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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewalt bis gewaltbote (Bd. 6, Sp. 5094 bis 5095)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewalt, adj., nur in wenigen mittelhochdeutschen denkmälern belegt, die die adjectivierung als vereinzelte acte secundärer entwicklung erscheinen lassen, vgl. mhd. wb. 3, 474a:

dir inbôt din sun Joseph,er ne ware noch tôt nieht.
er ist uber al Egiptelantein fiztm gwalt:
geweltichlichen er phlegetal das ter chunich habet. Wiener handschr. der genesis (fundgruben 2, 71, 20), anders die Milstätter handschr., s. Diemer 100, 21;

min meister ist gewalt in dem himele,
er waenet im muge niht sin widere. Milstätter handschr. der genesis (Diemer 1, 22) in der Wiener handschr. gewaltich, vgl.
Bech Germania 8, 467;

ich bin es sprach er gotes sun
und aller dinge wol gewalt
min craft ist manichvalt. passional 168, 21 Hahn;

dem (dem könig) hât einen sun verseit
vrou natûre, und daʒ waʒ im leit;
wan zwô töhter, die er lieʒ,
die er des landes pflegen hieʒ
mit liuten und mit guote ...
nu was diu ein elter
des wolt sie sîn gewelter.
Heinrich v. d. Türlin krone 7923 Scholl;

do sich ir leben hin getruc
uf ein heilic alder
unde si ie gewalder
von tage zu tage an ir wart. passional 337, 28 Köpke.

die von Lexer angeführten formen geweldiste, allergeweldiste (barmherziste inde gerehtiste. die rede von d. 15 graden, s. Germania 6, 148) sind besser als gewaltig zu erklären, s. d. aus dieser vereinzelten adjectivischen verwendung will Lexer (1, 972) auch die personificierung des substantivs (der gewalt, die amtsperson, die obrigkeit vgl. oben sp. 4937) erklären. nach allem, was wir oben im zusammenhange beigebracht haben, darf dieser versuch ebenso abgelehnt werden wie die (sp. 4965) abgewiesene erklärung aus anwalt.
 
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gewaltact, m., vgl. DWB gewalt, violentia: es (Preuszen) kann, so lange die legitimen herren nicht durch einsetzung eines neuen entfernt sind, wahlen nur als gewaltact ausschreiben. Freytag an Treitschke (7. juli 1866), briefwechsel 105.
 
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gewaltanspannung, f., vgl. DWB gewalt, vis: er gewinnt durch sprünge den kraft-überschusz zu den schritten und tänzen ... weil eben die mehrkraft im hinterhalte gleichsam das schwungbret für den tanz der grazie unterlegt; und Horaz verdankte der gewaltanspannung für seine oden gewisz die vorschule für den spielzauber seiner sermonen und seines lehrgedichts. Jean Paul grönländische prozesse, vorrede 10.
 
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gewaltanwendung, f., neuerdings beliebt, vgl. DWB gewalt, violentia s. sp. 5084.
 
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gewaltausübend, participiales adjectiv, vgl. DWB gewalt, potestas s. sp. 5087:

[Bd. 6, Sp. 5095]


eine goldene schale nunmehr mit eigenen händen
füllt' ich des heiligen tranks,und rings nach der reihe vertheilt
ich,
tränkend jeglichen mann der gewaltausübenden herrscher.
Voss Hesiod 266 (Orpheus der Argonaut 328).


 
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gewaltausübung, f., verbalsubstantiv; bei Lavater ist diese bildung im gegensatz zu den sonstigen beobachtungen an gewalt ausüben mit dem begriff der violentia belegt: ich sehe allenthalben herrschsucht, anmaszung, gewaltausübung, die in grosze verlegenheit kommen würden, wenn man fragte: woher? J. K. Lavater handbibliothek 1, 154.
 
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gewaltbar, adj., vgl. DWB gewalt, violentia: da ein kaiser seiner autorität ordentlich und nicht gewaltbar gebrauchet. Hortleder de bello German. bei Hipp. a Lapide 143; gewaltbare eindringung. Schottelius 325a.
 
