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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zügebock bis zugehör (Bd. 32, Sp. 401 bis 406)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zügebock, m., früher ein kriegsgeräth: wägen mit kriegszscheiben, zügebock, geiszfüsz Fronsperger kriegsbuch 2, 10a.
 
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zugeboren, adj.: (die leute) sind andern, entweder von ihrer geburt an, oder durch enrollement verpflichtet oder zugeboren J. Möser 3, 304; unsere fahne ist ... das allgemeine und direkte wahlrecht, und diese fahne, sie ist die nothwendige und zugeborene fahne eines jeden mitgliedes eures standes! Lassalle ausgew. r. u. schr. 2, 195.
 
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zugebrot, n., wie zubrot Alberus ff iib. in Hessen und Thüringen zugebröte, auch zugebrötig.
 
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zugebühren, v., mnd. toboren Schiller-Lübben 4, 554b, kaum über das 16. jh. hinaus: es ist burge werden eyn werck, das eym menschen zu hoch ist und nicht zugepürt und greyfft mit vermessenheyt yn gottis werck Luther 15, 299 W.; eine weissagung des wetters, wie den astrologis zugebürt zu wissen Paracelsus opera (1616) 2, 374.
 
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zugebung, f., entsprechend zugeben 1—3: Frisius 325b (contributio); Stieler 657; mit abnemmung oder zugebung des pulffers Fronsperger kriegsb. 1, 150a.
 
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zugefälle, n., wie zufall 2 a, ausdruck d. alten rechtssprache Campe. zugefällig vereinzelt frühnhd. für zufällig Diefenbach 14.
 
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zugegen, adv. , mhd. zegegen mhd. wörterb. 1, 493b; Lexer 3, 1041, mnd. togegen Schiller-Lübben 5, 560. entstanden aus der verbindung mit einem nicht mehr vorhandenen subst., s. bei gegen th. 4 I, 2, 2201f. und hierunter bei 2.
1) wie im mhd. entgegen, gegenüber, bis zum ende des 17. jh. belegt. räumlich: denn ich befinde, das auch der theamedes eisen hebt nach gelegenheit des magneten, welchen man im zugegen helt J. Mathesius Sarepta 79b; den wind zugegen haben nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 564; wie ich dir hie zugegen eine (vierung) hab auffgerissen H. Lautensack des cirkels underweisung (1563) 14b. mit übergang in die ruhebedeutung: den cometen, der jetzt zugegen steht Paracelsus op. (1616) 2, 637; wo zugegen wohnet er? Kramer 2, 1478a. von feindlichem oder begrifflichem gegensatz: so dann der feind kompt und nahet .., sol man ihm mit geschütz, schiessen und scharmützeln zugegen seyn Fronsperger kriegsb. 1, 132b; wer eynen under ihnen zgegen hat, der hat sie alle widerwertig Carbach Livius 254a; nachdem ich mich ... bedacht, wer sich doch diesem mann .. zum besten vergleichen möcht, oder welchen ich ime zugegen setzen solt Xylander Plutarch 1b; dem eiteln oder dem nichts .. wird das etwas zugegen gesetzt Zesen vermehrter Helikon (1656) 2, 9. auch als satzadverb: zegegen .. e contrario Frisius 1158b; zugegen, im gegentheil Hulsius (1618) 2, 106a. zeitlich von dem, was unmittelbar bevorsteht: sy (die schiffer) ... erkennend dabey (aus den schwärmen der fische), das ungewitter zgängen sye Forer Gesners fischbuch (1563) 18; ist dan das man das ampt (bei der messe) hat angefangen und das offertorium zgegen ist Judas Nazarei 41 ndr.
2) seit dem 18. jh. gilt es nur in der bedeutung von gegenwärtig, das es in der örtlichen anwendung zumeist abgelöst hat. wie das alte adj. gegenwart, s. th. 4 1, 2284 ff., hat es diese bedeutung im rechtsleben angenommen, zu einer zeit, wo es noch als verbindung von ze mit einem subst. gegen aufgefaszt wurde: ze des richters gagen Westenrieder beitr. 6, 118 und weitere belege bei gegen 3 a th. 4, 1, 2202. es bezeichnete also, dasz jemand dem richter oder zeugen gegenüber stand. daher

