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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zugestatten bis zugewicht (Bd. 32, Sp. 422 bis 425)
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[Bd. 32, Sp. 422]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zugestatten, v., verdeutlicht und verstärkt gestatten, 'gewähren, zugestehen', s. th. 4, 1, 4204: die bürger zu Gripszwald schendeten iren eignen bischoff von Cammin auff dem kirchhofe, das kam zu von den ablasbriefen, die der bischoff einem legaten zugestatete M. Dreszer sächs. chron. (1596) 473; denn diesen (schweren verbrechern) kein begräbnis zugestatten, sie viertheilen ... u. s. f. wird dem groszen haufen fast eben so erschrecklich vorkommen, als was man den lebenden leiden läszt Bode Montaigne 3, 244. eigenthümlich, ohne anlehnung an gestatten, zufügen, vgl. DWB zugestehen 1: Hugen dem groszen, der ihm so viel leids zugestattet und noch täglichen schaden zufüget H. Falckner frz. chr. (1572) 1, 203.
 
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zugestehen, v. , mhd. nur in der bed. 'zur seite stehen' Lexer 3, 1182; Hiob 6282 Karsten.
1) zustoszen, zu theil werden: so mügen wir bas erzelen, was ir von groszem gelück zgestanden ist Stainhöwel de clar. mulier. 33 lit. ver.; wie solt weibern solch natürliche geschicklichkeit, dem man zu dienen, ... umbsonst zugestanden sein? Fischart geschichtklitt. 96 neudr.; so habe ich mich doch der zugestandenen kranckheit halber entschuldiget H. v. Schweinichen 544 Öst. veraltet.
2) nur in der älteren sprache erscheint zugestehen wie gestehen in den im gerichtsleben üblichen anwendungen, s. th. 4 1, 4214ff.: usus et authoritas brauch und eigenschaft eines gts eim zgestanden und übergäben vom rächten wären deszselbigen Frisius 149a.
3) dagegen gilt es jetzt in den allgemeinen bedeutungen von gestehen, die sich aus den gerichtlichen entwickelt haben. es tritt so auf seit ende des 17. jhs.
a) einräumen, was ein anderer verlangt, wünscht, bedarf: und sich verwundern, dasz dem käufer um einen so schlechten preisz ein solcher hoher werth zugestanden wäre Grimmelshausen Joseph (1671) 48; der wagen ist schon so besetzt, dasz mir ... nur ein plätzchen auf dem bock zugestanden wird Heinse 10, 20 Schüddekopf; du willst gewisz, dasz ich das, was ich dem ehemann versagte, dem liebhaber zugestehen soll Göthe 20, 16 W.; die fürsten wollten ihm keinen freien abzug zugestehen Ranke 2, 81; die zeitung bedarf ihre eigene redeweise; wir gestehen ihr das zu F. Kürnberger lit. herzenssachen 24. stehend: einem ein recht zugestehen. oft ist es nur eine gedachte einräumung, dasz einem etwas zukommt, was sich mit b berührt: weil nun hertzog Jubil der unvergleichlichen fürstin Leitholde die güte der schönheit .. zugesteht Lohenstein Arminius 2, 154b; die wenigen tugenden, die man ihm bisher noch zugestanden O. Ludwig 2, 66; jenen anmuthigen creaturen, denen der verfasser kaum ein ganzes menschenthum zugesteht Storm 1, 256; einem einen preis, rang, vorzug, ruhm, ein verdienst zugestehen u. ä.
b) einräumen, dasz etwas wahr ist, zutrifft oder da ist: so müssen auch einige höhere metaphorae zugestanden werden Morhof unterr. v. d. d. spr. 1, 670; inzwischen wird mir ein jedweder zugestehen, dasz diese art festungen den andern ... vorzuziehen Fleming vollk. t. soldat 391; ich habe gezweifelt, ob man dem herrn Cramer ein poetisches genie zugestehen könne br. d. neueste lit. betr. 6, 297; kritiker, denen wir sachkenntnisz keineswegs absprechen, oft ihre prämissen zugestehen und dennoch andere folgerungen daraus ziehen Göthe 41, 1, 431 W.; aber das musz ich dir zugestehen; geschmack hast du O. Ludwig 1, 155; das bulletin .., das die vernichtung des heeres zugesteht Fontane I 1, 35.
c) eingestehen: hast du nicht unsrer schönen wirthin zugestanden, es geschähe nur um deinetwillen, dasz du ihr gewisse dinge zu gefallen thust? Klinger 6, 223; das meiste von dem, was ihr zum vorwurf gemacht wurde, gestand sie ... zu Ranke 14, 303.
d) das ptc. perf. oft in diesen bedeutungen als adj. oder subst.: 'kein staatsbankerutt, weder zugestanden

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noch verdeckt, keine neuen steuern, keine anleihen' Dahlmann g. d. frz. rev. 31; den logisch nothwendigen zusammenhang zwischen dem geleugneten und dem zugestandenen Schopenhauer 1, 112 Gr.
e) formelhaft zugestanden! als bejahende antwort Kotzebue 2, 76; Fontane I 4, 261, u. in satzeinleitungen wie: selbst die richtigkeit der vergleichung zugestanden, behielten wir noch den vorzug A. W. Schlegel Athenäum 1, 13; denn auch angenommen, wiewohl nicht zugestanden, die erkenntnisz .. entspringe .. aus einem imperativ Schopenhauer 1, 662 Gr. zugestandenermaszen allg. d. bibl. 5, 2, 2, 50; Hegel 6, 266.
 
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zugestehung, f.: ehe selbst die mindsten anfänge nur zur anschauung, begrif und zugestehung des ideals von religion und pflicht ... gemacht werden konnten Herder 5, 519 S.; auf die kasse des grafen mit ihrem unterhalte angewiesen, hatten sie den überschwenglichsten gebrauch von dieser zugestehung gemacht Grillparzer 13, 204.
 
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zugethan, adj. , das ptc. perf. von zuthun hat sich auf besonderem wege zu einem adj. von eigenthümlicher bedeutung entwickelt.
1) in verwendung auf personen.
a) es bezeichnete ursprünglich ein äuszeres, durch recht und sitte bestimmtes verhältnis, und zwar der verwandtschaft: affinis beschwägert, ... zugethan und verwand Corvinus fons latinus 340; zugethan, verwandt conjunctus affinitate Dentzler 2, 367a. ständig gepaart verwandt und zugethan G. v. Berlichingen lebensbeschr. 72 Bieling; Fischart ehzuchtbüchl. 192 Hauffen; ehlich zugethon Spreng Äneis 50a; von Alberto hertzogen in Sachsen begehrte ein abenthewrer einen groschen wegen der freundschafft, mit welcher sie einander (von Adam her) zugethan waren Lehmann floril. 4, 31. oder der unterthänigkeit: dweil e. m. dem bapst mit eid oder bundesgenossenschaft zgethon ist J. Sleidanus reden 175 Böhmer; des ... hosenteuffels aus dem aller hindersten ort der hellen, geschworne und zugethane gesellen und hoffgesinde Musculus hosenteufel 20 neudr.; die freyen ..., die niemanden mit lehenspflicht zugethan M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 540.
b) es drückt zugleich die zu einem solchen verhältnis gehörige ergebenheit aus: die neu ehgetraute ... wird mit der weil seine gefolgige zugethane gehülfin Fischart ehzuchtb. 128 Hauffen; indem der pfalzgraf und herzog von Bayern ... noch zu sehr seinem jungen vetter Konrad zugethan war M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 3, 73;

so treu und warm, wie heute dem infanten,
auch dermaleins dem könig zugethan?
Schiller 5, 1, 62 G. (Dom Carlos, 1. fassung I 9);

