Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zugieszen bis zugknecht (Bd. 32, Sp. 427 bis 429)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zugieszen, v. , affundo Frisius 61a; suffundo 1264b.
1) hinzugieszen:

wollen wol leben in dem sausz!
da wöll wir malmasier zugiessen
H. Sachs 9, 32 K.;

der männer löschen und zugieszen
mit wasser, wenig wolt erschieszen
Spreng Äneis 99b;

[Bd. 32, Sp. 428]


die andern brachten eimer kalten, der gesell einen topf heiszen wassers, um durch zugieszen das gefrieren zu verhindern O. Ludwig 1, 366. besonders bei der herstellung von arzneien, speisen, getränken: will es zu dick werden, so geusz noch ein wenig geiszmilch zu Gäbelkover arzneib. 2, 91; dasz wir dann aus verzweiflung desto mehr rum zugieszen Heine 3, 246 E. um schwindendes zu ersetzen, starkes zu verdünnen: öl auf oder zugieszen Kramer 2, 158a; wenn man nit öl zügeust, so verlischt das liecht Petri 2, d dd 1b; die saufen unterwegs aus den krügen und flaschen und gieszen wasser zu H. Laube 15, 512;

dann betrachtet sie oft des schäumenden mostes bewegung,
gieszt das fehlende zu
Göthe 1, 302 W.;

und wan die pawrn wurden trunckhen,
das si in dy winckel sunckhen.
do gos ich dem wein wasser zue altd. passionssp. aus Tirol 273 Wackernell.

refl.: Ulan-Muren, der ... sich in dem zweiten knie des Hoang-ho ... diesem hauptstrome zugieszt Ritter erdk. 2, 154. übertragen: dich, dessen feuer ich täglich von meinem phlegma zugieszen muszte O. Ludwig 3, 701.
2) verstärkend: mit wasser oben lassen zugieszen, dasz solches auff die so stürmen laufft (vertheidigung bei groszer kälte) D. Speckle archit. von vestungen (1589) 49b.
3) in eine form gieszen: stücke ... von zugegossenem silber wie ziegelstein (silber in barren) Grimmelshausen 2, 639 Keller.
4) durch gieszen verschlieszen: das zugieszen der ecken von fensterblei mit zinn Schönermark-Stüber hochbaulex. 781. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugieszung, f.: dero ... eyfer in mildreicher, freygebiger, continuirlicher zugieszung des öhls Dannhawer cat.-milch 5, dedicatio ):( ):( 4a; dasz durch zugieszung eines .. saftes zum andern .. gährung entstehen könne F. H. Jacobi 6, 188.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugift, f. , veraltet: zugift musz heiszen zugabe Heynatz 2, 675.
1) mitgift: Harsdörfer poet. trichter 3, 261; Zedler universallex. 63, 1232. 2) zugabe beim kauf, togifft auxula Diefenbach n. gl. 45a, anscheinend in Preuszen am längsten bewahrt J. G. Bock id. pruss. 85; Hennig preusz. wb. 313. übertragen: und Stein darauf: 'auch das, und ich gebe ihnen ihren mann als zugift noch obenein' E. M. Arndt wand. und wandl. (1869) 162. in scholastischer spr.: premium accidentale zuvallende lon, sunderliche czugift A. Bernt beitr. zu ma. vocabularien 18b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugig, adj., ein ort an dem, oder eine öffnung durch die 'es zieht', vgl. DWB zug II 9 d. nicht bei Adelung und Campe, belege erst im 19. jh.: mitten in diesen zugigen corridoren Gutzkow 7, 191; in diesen zugigen säulenhallen ... muszt du .. dich verkälten! Fr. Th. Vischer auch einer 1, 11; die offenen thüren und zugigen fenster erinnern mich immer an Italien Moltke 6, 355. mundartlich dafür auch zügig Stalder 481.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zügig, adj. , ein früher auf gewerbliche sprache beschränktes wort, das sich jetzt freier und wirksam entwickelt.
1) stoffe, die sich ziehen lassen, 'geschmeidig' Kramer 2, 1452b; trahax Dasypodius 248b; 467b; ductilis Calepinus xi ling. (1598) 453b, gegenth. spieszig, s. th. 10, 1, 2468, oder unzügig: ains (ein wickel wolle) lässt sich schon spinnen, dann es ist zügig und tüglich z scharlach. das ander wickel ist unzügig, daraus nichts anders werden mag dann grob lodentech Berthold v. Chiemsee 204; wachsstöcke ..., weil sie in der kälte zügig bleiben allgem. haushaltungslex. 3, 630; wie gold zügig ist, sich gern arbeiten lest J. Zader der braut ehrenkron (1610) 209; welcher (künstler) neben andern vielen trefflichen künsten auch das glasz zügig und unzerbrechlich kunte machen P. Kentz güldener handwercksboden (1629) 95; zügig, das sich sittlich ausz einanderen laszt ziehen, sequax, als ein hendschchläder Maaler 524b; ihre (der elenthiere) häute sind

[Bd. 32, Sp. 429]


nicht so spissig, ob sie schon nasz werden, als die ochsen- und büffelhäute, sondern bleiben fein zügig und gelind Hohberg georg. cur. 2, 624b; behufs des stollens werden die trockenen häute .. angefeuchtet, zügig gemacht Muspratt chemie 3, 1308; zügig brodt nieuwbakken, versch brood Kramer-Moerbeek 438c. auf menschen übertragen: moderabilis zügig, leychtlich ze meistern, züchtig Frisius 829b; sequax völgig .., zügig, gehorsam 1203b; anstatt der widerspenstigkeit tugenthafft und zügig L. Jud Titus 202a. nicht mehr üblich.
2) von dem was stark zieht: dann es seind etliche pferd, die zum hitzigsten und grosser empfindlichkeit, auch zigig, oder von andren ubel geritten, wann man inen den trab gibt, so legen sie sich ins bisz und ziehen davon H. F. Hörwart v. Hohenburg ritterl. kunst d. reiterei (1581) 34a; zügig (ein provincialwort) von pferden ochsen dressé au joug Schrader d.-frz. wb. 2, 1691; das pflaster zeucht stark, ist sehr zügig Kramer hoch- u. niederd. dict. 1, 400c.
3) mundartlich geht es in die bedeutung 'elastisch' über Crecelius 938; L. v. Hörmann Tiroler volksleben 152 (von peitschenstöcken).
4) neuerdings vom leichten zug der feder oder des pinsels, s. DWB zug I B 11 a: er hat nichts freies und zügiges in seiner hand (handschrift) J. Wassermann C. Hauser 347; wie folgt der pinsel zügig den streifen des eises! W. Weisbach impressionismus 154; die schärfe des ellenbogens, der zügige strich des unterarms ..., jede linie geladen mit energie, das ist Botticelli H. Wölfflin grundbegriffe 2.
5) eigenthümlich und lebensfähig ist folgende anwendung: dieses sommerfrischleben ... verleiht ... dem lande Tirol in der warmen jahreszeit einen eigenthümlichen zügigen, nomadischen charakter L. Steub drei sommer in Tirol 2, 307.
6) in der Schweiz neuerdings wie 'zugkräftig', 'eindruck machend': der name des zügigen referenten Schweizer bauer 29. 5. 1918 (C. A. Götze neue jahrb. f. d. klass. altert. 41 [1918], 413). ähnlich in der bedeutung 'kräftig': in Taxenbach .. lieszen wir uns .. die mühe eines halbstündigen zügigen ganges auf eine anhöhe nicht verdrieszen J. Nordmann meine sonntage 54. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zügigkeit, f., dolcezza, arrendevolezza Kramer 2, 1452b. erziehbarkeit: darumb würcht hierin heiliger geist, der begnadt und bewegt z ordenlicher lieb ainen züchtigen menschen der sich ziehen und wol ordnen lässt. welhe gnad und bewegung heiligs geistes verloren an unzügigen lewtten. dergestalt stet solhe leidliche zügighait in freyem willen Berthold v. Chiemsee 321.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugirren, v., zärtlich zuflüstern:

und wie soll ich dich (Maria) nennen? ...
turteltaube, die unserm erdenjammer
tröstungen zugirrt?
Herder 27, 265 S. (aus J. Baldes ged., nachlese);

wenn sie dann kam, ... girrte er ihr ... durch dieses kleine loch die heiszesten schwüre und liebesbeteuerungen zu H. Seidel Leberecht Hühnchen 111.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugkarre, f., dasselbe wie schnapp- oder schneppkarre, zweirädriger karren zur fortschaffung von erde u. schutt, der hinten niedergekippt wird Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 57; Fäsch kriegsingenieurlex. 273b; Zedler universallex. 63, 1232 (vgl. 35, 574). —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugkette, f., in verschiedener verwendung, z. b. am pflug, zur verbindung von vorder- und hintergestell Jacobsson 8, 284a; Thär rat. landwirthsch. 3, 27, an der kuppelung der eisenbahnwagen Hoyer-Kreuter 1, 875, am krahn Karmarsch-Heeren 43, 299, an lafetten:

auf heiszen zugketten
rösten wir das kriegsbrot,
wir hocken rundherum im kot
hinter den lafetten
Börries v. Münchhausen die standarte 51.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugklappe, f., z. b. an einer zugbrücke Mothes 4, 524. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugknecht, m., kn. auf treckschuten C. A.

[Bd. 32, Sp. 430]


Böttiger kl. schr. 2, 208, auf preuszischen fluszschiffen hdwb. d. staatswiss. 22, 889. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: