Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zufordern bis zufrieren (Bd. 32, Sp. 365 bis 371)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufordern, v.: so were uns ie nit liep, das der oder ein ander unser amptman an uch oder den, die uch zgehörent, ichts zforderte, das nit glich oder billich were urkundenbuch der stadt Rottweil 2, 467 (1445). veraltet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufördern, v., s. th. 3, 1893, älter zufürdern. 1) allgemein: das nit jeman in der stat oder ir oberkeit dem konig us Frankrich knecht zuofurdere polit. corr. d. stadt Straszburg 1, 299 (1528); ehe ich ihnen noch meinen dank ... hatte zufördern können Fr. Passow leben u. br. 178; das grosze verdienst, der welt einen tüchtigen mann zugefördert zu haben Göthe 46, 31 W. 2) im bergbau 'berg oder erz aus dem tiefsten zum füllkorb bringen' A. v. Schönberg berginformation (1693) 2, 111; anh. 32; Veith 594. dazu zuförderschacht, -strecke.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufrage, f.: auf nähere zufrage Laube ges. schr. 14, 256.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufragen, v. Kramer 2, 1483c. vom nachdrücklichen oder wiederholten fragen, mehrfach in lustspielen des 18. jhs. belegt: der kauffmann sprach, ich frag z dem besten wirt z Pauli schimpf u. ernst 149 lit. ver.; frage er wieder zu Iffland 7, 200; als er hernach näher herumredete und endlich geradeaus zufragte Rosegger wildlinge 28; bei näherem zufragen Laube ges. schr. 2, 74. auch refl.: wegen einer antwort werd' ich mich schon zufragen Ph. Hafner ges. schr. 1, 179.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufrau, f., concubina Diefenbach 139c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufreien, v., wort des 17. u. 18. jhs., öfter in lustspielen belegt, von eltern, vormündern u. ä., die ein mädchen einem mann zur ehe geben: ein vermeintes züchtiges fräulein ward einem trefflichen römischen herrn ... von ihren eltern zugefreyet A. H. Buchholtz Herkules 1, 83b; und das mädchen soll ich ihm zufreyen? Lessing 2, 127 M.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufressen, v., wie zutrinken: Manlius schreibet dasz etliche vom adel in völlerei einander glasz zugefressen A. v. Kreckwitz lustwäldlin (1632) 101.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufrieden, adj. die entwicklung des adj. aus der präpositionalen gruppe, s. o. sp. 205 h, geht aus von der verbindung mit verben der richtung wie stellen, bringen. sie führt zur isolierung als prädicat und endet damit, dasz dies wortpaar als attribut vor das subst. tritt, als modales adv. gebraucht wird, endungen annimmt und sogar gesteigert wird, s. gr. 42, 1038, th. 4, 1, 1, 185, 4 a; H. Paul wb.1 573. der letzte abschlusz ist nicht vor dem 18. jh. belegt: da bistu sicher und kanst dein hertz zu frieden setzen Luther 33, 107 W.; wenn du da volgest, so kumpst du z friden J. Ratz gen der hellen (1546) f 4a; lasz mich zefriden Boltz Terenz (1539) 93a; des waren sie sämptlich zufrieden Kirchhof wendunmuth 2, 137 lit. ver.: auf daz er z friden in seinem reich blib H. Boner Justinus (1532) 29b;

[Bd. 32, Sp. 366]


wir wandelten zufrieden,
wir glaubten uns zu zwei
Göthe 1, 114 W.;

hier sitz' ich in zufriedener stille
Brockes ird. vergn. 8, 56:

er würde glücklicher, und ich zufriedner leben
Göthe 9, 20 W. (laune des verliebten).

noch heute überwiegt die prädicative anwendung in den festen bindungen zufrieden stellen, lassen, sein, bleiben, sich zufrieden geben. diese erscheinen alle im hd. seit ende des 15. jhs. im allgemeinen gebrauch. dagegen fehlen belege aus dem mhd. im engeren sinne, während sie früher und reichtlicher im mnd. und mnl. erscheinen Schiller-Lübben 5, 520; Verwijs-Verdam 8, 287. auszerhalb des mnd. und mnl. gehören die ältesten, auf ihrem gebiet einzigen belege nach Hessen und ins Rheinland (Köln?):

Ecclesia (zur Sinagoga).
hie (der juden) enwel mer besten keiner rede;
ich wel mich stellen zufredde
(indem ich die juden blende) Alsfelder passionssp. 163 (v. 5223);

Heinrich, bisz zufrieden (sei ohne sorge, s. u. 1 c) der junker u. der treue Heinrich 230 Kinzel;

want er hatt underwegen
vast nott gelidden,
also das er zufrieden
will sin zu dieser stund (ruhe haben) 720.

