Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zugader bis zuganker (Bd. 32, Sp. 394 bis 397)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zugader, f.: ein grossen ... kopff hat der esel, ... ein mauwechte (s. th. 6, 1781) brust voll zugaderen Herold-Forer C. Gesners thierbuch (1563) 41; weil diese bande zug- oder streckaderen die gleich zusammen heben, und ihnen alle stercke geben F. Würtz wundartzney (1612) 153.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugaffen, v.: diejenigen so aus furwitz und lust newer dinge gerne zugaffen Luther 19, 112 W.; der ist ein stümper, der sein werk nur auf die helfte bringt, und dann weg geht, und müssig zugafft, wie es weiter damit werden wird Schiller 2, 134 G.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugameise, f. Brehm thierleben 9, 288 Pechuel-Lösche.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugang, m. , ahd., mhd. zuoganc Graff 4, 102; mhd. wb. 3, 476b; Lexer 3, 1190, mnd. togank Schiller-Lübben 4, 561a, nl. toegang. im dän. hat adgang, im schwed. tilgng die bedeutungen von zugang übernommen Falk-Torp-Davidsen 10.
1) zugang ist die handlung des herangehens an ein ziel im raume: in deme ersten thogange (angriff) lüb. chron. 2, 53; das sy die steyg der bergen eynnämind, durch die man wäg und zgang gen Jerusalem haben möchte Züricher bib. (1530) Judith 4, 3; durch den grossen zugang (das betreten) der traydacker Abr. a St. Clara Judas d. erzschelm 1, 21; das gebäude scheint beim zugange mitten auf diesem .. teppich zu stehen C. C. L. Hirschfeld gartenkunst 4, 56. in dieser verwendung veraltet bis auf die gegenüberstellung ab- und zugang: alle die hereingehende, derer ein solcher ab- und zugang war, dasz das gemach schier gantz voll wurde E. Francisci trauersaal (1641) 4, 743; der ab- und zugang einer person .. beginnt und endet den auftritt G. Freytag technik des dramas 185. auszerdem in allerlei zusammensetzungen der fachsprachen: zugangsstrasze, -weg, -graben, -schacht, -ort, -stelle, -gleis, -rampe, vgl. DWB zufahrt. ferner in mehr übertragener anwendung: die rindsgall ... verhindert den zugang der fallenden sucht Sebiz feldbau 130;

mancherley weisz in dieser zeyt
hat das unglück seinen zugang
H. Sachs 2, 100 K.;

Moyses in zweiffelhafftigen sachen ... allezeit zum tabernackel seinen zugang, und ... zu der gebetshülff sein zuflucht hätte J. Arnd Thom. a Kempis 118; er

[Bd. 32, Sp. 395]


