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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zufuhr bis zugader (Bd. 32, Sp. 374 bis 394)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufuhr, f. , mnd. tofore Schiller-Lübben 4, 601b. die form zufuhre, vgl. th. IV 1, 1, 430, erscheint sehr häufig im 17. u. 18. jh. ein später beleg: die stadt an einem solchen orte anzulegen, wo sie gar keiner zufuhre von auswärts bedürfte Schleiermacher Platon 6, 144. die bedeutung beruht überall auf zuführen 3, etwas zu wagen oder schiff heranschaffen.
1) es ist das heranfahren, advectus Frisius 42a: zfr ... das zhinbringen Maaler 526b; wenn jemant der zugang oder zufuhr auff seinem acker durch die gewalt des flusses oder einen erdfall benommen ist dorf- u. landrecht (1719) 76. dies insbesondere von dem heranführen von lebensmittel und sonstigem bedarf: nachdem sie auf dem meer freye zufuhr aus den umliegenden eylanden hätten A. H. Bucholz Herkuliskus 20a; ein täglicher und ein wochenmarkt, und auf die selbe freye zufuhr Lori baier. bergrecht einl. xliv; eine jede regierung ist verbunden, im falle der noth die ausfuhr zu sperren, sowie zur pestzeit die zufuhr J. Möser 2, 47. fest eingeführtes wort der militärischen sprache: das man sie (die stadt) daraus beschedigen und die ab- und zufuhr wehren würde H. Merckel Magdeburgs belagerung (1587) 91b; herzog Gottwald lag zwischen dem zertheilten strome sowohl der zufuhr als festigkeit halber in einem merklichen vortheil Lohenstein Arminius (1689) 2, 840a; die männer ... überfallen seine (des feindes) zufuhren und rekruten E. M. Arndt schr. für u. an s. l. D. 1, 296; die blocade, sperrung der zufuhr Gottsched d. sprachkunst5 197; die zufuhr hindern, abschneiden u. ä.
2) zufuhr ist das zugeführte, bes. waren, lebensmittel: nachher erpresseten Roms bürgerliche kriege auch in Judäa geld und zufuhr Herder 19, 155 S.; da strömte vom platten lande reiche zufuhr herein W. v. Polenz Grabenhäger 1, 172; die eisenbahnen fahren die zufuhr bis fast an die stellung heran Moltke 4, 147.
3) übertragen: zufuhr frischer arbeitskräfte Wimmer g. d. d. bodens 146; überreiche zufuhr an poetischer kost jahrb. d. Grillparzerges. 4, 317. besonders in wissenschaft und technik beliebt: zufuhr und verbrauch; zufuhr von nährstoffen im körper; von dünger, frischer luft, brennmaterial u. s. w.
4) daher viele wissenschaftliche, militärische und technische zusammensetzungen, alle aus neuerer zeit: zufuhrbahn, -flotte, -kolonne, -linie, -sperre, -strasze, -weg; zufuhrfläche, -gitter, -gleis, -kanal, -schlauch, -trichter. vgl. zuführen.
 
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zuführen, v. , ahd. zuofuoren Graff 3, 597, mhd. zuovüeren mhd. wb. 3, 261b, Lexer 3, 1189, mnd. tovoren Schiller-Lübben 4, 601b. in der ersten bibel regelmäszig ungetrennt: und zfrten die eselin und das fúle 1, 78 K.
1) räumlich: etwas an einen ort führen: wenn du deines feindes ochsen oder esel begegnest, das er irret, so soltu im denselben wider zufüren 2. Mos. 23, 4; derhalben wil ich das schwert widder dich zufuren, und leut und vihe totten Carlstadt von bepstlicher heiligk. (1520) c 1a; darnach sollen die arbeiter ein stuck (blei) nach dem andern zuführen Ph. Bech bergwerksb. des

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Agricola (1621) 410; so durffte ir leichnahm nicht nach der stadt Rom zugeführet werden Fleming vollk. t. sold. 371. in neuerer zeit in loser verbindung: der untere spiegel ist .. so gestellt, dasz er das himmelslicht aufnehme und es dem kubus zuführe Göthe II 5, 1, 269. vielfach von personen: das ich sie dir wider zufüre und uberantworte (seine gestorbenen kinder) Mathesius 1, 196 Lösche; welchs sie thaten, und ihm einen mönch (als beichtvater) .. zuführeten Kirchhof wendunmuth 2, 86 lit. ver.; der spitzname Kohlköpfle ... führte ihm manchen kunden zu G. Keller 5, 69;

das ist es auch, worauf der feind nur wartet,
das heer uns zuzuführen
Schiller 12, 131 G.

insbesondere von frauen, zur ehe und anders: doch sollen wir nit die hend in den schosz legen, und sagen: got wirt mir wol ein oder eine zufüren S. Franck sprichw. (1541) 2, 106b; do der sone gottes dem ersten menschen seine allerliebste braut an die hand gibet und sie im zufüret, oder wie wir reden, beileget Mathesius 2, 11 Lösche; von diesem Justino sagt man, das er weibergeier gehalten habe, so im mit gewalt oder list andere eheweiber und erlicher vom adel töchter zugefüret haben E. Menius chron. Carionis (1562) 2, 215b; des fürstlichen armen sünders .., dem er seine mätresse so zugeführt hat Schiller 2, 342. neuerer prägung sind ausdrücke wie einen einem zustande, der verzweiflung, dem untergange, dem tode, einer strafe zuführen.
2) zur richtung tritt die vorstellung des hinzu, mit der vermehrung von besitz oder stoff: die könige aus Reicharabien und Seba werden gaben zufüren ps. 72, 10; dan es mag leichtlich eyn regen kommen, ... der ... mit sich vil gutes mists inen zufürt Sebiz feldbau 458; das zugefürte erdtrich (vor der mündung des Po) T. Dreyfelder hist. des hauses Este (1580) 14b; kein acker bleibt tragefähig, wenn ihm nicht die durch die ernten entzogenen stoffe wieder zugeführt werden P. de Lagarde d. schr. 243; der ... häring ... wandte sich in die westsee und führte seinen segen den Flamländern zu Dahlmann g. v. Dännemark 3, 121.
3) zuführen ist auf einem fahrzeug heranbringen: conveho zfüren, es sey auf der ax oder z wasser Frisius 327b; lignor holtz zfüren 771b; auch mussen darzu der stat decker haben einen mit einem karren und pfert, der inen zufurt zigel, sande und zeug E. Tucher baumeisterb. 55 lit. ver. (ähnl. Schupp 56; Lohenstein Arminius (1689) 2, 728b; Fr. Schlegel s. w. 7, 36). vor allem von lebensmitteln und sonstigem bedarf: und liesz aus gantz Syrien korn zufüren Judith 2, 9; naves annotinae die profiant und speysz zfürend Frisius 99b; und vermeinete ein jedes theil dem andern dergestalt die straszen zu verlegen, dasz keinem nichts zugeführet werden solte Binhardus thür. chr. (1613) 190; in Reims haben wir eisenbahnen und kanäle wieder hergestellt, um 40000 fabrikarbeitern kohle zuzuführen Moltke 4, 209; entsprechende belege bei Schiller-Lübben. danach in wissenschaftlicher und technischer sprache: wärme, luft, wasser u. s. w. wird zugeführt, s. d. zusammensetzungen und zufuhr 3. in weiteren anwendungen von geistigem stoff: die augen sind nur canäle, die bestimmt sind, der seele vorstellungen zuzuführen J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 74; gedanken, melodien, bildungselemente u. dgl. werden einem zugeführt.
4) ohne object: ein weg, eine strasze führt auf ein ziel zu.
5) als fachwort des bergbaus heiszt einen ort, einen stollen zuführen ihn weiter machen A. v. Schönberg berginformation (1696) 2, 112; Veith 594.
6) die technik kennt mannigfache zuführvorrichtungen, wie zuführplatte, -rolle, -schnecke, -trichter, -tuch, -walze vgl. DWB zufuhr 4.
 
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zuführer, m. 1) nach zuführen 3: knechte und zufurer (des mühlenpächters) Bücher Frankfurter berufswb. 85b; zuführer der kohlen auf eisenhämmern, der ziegelerde auf ziegeleien Schrader d. frz. wb. 2,

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1689. 2) militärisch: zufürer in eim feldlager Bas. Faber thes. (1587) 341b; marckedenner Corvinus fons lat. (1646) 365. 3) zuhälter, s. DWB zubringer 1; Schiller 3, 71 G. 4) maschinentheil Hoyer-Kreuter 1, 874; Mothes baulex. 4, 523. 5) astrologisch: solche himmelskraft ... ertheilet sich auch nicht allezeit den sachen auf einerlei art und weise, sondern bald so, bald so, nach dem unterschiedlichen stande der gestirne, deren stellung und vermengung sich vielfältig ändert, obgleich der spiritus desz zuführers stets einerlei und einer unveränderlichen substantz ist Er. Francisci lusthaus (1676) 1439. —
 
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zuführerin, f., kupplerin: schämet sich selber nit ime für ain zufürerin zu dinen Fischart öffentliches ausschreiben c 7b.
 
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zuführung, f. Maaler 526b.
1) zu zuführen 1: umb der ehrlichen weyse und gepreng willen, so man in zufürung der breute und beylager zu gebrauchen pfleget Mathesius 2, 25 Lösche; der die auffgerichtete alliance nicht nur mit zuführung seiner armée, sondern auch mit dar- und zusetzung seines königlichen blutes ... gehalten Chemnitz schwed. krieg 1, 468.
2) wie zufuhr 1: damit ... solche zfürung und gewerb erhalten und gefürdert werden, so soll in solcher auszlendischer woll .. ain freyerkauff zgelassen sein baier. landesordnung (1753) 71a; weil sich nun der printz von Uranien .. understundt seines feindts läger auszzuhüngern, .. ihnen alle zufürung zu versperren E. v. Meteren niderl. krieg 283a. zuführung von baustoffen u. dgl.; zuführung von gasen, dämpfen, rauch, rusz, wärme, geräusch (zu einem grundstück, immissio imponderabilium) bgb. § 906.
3) in neuerer zeit besonders technisch und naturwissenschaftlich: durch zuführung eines maszes kochenden wassers durch mehrere röhren Göthe IV 26, 296; zuführung des wassers (wiesenbau), frischer wetter (bergbau), von erhitzter luft, von unterwind (hüttenbetrieb). hierfür auch viele zusammensetzungen: zuführungsgeschwindigkeit, -richtung, zuführungsbrett, -draht, -hahn, -kasten, -rohr, -scheibe, -zeug, sowie mit den bei zufuhr 4 und zuführen 6 angeführten wörtern.
 
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zufüllen, v., ein masz oder gefäsz mit flüssigkeit vollfüllen: Frisius 36a; 270b u. ö.; nutrire vinum den wein radtsamen, in eeren halten, sorgsamen und in zfüllen damit und er nit abstande oder verdärbe 888a. weiter: den bauch füllen, sich zfüllen 334a; corporea cicatrix mit fleisch zgeheilt, oder zgefüllt und widerumb verwachsen 338a; bibliothecam supplere zfüllen 1274b; flüsse und häfen könnten uns dienen. allein zufüllen und versenken sollten wir sie beinahe, da sie ihrem vaterlande ungetreu .. werden J. Möser 1, 105. —
 
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zufüller, m.: (capulator) der mit dem gschirr schöpfft, oder zfüllt Frisius 188a. —
 
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zufüllung, f., Frisius 983a, im bergbau, von tagebrüchen Veith 366, hohlräumen hdwb. d. staatswiss. 2, 554.
 
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zug, m. , ahd. zuc, in obliq. cas. u. zuss. zugi Graff 5, 611, vgl. Schatz altbair. gr. § 103, mhd. zuc mhd. wb. 3, 931a; Lexer 3, 1163, mnd. toch, toge Schiller-Lübben 4, 556 f.; ags. tyge Bosworth-Toller 1028a, me. tige u. ä. Stratmann-Bradley 622b. es fehlt im nord. und ist im got. nicht belegt. es ist ein verbalabstract auf -i mit schwachstufiger wurzel, vielleicht erst westgerm. entstehung. die verhältnismäszig dürftige belegung im ahd. und mhd. (in Notkers Boethius und Hartmanns Iwein kommt es nicht vor) kann nicht der thatsächlichen verbreitung entsprechen, denn im frühnhd. tritt es in sehr mannigfacher bedeutung auf, u. die abstracte anwendung in manchen mhd. belegen weist auf eine längere entwicklung:

er hete an krefte alsolhen zuc,
vil künege wâren sîne man,
mit krôntem lîbe undertân
Wolfram Parz. 13, 22;

ir tuot der freude alsolhen zuc 533, 2;

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ze helle zôch er eines zuges
vil ungetoufter geiste
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 12582.


im nhd. besonders seit beginn des 18. jh. hat zug seine bedeutungen neu und mannigfach entwickelt, wie das fehlen mancher heute geläufigen verwendungen noch bei Stieler 2630 zeigt. sie sind in der schriftmäszigen sprache ausgebildet u. von den maa. nur vereinzelt übernommen. neben eigenen antrieben ist dabei die einwirkung allgemein abendländischer erscheinungen, bes. im fr., nicht zu verkennen. s. u. bei 11.
wenn der auslaut als verschluszlaut gesprochen wird, kann zug sich mit zuck berühren, vgl. sp. 281, 6:

ein zug, ein kleiner augenblick
führt dich zun ewigkeiten
G. W. Sacer bei Fischer-Tümpel 4, 507b.

allgemein ist in frühnhd. zeit auf alemannischem boden die vermischung mit züg, zeug, m., in der bedeutung kriegszug, feldheer, s. u. II A 2 c; und sie frtend den zeüg wider die Midianiter Züricher bibel (1530) 4. Mos. 31; dann ein ... starker züg z rosz und fsz ist mit einem gächen sturm über zün und muren inprochen N. Manuel weinbrief (weinspiel vi ndr.);

wolan das newe jahr, in welchem unsre frewd
und glick ernewern wirt, ist förtig umbzuschlagen,
und will durch newen zeug und zug das alte leyd
und nach dem alten jahr selbs unsren feind verjagen
G. R. Weckherlin 2, 216 lit. ver.

bedeutungen.
I. zug bezeichnet die thätigkeit und den vorgang des ziehens, wobei neben dem fortschaffen einer last die angespannte wirkung in einer bestimmten richtung zum ausdruck kommt: wann man dann fort will, so werden ermeldte ancker vermittels eines starcken zugs ... wider auff in das schiff gezogen H. Welsch wahrh. reisebeschr. (1658) 110;

he brack sik losz mit twen togen Reineke vos v. 6351 Prien;

thten so starck die rhder zucken,
als wolten fallen sie an den rucken
in gleichem zug, in gleichem flug
Fischart glückh. schiff 13 ndr.;

in sichrem gleichgewicht gehalten (das pferd)
durch den gelinderen zug der trense
Klopstock oden 2, 24 M.-P.;

er ruht nun auch am sieb'nten tag
von manchem zug und manchem schlag
Göthe 16, 123 W.;

und er lehrt die kunst der zange
und der blasebälge zug
Schiller 11, 296 G.

danach in Augsburg der ort, wo schiffe ans land gezogen werden, zug Lexer 3, 1164, vgl. DWB zuck 5, sp. 281. ferner ruderzug remigium Frisius 1141b.
A. dabei treten die einzelnen theilvorstellungen in den vordergrund.
1) die beförderung einer last durch lebendige vorgespannte kraft, im gegensatz zum schieben, besonders von zugthieren: gte und gschickte zierosz, die gt im zug sind Frisius 1350a; darzu sind xxx ochsen geordnet, die man abwechselt, das allewege zwei par am zuge gehen F. Fabri eigentl. beschreib. (1557) 163a; Lehmann florileg. 2, 936; das ist ein guter zug für ein junges kalb N. Duez prov. fr.-allem. (1679) 11; der zug des arbeitsviehes gehet nemlich von dem punkte, womit sie ziehen, niederwärts zu dem punkte, wo der schwengel am vorgestell befestiget ist Thär ackergeräthe 1, 4. ein zug ist dann auch ein gespann: scindere rura bubus ... mit dem pflg oder zug bauwen Frisius 1170b; den wagen für den zug spannen S. Franck sprichw. (1541) 1, 2a; ein zug ochsen Stieler 2630; Kramer 2, 1452a; J. v. Müller 1, 240. dazu rinderzug Frisius 163b. ein zug pferde ist meist ein gespann von einer farbe Jacobsson 4, 721b; Guelfo, gebt mir den zug apfelschimmel zum erbtheil Klinger 1, 27. als zähleinheit: nicht weniger als 30 züge vieh, durch welche das getreide ausgetreten wurde Ritter erdk. 16, 67. mundartlich e halbe zug für ein zugthier Seiler Basler ma. 328b. hierzu gehören

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viele zusammensetzungen: zugrind, -ochse, -bulle, -stier, -pferd, -rosz, -stute, -kameel; zugfähig, -fest, -tauglich, zuggespann, -joch, -fahrzeug. so auch gelegentlich von menschen: drei züg tröscher haben in 13 wochen ... auf iren thail bekommen 15 muth 16 metzen geschichtbücher der wiedertäufer in Österreich-Ungarn (zeugnis von 1641) 464 Beck. vgl. u. II A 2 d.
2) die art der wirkung im gegensatz zu druck und stosz:

vom schöpfer kam der trieb, der den planet belebt,
stets mit dem zuge kämpft, der ihn zur sonne senket
A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 72;

wunder- und sonderbar ist sein (des magnets) mächtiger zug, krafft welches er das sonst schwere und harte metall, das eisen, emporhebt Dannhawer cat.-milch 1, 80; wie itzo die seiten auf der laute, deren wohl zehen aufgezogen werden, ehe man eine findet, die rein klinget und den zug aushält Butschky Pathmos 139; nach der biegungstheorie wird in jedem trägerquerschnitte (einer brücke) der eine gurt auf 'zug' ... beansprucht Karmarsch-Heeren 23, 81. dazu unbegrenzte zusammensetzungen in der sprache der mechanik und technik, z. b. zughöhe, -leistung, -kraft, -spannung, -widerstand, -wirkung; zuggurt, -strebe.
3) die wirkung in einer besonderen richtung:

die kugel nam den zug nit an,
sy thet zu gar gern abhin gan
(schützenausrede von 1504)
Grob ausreden d. schützen (1603), zschr. f. d. altert. 3, 254;

ihre kleidung folgt dem zuge eines jeden muskels H. Sturz 2, 65; (sägezähne) stehen auf dem zug, wenn sie beim anziehen der säge angreifen, beim wegschieben sich lösen Mothes baulex. 4, 523.
4) die besondere bewegungsart des ziehens, wobei der gezogene gegenstand der hand folgt.
a) von saiteninstrumenten, wie schon mhd.:

zeuch erstmal die öberste seyt so hoch
das sie nicht leiden kan einen zoch
M. Agricola musica instrum. (1528) 47a;

der spielmann sagt: 's ist genug,
ich musz fideln noch einen zug
Rückert 3, 11.


b) von anderem, besonders schneidendem werkzeug: dise (kisten) machet der meister in dem schlemgraben rein, so er mit bäsen ihr obertheil sanfft kehrt, nicht mit gleichen zügen, sonder jetzmahlen stracks, darnach in die quär Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 257; darumb so ist die gewisser und nützer schnidung, die .., mit dem zug des messers und nit mit dem straich volbracht wierdt H. Österreicher Columella 1, 270; zug mit dem schärmesser Kramer 2, 1452a;

so bald der schnitter hat nur einen zug gethan
J. Rist neuer t. Parnasz (1652) 252.

in freierer verwendung: es (das schwert) hat den zug, wie es ihn haben musz Lessing 2, 374 M.
c) von der scheinbar ziehenden bewegung werden die wehen züge genannt: sind sie schwanger und gehen die züge heran, so werden sie auch bösz auff die männer J. Zader breutigams ehrenkranz (1606) 161. auch von anderen schmerzen wie ziehen und reiszen: meine augen sind leidlich, der zug aber in den schenkeln und seiten fatal Göthe IV 3, 143 W. überhaupt für 'anfall', siehe zschr. f. d. altert. 53, 154: er .. war ein fleisziger stiller arbeiter, bekam aber alle monat seinen zug; dann trank er drei tage H. Löns mein braunes buch 106. ausschlag im gesicht heiszt zug und flug oder aufzug Höfler 860a.
5) es bleibt, bes. in älterer zeit, nur der begriff des einzelnen vorganges, während das ziehen aus der vorstellung schwindet. so kommt die bedeutung streich, kunstgriff heraus:

er sprach: vrouwe, sitzet nider
unt lernet uns die selben zuge,
wie daʒ so gewesen muge
Ebernand v. Erfurt 1401;

[Bd. 32, Sp. 379]



die fabel lert uns auch den zug,
das man mit schaden erst wird klug
Burk. Waldis Esop. 2, 180 Kurz;

wie kan dieser zug (ein alter 'wurzelmann' hat krankheiten in bäume gehext) in eine solche ferne .. würcken? Lohenstein Arm. 2, 480a. plattd.: eenem eenen tog rieten einem einen possen spielen Schütze holst. id. 4, 253; dit was dem fursten ein hart toge (dasz er seiner stiefmutter 5000 gulden geben musz) Schiller-Lübben 4, 557b.
B. diese bedeutungen haben sich in besonderen verwendungsbereichen eigenthümlich entfaltet.
1) in der musik, vgl. DWB A 4 a: tirata [ital.], tirade [gall.] s. f. bedeutet einen zug oder strich, u. überhaupt eine reihe vieler noten von einerley geltung J. G. Walther music. lex. (1732) 609; eine nachtigal ... welche bald den grund langsam mit stetem zuge, bald die höhe mit geschwind- und gedrehetem gelispel ... berührte Ph. Zesen rosenm. (1651) 4; den .. chorus .., der dem .. Philoktet sein ... ruhelied, in sanften, langsamen zügen singet Herder 3, 17 S.; sie (die töne des kontrabasses) sind ... von einem ansprechenden feinen zug, dem man das kräftige wohl anmerkt Fr. Th. Vischer ästhet. 34, 1036.
2) vom ziehen des netzes beim fischfang und vogelstellen, schon mhd.: captura zuc Diefenbach n. gl. 74b; bolus ein anwurff oder zug mit dem garn (oder ein fang 640a) Frisius 158b; werffet eure netze aus, das ir einen zug thut Luc. 5, 4; so nun der jäger .. will erfahren, was uber land oder am zug gefangen seie Sebiz feldbau 567; ich fange auf einen zug zwey vögel Klinger 3, 194;

einen zug sollt' er thun, wie er keinen gethan
Schiller 12, 488 G.

wie fang ist zug auch das gefangene: als so einer einem visscher ein zug abkauffte mit dem netz clag, antwurt (Augsburg 1497 bei H. Schönsperger) 87a; haben .. dann einige tüchtige züge hechte und karpfen gefischt Scheffel 4, 50. dann bezeichnet zug verschiedene einrichtungen zum fischfang, eine an der tiefsten stelle eines fischteiches angebrachte grube, in der sich die fische beim ablassen sammeln Benzler deichlex. 2, 298; Jacobsson 8, 283b; fischbüchl. 115, in Luzern ein den durchlasz unter einer brücke sperrender kasten, der mit stangen hinaufgezogen werden konnte: es sint ouch zuge an stangen ze Lucern, die geltent jerlich ze zinse 100 stanbalchen (eine art fische) habsburg. urbar 1, 215 Maag. weiter die fischgerechtigkeit in einem gewässer: de der ersten kumpt in de Kernemelckes siell, de schal den köer hebben, wer he wil den haeken hebben edder dat toch in der Schulower Lake Hamburger fischerlade (1469) 1 A 5, 15; (auf dem Heuwerder) ... mochte men to voete uthtreden unde warpen de seyne in dat water unde theen wedder to hande to. den toch seden se em hueraftich to (als eigenthum, das er verkaufen oder vermieten kann) Rüdiger zunftrollen 65 (die beiden belege aus d. samml. d. hamb. wörterbuchs). überhaupt ist es der ort der fischgerechtigkeit u. wo man fischt: de garne de se up den toghen hebben hschr. eintrag von Walther zu Schiller-Lübben. in der Schweiz zug (abtheil. eines fischwassers) Buck flurnamenb. 313 (wie fischenz, fischweide). überhaupt von seitenarmen, altwässern: da sollen auch alle alte flusz und zöge, da man var zeiten lastschiff hingelegt hat, geraumet werden Frankfurter zunfturk. (1607) 1, 211; der Lange Zug (seitenarm der Alster in Hamburg). eine reihe weidmännischer bedeutungen von zug nennt Heppe aufricht. lehrprinz 47 f. zug als mittel zum anlocken des wildes haushaltung in vorwerken (1569/70) schr. der kgl. sächs. komm. f. gesch. 19, 225. aus dem zug bei fischerei und jagd erklärt sich auch vermuthlich die in der umgangsspr. und den maa. verbreitete wendung einen auf dem zuge haben, ähnlich wie einen auf dem strich haben. für das alter der wendung spricht, trotz der abweichenden präp.: die edel hertzogin keyn andren trost sunst von nyemants enpfahen mocht (alle meiden sie), dann das gantz Britanien sye in dem züg hat,

[Bd. 32, Sp. 380]


wie wol jung und alt grosz mitleiden mit ir hatten Wickram 1, 148 Bolte.
3) davon oft auf das ziehen bei der lotterie und den gewinn beim spiel übertragen: Calvia Crispinilla, die eben einen groszen zug von vielem gelde gethan hatte A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 133; auf'n ersten zug war er (der haupttreffer) heraus Nestroy 1, 80. von erfolgreicher diebs- oder bettelfahrt Oswald rinnsteinspr. 172. dazu geltzug acquisitio pecuniae Stieler 2630.
4) vom ziehen der figuren beim brettspiel, schon mhd.: wer aber einen solchen gtten zug tht, und zeucht den rechten steyn, der gewinnet das spill J. Agricola t. sprichw. (1534) i 7a; ich stehe immer wie über einem schachspiele und halte keinen zug des gegners für unbedeutend Göthe 8, 224 W.; einen zug vorgeben, zurücknehmen; der zug ist an einem; ein schachspiel zug auf zug. daher in der geschäftssprache die erfüllung zug um zug, die leistung gegen empfang der leistung bgb. § 274, wie it. tratta à tratta, toccare robba per robba z. um z. handeln Kramer 2, 1452a, s. auch Jacobsson 8, 284a; sie sollten sich schämen, mit mir auf so genaue rechnung zu leben. zug um zug ist eine regel in der handlung, aber nicht in der freundschaft Lessing 17, 190 M.; zwischen freunden musz nicht alles zug für zug gehen Göthe IV 33, 130 W. weiterhin heiszt zug für zug einfach 'eins ums andere', 'schrittweise' Seume gedichte (1804) 4; Fontane I 6, 65; Ludendorff kriegser. 220.
5) bei der peinlichen frage ist zug das anziehen auf der leiter Zedler universallex. 63, 1194 (vgl. 44, 1451), überhaupt der einzelne zugriff bei der folter Frisch 2, 484b: über dieser aussage hielt der knecht drey grausame züge und das brennen mit schwefel beständig aus Lohenstein Armin. 2, 122a.
6) in gemeiner anwendung auf das geschlechtliche: gemeine metz, dirn, hur, so keinen zug abschlegt P. Apherdianus meth. discendi 283. oft in den fastnachtspielen.
7) von alters wird in der weberei von zug gesprochen, durch welchen die feine wolle ausgesondert wird Zedler universallex. 63, 1196: so schal nemant kopen werk, dat anderwerff getogen is up anderen toch Schiller-Lübben (1393) 4, 557b. die feine wolle ist der kammzug (Laplata-kammzug der handelsberichte), der abfall zugabrisz Lueger 5, 409. sonst kommt in der sprache der gewerbe noch vor candirte züge, vom obst durchschlagenes mark, mit zucker candirt Jacobsson 4, 722b.
8) im bergbau ist zug
a) das abmessen der gruben, grubenzug, wenn unter der erde, tagezug, wenn am tage verrichtet Wolff math. lex. (1747) 1453; Eggers 2, 1404; Fäsch 273b. dazu markscheiderzug Jacobsson 4, 721b; Hübner-Rüder 4, 1036a. zug zulegen die ausmessung in einem verjüngten maszstabe zu papier bringen Jacobsson 4, 723b. die aufnahmen werden ins zugbuch eingetragen Veith 596. zug ist auch die vermessene länge 595.
b) eine anzahl von gängen, lagern, gruben, die beieinander liegen Schönberg berginf. 2, 112; Veith 594 f., vgl. die beschreibung bei Lori bair. bergr. 239 f.: zcwene, drey, vir, funff oder vi zcechen, die uff clufften und zcugen aneinander gelegen sint H. Ermisch sächs. bergrecht d. mittelalters 94 (bel. von 1479); war all sein geschrey und wundsch, wachs ertz wachs, ein findiger zug oder gute kux die thätens Mathesius Sarepta (1679) 52. unterschieden werden ein flacher zug vom seigeren zug (in senkrechter ebene) Veith.
9) in der alten rechtssprache war zug der weg einer rechtserholung der schöffen und dann der berufung der beschwerten partei nach einem bestimmten benachbarten gericht. sie unterscheidet sich von der heutigen berufung (vgl. DWB rechtszug th. 8, 442) dadurch, dasz sie nicht vom unteren zum oberen richter ging J. Grimm rechtsaltert. 24, 463 ff.; Zedler universallex. (1750) 63, 1193. s. ziehen Lexer 3, 1105. es hatte z. b. Orlamünde den zug nach

[Bd. 32, Sp. 381]


Jena, rheingauische gerichte nach Eltville, Rüdesheim, Lorch. eine längere beschreibung eines solchen zuges schlieszt: und sol ouch da iegklicher zug ein ende han weisth. (1347) 1, 31 f. aus diesem zugrecht, vgl. d. w., ergibt sich die bedeutung 'aufschub', 'frist', auch in allgemeinem sinne: toge oder zuge oder frist inducie voc. theut. (1482) g g 2r; zug geben chr. d. st. 4, 107; züg und tag geben bad. weist. 1, 1, 273 (1480); zúg und zil geben urkundenb. d. stadt Rottweil 1, 377; ane czoge .. bezalen lehnsurk. Schlesiens 2, 590; sunder, ane toch Schiller-Lübben 4, 557; aber syn unschuld erzelet er und begerte aines zugs sich ze bedenken, die selben für ze bringen, ... der zug ward im gegeben Steinhöwel Äsop 307 lit. ver. eine andere verwendung in der rechtssprache ist auf das alemannische gebiet beschränkt: unzinszbare und freye ledige güter, die von freyen zügen härkommend Frisius 1038b; ein gut mit rechten zügen überkommen 728b (ähnl. 924a; 1181a); was von rechten zügen und gten gt hie ist, das wöl got gesegnen Pauli schimpf u. ernst 132 lit. ver. eine dritte verwendung s. bei zugrecht.
10) allgemein üblich sind anwendungen, die vom einziehen des athems ausgehen.
a) vom athmen: raucus tractus ein zug mit groszem gereüsch oder getösz Frisius 1321b; gleich sich wider ins peth gelegt, und wenig züg gethan ... alsbald ... verschiden J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 21;

ein klarer music-schall
werd meiner seufzen zug
G. Weckherlin 1, 262 lit. ver.;

ich ringe mit dem athem, jeder zug, den ich .. wage, macht den folgenden immer beschwerlicher Gellert 5, 28;

lasz mich in vollen, in durstigen zügen
trinken die freie, die himmlische luft
Schiller 12, 487 G.;

Fox ... atmete in vollen zügen die lebensluft ein, welche der anfang der französischen revolution ... ausströmte Dahlmann gesch. der frz. revol. 426. den letzten zug, die letzten züge thut man im sterben: Frisius 459a; 462a; 525a; daher die ausdrücke für die augenblicke des fliehenden lebens:

nembt war: Jesus, der falsche man,
hat seinen letsten zug gethan! Brixener passion 2832 Wackernell.

vorherrschend und heute allein üblich in den letzten zügen liegen, seit Luthers bibel Marc. 5, 23; Luc. 8, 42, veraltet ist in letzten zügen l., von Luther an, beliebt im 17. jh., bis ins 19. jh. hinein, noch Bettine dies buch gehört dem könig 1, 168; Brentano 2, 75, in, an (den) zügen l. Frisius 451a, öfter im 16. und 17. jh. früher in allerlei anderen abwandlungen: in die züge greifen H. Sachs 10, 374 K.; Guarinonius greuel 1074; bis ... der kranck in die züg oder ins grab getretten ist 998; wenn es an die züge geet Luther 10, 3, 165; 12, 361 W.; wenns zu der not kumpt und zu den zügen 34, 2, 41; wenn die züge her gehen 17, 1, 296; 34, 1, 130; wen der zug und streckbein kompt 33, 76. gelegentlich übertragen, bei deutlicher persönlicher vorstellung: allein jetzo ist es (das plattd.) ganz herunter gekommen und liegt in den letzten zügen Gottsched beytr. zur crit. hist. 1, 310; Genua liegt wirklich in den letzten zügen Schiller 3, 23 G. adverbial verwandt geht die bedeutung in die zeitliche der 'sterbestunde', der 'todesnoth' über: güter können nicht helffen in den letzten zügen Luther 28, 670 W.;

er fabelte gewisz in letzten zügen
Göthe 14, 146 W. (Faust 2962);

in des papillons gestalt
flattr' ich, nach den letzten zügen,
zu den vielgeliebten stellen 1, 51 W.

ich benutze seine (des jahres) letzten züge, dir zu schreiben Moltke 6, 185.
b) vom trinken: Frisius 273c; ein zug wein, ein zug bier Kramer 2, 1452a, aus der kannen Wickram 2, 44

[Bd. 32, Sp. 382]


Bolte; tut drauf ein trunk, ...: neun züg und beide backen voll Uhland volksl. 573;

dann flosz unerschöpflich die quelle,
bis durch starke züge der lechzende wandrer gelabt war
Klopstock Messias 10, 399;

wir schlürfen gern in vollem zug
Uhland ged. 1, 277;

man thut einen tiefen, mächtigen, trefflichen, tüchtigen, tapferen, herzhaften zug, einen pommerschen zug; man trinkt in langen, groszen, gierigen, bedächtigen zügen. man leert ein gefäsz auf einen zug Chr. Reuter Schelmuffsky 55 ndr.; Göthe 14, 41 W. (Faust 728), auch in, mit einem zuge. einen guten zug hat, wer tüchtig trinken kann. danach von genüssen und freuden jeglicher art, seit mitte 18. jh. belegt: alles sog es (das herz) in sich mit vollen zügen F. H. Jacobi 5, 14; ich bin selig in vollen zügen Heinse 10, 136 Schüddekopf; ich wollte einmal das leben in vollen zügen genieszen D. v. Liliencron 2, 124 (auf der hühnerjagd).
c) vom rauchen: es sahe sich possierlich zu, wenn er rauchte, denn es kam auf jeden zug eine gewaltige menge rauch heraus Leipz. avanturieur 1, 111. mit umlegung des subj.: die pfeife hat keinen zug.
11) noch mannigfacher sind die verwendungen, welche vom ziehen des stiftes oder der feder beim zeichnen und schreiben ausgegangen sind. dies gehört zumeist den beiden letzten jahrhunderten an und berührt sich vielfach mit dem franz. trait, s. Littré 4, 1302 ff. Stieler kennt davon nur züge auf den briefen 2630.
a) vom wirklichen zeichnen oder schreiben.
α) es ist das ziehen des stiftes, der feder oder des pinsels: Kramer 2, 1452a; lineam ducere einen zog oder strich thun mit der farbe oder feddern Bas. Faber (1587) 452b; nahm er die ... schreibfeder, ... und begann ... kopf und brustschild ... in langsamen zügen damit zu bestreichen Th. Storm 1, 76; oder einer ein quadrangel machet ausz dem freyen zug Paracelsus op. (1616) 2, 317; ich fing ... damit an, allerley mathematische figuren aus freyer hand ... zu entwerfen, um sie zur sicherheit im zuge zu bringen Heinse 4, 39 Schüddekopf; David und Goliath, die er (beim miniaturenmalen) so gut im zug hatte Scheffel 1, 222.
β) es bezeichnet die besondere form und führung der linien: auch gewint ein krume lini ... kein eck, und ob der zug gleich ablang wer A. Dürer unterweisung der messung (1525) e 1a; nun liset er die beschwerung, macht mit koln oder kreiden vil seltzam züg und caracter in den kreis H. Sachs 21, 283 G.; die gleichweitigen züge, welche fort und fort in gleicher weite von einander stehen, und niemahls zusammenkommen Zesen kriegsarbeit (1672) 1, 17; schwarze wurmförmige züge auf weiszem grunde Göthe II 5, 1, 49 W.; zirkelzug Stieler; Kramer 2, 1452a. in weiterer anwendung: die rechte hand beschreibt langsam steigend in gleichmäszigem zuge einen bogen von osten nach westen v. d. Steinen naturvölker Zentral-Brasiliens 70; ein zug strahliger, elastischer fasern geht vom schildknorpelwinkel ... aus Sömmerring vom bau des menschl. körpers 5, 241.
γ) es ist das geschriebene oder gezeichnete, mhd. schon gelegentlich Daniel 4637 Hübner, aber später mehr von der form u. weniger von der bedeutung der buchstaben: formae et tractus literarum die züge der buchstaben B. Faber (1537) 262b; ductus lit. züg oder strich der buchstaben Maaler 524a; also mach mit solcher fassung der federn, unverruckt, alle deine züg und buchstaben Ant. Neudörffer schreibkunst (1601) 1, k 1b; züge auf den briefen Stieler; schwungvolle, krause, unleserliche züge; ich mache bisweilen, wenn ich recht in der arbeit bin, ganz und gar nur züge statt der buchstaben Klopstock an Ebert 143 Lappenberg;

aber entzifferst du hier der göttin heilige lettern,
überall siehst du sie dann, auch in verändertem zug
Göthe 3, 87 W.

[Bd. 32, Sp. 383]


so bezeichnen züge die handschrift als eigenthümlichkeit des schreibers u. ä.: es ist die hand deiner ... frau ... es sind noch die züge, worin sich dir ehedem das beste herz ausdrückte J. Möser 1, 411; die züge deiner, seiner hand u. ä.; die schrift war augenscheinlich die .. eines alten mannes, wie die .. zitternden züge verriethen Stifter 3, 133; die züge der majuskeln widersprechen dem 11 ten (jh.) nicht, aber groszentheils dem 13 ten J. Grimm kl. schr. 5, 6. der zug ist der namenszug: als sie nun die überschrift (des schreibens) und den zug, so man pflegt darunter zu machen, lang angesehen grillenvertreiber 55;

und also sei zum schlusz, was wir bisher bethätigt,
für alle folgezeit durch schrift und zug bestätigt
Göthe 15, 286 (Faust 10966).


δ) insbesondere wird zug von allerlei gemaltem oder geschriebenem oder ähnlichem zierat gebraucht: man schreibt kurrent, kanzley, fraktur mit zügen Sonnenfels ges. schr. 2, 122; schreiben und zugmalen allg. d. bibl. anh. zu bd. 25—36, 1628; wie man jetzt auff die schönen und glatten venedischen gleser mit demant allerley laubwerck und schöne züge reiszet Mathesius Sarepta 195b; coronis .. ein krummer zug, den man zu end einer schrift macht Corvinus (1646) 225; ein ... kleid ..., worunter ein von blasz-rosenfarb und silbernen zügen und bendelwerk gestickter rock sich zeigte J. M. v. Loen der redliche mann am hofe (1740) 265. zugbuchstaben sind eine art von zierbuchstaben Chomels öc.-phys. lex. 8, 954; Sonnenfels ges. schr. 2, 126, in der druckersprache züge eine besondere art zierat, federzüge Klenz 111b. auch in der heraldik:

der schilt ist ûz und ûz gespenget
an dem zeichen und an dem zuge minnesinger 2, 365a (des wilden Alexanders minneleich);

zug ductus sinister, taillé, ist eine diagonal von der lincken Schumacher wapenkunst 87; visirbilder sind diejenigen züge und figuren, welche den schild in gleicher distance wechselweise von metall und farben füllen 22, vgl. DWB C 2 b.
ε) als kunstwerk der malerei bezeichnet zug, wie frz. trait Littré 4, 1303, die linien, die einen raum der oberfläche und ihre theile einschlieszen, wie lineament Jacobsson 4, 721b; diese häszlichen zierrathen stellen euch tausend ungerade und ungeheure züge und lineamente vor, die kein original in der natur haben discourse der mahlern (1721) 2, 132; ein guter mahler thut keinen zug, der nicht ein lineament von einem objecte bezeichne 3, 165. so können züge die zeichenkunst schlechthin bezeichnen: es ist .. gesagt, wie schwer es sei, .. töne in züge zu verwandeln Herder 6, 297 S.; welche wonne, in zügen und farben dem unaussprechlichen näher zu treten! Göthe 24, 371 W.
b) solche züge sind mittel der darstellung, zunächst der bildlichen: wie in einem gemähl, ein kleiner schatte, oder ein einziger zug kan machen, das solches dem ersten ganz gleich oder uneben scheine Butschky Pathmos 245; freylich sind diese züge des gemäldes manchem unsichtbar Klopstock gelehrtenrepublik 157; eine solche miene, wenn sie im gemälde in bleibenden zügen festgehalten wird Wackenroder herzensergieszungen 89; wenn ich die köpfe eurer apostel ... zug für zug auf meine tafel übertrage 45. weiter von der darstellung durch das wort und den entsprechenden eindrücken auf das bewusztsein: Tasso beschreibet seinen Satan ... mit folgenden zügen Bodmer von dem wunderbaren 35; Clavigo: das ist unartig, Carlos, und übertrieben. Carlos: nicht um einen zug Göthe 11, 97 W.; was er für den kaiser gethan hatte, stand mit glühenden zügen in sein gedächtnisz geschrieben Schiller 8, 249 G.; etwas wird mit, in groszen, starken, allgemeinen, flüchtigen, kurzen zügen dargestellt, bleibt in der seele haften.
c) züge sind die ein menschliches angesicht kennzeichnenden linien, frz. trait. dies fehlt noch bei Stieler und Kramer und erscheint seit ende des 17. jh., allgemeiner im 18., zunächst im sinne des malers und des

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physiognomen: dadurch man ... das angebohrne böse und guhte des hertzens sehen kan ..., ja aus den strichen und zügen unsers gesichtes Zesen rosenmand 39;

mit ahnenden augen bemerk' ich
lineament' und züg' auf deinem antlitz verstreut
Bodmer Noah 13 (1, 262);

so ein unnennbar himmlisches im menschlichen auge: das zusammengesetzte aller züge und mienen Lavater physiogn. fragm. 1, 4; diesz hindert aber nicht, dasz nicht auch feste und ruhende züge anmuth zeigen könnten. diese festen züge waren ursprünglich nichts als bewegungen, die .. bey oftmaliger erneuerung ... bleibende spuren eindrückten Schiller 10, 79 G. (vgl. 89); eiserne maske ... wohlgebildete züge darstellend Göthe III 12, 181 W.; ihr habt einen zug von eurem vater an der lippe Brentano 7, 56. in diesen zügen spricht sich der vorübergehende zustand oder das bleibende wesen der personen aus: (der maler) kann zwar einige züge und lineamente der gemüthsneigungen ... nachbilden Breitinger crit. dichtk. 1, 18; wobei ein wilder, schiefer zug um ihren sonst so schönen mund schwebte G. Keller 4, 60; ein feiner lauernder zug um mund und wange Göthe 8, 50 W.;

wie wunderbar! das anschaun thut mir gnüge,
im widerwärtigen grosze tüchtige züge 15, 118 (Faust 7182);

sieh! deine reinen, edlen züge wissen
noch nichts von dieser unglücksel'gen that
Schiller 12, 240 G.

die züge werden dann zur einheit und bezeichnen das antlitz des einzelnen menschen als eigenthümliches ganzes:

diesz sind des groszen Reinbecks züge, diesz ist sein holdes
angesicht
Brockes ird. vergn. 8, 581;

die züge des priesters erkennt er schnell
Schiller 11, 386 G. (ähnl, 11, 342);

meine züge hat er mit sorgfalt auf eine tasse gebracht Göthe IV 41, 105 W.; ein mädchen mit verstörten schönen zügen Storm 1, 35.
in demselben sinne spricht man auch von den zügen der hand: in dem angesicht eines menschen, in den zügen seiner hand las er dessen schicksal Ranke 1, 64; er sah auf ihr jenen feinen zug geheimen schmerzes, der sich so gerne schöner frauenhände bemächtigt, die nachts auf krankem herzen liegen Th. Storm 1, 35. formelhaft geworden sind auch die züge der natur.
d) von da aus hat sich entwickelt zug als 'eigenthümlichkeit', 'eigenschaft', charakterzug, auch vorübergehender art, von menschen und menschlichen zuständen. auch hierin geht es mit frz. trait zusammen:

zeugt nicht von seinem hasz und irthum zur genüge,
dasz er den Galliern schreibt zu der Teutschen züge?
H. v. Abschatz bei Lohenstein Arm. 1, e 1;

nur sizzt mir ein stiller trauriger zug über der seele Göthe IV 3, 152 W.; diese (die Römer) hatten noch immer grosze züge, aber der Dänen hauptkarakter ist das kleine Fr. L. v. Stolberg an Vosz 9; wenn er sich ... des mädchens ursprüngliche schöne natur ... zug für zug vorhielt Mörike 3, 65; gerechtigkeit, redlichkeit und unbestechlichkeit prägten sich in jedem zuge von Scharnhorsts charakter aus Häusser d. gesch. 32, 150; ein zug von grösze G. Forster 6, 217, von güte Caroline 1, 58 Waitz; ein tiefer zug von gemeinheit G. Keller 4, 40; liebenswürdige, menschliche, sanfte, herbe, störende züge. häufig sind es die merkwürdigen, hervorstechenden, herrschenden, wesentlichen, bezeichnenden, unterscheidenden züge. bei anwendung auf abstracta bleibt immer das persönliche bewuszt: alle poesie hat einen tragischen zug Novalis 2, 253 Minor; der realistische zug der gegenwart Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 88; denn wenn das essen auch jeden zug der arbeit hat ..., so fehlt ihm doch das sittliche motiv und ziel Riehl deutsche arbeit 6. dies berührt sich manchmal mit B 2 d.

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im anfang des 18. jh. wurde zug bei gleicher grundanschauung auf die geistige, besonders die poetische fähigkeit eingeschränkt: denn fürs erste haben sie (die cavaliere) von denen frantzösischen scribenten den artigen zug, welchen man in briefen halten musz, schon gelernet B. Neukirch anweisung zu teutschen briefen (1709) 311;

und ob uns die natur mit einem pfund versehn,
ob sie bei der gebuhrt uns mit dem zug beglücket,
der feurig und belebt und sich zur dichtkunst schicket
Hagedorn nebenstunden 59 DLD.


e) indem dabei sich der nachdruck auf das einzelne legt, sind züge die einzelnen handlungen, die einen charakter oder zustand kennzeichnen, und solche einzelheiten, die davon berichtet werden: er nahm sie (2000 scudi u. eine kostbare perle) mit der rechten und gab mit der linken das zeichen zur hinrichtung des cardinals. dieser zug machte Fausten .. wahnsinnig Klinger w. 3, 247; er erzählte verschiedene lächerliche züge von der gesellschaft Göthe 22, 59 W.; nach diesem ersten ... haben wir charakteristische skizzen, einzelne biographische züge ... mitgetheilt II, 3, 11 W.; es fehlte nicht an zügen ehrloser unterwürfigkeit Treitschke d. gesch. 1, 251. besonders gern bezogen auf literarische darstellungen. da sind es entweder stoffliche einzelheiten oder eigenthümliche darstellungsweisen: den stof dazu (zu dem trauerspiel) wird man hier eben so wenig ... in einer oder der andern geschichte finden, die züge dazu in jeder Klinger neues theater 1, 107; hier muszte ich an sich gute züge den gränzen der bühne ... aufopfern Schiller br. 1, 42; ein ganz der natur abgelauschter zug J. Grimm Reinhart Fuchs VIII; treffende, beiszende, komische züge.
C. auf gegenstände übertragen bezeichnet zug
1) allerlei vorrichtungen, die zum ziehen dienen oder an denen gezogen wird.
vorrichtungen um lasten zu heben wie hebezeug: hebzug, winde Frisius 217b; Alberus (1540) bb 2b; Golius 196; 254; zug rollscheib girella, zug mit viel röllein Hulsius (1618) 1, 284b; ein zug, kranich 2, 136b; das holtz mit dem zug aufziehen Kramer 2, 1452a; mit dem eisernen treibhut, welcher ... an einem kranich, zug oder keffer henget Mathesius Sarepta 149b; das ander ende aber des seiles erstrecket sich unten hinab auff den zug oder haspel theatr. machinarum (1607) 1, 89. ebenso mnd. toch nd. jahrb. 46, 7.
an einer mühle: mornends bunden sy mich (den esel) an ain joch des zuges diser mülin N. v. Wyle translat. 275 K.
für zugbrücke: item zu dem zoge zu dem Reichenbacher turme 6 gr. cod. dipl. Lusatiae super. (1426) 1, 273. mnd. toch Schiller-Lübben 4, 557a.
werkzeug der böttcher, die dauben zusammenzuziehen Zedler universallex. 63 (1750) 1196; Popowitsch versuch 646; Jacobsson 8, 283b.
flaschenzug im takelwerk eines schiffes G. R. Weckherlin 2, 171 Fischer. noch mundartlich Gangler luxemb. 493.
vorrichtung, eine thür zu öffnen oder schlieszen: runde löcher ..., die man durch züeg mit eysin beschlagen leden auff und zu mög thon A. Dürer underr. z. befest. d. stett (1527) c 1a; die untere thür oben beym zug (schloszzug) aufmachen Kramer 2, 1452a; wie gut, dasz ich den heimlichen zug an der thür hab' anbringen lassen Herm. Schmid alte u. neue gesch. aus Bayern 294. ähnlich gedacht züge an deichen Benzler 2, 298; theutonista 398b Verdam.
im orgelwerk der schieber, der die windlade zum register des pfeifenwerks öffnet Jacobsson 8, 283b; J. G. Walther mus. lex. 67; zitternder zug (art register) S. Hüttel chr. d. st. Trautenau 221, s. DWB orgelzug th. 7, 1350. ähnliche unsichtbar angebrachte ziehvorrichtungen: der mönche zu Cantelburg betrug, welche ein besondern crucifix ... mit registern und zügen aufm rücken hatten zugerichtet, dasz es sich hatte mit dem angesichte,

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munde und lippen nicken und bücken, regen und bewegen können W. Bütner epitome historiar. (1596) 31b. ähnlich ollapatrida 369 ndr.; E. Th. A. Hoffmann 11, 77 Grisebach; Nestroy 3, 26.
in einer pumpe oder feuerspritze ist z. der innere theil des ventils Jacobsson 4, 721a, auch das eisen, an dem der holm befestigt ist v. Schönberg berginform. 2, 72; 112; oder der kolben J. J. Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 423, Mothes 4, 523.
gegenstände an, oder mit denen gezogen wird, die züge einer posaune, eines fernrohrs, sogen. englische züge in einem schreibtisch, ein zug an einem beutel, an einem gürtel, für ein elastisches band, für eine elastische uhrfeder Jacobsson 4, 721b. früher für sehne, s. d. beleg aus F. Würtz bei waldenwachs th. 13, 1397. hierzu gehören in der sprache des handwerks und der technik viele zss., welche verschiedenste zugvorrichtungen bezeichnen, wie zugbank (böttcher, gewehrfabrikation), -block (ramme), -bolzen (ramme), -hebel (windmühle), -keil (mühle), -klinke (webstuhl), -rolle, -schwengel, -schwinge (an einer wage), -walze (spinnerei), -welle, zugbeutel, -fähre, -fernrohr, -gardine, -lampe, -harmonika, -säge, -vorhang. andere am alphabetischen ort.
2) auf anderen vorstellungen des ziehens beruhen.
a) zug für zugpflaster: cataplasma zug oder pflaster W. Brack d 4a; ceratum tzoch Diefenbach 114a;

ein alter scherer (wundarzt) one zug
B. Waldis Esop 2, 244 Kurz;

brauner z. Ryff confectb. (1548) 285a; gelber z. Steinbach 2, 1101; Göthe III 6, 76 W. etwas abweichend: szo lang der tzugk uff dem plaster bleibt, szo ist es guth H. v. Pfolspeundt büntherznei (1460) 2. veraltet. dazu mnd. tochswede zugpflaster Sch.-L. 4, 558a.
b) in etwas längliches, hartes eingegrabene linien oder schmale bänder, vgl. I B 11 a δ: das horn (des seeeinhorns, eines fisches) (ist) gantz gerade, sehr hart und so weis, ja rund herüm mit schiefen und zimlich tieffen zügen so zierlich ausgedrehet, das es scheinet, als wan es der künstliche drechseler aus elfenbein gedrechselt O. Dapper Africa (1670) 25a. besonders sind züge die in gewehrläufe eingeschnittenen bänder, das stehenbleibende sind die felder, vgl. th. 3, 1479, 11. die technik kommt im 17. jh. auf: ein pürschrohr ... im abnehmen mit sieben zügen gefertiget v. Fleming vollk. t. jäger (1719) 284; er (der rost) hatte in der gegend, allwo das pulver und die kugel .. zu liegen kommt, sowohl die felder als züge abgefressen J. F. Stahl d. gewehrgerechte jäger (1762) 69.
3) ein zug saiten, ursprünglich wohl die zusammen auf ein instrument aufgezogenen saiten, dann eine folge zusammengehöriger saiten, die als ein satz (th. 8, 1838) in den handel kommt Stieler 2630; Zedler 63 (1750) 1195; Jacobsson 4, 721b.
II. ein zug ist die bewegung vieler oder von vielfachem hintereinander. es entspricht so dem intrans. ziehen. im mhd. spärlich belegt Lexer 3, 1164, tritt es im frühnhd. und dann weiter in reicher entfaltung auf.
A. im raume.
1) von der bewegung einer menge von menschen: migratio zug Frisius 820b; profectio reisz, fart, zug 1068a; völcker-zug Kramer 2, 1207c; die züge der völker migrationes gentium Gottsched d. sprachk. (1748) 115; hatt .. 32 ross und 3 trommeter, hatten den zug vor den böhmischen herren H. v. Schweinichen 164 Österley; gedicht von dem zuge der stämme Israel durch die wüste Gerstenberg recensionen 93 DLD.; die räuberische bande .. hatte ... jener herrschaft aufgepaszt .., von deren zug sie genaue nachricht muszte gehabt haben Göthe 22, 65 W.;

o schöner tag! wenn endlich der soldat
in's leben heimkehrt, in die menschlichkeit,
zum frohen zug die fahnen sich entfalten
Schiller 12, 89 G.

[Bd. 32, Sp. 387]


als lang dauernder vorgang: dieser zug (von stattlichen personen, trommelschlägern, pferden) hat ... viere stunden gedauert Prätorius anthropodemus pluton. 2, 5. seltener von einzelnen: solivagus der seinen zug gern allein hat Frisius 1223b; zug von einem ort zum andern, verenderung der herberg Maaler 524a; do er sich recht hinderdacht uff die wunderlich züge (der seele) der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 3a; auf das wir gleichsam flick werden ..., und den fröhlichen flug und zug thun mögen in seinen himmlischen freudensaal Dannhawer catech.-milch 6, 18; mir machte der zug durch diese enge (das Birschthal) eine grosze ruhige empfindung Göthe 19, 224 W. (ähnlich 19, 108; 24, 362; IV 29, 280); aber der zug (nach Lübeck) ist doch zu weit W. Grimm an Dahlmann 1, 120. nicht mehr üblich. oft knüpft sich daran die vorstellung des unbehinderten, des freien zuges: aber Sihon gestattet den kindern Israel den zug nicht durch seine grentze 4. Mos. 21, 23, so im heiligen reich von christelichen oberkeiten gemeinlich ein freier zug geordnet und die leibeigenschafft gar abgethan würde J. Schlusser d. peürisch krieg (1573) 53;

das recht, das jedem offen läszt
den zug in alle welt
Uhland ged. 1, 70.

zugsfreiheit für freizügigheit hdwb. d. staatswiss. 3, 1264.
2) der zug ist die ziehende menge als lebendige einheit: hiermit ging der ganze zug dem richtplatz zu Lindenborn Diogenes 1, 144; es schleppt sich hinter dem könig beständig ein zug von zwölftausend pferden her Göthe 44, 37 W.;

mein busen fühlt sich jugendlich erschüttert
vom zauberhauch, der euren zug umwittert 14, 5 W.;

die feuersäule, die vor dem zuge Israels wandelte W. Raabe hungerpastor 2, 23; die endlosen züge der freiwilligen Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 156. besonders von festlichen zügen bei froher oder ernster feier: genius in pilgertracht eröffnet den zug Göthe 16, 235; da sie verordnet hatte, wie eine einfache bürgersfrau begraben zu werden, so konnte ich auf der strasze mitten in den zug treten und sie zu ihrer ruhestätte geleiten W. Grimm an Dahlmann 1, 444; kutschen fehlten im zuge Fontane I 5, 14. s. auch den beleg aus Schiller bei 1. man kommt in langen, ganzen, groszen zügen heran.
3) insbesondere gebraucht von bewaffneten mengen, von truppen, ein wort der landsknechtszeit.
a) im eigentlichen sinne der kriegsmäszige marsch, schon im 18. jh. nicht mehr üblich Zedler univ.-lex. 63 (1750), 1193: die (Boier), die die römischen hauffen am zug angegriffen haben J. Frontinus v. den guten räthen (1532) 5b; wir haben .. die post aus dem dasz wir im zug gewesen sind und nit still gelegen sein, erst anheut abgefertigt polit. corresp. Moritz v. Sachsen 1, 478; ich will, wie im zuge, also auch in der schlacht bei euch sein W. v. Kalchus Sallust (1629) 231; sie solten nur gleich ihr kriegesgeräthe aufbinden und geraden weges über die ubische brücke ihren zug nehmen Lohenstein Arm. 2, 259b; wo auch sonst ein unteroffizier oder gemeiner auf der strasze oder zügen .. truncken oder voll betreten würde Fleming vollk. t. soldat 97. zug und (oder) wacht für den dienst des soldaten: ein kriegsmann stets mit hunger und durst, zuch und wacht ... leben mus F. Dedekind christl. ritter (1590) a 2a. im 18. jh. noch als 'altes deutsches kriegswort' üblich, in kriegsartikeln Fleming vollk. t. soldat 135; 186; 427; im soldatenabschied Zedler univ.-lex. 63 (1750) 1193.
b) dann ist es 'kriegerische unternehmung', 'heereszug', in diesem sinne üblich geblieben: expeditio zug Alberus (1540) 114a; Frisius 514a; (Nebukadnezar) lies aus gantz Syrien korn zufüren, zu seinem zug (gegen Assyrien) Judith 2, 9; von dem grossen zug, den chönig Sigmundt in die Thürkay thet Schiltberger 2 lit. ver.; in diesem zoge sollen zwo grewliche schlachten geschehen sein Schütz hist. rer. pruss. 1, b 4c;

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ungerochen hat für zeiten
niemand Deutschland kunt bestreiten;
unbereichert wird mit nichten
iemand ietzt den zug verrichten
Logau sinng. 143 Eitner;

nun aber friede tröstend wiederkehret,
kehrt unser sinn sich treulich nach dem alten,
zu bauen auf, was kampf und zug zerstöret
Göthe 4, 16 W.

hierzu gehören zss. wie feldzug, kriegszug, Türkenzug, Römerzüge Stieler. für den krieger ist zug der feldzug, an dem er theilnimmt: sie (d. entlassenen kriegsleute) möchten ihm zu ehren noch einen zug gegen danckbare erkenntligkeit mit ihm thun Lohenstein Arm. 2, 1095b; die ritter sprachen vom heiligen lande, ..., von abenteuern ihres zuges Novalis 4, 100 Minor;

mein arm erfocht mir durch sechs saure züge
zwar nicht an lohn, doch wunden volle gnüge
Bürger 106a Bohtz.

dies ist durch feldzug ganz verdrängt.
c) zug war in der alten kriegssprache zugleich das kriegsbereite, mobile heer, hierfür in alem. quellen oft zeug s. o. sp. 377. jetzt veraltet, vgl. d: darnach fügt sich, dasz marggraf Egkberten von keiser Heinrichen ein statt ... belagert ward mit einem starcken zug Tschudi chr. helvet. 1, 38; S. Paulus ... den catechismum ... einem zug vergleichet, da ie eine lehr der andern in schöner ordnung ... folgt Dannhawer cat.-milch 1, 23; nun schickte .. Caesar den reisigen zug voran hin zu erkundigen, wo sich der feind hinaus zu wenden gemeinet Fleming vollk. t. soldat 281; die zugordnung desz gantzen lägers ist also anzustellen, dasz sie in drey underschiedenen hauffen abgetheilet werden. der erste ... die avantgarde oder vorzug, der zweyte, die bataille oder mitler zug, der dritte arrieregarde oder nachzug Jacobi v. Wallhausen corpus militare (1617) 90 (nach ztschr. f. d. wortf. 14, 59) vgl. auch abzug th. 1, 160. neben zug erscheint in diesem sinne zeug, züg als m., im südwesten.
d) bezeichnet zug im heereswesen die kleinste selbständige taktische einheit in der kompanie, schwadron oder batterie: division eine rotte, zug wornach ein bataillon oder ein oder mehr regimenter auf dem marsch abgetheilet werden Sperander (1727) 211b; einen officier ..., welcher bey seiner kindheit angeführet worden, kleine gedrechselte männergen, ... zu stellen, sie mit zügen abzuführen und nach gefallen zu schwencken Fleming vollk. t. soldat 9; bis sie einen zug husaren antraf, der den eigentlichen vortrab der hauptarmee machte Göthe 33, 23 W.; himmel donnerwetter, herr lieutenant, ihr zug schwenkt falsch; was machen sie denn? Holtei erz. schr. 7, 244. hierzu gehören militärische wörter wie zugbreite, -front, -kolonne, -schieszen, zugführer. diese militärische verwendung ist anfang des 18. jh. aufgekommen als übertragung der frz. division Zedlers univ.-lex. 63, 1098; 1193. sie schlieszt sich an die am ende von c aus Jacobi v. Wallhausen belegte an.
4) zug ist allgemein was sich einheitlich, in sich aufeinander folgend, vorwärts bewegt:

wagen von erz, mit pferden bespannt, langschleppende züge,
schwer beladne kameel' und elephanten mit thürmen
Bodmer Noah 6;

es war eben die zeit des Bellenzer marcktes und die strasze des Gottharts war mit zügen sehr schönen viehes belebt Göthe IV 12, 334; während das reich in Trier ... rathschlagte, griffen Berlichingen und Selbitz jenen Nürnberger zug, welcher von der Leipziger messe kam, .. an Ranke 1, 136.
5) so war zug bei der einführung der eisenbahn das gegebene wort für das engl. train. anfang der vierziger war es, samt seinen ableitungen personen-, güter-, postzüge, in der betriebessprache fest eingeführt, s. U. Hendschel eisenbahnatlas (1844); Frhr. v. Reden eisenbahnjahrbuch I (1846). die allgemeine sprache, die vorher dampfwagen vorzog, das zugleich locomotive bedeutete,

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folgte erst allmählich: am ende aber hiesz es, ein letzter Berliner zug wäre noch zu erwarten A. Ruge briefw. u. tageb. (1848) 2, 34. bahnzug erscheint noch in einer ganz anderen bedeutung in dem titel einer druckschrift: bemerkungen über die wünschenswertheste bestimmung des bahnzuges für die von Hannover auf Verden ... Bremen zu führende eisenbahn ... Stade 1842. jetzt steckt das wort so tief in der sprache, dasz sich längst sprichwörtliche redensarten gebildet haben: sie hat den zug verpaszt (keinen mann bekommen) Wander (vor 1869) 5, 620; er ist mit dem letzten zuge angekommen (ein dummer kerl) (vor 1873) 621. die bedeutung geht von der anschauung der einzelnen von einer locomotive gezogenen wagenreihe bis zu dem begriff der planmäszig laufenden verkehrseinrichtung: da ward auch schon der zug wie im nu sichtbar Hoffmann v. Fallersleben 7, 240; gar niedlich stellen sich da oben zumal die groszen züge dar, wenn die lange wagenreihe sich so gelenkig durch wald und au hindurchschlängelt L. Steub wanderungen im bayr. gebirge 126; der zug fuhr in eine grosze station ein Ebner-Eschenbach 8, 41 (ähnl. Moltke 7, 35); 'der zug von Trautenau geht .. sechs uhr fünfundfünfzig', sagte der mit dem kursbuch Fontane I 6, 52; mein z.; der fahrplanmäszige, der letzte, der frühzug, nachtzug, schnellzug u. s. w.; der zug wird gemeldet, der z. hat verspätung; man erreicht, versäumt den z. dies wird dann wieder als regelmäszige erscheinung des tages verlebendigt: dann auch fuhr der Kiel-Altonaer zug vorbei, ... alles (pflüger, pferde u. s. w.) mit seinem dicken weiszen qualm verschlingend D. v. Liliencron 7 (1912) 226. von den zss., die sich der dienstbetrieb geschaffen hat, sind manche allgemeiner geläufig geworden, wie zugfolge, -theil, -gattung, -geschwindigkeit, -kilometer, -verspätung, zugführer, zugpersonal.
6) von thieren, insbesondere vögeln bezeichnet zug die regelmäszigen wanderungen: wir unterscheiden diese reisen als zug, wanderschaft und streichen Brehm 4, 31 Pechuel-Lösche; die reyher ... verrichten ihren zug zur herbstzeit Fleming vollk. t. jäger 150; raubvögel horsten wenig in der marsch, auf dem zuge erscheint der seeadler Allmers marschb. 1/2, 121; die züge der salmen aus dem meere nach den flüssen Liebig chem. br. 214. dann von den wandernden scharen und schwärmen:

also lärmet ein zug von kranichen
Bürger 1, 205 Bohtz;

hoch überhin steuerte ein zug von wildgänsen durch die luft Storm 2, 181; indem ich hier sasz, merckte ich einen zug fische Ramler einl. in die schönen wissensch. 1, 349. ähnlich von den zusammen ausgebrüteten vögeln, die der mutter folgen Jacobsson 2, 44b. daher viele namen von thierarten, wie zugameise, zugbock u. ä.
7) vom unbelebten, wasser, wolken u. ä.: die Brenta flieszt langsam, doch hat sie noch immer zug genug Heinse 7, 189 Schüddekopf; die zwei schiffenden zogen .. ihre ruder ein .., während der kahn im zuge, gleichsam von selbst, längs der grauen felsen hinging Stifter 3, 313; engpasz der züge, so benannt wegen der dort häufig fallenden lawinen G. Theobald naturbilder aus den rhät. alpen (1893) 125;

nach osten strebt die masse (der wolken) mit geballtem zug
Göthe 15, 245 W. (Faust 10044);

der mond schien hell durch die beruhigte luft, nur ein sanfter zug leichter wolken war bemerklich 33, 97; zu dem zug der Horen wünsche ich glück IV 10, 298.
8) auf dinge in der landschaft angewandt bekommt zug eine örtliche bedeutung, vgl. I B 2: es (die lage von Nürnberg) ist ein tract ein zug oder gegent zwischen Norgee und Franken S. Meisterlin chr. d. st. 3, 48; da sollen auch alle alte flusz und zöge, da man vor zeiten lastschiff hingelegt hat, geraumet werden Frkf. zunfturk. (1607) 1, 211 (vgl. I B 2); dasz das gantze Arabien ... überal mit hohen bergen .. in einem zuge hin umgeben lieget O. Dapper Africa (1670) 6a; der zug der küste Mommsen röm. gesch. 42, 28; wenige schritte dahinter begann

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der dunkle zug der haide und streckte sich .. schwarz und undurchdringlich in die nacht hinaus Storm 1, 226; die Chauseestrasze liegt im zuge der Friedrichstrasze. als fachwort im deichbau für einen deichzug, eine strecke des deiches, die einem bestimmten aufseher untersteht Jacobsson 4, 721b. auch andere örtliche verwendungen finden sich hie und da verstreut: züge für schwer zugängliche kleine bergweiden im hochgebirge, die zum wildheuen verloost werden J. G. Kohl alpenreise (1849) 1, 271; achtein toich grases unde eyne cleine wysschen Schiller-Lübben (1437) 4, 557b; zug f. fischplatz s. o. I B 2. grenzzug Stieler 2631 ist dagegen ursprünglich grenzumgang.
9) eigenthümlich und lebhaft ist die anwendung auf die bewegte luft.
a) nichts als die bewegung der luft bezeichnend ist es ein poetenwort:

ein buntbeblümtes feld, worauf der zephir spielet,
der blumen mattes heer durch sanfte züge kühlet
Schwabe belustig. 2, 470;

ist's nicht, als ob ich eine leier zürnend
zertreten wollte, weil sie still für sich,
im zug des nachtwinds, meinen namen flüstert?
Heinr. v. Kleist 2, 72 E. Schm.;

die fahrt war sehr schön, der himmel stets heiter, und ein sanfter zug spielte in den segeln Stifter 3, 70.
b) in allgemeinerem gebrauch ist es die luft, deren bewegung sich wirksam macht:

und von dem zug der thür erloschen
starb das licht der kleinen lampe!
Brentano 3, 261;

vaters mäntel ... drehten sich langsam um sich selbst, wenn der zug durch die offenen bodenlucken hereinstrich Storm 3, 16.
c) insbesondere als anreger des feuers: so möchte man ... dieselben (öfen) gröszer machen ..., damit das fewer seinen rechten zug haben köndt L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 46b;

ihr kohlen, glüht nur recht! ihr habt ja luft und zug
Schwabe belustig. 1, 246;

ein ofen hat guten zug. züge sind die kanäle, durch welche feuer und rauch zum schornstein geleitet werden. hierzu vielfache zss. in der ofenbaukunst: zugöffnung, -regelung, zugofen, -muffel, -esse, -schornstein, -thür, -schacht.
d) zug bezeichnet eine unangenehm, als gewaltsam oder kühl, empfundene luftbewegung. diese bedeutung erscheint erst im 18. jh., ist in Göthes briefen oftmals zu finden und macht sich in der umgangsprache immerfort geltend: so wird bei jedem öffnen der thüre der kranke dem zuge ausgesetzt Bremser 263 (ähnl. 276); ein etwas starkes feuer verursachet einen zug in dem zimmer, der beynahe einem winde gleichet Sulzer theorie der schön. künste 1, 439; sitze, hinter denen die öffnungen mit glasfenstern zugeschlossen sind, damit man nicht im zuge sitze Göthe III 2, 149 W.; eine so schöne luft und doch kein zug Fontane I 4, 337; zu hause ... musz ich im zuge arbeiten ... und im zuge schlafen. die Engländer nennen das 'ventilation'. was die zug nennen, deckt die dächer ab und würde in der ganzen übrigen welt sturmwind heiszen familienbr. 1, 47. dazu allerlei zss. zugangst, -narr Vischer a. einer 3, 166, -teufel 1, 112. gelegentlich ist zug in der zss. so viel wie wind: zugstosz Bismarck an s. braut u. gattin 136, zug- und windfänge F. v. Baader tagebücher 147.
B. räumlich gedacht.
1) von ununterbrochen fortgesetzten vorgängen, wobei im einzelnen eine verschiedene anschauung zugrunde liegen kann.
a) auf die vorgänge bezogen drückt es das stetige, beharrliche aus: kaum hatte er dieses gesagt, so lachte er schon wiederum einen guten langen zug daher Lindenborn Diogenes 1, 227; der Franzosen linker flügel

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ist in einem zug aus der Oberpfalz bis an die Lahn zurückgedrängt worden Göthe IV 11, 206 W.;

habt ihr geduld, des vortrags langgedehnten zug
still anzuhören? mancherlei geschichten sind's 15, 197 W. (Faust 8971);

und beide folgten recht gerne dem sanften zuge dieser tage Stifter 3, 160; dem zug der ereignisse .. Ranke 14, 186; der zug der dinge 37, 19; er ging nur dem zuge seiner gedanken nach 2, 14; Wilhelm, mitten im zuge der .. Loirekämpfe E. Marcks kaiser Wilhelm I. 302. das geht in die vorstellung des lebhaften, raschen geschehens über in wendungen wie in zug kommen, bringen, im zuge sein u. ä., wie im gange sein u. ä.: die chromatischen arbeiten fangen wieder an einigermaszen in zug zu kommen Göthe IV 19, 466 W.; in Polen war der aufstand in vollem zuge Häuszer d. gesch. 32, 49, insbesondere für den absatz eines buches: ich dächte, .. wir setzten diese 4 bände ... lieber nur auf 3 thlr. um dieser ausgabe einen schnellen zug zu verschaffen Bertuch an Göschen Göthejahrb. 2, 409; seine (Cottas) bemühung, ihre (anrede) gedichte in zug zu bringen L. Schücking an A. v. Droste-Hülshoff 318. dazu gehört auch die neuerdings beliebte anwendung auf eine abtheilung einer schule mit besonderem lehrplan durch mehrere klassen: englischer, mathematischer zug u. ä.
b) auf handelnde personen bezogen haben diese wendungen durchaus den sinn des lebhaften, thätig-munteren: wenn ich mir so deine jetzige lage betrachte, ... wie du in vollem zug mit allen guten winden fährst Mörike 3, 49; ich komm sobald nicht wieder in die arbeit, wie ich jetzt im zug bin Göthe IV 20, 133 W.; nicht wahr, da ist dein mütterchen wieder recht im zuge? Droste-Hülshoff an L. Schücking 110. ähnlich schön, gut im zuge, im besten zuge sein. beliebt als eingang eines satzgefüges: einmal im zuge, da ich einmal gerade im zuge bin u. ä. in den wendungen in einem zuge, auf einen zug, vereinzelt unter einem zug Guarinonius greuel d. verwüst. 1299, liegt der sinn bald mehr in zug, bald mehr in einem: Montaigne erzählt ... dasz er acht bis neun stunden in einem zuge schlafe Schopenhauer 2, 284 Grisebach; während ich in einem zuge fortschrieb und allerlei dabei dachte Heine 3, 152 Elster; .. dasz ein weib in einem zug mehr in fremde sprachen übersetzt als der allergelehrteste Harsdörfer gesprechspiele 4, 408; ich wollte ... die ganze vergangenheit noch einmal in einem schnellen zuge durchleben und genieszen Eichendorf 2, 269. im zuge sein mit folg. infinitiv ist sowohl 'schon dabei sein', als 'unmittelbar davor, im begriff sein', s. th. 1, 1312: so war der latinische stamm ... im zuge, sein gebiet zu erweitern Mommsen röm. gesch. 41, 98 (ähnl. 2, 57; 61; 379; 407); (einer der feinde) der schon im zuge war, dem Doria mit seinem sichelförmigen damascenersäbel den unterleib durchzuschneiden Heinse 4, 101 Schüddekopf; meine berufsgenossen ... die im besten zuge sind, mich zu überflügeln Ebner-Eschenbach 3, 16.
c) einen besonders frischen zug hat das wort in militärischer und ihr nahestehender volksthümlicher ausdrucksweise bekommen Imme soldatenspr. 77; Müller-Fraureuth obers. wb. 2, 715; sein erstes war, überhaupt zug und halt in seine brigade zu bringen Meinecke Boyen 1, 280; Mozart ... that alles um das orchester im zuge zu erhalten O. Jahn Mozart 4, 478; aber seine wirtschaft hatte er gut im zug C. Viebig das schlafende heer 2, 460; der zug (festzug in e. oper) hat sonst nicht zug genug E. Th. A. Hoffmann 1, 18 Grisebach; man mag denken über diese ballade Bürgers, wie man will; aber 'zug' ist drin D. v. Liliencron 10 ausgew. nov. (1904) 141; 'der Menz hat keinen zug im leibe', 'der Menz hat keine ehre' Fontane I 6, 21.
2) zug ist der antrieb, der auf den menschen wirkt, oder der trieb auf ein ziel, der in ihm lebt.
a) mit örtlicher anschauung: er wuszte nicht, wie ihm geschah, fühlte einen neuen zug nach Bamberg, er wollte — ohne zu wollen Göthe 8, 60 W.; (er) liesz

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.. sich überreden, dasz sie zu ihm .. durch einen unwiderstehlichen zug hingeführt worden 21, 94 W.; der zug in die welt hinein ist mächtig Fontane I 4, 230; der zug nach dem westen P. Lindau romantitel, s. Ladendorf schlagwörter 351.
b) geistig, der zug zu einer person: der seele sey ein geheimer zug gegen gott ... angeboren Lohenstein Arm. 1, 83; und ein innerlicher zug heiszet mich lieben, das kan ich nicht leugnen Ziegler asiat. Banise 488; jener heimliche zug gegen einander, jene unsichtbare kette, die zwey einerley denkende, einerley wollende seelen verknüpfet? Lessing 2, 55 M.; der innere zug der blutsverwandtschaft Ranke 14, 249.
c) der zug zum handeln und thun: diese aber reiszet den man mit gewaltigem zug zu natürlicher gebärung Schweickhart v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 1039; indem er zu keinem andern als denen kriegsspielen einigen zug hätte Lohenstein Arm. 1, 86a; sie fühlte einen heimlichen zug, ihm zu folgen Göthe 19, 184 W.; die zunächst dem zug der interessen folgende speculation F. A. Lange gesch. d. materialismus 516; da kam ein zug des schlummers mächtig über ihn Scheffel 1, 164 Prölsz.
d) zug ist eine besonders gerichtete art des gemüths und der gesinnung, was sich mit I B 10 d berührt: er hatte zur ruh und weltweiszheit .. einen sonderbaren zug Lohenstein Arm. 2, 40b; Sperata war von natur zur religiosität geneigt. ihr zustand, ihre einsamkeit vermehrten diesen zug Göthe 23, 271 W.; zug zur einsamkeit Zimmermann einsamkeit 1, 175, zum charakter Th. Abbt 3, 57, nach genusz Klinger 3, 93, vom allgemeinen zum besonderen Kürnberger liter. herzenssachen 2.
e) ebenso ohne angabe des ziels: keinen andern überredungen als dem zuge des verstandes zu gehorchen Kant 8 (1838), 7 Hartenstein; dein herz hat den rechten zug wie immer Fontane I 7, 12.
f) in dieser bedeutung haben sich feste verbindungen eingeführt: innerer, magnetischer, allmächtiger zug; wer da blind ist, folgt blind dem geheimen und unwiderstehlichen zuge Fichte 2, 255; welche ... dem zug der zeit gehorchend, die neue völkerwanderung über die meere mit wandern G. Keller 4, 221; ist dieses mehr freie tugend oder mehr zug der natur Gellert 7, 135;

der zug des herzens ist des schicksals stimme
Schiller 12, 152 G.


3) in ähnlichem sinne hat sich das wort bereits in der sprache der mystiker entwicktelt. es ist zunächst der innere zug zu gott, der geistliche zug: diser zweier gotesfrúnden geischlicher zug waz gar ungelich. dú ain waz fúrneme vor dem volge und waz begabet mit götlicher sssekeit, dú ander waz nút fúrneme und got pte si emzklich mit lidene H. Seuse 142 Bihlm. weiter ist es wie abzug, verzückung: dise úberswenke zug werte wol ein stunde neiss ein halbe 10; o Jesu, .. sey doch du mein zug zum vatter J. Böhme 4, 11; ich pflege allen philosophen zu sagen, dasz wenn sie gott nie gezogen habe, sie auch nicht schuldig sein, sich mit ihm zu vereinigen; sie stehen gemeiniglich ein wenig in gedancken, wenn ich sie treuhertzig frage, was ein zug sei Zinzendorf der teutsche Socrates (1732) 65;

wie unerforschlich ist sein rath!
wie mächtig seines zuges triebe! teutsche ged. (1766) 51.

von hier aus haben die in 2 angeführten verwendungen ihren ausgang genommen.
III. den zuss. mit zug- werden heute in einzelnen fällen die mit zieh- vorgezogen, z. b. ziehbrunnen und ziehhund gegen ältere zugbrunnen und zughund, man braucht nur zugbrücke, auch zugpferd, zugochse, zugpflaster u. ä., während Stieler ziehpferd, ziehochs und ziehpflaster daneben nennt, die nicht mehr gebräuchlich sind. eigenthümlich österreichisch, amtlich u. militärisch, ist zugs-, z. b. zugsführer, zugskosten. in älterer sprache vereinzelt:

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zugsgeselle J. H. Harant christl. Ulysses (1678) 521; zugsgerechtigkeit (für zugrecht) oberrhein. stadtrechte II. abth. 13 heft, 104.
 
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zugabe, f. , mhd. zuogâbe, zuerst mitte 14. jh. Lexer, ausgebildet im leben des marktes.
1) zugabe ist was beim handel über gewicht und masz hinzugegeben wird: so etwas uber den auszschlag zugeworffen wird, ists ein zugabe A. Comenius ian. iv ling. (1644) 244. in den älteren wbb. für additamentum, auctarium, mantissa Diefenbach 12a; 63c; Frisius 30b; 141b; Dasypodius 463a u. s. f. andere wörter dafür zumasz, zusatz, zuwage, zuwurf Harsdörfer poet. trichter 3, 500, auszschlag Calvisius (1666) 809. beilage, vgl. Kretschmer umgangspr. 110. in eigentlichem sinne: unter andern machen sie es mit verganthung der geistlichen sachen, wie jener mezger, der das fleisch umsonst gabe, aber die zugabe oder beyhau sich theuer bezahlen liesze Lindenborn Diogenes 1, 139; zu unserm dreyerbrode, das uns als ein frühstück und zugabe unserer tischkost gereichet wurde Leipz. avanturieur 1, 64. sprichwörtlich: mantissa obsonum vincit die zugab ubertrifft schier die schuldgab Fischart geschichtklitt. 42 ndr. (ähnl. Lehmann floril. 3, 504). weiterhin übertragen auf allerlei dinge, die man zu anderem gibt oder erhält: sampt allen unsern verdienst und wercken der supererogation (das sein die werck so uns nach abgestrichenem sester zu einer zugab uberbleiben) Fischart bienenkorb (1588) 126b; solche leutte kommen der welt für, als schlieffen sie, als die träumende, denen wirfft gott zu seine gesegnete mantissas und zugaben Dannhawer catech.-milch 2, 165; die stampfmühlen werden auch meistens denen andern wassermühlen als eine zugab beygefügt Hohberg georg. cur. 1, 72; ich erhielt als zugabe zu der schmeichelhaften unterschrift des porträts eine alabastervase Bismarck ged. u. er. 2, 165 volksausg.; die farbe ist eine zugabe zu allen erscheinungen Göthe II 3, 215 W.; zugabe eines sängers im konzert, erfreuliche, angenehme zugaben.
2) mit betonung der negativen seite von dem, was eigentlich nicht zu einer sache gehört: die kleider werden von so viel überflüssigen und unnöthigen gehencken und zugaben zusammengesetzet discourse d. mahlern 2, 169; ich kann .. nicht schlieszen, dasz, weil Slovaken und Ruthenen unter der herrschaft Österreichs stehen, diese die repräsentanten des staates und die Deutschen eine blosze beiläufige zugabe des slavischen Österreichs seien Bismarck pol. reden 1, 276. das unnöthige ist das unangenehme: die zugabe! die zugabe! die uns das schicksaal zu jeder glückseeligkeit drein wiegt! Göthe IV 1, 259 W.; nichts zu beiszen und zu brechen; und als zugabe noch die kranke mutter Holtei erz. schr. 24, 16.
3) in älterer zeit war es die pflichtgabe bei der eheschlieszung voc. pred. (1486) h 9a, und zwar selten die des bräutigams: er gebot auch das die junckfrauwen on morgengaben oder zgaben solten z der ee greyffen S. Münster cosmogr. 1044. häufiger die mitgift der braut: erstlich so ist sie on ein zgab Boltz Terenz 93b; dann dasselbe herzogthumb was die zugabe und ehestewer dieser einigen tochter Megiser ann. Carinth. (1612) 1252; der jüngste assessor ..., der sein häszliches ... weib den augenblick mit ihr vertauscht hätte, ohne einen dreier als zugabe zu begehren, trat zu der armen sünderin Hippel kreuz- und querzüge 1, 173. auch nd. Schütze 4, 264. allgemeiner für hochzeitsgeschenk: darumb nam im der hochmeister für, die zgab, so er beiden brüten geben, wolt er für frawen und junckfrawen spieglen Wickram 2, 59 Bolte.
4) früh erscheint es für eine ableitung aus einem lehrsatz: corollarium, zugabe oder zusatz heiszet ein satz, welcher aus einem andern hergeleitet wird Wolff math. lex. 332. in weiterem sinne ein anhang zu einem schriftsatz: codicill, die zugabe eines testaments Sperander (1777) 120b; am ende auff ayn zugabe musz ich hie auch anttwortten denen, die von der restitution disputirn Luther 11, 278 W.; ich möchte meinen Divan

[Bd. 32, Sp. 394]


mit seinen zugaben eben so gerne los seyn, als ich ihn zu ostern in euern händen wünschte Göthe IV 31, 44 W. auch was eine fassung eines textes mehr hat: in jedem fall haben wir in dieser zugabe des Matthäus einen höchst sinnvollen zug D. Fr. Strausz 4, 221.
5) in der alten rechtssprache die gewohnheitsmäszige erweiterung von fristen und anderen zahlen, zugabetage, zugabezahlen J. Grimm rechtsaltert.4 1, 303 ff.; 364; 2, 244; 289; 506; 574.
6) in der musik früher gelegentlich für coda: den anhang oder die zugabe in einigen also genannten canonibus infinitis, damit die stimmen miteinander zugleich aufhören können J. G. Walther musik. lex. (1732) 174.
7) selten allgemein für die handlung des zugebens: mit zugab eins frembden sulphuris L. Thurneysser magna alchymia (1583) 3; zugabe von alkohol Muspratt chemie 3, 388; der unterschied (zwischen mensch u. thier) ist nicht in stuffen oder zugabe von kräften, sondern in einer ganz verschiedenartigen richtung und auswickelung aller kräfte Herder 5, 29 S.
8) noch seltener wie zugeben 4 u. 5 für 'einräumung', 'zugeständnis' Campe: wenn von einer preuszischen constitution die rede ist, so will Ancillon nichts darunter verstanden wissen, als was schon da ist in jener monarchie, und versteht sich nur zu einer zugabe von gleichsam freiwilligen beamten, welche das volk ernennen mag Gutzkow 9, 127; so kann er (der dichter) doch also, .. auch körperliche gegenstände schildern — was wollen wir mehr? ... mit einer solchen zugabe hat hr. L. den gröszten theil seines buches widerlegt Herder 3, 166 S.
 
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zugader, f.: ein grossen ... kopff hat der esel, ... ein mauwechte (s. th. 6, 1781) brust voll zugaderen Herold-Forer C. Gesners thierbuch (1563) 41; weil diese bande zug- oder streckaderen die gleich zusammen heben, und ihnen alle stercke geben F. Würtz wundartzney (1612) 153.

 

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