[Bd. 32, Sp. 402]


hat es, auch für die blosze räumliche gegenwart, etwas förmliches behalten und ist nicht in die umgangssprache und in die maa. eingedrungen.
a) personen sind bei einer gerichtlichen oder anderen verhandlung, überhaupt von amts wegen zugegen: swer kampflich an sprichet sînen genôʒʒen, der sol bitten den richter daz er sich underwinde ains sins fridebrechers, den er vor im zegagen siht, ûf ain reht Schwabenspiegel 331 Wackernagel; und get er (der mann) dann (von dem gericht) und antwurtet nit (dem herrn), so rihtet der herre hinz im als ob er da zegagen si 209a Laszberg (lehenr. 119); und ich hab euch alle hie zugegensteende berueffen (als zeugen) J. A. v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 44 (testam. v. 1319); disz hat er mir zugegen gelobt Apherdianus meth. discendi (1601) 103; des will ich mich zgegen diser herren und gten freunden übergeben und versprochen haben Wickram 2, 310 Bolte; do ward ain session und waren zegegen all geistlich und weltlich fürsten Richental Constanzer conz. 73 lit. ver.; wenn die könige zu gerichte saszen, waren .. ihre hofbeamte ... zugegen M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 311; ein pistolenduell, bei dem ich .. als arzt zugegen war Storm 2, 54. früher formelhaft im anschlusz an die bezeichnung der person: alles das zu thun und zu lassen, so der gewaltgeber selber zugegen thun und lassen könnt J. Ayrer proc. 92; fragt den Philander zugegen, was ihm wegen bloszen argwohns allhie begegnet seye Moscherosch ges. 2, 234. dazu auch die belege aus Ambach bei b und aus Fischart bei d.
b) allgemeiner bei einem vorgang zugegen: da man .. sagt, man hab auff der hochzeit zu Cana getanzt, und Christus zugegen, habs nit verbotten Ambach vom tanzen (1543) d 1b;

mich mancher hinterrück verspricht,
wer ich zugegen, er thet es nicht
Petri 2, Oo 8a;

das sprecht ihr so! das scheint euch sonnenklar,
doch weisz es anders, der zugegen war
Göthe 15, 247 (Faust 10 106);

(der lehrbursch musz) bey den holzanweisungen ... und holztaxierungen fleiszig mit zugegen seyn Heppe aufricht. lehrprinz 228; die ganze scene, so lange der könig zugegen ist O. Ludwig 5, 145. stehend von der gegenwart gottes: ist doch die gütigkeit gottes mit der artzney zugegen Paracelsus op. (1616) 1, 357a;

leibhaftig soll der herr an allen enden
im abendmahl zugegen seyn?
Pfeffel poet. vers. 2, 37.


c) es bezeichnet die blosze anwesenheit an einem platze, ohne beziehung auf einen vorgang oder zustand:

nun weil niemand mehr ist zugegen,
wil ich gleich mein kram auch einlegen
H. Sachs 21, 48 G.;

einige (verfasser) sind in Leipzig zugegen, einige aber leben an andern orten Gottsched beytr. z. crit. hist. 1, vorrede 4a; (Wilhelm) glaubte .., der harfenspieler sei schon wieder zugegen Göthe 21, 234 W.
d) nur selten wie b und c von dingen:

als ob gott dise welt zugegen
wol besser hette machen mögen
Fischart gelehrten verkehrten 350 Kurz;

die vorstellungen solcher dinge, die nicht zugegen sind Chr. v. Wolff vernünft. ged. von gott 111; im herzen selbst war kein organischer fehler zugegen Schiller 1, 54 G.
e) was zugegen ist, ist zur verwendung bereit, steht zur verfügung:

da fand die gselschaft sechs rollwägen
vor irer herberg gleich zugegen
Fischart glückh. schiff 28 ndr.;

was ... noch in vorrath zugegen liege Fleming vollk. t. soldat 154; das war eben das unglück, dasz kein führer zugegen war, dessen würdigkeit und ansehn ihrer wuth einhalt gethan hätte Göthe 13, 1, 326 W.; wenn ich

[Bd. 32, Sp. 403]


ihren brief zugegen oder ganz im gedächtnisse hätte, so würde ich noch viel mehr schreiben Caroline 1, 145 Waitz.
 
