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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltsame bis gewaltsbub (Bd. 6, Sp. 5212 bis 5220)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltsame, gewaltsam, f. , ganz vereinzelt auch als masc. nachgewiesen, substantivbildung zu dem eben behandelten adjectiv, vgl. DWB gewaltsame bei Lexer 1, 974, nachtrag 207. über das geschichtliche verhältnis zwischen beiden nominibus s. u.das substantiv gehört von seinem ersten auftreten ab (1214) durchaus der rechts- und geschäftsprache an, in der es die bedeutung von potestas mit den verschiedenen an gewalt (s. d.) oben belegten privatrechtlichen verzweigungen des begriffes zur geltung bringt. seit dem ende des 15. jahrh. wird auch die vorstellung der violentia an unserem substantiv entwickelt, das in dieser prägung in die allgemeinere litteratur überdringt, vgl. die beispiele aus Hutten, Fischart, Kirchhof und den chroniken. vom 17. jahrh. ab sterben beide verwendungen rasch wieder ab, sie werden nur in wörterbüchern, vor allem in den sammlungen zur rechtsprache, vorübergehend wieder aufgefrischt.
der wechsel zwischen apokopierten und vollen formen, den Lexer a. a. o. mit dem gegensatz im genusgebrauch identificiert, ist an diese unterschiede nicht gebunden. ausgesprochenes masc. ist überhaupt nur selten belegt: si stunden solichs jres gewaltsams ab. monumenta Boica 25, 491, vgl. Schmeller 22, 909; darauff sich dann ... der hertzog etc. etlicher derselben haab und güter auch zu seinem gewaltsamb unterzogen. urkunde kaiser Friedrichs III. (1465) bei Haltaus 697; da sie sich hinfuro solches aigenthätlichen gewaltsams und furnemens gegen den unsern enthalten. der Frankfurter rat (1561) bei Haltaus 698.

[Bd. 6, Sp. 5213]



die apokopierten formen sind auch am ausgesprochenen femininum belegt, sie wiegen in den österreichischen weisthümern und entsprechenden urkunden, vor allen in den jüngeren rechtsquellen vor. auf österreichischem gebiet ist diese apokope mit der entwicklung eines labialen verschluszlautes verknüpft (vgl.gewaltsamb österr. weisth. 6, 474. 476. 5, 206. 3, 18. 1, 238, vgl. Haltaus 697. Mayr epitome 321b), der beim oberschwäbischen schreiber des truchsessen von Waldburg auch vor dem auslautenden vocal erscheint (gewaltsambe bei Baumann 558).
für die volle form hat der auslautende vocal seine qualität in der schreibung lange festgehalten, vgl. gewaltsami Werdenberger urkunden von 1214, österr. weisth. 1, 192. 223; Balinger urk. v. 1403; urk. kaiser Maximilians, vgl. die belege aus Schöpflin, Gallus Oheim und den monum. Boica. die schwächung des vocals ist in den monum. Zollerana, in den acten zum bauernkriege und der Schweizer chronik für gewaltsame = potestas belegt, ebenso in den meisten beispielen für gewaltsame = violentia (bei Hutten und Th. Zweifel gewaltsamm, gewaltsam). in der form gewaltsame buchen sodann die sämtlichen wörterbücher dasjenige, was sie von dem absterbenden worte noch wissen, so Henisch, Wehner, Besold, Sattler, Stieler, Bayer, Frisch, nur Estor bedient sich der apokopierten form.
der charakter des abstractums bringt es mit sich, dasz das substantiv an und für sich dem pluralgebrauch widerstrebt: die vorgeschriben dörffer allü mit allen iren rehten gewaltsami nutzen und zugehörden. Balinger urkunde von 1403 bei Reyscher altwürt. statutarrechte 154. andererseits wird aber aus solchen wendungen, die das substantiv in die verbindung mit dem plural von synonymen bringen, der pluralgebrauch auch am collectiv entwickelt s. u.
1) die bedeutung von potestas.
a) die bedeutungsgemeinschaft mit gewahrsam (s. d.) springt bei den ältesten belegen in die augen und musz zur erklärung unserer wortform selbst herangezogen werden. sie führt uns auf verbindungen die auch am substantiv gewalt, wenn dieses der bedeutungsverengerung durch die kennzeichnung eines bestimmten trägers unterliegt (vgl. sp. 4922), in reichlichen maasze belegt sind, vgl. sp. 5044 ff. 5047. zu diesen verbindungen bilden die ältesten gebrauchsformen in der gewaltsame eines andern sein, under die gewaltsame eines andern bringen eine parallele. in betracht zu ziehen ist daneben noch das adjectiv waltsam, das freilich nur einmal belegt ist (aller gût ain waltsam fas. meister Altwert 155, 11, vgl. Lexer 3, 663), das aber ebendort unabhängig vom adjectiv gewaltsam auf das verbum walten zurückführt.
α) wir sollen och alle diu güter diu in unser gewaltsami gelegen sind, diu unserm herren dem bischof, oder sim gotzhus, dem capitel, den dienstlüten oder lüten, von des kriegswegen abgedrungen sind und innehabend, widerlassen, als verr als man das bewiset mit dem rechten, und mit guter kundschaft fürbringen mag, und wir des unterweiset werden an alle gewerd. Werdenberger urkunde von 1214 bei Mohr urkunden zur gesch. Rätiens; denselben stokch allen mit sampt der kapellen und mit dem garten, der hintten an den benanten stokch leit, denselben stokch mit aller seiner zugehorung von dem dach uncz auf di erden haben si in zu irem und irs goczhaus notdurften vorbehalten in solher mainung, das der benant stokch mit obgemeldter seiner zugehorung in irer gewaltsam und mit versperrung beleiben und sein soll. urkunde des klosters Goldenkron (1441), rer. austriac. fontes 2, 37, 439; darumb, lieber in gott sun, abbt, so haben wir uns diner gepürlichen pitten gnädigelich genaigt und das münster Owe, das dann frwar under gewaltsami und grechtigkait sant Peters gehört, das du ietz mit gunst gottes verwist, ... uffgenomen und empfangen. Gallus Oheim chronik von Reichenau 134; von kinden die in gewaltsam irer eltern oder vormunde sein einich schulde hinter jnen nit zemachen. Nürnberger reformation (1479) 11a; und noch in seiner gewaltsam hat. statutenbuch 1564 bl. 26a.
β) dadurch wär uns unser romzug gesperrt, und die kai. chron mit sampt gantzem Italia in sein gewaltsamj und regierung komen und gevallen. Maximilian an die reichsstände in Lindau (1496) bei Klüpfel 1, 211; all ir gnaden und freihaiten .. so die zu kaiserlicher gewaltsam kumen wirdet, die abermals confirmieren. urk. zur gesch. Max. nr. 305 Chmel; dem heiligen reich zu entziehen und under sein gewaltsam zu bringen. kaiserbrief (Augsburg 1474) bei Diefenbach-Wülcker 619, vgl. in ir gewaltsamb bringen. Mayr epitome (1604) 321b; da auf irer

