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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewäldnis bis gewallen (Bd. 6, Sp. 4909 bis 4910)
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[Bd. 6, Sp. 4909]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewäldnis, f.: wer mocht nu erzelen die wunderlich grosse des gebuwes, besunderlich der einen burge, so der einick, der auch der koniglich sale heist ... das der sale nit allein ein iglichen mechtigen konig entpfangen, sunder ime auch freud und wollust machen mocht. dan furwar, wo man sich hin kert, so ist der gesicht daraus geoffenbart wonsam und lustig geweldnus. Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs I., von der Pfalz, quellen u. erörterungen z. bair. u. deutsch. geschichte 2, 8; wie Reinold nun also auf der reise ware, kam er in eine gewäldtnusz, da begegnet ihme ein eremit oder einsidel, der hatte in 15 jahren keinen menschen gesehen. Haimonskinder 175 Pfaff.
 
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gewaldrecht, n. , häufiger waldrecht. in unserer form angezogen bei Chomel 4, 1040. Adelung 2, 646. Weidenbach 436b (1025b waldrecht het boschrecht). das substantiv ist in doppelter verwendung belegt:
1) waldrecht heisset die in denen wald- und forst-ordnungen gemeiniglich enthaltene verordnung, dasz bei abräumung des holtzes auf jedem morgen oder acker waldes eine gewisse anzahl junger stämme gelassen werden sollen, welche man lasz-reiser, und in Ober - Deutschland bannraitel nennet. Chomel 4, 2242.
2) waldrecht, ein, so viel man bis jetzt weisz, nur in Hessen vorkommendes rechtsverhältnisz des landbauers zu dem obereigenthümer des grundstückes ... bezog sich ursprünglich auf rottländereien .. das wesen des waldrechts, wodurch sich dasselbe von jeder andern location, namentlich auch von der landsidelleihe älterer zeit auf das bestimmteste unterschied, war die erbliche verleihung des grundstücks. Vilmar 436 ff. auch hier, wie bei gewälde, war durch verschiebung der ursprünglichen verhältnisse die anknüpfung an wald im sprachgefühl verloren gegangen. Estor (teutsche rechtsgelahrtheit 1 § 1971) leitete das wort von walten, dominari, administrare ab. Vilmar (a. a. o.) stellte die ableitung von wald durch lateinische urkunden sicher (jus sylvaticum 1233, jus sylvestre 1258); zum part. praet. gewaldrecht vgl. das folgende wort.
 
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gewaldrechten, verbum, vgl. DWB bewaldrechten, theil 1, sp. 1765: gewaldrechten, das nutzholz im walde aus dem gröbsten herausarbeiten unter rücksichtnahme auf die künftigen zwecke, theils zur besseren conservirung, theils zur erleichterten abfuhr. s. DWB bewaldrechten. Thiel landw. konv. lex. 4, 420; gewaldrecht, heisset, wenn ein gefällter baumstamm noch im holtze oder wald beschlagen, das ist aus dem gröbsten vierkantig oder ins gevierte gehauen wird. allgemeines ökon. lexikon (Leipzig 1731) 827; ebenso Egger kriegslexikon (1757) 1048. die anlehnung die Grimm a. a. o. an das substantiv waldrecht sucht (gleichsam zu bewährung des waldrechts) wird besser durch die ableitung von einem adjectiv (waldrecht machen) ersetzt.
 
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gewalg, n., verbalsubstantiv zu walgen, s. d.: walgerer, walgerig, gewalg. Kehrein volkssprache und volkssitte in Nassau 1, 437.
 
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gewälger, n., verbalsubstantiv zu walgern, s. d.: wälgerer, m., gewälger, n. Schmidt Westerwäldisches idiotikon (1800) 320.
 
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gewalgert, participiales adjectiv zu walgern s. d.: gewalgert, manu volutatus. Kirsch cornucop. (1764) 179b.
 
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gewäling, s. gewälmig.
 
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gewalke, n., verbalsubstantiv zu walken s. d., aufgeführt bei Campe 2, 357; die ältere sprache kannte eine verstärkte form gewalc, gewalk zu walc (das durchbläuen, gefecht, mhd. wb. 3, 469b):

ouch sant er mit im, als ich las,
vîrzic brûdre ûzirwelt
unde manchin rischin helt
zu strîtis gewalke.
Nikolaus v. Jeroschin 5675.


