Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewaltanspannung bis gewaltdrohung (Bd. 6, Sp. 5094 bis 5097)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewaltanspannung, f., vgl. DWB gewalt, vis: er gewinnt durch sprünge den kraft-überschusz zu den schritten und tänzen ... weil eben die mehrkraft im hinterhalte gleichsam das schwungbret für den tanz der grazie unterlegt; und Horaz verdankte der gewaltanspannung für seine oden gewisz die vorschule für den spielzauber seiner sermonen und seines lehrgedichts. Jean Paul grönländische prozesse, vorrede 10.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltanwendung, f., neuerdings beliebt, vgl. DWB gewalt, violentia s. sp. 5084.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltausübend, participiales adjectiv, vgl. DWB gewalt, potestas s. sp. 5087:

[Bd. 6, Sp. 5095]


eine goldene schale nunmehr mit eigenen händen
füllt' ich des heiligen tranks,und rings nach der reihe vertheilt
ich,
tränkend jeglichen mann der gewaltausübenden herrscher.
Voss Hesiod 266 (Orpheus der Argonaut 328).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltausübung, f., verbalsubstantiv; bei Lavater ist diese bildung im gegensatz zu den sonstigen beobachtungen an gewalt ausüben mit dem begriff der violentia belegt: ich sehe allenthalben herrschsucht, anmaszung, gewaltausübung, die in grosze verlegenheit kommen würden, wenn man fragte: woher? J. K. Lavater handbibliothek 1, 154.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbar, adj., vgl. DWB gewalt, violentia: da ein kaiser seiner autorität ordentlich und nicht gewaltbar gebrauchet. Hortleder de bello German. bei Hipp. a Lapide 143; gewaltbare eindringung. Schottelius 325a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbarlich, adverbialform zum vorigen: gewaltperlich in den Überlinger acten des 16. jahrh., s. Diefenbach-Wülcker 619.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbete, f., vgl. DWB gewalt, potestas, imperium: sie sprochen und teilten auch in vorgeschriebener wise uff ire eide, were zu Derdingen sehsze oder wonent ein monden an noch volgenden herren, der sol swern der obgenanten herrschaft, iren schaden z warn, ire bestez zu werben und alle ding mit der gemeinde zu tragen und z liden, uszgenommen die gewaltbede, ez wer' dann, daz er gut hette, die der herschaft vore bede geben hetten. weisthum von Derdingen 1410 bei Mone 12, 267, vgl. auch Grimm weisthümer 6, 23; nemlich also das nu hinfur zcu ewigen gezeiten dieselbigen libseigen leute und irer iglicher insunderheit der obgnanten herschafft von Ryneck kein gwaltbete zcu geben schuldig adir pflichtig sin sullen, ... dan allein jerlichs ein vastnacht hun und zcwene wispfennige. die grafen von Rieneck erlassen ihren leibeigenen abgaben (1479), s. Guden codex diplomaticus 5, 459.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbildung, f. als gegensatz zu einem organisch entwickelten gebilde: die römische kunstsprache ... wurzelte fest im teutschen boden und kopfe ... tasten wir jene worte nicht an, welche aus jener zeit der armuth und gewaltbildung, als willkommene fremdlinge ... ihr bürgerrecht verjahrten. Schwarzot ein teutsches wort gegen d. unteutschen kunstausdrücke s. Schlegels deutsches museum 3, 114 (1813). vgl. gewaltgebild.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbote, gewaltsbote, m. , vgl. DWB gewalt, potestas, vollmacht. das compositum hat die (sp. 4913) erwähnte ältere bildung waltpoto, procurator (vgl.waltpote mhd. wb. 1, 184a. Lexer 3, 658) unter dem einflusz der weit ausgreifenden verwendung der form gewalt verdrängt. in den mundarten, die gewalt als masc. brauchen, ist dieses substantiv hier, wie in anderen ähnlichen zusammensetzungen, als objectiver genetiv gekennzeichnet (gewaltsbote), während das femininum anderer mundarten der kennzeichnung zunächst entbehrt. später verschieben sich diese grenzlinien je nach dem litterarischen übergewicht der einen oder anderen form und je nach deren widerstandskraft gegen die allgemeine ausbreitung des compositionszeichens.
1) gheweldbode, legatus. Kilian K 4b; als alle vorstellungen vergeblich schienen, ritten die gewaltboten hinauf ins land. J. v. Müller gesch. d. Schweiz 4, 76; in Deutschland tritt der missus comitis unter deutschem namen als der gewaltbote des grafen auf. Sohm die altdeutsche reichs- und gerichtsverfassung 1, 519.
2) gewaltsbotten (die) gesandte botten, foederum, pacis, belli, induciarum oratores. Maaler 178b, genau so Frisius 932b; gewaltsbott, machtbott, gesanter, legatus, orator, ... qui cum mandatis aliquo mittitur. Henisch 1592; gewaltsbotten, foederum, pacis, belli, induciarum oratores. Spieser 151; ebenso Aler 934b; gewaltsbot, legatus. N. Gürtler 2, 74; gewaltsbot, un ambassadeur, legatus. nouveau dictionaire du voyageur 145; unser vicedom und gewaltsbott in unserer stadt Mayntz sollen samt und sonders dahin sehen, damit die ergangene feuer-ordnung beobachtet .. werden. Mainzer landrecht (1755) 65: gewaltsbot, m. un ambassadeur, legatus, un ambasciatore. Veneroni 75; gewaltsbot, procurator mandato instructus et suffultus. Haltaus 697. vgl. Estor 3, 1314.
3) in einzelnen wörterbüchern wird anlehnung an den begriff der violentia gesucht: gewaltsbott, gewaltiger, magister, praefectus, judex violentiarum, vindiciarum. Aler 933a; gewaltsbott, vorgesetzter über gewaltthätigkeiten, violentiarum praefectus. Bayer 290a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltbrief, gewaltsbrief, m. vgl. das einfache gewalt, vollmacht, beglaubigungsschreiben sp. 4963. vgl. dazu auch: das min sunder gut zitig, vernünfftig wissenlicher und