[Bd. 6, Sp. 5214]


fürstlichen gnaden urbar ain maleficzische person betretten wurde, so mag ir fürstl. gn. urbarrichter, da er an der hand, nach demselbigen greifen und solches alsobald den landspfleger erindern, damit er komb und dieselbig von dem urbar gefenklich wie sie mit gürtl umbfangen zu seiner gewaltsam bring. landrecht von Wartenfels (1585), österr. weisth. 1, 159; so sol und mag er ainen oder mer seiner nachbern zu im erfordern, nach demselben greifen und in der herrschaft zu Müllstath gewaltsamb bringen. banntaiding zu Millstatt (16. u. 17. jahrh.), ebenda 6, 476; und wägert sich des zu meiner händen oder gewaltsam zu überantworten. statutenbuch 1564 bl. 25a u. a.; wurden schedliche leit in dem landgericht gefangen und in des landrichters gewaltsamb bracht, es seie ain oder mehr, ist ain ancleger vorhanden, der soll damit gefahren mit vergwissung und rechtfertigung als recht und von alters herkommen ist. landrecht im Lungau (handschrift 1673), österr. weisth. 1, 238; wer solliches iberfüer und damit betreten wurde, soll von iedem stamb, er sei klain oder grosz, zwai phunt perner puesz zue geben verfallen sein, und darzue solliches verpotenes holz zue der gemain hant und gewaltsamb genomen werden. ehehaft der nachbarschaft zu Inzing (1616), ebenda 3, 18.
b) die bedeutung 'gerechtsame, zustehendes recht, befugnis', die an gewalt verhältnismäszig spärlich entwickelt ist (vgl. sp. 4935. 4959 ff.), hat unserer substantivbildung in der älteren sprache verbreitung und geltung gesichert; sie entspringt aus dem absoluten gebrauche des wortes.
α) ich Jacob von Scharenstetten beküne und vergich offenlichen mit disem brieff .. daz ich .. minen hof ze Fynningen gelegen .. mit allen den rechten ehefftin gewonhaiten diensten nutzen und gülten und der vorgenant hoff mit den vier felden und ieglichs besunder giltet oder gilten mag an clainem an grossen mit besetzzen und entsetzzen und mit aller ehefftin gemainsemin zwangstlin gewaltsenin (verkaufe) alz ich den merengiu jare bis her uff disen hiutigen tag bracht inn gehebt und genossen han. (1384) monumenta Boica 23, 250; gabend ... die vorgeschriben dörffer allü mit allen iren rehten gewaltsami nutzen und zugehörden, es sige an lüten, an guten an zinsen ... und mit allen andren iren rechten gewaltsami nutzen und zugehörden im hümenhin ierme ze haben. kaufbrief für die feste Schalzburg (Balingen 1403) bei Reyscher 154; die obgenanten dörffer und willer allú mit lúten, mit gten, mit zinsen, mit gelten, mit holtz, mit feld, mit wasser, wunne und waid, und besunderlich mit allen iren rehten, ehaften, gewaltsamen, nútzen und zgehörden was daran, darin oder darz gehöret, als das unser lieber herre und vatter von reht gewaltsami oder gewonhait inne, herbrauht, gehept und genossen hat, es sigend kilchengesätz, zenhenden, nútz, dienst, zins, väll oder gelt, klains und grösz, nútzit usgenomen. brüderliche erbteilung zwischen des grafen Fritz des älteren von Hohenz. söhnen (22. sept. 1402), monumenta Zollerana 1, 470; wir ... habent ... zu nuzen und zu niessende versetzt unser und der vorgenannten unser stifft zwei dörffer mit namen Bergholtz mit dem flösslein daselbs und Celle, mit lüten, ... mit gewerffen, banwin, wunnen, weiden ... mit aller herlickeit und gewaltsamen, nutzen, vellen und rechten. (Murbach 1456) bei Schöpflin Alsat. diplom. 2, 389; villam et pagum Steinheimb mit luten, gült, gütern, zöllen, vogteien und gerichten, und mit aller gewaltsame und herrlichkeiten, freveln und fällen. urkunde Krafts von Hohenlohe aus 1457 bei Haltaus 698; item des ersten, das der vorgenant junckher Rudolff Giel sin erben und nachkomen in dero hand und gewalt Burgow iemer kompt daselbs zu burger und uff der mülleregg vogt und herren sind, und sigen an den enden iro gericht zwing und penn und alle herlicheit mit aller gewaltsami, uszgelauszen die hochen gericht. Grimm weisthümer 1, 192 (öfnung zu Burgau 1469); item des ersten, sind gericht, zwing und bänn unnd alle herlichait im gericht zuo Tablatt ains herren unnd gotzhus zuo sant Gallen, mit aller gewaltsami unnd gerechttigkait. 1, 223 (öfnung zu Tablatt 1471, St. Gallen); so ist dawider auch, das ain abbt von Kempten die zinser mit steuren, diensten und aller gewaltsame innegehabt und dabei pleiben solle. antwort des fürstabts von Kempten auf die beschwerde der gotteshausleute bei Baumann acten 58.
β) dieweil aber ir und eure mitbrüder euch daneben mercken und vernemmen last, keinem herrn ainiche gehorsame mer, wie von alters hero, zue thuen, noch zue beweisen, noch euch in eur verainigung understanden, eurn herrn ir gestalt

