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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewältigen bis gewaltkrieg (Bd. 6, Sp. 5170 bis 5194)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewältigen, gewaltigen, verbum , das dem eben behandelten adjectiv zwei hauptverwendungen entnimmt, vgl. gewaltig

[Bd. 6, Sp. 5171]


thun, machen und gewaltig sein, werden vgl. sp. 5114. 5118. 5119. 5121. 5122. mit beiden gebrauchsformen reicht das verbum in die mittelhochdeutsche periode zurück (vgl. mhd. wb. 3, 477b. Lexer 1, 974), aber sehr ungleich ist der anteil, den die beiden haupttypen am neueren sprachgebrauche haben. gewaltigen in der bedeutung von gewaltig machen ist mit der älteren rechtsprache ausgestorben und wird nur aus anlasz der substantivbildung gewältigung in späteren wörterbüchern noch gestreift. nachhaltiger ist die bedeutung von gewaltig sein, gewaltig werden. hier spaltet sich die verwendung wieder in zwei hauptformen, je nachdem der begriff von potens oder der später entwickelte von violentus durchschlägt. für den zweiten fall ist das einfache verbum durch das compositum vergewaltigen verdrängt. auch im erstern fall sind die zusammengesetzten formen sehr in aufnahme gekommen, vgl. überwältigen bei persönlichem, bewältigen bei unpersönlichem objecte; aber das einfache verbum hat sich doch bis auf heute lebendig erhalten. im besonderen ist es Göthe, der den gebrauch stützt, und unter seinem einflusz mögen manche späteren verwendungen stehen. daneben hat die bergwerksprache ihren anteil an der erhaltung des verbums und von ihr ist zum guten theile schon der gebrauch Göthes beeinfluszt.
der wechsel zwischen umgelauteten und unumgelauteten formen, der in dem gegensatz zwischen überwältigen und vergewaltigen nunmehr an die unterschiede der bedeutung gebunden scheint, beruht zunächst auf den mannigfachen zufällen und bedingungen der schriftlichen überlieferung. selten, dasz auf bestimmten landschaftlichen brauch geschlossen werden kann, denn aus mehreren denkmälern sind beide formen belegt, vgl. gewaldegen neben geweldegen in der sächs. weltchronik und im alten Kulm (gewaldigen); vgl. gewältigen neben gewaltigen bei Murner, S. Franck, Frisius, Paracelsus und in den österr. weisthümern. auf die unumgelautete form beschränken sich: das stadtrecht von Celle (gewoldegen), das Rolandslied (gewaltigôn), K. v. Megenberg (gewaltigen), ebenso die Augsburger chroniken, N. Manuel, Zwingli, Lorich, der vocab. opt. und der vocab. inc. teuth., der Eulenspiegel, Albinus, der Straszburger Livius und Claudius. umgelauteten vocal vor der media (geweldegen) zeigen der könig Rother, der Sachsenspiegel, die Magdeburger fragen, Kölner urkunden, der voc. rei numm. (Wittenberg 1558) und Kilian (vgl. geweldigen bei Verwijs und Verdam). umgelauteter vocal vor der tenuis (geweltigen, nur selten gewältigen) zeigt sich im Erec, in den Trebnitzer psalmen, in den monumenta Boica, den acten zum bauernkriege, im Karsthans, bei Geiler, Aventin, Hans Sachs, Luther, Henisch. die bindung der einzelnen formen an bestimmte abstufungen der bedeutung läszt sich zuerst in der bergwerksprache beobachten, denn dort ist durchweg (mit ausnahme der notiz bei Albinus) gewältigen belegt, und von hier aus ist denn auch die schreibung bei Frisch, Adelung, Weidenbach, Hilpert, Thiel u. a., ebenso bei Göthe, Grillparzer, Jahn, Rückert und Hebel beeinfluszt.
1) gewaltigen in der bedeutung von gewaltig tun, gewaltig machen ist hauptsächlich in privatrechtlichen beziehungen zu belegen, wo es in syntaktische verbindung und in bedeutungsgemeinschaft mit gewere, geweren tritt. wie dieses führt es accusativ der person und genetiv des objects mit sich und entwickelt schon früh die üblichen verschiebungen (accusativ des objects, dativ der person). weniger ergiebig sind andere richtungen der bedeutungsentwicklung, die an gewaltig = bevollmächtigt oder an die allgemeinere bedeutung von 'mächtig' anknüpfen. vgl. geweldigen ... bekrachtingen. Vervijs und Verdam 2, 1880, vgl. gewaltigen, dare alicui potestatem autoritatem agendi, possidendi. Haltaus 699; gewältigen, gewalt ertheilen, bevollmächtigen (doch nur im oberdeutschen). Adelung 2, 649. ebenso Voigtel 2, 79 u. a.; gewältigen ... magd, volmagd geeven, verleenen. Weidenbach 436b; gewältigen or gewaltigen (einen zu etwas) to authorize or empower any one. Hilpert 1, 436c.
a) gewaltigen, einen in den besitz einer sache setzen. das verbum vermittelt ausschlieszlich privatrechtliche beziehungen, unter ihnen natürlich auch solche, denen wir heute staatsrechtlichen charakter zuerkennen würden. vgl. DWB he geweltegede den hertogen Bernarde dez hertochdomes, dat he ime in der vasten dar voren gelegen hadde. sächs. weltchronik 231.
α) mit accusativ der person.
1)) mit genetiv des objects: tu hant dar na sal he ine geweldigen siner gewere, of it jene, uppe den die klage gat, nicht ne weder redet mit rechte. Sachsenspiegel 2, 25 Homeyer; dries over viertennacht sal man aver jenen vore laden vore to stande

[Bd. 6, Sp. 5172]


sin gut, of he wille; ne dut he 's nicht, man geweldeget is jenen, die dar up klaget. ebenda (landrecht) 3, 5 § 1 Homeyer; hevet en man geklaget uppe gut to dren dingen, man sal ine dar in wisen unde sal is ine geweldigen. 1, 70 § 1; ab ein gast dem andirn in unsirm gerichte sein gut vorspreche is were erbe adir varnde habe, adir ein burger dem andirn und dem das gut vorsprochin were, der were nicht keginwortik und der selbe ansprechir das gut czu den dren dingen uff gebotten hette und irclagit vor sine schult, ab man den des gutis czu virden dingen geweltigen sulle uff burgen adir ane burgin. Magdeburger fragen 2, 2, 3a (Behrend 156); swelich man erve hevet to pande, but he it up he scal it halden seven weken, but he it up ander warve, so sal he it höde unde morghene. to deme dridden male wert he is ghewoldeghet. stadtrecht von Celle bei Leibnitz script. Brunsv. 3, 383; sint si de richtere der vrowen vormünde, unde geweldege se von gerichtes halven irs gudes, des se untweldeget was. Sachsenspiegel 1, 41; so scal ene thes erves weldeghen the voghet unde the rat. recht von Stade bei Haltaus 2024; unt wart Ainweg mit frag unt mit urtail desselben guetes gesaitzt in nutz und in gwer unt wort ime ein fronipot gegeben von mir und von dem Granns Ainweigen ze gweltigen desselben guets. monum. boica 3, 354 (1293).
2)) mit präpositionalverbindung: wolde dan de genne, deme also ein erve vor sine schulde angeweldigt is, dat erve upbeden, dat schall he doen tho dren echten dingen etc. so schall de radt mit des richtes baden den upbeder weldigen und weren laten in dat erve, dat schall he den holden soss weken und dre dage etc. recht von Verden, art. 47, s. Haltaus 2024.
3)) mit ellipse des sächl. objects: dat wir ... si ouch ind ir erfnamen an dat vurschreven erve ind gut brengen ind doin schriven ind geweldigen na rechte ind gewoenden der stede van Cölne. Kölner urkunde von 1349 bei Lörsch und Schröder urkunden zur gesch. d. d. privatrechts 2 nr. 201.
β) accusativ des objects neben dativ der person: wirt eime manne sein gut mit gerichte vorsprochen unde entrinnet der, den bedarff man nicht vorladen, mer der cleger sal das gut zcu dren gehegeten dingen uffbiten. kumpt denne iener nicht, so sal der richter deme cleger das gut vor sine schult geweldigen. Magdeburger fragen 2, 2, 2 (Behrend 155); welch man ein gut hat daz im gesatzt ist umme schult. unde claget das in gehegetem dinge alse lange bes das man im mit rechten orteilen gewaldiget und geeigent daz gut vor sin gelt. der mag denne domete tun und lassen was her wil. das alte Kulmische recht 3, 100 (Leman 83); wirt einem manne ein erbe gesatzt in gehegetem dinge vor tzehen mark das hundertir adir mer wert ist. und das alle dinge tage ufbietet alse recht ist. und das selbe erbe adir gut im geweltiget und geeigent wirt mit rechte. so mag her das gut vorkoufen adir behalden. 3, 104 (84). vgl. auch 3, 106 (85); so vint man man sulles im gewaldigen. Oschatzer handschr. des richtsteigs landrechts 14, 3 (niederdeutscher text: so vintme me scoles eme weldegen. Homeyer).
b) andere richtungen der bedeutungsentwicklung:
α) das di alden ratmanne di nüwen waldigen. wenne di alden ratmanne die nüwen kisen. do swern di nüwen ratmanne. und geloben den alden nicht abe tzu nemen allis das si bi iren getziten von der stat wegin getan han. und wenne das geschen ist. so waldigen di alden ratmanne di nüwen und setzen si an ire stat. von rechts wegen. das alte Kulmische recht 1, 2 Leman; item were sache, dat einich geweldigit scheffin gesunne geboitz oevermitz richter und scheffin, so wat urkunde davan geborint, dei sal hei gheiven. (1387) recht d. schöffenschreins, akten z. verfassung der stadt Köln 562 und öfters.
β) ich sal lobin dich, herre, wen du inphingist mich, noch nicht ingeweldigis di vinde min uf mich. Trebnitzer psalmen 29, 2 (nec delectasti inimicos meos super me; mînen fienden ne willotot an mir. Notker; und lessest meine feinde sich nicht über mich frewen. Luther, ähnlich Melissus).
2) gewaltigen = eines andern, einer sache gewaltig sein, werden. vgl. geweldigen .. overweldigen, bemechtigen, sich mester maken von iemand. Vervijs und Verdam 2, 1880; dieselbe gewältigen, vi resistere. Frisch 2, 420b; gewalt, d. i. überlegene macht über etwas bekommen; in welcher bedeutung es doch nur hin und wieder im gem. leben, besonders im bergbaue im figürlichen verstande üblich ist. Adelung 2, 649. ähnl.

[Bd. 6, Sp. 5173]


Voigtel 2, 79; gewäldigen, bedwingen, overweldigen. Weidenbach 436b; gewältigen, besetzen, zwingen. Thiel landwirthschaftliches conversationslexikon 4, 420.
a) für die ältere sprache kommen, wie schon hervorgehoben, zwei hauptformen des gebrauches in betracht, je nachdem die machtausübung als ein verhältnis zweier sich entgegen wirkender kräfte erfaszt oder an recht und moral abgemessen wird. vgl. den gegensatz von bewältigen überwältigen, und vergewaltigen.
α) die bedeutung von bewältigen, zwingen, überwinden.
1)) beziehung auf persönliches object.
a)) die überwindung durch körperkraft und waffengewalt:

es aver, dat et alsô ergêt,
dat mich geweldeget ofte slêt,
so gedinge ich, dat Ascânius
met frede mœte hinnen varen.
H. v. Veldeke Eneide 11732 (310, 2) Behaghel (varianten beweldeget, zwingt);

er geweltigt mich mit sîner hant
und hât mich, frowe, her gesant,
daʒ ich der selben schulde
gewinne iwer hulde.
H. v. Aue Erec 1247 (handschrift, bei
Haupt gwaltte, bei
Bech gevalte);

de koninc Frederic vor do mit groter craft to Rome unde warf umbe de wîenge; in deme wege gewaldegede he alle de ime wider weren. sächsische weltchronik 221. vgl. Schiller-Lübben 2, 101; haben gesagt, si woln verziehen, bis si sehen, was die erbern stet handlen, und, si werden dan geweltigt, von aim rat nit zue weichen. Memminger ratsprotokoll (1525) bei Baumann acten zur gesch. des d. bauernkrieges s. 43.
b)) bedeutungsverengerung dieser verwendung innerhalb der rechtsprache: künden sie dann diejenigen üblthätter ze wegen bringen und geweltigen, sollen sie daran kainen fleisz sparen. landrecht von Wartenfels, österr. weisth. 1, 161; traut er ime solche leüt selbs zu geweltigen ist es wol unde guet. ebenda; ob ainer des gotshausz untersäsz und zuegehoriger ainen andern oder mer bei tag und nacht in sein hausz oder andern ungewöndlichen stetten oder der herrschaft zu nachtl enthielt, begriffen und denselben nit allain gewaltigen möcht, so sol und mag er ainen oder mer seiner nachbern zu im erfordern. banntaiding von Millstatt (16. u. 17. jahrh.), österr. weisth. 6, 476; wer in diesem gericht begutert und sesshaft ist, dem soll man um kein geldtschuldt gewältigen noch in gefängniss legen. weisthum zu Oberhillersheim, s. Grimm weisthümer 4, 603.
c)) übertragung:

mich machten trunkin mîne man,
daʒ ich hûte alse ên tôre gân,
von dû nekan ich nicheime gôten knechte
geanwarten zô rechte.
mîn drouwe newart nie von sinne getân,
des geloubit mer, hêrre Aspriân,
wan diz mer noch in deme lîbe umbe gât
unde mich sô geweldigit hât,
daʒ ich widir ûweris hêrren man
negeine gôte rede nekan. könig Rother 1027 v. Bahder;

er solte den tiufel alse krefteclîche überwinden dir ze êren unde durch dîne gehörsame, alse lîhteclîche er sich hete gelâzen überwinden unde gewaltigen mit den sünden, dir ze laster. David v. Augsburg vgl. ztschr. f. d. alt. 9, 12; also solt du ... mit vernunfft dich geweltigen. Geiler sünden d. munds 54a; also wie wir euch anzeigen, sollendt ihr merken, das die geist den schuldigen geweltigen. Paracelsus op. (1589) 1, 54; so du magst durch gehorsam der kranken dir schwere sorg und läst abwenden, so gewältige den kranken, ist besser, er greine, dann du. opus chirurg. 3.
2)) beziehung auf objecte aus der thierwelt: nu sage mir .. wer zemit das wilde dier. wende des menshen wisheit .. wer geweldiget daz wilde tier. wen dez menshen undersheit. Salomonis hus 13 bei Adrian mittheilungen aus handschriften 420; ausz dem folget nuhn, so es perficirt ist und gutt gerathen, dasz der traum fisch fahet und sie gewaltiget. Paracelsus op. (1596) 10, 233.
3)) sächliche objecte.
a)) überwindung durch waffengewalt:

ther keiser ist thâ here komen ...
kumet er uber berge.
er gewaltiget unser erbe.
Konrad Rolandslied 418 Bartsch;

alsus geweldegeden se dat lant unde tovorden bischopdome, clostere unde kirken. sächsische weltchronik 254; also zog er für ein stadt Longula genannt, die gewaltiget er bald. Schöfferlin Livius 31;

