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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltsamlich bis gewaltschein (Bd. 6, Sp. 5219 bis 5220)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltsamlich , adverbialbildung zu gewaltsam (s. d.). die form ist weniger durch litterarischen gebrauch als durch die zähigkeit, mit der sie sich in den wörterbüchern hält, bemerkenswerth.
1) als solches verrätherisch stück zu Worms ruchbar worden, hat man alsbald die burgerschaft versammelt, die sind auch mit wiszen und willen bischof Eberhards ernanntem Jacoben von Stein seinem diener in sein haus und hof ... gefallen, was sie drinnen funden geplündert, ... dieweil er ihnen etlich jahr viel leids gethan, auch den vertrag so ernannter bischof Eberhard zwischen ihm und denen von Worms aufgerichtet, nit gehalten, sondern ohn alle ursach gewaltsamlich gebrochen und zerriszen. Zorn Wormser chronik 113 Arnold; dan die aufgewügelte heers-macht unterfing sich nachmahls zwischen dem könige, und den herren des oberhauses gewaltsamlich ein zu dringen. Zesen gekrönte majestät (1661) 81; dann vor eins, hat man sich nicht zu besorgen, dasz deren gestalt, und wenn sie nicht mit gewalt gerüst kommen, Teutschland einigen schaden leiden oder von ihnen gewaltsamblich angetastet werden könne. auszführlicher discurs und bedencken eines teutschen catholischen patrioten bei Londorp 1, 285a.

[Bd. 6, Sp. 5220]



2) violenter, gewaltsamlich. J. Meder (Ulm 1612) 261; gewaltsamlich, violentement, par force. Hulsius (1614) 163a; gewaltsamlich, idem quod gewaltigklich. Henisch 1591; gewaltsamlich, violenter, impetuose, injuriose, immerito, injuria. Stieler 2425; gewaltsamlich, violenter. Spieser 151a; ebenso Steinbach 2, 922; gewaltsamlich, violenter, vi, per vim. Bayer 290b; gewaltsamlich, par force, vi. nouveau dictionaire du voyageur (1704) 145a; ebenso Rondeau-Buxtorff (gewaltsamlich verfahren agir violemment) 254; ebenso nouveau dict. (1772) 339a; ähnlich Veneroni 75a.
 
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gewaltsanblick, m.: das ganze ist ein unwirtlicher urwilder gewaltsanblick. jahrbuch des Schweiz. alpencl. 1891 s. 547.
 
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gewaltsatz, m., vgl. DWB gewalt = violentia: die andere peinliche erinnerung an jene schulzeit sind mir der katechismus und die stunden, während deren wir uns damit beschäftigen mussten ... die pein dieser disciplin erreichte ihren gipfel, wenn mehrere male im jahre die reihe an mich kam, am sonntag in der kirche vor der ganzen gemeinde das wunderliche zwiegespräch mit dem geistlichen zu führen .. weil .. ein letztes feines räuchlein verschollener scheiterhaufen, durch die hallende kirche schwebend, mir den aufenthalt widerlich machte, wenn die eintönigen gewaltsätze hin und her geworfen wurden. G. Keller der grüne Heinrich 1, 95.
 
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gewaltsatzung, f., vgl. DWB gewalt = potestas (vollmacht): wenn ein priester, oder ander geistlich lüt und frawen, uff dem hofgericht ir clag an ein procurator setzen wöllen, die söllend zevor mit weltlichen personen. sunder geborn weltlich frawen, und junckfrowen mit ir genosz bevogt werden: unnd solich gewaltsatzung, durch der vogt hand .. zgon. F. Riedrer rhethorichscher spiegel (1493) 172a.
 
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gewaltsbengel, m.: de gewaltsbengel, wenn he um't boot fragt, so hett he't ock all losknütt. Th. Storm (bötjer Basch) 7, 22.
 
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gewaltsblume, f., vgl. DWB gewalt = violentia: gewaltsblumen riechen nicht. Henisch 1592.
 
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gewaltsbub, m.: am ende schieszt er seine eigene mutter über den haufen, wenn sie nicht gleich thut, was der gewaltsbub verlangt. P. Heyse (mutter und kind) 5, 45.
 
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gewaltsbote, s. DWB gewaltbote sp. 5095.
 
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gewaltsbrief, s. gewaltbrief sp. 5096.
 
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gewaltschaft, f., vgl. DWB gewalt = potestas: ouch so enmach noch ensal nieman van uns sine gewaltschaft vom sime gelende, des si vil off wenich, uisdoin off verpechten den vleischheuwern noch niemant anders alsoe, dat die ire schaife up unse lant iet driven moigen off soelen. Kölnische feldpolizeiordnung (1391), s. Mone zeitschrift 9, 175; gelijchwaell sall der vursecht sijne drijcht ind gewaltschaff behalden in alre maissen, as hei dat van alders gehat ind besessen hait. 176.
 
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gewaltschein, m., vgl. DWB gewalt = bevollmächtigung: es hette dann etwan einer von weib und kindern ader den nächsten erben genugsamen gewaltsschein der verstorbenen verlassenschaft zu empfahen. Fronsperger kriegsbuch 3, 120a; dann gehst du in aller stille zu Arner, nimmst einen gewaltsschein, alle häuser durchsuchen zu dürfen. Pestalozzi (Lienhard und Gertrud) 138 (pädag. bibliothek 7).

 

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