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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltesertheiler bis gewaltgericht (Bd. 6, Sp. 5102 bis 5103)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltesertheiler, m.: weiter ist auch die vom berühmten Böhmer ... über die, bei den meisten gerichten, üblichen formen der gedruckten volmachten gemachte merkwürdige erinnerung anzufüren nötig ..., dasz die in solchen gedruckten gewälten befindlichen unverständlichen und in lateinischer sprache gesezten kunstwörter und klauseln entweder vernämlich und in deutscher sprache gesezet, oder dem gewalteserteiler aufs deutlichste erkläret würden. anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation (1757) 1, 350.
 
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gewaltführer, m., wie die zuletzt genannte bildung mit gewalt in der bedeutung von vollmacht zusammengesetzt. die bildung findet in den oben belegten objectverbindungen keinen anhaltspunkt, sie tritt in bezug auf häufigkeit der verwendung weit hinter synonymen wie gewalthaber (sp. 5103) und gewaltträger (s. d.) zurück und ist zunächst aus Schweizer denkmälern belegt: in dem jare nach der geburt unsers herren Jesu Christi, als man zalt 1426 jare ... sind gestanden in ir selbs person der edel und hochmechtig mann herr Ottolin Zoppo, des allerdurchlüchtigisten fürsten und herren herrn Philippen Maria Augli hertzogen zu Meiland ... als sin hertzogtümlicher cämmerer für denselben hertzogen und in sinem namen bott, und gewaltfürer, zu enden disz nachgeschribnen sachen bewart mit vollem gwalt. Tschudi chronik 2, 167; wellend und verheissend offenlich die obgenanten durch ire vorgenente botten und gewaltfürer dasz under denselben beiden teilen sin und wesen soll ein guter, ewiger und unzerbrochner fride. 168a; die botten und gwaltfürer der egenanten irer gemeinden hand verheissen und gelobend. ebenda. vgl. Frisch 2, 420b; gewaltführer ist ein abgesandter des fürstens. Estor 3, 1314; gewaltführer, principis mandatarius s. legatus. Haltaus 697; gewaltführer, gewalthaber und gewaltträger sind in der geschäftssprache einiger gegenden für bevollmächtigter gebräuchlich. Heynatz Antibarbarus 52.
 
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gewaltfülle, f., vgl. DWB gewalt, potestas: das kaiserthum mit seiner gewaltfülle. Becker weltgeschichte 14, 374.
 
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gewaltform, f., vgl. DWB gewalt, violentia: indem die regierung an den alten einrichtungen rüttelte, und den geschichtlichen rechten keine schonung erwies, so lange sie keinen widerstand fand, wenn dieser aber eintrat, nachgab und diese rechte wieder in volle kraft treten liesz entstand ein aus alten und neuen gewaltformen gemischtes verfahren. Becker weltgeschichte 12, 83.
 
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gewaltfrei, adj., vgl. DWB gewalt, potestas: der politicus, und rechts-gelehrte, werdens auch nicht loben; sondern sagen, dasz die gräber, bei allen netten und höflichen völckern, der unverstörlichen ruhe gewidmet, unversehrlich, gewaltfrei, und gleichsam heilig geachtet worden. Erasmus Francisci der höllische Proteus 296.
 
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gewaltgebend, participiales adj., wie gewaltgeber und gewaltgebung, s. d. von der geschlossenen objectverbindung gewalt geben (vgl. sp. 5069 ff.) abgeleitet: e gwaltgebeds hopt .. der landammann oder statthalter. Tobler Appenzell. sprachschatz 247.
 
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gewaltgeber, m., nomen agentis zu der eben erwähnten wortverbindung: warnemung in welichen gewaltsbriefen not sie: zbehalten beim eid das der gewaltgeber selbs nit komen mög. F. Riedrer rhethorichscher spiegel 170b; gewaltsbrief gon Rotwil werdend zweier gestalt angevangen, der einen wis bekennend sich die gewaltgeber under irn insigeln, das ist von obern bitz uff den underthon crefftig. 170a; mancher durchtriebener advocat weisz sich wie eine schlange zu winden, und allerhand schlupflöcher zu finden, und seinem gewaltgeber oder vielmehr dem teufel redlich zu dienen. Scriver seelensch. 2, 347; vulgo etiam addi solet clausula rati: dasz der gewaltgeber, alles genehm haben woll, was der gewaltträger handlen werde. Besold thesaur. pract. 1070 Diether; gewaltgeber, mandans, ist in Sachsen gewönlich. Estor 3, 1314, vgl. auch Haltaus 697; gewaltgeber, constituant. Rondeau-Buxtorff 253. ebenso nouveau dictionaire (Straszburg 1762) 339a; gewaltgeber .. am häufigsten im oberdeutschen, eine person, welche einer andern gewalt, d. i. vollmacht zu etwas ertheilet; der principal. Adelung 2, 648; gewaltgeber, magtgeever, geefster. Weidenbach 436b; gewaltgeber, m., -geberinn, f. a person that gives a power of attorney. Hilpert 1, 462c; bis auf genehmigung ihrer höchsten gewaltgebern. aus den acten des Weimarer staatsarchivs von 1811, s. Diefenbach-Wülcker 1, 619; der gewaltgeber ist schuldig, die verbindlichkeiten zu erfüllen,

[Bd. 6, Sp. 5103]


welche der gewalthaber innerhalb der schranken der ihm ertheilten vollmacht abgeschlossen hat. badisches civilgesetzbuch § 1998, justizgesetze für Baden 1, 460; auslagen, welche der gewalthaber macht, musz ihm der gewaltgeber ... verzinsen. ebenda (§ 2001) 461. über solche vereinzelte, durch den zusammenhang nahe gelegte, verwendungen reicht der heutige gebrauch des wortes kaum mehr hinaus.
 
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gewaltgeberin, f., wird bei Adelung und Weidenbach neben gewaltgeber angeführt.
 
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gewaltgebild, n., vgl. DWB gewalt, violentia, s. oben gewaltbildung, gewaltform:

da blickt' ich auf, und auf der wolke schwebten schon
im gaukeln lieblich götterbilder, buntgedrängt; ...
dort siehst du, sprach sie, glänzet liebesglück empor! ...
doch höher steigt, bedächtig ernsten herrscherblicks,
ein immer vorwärts dringendes gewaltgebild.
dagegen, gunsterregend strebt, mit freundlichkeit
sich selbst gefallend, süsz zudringlich, regen blicks,
ein artig bild, dein auge suchend, emsig her.
Göthe (Pandora) 40, 379.


 
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gewaltgebung, f., nomen actionis, gleich früh belegt wie das nomen agentis: gewalt von eim edelman: vor zweien edlen gesetzt und gesworn, das er nit kommen mög, ein aucht zerechtvertigen. dis gewaltgebung sol auch von eim bettrisen beschehen so er sich uff recht usser aucht genomen hat. F. Riedrer rhethorichscher spiegel 171b. ebenso Hug rhetorica und formular teutsch 116b; auff welche gewaldgebung der sachwälder dem richter an den stab geloben soll, an aids statt, solches alles, wie obvermeldt, stet und unverbrüchlichen zu halten, auch seinen gewalthaber dieser rechtfertigung alles kostens und schadens ... zu entheben. Henneberger landesordnung (1720) 52; der gewalthaber haftet für angenommene stellvertreter: 1) wenn er die vollmacht zur aftergewaltgebung nicht erhalten hat. badisches civilgesetzbuch § 1994, justizgesetze für Baden 1, 459.
 
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gewaltgericht, n. , vgl. DWB gewalt, violentia. das compositum erscheint in einer älteren und einer jüngeren bedeutung, je nach dem syntaktischen verhältnis der compositionstheile.
1) die ältere zusammensetzung ordnet gewalt als object der thätigkeit oder befugnis unter, die im zweiten theile angedeutet ist: gewaltgericht, an einigen orten z. b. zu Cöln, ein gericht, welches über zugefügte gewalt, d. i. über thätige injurien urtheilet, zum unterschiede von dem amtgerichte, welches sich nur mit schmähworten beschäftiget, s. gewaltrichter. Adelung 2, 648. ebenso Voigtel versuch eines hochd. handwb. 2, 79. Weidenbach 436b; gewalt-gericht, n. (obsolete or provincial) criminel court of justice. Hilpert 1, 462c u. a.
2) die jüngere zusammensetzung zieht gewalt attributiv zur charakterisierung des zweiten compositionstheils heran: neue gewaltgerichte wurden eingesetzt, welche entschieden, wie der herrscher befahl, und welche die unschuldigsten menschen, die ihm verdächtig waren, plötzlich zum tode brachten. E. M. Arndt schriften f. m. l. D. 1, 234.

 

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