[Bd. 6, Sp. 5174]


bisz doch der blutig krieg an gaht ...
hat wol offt ein ringen anfang,
doch wird er stercker in dem gang
und thut sich also manigfeltigen,
das man ihn nicht mehr kan geweltigen,
ihn nicht mehr halten in dem zaum.
H. Sachs (d. schedlich gros u. starck thier, d. krieg) 3, 467 Keller;

wo aber jemand der execution wolte widerstehen oder dieselbe gewältigen. Sigismund teutsche constitution in Preuszen (1538) § 13. vgl. Frisch 2, 420b.
b)) übertragung.
α)) wan der rauch, der auf gêt von dem magen in daz haupt, betrüebt die gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken. Konrad v. Megenberg buch d. natur 8, 29; so hat doch seine adeliche tugent den zorn gesenfftiget, und in etwan so gar geweltiget, dasz ... Aimon vorrede.
β)) so ist ein grosser stock, der sein hertz, und andere grosse wurtzeln hat, nicht leicht zu geweltigen. Mathesius hochzeitspredigten 109 neudruck; land nit mer (des weins) uf einmal in, denn ir wol mögend gewaltigen. N. Manuel an den Berner rat s. Bächtold einleitung s. 33; was geweltiget eisen? eisen allein, daz ist der hammer. Paracelsus op. 4, 258 (1589).
γ)) greiffen mit der hand z, die dunn ist mir z schwer, ich kan dz allein nit gewaltigen. Till Eulenspiegel (1515) 100 neudruck; nun wie kan ich wider das sein, oder das gewaltigen, das mir zu gewaltigen unmöglich ist. Paracelsus op. (1589) 2, 173.
β) die bedeutung gewalt anthun, violare: geweldigen, geweld doen. Verwijs und Verdam 2, 1880; violare, geweltigen, notzwingen, notzogen, beleidigen, verletzen. Frisius 1385; gheweldigen, vim facere. Kilian K 4b. ebenso Henisch 1590. für diese verwendung des verbums liegen zahlreiche concurrenzformen des gleichen stammes vor: wältigen (obe sie ieman von unrecht weltigen. Windeke 104 Altmann u. a.), begewältigen (o mein volk, buben begewaltigen dich und weiber herrschen über dich. Züricher bibel Jes. 3, 12 u. a. vgl. auch Henisch 1590 und oben theil 1, sp. 1292); überwältigen (facere vim alicui, einen übergwaltigen. Frisius 1390b), vergewaltigen (einen verunrechten und vergewältigen. bair. landtagshandlungen 10, 181 Krenner s. Schmeller 22, 909 u. a.) und vergewalten (vgl. ebenda aus Hans Sachs). neben unserem verbum sind in dieser bedeutung besonders häufig persönliche objecte belegt, wobei die beziehung auf das weibliche geschlecht die engere bedeutung 'notzüchtigen' entwickelt. unter den unpersönlichen objecten hat die bibel mit ihren einzelnen textstellen in der polemik der reformationszeit besondere geltung gewonnen.
1)) persönliche objecte.
a)) weitere bedeutung: ich neme nit alles das goldt der gantzen welt, das imandt hant ine zu geweltigen an ihn leget. Aimon bog. e;

ir einer kam herfürhär gan
und wolt den bruder gewaltiget han
stiesz im das sacrament in hals.
Murner 4 ketzer L 2a;

(die einwohner v. Enos) waren fraisam wüetrich, geweltigeten iederman, vermainten grausam zu sein und gewalt treiben wär das recht, wer mêr gewalt hiet und mêr benötiget hiet mêr recht. Aventin 4, 49; darumb si waren umbgefallen, allermeist auch darumb das si selbs herren wolten sein diser mechtigen insel, wie si in diser umgiengen in aller geilheit und mtwillen mit rauben, stälen, und iederman z gewaltigen. S. Franck weltbuch 224b; der herr des landes geweltiget sie und geschendet sie. Keisersberg brösaml. 1, 41a;

o selig wer gantz teutsches land,
wenn es auch hette zu beistand
ein sollichen theuren hauptman,
der im auch liesz zu hertzen gahn
der tyrannen unbilligkeit,
die sie treiben zu diser zeit,
unverschämet mit frefler hand,
mit raub, gefencknus, mord und brand,
die frommen schätzen, gwelting und zwingen,
wider gott, ehr und recht sie dringen.
H. Sachs (Philopomenes, der getreu hauptman) 20, 467 Keller-Götze;

der fchs, welcher (als die fabel laut) vor seinem herren dem lewen, verclagt, das er ein schedlicher amptmann were, die armen leut, nemlich hüner, enten, und gens gewaltiget, und auch etlich umbrecht und uff fresse, sich verantwort sprechende. Reinhard Lorich wie junge fürsten ... underwisen mögen werden (sammlung selten gewordener pädagogischer schriften 11, 54); auff den nechsten tag auf sant

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Othmars tag feng man ein hie, der ander endrann. waren irer zwenn, hetten ain gewaltiget und im hochmtt angelegt. d. städtechron. 23, 463 (Augsburg, fortsetzung des Mülich); wider recht gewältigen oder verdrucken. r. a. von 1515 § 5; do wurden die stett z raut, daz man si gewaltiget von baiden tailn. d. städtechroniken 4, 72 (chronik von Augsburg); frau Mathild die herzogin gab etlichen clöstern vil freihait .. die wolt phalzgraf Rudolph ir sun nit halten. und wurden also dermassen der sach uneins, das phalzgraf Rudolph ... si .. gefangen gein München füert .. die herzogin .. clagt irem brueder dem künig über den sun, der hiet si geweltigt wider alle pilligkait. Aventin 5, 416;

wir narren stecken kein ander zil
dem, der unsz narren geweltigen wil,
on recht unsz wil mit gewalt vertreiben,
und laszt unsz nit bei recht bleiben.
Murner vom groszen Lutherischen narren 570 Kurz;

einen gewaltigen, alicui vim inferre, adferre, offerre. Aler 935a.
b)) bedeutungsverengerung: gewaltigen und verseren an der iungfrauschafft, violare. vocab. optimus (Lotter) 1504; ebenso vocab. incipiens teuth. (afferre vim mulieri); geweltigen, gewalt an si legen. Frisius 1390a; das andere: si süllend ainander lieb han lebent und tod, und sol kains an dem andern prechen. es schreibt Sant Jeronimus das ain fraw hiess Lucrecia, die ward gewaldegot von des künigs sun ze Rom, die erstach sich selber, das kain fraw geren hernach det, das si vil ungeren det. meister Ingold guldin spiel 19 E. Schröder, vgl. Ch. Schmidt wb. der Elsäss. mundart 143b; da nichts an inen (den juden) wolt helfen, wardens zuletzt bezwungen, kamen in der Römer, ir feind, hand, muesten zuesehen, das man ire hausfrauen jemerlich hin und her flaischt, muetwilliget vor iren augen, weib und junkfrauen notzerret, geweltiget, als die seck und kotzen umbzoch und failfüert. Aventin 4, 831;

'kein frouw sol sprechen durch min thadt
das man ie si geweltiget hat!'
Murner gäuchmatt 47, 210;

vgl. DWB hab ich kein weibsbild je begwaltigt. Hedio Josephus 371b; vgl. vergwaltigter notzwang. bair. landrecht von 1616 s. 801. Schmeller 22, 909.
2)) unpersönliche objecte:
a))

in thûhte wie er zu Âche wâre
unde ein bere vor ime lâge
mit zwein ketenen gebunden.
sâ ze then stunden
ther pere in vaste ane sah.
thie ketenen er bêthe cebrah.
ane lief in ther pere.
thie fursten wolten in weren:
ther keiser nemahte sih sîn niht erhalen.
er gewaltigôte ime then arm,
thaz fleisc er ime alleʒ abe brah. Rolandslied 3077 Bartsch;

ob man gleich die glider gewältigt, den leib fähet, ia gar tödt, ist doch unser will nit gewaltiget, gefangen und getödt. S. Franck paradoxa 165a.
b)) so du nun aber hie zwei mal die heilig geschrifft nit nach irem sin usz legst, sunder wider iren verstand gewaltigest. Murner an den adel .. tütscher nation 17 neudruck; welicher die geschrifft mer gewaltige, Luther oder die in ein ketzer schelten. Zell verantwortung F 3b. vgl. Schmidt Elsäss. mundart 143b; sagt doctor Murner aber in seinem bchlin, 'auch seint vil wie doctor Luther, die solliche wörter des heiligen evangelii bezwingen, und uff iren sinn gewältigen, dann weder die wörter, dann der sinn geben mögen'. Karsthans (Böcking Hutten 4, 641); damit allen menschen iedweders gnüg beschäche oder doch geschickte verantwurt gegnete, dasz weder wir noch die frommen gleerten, die wir der dingen wegen verhört, überdacht möchtind werden, sam wir als die eigensinnigen das wort gottes gewaltigen und nach unsern köpfen verstan, und demnach striten und gachen wellind: habend wir einen gngsamen verzug, namlich länger dann ein halb jar, angesehen. Zwingli (ratschlag von den bildern und der mesz) 1, 573; disz seind n gantz ausz erzcwungen unnd geweltigete auszlegung. Luther (auslegung des 109. psalms) 9, 201.
b) für die neuere sprache, die die parallele mit violare nur noch in dem compositum vergewaltigen lebendig erhält, hat andrerseits die entwicklung des verbums in der bergwerksprache bedeutung gewonnen. die wechselwirkungen zwischen diesem sondergebrauch und der allgemeineren verwendung bedürfen eingehender prüfung.
α) das verbum in der bergwerksprache: eine alte pinge geweldigen, puteum veterem instaurare. Agricola de re metallica

[Bd. 6, Sp. 5176]


(1546) 483. vgl. Berward interpres phraseolog. metallurgic. (1673) 18. Meltzer beschr. der stadt Schneebergk (1684) 510. 522; gewältigen ist die tieffsten entweder von hineingestürzten bergen, oder zugelauffenen wassern saubern und zu sumpff bringen. A. v. Schönberg ausführliche berg-information (Leipzig 1698) 2, 44. genau so Hertwig bergbuch (1710) 178b und Chomel 4, 1040; ebenso Hübner 865. minerophilos 289; alte berggebäude gewältigen, sie säubern und mit neuer zimmerung versehen. eine zeche wieder gewältigen, sie, nachdem sie verlassen worden, wieder mit arbeitern belegen. das wasser in den berggebäuden gewältigen, es fortschaffen. Adelung 2, 649; alte berggebäude gewältigen. Voigtel 2, 79; gewältigen (in mining) das wasser — to draine a mine, to emply it of its waters; eine zeche wieder gewältigen, to work again one mine that had been abandoned, it. to repair or restore a mine. Hilpert 1, 463a. vgl. gewältigen Scheuchenstuel 102. Veith 230; gewältigen ... das in einer grube befindliche wasser durch kunstzeuge herausschaffen. 4. eine verlassene zeche wieder bauen und das verschüttete wegschaffen. Thiel landwirthsch. conversationslex. 4, 420. wie sich aus diesen darlegungen, namentlich aus der buchung bei Adelung ergiebt, sind es verschiedene verwendungen, die in dem bergmännischen gebrauch des verbums zusammentreffen, die wasser gewältigen, einen bau, eine zeche gewältigen. diese unterschiede spiegeln sich auch in den zusammensetzungen wieder, denen das verbum zustrebt, auf der einen seite: abgewältigen (vgl. Veith 6), weggewältigen (565), auf der andern seite aufgewältigen. vgl. besonders wird der ausdruck gebraucht, wenn der grubenbau wegen mangelnder unterstützung zusammengebrochen war. dann besteht das 'aufwältigen' im entfernen der bruchmassen und im wiederherstellen des grubenbaues. Lueger lex. der gesamten technik 1, 537. vgl. auch oben theil 1, sp. 657 und Veith 31. die erste der beiden verbindungen scheint unmittelbar an gewältigen = bezwingen, überwinden anzuknüpfen, und könnte durch erweiterung des kreises der objecte auch die zweite gruppe von verbindungen veranlaszt haben. nun wird aber durch die chronologie der belege gerade diese zweite gruppe in den anfang der ganzen entwicklung gerückt, und hier zeigen sich auch verwendungen, die sich als ausgangspunkte verwerten lassen. denn während die bedeutung gewaltig machen = stark machen, fest machen sich entschieden als eine später entwickelte vorstellung darstellt, die dem zusammenhang einzelner verbindungen erwächst, führen die ältesten belege auf ein gewaltigen = in besitz nehmen zurück, das die an gewältigen 1 (sp. 5171) belegte bedeutung in unserer gruppe wieder aufnimmt. der accusativ des objects an stelle des genetivs läszt sich hier in der gleichen weise erklären wie dort. für die weitere entwicklung hätte man dann mit der beeinflussung durch die bisher belegten verwendungen von gewältigen zu rechnen. so konnte die verbindung einen stollen, eine zeche gewältigen unter dem einflusz von gewältigen = zwingen, überwinden, leicht zu den weiteren verbindungen führen, wie einen gestürzten berg gewältigen, die eingedrungenen wasser gewältigen. von diesen drei erwähnten möglichkeiten kann jeweils eine auf die auffassung dessen, der das wort gebrauchte, einflusz ausgeübt haben.
1)) einen stollen, eine zeche, einen bau gewältigen.
a)) wir geben inen auch frist zu suchen und zu gewältigen dri oder vier schacht oder stollen, bisz sie erfaren, wo hin sie ir funtgrube setzen sollen. (Heidelberg 1476) bei Mone ztschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 1, 46; Josaphat macht ein gewerekschafft, mit einem gottlosen herrn, da er in Ophir, Salomonis zeche wider geweltigen und belegen wolte. Mathesius Sarepta 35a.
b)) unter andern hat bapst Clemens II. durch die Fucker etliche erfahrne bergleut .. von Schwatz ins Welschland holen lassen, und ihnen befohlen etliche alte schächte auff den verlegenen bergwercken wider auff zunemen, und zugewaltigen, auch newe gänge ausschürffen und zuschmeltzen. Albinus Meisznische bergchronika (1590) 95; da aber einer oder der ander sich gewaltsam und eigenmächtig unterstehen, und einigen schacht, schürff, püngen, stölln .. verziehen, und die halden einebnen würde, der oder dieselben, so offt sie das übertreten, sollen uns 20 schock gr. Böhm. zur straffe verfallen sein .. da verordnet, dasz solche eingeebnete püngen, schacht, schürffe, über die straffe der 20 schock gr. Böhm. wieder sollen gewaltiget und geräumet werden, wie sie vorhero gewesen. Span bergrechts-spiegel (1698) 183; wo einer oder mehr auff unsern königl. gründen bergwerck oder metall suchen, alte verlegne zechen gewältigen, oder im bauen der zechen oerter belegen wolte, derselbe soll ... zum hoffmeister

