenzieren, vgl.:

mein sohn, von diesem tag' an schnitt'
ich jammernde die locken mir vom haupte,
seit diesem tage schmückt kein weiszes kleid
die glieder mehr, nur dieses nächtliche
gewand, das du hier siehst, hat mich bekleidet.
Schiller (scenen aus den Phönizierinnen) 6, 133.

hier ist auch die verschiedenheit der für jedes der synonyma zuständigen ableitungen in betracht zu ziehen, so hat die schriftsprache z. b. nur neben kleid ein verbum entwickelt, während das verbum gewanden auf mundartlichen gebrauch beschränkt blieb. dies gilt z. b. für die obigen belege aus Herder. in der sprache des gemeinen lebens ist gewand ganz ausgestorben, es wird auch von den mundartenmit ausnahme der bairisch-österreichischennicht mehr geführt, vgl. z. b. Lenz zum Handschuhsheimer dialect s. 28. anders verhält es sich mit wand, vgl. sp. 5256.
a) die letzten ausläufer der bedeutung tuch, pannus.
α) litterarische belege.
1)) die überlieferung der rechtssprache: als man in vergangenen joren verordnet hat, das alles willen gewant ... so man mit der elen hie in der stat Strossburg usschniden und verkufen wil, vor und ee im wasser genetzet sin sol ... so haben unser heren ... ietzt verwilliget und nochgelosen, das man nun furbas hin alle Strossburger dch, Swebsche dch ... nit me schuldig sin sol, z netzen. Straszburger verordnung von 1502 bei Schmoller s. 107. verbot, das 'wullengewand' ellenweise auszuschneiden (gerichtet an die 'so auffm land sitzen'). in der bair. landsordn. von 1553 bei Schmeller 22, 94; uber diese sind auch mancher hand kleinot, als bürsten, scheren, spiegel, u alle gewand und laken, welche zu frawen kleidern geschnitten, gold und silber so zu frawen geschmuck gewircket, zu der gerade gehörent, aber gantze gewand und laken, die zu weiblicher kleidung nicht geschnitten, auch silber und gold, das zu frawen geschmuck nicht gewircket oder gemachet ... die volgen dem erbe, und nicht der gerade. Georg v. Rothschitz processus iuris deudsch. Leipzig 1855 (Z 2); wer gewand schneiden will, soll dieser stadt bürger sein. Danziger willkür (handschr. des 16. jahrh.) druck von 1761 s. 171; niemand soll anderswo, als in seinem laden gewand schneiden. ebenda; der fürfang sei aines richters umb verstollens oder teupiges guet, ist daʒ guet von gwond, als oft ain puesen als oft 72 . ... ist es aber ganz und unverschnidtnes gewand, es sei gefärbtes tuech oder loden, von iedem orth 72 . (landrecht von Lungau, handschr. von 1673) österr. weisth. 1, 239; von ainem orth geschlachtuech in der freiung 4 . von ainem orth loden oder wasz desselben gewants verkauft wiert in der freiung 2 . österr. weisth. (freiheiten und recht von Gleisdorf 1685) 6, 220.
2)) in der allgemeinen litteratursprache hält das 16. jahrh. noch ziemlich fest an der bedeutung pannus; für das 17. jahrh. flieszen die beispiele fast nur noch aus Grimmelshausens Simplicissimus, im 18. taucht vereinzelt die poetische erneuerung des gebrauches auf und im 19. jahrh. verwendet G. Freytag mit bewusztsein die verbindung gewand schneiden als ein kennzeichen alterthümlicher sprache:

wann man fart gen Franckfurt hin
und ich ein schiff weisz uff dem Rin,
dann zwing ichs faren z dem landt;
darinn vil spetzeri ich fandt,
silber, goldt und tch gewandt.
Murner narrenbeschwörung 84 neudr, nr. 119;

[Bd. 6, Sp. 5262]


Telemachus gieng in die schatzkamer, darin gold und allerlai ertz haufficht, darz vil gewandt inn den kästen. Schaidenreiszer Odyssea 8a; ann. 1523 ... ist under den juden ein feuer uffgangen und nemlich Simons des juden husz mit andern zweien hausen verbronnen, auch sunst grosser schade an gewant, gelt, cleinot gescheen. W. Königsteins tagebuch (1523), s. quellen zur Frankf. gesch. 2, 68; ich hab von einem tuch gewand, verkauft ein dritteyl und ... sechs eln. Mich. Stifel coss Christoph Rudolphs 208; sontags nach Nicolai seindt der Magdenburger reuter auszgeranndt und einen wagen, dorauf bier, wein und gewandt gewesen und nach Deszdorff faren wollen, bekommen. d. städtechron. 27, 213 (Magdeburg 1550); als man seiden gewand findt, die von zweien farben gewürkt sind. Dürer nachlasz 327; auch wenn das ist, das zu dem heiligtumb so vil gewants herkompt, das dieselben unten in dem gewanthaus nit alle gesteen mugen und zu eng ist, so hat man zu zeitten auf der wag feil gehabt. Tucher baumeisterbuch 246; anfengklich hetten ihn auch viel streicher und auszgeloffene münche angesetzt, denen er gewand zu kleidern ausznam. Mathesius Luther 145a; wie man denn teglich sihet, das die, so arm gewesen sind, und haben etwas erworben, mit einem handel, als mit gewand, oder dergleichen, so fallen sie darauff, und legen noch ein handel zu. Agricola sprichw. nr. 304; er und sein jung giengen stattlich gekleidet, welches gewand darzu jhme sein geist zu nachts, zu Nürmberg, Augspurg oder Franckfurt einkauffen oder stehlen muste. volksbuch von doctor Faust 25 neudr.; haben iber die 40 beladene maulthier von wulle gewandt und mererlai wahren beladen mitt uns in der convoia gehabtt. H. U. Krafft reisen 107 Hasler;

item, mich daucht dasz einer kam,
der tausent centner silber nam,
und hengt sie mir an meine hand,
die trug ich als ein stück gewand.
Ringwaldt v. d. treuen Eckardt E 4a;

von allerhand gewand, wolle, seide, baumwolle und leinen, beides zu betten, tischen und tapezereien, hatten wir nichts, als was wir auff dem leib trugen. Grimmelshausen Simpl. 31 neudr.; dan ich hatte meines einsidlers rock an, wan ich denselben anders noch einen rock nennen darff, dieweil das erste gewand, darausz er geschnitten worden, gäntzlich verschwunden. 52; hierauff fragte mein zimmermann, was wol vor wahren in der kiste sein mögten, darauf antwortete sie, es wären etliche chinesische stücke gewand, etliche gewehr und waffen. 556; das er (der kaufmann) zeug und gewand zu verkauffen habe. Butschky Pathmos 339;

flachs und wolle zu gewand,
würket sie mit muntrer hand.
Herder lieder der liebe 1778 (werke 8, s. 557);

und die nächte bei ihren gepriesenen weibern
ruhn sie auf weichem gewand.
Voss Odyssee 10, 12 (1806).

dazu vgl.:

aber des nachts ruht neben der züchtigen gattin
jeder auf prächtigen decken im schöngebildeten bette. (1781)

(unter die decken gestreckt. Jordan), ebenso Odyssee 24, 44; unter ihnen hielt Johannes der kaufmann, den sie Langhans nannten (zu ihm sagt Henner) gestattet, chevalier, dasz wir nach unserm devoir thun, wenn wir auch wenigen geübt sind, gewand zu schneiden, als ihr. G. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 71.
β) die überlieferung der wörterbücher zeigt auffallende schwankungen. in einer der ältesten, noch in den anfang des 15. jahrh. reichenden buchungen ist bereits das verhältnis zwischen gewand und tuch einerseits, gewand und kleid andererseits in einer weise geregelt, die dem sprachgebrauch weit vorauseilt, die aber schon deswegen beachtung verdient, weil sie der kaufmännischen fachsprache entstammt: daʒ gebant, la veste, die cleider, le veste, daʒ tuch, el panno. italienisch - deutsches sprachbuch von 1424 (Bayerns mundarten 2, 389). die meisten anderen wörterbücher halten bis in die mitte des 17. jahrh. an der bedeutung pannus auch für gewand aufrecht. von da an sind es mehr nur die zweisprachigen wörterbücher, die diese gleichung noch verzeichnen. die wörterbücher der deutschen sprache erwähnen die bedeutung pannus meist nur im zusammenhang mit der niederdeutschen nebenform wand, wie Stieler, Frisch u. a. oder sie verzeichnen sie als veraltet.
1)) pannus, hd. tuch, thuch' ... gewant. Diefenbach 410a; gewand, pannus, vestis, indumentum, ciclas, diplois. Diefenbach-Wülcker 619; gewant . in . d . doick Schueren Teuthonista 304b; pannosus, angelegt mit vil schnodem gewant. vocab. incip.,

[Bd. 6, Sp. 5263]


vgl. Diefenbach 409a; gewant, pannus; vulgariter tuch. vocab. incip. theut.; gewandt, getüche, drap, draperie. Hulsius (1614) 163b; gewand, tuch, wandt, unzerschnitten gewand, wad, zeug zum kleid. Henisch 1593; dreischiftig gewirk oder gewand, das ist das mit dreien bäumen und dreien schemeln gewirkt wird, zwilch, federrit (drillich), ein grad oder carisei in wullen gewand, tela aut vestis triplex. 748, vgl. theil 2, sp. 1390; karisey, ein jeder grad in wullenem gewand, zwilch, federitt, ein durchsichtig gewirk oder gewand, das mit drei kammen gewirkt wird. 588. 748; chiffon, haillin, m. ein lump, ein zerrissener und nichtswertiger lump, ein alt gewand, lacinia, panniculamentum, scruta. Duez dict. gall.-germ.-lat. (1664) 141b.
2)) gewand, n. un habit, vêtement, vestimentum. nouveau dict. du voyageur (1703) 145; gewand, getüche, panno, drappo, drappi, panni, drap, draperie. Rädlein 381b, ebenso Pomai grand. dict. royal 132b; gewand, (1) das wand oder tuch, cloth, drapers ware. teutsch-engl. wb. (1716) 769; gewand, pannus, vestis, amictus. Aler 935a; gewand, i. e. tuch, (wöllin) laaken. gewand, kleid, s. d. Krämer niderhochteutsch und hochniderteutsch dict. (Nürnberg 1719) 2, 96c; gewand, laken, kleid, gewaad. Kramer nieuw woordenboek (Leipzig 1768) 2, 133b; gewand, drap, robe, etoffe, habit, vêtement, habillement, draperie volante. nouveau dictionnaire (Straszburg 1772) 339b; gewand ... se dit de chaque ouvrage de soie de laine, de fil etc., le drap, l'étoffe. Schwan (1782) 1, 743.
3)) wand und gewand, omne genus telae et panni. Stieler 2406; das wöllen tuch hat man vor alters absonderlich want oder gewand geheissen, und die so in den städten damit gehandelt, waren von den vornehmsten, und hiessen an statt tuchhändler, gewand-schneider. Frisch 2, 421. wand an statt gewand: tuch, laken, pannus. Richey 333; gewand ... 1) ein jedes gewebe, ein jeder zeug, er bestehe aus wolle, seide oder garn; besonders so fern er zu kleidungsstücken bestimmet ist. ohne plural. in dieser weitesten bedeutung, in welcher es nur noch zuweilen in der höhern schreibart gebraucht wird, kommt das einfachere wand nur noch in dem zusammen gesetzten leinwand vor. 2) in engerer bedeutung, ein wollenes gewebe, tuch, gleichfalls ohne plural, auszer von mehreren arten und quantitäten. auch in dieser bedeutung ist gewand sowohl, als das einfachere wand den Hochdeutschen ziemlich fremd, nicht aber den Ober- und Niederdeutschen. besonders ist wand und gewand in Niedersachsen für wollenes tuch noch völlig gangbar. s. gewandschneider. Adelung 2, 650, ähnlich Campe 2, 359. Stosch 3, 322 ff.; wad, gewand tuch, s.wath. wathmann. Hennig preusz. wb. (1785) 339; wand oder wangd wird hier grobes schlechtes tuch genannt. 296.
4)) gewand ... ein jeder zeug (ohne plural) ein wollenes gewebe (selten) ein kleid (in der höheren schreibart). Voigtel handwb. 2, 80; gewand, wollenes tuch Arnoldi beiträge zu den deutschen glossarien 47; gewand, wollenes tuch Wallraf altd. histor.-diplomat. wb. 28; gewand, wand, nicht nur kleidungsstück, sondern auch das tuch, aus welchem kleidungsstücke verfertigt werden. Brinckmeier gloss. dipl. 1, 914. vgl. auch Schmeller 22, 940.
5)) nicht unmöglich ist es, dasz die im 18. jahrh. mit vorliebe gebuchte bedeutung draperie (vgl. sp. 5266) auf die bedeutung pannus zurückführt. sie läszt sich freilich ohne zwang auch aus der speciellen entwicklung ableiten, die die bedeutung vestis, vestimentum in der kunstsprache der malerei und bildhauerei genommen hat, vgl. oben die belege aus Herder.
6)) eine andere entwicklung läszt sich aus folgenden vereinzelten buchungen erschlieszen: vestis pexa, ain dick tuch das vil gwand hat. Junius nomenclator von 1629, s. 88 nach Schmeller 22, 941 (in der ausgabe von 1602: vestis pexa ... von guten Lindischem tuch, das man wol bescheren mag); dem tuche ein gewand ... einen guten filz geben, feutrer un drap, donner un bon feutrage au drap. Schwan (1782) 1, 743.
b) die bedeutungen vestis, vestimentum.
α) das vordringen der concurrenzform kleid.
1)) in der bibelübersetzung zeigt sich deutlich, dasz es mitteldeutscher einflusz ist, der diese form begünstigt. die ältere oberdeutsche bibel hat die form kleid nur in seltenern fällen: und ir blut ist gesprenget auff mein gewand: und ich hab entzeúbert alle meine cleider. Jes. 63, 3 bei Eggestein (ähnlich Koburger; daher ist jr vermügen auff meine kleider gesprützt, und ich hab alle mein gewand besuddelt. Luther). meist dagegen herrscht hier die form gewand vor.
a)) diese form wird in den belegen aus dem neuen testament