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zugegenheit, f. Rückert 11, 292. — zugegenwürtig, adj. Zwingli d. schr. 1, 122; 129.
 
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zugehen, v. , ahd. zuogân, zuogangan Graff 4, 95, mhd. zuogân, zuogên mhd. wb. 1, 468b; Lexer 3, 1181, mnd. togan Schiller-Lübben 4, 560b. früher, nur mitteld., gelegentlich mit haben: es hat zu viel wasser zugegangen S. Hüttel chr. d. st. Trautenau 35;

er weisz, es hab' in dieser welt
nie besser zugegangen Königsberger dichterkreis 205 ndr.


I. aus seiner entstehung ergeben sich verschiedene anwendungen.
1) räumlich in lockerer verbindung, auf ein haus, eine person zugehen, s. sp. 145, formelhaft in bühnenanweisungen. gelegentlich übertragen:

ein fuchs (pferd), der an der farb auf angebrannt zugeht,
eh todt verbleibt als müd, sein muth so dapffer steht
Hohberg georg. cur. 2, 130.

von der zeit unpersönlich: es wyrdt nicht uff eyn ebentewer zugehen Luther 34, 2, 9 W.; es geht auf den sommer zu.
2) enger ist die verbindung, wenn das ziel durch den dat. bezeichnet ist. im räumlichen sinne ist das veraltet: und hiesz alle die wind, so gegen ihm giengen, Eurus, und was ihm am rücken zugieng, Zephyrum Paracelsus op. (1616) 2, 102a;

lauf du, und ich wil zugehn dir,
da wird man sehen wer da siget
Fischart ehezuchtbüchl. 162 Hauffen;

der abend kommt heran, ich geh dem tode zu
Logau 375 Eitner.

heute allgemein nur übertragen:

geh du holder, geh im pfad der sonne
freudig weiter der vollendung zu
Schiller 1, 108 G.

es geht dem sommer, dem tode, dem ende zu.
3) allgemein üblich ist die verbindung mit dem dat., wenn irgend eine nähere beziehung hergestellt wird.
a) von personen, wenn ein inneres verhältnis entsteht: sie behauptete: ihr Adolar bedürfe meiner; niemandem ginge das kind so willig zu, als mir Holtei 5, 167; sie (zwei hunde) lieben das mädchen sehr, gehen ihm immer zu und sind viel ruhiger, wenn Margarita in unserer gesellschaft ist Stifter 2, 302.
b) von dingen bezeichnet es mehrung an besitz, vortheil irgendwelcher art, auch umgekehrt, schon ahd. und mhd. das gegentheil ist abgehn: (sie) lagen zwen monat in allem überflusz an eim ort, da in alle gng von Constantinopel zgieng S. Franck chron. Germ. (1538) 133b; gott ist ein vollkommen gt dem weder zu noch abgehen mag paradoxa (1558) 21a;

drausz mag mir wol ein trost zugehn
Fischart Eulenspiegel 89 Hauffen;