[Bd. 6, Sp. 5215]


und gewaltsambe mit gebot und verboten zue entziehen, auch durch euch selbs eurs gefallens neu gewalt und obrigkaiten zue setzen. der schreiber des truchsessen Georg von Waldburg, bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkrieges in Oberschwaben 558; es haben aber dennocht die bischoff, vom ersten einsatz s. Othmars bisz auff Gotzbertum hinausz zurechnen, die gewaltsame uber s. Gallen Cell bei 60 jaren in ihren handen gehabt. Stumpf Schweitzer chronik 357b (1606).
c) die bedeutung 'vollmacht', die bei gewalt eine auszerordentliche verbreitung gefunden hatte (vgl. sp. 4933 ff. 4961 ff.), tritt dem gegenüber an unserer substantivbildung sehr zurück, sie entfaltet aber immerhin die ganze mannigfaltigkeit der dort belegten verzweigungen.
α) noch dehainerlei gewaltsam noch rechts darüber haben sollen ze gebieten weder von vogti noch dehainerlai zwanksali. urkunde von 1407 bei Haltaus 698; in dem allem sollen die zwen gewaltsam haben, in hernach beschribner masz das alles nach dem nuzestn zu bedenken und ze handln. bürgerordnung von Mittersill, österr. weisth. 1, 298; ist aber ain ort oder mehr im gericht, das er nicht selbs versorgen mocht, doselben hat er vollen gewalt ze sezen ainen andern prabst, doch daran ain richter und die geswornen ain benügen und gevallen haben, und im an seiner statt gewaltsam zu emphelhen, und der gesazt prabst sol auch alle die gewaltsam und gerechtichait haben zu volfüren, so geschriben stet. lantsprach des gerichts Glurns (15. jahrh.), ebenda 4, 8.
β) und sunderlich wan das egenant gottshaus in solcher mas gefreiet ist, das es ... nur allain seins abbts und seins kastvogts underthanikeit solt gehorsam sein; als auch den nu mit erbschaft und rechter gewaltsam an uns und die herrschaft von Osterrich gevallen ist, das wir des gottshaus kastvogt sein, und seine leüt und güeter ze versprechen haben. urkunde herzog Friedrichs v. Österreich (1406) bei Herrgott geneal. Habsburgica 3, 806; vermerkt ain gemain fürnemen und betrachtung in eelich täding am suntag vor Fabian und Sebastian des vierundachtzigisten jars durch richter und geschworn die zeit und die ganz gemain des gerichts Wangen in beiwesen Sigmundt Zwickhauer, burger zu Bozen, als pfleger im Ried, an stat und mit gewaltsamb des edlen und vesten Adam von Weinegk, als gerichtsherrn daselbs, fürgenomen und betracht. rechte des gerichtes Wangen (1491), österr. weisth. 5, 206.
γ) es sol auch ain ieklicher der herrschaft pfleger mit voller gewaltsamb auf Naudersperg mit seinem selbs leib heuslich sitzen. landsprache und ehehaft von Nauders (1436), österr. weisth. 3, 318; inmassen sie dann ihre allhero abgeordnete rähte und botschafft mit hierzu nohtwendigen und dienstlichen instructionen und gewaltsam versehen und abgefertigt haben. (1603) bei Londorp 1, 77a; in dem begern euer kon. gn. mit volmächtiger gewaltsam gen Lynntz geschickt werden. urk. zur gesch. Max. nr. 2 Chmel; das ir .. Johannsen schulmaister statschreiber fur unser landhofmaister gen Insprugg mit voller gewaltsam sendet. 182, vgl. DWB gewaltsam ist die macht, welche ein mandatarius auszuüben hat. Estor 3, 1314.
δ) item von gewaltsam zu versigln, was man ainem richter davon geben sol. stadrecht von Brunek (15. jahrh.), österr. weisth. 5, 487.
ε) auf solichen des gotshausz grünten und herrligkaiten sol niemant ze greifen noch zu richten haben dan die herrschaft hie zu Müllestath oder in allen hernach geschribnen stucken und articln ier anwalt oder gesezt gewaltsamb. banntaiding von Millstatt (16. u. 17. jahrh.), österr. weisth. 6, 474.
2) die bedeutung von violentia.
a) in der rechts- und geschäftsprache:
α) von dem kauffer (ist) sein selbs schaden zetragen so er sein verkaufte habe verliesse, oder der abstünde in zeit der weerschaft, oder so er sölichen schaden ausz seiner verschuldung empfangen hat, oder im auszerhalb rechtens mit gewaltsam gefügt werde. Nürnberger reformation (1479) 20b; solche gepursch haben sie zu nachtail und merglichem verlust mertails irer genachpurten auch uf die hochen gericht dermaszen erstreckt, das ire purger ires gefallens und aigens gewalts den nachgesesznen in die vischwasser geen, darin vischen und angln, auch in diesem bezirk alle maleficia sich zu strafen anmasen, damit dann biszher dem reich, dem haus Österreich, auch andern oberkaiten groszer ingriff beschehen; haben iedoch das mit irer grosen importunitet und gewaltsame, auch ainstails user liderlichkait der genachpurten