[Bd. 6, Sp. 5264]


schon in der Beheimschen übersetzung durch kleid verdrängt, während der cod. Tepl. stets an gewand festhält. Luther stimmt hier fast durchaus mit den neigungen seines landsmanns überein und hat dadurch dem vordringen von kleid entschieden vorschub geleistet. die belege begreifen sowol die collectivbedeutung wie die individualisierenden färbungen des begriffes in sich.
α)) si teilten in seine gewand si legten das losz: das derfúllt wúrd das geseit ist durch den weissagen sagent. si teilten in meine gewand. und auf meinen gewand legten si daʒ losz. Matth. 25, 37 bei Eggestein (ebenso Koburger; si teilten im sein gewant ... si teilten in mein gewant, und auf mein gewantd legten si daʒ losz. cod. Tepl.; dô teilten sie sîne cleidere und worfin lôʒ, ûf daʒ irfullit wurde das gesprochen ist durch den prophêten sprechinde: si habin en geteilet mîne cleidere und ubir mîn cleit worfin si daʒ lôʒ. Beheim; teileten sie seine cleider ... sie haben meine cleider unter sich geteilet, und uber mein gewand haben sie das los geworfen. Luther, Dietenberger, Eck). ebenso die gleiche stelle in Marc. 15, 24 und in psalm 22, 19, wo an stelle der Beheimschen übersetzung die Trebnitzer psalmen die mitteldeutsche bevorzugung der form kleid bezeugen: si teilten in di cleider min unde uf das cleit min santen si daʒ los. (21, 19). das gleiche an anderen stellen: und si legten ir gewande auff das fülle ... si streüten ir gewand an den weg. Luc. 19, 37 bei Eggestein (ir gewand Koburger; si worfen ir gewant uf daʒ fule ... si streuten ir gewant an dem wege. cod. Tepl.; ire cleidere ... ire cleidere. Beheim; worffen ire kleider auff das füllen ... breiteten sie ire kleider auff den weg. Luther, Dietenberger, Eck). ebenso die gleiche stelle in Matth. 21, 8.
β)) ist den nit di sel mer den daʒ essen und der leip mer den daʒ gewant? Matth. 6, 25, cod. Tepl. (ebenso Eggestein, Koburger; der lîcham nitht grôʒir wan daʒ cleit? Beheim; und der leib mehr denn die kleidung. Luther, Eck, Dietenberger).
γ)) hut euch vor den falschen weissagen, di zu euch koment in scheffim gewanden. Matth. 7, 16, cod. Tepl. (in scheffin gewande Eggestein, Korurgrr; di z ûch kmen in schêfînen cleideren. Beheim; die in schafskleidern zu euch komen. Luther, Eck, Dietenberger).
δ)) wan seine gewand wurden gemacht weiʒ alʒ der snee. Matth. 17, 3, cod. Tepl. (ebenso Eggestein, Koburger; sîne cleidere sint wîʒ worden alse der snê. Beheim; seine kleider wurden weis als ein liecht. Luther, Dietenberger, Eck). ähnlich Matth. 11, 8. 27, 31. 28, 3.
ε)) wan der oberst phaff raiʒ sein gewant. Marc. 14, 63, cod. Tepl. (ebenso Koburger, Eggestein; reiʒ sîne cleidere Beheim, Dietenberger, Eck; da zureis der hohepriester seinen rock. Luther); daʒ si alain rurten den saum seinʒ gewandʒ. Marc. 6, 56, cod. Tepl. (ebenso Koburger, Eggestein; daʒ si nr sînes cleides soum berrten. Beheim; ebenso Luther, Dietenberger, Eck); ebenso Marc. 5, 27. 10, 49.
ζ)) wann keiner nimpt das stuck des neüwen tchs und neet es an das alt gewand. Marc. 2, 21 bei Eggestein (ebenso Koburger, cod. Tepl.; an ein alt cleit Beheim, Luther, Dietenberger, Eck), ebenso die gleiche stelle in Matth. 9, 16; in welcher weiʒ bistu ingangen, nit habent hochzeitlich gewant. Matth. 22, 12, cod. Tepl. (ebenso Eggestein, Koburger; wan du hâst nicht ein brûtlûft cleit. Beheim; und hast doch kein hochzeitlich kleid an. Luther, Dietenberger, Eck).
b)) für die beispiele aus dem alten testament treten die Trebnitzer psalmen als zeugen des vordringens der concurrenzform ein, vgl. psalm 22, 19. 104, 2; sonst Luther, der die ersten belege bietet, vgl.: und er sprach z den di do waren uber die gewand. bringt die gewand allen den knechten Baal und si brachten in gewande. 2 kön. 10, 22 bei Eggestein (ebenso Koburger; das sprach er zu denen, die über das kleiderhaus waren, bringet allen dienern Baal kleider er aus, und sie brachten die kleider er aus. Luther, ähnlich Dietenberger, Eck), ebenso 5 Mos. 22, 5. 3 Mos. 13, 59; und der mensch wasch sein gewande. und er wirt rein. 3 Mos. 13, 6 bei Eggestein (ebenso Koburger; er soll seine kleider wasschen. Luther, ebenso Dietenberger, Eck), ebenso 3 Mos. 14, 8; ähnlich Jes. 61, 10. 63, 1. 3 Mos. 13, 45; warumb ist rot dein gefesz, und dein gewand als der die do tratten in der presz. Jes. 63, 2 bei Eggestein (ähnlich Koburger; warumb ist denn dein gewand so rotfarb, und dein kleid wie eines keltertreters. Jes. 63, 2 bei Luther, ebenso Eck [kleider]; kleid ... gewandt Dietenberger). ebenso psalm 104, 2. richter 14, 19.

[Bd. 6, Sp. 5265]



c)) einigemale führt Luther entgegen andern specialisierenden synonymen Beheims die allgemeinere form kleid ein: der hatte ein lang weis kleid an. Marc. 16, 5, ebenso Dietenberger, Eck (ainen junglink ... gevasset mit weissem gewand. cod. Tepl., ebenso Eggestein, Koburger; bedackit mit einer blankinden stôlin. Beheim); ebenso Marc. 12, 38.
2)) auch auszerhalb der eigentlichen bibelübersetzung läszt sich in der geistlichen dichtung der gleiche procesz beobachten. so lautet die bühnenanweisung des Augsburger passionsspiels aus St. Afra (vgl. Hartmann Oberammergauer passionsspiel s. 32) entsprechend der oben angeführten bibelstelle (sp. 5264): Caiphas zerreist sein gewand. bei Hans Sachs (litt. verein 136, 282) finden wir an der gleichen stelle: zerreist sein kleidt.
3)) auch die wörterbücher legen zeugnis ab für das zurückweichen unseres wortes, vor allem die fremdsprachlichen. wo die fremde sprache die alphabetische gliederung beherrscht, macht sich namentlich in den jüngeren buchungen die verdrängung bemerklich, während die älterenim besondern die oberdeutschenan gewand noch festhalten. wo der deutsche wortschatz alphabetisch gegliedert erscheint, ist gewand allerdings nicht leicht umgangen, es wird aber später doch durchaus als die nebenform gekennzeichnet.
a)) der fremde wortschatz beherrscht die aufzeichnung.
α)) vestis hd. kleid, gewant vocab. lat.-germ. bei Diefenbach 616b; vestis gewandt, bethgewandt, vestimentum leibsgewant. S. Heyden nomenclatura rer. domest. a 4a; indumentum gewand, vestis, vestimentum kleid. Frischlin nomenclator tril. (1580) 180b, ebenso noch 1631; universa vestis in vestiario seclusa ... ein hauffen kleider oder gewandt. Junius 148a (sonst dort überall nur kleid gebraucht); vestis kleid, kleidung, gewand. Frisius (1574) 1370b.
β)) vestis, vestimentum, amictus, kleid. Spieser (im deutschlat. theil: gewand, kleid, vestis 151a); ebenso Bayer.
b)) der deutsche wortschatz beherrscht die anordnung.
α)) nider gewand, subligar Dasypodius F 2; gewand, indumentum, kleid, vestis, vestimentum. Emmel nomenclator quadrilinguis 331; gewand, kleidung, vestis, vestimentum, indumentum. Maaler 179a; gewand, n. hoc vestimentum, haec vestis. Gürtler 74b.
β)) gewand, vestis requ. kleyd. Erasmus Alberus novum dict. genus O 2b (im sonstigen text nur kleid); gewand v. kleid Weismann lex. bipart. 157a; gewand s. kleid Chomel 4, 1041 (kleid, kleidung, oder ein gewand. 5, 1187).
β) gewand in der umfassenden bedeutung von vestimentum. die bedeutungsentwicklung hat gezeigt, wie weit die einzelnen verbindungen den collectivbegriff an unserem worte abgestuft und abgeschwächt haben. die umfassendste bedeutung, die sich auszerhalb solcher verbindungen oder neben dem generalisierenden pronomen hält, ist wesentlich auf die ältere periode der neuhochd. sprache beschränkt, der neueren zeit gehört sie nur in engeren sprachkreisen an, so als terminus technicus der malersprache oder als mundartliches wort. in der verbindung mit dem possessivpronomen wird naturgemäsz die verengerung des begriffes angebahnt, doch gehören auch hieraus einige verwendungen in unseren zusammenhang, vgl. sp. 5261 das beispiel aus Voss, der den versuch wagte, in alte verlassene bahnen wieder zurückzukehren.
1)) die umfassendste bedeutung.
a)) ältere belege.
α)) ohne artikel:

want mer min sinn das vor ware sprach,
dasz hie ist der ware Crist ...
dar umb sollen mer nicht beiden,
mer sollen uns dar zu bereiden
und gehen em entgegen mit gesange.
mer soln auch sim gange
mit palmen zeren und gewant,
so wirt uns gnade voin em bekant. Alsfelder passionsspiel 2556 Grein;

du ich begunde schauwen
die palmen under ene strauwen
und kleider und gewant. 3816;

er schwert, das kain hantwercks gesel
pleibt, wos im wol get in einer werckstate,
sünder nach einer andren stel,
fint doch daheim den wirt frw unde spate.
was er an eim ort schewchte,
wirt im zwifach peschert,
wo er hin kert;
das lant crewzweis drch zewchte,
pis er gwant und geltlich verzert.
H. Sachs Sant Niclas aid (fabeln u. schwänke 3, 170).