die seinem bezirk ... zugegangenen groszen vortheile Göthe 25, 287 W.
c) in älterer sprache besonders von körperlichen und seelischen zuständen: mir gieng ain solcher schreck z Schaidenreiszer Odyssea 46a; die artzt so auff die vögel besoldet waren, so yn etwas zgieng S. Franck weltbuch 232a; es könnt ihr eine üblichkeit zugehn K. Meisl dram. quodlibet 4, 83. neuerdings in der sprache des geschäfts und der geschichtl. darstellung: nun ist mir von dort her noch keine nachricht zugegangen, ob die bereitliegenden 300 gulden silber abverlangt worden Göthe IV 23, 53 W.; weil ihm die irrthümliche meldung zuging Moltke 3, 74; eine willenserklärung, die einem andern gegenüber abzugeben ist, wird, wenn sie in dessen abwesenheit abgegeben wird, wirksam, wenn sie ihm zugeht bgb. § 130.
4) enger wird die begriffliche einheit, wenn ein ziel nicht angegeben wird. in allgemein örtlicher anwendung veraltet: wo man isset, soll man zugeen, wo man gelt

[Bd. 32, Sp. 404]


zelet, soll man vongehen J. Agricola sprichw. a a 5a (ähnlich in anderen sprichwörtersamml.); denn irer war vil, die ab und zugiengen Marc. 6, 31; im ab und zgehen der flt Eppendorf Plinius 105 (vgl. Heyden 321). in besonderer anwendung 'zum abendmahl gehn': und das man feyn ordenlich und zuchtig zugehe Luther 19, 99 W.; es was ein arme fraw die ward bestochen von den juden mit gelt das sie inen das sacrament solt bringen, wan sie z wer gangen Pauli schimpf u. ernst 318 Österley. noch gelegentlich volksthümlich A. Birlinger kirchensprache 22, 60; Hentrich Eichsfeld 95; Vilmar 473. in der umgangssprache allgemein 'den dienst antreten', nd. togan Richey 69; Schütze 2, 3; Bauer-Collitz 104, in Basel dagegen 'bei einem einsprechen' Seiler 328a. vereinzelt, wie im mhd., von gestirnen 'untergehen' (anders zugang 4 c): wir Solomander, almächtiger von Cartago, ... ein herre do die sunn und der mon auffgett und zugett vom höchsten zum pesten Schiltberger reiseb. 67 lit. ver. lebendig geblieben ist spitz zugehen u. ä.: angulus rectus ein tieffer winckel, der spitz oder scharpff zugehet. angulus obtusus ein seichter winckel, der flach zugehet Corvinus (1646) 56; in fremdartig geformter, spitz zugehender stahlkappe kam er geritten Scheffel 2, 13.
5) ebenso in der bedeutung 'sich schlieszen': wann das dor hinter im zugeet weisth. 6, 68; wolan ich neme den bosen deudschen fluch, gott musse diese lugen und grewel schenden, ehe meine augen zugehen Luther 30, 2, 444 W.; über all den löchern, die wir in anderer leute körper machen, ist noch kein einziges in unsern hosen zugegangen G. Büchner nachgel. schr. 102; die thür geht leicht, schwer zu. veraltet für 'zufrieren': die Seine ist schon 2 mahl auff- und zugegangen Elisabeth Charlotte 3, 7 Holland.
6) auch das verstärkende zu verbindet sich enger und bezeichnet die art u. weise eines vorgehens: umbschweiffige rede und anschlege, damit man nicht gleich zugehet, rencke Bas. Faber 473b; das laut wol, wenn man gerade zugehet Petri 2 m 5a; legen sie (anrede) das schüchterne ab, und gehen kecker zu Klinger 1, 442; geh zu, wie kann sich ein mannsbild und ein weibsbild gleichschauen? Anzengruber 2, 89 (wie das abweisende geh!). in älterer sprache von vorgängen: so der turnier zugehet (beginnt) und man aufbläst B. S. v. Stosch trauerreden (1674) 309 (s. DWB aufblasen th. 1, 623); dies werck (bau eines thurms) ging schnell zu Sigmund Meisterlin chr. d. st. 3, 165. ähnl. ahd.: nu habest tu fernomen, uuaz nu zugange Graff 4, 95.
7) anschlieszend daran bezeichnet es schon mhd. auszer dem schnellen und kräftigen überhaupt die art u. weise eines vorganges: und dasz alle vorgeschr. sachen, stück und artikul also zugangen und in einem offenen gericht ertheilt und geschehen seind, des zu urkund weisth. 6, 83 (1396); und yhr kunst heyst magia und geht durch teuffels geschefft tzu Luther 10, 1, 1, 560 W.;

