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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zügelhilfe bis zügelriemen (Bd. 32, Sp. 414 bis 417)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zügelhilfe, f., um die gangart zu verkürzen von Alten hdb. 4, 562.

[Bd. 32, Sp. 415]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zugelingen, v.: dieweil es schwerlich zuglenge die jenen in rechtem gehorsam zu erhalten, die ... gewohnt hetten, des müssigganges zu geleben H. Megiser ann. Carinthiae 274.
 
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zügelkalb, n., zuchtkalb Martiny 141. —
 
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zügelkette, f.: darunter eines (e. rosz) sampt aller rüstung, zaum, züglketten H. Lewenklau n. chron. türckischer nation (1590) 474.
 
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zügelleiter, m., grafen Stolberg 13, xx.
 
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zügellinie, f., zügelleine Fr. Bouterweck graf Donamar 3, 163.
 
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zügellos, adj. , tritt im 17. jh. auf im anschlusz an die übertragene verwendung von zügel.
1) in eigentlichem sinne erscheint es erst in poetischem stil des 18. jh.:

wie ein erhitztes rosz, von schwacher hand geführt,
......
drauf aus dem gleise setzt; die seitenstangen splittert;
gebisz- und zügellos durch sümpf und felder irrt
Schwabe belustigungen 3, 494;

wie tief in der feldschlacht
kriegrische rosse vor eisernen wagen sich zügellos heben
Klopstock Messias 4, 180;

nun rennen die vier Engländer (pferde) zügellos ... über eine brücke ohne geländer fürst Pückler briefw. u. tageb. 4, 263.
2) übertragen.
a) von der ungehemmten natürlichen kraft:

wie wann der Brennerberg sich zügellos gerissen,
die harten felsen kocht
S. v. Birken forts. d. Pegnitz-schäferei 9;

es ist (die liebe) ein irdisch hell,
darein der mensche schnell,
mit leib und seele gantz ziegellosz rennet
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 15;

gib
dich hin dem triebe, der dich zügellos
ergreift
Göthe 10, 21 W.;

man wollte alles versuchen, der in sich zügellosen bewegung eine allgemeine leitung zu geben Ranke 2, 142; zügelloses genie Ramler einl. in die sch. wissenschaften 2, 371; in den tagen des allgemeinsten aberglaubens und der zügellosesten schwärmerey Zimmermann über d. einsamkeit 1, 243; zügelloseste phantasterei Schopenhauer 4, 211 Gr.
b) frei von sittlicher hemmung, zuchtlos: zügelloses feuer und schlechte kameradschaft verdarben sein herz Schiller br. 1, 50; seine zügellosen begierden J. A. Cramer nord. aufseher 2, 46; Thümmel mittägl. prov. 9, 25; z. wollust Fr. Schlegel 5, 110, wildheit J. A. Ebert episteln (1789) 128; Schleiermacher II 4, 43, ausschweifungen G. Forster 4, 178, reden Mommsen röm. gesch. 4 5, 583; er sprach noch allerhand wild und unzüchtig von der gräfin und trug Friedrich einen zügellosen grusz an sie auf Eichendorf 2, 177; der kanzler brach in ein zügelloses gelächter aus C. F. Meyer versuchung des Pescara 3; während er sie an der hand hielt, erzählte sie ... von dem einzug eines zügellosen trosses polnischer edelleute in das schlosz G. Freytag 12, 264.
 
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zügellosigkeit, f., erscheint gegen ende des 18. jh.: empfindsamkeit ... schützt vor zügellosigkeit; allein was ist besser, zügellos oder weibisch? Hippel lebensläufe 3, 2, 174; das mit zügellosigkeit so leicht von ihm (dem pöbel) zu verwechselnde wort: freiheit! G. Forster 3, 145; es läszt sich sehr wohl sagen, dasz er an seiner zügellosigkeit zu grunde gegangen ist Göthe gespr. 5 (1890), 145; so hat bei stiergefechten auch das spanische volk einige zügellosigkeit frei Moltke 1, 214; und die geschlechter der fürsten (in Schlesien) ... schwankten zwischen slavischer zügellosigkeit und deutscher bedächtigkeit und unentschlossenheit G. Freytag 18, 174.
 
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zügeln, v.
I. zum subst. zügel in seiner übertragenen bedeutung gehörig, erscheint nicht vor der mitte des 18. jhs. in

[Bd. 32, Sp. 416]


früherer zeit giebt anstatt den zorn zügeln z. b. Frisius seinen zorn dämmen und gemeistern 582a. ganz für sich allein steht die glossierung: capistro zúglen, equorum est W. Brack e 6a, die kaum auf wirklichem sprachgebrauch beruhen wird.
1) auch auf pferde bezogen heiszt es 'im zaume halten' und ist ein ausgesprochen literarisches wort: wie man rosse zügelt und spornt Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 2, 62; dasz der gott so viel als möglich zurückgelehnt das rasch empor drängende gespann zügelte F. Welcker alte denkmäler 1, 76; die vier wilden pferde, die der diener .. kaum hatte zügeln können Viebig d. schlafende heer 1, 43;

wenn die ströme schweigend rollen
und der sturm die renner zügelt
graf v. Strachwitz ged. (1850) 7.