[Bd. 6, Sp. 5177]


oder des orts bergmeister gehen. 217; auch wo erstickt und ertrunkene zechen sind, die kein rad noch gewältigen kann, oder gewinnen ... das giebt man ihm darzu. altes Schemnitzer bergrecht s. Wagner corpus juris metallici 166; wenn ein auflässiger stollen verbrochen ist: so haben die gruben ... das recht, den stollen in ihrem felde selbst zu gewältigen. allgemeines (preusz.) landrecht 2, 16; der bau war häufig dem ersaufen ausgesetzt und es ist wiederholt der fall vorgekommen, dass derselbe kaum gewältigt und wieder belegt, auch schon wieder verlassen werden musste. jahrbuch des schles. vereins für berg- und hüttenwesen (1861) 18a.
2)) gebirge, erz, wasser gewältigen.
a)) in alten gebäuden den dahin gestürtzten berg wegräumen und gewältigen. A. v. Schöneberg redensarten bei berg- und schmeltzwercken (1698) 5; edelgestein bestehen in die länge nicht im feuer, sie werden gewältiget, bezwungen, und zu raüblein und körnlein, wie den cementirern bekannt ist. Otho evangelischer krankentrost 320; gebirge aufgeschlossen durch bergbau, bedeutende naturproducte roh aufgesucht, gewältigt, behandelt, bearbeitet, gesondert, gereinigt und menschlichen zwecken unterworfen: dieses war es, was ihn ... höchlich interessirte. Göthe (Bacon von Verulam) 53, 160;

das erz, das spröde gewältigend durchs feuer.
Rückert ged. 1, 46.


b))

frau braut der knapp ist wol der beste
den gruben-compasz braucht er auch,
er wird bald muthen und drauff schürffen
bestätigen und werffen seil,
bisz er wird gar ansitzen dürffen
die fluth verschroten in der eil.
darnach gewältigen und machen,
damit er recht zu tag ausfährt.
H. Mühlpforth teutsche gedichte (1686) 133 (bergreihen auf C. W. hochzeit);

so sind denn die wasser wieder gewältigt! wie sehr beruhigt mich das einstweilen, bisz mir, nach dem versprechen, ihr nächster brief das genauere erzählt. Göthe an Vogt s. briefe 8, 317; wir sind auf dem wege die wasser zu gewältigen die uns vertrieben hatten, eben als wir die ungeheure masse gips durchsuncken hatten und auf das dachgestein, das über dem flöz liegt kamen. an Jacobi (9. sept. 1788), briefe 9, 20; dann ritt ich nach Ilmenau wo sie ernstlich beschäftigt sind die wasser zu gewältigen. an herzog Carl August (1. oct. 1788), briefe 9, 36; sollte der schacht voll wasser stehen, so musz man suchen dieselben durch rober oder auch allenfalls durch handpumpen herauszuschaffen oder zu gewältigen. Köhler bergm. taschenbuch (1791) 153; gewaltigen, die wasser, eine grube mittelst maschinen von den grundwassern befreien. C. Hartmann handwb. d. mineralogie, berg-, hütten- und salzwerkskunde (Ilmenau 1825) 1, 298; gewältigen des wassers ist der inbegriff der arbeiten, durch welche man das wasser aus den fundamentgruben schafft, um das legen der roste oder der fundamente trockenen fusses bewirken zu können. Helfft encycl. wb. der landbaukunst (1836) 143.
β) mit dieser zweiten gruppe von verbindungen steht der allgemeinere litterarische gebrauch des verbums in wechselwirkung. vgl. gewältigen (little used), to get the better of, to subdue v. bewältigen. Hilpert 1, 463a (notiz vor den oben angeführten belegen für die bergwerksprache). dieser allgemeinere gebrauch wurde namentlich in der sprache Göthes von einzelnen forschern beobachtet und ist neuerdings ausschlieszlich aus der bergwerksprache erklärt worden. vgl. Düntzer zeitschr. f. d. phil. 31, 550. Bouke wort und bedeutung in Göthes sprache 265 ff. dem gegenüber ist hervorzuheben, dasz der gebrauch auf Göthe nicht beschränkt ist, sondern vor und nach diesem in einzelnen wendungen belegt wird, die unmittelbar an die unter a, α) aufgeführten anknüpfen. so wird allerdings Göthes besondere neigung für das verbum in dem einflusz des bergmännischen terminus eine erklärung finden, der gebrauch selbst aber darf nicht allein hieraus abgeleitet werden.
1)) persönliches object:

Isis, du gottbegnadete mutter,
die du tränkest alle wesen mit göttlichem licht,
die du, die zarte, die ew'ge,
als jungfrau dich nahend den sündigen menschen,
verkläret, gewältigt durch ewige kraft,
den meister, den heiland gebarst.
Z. Werner templer auf Cypern 2, 1;

'wem dank' ich dies höchste glück?' ..
'ihm, der herrschet ob den herrschern,
der gewältigt die gewalt'gen,
dem das glück des Böhmenkönigs,
was des Ungarkönigs glück!'
Grillparzer (Rudolf und Ottokar) 25, 233.

[Bd. 6, Sp. 5178]



2)) andere lebewesen: der barbier kam in verlegenheit, so ein schwein könne er nicht bezahlen, auch nicht gewältigen in seiner kleinen haushaltung. Hebel (freund in der noth) 3, 59.
3)) sächliche objecte.
a)) Christus war auf erden, das allgemeine hindernisz zu gewaltigen. Claudius 8, 68; er schlief endlich ein und erwachte nicht eher wieder, als bis die sonne mit herrlichem blick hinaufstieg, und die frühsten nebel gewältigte. Göthe (wahlverw. 1, 13) 17, 142;

gewältigt gehorcht uns die wogende macht.
Körner 1, 149.


b)) Deutschlands alte kraft, macht und herrlichkeit haben sie vorzüglich gebrochen und einen seuchenstoff hinterlassen, dessen fluggift erst unsere nachkommen völlig gewältigen werden. F. L. Jahn 2, 2 s. 555; an jener neigung Roger Bacons, das unbekannte durch das bekannte aufzulösen, das ferne durch das nahe zu gewältigen, ... schlieszt sich eine eigenheit an, welche genau beachtet zu werden verdient. Göthe (geschichte der farbenlehre 1) 53, 104; der genialste scharfsichtigste mann selbst hatte die natur nur en gros gewältigen und beherrschen können. (geschichte meines botanischen studiums) 58, 104; daher war die höhere mathematik ihm (Newton) als das eigentliche organ gegeben, durch das er seine innere welt aufzubauen und die äuszere zu gewältigen suchte. (geschichte der farbenlehre 2) 54, 98; denn obgleich die vorliegenden papiere von bedeutung waren und genugsamen gehalt lieferten, so blieb doch die verschiedenartige form desselben schwer zu gewältigen und in irgend ein congruentes ganzes zusammenzufügen. (tag- und jahreshefte) 32, 61; an eben diese betrachtung schlieszt sich die vieljährige richtung meines geistes gegen die französische revolution unmittelbar an, und es erklärt sich die gränzenlose bemühung dieses schrecklichste aller ereignisse in seinen ursachen und folgen dichterisch zu gewältigen. (bedeutende fördernisz) 50, 96; endlich ward eine indische, mir längst im sinn schwebende, von zeit zu zeit ergriffene legende wieder lebendig, und ich suchte sie völlig zu gewältigen. (tag- und jahreshefte) 32, 188; er findet sich in der klemme zwischen dem denkbaren und dem wirklichen, und indem er beide zu gewältigen oder zu verbinden mäszigung anrathen musz, so musz er selbst an sich halten, und, indem er gerecht sein will, vielseitig werden. (zu brüderlichem andenken Wielands) 32, 244.
 
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gewaltiger, m., nomen agentis , das ebenso den bedeutungsgehalt von gewaltigen als den von gewaltig in die categorie des substantivs überführt. die ersten beispiele reichen in die mittelhochdeutsche periode zurück. vgl. gewaldigêre, gewaldigære, gewaltigære. mittelhochd. wb. 3, 477b. (bei Lexer 1, 974 sind die meisten der neu beigebrachten belege zu streichen, weil sie casus- oder steigerungsformen des adjectivs darbieten.) für die ältere zeit schon gabelt sich der gebrauch: einerseits weist das substantiv auf gewaltig, potens, zurück, und zwar in einer engeren abgeleiteten bedeutung, die in der beziehung auf Christus zu tage tritt. in anderen belegen berührt sich das substantiv mit gewaltigen, vim afferere, erobern, wobei der charakter des nomen agentis kräftig gewahrt bleibt. dieser gegensatz beherrscht noch mehr die spätere entwicklung, in die das substantivierte adjectiv gewaltig mit der isolierten form des starken nominativ masc. eindringt, vgl. oben sp. 5141. der wechsel zwischen umgelauteten und nicht umgelauteten formen fällt hier wenig ins gewicht, der umlaut ist spärlich belegt und anfangs auf die erste gruppe beschränkt (geweldiger Muscatplut. geweltiger Dietenberger. Eck. gewältiger Tiroler landesordnung. Thurneiser. Zincgref), erst später dringt er vereinzelt auch in die zweite gruppe über. vgl. geweltiger bei Frisius, gewältiger bei Simrock.
1) die anknüpfung an gewaltig = potens:
a) die ältesten belege zeigen das substantiv, wie schon angedeutet, nur als beiwort Christi, und hier erweist sich aus dem zusammenhang, dasz die function eines nomen agentis, wenn sie überhaupt zu grunde lag, jedenfalls verblaszt ist:

die tûfel alle wunder nam
wer dirre wunderêre,
der êren konic, wêre.
sie riefen 'alle jarâ jâ
wer ist der? wer sturmet dâ'?
dar und dar er aber stieʒ,
in er balde lâʒen hieʒ
einen hôhen konic hêr.
die tûfel wunderte aber mêr,
wer der gewaltigêre,
der êren konic, wêre. erlösung 5032 Bartsch;

[Bd. 6, Sp. 5179]



ein starc gewaltigære.
waʒ ob sich unser swære.
mit dem selbem endet.
er hat mich her gesendet. urstende 124, 56 Hahn;

der gewaldigære,
von dem diu starken mære
die wîssagen hânt geseit.
Reinbot heil. Georg 49a Hagen.