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gewaltbarlich, adverbialform zum vorigen: gewaltperlich in den Überlinger acten des 16. jahrh., s. Diefenbach-Wülcker 619.
 
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gewaltbete, f., vgl. DWB gewalt, potestas, imperium: sie sprochen und teilten auch in vorgeschriebener wise uff ire eide, were zu Derdingen sehsze oder wonent ein monden an noch volgenden herren, der sol swern der obgenanten herrschaft, iren schaden z warn, ire bestez zu werben und alle ding mit der gemeinde zu tragen und z liden, uszgenommen die gewaltbede, ez wer' dann, daz er gut hette, die der herschaft vore bede geben hetten. weisthum von Derdingen 1410 bei Mone 12, 267, vgl. auch Grimm weisthümer 6, 23; nemlich also das nu hinfur zcu ewigen gezeiten dieselbigen libseigen leute und irer iglicher insunderheit der obgnanten herschafft von Ryneck kein gwaltbete zcu geben schuldig adir pflichtig sin sullen, ... dan allein jerlichs ein vastnacht hun und zcwene wispfennige. die grafen von Rieneck erlassen ihren leibeigenen abgaben (1479), s. Guden codex diplomaticus 5, 459.
 
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gewaltbildung, f. als gegensatz zu einem organisch entwickelten gebilde: die römische kunstsprache ... wurzelte fest im teutschen boden und kopfe ... tasten wir jene worte nicht an, welche aus jener zeit der armuth und gewaltbildung, als willkommene fremdlinge ... ihr bürgerrecht verjahrten. Schwarzot ein teutsches wort gegen d. unteutschen kunstausdrücke s. Schlegels deutsches museum 3, 114 (1813). vgl. gewaltgebild.
 
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gewaltbote, gewaltsbote, m. , vgl. DWB gewalt, potestas, vollmacht. das compositum hat die (sp. 4913) erwähnte ältere bildung waltpoto, procurator (vgl.waltpote mhd. wb. 1, 184a. Lexer 3, 658) unter dem einflusz der weit ausgreifenden verwendung der form gewalt verdrängt. in den mundarten, die gewalt als masc. brauchen, ist dieses substantiv hier, wie in anderen ähnlichen zusammensetzungen, als objectiver genetiv gekennzeichnet (gewaltsbote), während das femininum anderer mundarten der kennzeichnung zunächst entbehrt. später verschieben sich diese grenzlinien je nach dem litterarischen übergewicht der einen oder anderen form und je nach deren widerstandskraft gegen die allgemeine ausbreitung des compositionszeichens.
1) gheweldbode, legatus. Kilian K 4b; als alle vorstellungen vergeblich schienen, ritten die gewaltboten hinauf ins land. J. v. Müller gesch. d. Schweiz 4, 76; in Deutschland tritt der missus comitis unter deutschem namen als der gewaltbote des grafen auf. Sohm die altdeutsche reichs- und gerichtsverfassung 1, 519.
2) gewaltsbotten (die) gesandte botten, foederum, pacis, belli, induciarum oratores. Maaler 178b, genau so Frisius 932b; gewaltsbott, machtbott, gesanter, legatus, orator, ... qui cum mandatis aliquo mittitur. Henisch 1592; gewaltsbotten, foederum, pacis, belli, induciarum oratores. Spieser 151; ebenso Aler 934b; gewaltsbot, legatus. N. Gürtler 2, 74; gewaltsbot, un ambassadeur, legatus. nouveau dictionaire du voyageur 145; unser vicedom und gewaltsbott in unserer stadt Mayntz sollen samt und sonders dahin sehen, damit die ergangene feuer-ordnung beobachtet .. werden. Mainzer landrecht (1755) 65: gewaltsbot, m. un ambassadeur, legatus, un ambasciatore. Veneroni 75; gewaltsbot, procurator mandato instructus et suffultus. Haltaus 697. vgl. Estor 3, 1314.
3) in einzelnen wörterbüchern wird anlehnung an den begriff der violentia gesucht: gewaltsbott, gewaltiger, magister, praefectus, judex violentiarum, vindiciarum. Aler 933a; gewaltsbott, vorgesetzter über gewaltthätigkeiten, violentiarum praefectus. Bayer 290a.

 

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