wenn einer (ochse) gieng, so stund der ander;
zogen gantz ungleich mit einander.
des gieng gar langsam zu ihr fuhr
H. Sachs 9, 136 K.;

dann unser gespräch halb zu latein, halb zu teutsch zugieng H. Guarinonius greuel 205; weil diese arbeit nicht so hurtig zugehen möchte Schnabel insel Felsenburg 110 ndr. heute nur noch mit allgemeinem subject ding, sache u. ä.: die sach geet recht z Albrecht v. Eyb d. schr. 2, 95; wann ein ding verkert zgehet, das der wag die rosz sol ziehen S. Franck sprüchw. (1541) 1, 2a (ebenso sch. w. klugreden 136a); wie die sache zugegangen ist ... weis ich bis diesen augenblick nicht Bahrdt gesch. s. lebens 4, 282; betrachten wir zunächst, wie ... die dinge indessen in Deutschland selbst zugegangen waren Ranke 3, 101.
II. aus I 6 u. 7 ergiebt sich die seit ende des 17. jhs. vorherrschende unpersönliche verwendung Stieler 629. für das mhd. ist sie in den wbb. nicht belegt, erscheint aber gelegentlich z. b. Ottokar österr. reimchr. 63 164; 95 566. es bezieht sich immer, wie das nahestehende

[Bd. 32, Sp. 405]


hergehn, s. th. 4, 2, 1100, auch abgehn th. 1, 45, auf die art und weise von vorgängen. wir empfinden heute als fehlerhaft: er wuszte nicht, was da zuginge (aus einem schüleraufsatz), doch bezeichnete es früher den vorgang schlechthin in der verbindung zugehen lassen: warlich, es gschicht nit! ich lasz es nit zgeen, ich wil es deinem vater offenbaren Albrecht v. Eyb d. schr. 2, 11 (ähnl. 2, 23).
1) in allgemeiner verwendung ältere belege: es gadt geradt also z wie du sagst Frisius 500a (ähnlich 46b; 266b; 737b); es gehet bald zu, wenn man abbricht ein alt gebäu, aber das neue zu bauen gehet nicht sobald zu Luther briefe 4, 308; gleich wie es on erbeit nicht zugehet, der eine malzeit zurichten und den gesten gütlich thun wil 2. Macc. 2, 28; ihrer vil lassen das sieb lauffen, welches auff nachfolgende weise soll her- und zugehen Prätorius glückstopf 58; hieraus sieht man nun, das alles mathematisch, das ist ohnfehlbar zugehe in der ganzen weiten welt Leibniz d. schr. 2, 49. neuere belege:

doch wie das alles zugegangen,
erzähl' ich euch zur andern zeit
Göthe 2, 88 W.;