b) ebensowenig macht sich die function eines nomen agentis in einigen belegen aus der älteren neuhochdeutschen periode geltend, die der weitesten und allgemeinsten bedeutung von gewaltig, potens dienen und die sich nur formell vom adjectivgebrauch unterscheiden, indem sie die form gewaltiger auch da fortführen, wo der nom. sing. masc. der starken flexion nicht zuständig ist:

wir sehen die trahten nâch grôʒen êren,
die nie wurden herren kint
und weder gebûre noch ritter sint;
gewaltigêr ûf hôhen pferden
machent in namen hie ûf erden. renner 1091 (oder comparativ?);

ir fursten herren ritter knecht
das ist uff uch gesungen.
wan ir doch sit in duser zit
geweldiger des rechten
und habt dar z in uwer hantlude und lant
eer und gt,dar umb so dt
weder die eer nit fechten.
Muskatplüt 69, 57;

vgl. einer ist der höchst schöpffer als gewaltiger aller ding, ein gewaltiger künig. Eggestein Sirach 1, 7 (ebenso Koburger, omnipotens; allmechtig, ein gewaltiger könig. Luther); der selige und allein gewaltiger, der könig aller könige, und herr aller herren. Luther 1. Timoth. 6, 15 (der alain gewaltig. cod. Tepl.; geweltiger könig aller könig. Dietenberger und Eck; beatus et solus potens rex regum).
c) noch sicherer weisen andere verwendungen auf das substantivierte adjectiv, die die bedeutungsverengerung auf grund der ellipse durchführen.
α) gewaltiger, dynastes vel dynasta. Dasypodius 340; gewaltiger, ein oberoffizier. milliarcha, gewaltiger über 1000 ritter. centurio, gewaltiger über 100 ritter. Brack vocab. 15b, nach Frisch 2, 420b; gewaltiger, gewaltsbott, in einer stadt, oder im kriegsheer. Bayer 290b; indem Titus mit seinen verwanden, sich an den jungferdieb zu rächen rüstet, und die rotte des gewältigers ihm beizustehen verordnet wird, bemühet sich Sinat Paradee zu bereden, dasz sie seines willens zu werden geruhen wolte. Harsdörffer 6, 101; die, so etwas, das den gewältigern miszfelt, thunt. Thurneiser von wassern 271.
β) der mann sei von weibs gut gewältiger, besitzer, niesser und bewarer. landesordnung der grafschaft Tirol von 1603 bei Schöpf 798.
γ) als sich die Jesuiten berühmten, dasz sie so viel .. in der Pfaltz bekehrt hetten, antwort (er), nicht ihr, sondern die provosen, geweltigers und executores. Zincgref 3, 51; überantworteten mich dem gewaltiger, welcher mich seinem befehl gemesz, mit eisernen ketten und banden an händen und füssen, noch ein mehrers zierte. Grimmelshausen Simplicissimus 55 neudruck; wir gefangene wurden strack zum commandanten geführet, welcher sich sehr über meine jugend verwunderte ... darauff befahl er uns zum gewaltiger zuführen, und erlaubte doch dem cornet auff sein anhalten, uns zugastiren. 250; der gewaltiger. Ziegler schaupl. 661b; gewaltiger, oberster feldprofos alias generalgewaltiger. Stieler 1481; gewaltiger, in bello etiam est quaesitor, präfectus rerum capitalium, latrunculator. ebenda; gewaltiger, in einer stadt oder kriegsheer, rerum capitalium praefectus. Aler 934b. ähnlich Bayer 290b; general-profosz, general gewaltiger, rumormeister .. führet das commando über die profosen und stecken-knechte .. und ist sein amt, die strassen rein und sicher zu halten; und die deserteurs, oder die dem landmann wider ordre schaden zufügen, auch so gleich am leben zu straffen. Fasch kriegs-ingenieur lex. (1735) 355 f.; gewaltiger, generalgewaltiger, prevôt de l'armée. Rondeau-Buxtorff 254. ebenso nouveau dictionnaire (Straszburg 1772) 339a; gewaltiger, m. (in military affairs), obergewaltiger, generalgewaltiger, provost marshal of an army. it v. scharfrichter. Hilpert 1, 463a; bei Schmeller 22, 909 sind aus der bairischen infanterieordnung von 1720 beispiele angeführt, die zeigen, dasz die flexion des wortes in der schriftsprache da und dort wieder dem schema des substantivierten adjectivs zustrebt (gewaltiger, uber dem gewaltigen); ebendort wird auch aus einem russischen armeebefehl von 1839 das eindringen in die russische militärsprache belegt (gewaldiger,

[Bd. 6, Sp. 5180]


reserwnoi diwisü 6). zu der bildung generalgewaltiger, die in allen angeführten wörterbüchern bald als synonym, bald als bestimmter typus des simplex verzeichnet ist, vgl. oben sp. 3777.
2) das nomen agentis zu gewaltigen, vim afferre, violare.
a) die ältesten belege entstammen der rechts- und geschäftsprache: wirdet ein man uberloufen in sime huse oder in sime gemache, wo daz ist von gewaldegeren oder von luten, wer si sint die dâ trîben unrechte gewalt, also lange, biz daz der wirt wunt wirdet, ... der mac eine heimsuchunge wol volbrengen mit rechte. Freiberger stadtrecht cap. 28, 1 Ermisch (jüngere handschr. gewaldigen); item all gewaltiger der kirchen und solicher freihait, die der kirchen und sölich gaistlichen personen und durch das götlich und menschlich recht verlihen ist, enpfahen des aplas nit. (jahrbücher des 15. jahrh., Nürnberg) d. städtechron. 10, 183; uff das kein erger zcufall hirus entstunde, dan inhe were unmügklich dem geweldigen hauffen zcusteuren. aber die von Sanct Michel haben von stundt, als mir ihr pfarrer den begrebnisse halben geclaget ... szo viel vleisz vorgewanth, das die gewaldiger abgestanden und dem pfarrer raum gelassen den toden cörper zcu begraben. der Magdeburger möllenvogt S. Langhans an den kardinal (1525), d. städtechron. 27, 207.
b) auch in der sonstigen litteratur wird es vereinzelt angezogen:

Kain mit allen mordêrn, ..
Judas mit allen verrâtêrn,
Pilatus mit valschen rihtêrn,
Nemroth mit allen gewaltigêrn. renner 24357;

abir von den tagin Johannis des toufêres sô lîdet die craft daz rîche der himele, und di gewaldigêre roubin iz. Beheims evangelienbuch Matth. 11, 12 (di gewaltigen. cod. Tepl. Eggestein u. a.; leidet das himelreich gewalt, und die gewalt thun, die reissen es zu sich. Luther); die eebrecher, jungfrawen gewaltiger und ferfeller. Geiler v. Keisersberg brösaml. 1, 89a; von dem höllischen gewaltiger unbewältiget verbleiben. Butschky Patm. 504.
c) unter den wörterbüchern sind es nur die ältesten, die das substantiv verzeichnen: gewaltiger, grassator. Maaler 178b; violator, geweltiger, schädiger, verderber, gschender. Frisius 1385b.
3) fraglich ist ob das nachfolgende beispiel unmittelbar vom verbum aus neu gebildet ist oder auf der nachahmung älteren sprachgebrauchs beruht: der riesenkönig empfand an ihm seinen meister und gewältiger. Simrock 2, 330.
 
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gewaltigerin, f., die movierte form des fem. ist nur als variante zu gewalterin Tristan 959 belegt, vgl. sp. 5101.
 
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gewaltigkeit, f. , substantivbildung zu gewaltig, die erst am ausgang der mittelhochdeutschen periode auftritt. vgl. gewaltecheit Lexer nachtrag 207; geweldicheit Verwijs und Verdam 2, 1880; gheweldecheit Oudemans 2, 656. am reichlichsten ist das substantiv in den Trebnitzer psalmen belegt, dann taucht es völlig vereinzelt im 15. und im 18. jahrh. auf und erlangt im sprachgebrauche Arndts und Immermann plötzlich wieder geltung. bei Arndt allein weist es auch die bedeutung von violentia auf neben der von potestas, die in allen anderen verwendungen herrscht.
1) der älteste gebrauch:

ich hân die gewaltichait,
daʒ ich wol leben lâʒ
oder setz in tôdes sâʒ.
Teichner A 209a;

di tage der iare unser an den sibinczic iorin. abir in den geweldikeiten achczic ior, unde me was ir erbeit unde ir ruwe. Trebnitzer psalmen 89, 10 (unser leben wehret siebenzig jar, wens hoch kompt so sinds achtzig jar, und wens köstlich gewesen ist, so ists mühe und erbeit gewesen. Luther ps. 90, 1; si autem in potentatibus, octoginta anni, ube sie aber in mahten sint, so sint ero ahzeg. Notker); do czerbrach he di geweldikeit, den bogin unde den schilt, daz swert unde daz orleuge. Trebnitzer psalmen 75, 4 (ibi confregit potentias; daselbst zerbricht er die pfeile des bogens. Luther 76, 4; dâr habet er gebrochôt starche bogen, fortitudines arcuum. Notker). fraglich könnte das folgende beispiel sein, doch wird man auch hier auf potestas schlieszen dürfen: gedenke, herre, Davidis unde allir geweldikeit sin. Trebnitzer psalmen 131, 1 (gedenke herr an David, und an alle seine leiden. Luther 132, 1; et omnis mansuetudinis ejus, allero sînero mammendi. Notker).
2) belege für das fortleben vom 15. bis zum 18. jahrhundert: gewalt, gewaltigkeit, macht oder mächtigkeit. krafft oder krefftigkeit. vocab. theut. (Nürnberg 1482) M 5; ein reich, gewaltigheit,

[Bd. 6, Sp. 5181]


imperium, regnum. Dasypodius M 1b. allgewaltigkait an stelle von allmacht wird von Schönaich (die ganze ästhetik in einer nusz 24) am sprachgebrauche Naumanns getadelt.
3) neuere auffrischung des gebrauches.
a) in der bedeutung potestas: doch musz er (Richer) unwillkürlich das bekenntnisz der unerschöpflichen und unverwüstlichen gewaltigkeit des nordwestlichen stammvolkes ablegen. E. M. Arndt schriften an m. l. Deutschen 3, 300; vor vielen jahrtausenden war hier ein wärmster himmel und eine fülle irdischer herrlichkeiten und eine menge und gewaltigkeit der menschen, wie sie im 17. und 18. jahrhundert auf der immer kälter und ärmer werdenden erde nicht mehr sein konnte. 4, 301; denn auch die ungerechtigkeiten und tücken des groszen königs, von welchen, wie ich beispielsweise angab, zuweilen die rede war, minderten an dem bilde seiner gewaltigkeit nichts, weil mein vater jedes mal hinzusetzte: 'wenn er sich dergleichen vorgenommen hatte, so konnte kein mensch auf erden dawider an.' Immermann (memorabilien) werke 18, 44.
b) in der bedeutung violentia: wie wär's, wenn solche gewaltigkeit der bezeichnung und verwirrung der bilder aus höherer influenza der zeit entspränge? Friedrich Arndt bei E. M. Arndt schriften f. m. l. D. 1, 150; diese eigenschaften können aber gelegentlich auch in härten und gewaltigkeiten ausarten; doch davor war Reimer bewahrt. E. M. Arndt ebenda 3, 340.
 
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gewaltigisch, adj., ganz vereinzelte bildung: mit wortten ein ding thun ist herrisch, ist gewaltigisch, ist ein zeichen eins gebietens ber ein andern. Paracelsus (Straszburg 1616) 2, 263a.
 
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gewaltiglich, adv. , vgl. gewalteclîche, gewalteclîchen. mhd. wb. 3, 477a. Lexer 1, 973; geweldichliken Schiller-Lübben 2, 100 ff.; geweldichlike Verwijs und Verdam 2, 1889. dem adverbialen gebrauch des wortes steht ein nur sehr spärlich entwickelter adjectivischer gegenüber, von dem sich das adverb der neueren sprache formell nicht mehr abgrenzt. vgl. gewalteclich mhd. wb. 3, 476a. Lexer 1, 973. vgl. gheweldichlik, vrijmachtig. Oudemans 2, 658. vgl. gewaltiglich 2. unsere bildung berührt sich am nächsten mit gewaltlich, nur dasz sie auf das abgeleitete adjectiv gewaltig zurückführt, während gewaltlich unmittelbar vom substantiv abgeleitet ist. in bezug auf verbreitung und entwicklung ist gewaltiglich im deutschen sprachgebiete seiner concurrenzform bedeutend überlegen, wenigstens was die adverbiale function betrifft. gelegentlich steht es ihr in varianten gegenüber, so im Barlaam, während die varianten der Eneide (17, 4. 109, 6. 203, 32 Ettmüller gegen Behaghel 4. 3676. 7464) auf das bestreben des neueren herausgebers zurückführen, Veldeke die formen seiner mundart zuzuweisen; denn die niederländische sprache bevorzugt ihrerseits die bildung gewaltlich.
1) das adverbium. die bedeutungen, die in der adverbialen function entwickelt sind, werden in knappster form bei Kilian K 4b zusammengestellt: gheweldighlick, potenter, violenter, impetuose. die beiden ersten bedeutungen treten sich schon in den ältesten mittelhochdeutschen belegen deutlich gegenüber und werden meist in fester verbindung mit bestimmten verbis entwickelt. die letzt angeführte bedeutung impetuose (vehementer) dringt in den litterarischen belegen etwas später vor, sie ist aber die einzige, die am neuesten sprachgebrauch noch antheil behält. die grenzlinie gegen gewaltig hat sich im laufe der entwicklung mannigfach verschoben. so lange die adverbialen functionen an gewaltig wenig ausgebildet waren (vgl. sp. 5115 ff. 5121. 5129. 5130), versah gewaltiglich die dienste des adverbiums; mit der adverbialen entwicklung von gewaltig dagegen wurde es überflüssig vgl. sp. 5135. 5143. 5150. 5163 ff. so kommt es, dasz die mittelhochdeutsche periode einen höhepunkt der verbreitung für unsere adverbialform bildet, während sie in der neuhochdeutschen sprache allmählich auf einzelne feste verbindungen und individuellen gebrauch zurücksinkt. noch Luther hält mit besonderer vorliebe an dieser volleren und kräftigeren form fest, er hat sie auch in der bibelübersetzung gegenüber älterem gewaltig mehrmals durchgeführt. auf die bibel gehen auch die wörterbuchnotizen späterer zeit zurück: gewaltiglich, welches noch bisweilen in der bibel vorkommt, ist veraltet. Voigtel 2, 79. neuerer litterarischer gebrauch läszt sich in der kunstform der poesie beobachten, wo die vollere form den bedingungen des metrums entgegen kommt.
umlaut ist bezeugt in der genesis, bei Konrad v. Megenberg, dem passional, den Trebnitzer psalmen, im mitteldeutschen vocabular des 15. jahrh., den Nürnberger und Frankfurter belegen,