der gemeine freie, der dem könig oder einem seiner vasallen nicht mit besonderer treue zugethan war, sollte eigentlich nur zur landwehr ... aufgeboten werden Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch. 13, 393.
c) im kanzleistil erscheint es in formeln der ergebenheit und gnade Campe: seines etc. herrn mit unveränderter treue zugethaner N. N. Harsdörfer t. secretarius 2, 27; Marie, der glorwürdigsten königin des reichs der himmel ... überreichet aus schuldiger pflicht ... diesen vierdten theil seiner hirtenlieder ... ihr ... mit ewiger liebe verbundener und zugethaner unwürdigster Johannes Angelus Angelus Silesius heil. seelenlust 180 ndr.; die ganz vorzügliche hochachtung ..., mit der ich ew. hochwohlgeboren schon längst zugethan bin Göthe IV 36, 260 W. von seiten des höherstehenden Campe: fromme junckern .. welche ... allen getrewen kirchendienern geneiget und mit allerley beförderung günstig zugethan weren B. Ringwaldt lauter wahrh. (1585) vorr. a 8a; zum beschlusz wünsche, dasz der geehrte leser ... mir mit seiner gunstgewogenheit beständigst zugethan bleiben möge Fr. Hahn einl. z. teutschen reichshist. 3, vorr. 21; bis dahin bleiben wir euch in gnaden zugethan Meisl theatr. quodlibet 2, 93.

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d) von da aus geht es in den allgemeinen gebrauch über und bezeichnet ein von dauernder gesinnung getragenes verhältnis zu einer person: diese kaiserin ihnen sonderlich gut und zugethan wäre A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 558; es dürften die römische ritter gefahr stehen, weil der richter des orts den juden sehr zugetahn seyn solte A. H. Bucholtz Herkuliscus (1665) 64; wem er einmal zugethan ist, dem bleibt ers ewig J. M. Miller briefw. dreier ac. freunde 1, 62; der kleine kellner, der uns sehr zugethan war Göthe 25, 175 W.; brüderlich z. Lohenstein Arminius 2, 40b; Lichtenberg briefe 1, 70; z. wie eine schwester O. Ludwig 1, 165; mit ganzer seele z. J. M. Miller briefw. 1, 12; mit treue z. Göthe 39, 328 W.; in treuen z. Storm 2, 252; von herzen z. Henrici ernst- und scherzh. ged. 1, 86; Bettine die Günderode 2, 220; herzlich z. W. v. Humboldt an Welcker 23. es ist ein wort der freundschaft und bezeichnet auch in der liebe zwischen mann u. weib das beständige mehr als das begehrende: das fräulein Wahngild ist ... keinem mit ... beständiger liebe zugethan Harsdörfer gesprechspiele 5, 259;

zuerst, mein süszes kind, musz ich dir sagen,
dasz ich mit liebe dir, unsäglich, ewig,
durch alle meine sinne zugethan
H. v. Kleist 2, 308 E. Schm.


2) auf andere verhältnisse übertragen, zeigt es dieselbe entwicklung von einem äuszerlich thatsächlichen zustand zu einer inneren beziehung.
a) es bezeichnet die zugehörigkeit einer sache zu einer person:

es dunckt mich schier nach deim verstandt,
dasz du auch etwas seist verwandt
der kunstreichen Minerva schon,
dern dann ein eul ist zugethon
Fischart Eulenspiegel 23 hauffen;

von der dem kriegsgotte zugethanen Clio Lohenstein Arminius 2, 494b. auch 'passend': dieses lexicon ... sey dem teutschen genio mehr zugethan als des Veneroni Castelli it.-t. wb.5 vorr. 2b. nicht mehr üblich.
b) seit der reformation wird es von der zugehörigkeit zu einem bekenntnis gebraucht, wie 1 a: die sammentliche herren, fürsten und stände, Augspurgischer confession zugethan acta publ. 1, 154 Palm; wodurch ihm dieser schwermer vorwerffen wolte, dasz er heimlich der catholischen religion zugethan wäre Chr. Warnecke poet. vers. 349; der neuen lehre zugethan Wackenroder herzensergiesz. 186. in weiterer anwendung: dieser ketzerey z. Gryphius Horribilicribrifax 58 ndr,; Franciscus und Francisci orden ... u. dieser regel zugethane geistliche Abr. a St. Clara mercks Wien 36; die partei, der er z. war Göthe 7, 96 W.
c) daneben oder allein drückt es das innere verhältnis der ergebenheit oder hinneigung aus: ob er gleich seiner religion eifrigst zugethan war Chr. Fr. D. Schubart leben u. gesinn. 1, 238;

da lebten wir kinder Lutheraner
von etwas predigt und gesang,
waren aber dem kling und klang
der katholiken nur zugethaner
Göthe 2, 211 W.