[Bd. 6, Sp. 5216]


bisz anhere erhalten. Zimmersche chronik 3, 353 Barack; bed inner und ewsser räte sein daruff uber die sach gesessen, haben solichen furschlag des ausschusz fur ganz beschwerlich und dabei bewegen und ermessen, sollten sie ichtzit gegen der versamelten bawrschaft in diser uffrur und betrangter not begeben und nachlassen, so beschehe sölichs aus ainer gewaltsam, und were niemand sölichs schuldig zu halten. Thomas Zweifel bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg 79.
β) ob der kauffer sich eussert seiner erkaufften habe oder guts, und helt das pro derelicto in zeit der werschaft, und deszhalb einich gerichtshenndel oder urtail wider in ergiengen, oder ausz sein selbs verschulden einichen schaden daran lidte, oder aber einich gewaltsame ausserhalb rechtens im beschehe, so ist im in disen vällen der verkauffer darumb nichts schuldig. Nürnberger reformation (1479) titel 28, gesetz 13; damit nun sölicher misztraw abgeschnitten, und ain ieder zu seiner arbait und gewerb unverhindert gelassen ward, sehe der ausschusz fur not und gut an, dasz sich der ausschusz von iren und der gemaind wegen zu aim innern burgermaister und rat und herwiderumb inner burgermaister und rate zu dem ausschusz verpunden, globten und pflicht teten, das sie ober ainander trawen und glauben halten, kain tail von dem andern ainicher gewaltsam, far oder sorg gewarten sollten, oder wollten. Th. Zweifel bei Baumann quellen zur gesch. des bauernkrieges aus Rotenburg 35; am freitag nach jubilate hat der inner rat alspald allen handwerken sagen lassen, dieweil sich die pawrn diser gewaltsam understanden hetten, die orden und ander hewser hie in der statt Rotenburg zu besuchen und zu plundern. 339; sich solchs aigenthätlichen gewaltsams und furnemens ... enthalten. (1561) bei Haltaus 698 s. o.
γ) also machten die Rhömer mit den Persiern fried, und solt der flusz Tigris ihre landschafft teilen, und scheiden, die andern schreiben anders, nemlich Heraclius hab das volck in nahe gelegnen landen, und das im sein vatter ausz Aphrica zschicket, angericht wider Coszdram den künig Persarum z beschützung der römischen gegne, wider des selben künigs hochmt und gewaltsame. S. Franck chron. (1531) 162a; und ist dieser process (der einspruch der grafen gegen die rechtswidrige besitznahme ihrer güter) angefengt worden durch bischof Marxen von Preneste, als aber derselbig bischof, ehe und zuvor die rechtvertigung zu ende geloffen, mit todt abgangen, hat bemelter bapst Innocentius, dem dise deutsche gewaltsame hoch angelegen, sollich geschäft magister Felino de Sandes, seim caplon und auditori palatii bevolchen. Zimmersche chronik 1, 549 Barack.
b) in der allgemeinen litteratur: entschützt mich ... gegen ein auszlendigen macht, als landsleut, als die, umb deren willen ich etwas gethon hab, wider einen ungebürlichen, unformlichen mtwillen und gewaltsamm. Hutten (klagschrift an alle stände) 1, 413 Böcking; aber ubersah er jm die ersten tag, inn betrachtung, dasz die natur die plötzliche änderungen wegen der gewaltsame, on verdrüszlichkeit nicht wol uberstehet und auszhart. Fischart Gargantua 271 neudruck; es ist eine gleiche gewaltsame, wann der man übel seiner herschaft gepraucht, und wann ein unverstendig weib widerstrebet. (ehezuchtbüchlein) 3, 187 Hauffen; vim vi repellere licet, das ist gewaltsame mag man mit gewalt schwächen und hindern. Kirchhoff militaris disciplina 5.
3) in den aufzeichnungen der wörterbücher zeigt sich die bedeutung potestas durch die von violentia überflügelt.
a) die bedeutung potestas wird allein gebucht: gewaltsame, f. (plur. inus.), de onderdaanigheit, gehoorzamheid, of, het regt van de hooge overheid. Weidenbach 436b.
b) beide bedeutungen werden neben einander aufgeführt: gewaltsamme, herrschaft, dominium. Henisch 1591; alle gewaltsamme abstellen, omni violentia abstinere. ebenda; gewaltsame, antiquum verbum est olim valde usitatum pro eo quod hodie dicimus obrigkeit. Wehner observat. (1624) 225. ebenso Besoldus thesaurus (1641) 352, vgl. auch Diether-Frisch (1679) 237; gewaltsame, pro vi et violentia, welches am kaiserlichen hofgericht zu Rotweil ein ehehafft ist. Wehner ad reform. Rotw. 2, 1, § 25, vgl. Diether-Frisch (1679) 237; gewaltsame, die, in jure dicitur jurisdictio, coerctio, et violentia. Stieler 2426; gewaltsame, bottmässigkeit. Bayer 290; gewaltsame, gewaltthätigkeit, violentia, vis. ebenda; gewaltsame, subst., vis, violentia, it. obrigkeitliche gewalt. Frisch 1, 420b; gewaltsam,

[Bd. 6, Sp. 5217]


potestas. Haltaus 697; jus potestativum 698; potestas illicita et usurpata, vis violenta. ebenda.
c) einschränkung auf den begriff der violentia: vis, violentia, gewaltsame. Meder (Ulm 1612) 260; gewaltsame, f. la violence, la force, vis. nouveau dictionaire du voyageur (Genf 1703) 145.
 
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gewaltsamen, verb., ableitung zu dem vorigen, und zwar mit der bedeutung violentia, vgl. DWB gewaltigen. das verbum ist nur auf schwäbisch-alemannischem boden belegt, doch läszt ein bei Frisch 2, 420b aus der Magdeburger chronik des Pomarius ausgehobener beleg für vergewaltsamen auf weitere verbreitung schlieszen: seines nächsten weib schwecht er, den armen und dürftigen beleidigt er, er raubt und gewaltsamet. Züricher bibel (1530) Hesek. 18, 12 (wenn jemand ... mit gewalt etwas nimpt. Luther; einen zuckenden die raube. Koburger. Eggestein); sin vatter aber, diewil er sinen brder gewaltsamet und beroubt, unnd nüt gts under sinem volck gehandlet hat. Hesek. 18, 18 (sein vatter aber, dieweil er gewalt getriben, und seinem brder etwas mit frevelem gewalt genommen. Dietenberger; tet den gewalt dem bruder. Eggestein. Koburger; sein vatter, der gewalt than hat. Eck; sein vater, der gewalt und macht geübt und unter seinem volck gethan hat, das nicht taug. Luther); aber die hirten von Herar zanktend mit den hirten Isaacs und sprachend: das wasser ist unser. do hiesz er den bronnen Esek (zank). darumb das si in da gewaltsamet hatten. 1. Mos. 26, 20 (dass sie ihm da unrecht gethan hatten. Luther; rieff er den namen der brunnen gewalt .. von dem daz do was gescheehen. Eggestein ähnl. Koburger); nach dem er aber sein volck teglich mit neüwen schatzungen, zinszen und zöllen beschwert, und mit unträglicher bürd belestigt und gwaltsamet, fieng im an Aluda des verstorbnen Lotharij verlaszne hauszfrauw hefftig zuwidersteen. S. Franck chron. (1531) 173b.
 
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gewaltsamigkeit, f. , vorläufer von gewaltsamkeit (s. d.). ein adjectiv gewaltsamig, gewaltsamec, das dieser substantivbildung zu grunde gelegt werden könnte, ist nicht belegt. beachtung verdient, dasz an unserer form nicht blosz die bedeutung von violentia, sondern auch die von potestas ausgeprägt erscheint.
1) zu solich congregation sollen auch unsz. hrn. ernstlichen zu rate werden und daran sin, damit die gewaltsamigheit die die heiligen gemeinsamen concilia, in massen solichs in deme concilio zu Constanz geordent ist, haben sollen, festiglich gehandhabt werde. reichsconvent zu Frankfurt 1445 bei Ranke reform. 6, 8.
2) zu widderstandt uncristlichs unnd unmenschliches lebens unnd frevellicher gewaltszamickeit. gerichtsordnung für die dörfer Melbach, Heyenheim und Geisenheim i. d. Wetterau von 1475.
 
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gewaltsamkeit, f. , jüngere bildung, die die vorhergehende ebenso verdrängt wie das substantiv gewaltsame. von letzterem hat sie nur den begriff der violentia übernommen, den sie aber in den verschiedenen bedeutungsabstufungen durchführt, die am adjectiv gewaltsam zu belegen waren.
1) die bedeutung gewaltthätigkeit.
a) in verbindung mit den einzelnen verbis, die für gewalt zu belegen waren: welche parthen do des ungehorsam werent und darüber gewaltsamkeit tribent mit frevelm handel, slahen oder stechen, ... so sol der der si des fridens ermanet hette, bi sinem eit, uf stunt, ohne verzog, durch sich oder ieman anders solichs verkünden dem ammeister. Straszburger zunft- und polizeiverordnungen 23 Brucker;

verkehrte sterne lenken meinen fusz und arm,
gewaltsamkeiten auszuüben gegen sinn
und eigne neigung, schlecht erfreut von herbem zwang.
K. Immermann (Eudoxia) 15, 371;

kann man sagen: mit hindanschleuderung des rechts sich der gewaltsamkeit gebrauchen. Schottelius haubtsprache 1231.
b) präpositionalverbindungen: sie halten die seelen derer, welche entweder in der schlacht oder durch andere gewaltsamkeit umkommen der ewigen freuden theilhafftig. christliche kriegstrompete (1664) G 4a; umm solcher that willen ist der landsknecht ins gefängnsz geworfen, und weil er den wirth in dem seinen violenter und mit frevelhafftiger gewaltsamkeit angegriffen, ihme das haupt abzuhäuen und zu richten, zu recht erkennet worden. Prätorius wündschel-ruthen (1667) 102, vgl. auch glückstopf 292; ein volk, das auf den gewinnst so erpicht ist, fragt wenig darnach, ob es ihn mit recht oder unrecht, mit list oder gewaltsamkeit erhält. Lessing (die Juden) 13, 386; das pabstthum mit alle seiner gewaltsamkeit ward in der hand des schicksals maschiene zu einer 'noch

[Bd. 6, Sp. 5218]


höhern verbindung, zur allgemeinen erkennung sein sollender christen! brüder! menschen!' Herder (auch eine philosophie der geschichte) 5, 529; nur musz man dem Alexander verzeihen, dasz er gefühle, die einen tiefen quell ächter sittlichkeit in seinem innern verrathen, mit gewohnter despotischer gewaltsamkeit äuszerte. F. v. Schlegel (studien des klassischen alterthums) 4, 223.
c) der freie gebrauch des substantivs.
α) bei individueller begrenzung des begriffes: man sieht nicht den geringsten versuch einiger gewaltsamkeit von seiten des sultans. Lessing (Hamburgische dramaturgie 1, 33) 93, 321; in ansehung seiner wenigen kräfte hat er sich also noch glück zu wünschen, dasz er dem ungerechten Appius nur so viel furcht eingejagt, dasz er nicht nach aller härte seiner gewaltsamkeit verfahren. (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 109; über den rothhaarigen knecht fühlte er den heftigsten verdrusz; denn er hatte dessen gewaltsamkeit noch spät in der nacht vor dem schlafengehen erfahren. Immermann werke 4, 16; machte kalte ehrsucht und rücksichtslose gewaltsamkeit den fürsten, wahrlich, nicht der ärmste unter diesen leiblich und geistig armen, sehnte sich dann so heisz, mit mir zu tauschen, als ich mit ihm. O. Ludwig (Agnes Bernauerin) 4, 232.
β) absoluter gebrauch: es ist leicht einzusehen dasz diese drei groszen akte des übermuthes und der gewaltsamkeit die möglichkeit des friedens ganz aufheben muszten. Clausewitz (feldzüge von 1799) 5, 7; diese enthebung darf aber nur — um gewaltsamkeit oder intrigue zu entwaffnen — in derselben weise, wie die wahl geschehen, durch beschlusz des ministeriums und der zwei drittel mehrheit der stimmberechtigten. E. Devrient das nationaltheater des neuen Deutschlands (1849) 38;

heiszt das nicht frieden; ihr miszbraucht das wort,
das holdeste im ganzen kreis der sprache,
das aus der menschheit goldner urzeit blieb
als tröstende verheiszung, da sein inhalt
verscheucht zum himmel floh, gewaltsamkeit
unrecht und trotz, des unrechts feindlich kind,
den ewgen krieg begannen um die herrschaft.
O. Ludwig (Agnes Bernauerin) 4, 243.


d) diese richtung des begriffes bestimmt auch die bedeutungsabgrenzung in den wörterbüchern, die sehr einseitig ist (zu den angaben im teutsch-engl. wb., bei Steinbach, Kirsch s. u.). beachtung verdient, dasz Stieler zwar gewaltsam, gewaltsame und gewaltsamlich, nicht aber unser substantiv bucht.
α) gewaltsamkeit, violence. Hulsius (1614) 163a; gewaltsamkeit, vis, violentia. Gürtler 2, 74. ebenso Frisch 2, 420b; gewaltsamkeit, violentia. Bayer 290; gewaltsamkeit oder gewaltthätigkeit. Chomel 4, 1041; gewaltsamkeit, la violence, la force, vis, la violenza, la forza. Veneroni (1772) 74b; gewaltsamkeit, violence. nouveau dictionnaire 339a; gewaltsamkeit, die eigenschaft, da eine handlung gewaltsam ist (ohne plural). Adelung 2, 649. ebenso Voigtel 2, 80; gewaltsamkeit, geweldegheit, ' l geweld van iets. Weidenbach 436b; gewaltsamkeit, f. force, violence. Hilpert 1, 463a.
β) mit offenbarer gewaltsamkeit, with open strength or force. teutsch-engl. wb. (1716) 769; etwas mit gewaltsamkeit suchen, in re aliqua violentiam adhibere. Steinbach 2, 922; durch des feindes gewaltsamkeit unterdrückt werden, violentiae hostis impetu opprimi. ebenda.
2) gewaltsamkeit = vehementia: gewaltsamkeit, violence, forciblenesz, force, vehemency, fiercenesz. teutsch-engl. wb. (1716) 769; gewaltsamkeit, violentia, vehementia. Steinbach 2, 922; ebenso Kirsch 180a; besonders auch damahls aufm baltischen oceanischen und mitländischen meer fast unzehlbare schiffe eben solche gewaltsamkeit mit empfindung ihres unterganges, haben über sich müssen ergehen lassen. Prätorius diebesdaume (1667) 172; in mineralischen arbeiten ist die gewaltsamkeit des offenen feuers nichts nütze. med. maulaffe 140; aber Kellermann hatte sich zu vortheilhaft gestellt und nun begann die kanonade von der man viel erzählt, deren augenblickliche gewaltsamkeit jedoch man nicht beschreiben, nicht einmal in der einbildungskraft zurückrufen kann. Göthe (campagne in Frankreich) 30, 69.
3) die bedeutungen, die aus der vorstellung des zwangs im gegensatz zu der natürlichen entwicklung erwachsen, vgl. DWB gewaltsam = gezwungen, unnatürlich.
a) es würde nehmlich weniger wahrscheinlich sein, dasz Octav ganz betäubt wird, und nicht weis, was er sagen soll, wenn nicht die auszerordentliche heftigkeit des Scapins und die gewaltsamkeit seines betragens, diesen jungen liebhaber

[Bd. 6, Sp. 5219]


so täuschte, dasz er wirklich den fürchterlichen Argante in dem Scapin zu sehen glaubte. Lessing (auszug aus dem schauspieler) 63, 145; so schien es als ob ihr früher kindischer geist mit allen seinen lücken und gewaltsamkeiten wieder erwachte. Göthe (wahlverwandtschaften) 17, 329 (zum plural vgl. 4, a); betracht einmal die ganzen gestalten in unserm stücke! wie edel! länglicht ohne Johann von Leukens hagerkeit; männlich ohne Glozens gewaltsamkeit und überspanntheit. Lavater (physiogn. fragmente) 1, 115.
b) nun begreife ich sehr wohl, wie uns der dichter aus einer jeden leidenschaft zu der ihr entgegenstehenden, zu ihrem völligen widerspiele, ohne unangenehme gewaltsamkeit, bringen kann. Lessing (Hamburgische dramaturgie 1, 27) 9, 295; die situationen sind alltäglich oder unnatürlich, und die wenig guten so weit von einander entfernt, dasz sie sich, ohne gewaltsamkeit, in den engen raum eines schauspiels von drei aufzügen nicht zwingen lassen. (1, 8) 9, 217; das feuer besteht nicht in der heftigkeit der declamation, oder in der gewaltsamkeit der bewegungen, sondern es ist nichts anders als die geschwindigkeit und lebhaftigkeit, mit welcher alle theile, die einen schauspieler ausmachen, zusammen treffen, um seiner action das ansehen der wahrheit zu geben. (auszug aus dem schauspieler) 6, 124; das genaue verständnisz der anatomie erweiterte dieser mächtige genius (Michel Angelo) zu einer wahrhaft tiefsinnigen wissenschaft .. allein sie verführte ihn auch zu manchem übermuth, zu mancher gewaltsamkeit, ja zu mancher gesuchten verdrehung des menschlichen körpers. G. F. Schuppe über die neuere deutsche kunst, taschenbuch auf das jahr 1837 s. 71.
4) der pluralgebrauch entspricht vor allem dieser letzt belegten bedeutungsgruppe, er geht von hier jedoch auch auf die anderen verwendungen über.
a) mit ihrer stimme bezauberte sie die seelen aller, die ihr zuhöreten; ja sie hatte überaus viel anmuthige gewaltsamkeiten, die aller hertzen zu ihrem gehorsam zwungen. Stranitzky ollapatrida des durchgetriebenen Fuchsmundi, Wiener neudrucke 10, 102; diese umbildung oder organisation, wie man dergleichen gewaltsamkeiten nennt, als wenn man in einer neuen provinz nur eine todte masse empfinge, welcher durch den erwerber erst die lebensorgane gegeben werden müszten, scheint mir gänzlich auszer der zeit zu sein. Immermann 6, 156; da nun auch seine (des narren) neueste thorheiten und gewaltsamkeiten zur sprache kamen und kund wurden, fiel es den herren wie schuppen von den augen. G. Keller Züricher novellen 138. vgl. auch oben (3, a) den beleg aus Göthe.
b) wir werden nun sehen, dasz die hieraus entstehende verwirrung ganz in dem grade vorwärts schritt, als diese thüre von anderer seite her auf das rücksichtsloseste zugeschlagen ward, und die gefühlte mangelhaftigkeit der scene wiederum zu willkürlichen gewaltsamkeiten gegen das lebendige drama selbst trieb. R. Wagner (oper und drama 2) 42, 12; je mehr dieser mensch unter dem drucke politischer und religiöser gewaltsamkeiten zur kraftanstrengung eines gegendruckes aus seinem inneren wesen selbst gedrängt wurde, desto deutlicher erkennen wir auch in der vorliegenden dichtungsart das streben ausgesprochen, der masse des vielartigen stoffes von innen heraus herr zu werden. 8.
 
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gewaltsamlich , adverbialbildung zu gewaltsam (s. d.). die form ist weniger durch litterarischen gebrauch als durch die zähigkeit, mit der sie sich in den wörterbüchern hält, bemerkenswerth.
1) als solches verrätherisch stück zu Worms ruchbar worden, hat man alsbald die burgerschaft versammelt, die sind auch mit wiszen und willen bischof Eberhards ernanntem Jacoben von Stein seinem diener in sein haus und hof ... gefallen, was sie drinnen funden geplündert, ... dieweil er ihnen etlich jahr viel leids gethan, auch den vertrag so ernannter bischof Eberhard zwischen ihm und denen von Worms aufgerichtet, nit gehalten, sondern ohn alle ursach gewaltsamlich gebrochen und zerriszen. Zorn Wormser chronik 113 Arnold; dan die aufgewügelte heers-macht unterfing sich nachmahls zwischen dem könige, und den herren des oberhauses gewaltsamlich ein zu dringen. Zesen gekrönte majestät (1661) 81; dann vor eins, hat man sich nicht zu besorgen, dasz deren gestalt, und wenn sie nicht mit gewalt gerüst kommen, Teutschland einigen schaden leiden oder von ihnen gewaltsamblich angetastet werden könne. auszführlicher discurs und bedencken eines teutschen catholischen patrioten bei Londorp 1, 285a.

[Bd. 6, Sp. 5220]



2) violenter, gewaltsamlich. J. Meder (Ulm 1612) 261; gewaltsamlich, violentement, par force. Hulsius (1614) 163a; gewaltsamlich, idem quod gewaltigklich. Henisch 1591; gewaltsamlich, violenter, impetuose, injuriose, immerito, injuria. Stieler 2425; gewaltsamlich, violenter. Spieser 151a; ebenso Steinbach 2, 922; gewaltsamlich, violenter, vi, per vim. Bayer 290b; gewaltsamlich, par force, vi. nouveau dictionaire du voyageur (1704) 145a; ebenso Rondeau-Buxtorff (gewaltsamlich verfahren agir violemment) 254; ebenso nouveau dict. (1772) 339a; ähnlich Veneroni 75a.
 
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gewaltsanblick, m.: das ganze ist ein unwirtlicher urwilder gewaltsanblick. jahrbuch des Schweiz. alpencl. 1891 s. 547.
 
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gewaltsatz, m., vgl. DWB gewalt = violentia: die andere peinliche erinnerung an jene schulzeit sind mir der katechismus und die stunden, während deren wir uns damit beschäftigen mussten ... die pein dieser disciplin erreichte ihren gipfel, wenn mehrere male im jahre die reihe an mich kam, am sonntag in der kirche vor der ganzen gemeinde das wunderliche zwiegespräch mit dem geistlichen zu führen .. weil .. ein letztes feines räuchlein verschollener scheiterhaufen, durch die hallende kirche schwebend, mir den aufenthalt widerlich machte, wenn die eintönigen gewaltsätze hin und her geworfen wurden. G. Keller der grüne Heinrich 1, 95.
 
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gewaltsatzung, f., vgl. DWB gewalt = potestas (vollmacht): wenn ein priester, oder ander geistlich lüt und frawen, uff dem hofgericht ir clag an ein procurator setzen wöllen, die söllend zevor mit weltlichen personen. sunder geborn weltlich frawen, und junckfrowen mit ir genosz bevogt werden: unnd solich gewaltsatzung, durch der vogt hand .. zgon. F. Riedrer rhethorichscher spiegel (1493) 172a.
 
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gewaltsbengel, m.: de gewaltsbengel, wenn he um't boot fragt, so hett he't ock all losknütt. Th. Storm (bötjer Basch) 7, 22.
 
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gewaltsblume, f., vgl. DWB gewalt = violentia: gewaltsblumen riechen nicht. Henisch 1592.
 
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gewaltsbub, m.: am ende schieszt er seine eigene mutter über den haufen, wenn sie nicht gleich thut, was der gewaltsbub verlangt. P. Heyse (mutter und kind) 5, 45.

 

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