[Bd. 6, Sp. 5182]


dem Alsfelder passionsspiel, bei Matthias v. Kemnat, Schwartzenberg, Aventin, bei dem Westphalen Rottmann ebenso wie bei dem Alemannen Murner. im allgemeinen treten die umgelauteten belege jedoch zurück; die handschriften der Eneide vermeiden den umlaut; im Sachsenspiegel wie in der Magdeburger chronik begegnen unumgelautete formen neben den umgelauteten, ebenso in den schriftstücken aus dem bauernkriege.
der dental weist die media im Sachsenspiegel und entsprechenden denkmälern auf, ebenso aber auch wieder bei Wolfram. das mitteldeutsche vocabular dagegen zeugt mit den Nürnberger, Frankfurter belegen u. a. für die tenuis im gegensatze zum Alsfelder passionsspiel (geweldiglich). im alten passional sind beide formen belegt.
grosze mannigfaltigkeit bietet der guttural des inlautenden suffixes. im anegenge, der genesis, dem Sachsenspiegel, lesarten der Eneide, des evangelium Nicodemi ist spirans bezeugt (gewaldichlike, gewaltichlîche), im passional ist der guttural nasaliert (geweldenclichen). die tenuis, die in mittelhochdeutschen belegen als normalform angesetzt ist (gewalticlîchen Neidhart, Enikel u. a.), wird auch in dem mitteld. vocabular, den Trebnitzer psalmen, Murner, Hans Sachs dargeboten (gewalticlich), ebenso in den Basler chroniken, bei Zwingli und in den Sterzinger spielen (gewaltiklich). im 16. jahrh. überwiegt die unter dem einflusz der typenhäufung stehende vereinigung beider formen (gewaltigklich), so bei A. v. Eyb, Schwartzenberg, H. v. Kronberg, Eberlin, Murner, Hedio, im Alsfelder passionsspiel und der tragödia Johannis, dem kirchenlied, den österr. weisthümern, ebenso bei Maaler, Frisius, Calepinus und Henisch. die heute geltende media findet sich zuerst im Nürnberger vocab. theut. von 1482 und andere vocabularien, ebenso bei Matthias v. Kemnat; mit anderen formen wechselnd ist sie auch bei Luther, Eberlin, Zweifel, Hartmut v. Kronberg und im Alsfelder passionsspiel belegt.
für gewalteclîche herrscht in den ältesten belegen die auf den dativ pluralis zurückführende längere form (gewalteclîchen) vor, die jedoch in allen denkmälernmeist unter dem einflusz von versmasz und reimmit der kürzeren normalform wechselt. die letzten zeugnisse für die längere form entstammen dem Alsfelder passionsspiel und der Zimmerschen chronik. schon vorher hatte die kürzere form den auslautenden flexionsvocal eingebüszt. diphthongierung des suffixvocals (gewaltichleiche, gewaltigkleich) ist aus dem anegenge, den Sterzinger spielen und dem Sigenot belegt.
a) die bedeutung von potenter wird in weiterer und engerer fassung zum ausdruck gebracht.
α) die weitere fassung zeigt staatsrechtliches gepräge und begünstigt vor allem die verbindung mit bestimmten verbis.
1))

Judas sprach ime z vile frolichen
'herre vater gte, wis mit gtem mte.
dir inbôt din sun Joseph, er ne ware noch tôt nieht.
er ist uber al Egiptelant ein fiztm gwalt
geweltichlichen er phleget al des ter chunich habet'. genesis 71, 21 fundgruben;

ouch wurden ir mit dienstesider undertân
al des küneges mâgeunt alle sîne man,
daʒ diu vrowe Helche nieso gewalteclîche gebôt,
sô si nu muosen dienenunz an den Kriemhilte tôt. Nibelungen 1325, 3;

hie sol siczen schone
uff sines vatters Davidis throne;
in sines vatter rich
gebut hie geweldigliche. Alsfelder passionsspiel 4569.


2))

dô diu rômiskiu rîche
stûnten gewalticlîche
in des keiser Friderîches hant.
priester Wernher 4860 (
Piper geistl. dicht. 1, 260);

do verwandelde sik dat rike to Babilonie und stunt an Krieken to Constantinopole geweldichlike also lange. wichbelder. 4 bei Schiller-Lübben 2, 101;

wie gewalteclîche
sibenʒic künege rîche
dem amiral sint undertân.
K. Fleck Flore und Blancheflur 4153 Sommer;

das dir das land von Beren
soll dienen also gewaltigkleich. Sigenot b 3b Schorbach;

(herzog Friedrich) solte ouch dem künge allú sine stos gewaltiklichen ingeben in einem zil. (Röteler chronik) Basler chron. 5, 157.
3))

dar zuo gît iu mîn herre(daʒ heiʒet er iu sagen),
ob ir geruochet krônebî dem künege tragen,
gewalt den aller hoehsten,den Helche ie gewan,
den sult ir gewalteclîchenhaben vor Etzelen man. Nibelungen 1177, 3;

[Bd. 6, Sp. 5183]



hin vur din gesinde
mit dem reinen kinde
in Judeam daʒ lant
nu wart ouch Josephe erkant
wie da geweldenclichen
hete under im daʒ riche
Archelaus Herodes sun
do enweste er aber wie tun
wande er vorchte sere
daʒ nac der widerkere
daʒ kint zu schaden queme. das alte passional 48, 44 Hahn;

der alliu dinc besloʒʒen hât,
gewalteclîche in sîner hant,
der tuo dir sælden vil bekant
und der vil reinen muoter mîn.
Konrad von Würzburg Engelhard 379;

furbas soltu wissen, das die hernach geschrieben stedte und schloss pfaltzgrave Friderich geweltiglich zu meiner zeit innen hoit gehabt. Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs v. d. Pfalz 84; aber dise land alle hat der Türk nit so vor vil jaren den christen abgewunnen, die fürsten kaiser und herren darin all erwürgt und hats noch gewaltiglich innen. Aventin 4, 663; (wir Ludwig der vierte) sein in unser und des heiligen römischen reichs öbriste haubtstat und kaiserlichen hof, die stat Rom, komen mit grossem fried on mäniglichs widerstant, sein alda von got geweicht und gekrönt worden, halten also in gewaltiglich durch die wunderbarlichen und unsichtbarlichen macht und hilf des almechtigen gotts das regiment der welt. 5, 473.
4))

Artaxersis ein chunic her unde rich
der saʒ gewelticlichen
ze Pe(r)se in sinem riche. jüngere Judith s.
Diemer ged. d. 12. jahrh. 128, 21;

nu vernemt churzlichen daʒ.
wa got vor allen tagen was.
unt vor aller geschefte.
uf seiner magen chrefte.
er gewaltichlichen saʒ.
in im selben er was. anegenge 2, 24 Hahn;

dô der künec mit sîme wîbevon den staden reit,
wer ieglîche fuorte,daʒ wart dô wol geseit.
die edelen Kriemhiltesi gruoʒtens dester baʒ,
hei wie gewalteclîchensi sît an Helchen stat gesaʒ. Nibelungen 1323, 4;

ich was durch wunder ûʒ gevarn:
dô vant ich wunderlîchiu dinc.
ich vant diu stüele leider lære stân,
dâ wîsheit adel und alter
gewalteclîche sâʒen ê.
Walther 102, 19;

und sal siczen schone
geweldigklichen in dem throne. Alsfelder passionsspiel 4894;

sprach aber der gewalt.
der dem vater ist gezalt.
ich hæiʒʒe ein erbe.
bræiteʒ unt vil bederbe.
da wil ich selbe gewaltichleiche.
inne wonen ewichleiche. anegenge 7, 13 Hahn;

denn siehe, der herr kompt gewaltiglich, und sein arm wird herrschen. Luther Esaias 40, 10 (der herr gott kumpt in der sterck. Eggestein; Koburger u. a. wird kommen als ein starker); es stehet herrlich und prechtig für im, und gehet gewaltiglich und frölich zu an seinem ort. Luther 1. chron. 17, 27 (begechung und michelich ist von ime stercke und freude in seiner stat. Eggestein. Koburger; fortitudo et gaudium in loco ejus).
5))

dô sprach künic Sigmunt'lât iuʒ nieman sagen.
vor allen mînen mâgensult ir krône tragen
vil gewalteclîchenals ir habt ê getân.
irn sult des niht enkeltendaʒ wir den helt verlorn hân'. Nibelungen 1026, 3;

mîn leben kouf ich schône.
in zwein landen krône
treit gewaldeclîche
mîn bruoder, der ist rîche.
Wolfram Parzival 266, 23;

Rômulûs sal der eine sîn,
der mâre und der rîche.
der vil gewaldechlîche
daʒ rîche sal berihten.
H. v. Veldeke Eneide 109, 6 Ettmüller vgl. 3676 Behaghel;

doch so regirt er geweltiglichen und nam mit im den konig von Frankreich und den von Engellant und Hispania, und zoch in das hailig lant und thet grosz streit. Sigmund Meisterlin, d. städtechroniken 3, 89 (Nürnberg); er ward auch ... ein tapffer und mannlicher fürst, denn er gewann in Frieszland Otenpleg, darnach gewann er das königreich von Dennemarck, und regierete dasselbige königreich gewaltiglich, mit viel zeitliches

[Bd. 6, Sp. 5184]


glücks und ehren. buch der liebe 272a; diese zween könige regierten gar gewaltiglich, unnd theten dem heidnischen volck starcken widerstandt. 268b; die alt künigin Braunhild ... underwand sich mitsambt iren eniklen des regiments und regieret gewaltiglich heraus in Frankreich, in Burgundi, Orliens und teutschem land. Aventin 5, 62; regirt also gewaltiglich mit der Teutschen hilf und gunst des kaisers über die jüdischait. 4, 732; zu gleicher weis und gar nit anders ain ainiger gott, herr und schöpfer regiert allein geweltiglich das ganz werk der welt. 5, 38; in vuller krafft und aller herlicheit, aver allen menschen geweldichlick und genedichlick sal (Christus) regeren, geweldichlick aver sine vianden, genedichlick aver sine ghetruwen fründen. B. Rotmann restitution rechter und gesunder christlicher lehre (1534) 94 neudruck; darinn vil grosse ergernüss und irsal gewaltigklich regiert haben. J. Eberlin v. Günzburg (ein büchlein, worin auf drei fragen geantwortet wird) 2, 155 neudruck;

was hie gesalbet wirt im leben
ist alles sammen got ergeben,
bedüdet ouch götlich gewalt,
dan sie haben manig falt
von got entpfangen gwaltiklich
zuo reigieren dugentlich.
Murner badenfahrt 15, 13;

denn er (der antichrist) gewaltiglich daselbs regirt. Luther auslegung des 9. psalmen (1525) 32a; wenn Franciscus die funff wunden empfangen hette, so were es gewislich ein teuffels gespenst gewest, aber da fr halt ichs eigentlich, und wer iren alcoran gar auslieset, wirds also befinden, das die münch sölchs nach Francisci tod erticht haben, iren orden zu commendiren, nach Lucifers art, die in allen münchorden gewaltiglich regiert. Erasmus Alberus der barfusser münche Eulenspiegel und alcoran, vorrede;

es hat ein löw im römischen reich
regiert vor zeiten gwaltiglich. fabeln 90 neudruck;

hör mich o Phæbe unbetrogen,
der du tregst einen güldin bogen,
darneben uber Chrysen fron,
uber Cyllam, und Tenedon,
regieren thust gewaltiglich,
vorhin hast du erfrewet mich, ...
Spreng Ilias 15b;

Ancus regiert 44 jar gewaltiglich. Blank Rom (1614) N 4a.
β) engere eingrenzung der bedeutung:
1))

under in si do sprachen
o wer ist der starche
der in unse marche
so geweldenclichen zoget:
als ein richtender voget
kumt er unervorcht da her. das alte passional 100, 14 Hahn;

gewältigklich strafft gott ir macht,
wann si dort kummen für gericht.
Schwartzenberg 157b;

denn den geringen widerferet gnade, aber die gewaltigen werden gewaltiglich gestrafft werden. Luther weish. 6, 7 (die gewaltigen leiden die quelung gewaltigklich. Eggestein. Koburger; potentes .. potenter tormenta patientur).
2))

dem (erzbischof) erwarp gewalteclîche
der edel keiser rîche
ein reht, daʒ immer hinnan für
der bischof sitzet an der kür
da der krône wirt erkorn
ein vogt der vîentlîchen zorn
und ungerihte stœren sol.
Rudolf von Ems der gute Gerhard 195;

zu einem kunige wart er erkorn
und in Galliam daʒ lant
mit groʒen eren gesant,
da er nicht lange doch besaʒ,
wand ein vil wenic vurbaʒ
quam er zu Rome hinwider
und wart gewaldecliche sider
romisch keiser da gezalt,
daʒ er ouch ubete manicvalt
uf der cristen ungemach,
die man in darnach haʒʒen sach. das passional 157, 32 Köpke.


3))

herre, ir sült mit vreuden sîn.
ich sage iu daʒ vil wol für wâr:
si wil iuch hînte ergetzen gar:
iuch wil diu reine, tugende rîch
hînt grüeʒen alsô minneclîch,
daʒ ir gewalticlîchen tuot
mit ir, swaʒ iuch dunket guot.
Ulrich von Lichtenstein frauendienst 1278, 7 Bechstein.

[Bd. 6, Sp. 5185]



γ) in den wörterbüchern ist es die allgemeinste bedeutung von potenter, die die terminologie beherrscht: autoritative, gewaltiglich. Melber vocab. predicantium L 4; gewaltiglich oder mechtiglich, potestative, i. potenter. vocab. theut. (Nürnberg 1482); gewaltiglich potenter. potestate. vocab. incipiens; potenter, gewaltigklich, vermögenlich. Calepinus 1182b; gewaltiglich, puissamment. Hulsius (1614) 163a; gewaltiglich, mächtiglich, mit macht und gewalt. Emmel N 2; gewaltiglich, puissamment, potenter. nouveau dictionaire du voyageur (1704) 145a. ebenso Veneroni 74; gewaltiglich (adj. abs.), potenter. Steinbach 2, 922. ebenso Kirsch 179; gewaltiglich vgl. gewaltig 2. Hilpert 1, 463a; von der engeren begrenzung in der staatsrechtlichen prägung wird nur selten notiz genommen: pro imperio .. genug herrschlich und gewaltigklich oder maisterhafftigklich. Frisius (1541) 530b; gewaltig oder gewaltiglich herrschen, to domineer powerfully or mightily. teutsch-engl. wb. (1716) 769. neben der bedeutung von potenter kommen die übrigen abzweigungen der entwicklung (violenter, vehementer, valide, valde) in den wörterbüchern weniger zur geltung als im litterarischen gebrauch. am vielseitigsten sind Frisius, Henisch, Kilian und unter den späteren Spieser und das Straszburger nouveau dict. auf violenter, vehementer, nervose beschränkt ist Maaler, auf violenter Stieler, auf valide neben potenter Gürtler, vgl. auch sp. 5192.
b) die bedeutung von violenter läszt sich an unserem adverbium ebenso frühe belegen wie die von potenter. seltener sind es die gleichen verba, die in der einen oder andern bedeutung die verbindung eingehn, vgl.:

wand er gewalteclichen het
beide burge unde stet,
die dem lant gehôrten zuo.
Ottokar 2177;

gegen gewalticlichen hân. oben sp. 5183. vgl. die vereinzelte bedeutung von potenter in der verbindung mit besitzen:

der vater ist der gotes gewalt.
der wirt von rechte der zu gezalt.
wan er gewaltichleiche.
besezzen hat diu reiche. anegenge 5, 13 Hahn

gegen die belege unter α) 1)). viel häufiger unterscheiden sich die verba der einen oder andern gruppe durch leichte abstufungen in form und bedeutung, vgl. gewalteclîche besitzen (belagern) gegen inne hân; gewalteclîche varen, ziehen, rîten gegen

guot was ie genæme, iedoch sô gie diu êre
vor dem guote: nû ist daʒ guot so hêre,
daʒ eʒ gewalteclîche vor ir zuo den frowen gât,
mit den fürsten zuo den künegen an ir rât.
Walther 31, 19.

im allgemeinen sind es auch hier die gleichen typen der vorstellung violentia, wie sie oben bei gewalt und gewaltig zu beobachten waren: die unterdrückung durch eine kriegsmacht, die individuelle überlegenheit über einen andern oder über ein object, der zwang im gegensatz zum freien willen, die beurtheilung der machtausübung unter dem gesichtspunkt von recht und billigkeit.
α) die unterdrückung durch kriegsmacht und waffengewalt:
1))

ir habet wol vernomen daʒ.
wi der kunich Menelaus besaʒ
Troien die rîchen
vil gewaldechlîchen. Eneide 4 Ettmüller (varianten gewaldicliche, gewalticlichen, von
Behaghel eingesetzt: geweldelîke);

und dô der kunic rîch
besaʒ gewalticlich
Cecili, daʒ guote lant,
vil schiere man den kunic vant
mit siechtum überladen.
Ottokar österr. reimchr. 186;

darumbe si ze herren hân
wolden den, der gewalticlich
het beseʒʒen Österrîch. 1997;

du haust doch selb bekennet dich
das untruw hab gewaltiklich
besessen vil der Tütsche land.
H. v. Sachsenheim mörin 2358;

da fienge an der bischoff und pfarrer gewalt minder z werden, und wurden auch die hohen schlen von bättel münchen gewaltiglich besessen, und alle predigstl und beichtstl. Eberlin v. Günzburg (8. bundsgenosz) 1, 82;

der selbig bhielt wider disen Friderich
gewaltigklichen das Römisch rich. Urner spiel von Wilhelm Tell 504 (Schweizer schauspiele 3, 38).


2))

wer ist der kuninc der eren
der so geweltencliche
vert gegen dem hiemelriche
mit also ritterlichem her. das alte passional 105, 86 Hahn;

[Bd. 6, Sp. 5186]



man sagt hie enphor chünch Terramer
gewaltichlich für über mer
gegen Franchrich hin mit ritterschaft.
Liliencron (volkslied auf d. schlacht bei Göllheim) 1, 12a;

in der zît dô daʒ geschach,
an dem dritten tage dar nâch
dô reit der Lettowen her
gewaldeclîch mit sîner wer
und kârte kein irme lande dô. Livländische reimchronik 11320;

wol geordent man eʒ sach
gewaldeclîch durch Kûrlant
rîten wider ûf den strant. 6887;

sus zogeten sie in der brûder lant
dâ gewaldeclîch mit her. 2221;

daʒ her wart algemeine vrô.
ein ander burc sie sûchten dô
gewaldeclîchen mit ir her. 6847;

si strichen ûf daʒ selbe lant,
daʒ niemant nâhen nicht envant,
vil gewaldeclîchen dô. 1447;

dâ lâgen die brûdere mit irre macht
gewaldeclîchen zwû nacht. 6244;

er (der könig von England) sprach. —
schol eines herzogen banier gân
vor eines rehten küniges vanen?
zwâr ich wolt mich ê ânen
mînes künicrîche.
si müest gewalticlîche
in dem horbe hie geligen!
Enikel fürstenbuch 1190 Strauch:

swie gewalticlichen
der bâbest und die cardinal
mit grôʒem guote âne zal
grôʒiu her habent geladen
ûf der selben herren schaden,
doch ist in arges niht geschehen,
sô man der wârheit wil jehen.
Ottokar österr. reimchr. 3650;

gewaltigklich einfallen, impetum facere in agros inimicorum. Maaler 178d.
3))

den ertzbischoff von Cölln ich (Heinrich der löwe)
geschlagen hab gewaltiglich.
Bünting Braunschw. chronik 395;

als er ihm aber antwort, wie das er obligen, und die feind gewaltigklich uberwinden wurd, ist Saul wider die Palestiner auszzogen. Hedio übers. des Josephus 99a; als disz beschehen ist, haben die Helveer die Amalechiten gewaltigklich uberwunden. 42a; anno dom. 1303 haben die von Basel das schlossz Kamstein, unnd damit sunst noch 5. namhaffter schlösser gewaltigklich erobert und zerbrochen. Stumpf Schweizer chronik 705b (1606).
4)) am selben tag ist gefangen Ekhart zu Ikelhaim mit seiner geselschaft, die geflohen sind in Augustiner closter zu Winshaim und herauszgenumen geweltiglich von der fürsten ret, eingelegt auf strengs geriht. Heinrich Deichsler chronik, d. städtechron. 11, 662; diese haben dem probste die schlussel abgedrungen und dem kuster auch gewaltiglich dorzue geschlent und getzogen, das er muste den chor aufschliessen. Sebastian Langhans historia, d. städtechron. 27, 152; darumb wöllend getröst und frölich sein, dann wir bald zu euch komen und euch geweltigklich retten wöllen, dess sollt ir kain zweifel haben. Thomas Zweifel bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg s. 431; der selbig (oberste himmlische hauptmann) uff eines iglichen dienstmans anruffen, in aller hanndlung und not, gegen allen feinden gewalltigklich helffen unnd uberwinden will. H. v. Cronberg 73 neudruck.
β) mit den letzten verbindungen berühren sich aufs engste solche, in denen aus der niederzwingung bewaffneten widerstandes die vorstellung individueller überlegenheit sich entwickelt. diese wird namentlich auch in übertragungen aufgefangen und fortgebildet. sonst macht sich das individuelle moment in der entfaltung körperlicher stärke geltend, wo es zu der bedeutung valide, vehementer überleitet. nach anderer richtung führt die vorstellung individueller überlegenheit, wo sie auf schädigung anderer individuen zielt. hier setzt die beurtheilung unter dem gesichtspunkt des rechts und der moral an.
1)) wirt gegurt uf di huf din mit dem swerte din geweldiclichen. Trebnitzer psalmen 44, 4 (gurte dein schwert an deine seiten du helt, und schmücke dich schön. Luther 45, 4; curte dîn swert umbe dîn diêh filo gewaltigo, accingere gladio tuo circa femur tuum potentissime. Notker);

[Bd. 6, Sp. 5187]


allda sich unser ritter stellt,
recht als ein ritter und ein held,
seinen vater gewaltiglich,
(den herren Christum meine ich)
wie sichs gebühret defendirt.
M. Rinckhart der eiszlebische christliche ritter 46 neudruck;

wann ouch solicher getäter einer oder me in eins purgers hus oder hofe fliethe oder understünde z fliehen, so sol derselbe burger ... zu demselben getäter gewalteclich grifen und helfen vohen. Straszburger zunft- und polizeiverordnungen 25 Brucker; wer aber sach, das der lantrichter gewaltiklich wolt greifen auf die grunt, so sollen die drei stift aneinander helfen. rechte des stiftes Göss (15. jahrh.), österr. weisth. 6, 307; wollen also hiermit menniglich ernstlich gebotten haben, dasz niemandts ... ausserhalb rechtlicher erkandtnusz und dieser unser ordnung und satzung zuwider, an iemandts gewaltiglich zuvergreiffen ... soll. hoffgerichtsordnung der hindern graffschafft Sponheim (Franckfurt 1587) 97; dat ick ju juwen borgher gheweldichliken hebbe affghegrepen. cod. Brdbrg. 1, 10, 156 bei Schiller-Lübben 2, 101;

o herr nun kum du heilger gast
behersch dins vatters Davids rich
vertrib den tüffel gwaltigklich
der uns bestritten hatt vil jar. tragödia Johannis des töuffers D 7b;

durch minen man wardt kouffet ab
Joseph, ein frummer küscher knab,
dem ich der blschafft an hab gmt, ...
und wolt in z den wercken zwingen,
bisz er mir gewaltigklich entran.
Murner gäuchmatt z 4a.


2))

vil minneclîchiu minne, ich hân
von dir verloren mînen sin.
dû wilt gewalteclîchen gân
in mînem herzen ûz unt in.
Walther 55, 10;

dar nâch gap in got ein stiur
daʒ daʒ wilde fiur
kam gewalticlîche
und verbrant daʒ hûs rîche,
daʒ von gold was bereit.
Enikel weltchronik 24253 Strauch;

alein der kunig wase
draurig, pekümert war sein hercz,
kain schimpff noch schercz
mocht fraien in, die eiffersüecht
in gwalticlich pesase.
H. Sachs (die ehebrecherbrücke) fabeln und schwänke 3, 352.


3))

wande ich von disme kunige sprach
daʒ er gewelteclich durch brach
beider iser rigele unde ir tur
secht nu aber alda vur
ein stimme an groʒen worten
tut uf tut uf die porten
ir vursten wande es muʒ sin
der kuninc der eren sal dar in. das alte passional 100, 81 Hahn;

waʒ was daz wir horten?
wer hieʒ di helle pforten
so gewalticlichen uftun.
Hesler evangel. Nikodem. 3075 Helm (gewaltichlîch bei
Piper);

anno 1497 decima maji in nocte hat Harnesz sn ... zu Sosenhusen ein tor geweltiglich ufgetretten an einem huselin. Job. Rorbach tagebuch, quellen zur Frankfurter geschichte 1, 284; so warn dann etlicb .. mit gewalt an die sinagog gefallen, rissen und brachen die gewaltigklich uff. Th. Zweifel bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg 10;

des senfte gnad unnd guetikhait
durch dwunden so er am chreütz laidt
löst auff die pand so gweltigkhlich
dmit unser vater knüpffet sich. bei
Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1113.


4))

er ist ungevüeger danne wîlen Engelmâr,
der gewalticlîchen nam
den spiegel Vriderûne:
des bin ich dem dörper gram,
dem selben Walberûne.
Neidhart 53, 57 Keinz;

svie deme anderen gut geweldichliken nimt bit an jenes dot, alle recht hevet he an deme gude verlorn, dat ime an deme gude irsterven mochte na jenes dode. Sachsenspiegel (landrecht) 3, 84 Homeyer; deshalben das in ergangen kriegsleufen menigem unsern underthan sein brief und insigill von den lantsfeinten und andern gewaltigklich genomen. grundbuchordnung von st. Lambrecht (1494), österr. weisth. 6, 226; also liset man von Mahometh, das er z Mecha einem armen mann sein camel gewaltiglich nam. S. Franck weltbuch 119b; ain erber rat hat .. mich one verhör und verantwortung (gestraft) gewaltigklich meinen kindern das ir genomen. E. Rumpf bei

[Bd. 6, Sp. 5188]


Baumann quellen zur gesch. des bauernkriegs aus Rotenburg 574; gewelticlich nemen, rapere. mitteldeutsches vocab. ex quo des 15. jahrh. (Mainz) bei Diefenbach-Wülcker 619; es ist auch herr Johanns Wernher freiherr von Zimbern hiezwischen mit todt abgangen, derhalben sein nachgelaszne wittib, die grevin von Ottingen, auch andere obgehörter banditen erben, denen ire gueter gewalticlichen ingezogen, den angefengten process uszzufuern begert. Zimmersche chronik 1, 549 Barack; der wolgeborn grave N. unsteet uns burgermeister, rath und gemein des heiligen reichs statt N. daran wir vil hundert jar löblich, unabwendig herkomen gwaltiglich ztrengen von dem gebrauch, zvischen das wasser genannt N. Hug rhetorica und formulare-teutsch 44a; wir empieten euch ernstlich, das ir uff das schierst und unverzogenlich zu uns kompt geen Dunkelspuhel, zu eufern (aufern, befördern) das hailig evangelium, des unsern bruder vil gewaltigklich beraupt sein. Thomas Zweifel bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg 292.
5)) welcher ein weibsbild, wesz wesens oder standes sie wäre, gewaltiglich genothzuchtet. protocoll über die reformation des rechtsbuchs kaiser Ludwigs bei Krenner 12, 197;

hie lidt die fromm Lucretia,
die .. vom küng Sexto ist frävelich
gschwecht ir eer gantz gwälltigklich.
Heinrich Bullinger Lucretia 444 Bächtold;

da haben si dise (frau) hingezuckt, und nach irem mtwillen gewaltigklich mit ir gehandlet. Hedio übers. des Josephus (1513) 81a; hab er z Breisach und anderen orten, viel jungfrawen, eheweiber und closterfrawen genotzoget, und mit ihnen gewaltigklich seins willens gepfleget. Wurstisen Basler chronik (6, 5) 438.
γ) die vorstellung des zwangs unter abstreifung der nebenvorstellungen.
1)) charakteristisch prägt sich diese in einer technischen formel der höfischen sprache aus, die Ulrich v. Lichtenstein überliefert hat:

ich wold des marschalcamptes mich
hînt underwinden, füegt eʒ sich.
herbergen wold ich in der stat
gewalticlîch.eʒ ist mîn rât,
daʒ hie die herberge von iu nem
ein ieslîch ritter, als im daʒ zem. frauendienst 814, 6;

dô der tuomvogt ze Wienen quam,
er herbergt sô, als daʒ wol zam,
in al der stat gewalticlîch.
do enwas dehein burgær sô rîch,
er müest in dâ herbergen lân. 817, 3.


2)) auf eine andere bedeutungsverengerung weist die formel der kanzlei- und gerichtsprache: die geweltiglich hanthaben, und wenn ir die überwindet, so woll wir in allen siben die heubter abslahen. Heinrich Deichsler, d. städtechron. 11, 612. vgl. auch: es sind ouch .. iber allen abschid und sicher gelait .. von desz abbts von Kempten amptleut und raisigen gewaltiglich und fenglich angenomen und gefiert Antoni Rappenschech von Hirszdorf, ouch Jörg Funck von Buchenberg. beschwerde der obgenanten bei Baumann acten 392. vgl. auch sp. 5187 oben.
3)) allgemeiner kommt dieser gegensatz neben verbis wie 'zwingen, fordern, treiben' u. a. zur geltung:

der herzoge enwolde dannen komen
ê er mit ellenthafter hant
deʒ liut über al daʒ lant
über kurz und über lanc
alsô gewalteclîch betwanc
daʒ sime den zins sît gâben. herzog Ernst 4880 Bartsch;

mim eignen sun thet ich unrecht
und wolt in gweltigklichen zwingen,
mit mir unküsche werk volbringen.
Thomas Murner gäuchmatt 43, 27;

vier sind, die warlich und recht handlen: ... der sinen zorn gewaltiglich gezwingen mag. buch der beispiele alter weisen 156;

derhalben gleube ich nimmermehr
das er sich immer mehr beker,
das ich solchs gleub darzu zwingt mich
die heilige schrifft gewaltiglich.
Er. Alberus contrafactur A 3b;

item si habend meines gnädigen hern dienstmägt und knecht mit hoher betrowung gewaltiglich von ieren diensten ab und zü inen gefordert. klage des fürstabts von Kempten bei Baumann acten 331; zum andern, zeigen sie uns viel und grosse exempel und erfarunge an, des ersten gebots, und streichen dasselbige gar meisterlich aus, beide mit worten und exempel, damit sie uns zur furcht gottes, und zum glauben gewaltiglich treiben,

[Bd. 6, Sp. 5189]


und dabei erhalten. Luther vorrede auff die propheten bei Bindseil 7, 336;

do das nit halff, understnd er sich
si also gwaltigklich z nöten
oder si darumb z ertödten. Urner spiel von Wilhelm Tell v. 405 (Schweizer schauspiele 3, 33).


δ) die beurtheilung unter dem gesichtspunkte des rechts und der moral:
1)) svie deme anderen sin hus afgewint mit unrechte, klaget jene dar up denne alse recht is, unde halt man't ime denne gewaldichliken vore, alle de wile he 's ungeweldich is die dar recht to hevet, so ne mach man uppe dat hus nene klage dun, dar man't mede breken sole. Sachsenspiegel (landrecht) 3, 67 Homeyer; svelk man enen beklageden man um ungerichte geweldichlike deme gerichte untvort, wert he gevangen mit gerüchte, he sal gelike pine jeneme liden. 3, 9, § 5; bricket man aver en hus gewaldichliken ... dat mut man wol weder buwen ane des richteres orlof. 3, 66, § 4; umb daz das in der Romische keiser uber sein vollige rechtbott von sein wirden hat gewaltiglichen verstoszen wellen. antwort könig Matthias von Ungarn auf d. schreiben des reichstags (1481) bei Senckenberg sammlung v. ungedruckt. und raren schriften 1, 53; wer sich gerichtsgewaltiglich sezt ist verfahlen zechen gulden. banntaiding von Wachsenegg (17. jahrh.), österr. weisth. 6, 179.
2))

nû wil ich mich des scharpfen sanges ouch genieten:
dâ ich ie mit vorhten bat, dâ wil ich nû gebieten.
ich sihe wol daʒ man hêrren guot und wîbes gruoʒ
gewalteclîch und ungezogenlîch erwerben muoʒ.
Walther 32, 10;

merck erfordern, oder heissen gar frevenlich und gewaltiklich si. Terenz (1499) 87a, bemerkung des übersetzers; ob ainer mit frävel oder gewaltiglich ain auszwendiger jemant in der gegent laidiget oder fieng, der wär verfallen zwaihundert mark löttiges silber. banntaiding zu Spital (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 55; so sie wider ir aid und pflicht wider ir oberkaiten geweltigklich zu handeln unterstunden etc. bin ich von derselben zeit von rats wegen verordnet worden, das selbig begern, so in schriften verfasst gewest ist, zu verlesen ainer wach, der sechs sind. Thomas Zweifel bei Baumann quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg 576; der stattschreiber redet im darein, sagt zum pfarrer, in welichem evangelium oder gotswort sie doch funden geschriben steen, das sie also frevenlich, tätlich und gewaltigklich handeln wider die oberkait. 448; der cappellan zu s. Katharinen hat den probst ein dieb, schalck und vorreter geschulden unter dem sermon, den er alda selbst gewaltiglich wieder den propst anzeige soll gethan haben. Sebastian Langhans, d. städtechron. 27, 152 (Magdeburg); von dem muthwilligen prediger haben sie sich entschuldiget, das sie damit nichtz zcethunde gehabt, besunder der sei mith dem groszen hauffen gekommen, kegen die sie sich nicht haben mügen uffrichten, das auch weiber selbgeweldigklich in der kirchen uningelestet, ee die sechs wochen zu ende geloufen, gegangen, tragen sie kein wissen. (an den cardinal 1525) 27, 207.
ε) in wörterbüchern wird von allen diesen abstufungen wenig notiz genommen (vgl. sp. 5185), selbst die bedeutung violenter wird nur selten angemerkt: violenter, ungestümigklich, gewaltigklich. Frisius 1385b. gewaltig .. potenter, violenter, quod etiam est gewaltiglich. Stieler 2426; gewaltiglich, mit gewalt s. gewaltsamlich. Bayer 290; gewaltiglich, violenter. Kirsch 179b. am ausführlichsten ist auch hier wieder Henisch: gewaltigklich, mit geschwindigkeit und gewalt herfahren, aigens gewalts, aigens fürnemmens, mit gewaltiger that, magna vi, violenter, impetuose agere. 1591.
c) die bedeutung vehementer, valide, valde. auch für diese bedeutung reichen die beispiele weit zurück, sie weisen vielfach wiederum die gleichen verba neben dem adverbium auf, die aus anderen bedeutungsgruppen zu belegen waren, so varen, gehen, kommen u. a. meist ergiebt sich der bedeutungsunterschied ungezwungen aus dem zusammenhang, manchmal jedoch bleibt die auffassung des redenden unsicher. im folgenden beispiel aus Luther ist es z. b. nur der vergleich mit der übrigen bibelübersetzung, der die feststellung des begriffes ermöglicht: du hast dein volck erlöset gewaltiglich, die kinder Jacob und Joseph. Luther ps. 77, 16 (redemisti in brachio tuo populum tuum, du hast irlost mit der starcheit din daz volk din. Trebnitzer psalmen 76, 16; du hast erlöst dein volck in deim gewalt. Ecgestein. Koburger); dazu vgl.: nun mercke ich, das der herr seinem gesalbeten hilfft, und erhöret in in seinem heiligen himel,

[Bd. 6, Sp. 5190]


seine rechte hand hilfft gewaltiglich. Luther ps. 20, 7. fraglich bleibt auch, ob das adverbium im folgenden satze die bedeutung violenter ausprägt oder aber zu vehementer, valide, valde überleitet:

ir sond gotts in kein weg vergessen!
gedenckend wiesz gott hab verhengt,
da ir vom adell wurden gdrengt,
dem ir oblagendt gwaltiglich.
V. Boltz der welt spiegel, Schweizer schauspiele 2, 174.


von den verbindungen und verwendungen, die für gewaltig in diesem bedeutungsgebiet zu belegen waren (vgl. sp. 5164 ff.), kommen für gewaltiglich nur einzelne in betracht. die bedeutung 'ungestüm' macht sich weniger an vorgängen in der auszenwelt als an körperbewegungen des menschen geltend. daneben nimmt die bedeutung 'eindringlich, nachhaltig' den gröszten raum ein. sie wird in der sprache der älteren medizin beobachtet neben verbis, die eine physische wirkung zum ziel haben, und sie kehrt bei Luther und anderen vertretern der reformationslitteratur wieder, wo sie neben verbis wie reden, beweisen u. a. bevorzugt wird. wenig zahlreich dagegen sind die belege für die einfache function der steigerung.
α) die bedeutung 'ungestüm'.
1)) bei erscheinungen der auszenwelt:

dô mir lebelich min leben
uf der erden waz gegeben
wand ichz mit worten sus bevienc
ein volch daz in dem vinsteren gienc
wart grozes liechtes gewar
daz meint dit geluchte clar
in sime schonen blicke
daz durch die vinstere dicke
so geweldenclichen slet
da mit unz allen hute enstet
bi gote seldenricher lon. das alte passional 98, 23 Hahn;

was nicht gethan die meisterin, thu' ich:
ich zieh' die pforte zu; dann setz' ich mich,
ein zücht'ger hüter, auf der kammer schwelle,
dasz unbelauschet ströme drin die welle
des stromes welcher sich
entrang dem bächlein, jach, gewaltiglich.
Immermann Tristan und Isolde 1 (werke 13, 50).


2)) bei körperbewegungen:
a))

do in die samnunge sach
dort obene in hiemelriche
wie er geweltencliche
uf vur von sin selbes craft. das alte passional 104, 95 Hahn;

wer ist der chunig so ernreich,
der do vert so gewaltichleich?
raich mier ein sper in mein hant
und t das so ze hant,
ich wil iem rameln in sein glider
und wil in stechen nider. Erlauer spiele 142 Kummer

(es ist fraglich, wie weit dieses beispiel in unseren zusammenhang gehört vgl. oben sp. 5185. 5186);

er befalch seim vater die seel
und fuhr gewaltiglich in die hell.
Dürer nachlasz 89;

sein nam der heist sich gott mit uns,
den sollen wir alle loben.gewaltiglich
von himelreich
herabe kam:
den soln loben die frauen und auch die man. bergreihen 14 Meier;

derhalben bitten wir nu hie ... das es bei andern leuten ein zufall und anhang gewinne, und gewaltiglich durch die welt gehe, auff des ihr viel zu dem gnadenreich komen. Luther deutsch catechismus 63b.
b)) und er kam bis zu dem wider der zwei hörner hatte, den ich stehen sahe fur dem wasser, und er lieff in seinem zorn gewaltiglich zu im zu. Luther Dan. 8, 6 (in der gech seiner sterck. Eggestein, ebenso Koburger; mit ungestümme seiner stärcke. Eck; mit grimmiger macht. Dietenberger; mit seiner ganzen kraft. Kautzsch); das er Ambrosius, ein vormelnbter (sic!) capellan des klosters s. Agneten in der newstadt Magdeburgk den selben sontagk nach essens ahne der ebtissin und probstes erleubnusze nach Lutherischer art habe geprediget, dahin ihm uber die zwei tausent menschen, wie man sagt, gewaltiglichen und mit einer groszen ungestüemigkeit ... ihne zu hören gefolget sein sollen. Sebastian Langhans, d. städtechron. 27, 146 (Magdeburg);

der löw zuspringen frewet sich,
er sprang hinüber gwaltiglich.
Erasmus Alberus fabeln 99 neudruck;

[Bd. 6, Sp. 5191]



wir rennen
und treffen so gewaltiglich
zusammen, dasz aufs knie die rosse stürzen.
Wieland (Oberon 1, 56) 22, 27.


c)) wer hat so gewaltigklich anklopfft an der thür? A. v. Eyb (Philogenia) 145, 11 Herrmann;

dasz hie (Jesus) kommet vor der helle thore
und kloppet do also geweldiglichen vor. Alsfelder passionsspiel 261;

wer ist der konigk der eren so rich,
der do so geweldiglich
cloppet an vor miner thore? 7126.


d))

der hêre Pallas rief si an,
der frumige unde rîche,
vil gewaldechlîche.
mit einre hôhen stimme. Eneide 203, 32 Ettmüller (vgl. geweldelike bei
Behaghel 7464).