freut sich leicht und kennt keine kostspieligen zugänge zum vergnügen Nietzsche 4, 369.
2) das ziel sind personen. dann ist es verkehr, umgang, zulauf: darinn alleyn auff die weisz der Amazones eittel weiber wohnen, on mannlichen zgang keusch S. Franck weltb. 227b; der bösen weiber zugang hat mich verführt Lehmann floril. 3, 61; dieses thierlein (biene) ... hat nicht gern, das die leut vil zugangs zu ihm haben M. Herr feldbau 179a; die studenten, davon er (der wirth) den besten zugang hätte Chr. Weise die drei klügsten leute 211; dasz ... selbst die universitätsstadt Jena an celebrität und zugang gewinnen werde Göthe IV 27, 298 W. in Siebenbürgen heiszen danach die versammlungen der burschen zugang R. Hildebrand materialien zur gesch. des volksliedes 1, 89.
3) im heutigen gebrauch gesellt sich meistens die vorstellung des unbehinderten, oder seines gegentheils, hinzu.
a) bei gegenständlichen zielen: et non accessis invia fluminibus z denen man ... kein zgang hat Frisius 14b; den zgang weeren 113b; man sol auch dise ... vogelheuser .. glat dünchen, dasz die katzen ... keinen zgang z den vöglen haben mögind Heuszlin Gesners vogelb. 88a, 2, 89b; 1719 gieng er nach Weimar, und erhielt einen zugang in dasiges archiv Gottsched neuest. aus der anmuth. gelehrsamkeit 2, 807; die thürflügel standen offen und lieszen der abendkühle freien zugang Th. Storm 1, 259; laub zu brechen, welches den sonnenstrahlen den zugang versperrte G. Keller 1, 241. in solchen fällen erklärte Campe zutritt für üblicher, doch unterscheidet es sich von zugang dadurch, das es gewählter, gleichsam wissenschaftlicher ist. übertragen: und obgleich yemand davon (von der taufe) fellet und sundigt, haben wir doch ymmer ein zugang dazu, das man den alten menschen widder unter sich werffe Luther 30, 1, 221 W.; gelehrte leüthe, doctores, licentiati, fürstliche und grävliche räthe haben einen rechten zugang zum adel Moscherosch gesichte 2, 356; er (der staat) musz .. allen den gleichen zugang zu den vorhandenen quellen der bildung für dieselbe gestatten Fichte 7, 188; in die Tyroler, die Schweizer Alpen hatte der protestantismus keinen zugang gefunden Ranke 38, 16. insbesondere von einem geistigen eindringen: öffene uns einen zgang z der christenlichen warheit U. v. Hutten 1, 380 Böcking; oft ist es ... das systematische wissen, was einem sonst guten kopfe den zugang zu neuen ideen verschlieszt G. Forster 5, 143. in anderer weise in der alten rechtsprache: actio in rem ein rechtliche anspraach, anforderung oder zgang an ein gt Frisius 68b; alle kind ... söllent an allen ligenden und varenden gütern z glycher erbschafft ... geacht werden und zgang haben Riederer spiegel d. rhetorik v 3a. für die abgabe beim antritt eines hofes weisth. 3, 638.
b) das ziel sind personen, wie bei zutritt, das nach Adelung und den ihm folgenden synonymikern bei einer annäherung an höher stehende gebraucht wird, zugang gelte dagegen für eine solche unter gleichen leuten. die unterscheidung wird durch die belege nicht bestätigt, zutritt ist eher das formellere wort, vgl. bei a. in älterer zeit gibt es nur zugang Frisius 33a, 38b; 235b u. öfter. der übergang von den bei 2 gegebenen fällen hierher ist flieszend: Phedria macht im ein freyen zgang z der Thais Terenz (Straszburg 1499) 36b; keyser Heinrichen ... welcher ... demütig versucht zugang für sein heiligkeit zubekommen Fischart bienenkorb (1588) 129a; das aber hat mir immer an ihren eltern ... gefallen, dasz sie ... keinem (studenten) in ihrer familie zugang gestatten J. M. Miller briefw. (1778) 1, 232; der einfluszreiche, ... langjährige adjutant des kaisers Wilhelm, graf Karl von der Goltz, der einen stets offenen zugang für seinen bruder und dessen freunde abgab Bismarck ged. u. er. 1, 112 volksausg. in alter rechtssprache: das man sunst kainen zgang z oder wider ine (einen bieter bei einer versteigerung) gehaben möcht (ihn fassen), oder das er hinder der thür urlaub genomen und hinweck sich trolt hette ganntrecht (Ingolstadt

[Bd. 32, Sp. 396]


1566) 33b. durch die mystiker ausgeprägt der zugang zur gottheit: so doch ein sele ie sundiger ist, so si ie billicher dunket, daz si einen zgang z dir (der himmelskönigin) habe Seuse 263 B. (vgl. Tauler pred. 64; 180; 360 Vetter); denn durch in haben wir den zugang alle beide, in einem geiste, zum vater Eph. 2, 18; der fride kompt daher, das wir uns fur kinden fulen und den ewigen vater kennen, damit wir ... einen trostlichen zugang haben als zu unserm lieben vater Luther 19, 161 W.
4) es verbindet sich damit die vorstellung des 'hinzu' s. DWB zugeben I 3 b, wie bei zufall und zufuhr: ein zgang oder meerung Frisius 14b.
a) wie zufuhr: dise statt ... hat ein gten marckt und zugang aller notturftiger dingen Stumpf Schwytzerchron. 414b. veraltet.
b) wie einkommen: die zugenge seiner habe werden schmal werden Hiob 18, 7; lieben menner, ir wisset, das wir grossen zugang von diesem handel haben (die goldschmiede in Ephesus) apostelg. 19, 25;

