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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zugebahren bis zugegenheit (Bd. 32, Sp. 399 bis 403)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zugebahren, v.: wiewol auch die kleger auff denselben angesatzten tag den armen menschen und gefangen zu ihren handen, und mit dem engstiger nach der scherff vorhin mit im zugebarn und antasten wöllen Chph. v. Zobel sächs. weichbild u. lehnrecht (1537) 135a.
 
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zugebäude, m., gelegentlich für zubau.
 
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zugeben, v. , mhd. nur vereinzelt nachgewiesen Lexer 3, 1181.
1) in der älteren sprache wie zueignen einfach 'übergeben': so viel die mutter mag, sol sie ir kindt selber seugen, und nicht sonst einer andern frauwen zugeben J. Ruoff hebammenb. 215; dieweil sie (die deutschen und franz. landleute) gemeinlich dasjenig, was er (Palladius) im jänner will gethan haben, sie dem hornung zugeben und haimschieben Sebiz feldbau 50. dann 'zuertheilen': wir lesen ... dasz ... Noah die welt unter seine kinder und nachkommen auszgetheilet, und einem jeden das seine zugegeben Binhardus thür. chron. 1; welcher blatz den pferden, lasztviehe und anderm blunder der underhauptleut wirt zugegeben (im lager) Xylander Polybius 337; einem lob und eer zugeben Frisius 611a (ähnlich 678b; 744a; 795b und öfter); aber die umbstende der rahtschläge und der rede, so den personen zugegeben werden, sind alle ... erdichtet Rollenhagen froschmeuseler (1595) b 1b. endlich 'zurechnen, zuschreiben': eim etwas falschlich zgäben oder erdichtlich zlegen Frisius 59b; besunderen glidern oder teilen des leybs besundere kranckheiten zgeben 128b (ähnl. 121b; 264b; 288b u. ö.); er gibt ouch das nachlassen der sünd und heil nit dem öl z, sunder dem gebet Zwingli d. schr. 1, 241.
2) erhalten hat sich die bedeutung 'hinzu': Frisius 29b; 30a u. ö.; zu der heiligen schrifft sol man nichts zugeben, noch auch nichts davon nehmen Luther 28, 542 W.; sücht zum ersten das himelreich, so werden alle andere güter euch zugegeben 10, 2, 457 (ähnl. Marc. 4, 24); wann du etwas von thon machen wilt, so mustu im so viel zugeben, als der thon zu schwinden pflegt L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 6a; meine seele ... giebt der lampe reines öl zu, die deine stille halle erleuchtet Bettine die Günderode 1, 203; an weite, länge, an maschen zu- und abgeben; so hustete der weber und gab noch einiges zu, was wirkliches husten vorstellen sollte O. Ludwig 2, 46. insbesondere beim kauf und messen, s. DWB zugabe 1: es musz offt einer zugeben, was er nicht kan verkauffen Lehmann floril. 2, 893; die meile hat der fuchs gemessen und den schwanz zugegeben W. Körte sprichw. 303. von der zeit: du unverschampter hast nit gng daz ich dir ein täglin z gib Terenz (Straszburg 1499) 28a; der freundliche wirth ... verlangte vielmehr, wir sollten den morgenden tag noch zugeben Göthe 33, 175 W. beim kartenspiel:

spadilje sasz verzagt in schandewerther ruh,
und als ein dummkopf gab Sylvan die basta zu
Zachariä poet. schr. 1, 113;

bei den Franzosen ist die tragödie ein kartenspiel; der eine spielt aus, der andre giebt zu O. Ludwig 5, 155.

[Bd. 32, Sp. 400]


das zugeben für auctarium und corollarium Frisius 141b; 336a. in der sprache der markscheider: zugeben ist die winckel, so in der gruben gezogen (s. DWB zug I 38), an tage wieder zugeben G. Junghans gräublein erz. f 3d; Jacobsson 4, 722b. mundartlich wie 'zunehmen': ihr besitz und eigenthum, das früher bedroht war, wenn die wasser des stromes 'zugaben' und 'gossen', steht auf sicherem grund und boden J. Nordmann meine sonntage (1880) 164.
3) dem entsprechend von personen 'zur seite stellen' in mannigfacher anwendung: Frisius 224a; und gab im einen heubtman zu, mit namen Gorgias 2. Macc. 8, 9; das weib das du mir zugeben hast Luther 28, 26 W. (vgl.zugesellen); der herr obriste von Dohna und andere zugegebene kommissarien acta publ. 7, 223 Palm; und da jemand dergleichen person (dirne) bey sich hätte, ... solte er sich solche ... ehrlich zugeben lassen Fleming vollk. t. sold. 98; höchstens spreche ich so, als ein zugegebener advocat für einen verbrecher spricht Lessing 13, 207 M.;

drum geb' ich gern ihm den gesellen zu,
der reizt und wirkt und musz als teufel schaffen
Göthe 14, 23 W. (Faust 342).