 
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gewalkt , participiales adjectiv zu walken s. d.: gewalkt. Chomel 4, 1040; gewalkt, coactus. Kirsch 179.
1) gewalcht tuch .. gevolt laken. Kramer nieder-hochdeutsch. wb. (1719) 2, 96c; gewalckte tücher, coacta, coactilia. Aler (1727) 932b; in deinem neu gewalkten rock. Wieland 34, 316 (Leipzig 1855).
2) gewalchte strümpfe .. gevolte koussen. Kramer (1719) 2, 96; gewalkt, foulé, des bas. nouveau dictionnaire (Straszburg 1762) 338; gewalkte strümpfe. Nemnich 1, 354.
3)

hier, auf gewalkten lumpen, soll ich
mit einer spule von der gans
hinkritzeln ernsthaft halb, halb drollig,
versificierten firlefanz.
Heine (in Mathildens stammbuch) romancero.

[Bd. 6, Sp. 4910]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewäll, n. , nebenform zu gewell (s. d.), gewöll. in ihr sind die beiden bedeutungen belegt, die für gewell zu beobachten sind, die von fluctus, tempestas sowohl als die von vomitus. vgl. Schmeller 22, 887. Lexer 1, 982.
1) gewäll, fluctus. Maaler 178a; schiffleut die im gewäll daher farend, nautae fluctivagi. ebenda; so der see winterszeit klein ist, sieht man noch alte fundament allerlei gebeuwen, die etwan alda gestanden und aber von dem gewäll des ungestümmen wassers an sich zogen, auszgeflötzt, überschwemmt und ertrenkt ist. Stumpf 2, 546.
2)

die husfrow Loth
aber do sie nit hielt das gbott
und wider umb sach hinder sich
bleib sie do stan gantz wunderlich,
ein narr loufft widr z sinr schäll
glich wie ein hundt z sim gewäll.
Sebastian Brant narrenschiff 82, 34 Zarncke.

vgl. der bi der stägen leidt gewell
oder msz das von jm purgieren. 81, 44.


 
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gewallen, verbum , verstärktes wallen (s. d.). hier müssen verbalformen in betracht gezogen werden, die auf zwei verschiedenartige stämme zurückführen. die einen gehören dem starken verbum wallen = aufwallen an (vgl. althd. wallan. Graff 1, 797) und leiten von da zum compositum über. in den andern liegt das verstärkte schwache verbum wallen = wandern vor, vgl. althd. wallôn. 1, 799.
1)

nu han ich ie gehört
von der alten lewt wort,
daʒ der paum von einem slage nie viel
noch der hafen nie gewiel.
er küm dan vor zue dem fewr. der minnen klefferer; erzählungen aus altd. handschriften 129 Keller (bibl. d. lit. vereins);

sô sol er nimer brôtes ezen, wan sô lanch sô eines huones lit ist, und alles andern ezens als vil als des brôtes, unde trinch gewalnes wînes, niht ein michel trinchen. arzneibücher aus dem 12. und 13. jahrh. 2, 16a, Wiener s. b. 42, 154; und trinch gewallen wîn ein wênigez trinchen ebenda. anfang 3, 4; ez ist unmugelich daz nu nicht ergerunge zu gefallen, we dem, von dem sie uz gewallen. mitteldeutsche evangelienübersetzung von St. Paul, vgl. Schönbach Wiener s. b. 137, 5, 109. Lucas 17, 1 (ut non veniant scandala; es ist unmuglich daz betrubsal nichten kumen. cod. Tepl. ebenso Luther).
2)

wer andriu dinc ze schaffen hât
oder vil gewallet oder gevert,
dem wirt diu minne wol erwert
von zweierhande sachen.
Heinzelein v. Konstanz von dem ritter und von dem pfaffen 243 Pfeiffer;

und auch gefangen hin gewallent (et captivi ducentur). mitteldeutsche evangelienübersetzung (Schönbach). Lucas 21, 24 (und werdent gefurt gefangen fur alle die leut. codex Tepl. ebenso Luther).

 

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