einer meinung zugethan sein, sie sich zu eigen machen: wir sind allerdings der meynung unsrer correspondenten zugethan, und beantworten diese frage mit ja vernünft. tadlerinnen 2, 177.
d) die innere theilnahme geht über in äuszeren antheil: dieser kunst zugethan M. Böhme roszarznei vorr. 3a; der bergkunst z. Ph. Bech Agricolas bergwerksbuch vorrede 2; ein lustiger und dem frauenzimmer zugethaner mensch Leipziger avanturieur 1, 91; sie waren weder so feindselig gegen die Türken, noch so nachsichtig gegen die klöster, oder der inquisition so zugethan wie er (Pius V.) es gewünscht hätte Ranke 37, 237; dem deutschen alterthum z. Scherer kl. schr. 1, 7. so auch von der hinneigung zum bösen: aller fleischlicher wollust z. B. Ringwaldt lauter wahrh. (1585) vorr. a 2b, dem geize Stieler geharnschte Ven. 147 ndr., der hexerei Prätorius glückstopf 23, den geheimen künsten Brentano 4, 289.

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3) als subst. früher für das äuszere verhältnis: gehorsame catholische zugethanen des h. römischen stuls Fischart bienenkorb (1588) 175a; es schweret der beklagte .. mit zwölf eydgesellen, das ist mit verwandten, schwägern oder zugethanen Nigrinus v. zäuberern 312; also kan es (das laster) auch zu hofe, und von desselben zugethanen, nicht gesondert werden Butschky Pathmos 111; gönner und zugethane des ordens Fr. L. Jahn 2, 549.
 
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zugevatter, m.: der hausvatter mit seinen zwei gevattern, dem ersten gevatter und dem zugevatter J. V. Neiner tändelmarkt (1734) 69.
 
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zugewächs, n.: derhalben alles was venerisch und unkeusch, das veraltet vil behender, dann der samen ist ein edles zugewächs, welcher, so er ausgelassen wird, den leib verdorret Guarinonius grewel d. verw. 1103. —
 
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zugewächslein, n.: ein zugewächszlin des wolrichenden timie epithymum W. H. Ryff confectbuch (1584) 191.
 
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zugewähr, f., ein schein, welchen auf bergwerken der verkäufer an den bergschreiber ausstellt, dasz er diesen oder jenen kux dem käufer zuschreiben soll Hübner-Rüder 4, 1036b. auch allgemein juristisch 'gewähr', 'gewährleistung' Zedler univ.-lex. 63, 1231.
 
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zugewähren, v., ein bergwerkeigenthum, einen kux beim übergang auf einen neuen besitzer auf dessen namen im bergwerkhypothekenbuch eintragen Veith 597; Schönberg berginform. 2, 72. dazu zugewährung, f.: zugewehrung thun (vom bergschreiber) Schönberg berginform. 1, 70; ab- oder zugewehrung eines oder mehr kuxe 24.
 
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zugewandt, adj.: zugewandte (verbündete) örter (in der Schweiz) J. Hübner 2527.
 
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zugewicht, n.: darum wir ihm (dem wagebalken) ein zugewicht im sinn anhencken wollen D. Mögling mechan. kunstkammer (1629) 25. das zugewogene, wie zugabe, aber weit weniger üblich Kramer 2, 1234a: zwei pfund zugewicht (beim käsehandel) J. Gotthelf 20, 248; durch welche (todesstrafen) man sich verbunden erachtet hat dem tode noch ein zugewicht von bitterkeit beizulegen I. Iselin träume e. menschenfreundes 2, 169. —

 

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