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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewalttod bis gewaltzwang (Bd. 6, Sp. 5232 bis 5234)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewalttod, m.: durch den gewalttod ihres vaters. Dya Na Sore 1, 377. vgl.gewaltsamer tod sp. 5206, gewaltthätiger tod sp. 5228.
 
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gewaltton, m., vgl. DWB gewalt = vis:

jetzo noch wirbel und schlag der heerebewegenden trommel,
nahten sie all' im gemessenen schritt, die gewehr' an die schulter
pressend im arm, und zum schall der feldschalmeien und flöten
ehernen klange des horns und des brummrohrs tiefen gewaltton
mengend, im schönen verein ihr fernhinhallendes schlachtlied.
Pyrker (Tunisias 4) 33.


 
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gewaltträger, gewaltsträger, m. , zusammensetzung, die den begriff der potestas mittelst eines nomen agentis an personen bindet, vgl. die personificierung von gewalt sp. 4937 und 4965; vgl. DWB gewalthaber sp. 5103; gewaltführer sp. 5102. bei unserem compositum überwiegt die vorstellung einer übertragenen gewalt. nur die verdeutschung von imperator durch gewalttrager bei Simon Rot (1571) entzieht sich diesem vorstellungskreise, sie kann aber auch auf späterer bedeutungserweiterung beruhen. diese vorstellung der übertragenen gewalt umfaszt den weitesten umfang im rahmen des lehensverhältnisses (vgl. 1). weit ergiebiger dagegen ist die bedeutungsverengerung im sinne von stellvertretung, vollmacht, die sich wiederum abstuft, je nachdem öffentliche machtbefugnisse ausgeübt oder privatrechtliche dienste geleistet werden. im zweiten fall wendet sich das compositum innerhalb der kanzlei- und geschäftsprache der bedeutung 'rechtsvertreter, advokat' zu.
1) es kommt aber hierbei vornehmlich darauf an, ob die lehn auch jedesmahl, bei veränderung solcher lehn- oder

[Bd. 6, Sp. 5233]


gewalt-träger wiederum gesuchet, und die lehnwaare allezeit entrichtet werden müsse. bei Klingner dorfr. 4, 182.
2) wiert aber einer auf frischer that nit ehrbegriffen, so mag man in fürforderen und verhören vor dem gericht da die that beschehen ist, und wasz dan daselb wider ihn erkent, dasz soll man des pauren herren oder seinem gewaltstroiger verkünden. markt- und mauthordnung von Vorau (1603), österr. weisth. 6, 113; für dasz erste soll ein richter, den ein herrschaft ausz den persohnen, die der rath und gemain nöben des alten vorgewösten richter nach alter löblicher gewonheit in die wall stöllen, erkist, fürnemblich seinen herrn dem probst und seinen gewalttrager geliben und vergreifen, das er dem herrn und gottshausz selbst treu und gehorsamb sein wolle. marktordnung von Pöllau (1547), ebenda 134; als haben wir D. L. diese commission nebst unserer kais. gewalt, welche wir deroselben cum potestate substituendi zu dem ende hiermit in bester form zustellen, in gnaden aufftragen wollen, gnädigst befehlend, dasz sie in der persohn, oder durch einen oder mehr derselben substituirte gewaltträger oftgedachten von Thun etc. vielgedachte graffschaft Hohnstein ... in unsern nahmen ... einantworten. in Ferdinandi II. imp. mandato ad Albertum ducem Friedlandiae an. 1628 bei Haltaus 698.
3) gewaltträger, procurator, tam privati quam principis. Haltaus 698; gewaltträger, derjenige, welcher zu irgend einem geschäffte die nöthige vollmacht bekommen (oberd.). Voigtel 2, 80; darauff beide partheien auff einen fürderlichen tag und gelegene mahlstatt, für sich oder ihre subdeligirte selbst, oder durch ihre vollmächtige, gewalttragere zu erscheinen heischen und laden. (1614 Augsburg) bei Londorp 1, 163b; vor euer königl. majest. dem allerdurchlaüchtigsten ... könig Salomon zu Jerusalem ... übergibt unwürdiger gewaltträger ... Jesu des sohns gottes und Mariae seine in göttlichen, geistlichen und weltlichen rechten wohlgegründete exception-schrifft contra Belials ... klaglibell. Ayrer histor. processus juris 140; das si sich im rechten, durch ire gewalttrager, neben genuegsamen verfertigten schrifftlichen gewalt, verantworten mügen. kärndt. land-rechts-ordn. art. 27, fol. 19 bei Haltaus 698; der gegentheilische gewalttrager bate, das löbl. gericht geruhe, dieser freiwillig gethaner bekandnus protellocando eingedenck zu sein. Abele künstl. unordnung 1, 217; es kan auch in der partheien abwesenheit derselbe gewalttrager, ob es schon der gegentheil oder dessen gewalt-trager zugeben wolte, berührtes eids nicht erlassen werden. 2, 325.
 