zugegebener als subst.: assessor eyn beysitzer oder radtsgeber, ein zgebner Frisius 128a; Stilico der fürst und zgebner Honorii Stumpf Schwytzerchr. 188a; (dem feldhauptmann) wurden vier landtman zugeben, die wurden genannt die zugeben ... eyn yeder genannter haubtman solt und mocht fur sich selbs haben 24 pherdt und yeder zugegebner 10 pherdt J. Unrest chron. Austriac. bei Hahn coll. mon. vet. 1 (1724), 590.
4) an 'hingeben', s. 1, hat sich die bedeutung 'gewähren, gestatten, dulden' geschlossen: und wenn die käyser Justinus und Justinianus nur einen finger zugaben, friede und ruhe zu erhalten ..., nahmen die päbste gleich die ganze hand Arnold kirchen- u. ketzer-hist. 259a; indulgere zugeben mit gnad und gunst Diefenbach 259b; si diei permittit apricitas ... wenns die tagschöne zgibt Frisius 108b (ähnl. 244b; 726a u. o.); wo ich hin geen wil, das wilt du nit dulden noch zgeben Albrecht v. Eyb d. schr. 2, 69; denn du wirst ... nicht zugeben, das dein heilige verwese ps. 16, 10; das dritte stücke ist, das des Mahomeths Alkoran den ehestand nichts acht, sondern yderman zugibt weiber zu nemen wie viel er wil Luther 30, 2, 126 W.; wie es die umstände zugeben wollen Göthe IV 42, 236 W.; ihre mutter würde ... diese verbindung mit diesem ... doctor .. niemals zugegeben haben W. Raabe hungerpastor 2, 333. dem steht nahe die wendung einem etwas zugeben 'zu gute halten', 'nachsehen': gott laszt allein die sünd nach ... welicher sölichs der creatur zgibt, zücht gott sin eer ab Zwingli d. schr. 1, 156; den kindern gibt man das erste mal wol etwas zu Petri 2, O o o iva; ir müssend meinen reimen etwas zgeben und mer dem sinn und meinung nachgedencken dann scharpffen reimen Wickram 4, 130 Bolte. mehr mundartlich (Henneberg, Thüringen, Erzgebirge, Schlesien), wie klein beigeben, ist klein zugeben: Siegemund muste nun klein zugeben Lohenstein Armin. 2, 165b, und sich zugeben (niederdeutsch) 'sich beruhigen': dat kind gift sik to Schütze 2, 31; wenn ich mich darin zugäbe Droste-Hülshoff an L. Schücking 348. über das verhältnis zu zugestehen s. bei 5.
5) ebenso alt ist die bedeutung 'eine meinung oder thatsache als wahr anerkennen', doch scheint Frisius sie nicht zu kennen, s. 436b bei do: zugeben vel deputare achten oder vermeinen voc. theut. (1482) f viib; gehylen oder volworten oder zugeben k via; wenn man noch heuttigs tags den Juden zugebe, das Christus eyn lauter mensch were Luther 18, 63 W.; er gibt zu, weszwegen man ihn beschuldigt Stieler 657; ich läugne die folgerung, da ich die vordersätze nicht zugebe Göthe IV 20, 89 W.; was wäre damit gewonnen, dasz ich zugäbe, 'wie ein esel' gehandelt zu haben? Bismarck ged. u. er. 1, 63 volksausg.; der graf in seiner antwort schwankte zwischen zugeben und bestreiten Fontane I 4, 61. seit

[Bd. 32, Sp. 401]


mitte 18. jh. üblich sind die wendungen zugegeben dasz, dies zugegeben, zugegeben! (als antwort), u. ä. der unterschied von zugestehen, einräumen u. a. liegt weniger in der bedeutung, als im tone; dasselbe gilt für 4. siehe F. L. Jahn 1, 76 Euler.
6) veraltet ist: coalescit vulnus die wunde gibt sich wieder zu Corvinus (1646) 41.
 