β) die bedeutung 'eindringlich, nachhaltig'.
1)) in bezug auf physische wirkungen: aber der wild (kicher) ist pezzer und haizer ... und würkt gewelticleicher wan der haimisch. Konrad v. Megenberg buch d. natur 389, 13; aber der wild (kicher) ist pesser und hersser und laszt sich bas dewen und würcket gewaltigklicher wann der heimisch. Ortolf v. Bayrlant arzneibuch 84b; wer von hirssem horen trinket als es gesotten ist in der weis als es die sattler abschaben, das er stercke das hertz gewaltigklichen und treibt aus die splwürm. 69b; ein schweiszbad von schellkraut gemacht fürdert den schweisz gewaltiglich. Tabernaemontanus kräuterbuch 105; dieses kraut stillet die blutflüsz gewaltiglich. 514.
2)) in bezug auf geistige wirkungen.
a)) sie entsatzten sich uber seiner lere, denn er leret gewaltiglich, und nicht wie die schrifftgelerten. Luther Marc. 1, 22 (ὡς ἐξουσίαν ἔχων). vgl. oben gewaltig; dazu vgl. DWB gewaltiglich, DWB das ist, seine predigt war als eines, der es mit ernst meinet, und was er sagte, das hatte eine gewalt und lebete, als hätte es hände und füsze. glosse zu Marc. 1, 22; er leret nit wie die schrifftgelerten und gleiszner, sonder ganz gewaltiglich. S. Frank mor. encom. 40a; sehen aber nicht, das gleichwol die meinung des texts inn sich hat, und wo mans vil klar und gewaltiglich verdeudschen, so gehöret es hinein (nämlich das wort 'allein'). Luther vom dolmetschen (1550) B 2b; sie fiengen an meisterlich und gewaltigklich z reden mit mir einigen und trostlosen. J. Eberlin v. Günzburg (eine schöne und klägliche historia) 2, 101 neudruck; gewaltigklich reden, nervose dicere vel asserere. Maaler 178d.
b)) der dritte nutz, hoffe ich, solle gewaltiglich zubeweisen sein. Luther (das diese wort 1527) 3, 376b Jena; und (er will) hie mit, als mit seinem eigen exempel gewaltiglich beweisen, die feine lere und vermanung, da er uns hat heissen auff got trawen. das schöne confitemini (1530) F 2b; wie das alles durch die schrifft klerlich und gewaltiglich mag beweiset werden. bekendtnis christlicher lere und glaubens (1536) 14a; wie alle vernunfftige leute zeugen, und die schriffte gewaltiglich beweisen. wider Hans Worst 5 neudruck; wer inn colloquiis unnd conciliis disputirn, unnd die widersacher, als ein bischof, superintendent, doctor oder professor, gewaltigklich uberweisen und widerlegen soll, der musz beider redekunst und sprachen fertig sein. Mathesius Luther 322; und meine bücher gewaltiglich zeugen, mit welchem grossen ernst ich wider den irrthum gestritten habe. Luther (warnungschrifft an die zu Franckfurt am Main 1533) 5, 107b Jena; also mussen wir daraus fassen den artickel des glaubens, denn der text dringt gewaltiglich, ob wirs gleich nit verstehen, das zwu person sein. (predigten 1523) 12, 449 Weimar; dis stücke zeiget gewaltiglich, das er der rechte endechrist oder widerchrist sei. artickel, so da hetten sollen auffs concilion (1538) D 2a; aus dem allen schliessen wir gewaltiglich, das die eisene maure Ecolampads, oder der spruch (fleisch ist kein nütz.) gar nicht kan in das abendmal gehören. (das diese wort Christi 1527) 3, 361b Jena.
c)) dann so wir unserem kampff geng thn wöllen gegen dem teüffel dem wir widersagt haben in der tauff, so müessen wir nachtrucken in brechung der feindt spitz, so wir doch, sehen und befinden, wie gewaltiglich das wort gottes durchbricht. Hartmuth v. Cronberg 143 neudruck; hieher gehet nu die schrifft gewaltiglich. Luther (das diese wort Christi 1527) 3, 351b Jena; also stehet hie Lucas gewaltiglich, das im abendmal Christi nicht schlechter wein mag sein. (vom abendmal Christi 1528) 3, 492b; weil denn schrifft und geschicht so geweltiglich mit einander über ein treffen, haben ia die juden nichts das sie da wider mügen sagen. das Jhesus Christus (1533) E 3a;

[Bd. 6, Sp. 5192]


wiewol etlich aus ihnen durch stetig übung ein freie hand erlangt, also dasz sie ihre werk gewaltiglich, aber unbedächtlich und allein nach ihrem wolgefallen gemacht haben. Dürer (unterweisung der messung) nachl. 180; itzt meine ich ja, sind wir redlich und gewaltiglich absolviret, das sie uns nicht mehr wollen noch können ketzer schelten. Luther von den conciliis (1539) B 1c.
d))

so, mair, vergech dich nit in diser frist!
sag an von erst, wer du pist,
das du so gar pist freiden reich
und umb mich puelst so gbaltikleich. Sterzinger spiele, Wiener neudrucke 9, s. 197.


γ) die blosze function der steigerung, gewaltiglich = valide.
1)) neben verbis:
a)) er lesst sie tödten und blut vergiessen, stellet sich als hab er ir vergessen, aber er gedenckt gewaltiglich an sie, und schafft, das ir blut gerochen wird. Luther (auslegung des 9. psalmes 1525) 3, 29b Jena; ihr sollt leihen also, das ihr nichts davon hoffet ... dis ist ja auch (alls ich meine) ein hoch christlich und seltzam werck ... und wurde wo es sollt in brauch kommen ... allerlei handel gar gewaltiglich mindern. (von kaufshandl. u. wucher) 15, 302 Weimar; der aber disen ringen weg z der gnad gottes durch Christum nit weiszt oder wüssen wil, ... der sicht ouch allein den bchstaben an, und wil den gewaltiklich erfüllen. Ulrich Zwingli von freiheit der speisen 16 neudruck.
b))

zu hand er sich
gewalticlich
thett in der haut aufpleen.
H. Sachs (der frosch mit dem ochsen) fabeln und schwänke 3, 395 neudruck;

ich dehnte mich empor, mich auszuleeren
gewaltiglich, und sandte hoch die äste
empor zu meinem götterbild, dem hehren.
Immermann (der baum) werke 11, 81.


2)) neben adjectiven:

lieb, du bist mîn gewalticlich gewaltig.
H. v. Laber d. jagd 171 Schmeller;

nû süllen wir ân schande
von der Riuzen lande
von dem künig heben an,
wie er dar nâch rîchsen began.
er was gewalticlîch starc.
Enikel weltchron. 26681 Strauch;

ni vis boni in ipsa inesset forma, wenn si nit von natur gewaltigklich hüpsch wäre gewäsen. Frisius 1389a; potenter, adv.: ut res potenter lecta, etwas gewaltigklich auszerläsen. 1027b.
δ) die parallelen in den wörterbüchern: valide, vast mächtigklich, gewaltigklich, krefftigklich, häfftig. Frisius (1541) 1086b; valenter, krefftigklich, mächtigklich, gwaltigklich. ebenda; nervose, krefftigklich, gewaltiglich. 865b; gewaltigklich, magna vi, potenter. Henisch 1591; gewaltiglich, potenter, valide. N. Gürtler 2, 74; gewaltiglich, potenter, violenter, valide. Spieser 151; gewaltiglich, adv.: puissamment, fortement, grandement, considerablement, violamment, avec véhémence. nouveau dictionnaire (Straszburg 1772) 339a.
2) das adjectiv beruht nur auf vereinzelten erweiterungen des gebrauches und ist in den wörterbüchern nicht zur anerkennung gelangt. die ersten ansätze zeigen sich bei Konrad v. Würzburg, der die bedeutung violentus bevorzugt und durchweg attributive function aufweist. bei der bedeutung potens überwiegt der prädicative gebrauch und die appositionelle function, bei der es oft fraglich ist, ob adjectiv oder adverb vorliegt. ausgesprochenes attribut läszt sich hier nur selten belegen.
a) die bedeutung potens.
α) die function des attributs:

den ich hie vorgenennet hân,
daʒ ist der leidestrîtes got;
der fröiden torist zuo getân
dur sîn gewalteclich gebot.
Konrad v. Würzburg sprüche 2, 34;

fraglich ist:

die mit gewalteclîcher kraft
muosten eʒ beschirmen ie.
R. v. Ems Barlaam und Josaphat (nach Pfeiffer),

da die varianten auf gewaltig und gewaltlich weisen; diser künig fiel in das gelobt land, schlueg die Juden, nam ein stat im land ein, alda het er geweltiglichen hof, tet der judischait vil zwangs an wol achtzehen jar. Aventin 4, 165.
β) die function des prädicats:

daʒ ein kint von mir komen sol,
daʒ wirt gewalticlîch
in dem künicrîch.
Enikel weltchr. 19875 Strauch;

[Bd. 6, Sp. 5193]



Christus: 'ich sagen uch nu zu disser frist,
dasz der konigk der eren hie vor ist'.
Luzifer: 'nu du so geweldigk bist,
so sage mer, wo von ist
der din kleit von blude roit,
als ab du sijest geslagen doit'. Alsfelder passionsspiel 7137;

ge auf den perg mit mire,
da wil ich lasen schen dich,
wie ich sei so gewalticlich,
das mich im wald schir flihen alle dire.
H. Sachs (der schreient esel) fabeln und schwänke 3, 120.


γ) die function der apposition:

daʒ in Syria dem lant
was ein künic gewalticlîch.
Enikel weltchr. 19661 Strauch;

dô sprach der künic rîch
vil gar gewalteclîch. 26876;

salve, junckfraw, wir grüssen dich
ein keisserin gewaltiklich,
gar hoch in jerarcheie,
ad te, du königin freie,
clamamus, wir stet schreie,
hilff uns aus allem we.
H. Sachs bei
Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1139a;

item und do wart der hertzog sein aiden erwelt von den ungerischen herren geweltiglichen zu könig. d. städtechroniken (Nürnberg) 1, 399 (oder adverb? vgl. den beleg aus Aventin auf sp. 5192).
b) die bedeutung violentus.
α) die function des attributs.

er kwam geriden in ir lant
mit gewaldeclicher hant
und mit so grôʒer heres kraft,
daʒ sich die frouwe tugenthaft
mit nichte konde sîn erwern.
Konrad v. Würzburg schwanritter 20;

sus kêrtens in der heiden her,
daʒ mit gewalteclicher wer
was über mer geleitet
und in daʒ lant gebreitet
alumbe sich zwelf mîle. Partonopier 19034.


β) die function des prädicats: ist der gt schein deren ding gewaltigklicher gesein, dann auch befindtlicher schad darausz erwachsen und erfaren, geleicher weisz geschieht es in dingen, so wesenlich gt sein, dar uff man gewaltigklich fallet, sie seind wesenlich gt, aber man fallet nit wesenlich druff. J. Eberlin (büchlein, worin auf 3 fragen geantwortet wird) 2, 155 Enders.
γ) die function der apposition: den von Frickenhausen ist gesagt worden, das si gedencken und ains ratz erkauft holtz miessig standen und nichts gweltigclichs hawen. Memminger rathsprotocoll von 1525 bei Baumann acten zur geschichte des bauernkriegs 42.
 
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gewältigung, gewaltigung, f., nomen actionis zu gewaltigen, vgl. sp. 5171 ff. von den verschiedenen bedeutungen, die am verbum belegt wurden, sind für das substantiv nur zwei bezeugt, gewältigung im sinne von vergewaltigung und gewältigung = bewältigung. ein dritter typus, die anlehnung an gewaltigen = 'in besitz setzen' ist bei Adelung 2, 649 angeführt, aber nicht durch belege gedeckt. vgl. DWB gewältigung, verleening van magt of volmagd. Weidenbach 436b.
1) violatio, geweltigung, verderbung, zerstörung. Frisius 1385b; gewaltigung, so einem unbillicher weisz zgemessen, durch bitt an röm. keis. oder ander fürsten abtragen, und schirm zu bitten. Hug rhetorica und formulare teutsch. register; ist dann niemand da, der sich unserer noth von hertzen erbarmen und annehmen, und die unteutsche fremde völcker mit ihren fremden lastern von gewältigung, schinderei, marck auszsaugen und gotteslästern, ausz unserem vaterland wegtreiben wolle? Moscherosch Philander (4. gesicht) 1, 260; gewaltigung, violatio. Aler 934b.
2) die bedeutung bewältigung ist wiederum zumeist aus der bergwerksprache und in engerer fassung belegt, vereinzelt nur begegnet die allgemeinere ausprägung.
a) ich sehe die möglichkeit nicht, wie bei dem gegenwärtigen stande des personals, bei bevorstehender rauherer witterung pp. eine so komplicirte operation, wie die gewältigung des wassers immer mehr zu werden scheint, ausgeführt werden könne. Göthe (an Voigt 1789) briefe 9, 154; wenn die summe zur gewältigung nicht reicht, werden sie wohl den rest noch aufnehmen müssen. (1790) 9, 221; die schwierigkeit und kostspieligkeit der gewältigung tief und weit ausgedehnter alter baue kann ... hinreichen, lieber ganz neue gruben zu eröffnen. Gätzschmann die auf- und untersuchung

[Bd. 6, Sp. 5194]


von lagerstätten nutzbarer mineralien (Freiberg 1856) 462; die gewältigung des wassers, the draining of a mine. die gewältigung einer eingefallenen grube, the reparation or lining again of a shaft or pit. Hilpert 1, 463a.
b) gewältigung, bedwinging, overweldiging. Weidenbach 436b; gewältigung, f., act of getting the better of, of subduing. Hilpert 1, 463a (die belege sind der bergwerksprache entnommen. s. o.);

des bösen triebs gewältigung.
Rückert mak. 2, 31.


 
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gewältigungskosten, pluraletantum, vgl. DWB gewältigung 2, a: gewältigungs - kosten, d. i. das geld, so die alten gebäude zu gewältigen angewendet worden. Minerophilus mineral- u. bergwerkslex. (1743) 255. genau so Chomel 4, 1040; die gewältigungskosten (im bergbaue), diejenigen kosten, welche zur gewältigung des wassers, oder zur ausbesserung alter verfallener gebäude angewendet werden. Adelung 2, 649; gewältigungskosten (in mining) the expense of drawing or repairing a mine. Hilpert 1, 463a.
 
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gewaltkraft, gewaltskraft, f.:

streuend
seinen eishauch zwischen alle,
hetzt er die verschiednen winde
widerwärtig auf sie ein.
über sie gab er gewaltkraft
seinen frostgespitzten stürmen,
stieg in Timars rath hernieder,
schrie ihn drohend an und sprach so.
Göthe (divan) 5, 135;

Helidor ist ein mensch, der bei der gewaltskraft seltener anlagen in tiefe schlechtheit versunken ist. Pestalozzi 3, 254.
 
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gewaltkräftig, adj.: ich glaube ohne einen gewaltkräftigen herrscher nicht an die deutsche einheit. Auerbach neues leben 3, 91.
 
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gewaltkrieg, m.: hinwiederumb haben die ungerechten, unnötigen, muthwilligen krieg vor gott, gerad das wiederspiel. darumb die kriegszleut, die solchen gewaltkriegen, ungottsfürchtiglich nachlaufen, ohne pflicht und noth, allein ausz muthwillen, ... ein schwer urtheil auff den tag desz gerichts ober sich laden. Daniel Schaller theol. heroldt (1604) 298.

 

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