[Bd. 6, Sp. 5096]


wol bedachter will und meinung ist. das der gewalt und brieff so ich kurtz vergangner tagen Fritzen x gegen Conlin x umb 100 guldin ... überantwurt hab ... dat dis brieffs und fürhin gantz vernicht, widerrüft, tod und ab. F. Riedrer rhetorichscher spiegel (Freiburg 1493) 178a. hier liegen auch aus oberdeutschem gebiet alte belege für die form ohne 's' vor; sie zeigen, dasz die composition zunächst aus der beiordnung, nicht der unterordnung des substantivs gewalt erwuchs.
1) die form gewaltbrief: als herr Georg von Ekhartzaw, herr Sigmund von Eitzing und herr Jobst Hawser von der bemelten k. maiestat wegen zu innemern derselben aufsleg und ansleg gegeben sein, daz die k. maiestat dreien ainen gewaltbrief oder bevelhbrief verfertig daz si solh ansleg und aufsleg von seiner keiserlichen gnaden wegen hanndeln sullen. actenstück zur gesch. d. landtage zu Krems u. Wien (1478), monumenta Habsburgica 1, 2, 555; man sol wizzen, daz hie nach staund geschriben die bünd und artikel, die wir Marquart dez hailgen stuls ze Aglai patriarch beret und betedingt habent ... alz si der rihtung ze baider siten hinder uns sint gegangen nach der gewalt brief lut die si uns darüber geben habent. (friedensvertrag mit Augsburg 1374) d. städtechroniken 4, 177; darnach kam Wigeles der schenkh zu herzog Ernst geen Wolfartshausen mit ainem gewaltbrief von dem purggrafen und warb an in: sein herr der burggraf pät in treuleichen, daz er geen Ingolstat zu im rit. d. städtechroniken 15, 498; gewaltbrieff, machtbrieff, verweszbrieffe. vocab. theut. (Nürnberg) 1482; gewaltbrief Hulsius ausgabe von 1614 (in der ausgabe von 1596 gewaltsbrieff); gheweldbrief, diploma. Kilian K 4b; gewalt-brieff, lettre patenti, lêtres patentes de quelque prince ou seigneur. Rädlein 381a; gewaltbrief, magtbrief. Weidenbach 436b; gewaltbrief, im oberdeutschen eine urkunde, worin jemanden zu einem geschäfte gewalt, d. i. vollmacht ertheilt wird; wie z. b. ein executorium. zuweilen auch das beglaubigungsschreiben der gesandten. Adelung 2, 648; um jedem miszbrauche einen gewaltbrief zu geben. A. F. W. Mayer Dya Na Sore 4, 241; gewalt-brief, m. .. power of attorney, .. order of arrest, warrant, wirt of execution. Hilpert 1, 462.
2) die form gewaltsbrief: nu si sin mter z sölicher krankheit komen, daz si uns nit mer nchgefarn múge, und hab graf Fritzen irem sun soliche ansprach und vordrung so si z den obgenanten von Ow habe von desselben schadens wegen gegeben ... und wer daz nit gelouben well, so hoft graf Fritz daz kuntlich ze machen, als er des ainen gewaltzbrief zogt. Eberhard v. Wirtenberg entscheidet in streitsachen zwischen denen von Ow und graf Fritz von Zolr (1410), monumente Zollerana 1, 522 (s. 433); als ich gen Straspürg kame uff dünderstag nach sant Lützigen tag da schreibe mir min herre hertzog Otte wie daz er die andern der Phaltz rete nit zü mir gesenden moht etc. und sant mir also den gewalzbrief. C. v. Weinsberg (einnahmen .. register von 1437—38) 90 Albrecht; da begert aber der Puchberger durch seinen vorgenanten furleger, daz der gewaltsbrief, als der verlesen ward, bei unsern hannden beleiben solt. (Passau 1475.) fontes rer. Austr. 2, 37, 458; doch zeigt (er) kein gewaltzbrieff gemeins adels. bericht über die Heidelberger verhandlung vom 13. januar 1450, d. städtechroniken 2, 389 anm.; item, man sol dem amman geben von ainer urtail, och von ainer vertigung ains kouffs, und von ainem ganttbrieff zuobesiglen, ain schilling pfening, und von ainem gwaltssbrieff sechs pfening. Grimm weisthümer 1, 232 (St. Gallen), öfnung zu Tablatt 1471; ob iemant von wegen einer zugehörigen person im gesippte des gepluets bis in den dritten grad in recht zeclagen oder zeantwurten. oder ichts anders rechtlich zehanndeln vermainte. und des einichen sundern gewaltsbrief noch urkund nit fürbrechte. der mag von desselben wegen gewalt verpurgen. oder sunst nach notturfft versichern. Nürnberger reformation (1479), titel 2, gesetz 3; darumb gaben Bernhart min bruder und Martha min schwester mir ein gewalzbrief von irer zweier wegen zu vorzihen. Job Rorbach (tagebuch 1496), quellen zur Frankfurter geschichte 1, 272; also wert die wal und hieng lang zeit ehe dann es sich schicken wolt, usz ursachen das der gwaltsbrief und stimm, so der bischoff von Bomberg uff den von Honstein gesetzt, ward zugelaszen und gut erkant. aber der gwalt des bischoffs von Utrich und des von Brandis ward als unformlich aberkhant und nit zugelaszen. S. Brant von Hoensteins waal 249, vgl. narrenschiff 200 Zarncke; gewaltsbrieff güter zuverkouffen und zevertigen. F. Riedrer rhethorichscher spiegel 177b; item sust ieder cleger der selbs personlich nit erschinen