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zügebock, m., früher ein kriegsgeräth: wägen mit kriegszscheiben, zügebock, geiszfüsz Fronsperger kriegsbuch 2, 10a.
 
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zugeboren, adj.: (die leute) sind andern, entweder von ihrer geburt an, oder durch enrollement verpflichtet oder zugeboren J. Möser 3, 304; unsere fahne ist ... das allgemeine und direkte wahlrecht, und diese fahne, sie ist die nothwendige und zugeborene fahne eines jeden mitgliedes eures standes! Lassalle ausgew. r. u. schr. 2, 195.
 
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zugebrot, n., wie zubrot Alberus ff iib. in Hessen und Thüringen zugebröte, auch zugebrötig.
 
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zugebühren, v., mnd. toboren Schiller-Lübben 4, 554b, kaum über das 16. jh. hinaus: es ist burge werden eyn werck, das eym menschen zu hoch ist und nicht zugepürt und greyfft mit vermessenheyt yn gottis werck Luther 15, 299 W.; eine weissagung des wetters, wie den astrologis zugebürt zu wissen Paracelsus opera (1616) 2, 374.
 
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zugebung, f., entsprechend zugeben 1—3: Frisius 325b (contributio); Stieler 657; mit abnemmung oder zugebung des pulffers Fronsperger kriegsb. 1, 150a.
 
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zugefälle, n., wie zufall 2 a, ausdruck d. alten rechtssprache Campe. zugefällig vereinzelt frühnhd. für zufällig Diefenbach 14.
 
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zugegen, adv. , mhd. zegegen mhd. wörterb. 1, 493b; Lexer 3, 1041, mnd. togegen Schiller-Lübben 5, 560. entstanden aus der verbindung mit einem nicht mehr vorhandenen subst., s. bei gegen th. 4 I, 2, 2201f. und hierunter bei 2.
1) wie im mhd. entgegen, gegenüber, bis zum ende des 17. jh. belegt. räumlich: denn ich befinde, das auch der theamedes eisen hebt nach gelegenheit des magneten, welchen man im zugegen helt J. Mathesius Sarepta 79b; den wind zugegen haben nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 564; wie ich dir hie zugegen eine (vierung) hab auffgerissen H. Lautensack des cirkels underweisung (1563) 14b. mit übergang in die ruhebedeutung: den cometen, der jetzt zugegen steht Paracelsus op. (1616) 2, 637; wo zugegen wohnet er? Kramer 2, 1478a. von feindlichem oder begrifflichem gegensatz: so dann der feind kompt und nahet .., sol man ihm mit geschütz, schiessen und scharmützeln zugegen seyn Fronsperger kriegsb. 1, 132b; wer eynen under ihnen zgegen hat, der hat sie alle widerwertig Carbach Livius 254a; nachdem ich mich ... bedacht, wer sich doch diesem mann .. zum besten vergleichen möcht, oder welchen ich ime zugegen setzen solt Xylander Plutarch 1b; dem eiteln oder dem nichts .. wird das etwas zugegen gesetzt Zesen vermehrter Helikon (1656) 2, 9. auch als satzadverb: zegegen .. e contrario Frisius 1158b; zugegen, im gegentheil Hulsius (1618) 2, 106a. zeitlich von dem, was unmittelbar bevorsteht: sy (die schiffer) ... erkennend dabey (aus den schwärmen der fische), das ungewitter zgängen sye Forer Gesners fischbuch (1563) 18; ist dan das man das ampt (bei der messe) hat angefangen und das offertorium zgegen ist Judas Nazarei 41 ndr.
2) seit dem 18. jh. gilt es nur in der bedeutung von gegenwärtig, das es in der örtlichen anwendung zumeist abgelöst hat. wie das alte adj. gegenwart, s. th. 4 1, 2284 ff., hat es diese bedeutung im rechtsleben angenommen, zu einer zeit, wo es noch als verbindung von ze mit einem subst. gegen aufgefaszt wurde: ze des richters gagen Westenrieder beitr. 6, 118 und weitere belege bei gegen 3 a th. 4, 1, 2202. es bezeichnete also, dasz jemand dem richter oder zeugen gegenüber stand. daher