[Bd. 6, Sp. 5266]



β)) mit dem generalisierenden pronomen:

gewint si ein chindelein,
eia so mst du der vatter sein ...
dannoch ist es nicht gar wechant;
eia du mst sorgen umb das gewant,
... umb das fleisch und umb das prat. Erlauer spiele 1, 36 Kummer;

man spricht, dass kleider machen leuth,
zerhuddert voller leuss bedeut.
wie an den federn wird erkannt
ein vogel, so auch das gewand
gibt zu erkennen mann und weib,
dass doch mans ziel zu ferrn nicht schreib.
Kirchhof wendunmuth (3, 127), 2, 403 f. Österley.


b)) der terminus technicus der malersprache begegnet schon bei Dürer und wird später namentlich von den wörterbüchern festgehalten: dann mit dem grossen fleiss kann ich ein angesicht in einen halben jahr kaum machen. so hat je die tafel schier 100 angesicht ohne gewand und landschaft und ander ding, die daran seind. Dürer nachlasz 51; daraus erklärt sich die griechische kunst: sie bekleidet so wenig, als möglich, oder wenn sie muste, auf eine art, die das gewand als gewand vernichtigte und das völlige des körpers auch unter demselben zu fühlen gab. daher ihr nacktes und ihre bearbeitung nach waszergewändern. Herder studien und entwürfe zur plastik (werke 8, 88); mit diesem worte drükt man überhaupt alles aus, was in zeichnenden künsten zur bekleidung sowol der figuren als auch lebloser dinge gebraucht und was man in der kunstsprache gar oft mit dem französischen wort draperie bezeichnet ... dieses kann hinlänglich sein den künstler zu überzeugen, wie wichtig es sei, die kunst des gewandes zu studiren. Sulzer 2, 413 f.; gewand ... 3) ein kleid, ein kleidungsstück, besonders ein solches kleidungsstück, welches zur bedeckung gröszerer theile des körpers bestimmt ist ... in dieser bedeutung ist es im hochdeutschen nur in der höhern schreibart üblich ... doch brauchen es die mahler und bildhauer noch von allen, besonders weiten kleidern und kleidungsstücken, womit die figuren bekleidet werden; franz. draperie. Adelung 2, 650. Campe 2, 359. ebenso Stosch 3, 322 ff.; gewand (en terme de peint.), la draperie. Schwan (1782) 1, 743; gewand, als gegenstand der schönen kunst betrachtet, s. bekleidungskunst und draperie. Krug philos. lex. 2, 261.
c)) für mundartlichen gebrauch liegt auszer den bairischösterreich. zeugnissen nur die bemerkung von Arnoldi vor: gewand für kleidung überhaupt ist noch in der hiesigen gegend gebräuchlich. beitr. zu den deutschen glossarien (Marburg 1798) 47; sonst vgl.: das gewand ... bei unserm volk der gewöhnliche ausdruck für das hochd. kleidung oder kleid (collectiv). Schmeller 22, 940. ebenso Schöpf Tiroler idiot. 800. Lexer kärnt. wb. 249; guots, letzis giwant, hoasetg'want, czeitngwant (festtagsgewand). Lexer ebenda; 's gwants, die kleidung Rank Böhmer wald 119; wie gehst denn du's an, dasz bei dir so viel zeit und 's gewand draufgeht. Anzengruber (jungferngift 3, 2) werke 8, 56; 'mutter, ich möcht' so viel gern nach Wien gehen ...' du närrisch, was fällt dir denn ein ... wo nähmst du das gewand und das geld her? Rosegger (waldheimat 1) 8, 251.
2)) ansätze zur bedeutungsverengerung durch die verbindung mit dem possessivpronomen:

das das hoffolk nit enkan
den neuen trit, den wir han.
darum pis sein ane far
unserm gewant und unsrem har,
darzu mit springen und mit spranzen,
das uns mit neuen tanzen
kain ritter nie geleich ward. Neithartspiel, fastnachtspiele 1, 397 Keller;

sie habn je weder gelt noch pfandt,
vol leus und flöh ist jr gewandt.
H. Sachs (der Eutenspiegel mit den blinden) fastnachtspiele 51, 170;

ich zeüch huner und gens on zil
und is ir selber nicht gar vil,
ein kittel mein gewande. fabeln u. schwänke (die fünfzehn ordensleute) 3, 66 Götze-Drescher;

in dem der knecht sich auch nit sambt,
im hembd wider int herberg schlich
und wolt seim herren auch heimlich
da stelen alles sein gewant. (d. herr mit dem spielsüchtigen knechte) 2, 164;

[Bd. 6, Sp. 5267]



jungkfraw, wol ihr mit ins Ungerland,
so nembt mit euch all ewer gewand, ...
so nembt mit euch all ewer gewandt.
stampen müssen die staden
ich mag nicht in das Ungerland,
hab sorg, es kleck mir nit all mein gewandt ...
stampen müssen die staden. d. niederländische lied von 1608, zeitschr. f. d. wortforschung 1, 58;

last uns eins toppeln, der minst ist knecht: es glückt basz, wann ich mit singen darzu pasz: sechs unnd siben, haben mich vertrieben, ausz meinem gewand, das thut mir and. Fischart Garg. 146 neudr.; und zoch sein gewand ausz und warf sich nackend in die angel der doren und in die enczüntnusse der nesseln. Gregors dialog (Augsburg 1473) II cap. 2;

ein schne jungfraw allzmal
fand ich sitzen bei einem bett,
ihr gewand sie abgezogen hett.
Fischart flöhh. (1573) 6 neudr. nr. 5;

so hett sie auch all ihr gewant
hoch hangen dort an einer wand. ebenda;

gib mir, wie du verheiszen hast,
mein brod und mein gewand,
und führ' in tages hitz und last
mich treulich an der hand.
Gerok (morgenlied) palmblätter 179.


γ) die verengerung des begriffes, die zu der bedeutung des einzelnen kleidungsstückes führt, erwächst aus der veranschaulichung: es ist meist nur ein theil der kleidung, der dem beschauer in die augen fällt,das charakteristische stück, an dem auch die beziehung auf einen bestimmten träger, die hervorhebung einzelner züge haftet.
ohne beziehung auf einen einzelnen träger wird diese bedeutung seltener angezogen: die gröste veränderung in der welt ist der fort- und umlauf im reiche der geister, der unsichtbaren kräfte und begierden. hier wechseln die himmel wie ein gewand, und die alte mutter erde verjüngt und drehet sich ewig. Herder (vom erkennen und empfinden 1775) 8, 304;

da fällt sie leblos,
wie ein gewand, in unsrer hand zusammen.
H. v. Kleist (Penthesilea 9) 2, 349.

die träger sind naturgemäsz personen, im ausgedehnten übertragenen gebrauche (s. u.) personificationen aller art. die beziehung auf andere als menschliche wesen ist auszerhalb des übertragenen gebrauches natürlich ganz vereinzelt:

kaum hatte noch des schneiders hand
ein buntes comisches gewand
dem muntern affen umgehangen:
so gab sein rock ihm das verlangen,
sich in dem spiegel zu besehn.
Gellert (der affe) schriften 1, 281.

bei der beziehung auf personen tritt, wie schon bemerkt, der faltenwurf als beherrschende vorstellung hervor. für die anlehnung an den in winden zu grunde liegenden begriff vgl.: ihre weste trag ich bey ieder feyerlichkeit, ich möchte ein ganz gewand haben das sie gesponnen und gewürckt hätten um mich drein zu wickeln. Göthe briefe 4, 58. der faltenwurf macht sich als beherrschendes moment schon in der thatsache geltend, dasz der haupttheil der belege das weibliche geschlecht als träger voraussetzt (s. unten), während beim männlichen geschlecht die belege wesentlich auf die kleidertracht der antike, des orients, vermummungen und die der frauentracht ähnliche kleidung der geistlichen beschränkt bleiben.
1)) belege, in denen die vorstellung des faltenwurfs nicht vortritt.
a)) das substantiv ohne kennzeichnende attribute.
α))

von Keisersperg die klugen,
die kamen dar zu hand,
ein liferie si antrugen
und alsant ein gewand. streit v. Erikort 1474 bei
Liliencron hist. volksl. 2, 39;

oan gewand ham, wie da hund oan hout. ober-österr. sprichwort bei Wander 1, 1650; kein gewand kleidet schöner als demuth. ebenda, vgl. Simrock 1529;

da wusch er sich von staub und blut
gewand und waffen helle.
Uhland (Roland schildträger) 1, 266 E. Schmidt;

erlauchter jüngling, tausendmal willkommen!
die boten, die wir jüngst nach dir gesandt,
sie brachten erst nur ein gewand von dir,
dasz unsre sehnsucht sich ersättige,
bis du uns selbst erschienest.dies gewand,
wir trugen es umher, wir fasztens an,
wir küszten es gleich einem heiligthum. (Konradin) 1, 210.

[Bd. 6, Sp. 5268]



β)) das gewand ziert nicht den stand. Wander 1, 1650;

du darffst nit gantz in kessel sitzen:
las dich nur ein wennig spritzen!
wan ein tropfen riert das gwand
so dringt es durch den leib zuo handt
bis es gereiniget hat die sel.
Murner badenfahrt 31, 31;

wallt der busen dir? das gewand bebt;
pocht das herz dir nicht, weil die hand bebt?
Platen (ghaselen 37) 2, 20;

scheint es dir nicht gut,
ihm auf's gewand ein feines kreuz zu sticken?
Hebbel Nibel. 2, 4, 6;

wie die schönheit seiner glieder
durch die lumpen des gewands,
so durch fetzen seiner lieder
leuchtet hell des gottes glanz.
A. Grün (zwei poeten) ged. 201.


γ))

reichet mer her min gewant!
das wel ich wedder an thun zu hant
und wel mich widder heim zu hus keren
und gott vom himelrich eren (sagt Lazarus). Alsfelder passionsspiel 2291 Grein;

sein gewand an eine
säule hängend, um's zu trocknen, legt er
schlafbedürftig in den nächsten kahn sich.
Platen (Abassiden 7) 4, 290;

dein haar ist nasz,
und nasz ist dein gewand.
Grillparzer (des meeres u. der liebe wellen) 7, 52;

euch aber, ihr fremden, fordere ich auf, gutwillig abzusteigen und euer gewand abzulegen ... eine helle stimme rief: 'nimmer geb ich euch gewalt über kleid und leib' ... aber augenblicklich war er umringt, vom rosse geworfen, des gewandes entkleidet. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 68; man empfängt dich nach deinem gewande, und verläszt dich nach deinem verstande. fliegende blätter nr. 2293 s. 4, s. Sanders citatenlex. 261.
b)) das substantiv mit kennzeichnenden attributen.
α)) vermörkt die maut in dem gericht zu Vorau ... von ainem gemachten gewand vom stuck 1 . österr. weisth. (marktordnung zu Vorau 1603) 6, 118; es soll auch niemant an dem Frauenmarkt ein gementels gewant füer ein neies hingeben. es soll auch niemant ein neien gewant an dem markt fail tragen dan in dem hausz. (banntaiding u. rechte zu Eggenburg 17./18. jahrh.) 8, 606; trieffend nass fügten sich diese, so auss dem [unfreiwilligen!] bad kamen, ein ieder nach seinem losament und gewarsam, trocknes und anders gewand anzulegen. Kirchhof wendunm. (2, 22) 2, 42 Österley; in selicher schmechlicher unfr kam der abbt durch hilf der seinen in ain ander hausz und zu morgens fr in verendertem gewand zu der stat ausz. J. Knebel Donauwörther chronik bei Baumann quellen zur gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben s. 267, ebenso in Knebels chronik von Keisheim 465a.
β))

wie kompt in mich vom tod ein grusen!
bin ich nit sicher in der waldklusen?
was nutzt mich ietz min härin gwand,
so ich ouch mss in's müsenland. der einsiedler im todtentanz des
Niklaus Manuel bei
Bächtold s. 7;

zum lobe des Hildebrandischen goldalters, auswendig zu lernen, und im härenen gewande, unter begleitung einer altdeutschen nachtwächterschnurre hervorzukrächzen. Voss krit. bl. 1, 518;

der könig mit eim seiden gwand
Joseph bekleidt, und von seinr hand
den ring wegnimpt und ihm vertrauwt,
auf den er sein gantz königreich bauwt.
Frischlin deutsche dichtungen 73 (Joseph act. 4);

dem Herakles, der sein weib verliesz,
von anderer liebe gelockt,
sandte sie rächend ein leinen gewand.
Grillparzer (Medea 3) 3, 213.


γ)) neben dem stnd ein schöner man, mit ainem gar ersamen gewand. Gregors dialoge (Augsburg 1473) II cap. 38; der liebreiche vater bereitet ihn dazu noch mehr, und stattet ihn gleichsam aus durch die mitgabe der ihm so nothwendigen erfindung eines tüchtigern gewandes, als seine feigenblätter waren. Herder (briefe das studium der theologie betreffend 1) 10, 21;

zu den kisten,
wo sie die schönen gewande verwahrt, die sie selber gewirket.
Voss Odyssee 15, 104 (1781; bunten gewande 1806);

eine trug die saubern gewand' ihm, mantel und leibrock. 13, 67 (1806);

[Bd. 6, Sp. 5269]



min sun, stand uff, ender din leben!
das alt han ich dir als vergeben.
bringend mir hr das firtag gwand
damit bekleidend inn z hand.
G. Binder Accolastus 5, 5 (1533), s.
Bächtold Schweizer schauspiele 1, 256, vgl. unten sp. 5281;

schmückt euch zur kirchen, ihr gäste,
rüstet ein festlich gewand.
Gerok (glockentöne) palmblätter 185;

ich summe sonette zu ihrem preise,
umschwebe sie artig und dienstbeflissen;
wer sich bewegt in so feinem kreise,
darf anstand und fein gewand nicht missen.
A. Grün (colibri) ged. 281.


δ)) z ainer andern zeitt kamen z im etlich billgrin die gar zerrissen gewand an hetten, also das si vil nach mit ainander nackent waren. Gregors dialoge III cap. 14;

ains tages zog ain priester uberlande,
zu dem ein get stalprueder kom
in ser posem gewande,
zerhawt, zerflamet alles sam.
H. Sachs (das ei im pfaffenbett) fabeln u. schwänke 3, 316 Götze;

dort nachdem er sich selbst unwürdige striemen gegeisselt,
und in schlechte gewand', als knecht, sich die schulter gehüllet.
Voss Odyssee 4, 245 (1806; in schlechte lumpen 1781);

der ankömmling schleicht wie ein pilgrim unbemerkt umher, dem herrlichsten und heiligsten naht er sich in unscheinbarem gewand. Göthe (Winckelmann) 37, 34.
2)) belege für die männertracht, die von der vorstellung des faltenwurfs beherrscht sind.
a)) die antike kleidung: der leidende Herkules in dem vergifteten gewande, von der hand eines alten unbekannten meisters. Lessing (Laokoon) 93, 18; bleibe also den bildsäulen das feine coische gewand, durch welches sich der geschlanke leib und das runde knie und die weiche hüfte und die traube der jugendlichen brust gleichsam durchfühlet: da ists an stelle. Herder (die plastik von 1770) 8, 138; eine einzige vortreffliche griechische statue geht ... über all euer fratzenwesen von unreifen gesichtszügen, noch so affektirt geworfenen gewändern. Heinse Ardinghello 1, 281; in die antiken gewänder hat er (der künstler) sich gut hineingedacht, und man merkt nichts gezwungenes. 2, 13;

denn die Böoter und Jaonen in langen gewanden,
... hielten den stürmenden Hector ab.
Stolberg Ilias 13, 685 (in langem gewand.
Voss).


b)) tracht des orients, vgl. das seiden gewand in Frischlins Joseph, s. o.: des reichen mannes purpur unnd seiden gewand ... wird da nicht viel gelten. Mathesius hochzeitspred. 209 neudr.; neben dem Griechen im langen bunten gewande standen der jude im kaftan, der syrische christ mit weiszem turban. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 164; Lys ... hatte seiner zeit zu studien für das bild mit dem Salomo versuchsweise ein altorientalisches königskostüm anfertigen lassen; das lange gewand war von weiszem feinem battistleinen in viele falten gelegt und mit purpurfarbigen ... troddeln und fransen besetzt. G. Keller grüner Heinrich 3, 203; Lys ... pflegte niemals auszugehen, ohne eine grössere summe geldes in noten bei sich zu tragen, einer langjährigen reisegewohnheit zufolge. auch jetzt hielt er die brieftasche in seinen gewändern irgendwo versorgt. 221.
c)) einhüllung und vermummung:

der fleisz ...
wirft ihn (den wilden) in ein warm gewand von wolle, zeigt ihm, sich zu kleiden
in fliessender und zarter leinwand.
Brockes (Thomsons jahreszeiten, herbst 85) 287;

auf einem gerüste stand dort ein maler, welcher ... zwischen den von oben einfallenden morgenlichtern und den halbvollendeten, betenden gestalten mit ihren reichen, leuchtenden gewändern, wie in dem kelch einer wunderbaren blume schwebte. Eichendorff (dichter und ihre gesellen 1, 8) 3, 72; graf Kraft von Toggenburg steigt in hochrotem, schönfaltigem gewand auf einer leiter zum söller der geliebten empor. G. Keller Züricher novellen (Hadlaub) 1, 95;

und mildere gestalten treten
hervor in wallendem gewand,
die künstler sind es, die poeten,
mit goldnen harfen in der hand.
Gerok palmblätter (sind d. d. knaben alle?) 5;

still ziehn sie ein im wallenden gewande,
mit sanftem schritt, gleich einer priesterschaar. (ave Cäsar) palmblätter 76;

[Bd. 6, Sp. 5270]


der graue mantel ist von seiner schulter geglitten und er steht da in einem weiszgoldenen gewande. G. Hauptmann Hanneles himmelfahrt 90.
d)) die geistliche tracht: daʒ sich die jüdischhait ... mit so erbern claidern und priesterlichem gewannde zieren und beclaiden, daʒ menglich und sunder geste, die sie nicht aigenlich erkennen, sie für priester eeren. d. städtechron. 5, 375;

da wsch der pfarer wie ein fraw
mit aufgschuercztem gewande.
H. Sachs (die drei saubern stücke) fabeln u. schwänke 3, 197 Götze;

es soll mich pabsts Pelagii ehr würdig angesicht nit ermiltern wie Totilam: noch Leonis päbstlich gewand und hirtenstab erschrecken wie Attilam. Fischart Garg. 350 neudr.; dazu hier also die bilder von thronen und kronen, vom weiszen priestergewande und dem zu rath sitzen um den thron des herren. Herder 9, 129;

still legt er von sich das gewand
und küszt des meisters strenge hand
und geht.
Schiller (kampf mit d. drachen) 11, 282.


3)) die frauentracht.
a)) allgemein, ohne dasz die form gekennzeichnet würde.
α)) das substantiv ohne attribute:

ein fromm frau laszt wol ir gewand
vor der badstuben an der wand,
aber sie zihet ein bessers an,
welchs kain wasser abwäschen kan
von schamlot, das ist zucht und scham.
Fischart (ehezuchtbüchlein A 6b) werke 3, 133 Hauffen;

die morgenscene lebte gewaltig in Lockmanns einbildungskraft, und das gewand der göttlichen schönheit (Hildegards) war ihm kaum ein dünner schleier. W. Heinse (Hildegard v. Hohenthal) werke 2, 16;

die lampe setze hin und hole mein gewand.
Grillparzer (Melusina) 7, 252;

darum habe ich heute, da ich zum heiligen abendmahl gehe, dies gewand angelegt. ich trug es den tag, wo ich die frömmsten und besten vorsätze meines lebens faszte. Hebbel Maria Magdalena 1, 2;

recht als lew tregt sie ein brust:
das thut mich offt verdrissen.
wolt gott, solt ich sie noch meinen lust
inn mein ermelein schlissen!
schwartz braun ist ihr gewand
blau thut ihr wohnen bei.
darmb tregt mancher has und neid,
das sie mir kan vertreiben leid. bergreihen (neudrucke 99 ff.) nr. 20, 24;

woher so früh? dir trieft das haar von thau,
und dein gewand ist blutbesprengt.
Hebbel Nibel. II, 1, 1;

ich kann mich nicht an so viel licht gewöhnen,
es thut mir weh, mir ist, als ging' ich nackt,
als wäre kein gewand hier dicht genug! 1, 6;

die schönen mädchen von Tiflis
die lieben schmuck und zier: ...
von sammt und seide schier
musz beinkleid und gewand sein.
Bodenstedt Mirza Schaffy Tiflis 2.


β)) das substantiv mit appositionellem genetiv oder entsprechendem adjectiv:

dann ich mich auch einmal befand
gar stoltz in einer fürstin gewand,
und meint ich wer schon selb ein herr,
da was mir zwar mein end nit ferr.
dann wol zehen mgt eilendt kamen.
das gwand z ihren handen namen
zerschlgen, klopfften, flochten das,
kein ntlein vor jhn sicher was.
Fischart flöhh. 7 neudr.;

darnach ein mädchen, steh'nd auf stolzem pferde!
sechs sieben jahre alt! mit der kleinen hand
den braunen zügelnd! schimmernd im gewand
der amoretten.
Freiligrath (Landrinette) dicht. 1, 127;

weit doch die mehrsten
schreckt der erhabenen miene (d. jungfrau), wenn todesgewande
den thron ihr
donnergewebt umgraun.
Baggesen (Parthenais 1, 5);

eine locke blonder haare,
die gewande einer nonne,
nimmt er weinend aus dem kasten,
und dann eine schwere rolle.
Cl. Brentano ges. schr. 3, 15;

schwarz hängt der himmel über diesem land,
und besser ziemte mir der trauerflor,
als das gepränge bräutlicher gewänder.
Schiller (M. Stuart 2, 2) 12, 448, ebenso
Uhland (sängerliebe) 1, 204 E. Schmidt;

[Bd. 6, Sp. 5271]


ihr künstlerisches gewand, halb mantille, halb oberrock, stand ihr hübsch und nett. Hebbel briefwechsel 1, 123.
γ)) hervorhebung bestimmter eigenschaften (farbe, gewebe, beschaffenheit):

indem der eremit so mit sich selber spricht,
kommt eine frau, gar fein von angesicht ...
in silbernem gewand, mit ringen und mit spangen.
Wieland (die wasserkufe) 13, 59;

neben den quellen sind geräumige becken zum waschen,
schöne, steinerne becken. hier wuschen die weiber der Troer
und die reitzenden töchter vordem die blanken gewande.
Bürger 3, 432 (Ilias 22, 154);

wenn man sie (die königstochter) an den schönen festen unter einer schar reitzender gespielen, im weiszen, glänzenden gewande erblickte. Novalis (H. v. Ofterdingen) schriften 1, 30 E. Heilborn;

als sie die zierlichen hände sodann und die schwellenden arme
fast bis zur schulter hinauf gehüllt in die seidenen handschuh,
deren violenglut zum lilienweissen gewande
schön abstach, ergriff sie den feingeflochtenen spanhut.
Kosegarten (Jucunde 2) dichtungen 1, 74;

versprich mir,
dein haar nicht abzuschneiden, auch kein schwarzes
gewand um dich zu schlagen.
Schiller (Iphig. in Aulis 5, 6) 6, 225;

alle geschwister sofort, umhüllt mit schwarzen gewanden,
nahn der Ceres betrübt.
Voss Ovid nr. 38, 43;

der reiche sarg, von künstlerhand gezimmert,
mit einer fürstin purpurnem gewande, ...
bedeutet er nicht groszes weh dem lande.
Uhland (Katharina) 1, 118 E. Schmidt;

ihm folgte ein seltsam gekleidetes mädchen zu pferde im blauen gewand. Eichendorff (dichter und ihre gesellen 1, 5) 3, 43;

kinder, so früh an die luft, da bethaut noch blinkt der hollunder?
und in so dünnem gewand', Amalia?
Voss (Luise 2. idylle) 1, 77;

sie trug freilich nur ein schlicht gewand. Th. Storm (zur chronik von Grieshuus) werke 6, 190; vor das gericht des landvogts gerufen, erschienen sie in verlockend üppigem gewande. Keller Züricher novellen (landvogt von Greifensee) 1, 286; es fällt auf, dasz die alten gesetze der im mittelalter allgemeinen regel, die genothzüchtigte solle zum beweis der that allsogleich mit zerrissenem gewand und struppigem haar lautes geschrei erheben, gar nicht gedenken. Grimm rechtsalterth. 633;

dort kommt die mutter ...
zerrissen das gewand.
O. Ludwig (Makkabäer 4) 3, 385;

mit blutbespritztem wagen und gewand kam die unmenschliche tochter nach hause zurück. Schlosser weltgesch. 22, 425;

sie legt die eine kalte hand
dem ritter auf das kinn
und hält ihr moderndes gewand
ihm mit der andern hin.
Hölty (Adelstan u. Röschen) 13.


b)) in bezug auf schnitt und form sind es drei momente, die die verbindungen beherrschen: das langhin schleppende, der faltenwurf und das einhüllende, umflieszende.
α))

ich mich hengt
ainer gnadfrauen inn das gwand,
welches sie nachschlaift durch kat und sand.
Fischart flöhh. 1007;

das herabfallende gewand von stein, von erz, von holz hört auf gewand zu sein ... das unding von gewande ist das wesentliche der kunst geworden und das dadurch verhüllte wesentliche ist für das gefühl vernichtet. Herder (die plastik, 1770) 8, 132;

furchtsam, dasz dem gewand den saum nicht tränkte der moorsumpf,
wankte sie hin ...
jezo betrat sie den steg, und hob ein füszchen mit vorsicht
über den zaun, dasz enthüllet die zwickelblume hervorschien,
ordnete schnell das gewand, und schwang wie ein reh sich hinüber.
Voss (Luise 1, 133) 1, 18;

geflüglte pagen warten dir (der Maria) auf,
sie flechten dir blumen und bänder
ins goldene haar, sie tragen dir nach
die schleppe deiner gewänder.
Heine lobgesänge auf könig Ludwig 3.