jede alte schachtel im dorf weisz bescheid, wenn es recht geheim zugehen soll Droste-Hülshoff 2, 300; wie es mit den briefen zugegangen sei G. Keller 5, 134.
2) eine eigenthümliche bedeutung hat es in gewissen verwendungen bekommen.
a) von den äuszeren zuständen, der lebensweise, lebenshaltung in einem hause, einer menschlichen gemeinschaft oder klasse: ein nachtmal der reychen und herrlichen leuten, da es kostlich, prachtlich und reychlich zgadt Frisius 238a; wie es .. yetz gemeinlich an höfen zgat 143a; also das es kummerlich zgadt 56b; dann ungetruncken gehts bei Gurgelgrossa .. nicht zu Fischart geschichtklitt. 209 ndr.; endlich .. fehlt ihm noch .. der begriff, wie es bei hof, im gefecht, bei der armee zugehe Göthe 7, 194 W.; bei der hofhaltung des landgrafen ging es nach der sitte der damaligen zeiten einfach und still zu Novalis 4, 64 Minor.
b) von dem was der äuszeren, der gesetzlichen, sittlichen oder schicklichen ordnung entspricht oder widerspricht: müntzmeister, die auf die müntz und wächsel acht hattend, das es recht und ordenlich zgienge Frisius 1332b; ich wölt das es gleych geschehe oder zgienge 948a; nichts deste weniger sollen beyde, yhr und ewre prediger, allen vleys furwenden, das eyntrechtig zugehe Luther 18, 421 W.; lassets alles ehrlich und ördentlich zugehen 1. Cor. 14, 40 (vgl. Göthe 8, 7 W.); es geht wild, wüst, bunt zu; es geht zu wie an könig Artus hof, wie im himmelreich Eyring 2, 479; wie auf einer hundshochzeit H. Sachs 21, 10 G.; wie auf dem polnischen reichstage, wie in einer judenschule, wie auf Matzens hochzeit O. Weise synt. der Altenburger ma. 161. die tadelnde bedeutung hat es auch ohne zusatz: da gehts zu!; o, herr nachbar, ihr glaubt nicht wie es zugegangen ist (wie schrecklich es war) Harsdörfer gesprächsp. 2, 295; man weisz, wie es unter dem vorigen minister zugieng Schiller 14, 196 G.
c) von dem was der natürlichen ordnung der welt zu widersprechen scheint: wie sol das zugehen? sintemal ich von keinem manne weis Luc. 1, 34 (ähnlich 5. Mos. 32, 30; Richter 20, 3; 1. Sam. 4, 16; Luc. 24, 12; Joh. 3, 9); so wirstu dich wundern, wie es zugehe, das noch ein heller in Teutschland seye Moscherosch ges. 2, 105; er treybet tewffel aus und wyr konnens nicht . es gehet durch den tewffel zu Luther 21, 29 W.; es sey allhier nichts ... mit künsten zugegangen Lohenstein Arm. 1, 166a (ähnlich mit kräutern 1, 528b); der himmel weisz, wie das zugeht J. Möser 1, 294; das müszte wunderlich zugehen, versetzte der graf — nur ganz natürlich, erwiderte der dolmetscher Göthe 26, 163 W.;

wer konnte nur die beiden kästchen bringen?
es geht nicht zu mit rechten dingen! 14, 142 (Faust 2894,

[Bd. 32, Sp. 406]


ähnlich Faust 4942; 11 114). es müszte doch mit dem teufel, mit dem bösen, mit dem gottseibeiuns, mit dem henker zugehn!
 
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zugeherin, f., aufwartefrau Heidelberg (mündliche mitth.), Bayern, auch zugehefrau Kretschmer 97.
 
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zugehör, f., n., das f. auch zugehöre, s. DWB zubehör sp. 236. im 18. jh. als das ererbte wort in der rechtlichen und der davon abgeleiteten bedeutung bevorzugt Adelung; Braun; Zedler universall. 63, 1222, heute alterthümlich: Nurenberga ... raicht sich mit seinem zugehöre in Vindeliciam chron. d. st. 3, 50; seine burg Rothenstein sammt zugehör an unterthanen, an jagd-, fisch- und berggerechtigkeit Stifter 2, 5; nachdem eines und das andere (bier) mit maltz, hopffen und anderer zugehör ... versehen wird Hohberg georg. cur. 2, 88; Melina hatte .. die garderobe mit allem zugehör übernommen Göthe 21, 235 W.; Ceres fand den akerbuw in Sicilia mit aller zgehör, malen und bachen Steinhöwel de clar. mulier. 2 lit. ver.; von unserer deutschen poeterey, derselben art und zuegehör Opitz v. d. d. poeterei 3 ndr.; des nächsten morgens erwachte ich in einem hitzigen fieber mit phantasieen und allem zugehör Grillparzer 19, 55. für die bedeutung 'angehörige, heimath' s. d. bel. aus Zink Augsburg. chron. th. 4, 1, 2507 4 b. zugehör hat die neue technische verwendung von zubehör nicht mehr angenommen.

 

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