2) auf andere dinge, bes. auf menschliche verhältnisse bezogen:
a) beherrschen, in eine richtung lenken: einen engel .., der den von diesem ort her wehenden hauptwind zügelt und einhält, oder beherrscht Jung-Stilling 3, 150; er (Adelung) kann sich von der unglaublichen ansicht, die sprache zu zügeln, nicht losreiszen J. Grimm kl. schr. 8, 91; das volk, das er jahre lang gespornt oder gezügelt hatte H. Grimm Michelangelo 1, 187; da kam ich auf den gedanken, dasz ... ein tückischer geist alle meine seelenkräfte nach der dunkeln behausung richte und mich hinunter zügle Tieck 4, 208; eine natur, die man zu freundlicherem zügeln und zähmen kann Stifter 2, 183.
b) die freiheit der bewegung, des natürlichen triebes hemmen: den flug der einbildung zügeln Dusch krit. u. sat. schr. 248; die fantasie z. E. Th. Hoffmann 1, 39 Gr.; die ungeduld z. Göthe IV 35, 74 W.; preszfreiheit soll statt haben, aber gezügelt durch ein preszgesetz Dahlmann g. d. fr. rev. 300; zügle deine zunge, auch die wände haben ohren! Alexis hosen d. herrn v. Bre dow 1, 165; wilder wein und epheu waren von keiner menschenhand mehr gezügelt Seidel vorstadtgesch. 107. häufig sind wendungen wie nicht mehr zu zügeln u. ä.:

ganz recht! sie sind nicht mehr zu zügeln!
Göthe 15, 277 W. (Faust 10 768).


c) das maszlose, böse in zucht halten: den keine strafe schreckt und kein gewissen zügelt, halten jetzt die gesetze des anstandes und der ehre in schranken Schiller 9, 88 G.; Stein .. zügelte den löwen, dasz er nimmer herausguckte E. M. Arndt w. 1, 224;

und jeder selbst sich fühlt als recht und eigen,
statt sich zu zügeln, nur am andern zügelt
Göthe 3, 163 W.


II. zügeln in älteren ableitungen von ziehen.
1) zügeln 'umziehen', mundartlich und literarisch in der Schweiz Stalder 2, 480: im herbst zügelten wir mit sack und pack ins Dreyschlatt U. Bräker (1789) 1, 13; der meister hatte sich entschlossen, Uli selbst in seinen neuen platz zu führen; er solle mit dem zügeln nicht kosten haben J. Gotthelf 2, 143. dazu zügelten, f., umzug ebda 19, 33. auch 'etwas befördern': den winter über konnt' ich holz zügeln und baumwolle kämmen U. Bräker 1, 167.
2) 'wein in einem röhrchen aus dem fasse saugen' Stalder 2, 480. zügeli ist das zäpfchen oben am fasse.
3) allgemein südd. früher für 'vieh aufziehen, pflanzenziehen' Kramer 2, 1451a. der nördlichste beleg bei Mathesius Syrach 3, 57b, jetzt österr. und tirol. Lexer kärnt. wb. 267; Höfler 860a; Egger (tirol. weist.) 951b: gärten z bauwen, z pflantzen und z züglen Schaidenreiszer Od. 100a;

auch magstu darin (im garten) züglen feigen
H. Sachs 21, 169 G.,

schöne und gte junge follen ziglen Hörwart von Hohenburg kunst d. reiterei (1581) 8a; ich zügele den wald, dasz ich ihn schlagen kann Rosegger I 1, 51. in besonderem sinne etwas zu einer bestimmten form

[Bd. 32, Sp. 417]


ziehen: die höhe der hecken wird bald höher, bald niedriger gezügelt Hohberg georg. cur. 1, 339b; ainem mann ist unerlich daz er lang har zügl, und dem weib ist erlich, die lang har zügelt Berthold v. Chiemsee 120; sollen uns dann nit die controfey unserer vorelteren mit ihren groszen bärthen schamroth machen, weilen wir so gar die üppigkeit im barth ziglen ... wollen (indem wir ihn modisch zustutzen) Abr. a St. Clara Judas 1, 122; einer maschine, womit die hörner (der Egerländer rinder) gezügelt (in eine schöne form gebracht werden) Göthe II 8, 243 W.; sich einen balg ziglen 'beleibt machen' Schöpf 27. auch übertragen: (die wirthe sollen) ... zucht und erbarkeit unter denen dienstbotten nach möglichkeit züglen Abr. a St. Clara etwas für alle 1, 502. anlocken: eine schöne frau zügelt mir hausfreunde, wie der jagdfalke die vögel Bauernfeld 4, 7.
 
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zugeloben, v.: ich hab' dir zug'lobt, ich werd' dir treu dienen Anzengruber 6, 76.
 
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zügelriemen, m.: als aber der fuhrman die zügelrhiemen gefasset J. Barth weiberspiegel (1565) h 3b; indem wir die nicht sehr sauberen zügelriemen des oheims mit rotem seidenzeuge umnähten G. Keller 1, 363. —

 

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