β))

hab ein gespenstisch weib hier sitzen sehn.
das streckte mir aus weitgefaltetem
gewande langsam eine dürre hand.
Schiller (jungfr. v. Orl., prolog 2) 13, 176;

keine falte des gewandes darf ihr verschoben werden, denn sie wird beschützt — von Lucrezia Borgia. C. F. Meyer Angela Borgia 52; die göttin der schönheit sollte gar keine falten haben. ... wozu überall ein gewand? kann das verwünschte

[Bd. 6, Sp. 5272]


gewand, wie leicht es auch geworfen ist, etwas anders thun als die schönheit umwölken ... dasz die göttin der schönheit auch durch die zierlichste bekleidung verliert, ist natur der sache. Wieland (Aristipps briefe 1. buch) 33, 181; die zeichnung (der heiligen Agnes) ist in edler und groszer manier ausgeführt, das gewand gut geworfen und das kolorit harmonisch verschmolzen. Matthisson (umrisse aus Italien, Pisa) 4, 221;

die rosen heut, o muse von dem haupte,
das gestern noch im schoosz der frohen jugend schlief; ...
reisz schnell, der weste spiel, das flatternde gewand,
in schmutzig unachtsame falten.
Lessing ('briefe', nr. 21) 53, 97;

weit eher entfliehst du dem ehrnen geschick
als diesem durchbohrend verschlingenden blick;
weit eher eindringenden keren gefahr
als diesem geflochtnen geringelten haar;
weit eher der wüste beweglichem sand
als diesem umflatternden regen gewand.
Göthe (Pandora) 40, 397;

schöne mädchen warten auf
in leichten losen gewanden.
Geibel (Mene Tekel) juniuslieder 151;

wo nur irgend ein weibliches gewand im winde flatterte, da trug ihn sein zitternder fusz hin. H. v. Kleist (erdbeben in Chili) 4, 4.
γ)) auf der andern seite, wo sich der sohn nannte, steht die in ihr groszes gewand verhüllte parze. Herder (wie die alten den tod gebildet) 5, 663;

von ihren lenden flieszt ein farbiges gewand
mit flisterndem geräusch in den erstaunten sand. neue beiträge z. vergnügen d. verstandes u. witzes. Bremen 1746 (verwandlungen 1) 1, 210;

bald schlossen alle hand in hand:
ain freier tanz ward angefangen.
da flosz ihr unbewahrt gewand
auf grüner erde hin.
Uz (d. litteraturdenkmal nr. 33) 9;

leichtlich umflosz das gewand sie, als war's aus blauen violen
duftig gewebt.
Gregorovius Euphorion s. 31;

wie das gewand um deine glieder,
schlingt sich der reim um meine lieder;
schön mögen des gewandes falten sein,
doch schöner musz, was sie enthalten, sein.
Bodenstedt Mirza Schaffy, verm. tieder 42.


c) die übertragene verwendung hatte in der mittelhochdeutschen dichtung trotz der spärlichen beispiele doch schon eine gewisse vielseitigkeit belegen lassen: der kreis der träger hatte sich erweitert, indem er anthropomorphische vorstellungen (engelische gewæte, gewand der sonne, heide, linde) und abstractionen (der tugende gewæte) aufgenommen hatte. möglich war dies durch die herausarbeitung des begriffes der hülle, als welche auch der leib der seele gegenübergestellt war (fleischliches gewæte). nach beiden richtungen hat die neuhochdeutsche periode den übertragenen gebrauch ganz auszerordentlich erweitert. diese erweiterung, die sich namentlich gegen die einschränkung abhebt, die der allgemeine gebrauch erfahren, steht unter dem einflusse der besonderen pflege, die dem wort in der gehobenen sprache zu theil wurde. deutlich läszt sich hier unterscheiden zwischen den verwendungen, die der poetischen anschauung entspringend an der sinnlichen grundbedeutung festhalten, und solchen, die mit dem übertragenen gebrauch zugleich eine umbildung der bedeutung verbinden, die dem abstracten begriff der hülle, der form im gegensatze zum inhalt, zustrebt.
α) die verwendungen, die an der sinnlichen grundbedeutung festhalten. die beziehung auf das menschliche geschlecht tritt hier naturgemäsz ganz zurück, die meisten belege bedeuten eine erweiterung des kreises der träger auf grund anthropomorphischer anschauung.
1)) vereinzelte belege für poetische übertragung innerhalb der beziehung auf menschen:

heller und röther blühn
alle wangen des blumenvolks,
das den schmeichelnden kuss ihres gewandes (d. mädchens) fühlt.
Hölty (an d. phantasie) 50;

der sänger geht auf rauhen pfaden,
zerreiszt in dornen sein gewand.
er musz durch flusz und sümpfe baden,
und keins reicht hülfreich ihm die hand.
Novalis (H. v. Ofterdingen) schr. 1, 44 E. Heitborn;

unschuld ist ihre seide, reines leben ist ihr gewand. Herder 9, 208;

nur
sind wenige zu Sardes, die
nicht ihr gewand befleckten — wenige,
sie wandeln einst, hell an gewand, mit mir,
denn sie sinds werth! —
wer überwindet, ihn erwartet hell
gewand! (Johannes offenbarung) 9, 16;

[Bd. 6, Sp. 5273]



himmlisches leben im blauen gewande,
stiller wunsch im blassen schein,
flüchtig gräbt im bunten sande
sie den zug des namens ein —
unter hohen, festen bogen,
nur vom lampentlicht erhellt,
liegt, seitdem der geist entflogen,
nun das heiligste der welt.
Novalis (d. gedicht) 1, 385 E. Heilborn.


2)) die erweiterung des kreises der träger des begriffes.
a)) religiöse vorstellungen:
α))

licht ist das gewand Jehovahs,
mit glanz und herrlichkeit ist er geschmückt.
Herder (archäologie d. morgenlandes) 6, 11;

Jehova, du mein gott, bist schön und herrlich,
bist prächtig schön geschmückt.
er kleidet sich in sein gewand, das licht,
er breitet aus die himmel, wie ein zelt. 11, 266;

ist schönheit, sonne, morgen, frühling, blüthe des lebens, ist ein geschöpf voll reiz und wonne in der ganzen natur vergebens? kams nicht, also geschmückt aus den händen desz, dem licht sein kleid ist und morgenroth der saum seines gewandes? 8, 635 (lieder der liebe 1778);

wer legte dem meer schleusen vor,
als es hervorbrach wie aus mutterleibe?
als ich ihm wolken zum gewand'
und nacht der gewitter zu windeln bestimmte? 6, 16 (archäologie des morgenlandes);

was wahr und gut ist, hängt mit dem sensorium der schöpfung, dem groszen geiste zusammen, an dessen gewande nichts umkommt. 8, 213 (vom erkennen und empfinden 1778).
β)) Natalis Comes giebt dem tode ein schwarzes gewand. Lessing (wie die alten den tod gebildet) 113, 52; mein Karl! wenn du um mich schwebst im gewand des friedens. vergieb mir. Schiller (räuber 5, 2) 2, 192;

ich seh' die toten; ...
weisz das gewand und weisz das angesicht.
Heine (götterdämmerung) 1, 187 Karpeles.


b)) naturerscheinungen und concrete vorstellungen.
α))

du bist reizend, o mond, wenn du, lächelnder gott,
durch das blaue gefild, im gewande von licht,
deine tritte beflügelst.
Hölty (hymnus an d. mond) ged. 47;

immer reitzest du mich, freundliches auge der nacht,
wenn du dem ost entsteigst, und im rothen gewand
hinter dem walde hervor gehst. 263;

prangender erschien die morgenröthe
in Himerens rosigtem gewand.
Schiller (götter Griechenlands) 6, 23;

dämmrung kleidet den hain in ihr graues gewand.
Hölty (hymnus an d. morgensonne) 45;

sie kömt, die nacht! und alles lauschet;
kein stern erhellet ihr gewand. Göttinger musenalmanach auf 1770 (Denis);

nie breitet um die stille welt
die nacht ihr thauiges gewand.
Schiller (Dido 513) 6, 402;

die ihr einhergeht im gewande der nacht
und auf des sturmes fittichen wandelt.
Grillparzer (Argonauten) 5, 51;

und nun von fern
winkt gähnend das gespenst des alltags wieder
im spinnwebgrauen, schleppenden gewand.
G. Hauptmann der arme Heinrich 2, 4.


β))

die morgenrötin kömmet her ...
das land mit ihrer zarten hand
bestreuet sie mit gilg und rosen.
und mit süszköstlichem gewand
will sie der weiten welt liebkosen.
Weckherlin ged. 107;

er hat auch das gewand der erde so geschmücket:
das augen und vernunft es sehn erstaunend an.
Lohenstein Hyacinthie 18;

o du gottes herrlichkeit,
du der erde schönes kleid,
zart gewand, wo alles webt,
und zu höherm leben strebt.
Herder (die schöpfung) 6, 189;

der du den boden des erdreichs gründetest,
dasz es ewiglich veststehet, wie ein pallast!
mit tiefen deckest du es, wie mit gewande,
und waszer stehen über den bergen. (archäologie d. morgenlandes) 6, 17;

reizender als dieses allgemeine grüne gewand, in welches sich die ganze vegetabilische natur gewöhnlich kleidet, sind jene entschiedenern farben, womit sie sich in den stunden ihrer hochzeitfeier schmückt. Göthe (beiträge zur optik, einleitung) 58, 247;

du gluthenreiche zone,
der erde königsland,
die sonn' ist deine krone,
sand ist dein gelb gewand.
Freiligrath (an Afrika) dicht. 1, 223;

[Bd. 6, Sp. 5274]


den schwarzen gesellen ärgerte wol das weiszglänzende gewand der erde. Auerbach neues leben 2, 159; die neue sonne findet nicht mehr das flaumige, mattweisze gewand der landschaft, sondern einen harten, glänzenden stahlpanzer. Tschudi thierleben der alpenwelt 24;

schneeweisz ragt sie (die jungfrau) vom fusz bis zur scheitel, die hoch in des lichtraums
oberstem blau sich verliert, umreiht von dunklen gebirgen ...
keiner ... schaute von hier der himmlischen lächelndes antlitz
ohne zu fassen den wunsch, ihr zu nahn, und, genaht, auch den saum nur
ihres krystallnen gewands, entrückt der erde, zu küssen.
Baggesen (Parthenais 1) 1, 5;

wer dabei gewesen wäre, als die erde die berge gebar, als die ungeheuren kinder der erde schosz sich entwanden, die, nackt geboren aus glühendem schosze, erstarrten in der kalten luft, welche über der erde lag; wer dabei gewesen wäre, als lauere lüfte kamen, die kalten kinder auftauten in warmer sonne, ihr eisig gewand zu wasser ward. Gotthelf (Käthi, die groszmutter) 10, 9.
γ))

hier sah das kleine ding
den schönsten schmetterling,
mit ausgespanntem flügel
im pomp vorüberziehn.
ein lichter farbenspiegel
von gold, ultramarin
und silber und carmin
war sein gewand.
Pfeffel (grillchen u. schmetterling) poet. versuche 5, 68;

tauben dort, die überm meere kreisen,
sonst nur bettler, die nach nahrung reisen,
heute doch im silbernen gewande
flügelpilger zum gelobten lande.
A. Grün gedichte (sonntagsmorgen) 65.


δ))

blumen und stauden bekannten die hand des leitenden gärtners;
blumen entfalteten hier ihr farbigt gewand
an dem stengel.
Bodmer d. Noachide, 1. gesang;

wieder ist der frühling in's land gekommen,
ist in blumigem, buntem gewand gekommen.
Bodenstedt Mirza Schaffy, lieder d. klage 2;

stolz sehn dort die tannen nieder,
ihr gewand vertauschend nie!
freiheitdurst'ge waffenbrüder,
haltet farbe, so wie sie!
A. Grün (ungleicher tausch) gedichte 107.


ε))

doch hat daselbst vor allen
eine jungfrau mir gefallen.
ihr auge blinkt wie klarer wein,
ihre wangen sind nicht bleiche,
wie prächtig ihre kleider sein,
von lauter schwerem zeuge;
von eichenholz ist ihr gewand,
von birkenreifen ihre band',
das mieder, das sie zieret,
mit eisen ist geschnüret.
Hauff (lied auf die rose), phantasieen im Bremer ratskeller;

raff' auf die knochen, dein morsch gestein,
steig' auf im alten gewande,
du leiche jetzt, o väterschlosz,
ein schmuck und stolz dem lande.
A. Grün (ein schlosz in Böhmen) ged. 410.


c)) personification und abstraction.
α))

des kampfes richter nehmen mild und schmeichelnd
nun zur erhohlung ihr die waffen ab,
und kleiden sie in festliches gewand.
Bürger 2, 142, jubelfest der Georgia Augusta;

zittert vor der greisen alma mater, die als ahnfrau unserer universitäten ihr faltenreiches, mottenzerfressenes gewand auf dem boden der aula einherschleift und ihre alten liebhaberpedanten durch junge und frische zu rekrutiren sucht. Wienbarg ästhetische feldzüge, zueignung IX;

etwa mein schwesterlein,
prosa heiszt sie gemein,
trägt oft mein gewand,
die fängt man mit der hand.
Grillparzer (die muse beklagt sich) 2, 184;

der krieg im blutigen gewande
geht würgend aus auf sein geboth.
Uz (litteraturdenkmale nr. 33) 197.


β))

schlägt dein schattenflügel, schwarzer kummer,
mir die seele? oder umwehest du
meinen geist im flug, hohe schwermuth?
rauschet in nacht dein gewand mir.
A. Lamey lieder eines Franken am Rheinstrom (1791) 227;

o welches eden, das ich verloren!
wo ich gewandelt in füll und lust,
vom most der jugend und rausch durchgohren,
des wohlbehagens gewand geschleift
durch gärten, dicht wie das haar des mohren.
Rückert (5. makame) 11, 260;

[Bd. 6, Sp. 5275]



der thorheit nimmt die dunkelheit
ihr an der sonne schimmernd kleid
und farbigtes gewand.
Uz 142;

aus dieser reinen quelle schöpft sie (die bühne) ihre lehren und muster, und kleidet die strenge pflicht in ein reizendes lockendes gewand. Schiller (was kann eine gute stehende schaubühne eigentlich wirken?) 3, 516; als Liane auf sich blickte und hier ihr leben allein im dunkeln gewande stehen sah — drüben das leere haus des geliebten — hier das ihrige, das auch leer für sie geworden. J. Paul Titan 3, 80; der macher eines solchen neuen stückes verfährt dann in ähnlicher weise. zunächst faszt er ins auge, 'was die zeit bewegt', so heiszen für ihn oft jene kranken paradoxieen des denkens und fühlens ... jener grillige äuszerste fransenbesatz em gewande der zeit. O. Ludwig (Shakespeare studien) 5, 49.
γ)) ich kann hierinn die elegie nicht besser mit einem traume vergleichen. diese vergleichung sagt vielleicht viel. die ganze bilderreihe, die vor ihrem auge vorbeistreichet, ist in einen heiligen schleier halb verhüllt, der das dunkle gewand der traumgesichte zu sein pflegt. Herder (fragmente 3) 1, 489;

solche wonne, solche freuden,
spiegelt uns die zukunft vor;
und doch könnten wir den heiden
ihre götzenschaar beneiden?
nicht verstopfen unser ohr,
vor den süszen schmeichellehren,
die, im blumigen gewand,
um durch reitze zu bethören,
menschenschwachheit sich erfand.
Franz v. Kleist lob d. einzigen gottes, s. teutscher merkur, august 1789;

ich asz und trank, scherzte und lachte, wie ein gesunder; die lebhafteste erinnerung, das lieblichste geschwätz packte alle die farbigen gewänder aus, und staubte die bunten federbüsche ab, in denen einst unsere unbefangene jugend, so zufrieden mit sich selbst, einhertrat. Thümmel 1, 65; wenn schon die seelen werdender lieder mir das haupt umschweben, eh' das nachahmende gewand der sprache sie umflieszet, ohne den geistigen flug zu hemmen. Ch. u. F. L. Stolberg (d. genius), werke (1827) 1, 12; ich glaube nicht, versetzte sie eben so ernsthaft, dasz der instrumentensturm, der die menschenstimmen, immer doch die seele des ganzen, so überrauscht, dem unsterblichen gefallen könne, der die rührendsten melodien, die er ihr gegeben hat, meistens nur, wenn ich mich so ausdrücken darf, gleichsam in ein zartes griechisches gewand hüllte. W. Heinse (Hildegard v. H.), werke 2, 29.
β) die verblassung der sinnlichen grundanschauung, die entwicklung des begriffes der hülle, der äuszeren form in gegensatz zum inhalt, wird dadurch gefördert, dasz einzelne der eben belegten freien verbindungen und verwendungen durch gewohnheitsmäszige wiederholung gebunden werden und als feststehende redensarten in den poetischen formelschatz übergehen.
1)) hieran ist schon derjenige tropus betheiligt, der sich am zähesten die bildkraft bewahrt, die vorstellung des leibes als der hülle der seele, des geistes:

doch nur sein erster leib, sein irdisches gewand,
verlor sich auch mit ihm. neue beiträge z. vergnügen d. verstandes u. witzes 1, 305;

entkleidet durch den tod vom sterblichen gewande,
durchwandelst du, ganz geist mit hellerem verstande,
die wohnungen des lichts.
Uz (kunst, stets fröhlich zu sein 4) 277 neudr.;

was ihn erwartet, wenn er sich in seinem leben als von einem seines gleichen gezwungener langsamer mörder des gewandes darstellt, das ihm auf der erde angebildet ward? Klinger 12, 158; wurden von einer solchen verklärung umgeben, dass die vergangene und zukünftige noth des lebens, und seine mühe wie schlacken uns zu füssen lag, und wir, im noch irrdischem gewand, schon die leichtigkeit künftiger seeliger befiederung, durch die noch stumpfen kiele unsrer fittige spürten. Göthe briefe 4, 296;

es ist euch gut, dasz ich von hinnen geh; ...
noch kennt ihr euern herrn
im geiste nicht, nur im gewand von staube.
Gerok palmblätter 42.


2)) der gleichen entwicklung gehört die verbindung mit einem nomen agentis oder einem die stellung kennzeichnenden appellativ an: Abu Seid von Serug, der ... heut im gewand eines poeten auftrat, — morgen den mund eines propheten aufthat. Rückert (1. makame) 11, 231; siehe, da trat Abu Seid herein im gewande eines bedürftigen — und mit der gewandtheit

[Bd. 6, Sp. 5276]


eines unterwürfigen, — und grüszte den Wali. (31. makame) 456; so ging es Jeanpaulisch-Hoffmannisirend noch eine zeitlang weiter. ich machte das experiment mit ihm in mehreren ausdrucksweisen und fand, dasz ihm das äuszere gewand eines jeden schriftstellers gleich gerecht war. Immermann reisejournal I, 3 (werke 10, 16).
3)) unter den abstractionen sind es namentlich die erzeugnisse der dichtkunst und der schriftstellerei, im weitern auch die sprache selbst und ähnliche nomina actionis, die diese entwicklung fördern: der epische dichter giebt seinem gedanken ein episches, der lyrische ein lyrisches, der dramatische ein dramatisches gewand. Herder (2. krit. wäldchen) 3, 352; arme poesie der Ebräer, wie stehst du verwandelt! bescheiden schämst du dich des zu stolzen gewandes, und stolz schämt sich das fremde gewand deiner! (briefe, das studium der theologie betreffend, 1. theil) 10, 116;

wie die natur die innig reiche brust
mit einem grünen bunten kleide deckt,
so hüllt er alles, was den menschen nur
ehrwürdig, liebenswürdig machen kann,
in's blühende gewand der fabel ein.
Göthe (Tasso 1, 4) 9, 131;

möge das fremde gewand und die ungewohnte sprache dir nicht zuwieder sein und die gestalt dir anmuthig werden. briefe 6, 92;

und weil mir vorgeworfen ward, es wäre
mein vers zu gut für eure blöden ohren,
und allzukunstreich meine ganze sphäre, ...
so hab ich dieszmal ein gewand erkohren
ganz schlicht und einfach und bequem zu fassen,
das kaum verhüllt den stoff in keusche massen.
Platen (Abassiden, prolog) 4, 223;

indische sprüche in deutschem gewande. titel einer abhandlung in zeitschr. f. deutsche sprache 1, 224; die alten gereimten übersetzungen wurden ... völlig unbrauchbar, und unsern dichtern fehlte es entweder an willen, oder an vermögen, ihnen ein modischeres gewand zu geben. Gotter 2, vorrede xi; demselben stoffgebiete, wie die vorige schrift, gehört auch diese bisher nicht veröffentlichte abhandlung an. ihr lateinisches gewand erklärt sich daraus, dasz sie in beantwortung einer französischen preisaufgabe geschrieben wurde. Steig u. Suphan, vorbericht zu Herder band 5; die sagen der urwelt wurden als mährchen, ihres reizenden gewandes willen, gehört, die götter als poetische maschinen, als puppen betrachtet. Herder (über die würkung der dichtkunst auf die sitten der völker 1778) 8, 308; diese alten sagen, die das deutsche volk noch immer bewahrt, hat hier der dichter in neuen kostbaren gewanden gekleidet. Heine (d. romantische schule 2, 2) werke 6, 141; der verschämteste begriff ist (im französischen) gezwungen die mystischen gewänder fallen zu lassen und sich in seiner nacktheit zu zeigen. verm. schr. (1854) 1, 63; wenn fremdartig klingende bildungen sich als zurückgekehrte überläuffer enthüllen, die, ursprünglich deutsch, einst in die fremde zogen und später, durch fremdes gewand unkenntlich gemacht, wiederkamen. Harder werden u. wandern unserer wörter 1.
4)) so entstehen einzelne feste typen der verbindung, die in der neueren gewählten sprache unter den verschiedenartigsten formen des zusammenhangs immer wiederkehren.
a)) anpassung des übersezten alten schriftstellers auf den modernen leser ... treue der worte und des buchstabens ... treue des geistes, wenn ich so sagen darf, und des gewandes, worin er gekleidet ist, wobei also vorzüglich viel auf die nachahmung der diktion bei prosaikern und des rhythmus und des versbaues bei dichtern ankommt. W. v. Humboldt über das studium des alterthums, d. litteraturdenkm. 58, 33;

die ihren eignen hasz, die eigne rachsucht
verkleiden in's gewand der diensbeflissenheit.
Grillparzer (Esther) 8, 266;

die persischen magier fingen den tag mit concerts an, und schloszen ihn so. sie fingen ihn mit musik an, wandelten alsdenn schweigend in promenaden, bis zu einer höhe, wo sie gott lobten. sie waren liebhaber der naturkunde und noch mehr ihre naturkunde kleidete sich in ein geistreiches gewand, das aber nicht mythologische allegorie war. Herder (archäologie des morgenlandes 4) 6, 123; es soll also vorerst meine anhaltende arbeit sein, eine solche bemühung, insofern sie begonnen ist, fortzusetzen, insofern ich sie skelettartig finde, mit fleisch und gewand zu bekleiden und so weit zu führen, dasz man sie nicht blosz sich zu unterrichten,

[Bd. 6, Sp. 5277]


sondern auch sich zu vergnügen lesen möge. Göthe paralipomena zu den annalen: werke 30, s. 388 (Cottasche jubil.-ausgabe).
b)) die einfältige, herrliche und älteste fabel, die wir haben, hatte eine würkung, die noch jedes wort der wahrheit gegen einen unterdrücker, wenn es sich ins gewand der fabel verhüllen musz, haben sollte. Herder (über die würkung der dichtkunst auf die sitten der völker 1778) 8, 349; die ursache und der verlauf desselben (des troj. krieges) sind durch die sage so sehr in ein fabelhaftes gewand eingehüllt worden, dasz die wirklichkeit nicht an den tag zu bringen ist. Schlosser weltgesch. 12, 165;

kann der schein sich also hüllen
ins gewand der wirklichkeit?
Grillparzer (ahnfrau 1) 4, 27.


c)) wir haben uns in die welt, in das anschaun eines sinnlichen volks gesetzt, und ihren abstraktionen nur gewand umgeworfen. Herder (unterhalt. u. briefe über die ältesten urkunden 1, 5) 6, 51; es wird sich mehr davon sagen lassen, wenn ich zur epoche jener wunderlichen dichtungsart gelange, durch welche man die alt- und neutestamentlichen mythen dem anschauen und gefühl näher zu bringen glaubte, wenn man ... ihnen aus dem gegenwärtigen leben, es sei nun gemeiner oder vornehmer, ein gewand umhinge. Göthe (dicht. u. wahrheit, buch 5) 24, 295; und müssen sie ja predigen, so legen sie das gewand der bescheidenheit an von kopf zu füssen. Herder (briefe, das studium der theologie betreffend, 4. theil) 11, 33; wie in England das 17. jahrhundert sich seinen Elisabethanischen Homer in Chapmans übertragung schuf ... wie das 19. jahrhundert durch William Morris dem nie alternden Griechen das ihrer zeit entsprechende gewand anzulegen unternahm, so wird auch unser Schlegel-Tieckscher Shakespeare früher oder später einer neuen form des 20. jahrhunderts platz machen müssen. beilage z. allgemeinen zeitung (1901) nr. 100; wobei man sich nicht scheute, abgetragene redensarten wie ein neues gewand seinen gedanken umzulegen. Auerbach neues leben 3, 217.
d))

der weit umringt
von seinen starken, an der Spree
in dem gewande der ehre steht. Göttinger musenalm. auf 1770 (Denis) neudr. s. 92;

wenn bringet ihr euer kind so weit, dasz sich selbst seine fehler nur wie hier entwickeln? der erste ungehorsam im gewande der schaam, die schaam im gewande der schuld, die lasten der menschheit, heilige bürde der väterlichen strafe, der erste kleine fehltritt, das spiel eines apfels, arznei bis zum jüngsten der tage. Herder (älteste urkunde des menschengeschlechts, 4. theil) 7, 131; das ist die dem Argonautenzug zu grunde liegende thatsache; ... das griechische volk der heroischen zeit hat sie als wirkliche ereignisse angesehen; und die hauptbedeutung, welche sie dadurch erhielten, besteht darin, dasz sie ... als sage oder im gewand der dichtkunst lange zeit eines der elemente der griechischen volksbildung waren. Schlosser weltgesch. 12, 162;

der du einhergingst im gewand der nacht
und licht mir strahltest in die dunkle seele.
Grillparzer (des meeres und der liebe wellen 5) 7, 101;

kurz und gut, was man bei uns die deutsch-feindliche Franzosenpresse, die alte Rheinbundpresse unter katholischem gewande nennen kann. Bismarck reden 5, 238; der herr vorredner beklagt sich, dasz eine menge von fragen, deren lösung mir freilich näher hätte liegen können, als die polnische, wenn letztere nicht im gewande einer insurrection aufgetreten wäre, nun ihre lösung ... nicht finden würden. 2, 161; als dieselbe (die aristokratie) aber später nochmals auftauchte in demokratischem gewande. Keller Züricher novellen 2, 16.
5)) es hat sich gezeigt, dasz einzelne schriftsteller besonderen antheil an der entwicklung des gebrauches und an der ausbildung bestimmter redensarten gewonnen haben, unter ihnen ragt Herder hervor, vgl. auch: schaam ist das treue gewand der liebe, und selbst feinere, der vernunft nahe tiere nähern sich ihr. (älteste urkunde des menschengeschlechts, 4. theil) 7, 91; was hr. Sulzer beschreibt, ist, dünkt mich, schon das spätere epische gewand des abentheuers. (recensionen) 5, 384; alles dies dachte ich auch bei der mad. Klopstock hinterlassenen schriften; und demohngeachtet träumte ich sie so angenehm durch, weil überall das gewand des auszerordentlichen und

[Bd. 6, Sp. 5278]


empfindungsvollen mich aufmerksam machte. (von nachahmung der lat. elegien) 1, 477; 'das gerecht werden vor gott durch glauben oder durch werke' war eine formel des judenthums. das warf Paulus bis aufs gewand ab: Jakobus läuterte: jeder sah in seinem gesichtspunkt — und konnt' er anders? (briefe zweener brüder Jesu in unserm kanon 1775) 7, 505; alles unter diesen hauptzug der bestimmung zu ordnen, speise und trank, wo auch nur ein blick in die ernte des reichs gottes war, zu vergeszen; der ganzen natur, alle bilder und auftritte derselben, jedes gewand, das beziehung aufs reich gottes hatte, zu rauben, abzusehn, abzulernen, winke seiner bestimmung in allem zu finden. (an prediger 1773) 206; die hebräische sprache dieser zeiträume muste freilich flicke von dichtkunst behalten und hat sie noch, weil sie ursprünglich zu nichts als dichtkunst gebildet war; auch ermangeln diese flicke des heutigen rabbinismus nicht, oft an die alte hoheit ihres ursprunges zu erinnern, indessen ist doch, auch aus vornehmen flicken gestickt, ein gewand der art nur immer ein bettlersmantel. (über die würkung der dichtkunst auf die sitten der völker 1778) 8, 354. dazu vgl. auch einige neuere dichter:

Cephise. sie sprechen ja wie sonst. sind sie denn nicht Kleanth?
Kleanth. ich bin, der stets ich war; das andre war gewand,
war täuschendes gewand von meinem echten wesen.
K. Immermann (die schule der frommen 2, 2) 14, 344;

die weltgeschichte ist immer nur das gewand der gottesgeschichte. 3, 195; ich preise nie die that, sondern nur den menschlichen geist, die that ist nur dessen gewand, und die geschichte ist nichts als die alte garderobe des menschlichen geistes. Heine Italien cap. 29; gegenwärtig aber ringt alle welt nach einem neuen sein und nach einem neuen gewande. G. Keller in Heidelberg (1849) bei Bächtold 1, 456.
d) gewand in der composition. auch hier zeigt der neuhochdeutsche sprachgebrauch bemerkenswerte abweichungen und änderungen gegenüber den oben belegten neigungen der älteren zeit. die verbindungen, die als sondereigenthum der eindringenden form gewand nachgewiesen werden konnten, gehen fast alle verloren, nur als parallele zu wîc- (strît- sturm) gewand ist vereinzelt kriegs gewand zu belegen, ebenso gehört hierher eisen- stahlgewand. viel nachhaltiger dagegen erwiesen sich die verbindungen, die schon für die alten formen wat, gewæte bezeugt waren, freilich unter durchgreifenden änderungen: an leinwand ist durch die unterdrückung des präfixes der zusammenhang mit unserem wort verdunkelt, an bettgewand die bedeutung verengt worden. in den gruppen, die eine gliederung des kleidungsstücks je nach dem körpertheil (ober- nider- leibs- hauptgewand) oder nach dem zweck, dem es dient (pirs- renn- reise- kamergewand) oder nach der individualität und berufsstellung des trägers anstreben, sind vielfach die ersten compositionsglieder durch jüngere worte verdrängt worden, einzelne verbindungen sind ausgestorben, mannigfache neue aufgenommen worden. die reichste entwicklung haben aber diejenigen gruppen genommen, die stoff, farbe oder schnitt der kleidung näher bezeichnen oder die das prunkhafte an ihr hervorheben. daneben hat sich natürlich auch der übertragene gebrauch des wortes in mannigfachen neuerungen der composition bemerklich gemacht.
α) verbindungen von gewand in der bedeutung von pannus: kistengewand vgl. theil 5, 858, bettgewand vgl. theil 1, 1735. zum umfassenden begriff des letzteren vgl.: ich hab (gott lob) noch allain sovil pethgewandt leilacher und decken, dz ich in meinem hausz liebe freund auch kan sauber und wol legen. Schaidenreiszer Odyssea 12a; aber khain khis, noh polster, oder wasz zu ainen beethgewandt gehörig, ist nit in die statt gelassen worden. gewiser bericht ... desz entstanden ubls und unruehe in Minchen (1632) bei Westenrieder beiträge 7, 315. ähnlich Dürer nachlasz 15. H. Sachs fabeln und schwänke nr. 378 (neudr.), ebenso nr. 95. J. Knebel chronik von Kaisheim (1531) 302 Hüttner. B. Krüger Hans Clauerts ... historien (1587) 49 (neudr.). Erasmus Francisci indisch-chines. lust-garten 1, 101: an kein bettgewand ist nicht zu gedenken ... vor ein grosses glück hat man es zu schätzen, wenn man sauber und frisch stroh antrifft. reisen und campagnen Maximilian Emanuels, hertzogs in Würtemberg (1730) s. 51. fraglich ist der umfang der bedeutung in:

sie packen nun eilfertig alles ein,
was man auf einer solchen weiten
jahrlangen fahrt zu wasser und zu land
vonnöthen haben kann, an kleidung, bettgewand
und tausend andern kleinen waaren.
Wieland (Klelia u. Sinibald 8) 11, 276.

[Bd. 6, Sp. 5279]


zur verengerung des begriffes und zur annäherung an nachtgewand vgl.: wie wird das köstliche pettgewand, mit gold und edelgesteinen gesticket und geschmücket, mit blut ... besudelt worden sein? Prätorius Turci-cida P 3a.
von anderen verbindungen gehört hieher: federgewand, s. th. 3, sp. 1400, vgl. federwat; wo sol ich mich hinkeren ich armes brüderlein? mein feder gwand von stro und hew in armutei und betlerei wil ich ein regel schreiben. G. Forster frische teutsche liedlein 100 neudr. neu ist die bildung in übertragener verwendung mit der bedeutung vestis, vestimentum, s. sp. 5282. auch badegewand ist aus späterer zeit für die übertragene verwendung belegt: der mond windelt uns in ein nasses badegewand von wolken ein. J. Paul herbstblum. 3, 227.
β) verbindungen von gewand in der bedeutung vestis, vestimentum.
1)) gliederung nach einzelnen körpertheilen: obergewand, vgl. theil 7, 1087; über dem purpurnen langen ärmelkleid trug sie ein himmelblaues, zart mit gold gesäumtes, seidenes obergewand. Keller Züricher novellen (Hadlaub) 1, 75; niedergewand (vgl. th. 7, sp. 762) reicht nicht in die neuere sprache herein; es wurde verdrängt durch untergewand: dass die stoffe ... grösstenteils wenigstens erst mit der scheere und nadel zu kleidungsstücken verarbeitet wurden ... lehrt ein blick auf die construction der verschiedenen mäntel und untergewänder. Guhl leben d. Griechen u. Römer 2, 235; brustgewand, vgl. theil 2, 449;

also sprach er, und reicht in die arme der liebenden gattin
seinen sohn; und sie nahm in das duftende busengewand ihn,
lächelnd mit thränen im blick.
Voss Ilias 6, 483;

leibgewand, vgl. theil 6, 601; dazu vgl.: es ist das porträt eines jungen mannes in einem roten leibgewande, sehr schlicht und voll einfalt in der farbe. Immermann reisejournal 2, 4. beingewand: darnach steck oben in die büchsen ein glocken mit ihrem öhr dreier schuch weit und zweier hoch, und leg zwo bafesen (setzschilde) kreuzweis darauf, und setz vier harnich mit den rucken aneinander auf die bafesen, also dasz auf den vier orten ihr beingwand uber die bafesen hangen. Dürer nachlasz 186. Schilter führt in seiner ausgabe der chronik von Königshofen beingewant (s. dort 137) als veraltet auf, vgl. dazu die neuschöpfung mit veränderter bedeutung: warum ist nun aber ein kleiner chinesischer fusz schön? weil es ein sonderbarer kleidergeschmack gewollt hat, dasz unten aus einem grossen gezelte von bein- und fuszgewande sich nur zwo kleine spitzen zeigen, und kaum zeigen, hinter das lange gewand so gleich sich wieder verhüllen sollen — ist das nun gleichwiegender grund der schönheit? Herder (die 'plastik' von 1770) 8, 151.
2)) gliederung nach dem zwecke, dem das kleidungsstück dient: reisegewand, vgl. theil 8, sp. 727:

eben besucht' uns
einer im reisegewand', und bracht' ein türkisches rohr mit,
... ein wohlgearteter jüngling.
Voss (Luise 2. idylle) gedichte 1, 92.

kriegsgewand: statt die alten bauernkleider hervorzusuchen, blieb er in seinem kriegsgewande. Keller Züricher novellen 2, 133.
siegesgewand:

auch überwunden bin
ich ehrenwerter, als Antone sind,
um die der pomp des siegs-gewandes strahlt.
J. W. v. Brawe Brutus II. 2 (Kürschner bd. 72, s. 225); vgl.
Herder 9, 209.

hofgewand: vgl. DWB hofgewand, hofliberei Frisch 1, 460b. hausgewand, vgl. theil 4, 2, sp. 668: sie war noch im hausgewand, und wollte sich nur in der geschwindigkeit umkleiden. Schiller (kab. u. liebe 4, 6) 3, 457. tanzgewand, s. theil 11, sp. 126:

eine blattlaus kam gekrochen,
welch' auf italien'scher erde die tarantel bös gestochen,
dasz ihr geist sich regt und rühret in Sanct Veitens tanzgewand,
dasz sie eine laus sich dünket von vernichtendem verstand.
K. Immermann (der im irrgarten der metrik umhertaumelnde cavalier) 17, 499.

nachtgewand, vgl. theil 7, 182:

hui sprang graf Walter auf und griff
zum haken an der wand,
und warf um seinen weiszen leib
das seidne nachtgewand.
Bürger (graf Walter) 2, 192,

ebenso Wieland 20, 111. 18, 67; die dicken flechten ihres haares lagen über dem weissen nachtgewand bis in den schosz hinab. Th. Storm (aquis submersus) 3, 248. schlafgewand, vgl. theil 9, sp. 297:

im weiszen schlafgewand, dem schönsten engel gleich,
tritt sie in sein gemach.
Wieland (Oberon 17, 13) 20, 181.

[Bd. 6, Sp. 5280]


morgengewand, vgl. theil 6, sp. 2569: unvermerkt drangen seine blicke unter die schatten des lindengewölbes in einen garten, etwa fünf- bis sechshundert schritt entfernt, wo ein frauenzimmer sein morgengewand ablegte. Heinse (Hildegard von Hohenthal) 2, 5. frühgewand, vgl. theil 4, 1, sp. 292. vgl.:

die schöne kön'gin, lieblich blasz,
umschmiegt das frühgewand.sie sasz
zärtlich berührt von stoffen feinen,
und schien so weisz aus weiszem scheinen.
K. Immermann (Tristan und Isolde 2) 13, 271.

sommergewand, vgl. theil 10, sp. 1530: beide stoffe, vorzugsweise aber die wolle, wurden bald zu dichteren, für den winter bestimmten, bald zu leichten sommergewändern verarbeitet. Guhl leben d. Griechen u. Römer 2, 232. nothgewand, s. theil 7, sp. 938. sterbegewand:

Christus mutter erblickte zuerst den treuen und sah es,
dasz er das sterbegewand zu ihres sohnes begräbnisz trug.
Klopstock Messias 2, 63.

leichengewand, vgl.:

rasender! wenn er sogar dich mordete; nimmer bewein' ich
dich auf leichengewanden, du trautester sprössling des schoosses.
Voss Ilias 22, 87, s. auch Odyssee 2, 99.

grabgewand:

dann wird ein jeder leichnam von treuen dieners hand
gewaschen und gekleidet in weiszes grabgewand.
Uhland (graf Eberhard, schlacht b. Reutlingen) 1, 286 E. Schmidt;

wie gespenster werden wir die nachwelt erschrecken, wenn der rest des täuschenden grabgewandes von den dürren gebeinen herabgefallen ist. E. M. Arndt geist der zeit 1, 42. messegewand, s. theil 6, sp. 2114; messgewand sp. 2136;

sin sigel er verloren hat,
vil berlin, güldin sidin wat,
kron, edelstein so glanze,
güldin bücher, kelch, meszgewand,
ein bischofht man ouch da vand,
darz güldin monstranzen. v. d. strit vor Granson, s.
Liliencron 2, 80b;

ornatus, ein gezierde oder ein meszgewandt. gemma gemm. (1508). ähnlich Stieler 2407. Frisch 421. Adelung 3, 483. Schwan (1782) 1, 743. vgl. auch d. städtechron. 23, 392. Knebel chronik v. Kaisheim 333. Eberlin v. Günzburg 65 (neudrucke nr. 170). H. Sachs fabeln und schwänke nr. 123. Göthe an frau v. Stein 1, 242.
kirchengewand, vgl. theil 5, sp. 803: '10 fl. zu kirchengewand' hatte bruder Sepp, auszer je 200 fl. erbe, jedem seiner kinder zugedacht; (Dezember 1842). Schmeller 22, 941;

der pfarrer von Rosenhaida,
mit stol' und chorgewand,
in heiligem seeleneifer
kam schnell herbeigerannt.
A. Grün (Rosenhaida's untergang) ged. 372;

fern dem wirbelstrom der welt soll sie lebenslänglich im nonnenkloster das religiosengewand tragen. Dahn urgeschichte 1, 529. bussgewand:

mir aber gebt ein bussgewand
statt diesem blut'gen kleide.
Schwab (romanzen v. Robert d. teufel 5) 417,

ebenso Bodenstedt Mirza Schaffy, Hafisa 11. F. v. Saar Heinrich IV. (1, 2) 22. trauergewand:

ein junker, in flor und in trauergewand,
trug fackel und leichengedeck in der hand.
Bürger (Lenardo u. Blandine) 1, 198,

ebenso Schiller 6, 135. Pyrker (Rudolph von Habsburg 12) 345;

im gewande der trauer
schreit' ich über die meere,
aufrecht, wie einst der glaube
schritt zum nachen des herrn.
A. Grün (sturmvogel) ged. 265.


3)) gliederung nach individualität und berufsstellung des trägers: dass aber die griechischen frauen in der kunst des stickens weit vorgeschritten waren, dafür legen die mit figuren und geschmackvollen verzierungen gestickten bordüren griechischer männer- und frauengewänder ... den besten beweis ab. Guhl leben d. Griechen u. Römer 1, 203. mönchsgewand, vgl. theil 6, sp. 2494;

das mönchgewand warf ich entschlossen ab,
und floh nach Polen.
Schiller (Demetrius 1, 1) 152, 442.

nonnengewand, vgl. theil 7, sp. 884:

auf einmal entfiel mir
schwindend mein hohes priestergewand wie asch auf die erde.
Klopstock Messias 4, 71;

er ... lief in das gehölze zurück, um seine blösze zu decken und das herrschergewand wieder herzustellen, so gut es ging. Keller Züricher novellen (Ursula) 2, 150.

[Bd. 6, Sp. 5281]



4)) gliederung nach stoff, schnitt und farbe.
a)) stahlgewand:

an der pforte steht sein rosz,
lehnet speer und stahlgewand.
Uhland (Sankt Georgs ritter) 1, 193 E. Schmidt, vgl. auch
Strachwitz gedichte 93.

erzgewand:

der sieger, ganz in eisen,
tritt ins ersiegte land, ...
geharnischt ist der wilde
bis an die zähne schier,...
es rasseln die erzgewande
wo quell und lerche singt.
A. Grün (d. eiserne mann) ged. 359;

doch werd ich ihn (den löwen) stürzen
mit dem speer in starker hand,
um die schultern mir schürzen
sein goldgewand.
Uhland (d. königssohn 5) 1, 304 E. Schmidt, vgl. auch unter c));

von euern säulenhallen und geländern
bog sich die pracht, die statt des ruhms geblieben; —
die rüst'ge mannheit hatte sie vertrieben
und herrschte üppig nun in goldgewändern.
Leuthold gedichte4 165;

an arm und beinen quillt, sorgsam gepresst und gefälbelt, durch das ende des panzers ein feines linnengewand vor, weisz und carmoisinroth umsäumt. H. Hettner griechische reiseskizzen 161. seidengewand, vgl. theil 10, 182: seidengewand oder kleid, vestis serica, bombycina, pannus sericus, bombycinus. Henisch 1593;

als mich in flammen umdroht verzweiflung,
deckte des glaubens asbestgewand mich.
Platen (ghas. 91) 2, 47;

die göttin war's, die unerkannt,
mit scharfem blick und offnen mienen
in einem weiszen flachsgewand,
wie sie dem Sokrates erschienen,
vor seinem trüben auge stand.
Pfeffel (d. philosoph u. d. wahrheit) fabeln 2, 72;

in welches alsobald der junge pfarrer ... mit seiner kecken, frischen frau einzog, welche mit ihrem geräucherten speck und mit ihren derben mehlklöszen schnell sämmtliche mousselingewänder, fächer und sonnenschirmchen aus haus und garten vertrieben hatte. Keller d. grüne Heinrich 1, 109.
b)) vorträge ... darin die ewige wahrheit in ihrer reinen einfalt, frei von dem falten-gewande der schulen auftrat. Pfeffel prosaische versuche 3, 5, ebenso Detlev v. Liliencron werke 1, 13; faltenschwarzgewand Immermann Tristan u. Isolde 1;

bunt florgewand und schmelz und schleif am mieder,
band, quast' und pausch erhöhte
den schmeichelreiz der leichtgeschwungnen glieder.
K. Immermann Merlin; zueignung;

das schönste war eine junge frau im weiszen spitzengewande. Keller Züricher novellen 1, 255; kann malerei waszergewänder malen, dasz der körper durchfühle und es noch gewand sei? nein! das ist nicht mehr farbe des körpers, nicht mehr gewand: dies ist blos schatten, wolke, nebel. Herder (studien und entwürfe zur plastik) 8, 89 u. a.; der meister der mimischen kunst ist hier sitzend dargestellt in völlig idealer tracht, mit nacktem oberkörper und umgeschlungenem, frei geordnetem mantelgewand. grenzboten 25, 1, 123 (1866).
c)) safrangewand, vgl. theil 8, sp. 1637. schimmergewand, theil 9, sp. 161. silbergewand, theil 10, sp. 1005, vgl. auch oben a)):

als kaiserskind trägt sie die goldgewänder,
und doch ist sie des schmuckes höchste zier.
Göthe (die romantische poesie) 13, 229, vgl. auch unter a));

du wirst das werk, o herrin, meiner hand
nicht loben; wurde doch von mir begehrt
der unschuld engelbild im lichtgewand;
es hat sich in die wollust mir verkehrt.
Chamisso (das malerzeichen) 4, 167.

purpurgewand, vgl. theil 7, sp. 2265:

mit blut-gewande geschmückt.
Klopstock Messias.


5)) putz und prunk: feiertagsgewand, vgl. theil 3, sp. 1439; feiergewand ebenda sp. 1435, vgl. auch oben sp. 5269. 5279;

aber die nymfen weben auf langen steinernen stühlen
feiergewande, mit purpur gefärbt.
Voss Odyssee 13, 108 (1781);

dritte (farbe) war: das grün der fluren, deiner fluren festgewand,
deiner berge schöner mantel, Hellas, süszes vaterland!
A. Grün (drei farben) ged. 365, ebenso prolog.

desgl. Fallmerayer fragmente aus dem orient 2, 4. ehrengewand, s. theil 3, sp. 60:

[Bd. 6, Sp. 5282]


ohn' ein starres staatsgewand
eilt aufs land,
ohne perlen und geschmeide;
freier hebt, voll frühlingslust
sich die brust
unter leichtem schäferkleide.
Salis (landlied für mädchen) 12.

prachtgewand, vgl. theil 7, sp. 2046. prunkgewand sp. 2195:

er liebt's, zu schweifen durch die lande,
sich zaubernd vielerlei gestalt,
als prasser bald im prachtgewande,
als bettler nackt und dürftig bald.
A. Grün (ein held) gedichte 240;

auf der wolke schwebten schon
im gaukeln lieblich götterbilder, buntgedrängt;
Pandora zeigt' und nannte mir die schwebenden:
dort siehst du, sprach sie, glänzet liebesglück empor! ...
daneben zieht, so sprach sie fort, schmucklustiges
des vollgewandes wellenhafte schleppe nach.
Göthe (Pandora) 10, 273.


6)) wenn schon in den bisherigen compositis die verwendung vielfach übertragene bedeutung entwickelte, so zeigt sich auch die gruppe solcher verbindungen reich belegt, die ganz auf übertragung beruhen.
a))

gebt mir des adlers federgewand
dasz es mich in den himmel trage.
Strachwitz (in das weite) ged. 72, vgl. oben sp. 5279;

die anger mit schafen bedeckt, die auen im blumengewand.
Wieland (Oberon 2, 7) 20, 36;

an den ufern stiegen sanft in rasengewand die höhen auf. nord u. süd 64, 139. erdgewand, s. theil 3, sp. 770: der langgestreckte raum ... ist ein zusammenhängender laubwald von platanen, buchen ... hellgrünes, luftdurchfächeltes berggewand, wo die myrte, die rosenhecke ... alle räume füllt. Fallmerayer fragmente aus d. orient 2, 9;

ich musz das kind
verschliessen in dies holzgewand (sarg).
Hungari deutscher dichterfrühling 1, 484.


b))

sie verlangt ein duftgewand,
das, sie sagts, an hochzeitstagen
wünscht ein reicher mann zu tragen.
endlich rücket die heraus,
die das duftkleid hat im haus.
Rückert (arabische stammsagen, das duftgewand) 4, 104;

kalt wie ein bild von alabaster;
doch seelvoll, wie ein geist in einem luftgewand.
Wieland (Aspasia) 9, 111.

lichtgewand, vgl. theil 6, sp. 885:

ein geist
vertauscht sich leicht mit einem andern;
zumal der schwarze (wie bekannt)
gern unsern bösen lüsten schmeichelt
und oft im schönsten lichtgewand
den reinen heil'gen engel heuchelt.
Wieland (Sixt u. Clärchen 2) 10, 155.

schaumgewand, s. theil 8, sp. 2369:

dann wird des vaters krone blitzen,
und jeder blitz ist weltenbrand;
dann wird bis zu der berge spitzen
die mutter ziehn ihr schaumgewand.
Geibel (mythus vom dampf) 3, 7.

schneegewand, s. theil 9, sp. 1234:

wir warten stets,
bis, wenn das schneegewand zerhaucht, der frühling
den kusz drückt auf den busen der natur.
H. v. Kleist (Penthesilea 15) 2, 382;

es segelt sanft auf silberwogen
im schneegewand der stolze schwan.
A. Grün gedichte (liederquell) 42 u. a.

lenzgewand, s. theil 6, sp. 758; maigewand sp. 1481.
c)) schwingst des weltgeistes auferstehungsgewand über den regenbogen. F. L. Jahn werke 2, 2, 732.
d))

und sprüche sind's im reimgewand
erdacht im fernen morgenland.
Bodenstedt Mirza Schaffy prolog;

wäre dies geschehen, so würde Jahn sich darüber, inwiefern er die fraglichen äuszerungen wörtlich, so wie sie ihm aufgerückt wurden, oder nur dem sinne nach im milderen wortgewande, oder ob er sie überhaupt gemacht, haben erklären können. F. L. Jahn 2, 1, 210; ouverture ... mit einem untadeligen instrumentalgewand angethan. nat.-zeit. 21, 209.

 

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