[Bd. 6, Sp. 5097]


mag in mindern treffenlichen sachen, bestimpt im gewaltzbrieff bi sinem eid, libs kranckheit, herrennot ... dadurch er nit wol und frie selbs komen mag. 170b. ebenso 170a. 173b u. a.; von gewalts brieffen. Tengler laienspiegel (1511) 9a; gewaltsbrieff von eim fürsten oder oberkeit, diploma. Dasypodius 340b; von gewaltsbriefen. warnemung das in nachberürten gewaltsbriefen not ist, das der gewaltgeber behalt bei seinem eid bestimmende eehaft not, so ine irret, das er selbs nit kommen müg. Hug rhetorica u. formulare teutsch 116a; gewaltsbrieff, diploma ... da einer von eim fürsten erlangt zewalten und zeschalten dasz das selbig sölle den krafft haben, potestas codicillaris. Maaler 178b; diploma, ein gewaltsbrieff, freiendsbrieff, sunderlich ein bull, oder offner versigleter brieff eines fursten oder oberkeit. Frisius 421a; gewaltsbrieff von eim fürsten oder oberkeit, procuration, diplome, lettres patentes d'un prince. Hulsius (1596) G 2a (in der ausgabe von 1614 gewaltbrief); da Paulus auszzohe mit gewaltsbrieffen gen Damascon, die christen gefenglich einzuziehen, und umbbringen zu lassen. Gretter erklärung der ep. Pauli an die Römer 484; diploma, freiheitbrieff oder gewaltsbrieff, so von fürsten auffgeben oder versiglet werden. Ambrosius Calepinus 443b; gewaltsbrieff, diploma, literae publicae, signo regio munitae et sanctae, autoritates. Henisch 1592; gewaltsbrief, diploma. Gürtler 2, 74a. ebenso Spieser 151. Aler 934b. Bayer 290. Weismann 157. nouveau dict. du voyag. 145a (lettres patentes). Veneroni 75a; gewaltsbrief (der), die gewalt, die vollmacht, a letter of attorney, a warrant, an authentic power. teutsch-engl. wb. (1716) 768; gewaltsbrief, diploma, mandatum. Kirsch 180; gewaltsbot ist procurator, welcher eine vollmacht hat, die man den gewaltsbriff nennet. Estor 3, 1314; gewaltsbrief, mandatum procuratoris. Haltaus 697; des geleichn wider den klager oder sein gewaltshaber oder den gewaltsprief das ist procuratorium oder mandatum. erklärung der ordnung im liber judiciarius bei Senckenberg corp. juris germ. 2, 1, 151.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gewaltdrohung, f.: bei Karl von Zweibrücken ... suchte Karl Theodor sich zu entschuldigen mit seiner hilf- und ratlosigkeit gegenüber den österreichischen gewaltdrohungen. Prutz preusz. geschichte 3, 182.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Die Suchanfrage lieferte keinen Treffer.