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gewaltträgerei, f., ableitung von dem vorhergehenden mit der unter 2) dargestellten bedeutung: wann dieselbe bei solicher ihrer gewalttragerei in ain so anderen ainichen unfleisz oder saumbsal erzaigen und verspiren lassen wurden, mithin den schaden bei der gemaind nit verlangten zu wenden oder gebierend anzuzaigen, auf soliche erfindung sodann gegen denen selben auch das gebiehrende vorgekehrt werden solle. gemeinsschlusz und ordnung von Elmen und Klimm (1716), österr. weisth. 3, 121; weliche (gewalthaber) allwegs zur solichen gewalttragerei durch löbliche obrigkeit zu approbieren und in das hantglibt zu nehmen. gemeinsschlusz und ordnungsbrief zwischen den gemeinden Elbigenalp und Köglen (1716), ebenda 125.
 
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gewalttrutzig, adj.:

ich hab gesẹn ai gotlosen gwalt-trtzig,
dær wchs, nam-z, wi ain baum, hoch nt weit,
dær saftig grnt, f aignem boden strtzig.
Melissus (psalm 37) 140 neudr.


 
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gewaltverkündend, part. adj., vgl. DWB gewalt, violentia: sie liebte klare, ruhige und abgeschlossene schönheit sehr, und hatte widerwillen gegen jedes gewaltverkündende, anschreitende, drohende. Stifter (Procopus) erzähl. 44.
 
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gewaltvogt, m., vgl. DWB gewaltherr, DWB gewaltmeister: ind die hern von Prume dickgemelt haint perschonlich ire haiffs gedingh besessen ind haindt bei sich gehoildt den gewaltvaidt. hofgeding zu Udelhoven (1481) weisth. 2, 532.
 
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gewaltwerkzeug, n., vgl. DWB gewalt, violentia: so wie er ihr gatte und könig, da wirft er die maske fort, und glaubt auch ihren angstanstrengungen, das so schlimm gewonnene für ihn und sich zu erhalten, nicht mehr, zeigt ihr vielmehr unverhohlen seine verachtung, da sie ihm nur ein gewaltwerkzeug ist. O. Ludwig (studien) 5, 402.
 
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gewaltwirken, subst. inf., vgl. DWB gewalt, violentia: dem schwur im ballhause, dem gewaltwirken Mirabeau's, dem sturm der bastille, der allgemeinen bewaffnung des volks,

[Bd. 6, Sp. 5234]


der erklärung der menschenrechte und der Bartholomäusnacht des eigenthums folgt endlich die sogenannte 'constitution der constituante'. Immermann (memorabilien) werke 18, 205.
 
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gewaltzug, m.: ein gewaltiger, d. h. mit gewalt verbundener, ein schneller, angestrengter zug oder marsch (forcirter marsch) 'der general sollte durch einen gewaltzug mitten durch des feindes land das spanische heer umgehen'. Posselt. Campe 2, 359a.
 
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gewaltzwang, m.: das menschenkind kann alles ausstehen, noth und krankheit und feuersbrunst und gewaltzwang; aber von seinesgleichen verstoszen sein, das kann das menschenkind nicht ausstehen. Immermann 4, 35.

 

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