dann eigner herd ist geldes werd,
und schwer zu bkommen hie uff erd,
wo sonst kein zugang, gelt noch gut,
denn was die hand erwerben thut
Eyering prov. cop. 1, 243;

damit sie (die beisitzer an den gerichten) nicht nöthig haben, sich um anderseitige zugänge oder bedienungen zu bewerben (wenn ihr einkommen nicht genügt) allg. haushaltungslex. 2, 39a. 'fängt an ungewöhnlich zu werden' Adelung.
c) von stofflicher vermehrung: andere gewechse nemen zu, wenn sich die narung oder zugang anlegt J. Mathesius Sarepta 35a; bey starken zugängen der wasser Veith 306; man sehe das hühnchen im ey an. ohne den geringsten zugang von auszen lebt es Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern 66; das kind hat keinen zugang (nimmt nicht zu), das wasser (wenn die quelle versiegt) Müller-Fraureuth 2, 715a. hierauf beruht auch, wie im mhd., s. DWB zugehen I 4, die anwendung auf gestirne: dann man befindet sie (die zwiebeln) allezeit vollkommener und grösser im abgang dann im zugang oder völle des mons Sebiz feldbau 49.
d) heute in der geschäftssprache von dingen und personen, deren zu- und abgang regelmäszig gebucht wird, s. DWB zugehen I 3 c: die zugänge (der steuer) .. werden .. mit dem tage ihres eintrittes in berücksichtigung gezogen hdwb. d. staatswiss. 3, 442; 'schneid dem zugang das haar' (dem neueingelieferten sträfling) K. Bröger der held im schatten 69. dazu zugangsliste, -verzeichnis.
5) zugang örtlich, erst mit dem frühnhd., als übersetzung von lat. aditus auftretend: so inen dann der feindt alle zugäng und strassen ... verhütet H. W. Kirchhof milit. disciplina 82; man darf .. in eine solche festung nicht viel thore und zugänge machen Fleming vollk. t. soldat 408; der gang ... war wahrscheinlich ein hohlweg, wie die zugänge gebirgiger städte sind Göthe 42, 2, 9; die zgeng des leibs und namlichen der adern offnet er (d. wein) Petr. de Cresc. vom ackerbau (1531) 56b; die zugänge der leber Hegel 16, 94; alle verborgene zugänge ihres herzens Joh. E. Schlegel 3, 478; alle zugänge meiner seele Lessing 2, 251 M.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugangel, f., besteht aus mehreren an einem seile mit einander verbundenen angeln, die quer über einen flusz gezogen werden Adelung; Hübner-Rüder 4, 1036b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugangbar, adj., vereinzelt für zugänglich: eine ... leicht zugangbare insel Wieland Lucian 4, 223. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugängig, adj., aus derselben zeit wie das vor. wort, hielt sich etwas länger: wir haben auch der kälte zu danken, dasz sie uns die moräste und brüche wegsam und zugängig macht bunzlauische monatsschr. (1774) 1, 81; (beide bibliotheken) ... für alle zeiten brauchbar und zugängig zu machen Göthe IV 32, 112 W. früher einmal im reimspiel: saturnische weisenfresser machen die process ... anhängig, und nimmer abhängig, sondern