[Bd. 32, Sp. 402]


hat es, auch für die blosze räumliche gegenwart, etwas förmliches behalten und ist nicht in die umgangssprache und in die maa. eingedrungen.
a) personen sind bei einer gerichtlichen oder anderen verhandlung, überhaupt von amts wegen zugegen: swer kampflich an sprichet sînen genôʒʒen, der sol bitten den richter daz er sich underwinde ains sins fridebrechers, den er vor im zegagen siht, ûf ain reht Schwabenspiegel 331 Wackernagel; und get er (der mann) dann (von dem gericht) und antwurtet nit (dem herrn), so rihtet der herre hinz im als ob er da zegagen si 209a Laszberg (lehenr. 119); und ich hab euch alle hie zugegensteende berueffen (als zeugen) J. A. v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 44 (testam. v. 1319); disz hat er mir zugegen gelobt Apherdianus meth. discendi (1601) 103; des will ich mich zgegen diser herren und gten freunden übergeben und versprochen haben Wickram 2, 310 Bolte; do ward ain session und waren zegegen all geistlich und weltlich fürsten Richental Constanzer conz. 73 lit. ver.; wenn die könige zu gerichte saszen, waren .. ihre hofbeamte ... zugegen M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 311; ein pistolenduell, bei dem ich .. als arzt zugegen war Storm 2, 54. früher formelhaft im anschlusz an die bezeichnung der person: alles das zu thun und zu lassen, so der gewaltgeber selber zugegen thun und lassen könnt J. Ayrer proc. 92; fragt den Philander zugegen, was ihm wegen bloszen argwohns allhie begegnet seye Moscherosch ges. 2, 234. dazu auch die belege aus Ambach bei b und aus Fischart bei d.
b) allgemeiner bei einem vorgang zugegen: da man .. sagt, man hab auff der hochzeit zu Cana getanzt, und Christus zugegen, habs nit verbotten Ambach vom tanzen (1543) d 1b;

mich mancher hinterrück verspricht,
wer ich zugegen, er thet es nicht
Petri 2, Oo 8a;

das sprecht ihr so! das scheint euch sonnenklar,
doch weisz es anders, der zugegen war
Göthe 15, 247 (Faust 10 106);

(der lehrbursch musz) bey den holzanweisungen ... und holztaxierungen fleiszig mit zugegen seyn Heppe aufricht. lehrprinz 228; die ganze scene, so lange der könig zugegen ist O. Ludwig 5, 145. stehend von der gegenwart gottes: ist doch die gütigkeit gottes mit der artzney zugegen Paracelsus op. (1616) 1, 357a;

leibhaftig soll der herr an allen enden
im abendmahl zugegen seyn?
Pfeffel poet. vers. 2, 37.


c) es bezeichnet die blosze anwesenheit an einem platze, ohne beziehung auf einen vorgang oder zustand:

nun weil niemand mehr ist zugegen,
wil ich gleich mein kram auch einlegen
H. Sachs 21, 48 G.;

einige (verfasser) sind in Leipzig zugegen, einige aber leben an andern orten Gottsched beytr. z. crit. hist. 1, vorrede 4a; (Wilhelm) glaubte .., der harfenspieler sei schon wieder zugegen Göthe 21, 234 W.
d) nur selten wie b und c von dingen:

als ob gott dise welt zugegen
wol besser hette machen mögen
Fischart gelehrten verkehrten 350 Kurz;

die vorstellungen solcher dinge, die nicht zugegen sind Chr. v. Wolff vernünft. ged. von gott 111; im herzen selbst war kein organischer fehler zugegen Schiller 1, 54 G.
e) was zugegen ist, ist zur verwendung bereit, steht zur verfügung:

da fand die gselschaft sechs rollwägen
vor irer herberg gleich zugegen
Fischart glückh. schiff 28 ndr.;

was ... noch in vorrath zugegen liege Fleming vollk. t. soldat 154; das war eben das unglück, dasz kein führer zugegen war, dessen würdigkeit und ansehn ihrer wuth einhalt gethan hätte Göthe 13, 1, 326 W.; wenn ich

[Bd. 32, Sp. 403]


ihren brief zugegen oder ganz im gedächtnisse hätte, so würde ich noch viel mehr schreiben Caroline 1, 145 Waitz.
 
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zugegenheit, f. Rückert 11, 292. — zugegenwürtig, adj. Zwingli d. schr. 1, 122; 129.

 

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