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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltleer bis gewaltmäszigkeit (Bd. 6, Sp. 5194 bis 5195)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltleer, adj.: gewaltleer, imbecillis. Stieler 1107.
 
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gewaltleider, m., vgl. DWB gewalt leiden, sp. 5092. gewaltleider, vim sustinens, oppressus, suppressus. Stieler 1135.
 
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gewältlein, n., deminutiv zu gewalt:

swa sich gewalt gewalt(e)linen
lat über kriegen unt die sinen,
da si wafen!
über alle die geschriet, die solich unvuore solten strafen. minnesinger 3, 441a v. d. Hagen;

tumpliche tuot er, der sich gegen sinen rehten herren sezzet
gewalt gesiget vil gerne an gewaltelîne. (
der Meiszner) 3, 104a;

vgl. Lexer 1, 973. nachtrag 207. das deminutiv wird in der Schweizer mundart noch fest gehalten: gwältli. Tobler Appenzell. sprachschatz 247.
 
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gewaltlich, adj. , seltener adv., vgl. Graff 1, 811. mittelhochd. wb. 3, 476a. Lexer 1, 974, vgl. geweldelijc Verwijs und Verdam 2, 1877. geweldelike ebenda 1878, vgl. geweldelic, machtig. Oudemans 2, 656; gheweldelic, gheweldeligk, met geweld, met macht 657. auf deutschem boden ist der verwendungskreis dieser bildung fast ganz auf das adjectiv beschränkt geblieben, und auch hier hat sie sich gegen das lebenskräftigere gewaltig nicht lange halten können. trotzdem ist der bedeutungsumfang als ziemlich weit belegt.
1) das adjectiv.
a) die bedeutung potens:
α) wanda du gemîchellîchot habest dinen namen uber al daz dir gewaltlîches ist, in angelis et hominibus. Notker psalm 137, 2 (variante gewahtlîches; magnificasti super omne nomen sanctum tuum); (superba) gewaltlichiu. glossen der Tegernseer handschr. des 11. jahrh. zu Vergil, Aeneis 12, 877 (nec fallunt jussa superba magnanimi Jovis, nicht täuscht mich der herrische ausspruch des hochsinnigen Zeus). Steinmeyer-Sievers 2, 671;

er (Noah) sprach (zu seinem 3. sohne) ....
der mich hat gedecchet.
vil gutlichen irwecchet ..
der scol der edele unde der frige sin.
unde alleʒ daʒ chunne sin.
êre unde sîn rîche.
vil gewaltliche.
sin herschaft nîmer zergat.
di wile deu werlt stat. d. bücher Mosis bei
Diemer ged. d. 12. jahrh. 14, 29;

[Bd. 6, Sp. 5195]



dû gihst alsô, daʒ iuwer leben
von wîsen liuten sî gegeben,
und von rîcher hêrschaft,
die mit gewaltlîcher kraft
muosten eʒ beschirmen ie.
R. von Ems Barlaam und Josaphat 326, 30 Köpke (varianten: gewaltiger, gewalteclîcher).


β)

dâ von wart ich ir gewaltlich,daʒ si mich niht ensach,
swie sêre si sich werte,sô wart si doch mîn wîp. variante zu Ortnit 173. vgl. oben gewaltig sp. 5117.


2) die bedeutung violentus: dei alduslike geweltlike overdad dede mit vorsate, dat somtlike van unsen medegesellen van unsen rade unde van unsen borgeren gesein unde gehort hedden, dat sal men richten an sime halze. (Dortmunder statuten) hansische geschichtsquellen 3, 140; es erkennen scheffen und geschworen die hern von Thomburgh uf den wildthoffen vur lehn und grundthern uf den kuppen und iren eigenen buschen und gutteren allein und niemantz anders gepot und verpot zu und alle gewaltliche sachen zu straffen. weisthum zu Krahenfort 1586 bei Grimm 2, 700; erstlich erkennen die scheffen zu Meill den volledelen gestrengen herren Johan Quadten von Lanscron, herren zu Meill und ober Vinteren, nunmehr für ihren herren allein zu Meill, und erkennen den selben herren zu gebott und verbott, wassergang, klockenklanck, antäst und alle gewaltliche sachen. weisthum zu Meill, ebenda 4, 762. vgl. auch geweltliche sachen unter gewaltschirmherr.
3) das adverb: libere, giwaltliho. glossen zu Gregors dialogen, Steinmeyer - Sievers 2, 257; und erscheinen fur den menschen so gros geachtet, und gleich zun heubten sitzen, forchtlich und gewaltlich, alle ding durchdringen, frei und sicher wandeln. Luther (auslegung des 109. ps. 1518) 1, 90b Jena (in der Weim. ausg. 9, 183: prechtlich).
 
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gewaltliebend, participales adj.: daher dan nicht unbillig ausz gerechter verordnung des erzürneten gottes, welcher die klugsüchtigen in ihren tükken ergreift und denen gewaltliebenden ihren eisernen nakken zerbricht, entstehet so manches also genantes unglükk. Schottelius friedens sieg 11 neudruck.
 
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gewaltlos, adj. , mit anlehnung an potestas und violentia:
1) gewaltlosz, senza autorità, spotestato, incompetente, sans autorité ou pouvoir, incompétent. Rädlein 381b.
2) jedes urtheil, das innere wahrheit haben soll, musz aus einer umfassenden kenntnisz so reif und vollendet herausfallen, als der gereifte kern vollendet frei und gewaltlos von selbst aus der schale herausfällt. Pestalozzi 5, 42.
 
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gewaltmacher, m. vgl.geweltmaker, levenmaker, ruziemaker. Winkler friesch woordenboek 456.
 
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gewaltmacht, f.: wir stehen in trauer um den tod eines jugendlichen kämpfers, ohne den trost zu finden, dasz er sein leben für eine siegreiche sache gelassen, niedergebeugt vielmehr von dem elend, das gewaltmacht ihr bereitet. E. Schmidt-Weissenfels, vgl. zeitschr. f. deutsche sprache 7, 298.
 
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gewaltmandat, n.: die gottslästerer und gottswerer, wo man die ankomb und betridt, soll dasz gericht schwärlich, inhalt kais. maj. gewaltmandat deszhalben auszgangen, doch nach gelegenhait ires verschulden an leib und guet straffen. (banntaiding von st. Lambrecht 16. jahrh.) österr. weisth. 6, 233.
 
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gewaltmarsch, m.: als Firmian in der osterwoche ein mal von einer halbstündigen lustreise voll gewaltmärsche heimkam, fragte Lenette: warum er nicht eher gekommen — der briefträger wäre mit einem breiten buche dagewesen. Jean Paul Siebenkäs 3, 94; er scheint es für undenkbar gehalten zu haben, dasz die preuszische garde, welche tages zuvor einen gewaltmarsch von fast sechs meilen zurückgelegt hatte, schon am vormittag seine truppenzüge würde erreichen können. Sybel begründung d. deutschen reiches 5, 148.
 
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gewaltmäszigkeit, f., erweiterte substantivbildung, vgl. DWB gewaltheit, DWB gewaltigkeit, DWB gewaltnis, gewaltsamkeit: schmerztlich aber, ja unchristlich kompt uns vor, dasz sie uns und unsern armen unschuldigen leuten .. mit verhergung unnd brand, und allen andern kriegs-molestationen als feinde und rebellen, wie sie uns ausz gewaltmässigkeit nennen thun, zu verfolgen betröwen. Moscherosch Philander (6. gesicht) 2, 705.

 

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