[Bd. 32, Sp. 397]


jhe mehr zugängig und verlängig Fischart geschichtklitt. 250 ndr.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugängigkeit, f.: die reformation .. gab der kirchlichen organisation öffentlichkeit, zugängigkeit, kontrollierbarkeit Simmel philosophie des geldes 403.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugänglich, adj. , nl. toegangelijk, schon van Schueren theut. 399a Verdam, im dtsch. erst bei Göthe, der es sehr häufig braucht, und bei seinen zeitgenossen. die bedeutung schlieszt sich an zugang 3 an und enthält immer als gegensatz die vorstellung des unzugänglichen.
1) räumlich von dingen, 'erreichbar': jetzt .., da der frühling die zimmer zugänglicher macht Göthe IV 41, 7 W.; die stadt trug ... gar kein verlangen danach, ... (durch die eisenbahn) der übrigen welt zugänglicher gemacht zu werden W. Raabe hungerpastor 1, 246. 'unverschlossen', 'nicht verboten': das alte schlosz, welches ohne thor, ohne verwahrung jedermann zugänglich ist Göthe 30, 43 W.; seitdem die winklersche sammlung den künstlern nicht mehr zugänglich ist 48, 24. auf nicht räumliches übertragen: alle ämter waren allen bürgern zugänglich H. Grimm Michelangelo 1, 8; der galvanischen reizung sind alle nerven zugänglich Sömmerring bau des menschl. körpers 6, 733. insbesondere der kenntnis zugänglich: es giebt in der natur ein zugängliches und unzugängliches Göthe gespr. 6, 95 B.; auch das herrliche denkmal unsrer alten heldensage war damals noch fast niemanden bekannt oder zugänglich A. W. Schlegel 9, 156; obschon mir das actenstück gegenwärtig nicht zugänglich ist Bismarck ged. u. er. 2, 87 volksausg. es bedeutet geradezu 'begreiflich': erfordernis der thierfabel ..., sie müsse lauter einheimische, der volksanschauung zugängliche thiere enthalten J. Grimm Reinhart Fuchs vorr. xlvi.
2) zugängliche personen sind zunächst solche, an die man im eigentlichen sinne herankommen kann: weil wir ihre (der Franzosen) nächsten und zugänglichsten nachbarn sind E. M. Arndt für u. an s. l. Deutschen 1, 465; dazu musz der aufenthalt sr. k. h. jederzeit bekannt und erreichbar, der kronprinz für die minister persönlich zugänglich ... sein Bismarck ged. u. er. 1, 359 volksausg. in weiterem sinn bezeichnet es ein nicht stolzes oder ablehnendes wesen: niemand ist zu hause. deszwegen ist jeder zugänglicher, und zeigt sich doch auch eher von seiner günstigen seite Göthe IV 10, 283 W.; eine zwar halb taube, aber angenehme und zugängliche frau Hebbel br. 4, 418. insbesondere im verhältnis zu einwirkungen auf geist und gemüt: ebenso zugänglich und bestechlich .. wie jeder andere senator Mommsen röm. gesch.4 2, 131; der könig war militärischen einflüssen im laufe jener tage öfter und bereitwilliger zugänglich als den meinigen Bismarck ged. u. er. 2, 61 volksausg.; solchem unsinn zugänglich G. Keller 7, 201. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zugänglichkeit, f., nach zugänglich Adelung: die zugänglichkeit und der hafenreichtum Neuseelands Ratzel völkerkunde 2, 106; die zugänglichkeit aller stellen für talente aus dem bürgerstande Häuszer d. g. 32, 235; zugänglichkeit der kataloge hdwb. d. staatsw. 2, 795; was hier mythus ist, wird dort märchen, verliert dabei an groszartigkeit, gewinnt an menschlicher zugänglichkeit Ratzel 2, 311; seine zugänglichkeit für jedermann und seine freigebigkeit Ranke 35/36, 399; bei der zugänglichkeit für unberufene hintertreppeneinflüsse Bismarck ged. u. er. 1, 108 volksausgabe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zuganker, m., eiserne verankerung einer mauer Adelung; Hübner-Rüder 4, 1036c; Hoyer-Kreuter 1, 875. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: