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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewalter bis gewaltgeberin (Bd. 6, Sp. 5101 bis 5103)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewalter, m., nomen agentis zu gewalt, gewalten, das nur aus niederdeutschen und niederl. quellen belegt ist (gewelder), für das oberdeutsche gebiet jedoch aus der movierten form gewalterin (s. d.) erschlossen werden kann. die mittelhochdeutsche periode bevorzugt eine anders geartete bildung: gewaltesære, vgl. mhd. wb. 3, 477b. Lexer 1, 974, vgl. auch gewaltscher. neben gewelder weisen niederdeutsche denkmäler auch die form geweldener auf: den stratenrovern eder geweldeneren. old. urk. 1445; mit den vianden off den stratenrovern eder geweldeneren. 1511 bei Schiller-Lübben 2, 100; gewelder, der gewalt übt, vergewaltiger. de richter des rechtes hevet ghedodet den ghewelder des rechtes. bok d. bien 198d bei Schiller-Lübben 5, nachtrag 141; geweldere ... 1. machthebber, machthebbende, oppermechtig gebieder. 2. geweldenaar, iemand die geweld pleegt of gepleegd heeft. Verwijs-Verdam 2, 1878; gewelder, machthebbende om als overweldiger te handelen. Oudemans 2, 657; wir Friedrich von gottes gnaden römischer keiser ... bekennen öffentlich mit diesem brief allen denen, die ihn sehen, lesen oder hören lesen, dasz uns die ehrsamen unsers und des reichs lieben getreuen, bürgermeister und rahte und des heil. reichs stadt Lübeck, durch ihre ehrbahr bohthaben thun anbringen, wie sie ... mit viel schweren zollen auflegen, auch taeglicher und mercklicher koste und darlegunge zu wasser und zu lande der anstossende gewalter, und sorge halben beladen ... kaiserl. confirmation über befreiung d. stadt Lübeck von dem zoll in Mecklenburg (1473) bei Westphalen mon. ined. rer. germ. 4, 1083.
 
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gewalterin, f., movierte form zum vorigen:

ouch vergie sîn senelîch geschiht
die seneden Blanschefliure niht:
diu was ouch mit dem selben schaden
durch in, als er durch sî, beladen.
diu gewaltærinne minne
diu was ouch in ir sinne
ein teil ze sturmelîche komen
und hæte ir mit gewalte genomen
den besten teil ir mâʒe.
Gottfrid von Strassburg Tristan 959 (variante gewaltigærinne, s. d.).

gewelderinne, mhd. gewaltærinne, machthebster, gebiedster. Verwijs-Verdam 2, 1878.

[Bd. 6, Sp. 5102]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewalteser, m., s. DWB gewalter.
 
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gewaltesertheiler, m.: weiter ist auch die vom berühmten Böhmer ... über die, bei den meisten gerichten, üblichen formen der gedruckten volmachten gemachte merkwürdige erinnerung anzufüren nötig ..., dasz die in solchen gedruckten gewälten befindlichen unverständlichen und in lateinischer sprache gesezten kunstwörter und klauseln entweder vernämlich und in deutscher sprache gesezet, oder dem gewalteserteiler aufs deutlichste erkläret würden. anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation (1757) 1, 350.
 
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gewaltführer, m., wie die zuletzt genannte bildung mit gewalt in der bedeutung von vollmacht zusammengesetzt. die bildung findet in den oben belegten objectverbindungen keinen anhaltspunkt, sie tritt in bezug auf häufigkeit der verwendung weit hinter synonymen wie gewalthaber (sp. 5103) und gewaltträger (s. d.) zurück und ist zunächst aus Schweizer denkmälern belegt: in dem jare nach der geburt unsers herren Jesu Christi, als man zalt 1426 jare ... sind gestanden in ir selbs person der edel und hochmechtig mann herr Ottolin Zoppo, des allerdurchlüchtigisten fürsten und herren herrn Philippen Maria Augli hertzogen zu Meiland ... als sin hertzogtümlicher cämmerer für denselben hertzogen und in sinem namen bott, und gewaltfürer, zu enden disz nachgeschribnen sachen bewart mit vollem gwalt. Tschudi chronik 2, 167; wellend und verheissend offenlich die obgenanten durch ire vorgenente botten und gewaltfürer dasz under denselben beiden teilen sin und wesen soll ein guter, ewiger und unzerbrochner fride. 168a; die botten und gwaltfürer der egenanten irer gemeinden hand verheissen und gelobend. ebenda. vgl. Frisch 2, 420b; gewaltführer ist ein abgesandter des fürstens. Estor 3, 1314; gewaltführer, principis mandatarius s. legatus. Haltaus 697; gewaltführer, gewalthaber und gewaltträger sind in der geschäftssprache einiger gegenden für bevollmächtigter gebräuchlich. Heynatz Antibarbarus 52.
 
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gewaltfülle, f., vgl. DWB gewalt, potestas: das kaiserthum mit seiner gewaltfülle. Becker weltgeschichte 14, 374.
 
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gewaltform, f., vgl. DWB gewalt, violentia: indem die regierung an den alten einrichtungen rüttelte, und den geschichtlichen rechten keine schonung erwies, so lange sie keinen widerstand fand, wenn dieser aber eintrat, nachgab und diese rechte wieder in volle kraft treten liesz entstand ein aus alten und neuen gewaltformen gemischtes verfahren. Becker weltgeschichte 12, 83.
 
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gewaltfrei, adj., vgl. DWB gewalt, potestas: der politicus, und rechts-gelehrte, werdens auch nicht loben; sondern sagen, dasz die gräber, bei allen netten und höflichen völckern, der unverstörlichen ruhe gewidmet, unversehrlich, gewaltfrei, und gleichsam heilig geachtet worden. Erasmus Francisci der höllische Proteus 296.
 
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gewaltgebend, participiales adj., wie gewaltgeber und gewaltgebung, s. d. von der geschlossenen objectverbindung gewalt geben (vgl. sp. 5069 ff.) abgeleitet: e gwaltgebeds hopt .. der landammann oder statthalter. Tobler Appenzell. sprachschatz 247.
 
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gewaltgeber, m., nomen agentis zu der eben erwähnten wortverbindung: warnemung in welichen gewaltsbriefen not sie: zbehalten beim eid das der gewaltgeber selbs nit komen mög. F. Riedrer rhethorichscher spiegel 170b; gewaltsbrief gon Rotwil werdend zweier gestalt angevangen, der einen wis bekennend sich die gewaltgeber under irn insigeln, das ist von obern bitz uff den underthon crefftig. 170a; mancher durchtriebener advocat weisz sich wie eine schlange zu winden, und allerhand schlupflöcher zu finden, und seinem gewaltgeber oder vielmehr dem teufel redlich zu dienen. Scriver seelensch. 2, 347; vulgo etiam addi solet clausula rati: dasz der gewaltgeber, alles genehm haben woll, was der gewaltträger handlen werde. Besold thesaur. pract. 1070 Diether; gewaltgeber, mandans, ist in Sachsen gewönlich. Estor 3, 1314, vgl. auch Haltaus 697; gewaltgeber, constituant. Rondeau-Buxtorff 253. ebenso nouveau dictionaire (Straszburg 1762) 339a; gewaltgeber .. am häufigsten im oberdeutschen, eine person, welche einer andern gewalt, d. i. vollmacht zu etwas ertheilet; der principal. Adelung 2, 648; gewaltgeber, magtgeever, geefster. Weidenbach 436b; gewaltgeber, m., -geberinn, f. a person that gives a power of attorney. Hilpert 1, 462c; bis auf genehmigung ihrer höchsten gewaltgebern. aus den acten des Weimarer staatsarchivs von 1811, s. Diefenbach-Wülcker 1, 619; der gewaltgeber ist schuldig, die verbindlichkeiten zu erfüllen,

[Bd. 6, Sp. 5103]


welche der gewalthaber innerhalb der schranken der ihm ertheilten vollmacht abgeschlossen hat. badisches civilgesetzbuch § 1998, justizgesetze für Baden 1, 460; auslagen, welche der gewalthaber macht, musz ihm der gewaltgeber ... verzinsen. ebenda (§ 2001) 461. über solche vereinzelte, durch den zusammenhang nahe gelegte, verwendungen reicht der heutige gebrauch des wortes kaum mehr hinaus.
 
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gewaltgeberin, f., wird bei Adelung und Weidenbach neben gewaltgeber angeführt.

 

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