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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltverkündend bis gewälze (Bd. 6, Sp. 5233 bis 5234)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltverkündend, part. adj., vgl. DWB gewalt, violentia: sie liebte klare, ruhige und abgeschlossene schönheit sehr, und hatte widerwillen gegen jedes gewaltverkündende, anschreitende, drohende. Stifter (Procopus) erzähl. 44.
 
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gewaltvogt, m., vgl. DWB gewaltherr, DWB gewaltmeister: ind die hern von Prume dickgemelt haint perschonlich ire haiffs gedingh besessen ind haindt bei sich gehoildt den gewaltvaidt. hofgeding zu Udelhoven (1481) weisth. 2, 532.
 
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gewaltwerkzeug, n., vgl. DWB gewalt, violentia: so wie er ihr gatte und könig, da wirft er die maske fort, und glaubt auch ihren angstanstrengungen, das so schlimm gewonnene für ihn und sich zu erhalten, nicht mehr, zeigt ihr vielmehr unverhohlen seine verachtung, da sie ihm nur ein gewaltwerkzeug ist. O. Ludwig (studien) 5, 402.
 
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gewaltwirken, subst. inf., vgl. DWB gewalt, violentia: dem schwur im ballhause, dem gewaltwirken Mirabeau's, dem sturm der bastille, der allgemeinen bewaffnung des volks,

[Bd. 6, Sp. 5234]


der erklärung der menschenrechte und der Bartholomäusnacht des eigenthums folgt endlich die sogenannte 'constitution der constituante'. Immermann (memorabilien) werke 18, 205.
 
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gewaltzug, m.: ein gewaltiger, d. h. mit gewalt verbundener, ein schneller, angestrengter zug oder marsch (forcirter marsch) 'der general sollte durch einen gewaltzug mitten durch des feindes land das spanische heer umgehen'. Posselt. Campe 2, 359a.
 
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gewaltzwang, m.: das menschenkind kann alles ausstehen, noth und krankheit und feuersbrunst und gewaltzwang; aber von seinesgleichen verstoszen sein, das kann das menschenkind nicht ausstehen. Immermann 4, 35.
 
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gewaltzweig, m., vgl. DWB gewalt, potestas: die abhängigkeit des volks vom senat ward, als von standesvorrechten die rede nicht mehr war, ... dadurch erhalten, dass eines jeden einzelnen wohl und weh von dem einzelnen senator abhing, den ihm der prätor zum richter bei einem rechtshandel gab. was später die stärke eines gewaltzweiges ausmachte, hatte vor alters die macht (des standes) begründet. Niebuhr röm. gesch. (1832) 3, 37.
 
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gewälz, s.gewälds sp. 4906: der sal ... keine gerechtigkeit im hogen gewelz haben. weisthum zu Kürburg (1461), weisth. 1, 639.
 
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gewälzchen, n., s. DWB gewälze.
 
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gewalze, n., verbalsubstantiv zu walzen (s. d.), bei Campe 2, 359 als wort der niedrigen schreibart oder umgangssprache angeführt. vgl. Heinsius 2, 431: gewalze .. das viele walzen.
 
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gewälze, n. , s. DWB wälzen. Campe 2, 359, Heinsius 2, 431 verzeichnen für dieses verbalsubstantiv nicht blosz die bedeutung eines nomen actionis (ein wiederholtes, anhaltendes wälzen), sondern auch den übergang zur sachbedeutung: etwas, das sich wälzt, herabwälzt, vgl.schneegewälze. die erste bedeutung ist auch litterarisch belegt. auszuscheiden von diesem zusammenhang ist der mundartliche gebrauch der gleichen wortform in der thüringischen redensart da hab' ich mein gewälze nicht, der hat sein gewälzchen gehabt.
1) das nomen actionis in der grundbedeutung:

wie? oder wenn romantisch im gehölze
ein leiser laut zu deinen ohren drang,
und in der wellen silbernem gewälze
ein mädchen sammetglieder schwang.
Schiller (an einen moralisten) 1, 249;

alles schien
voll gröszter lust, hier auszusteigen
und in dem grün anmuth gen schweigen
der wiesenhügel auf dem grund
des festen landes zu vertreten
die füsze, unter denen rund
die meereswelle mit dem steten
gewälze schon seit tagen rollt',
und fragend sahn sie noch Isold'.
K. Immermann (Tristan u. Isolde) 13, 218.


2) das thüringische substantiv gewälze, gewälzchen: gewälze (gewälz), n. schlenderndes mässiges umhergehen, bequemes faules umherliegen, behaglichkeit, ungeniertheit ... da hab' ich mein gewälze nicht. Regel Ruhlaer mundart 193; do' hät ä üm sî gewälzchen geht, da hat er einmal seine wahre lust gehabt. ebenda. Regel will das wort als verbalsubstantiv zu walzen deuten und erinnert an eʒ muoʒ nu walzen als eʒ mac (mhd. wb. 3, 478) und an den rechtsbegriff der walzenden grundstücke, vgl.welzende stücke landes, theilbare güter, quae pro lubitu possessoris possunt dividi et alienari. Frisch 2, 420c, vgl. Schmeller 22, 911. in beiden fällen ist jedoch die letzt gewonnene bedeutung das ergebnis einer entwicklung von wälzen, volutare, die für den thüringischen ausdruck nicht vorausgesetzt werden kann. viel eher könnte die folgende niederdeutsche belegstelle hier angezogen werden:

de molen jowelck wicbelde
mit truwer hode bestelde,
dat becker unde bruwer
darinne nicht worden schuwer,
de also sulvest to vorheghen ...
de bruwer mit orem molte
hedden denne dar r gewolte. Braunschweiger schichtspiel 1151, d. städtechron. 16, 139.

doch ist sie aus dem zusammenhang nicht sicher zu deuten. dagegen kommt Spiess (beiträge zu einem hennebergischen idiotikon 78) dem ziele näher, indem er auf wälzetag verweist: wälzentag ... der nicht mehr kirchlich begangene dritte feiertag der hohen feste, an welchem besonders die jungen leute aus der stadt aufs land gehen, um sich ein

[Bd. 6, Sp. 5235]


'pläsir' zu machen. ebenda s. 274; wäälzedôk, m., dritter (aufgehobener) feiertag, an welchem man noch nicht arbeitet, sondern aus der stadt hinaus aufs land geht um sich noch etwas zu gute zu thun. besonders von gesellen und lehrjungen der schneider und schuster. vom walzen, walzer tanzen oder vom sich herumwälzen, faullenzen. Spiess volksthümliches aus dem fränkisch-hennebergischen 35. wie weit der Francfurter wäldchestag hierher gehört, läszt sich an diesem orte nicht untersuchen, dagegen vgl.: walstag, wenn der bau gehoben ist, und die zimmerleute schmausen. hess. redensarten bei Estor der teutschen rechtsgelahrtheit 3, 1422; walztag ist ein feiertag der maurer nach beendigung grösserer arbeit. Pfister zweites ergänzungsheft zum iditiokon von Hessen s. 44. fraglich ist nun, ob die sippe auf walzen, wälzen zurückführt im sinne von schlaff, schlendernd gehen (vgl. Pfister ebendort). viel eher haben wir eine ableitung von der sippe, die in unserem wählen und im nd. wehl (vgl. unser wohl) vertreten ist: dat deit he ut wehl, das thut er aus muthwillen. Richey hamburg. idiot. 336; de wehl schall em wol vergahn. ebenda; he kann den wehl nich hauen, er kann die guten tage nicht vertragen. ebenda. der gleiche stammvocal wie in walstag wird auch in dem schwäbischen walen dargeboten: spielen und wahlen. Birlinger schwäbisch-augsburgisches wb. s. 425. vgl. ahd. giwalazta als nebenform zu giwalta, delegavit, commisit. Graff 1, 792.

 

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