da nun die schwache form zufrieden in diesen formeln auf oberd. gebiet von anfang an gegenüber seltenerem zufriede, zufried vorherrscht (letztes bei Logau: seyd zu friede 348 Eitner), und da der übergang zur schwachen flexion vom nd. (mnl.?) ausgegangen sein dürfte, s. th. 4, 1, 1, 182 oben; Lasch mnd. gr. § 370 a. 2, so hat sich vermuthlich die festigung und zusammenziehung auf nd. gebiete, und zwar im westen vollzogen, im bereiche der gerichtlichen sprache, worauf die zäh festgehaltene anwendung auf rechtliche ansprüche und vereinbarungen hinweist, s. 2 a.
die bedeutung hat sich im 17. u. 18. jh. hier und da an frz. content angelehnt, das wieder in Frankreich ein wort der renaissance ist und dem afr. noch fehlte.
1) ihre entfaltung entspricht der von friede.
a) in älterer zeit bezeichnete zufrieden vielfach noch den dem streit entgegengesetzten zustand: (er) stellet sich als were er ein freund der mönch und pfaffen, nur das er vor inen zfriden were S. Franck chron. Germ. (1538) 70b; nun aber ... ward die rumor zfrieden gestelt weltb. (1534) 190a. das gegentheil ist zu unfrieden, s. th. 11, 3, 588 oben.
b) in allgemeinerem sinne ist es der zustand der äuszeren ruhe: so soll man auch nicht offt zu ihnen in die taubenhäuser ... kommen, und sie stöbern, dann sie wollen gern zufrieden seyn viehbüchlein (1667) 123;

am mangel mangelts nicht: noch blieb er nicht zu frieden
in seiner kindheit lenz. er muste sein geschieden
von freund und vaterland
P. Fleming d. ged. 1, 17 Lappenberg

so wie bei heitrer luft sich die zufriedne see
vom stillen zephyr bläht
Wieland I 1, 94 ac. (ähnl. 224; 399).


c) eng verbindet sich mit der äuszeren die innere ruhe: dardurch das gewissen loesz und zufriden wird von seiner bekumernus Luther 30, 3, 89 W.:

des war der wolf zu fried und rhu
H. Sachs 9, 137 K.;

sei wieder froh und gutes muths,
meyn hertze, sey zufrieden
P. Gerhardt 3, 380b Fischer-Tümpel.

sei zufrieden, früher oft als beruhigender anspruch 'mach dir keine sorge': bysz zu friden, ich han nr mit dier gespottet Th. Platter 31 Boos;

... liebs hütlein, sei zufriden!
wir wollen dich so schön zubutzen,
du must vil tausend seeln uns nutzen
Fischart jesuiterhütlein 25 Hauffen.

[Bd. 32, Sp. 367]



d) äuszere und innere beruhigung war und ist auch noch die bedeutung der festen verbindungen.
zufrieden stellen, vgl. unten bei 2 a u. b, 'beruhigen': Hulsius (1618) 2, 5b; 10a; und wollen die leute mit dem wort trösten und zu frieden stellen Luther 34, 1, 63 W.; das unruhige hertz zufrieden stellen Ramler einl. in die schönen wiss. 2, 361; dieser .. gab ihm .. noch .. derbe schläge, ehe wir ... sie .. wieder zufriedenstellen konnten G. Forster 1, 395.
sich zufrieden geben: wobey der h. reichscantzler dem residenten zu Nürnberg .. anbefohlen: das werck unablässig zu poussiren und sich nicht zufrieden zu geben, bisz es geschehen Chemnitz schwed. krieg 2, 174; gib dich zu friede, du wildes, böses thier B. Faber Saxonia (1563) 207a; nun gieb dich nur zu frieden Charlottgen Chr. Reuter ehrl. frau 14 ndr.; meister Fintlein lachte ärger als der alte Fritz und konnte sich gar nicht wieder zufrieden geben O. Ludwig 2, 429;

nun wird sich ewer grimm und sturm
einmal zu frieden gäben!
P. Gerhardt 3, 304 Fischer-Tümpel;

gieb dich zu frieden und sey stille
in dem gotte deines lebens 3, 423;

herz, mein herz, gieb dich zufrieden
Hoffmann v. Fallersleben 1, 52 Gerstenberg.


zufrieden lassen: wiltu das dich bei der nacht im bett die schnacken zufriden lassen, so ... M. Herr feldbau (1551) 163a; wer fried haben wil, der sol auch ander zu frieden lassen Petri 2, f f f 5b; wilstu yhm nicht ein fulle nusz geben, lasz yn myt der schalen zufriden Luther 34, 2, 13 W.; wild schrie er, man solle den Moses zufrieden lassen W. Raabe hungerpastor 1, 64;

darumb mein lieben freund ich bit,
laszt mich fort mit der ehe zu frid
Fischart ritter v. Stauffenberg 324 Hauffen.

dazu den beleg aus Boltz Terenz oben sp. 365. ebenso heute allgemein üblich.
zufrieden sprechen: die wirthin des hauses will ihn zufriden sprechen, es hat aber nichts helffen wollen A. Bremer chron. Kiliense 165 Stern;

indehm sie zu dem hunde ginge
und schmeichelnd ihn zufrieden sprach
Stieler geharnschte Venus 137 ndr.;

(herzogin:)
o hätte man's gethan! — ich bin's von lang' her
gewohnt, sie zu entschuldigen, zufrieden
zu sprechen die entrüsteten gemüther
Schiller 12, 98 G.


2) die innere beruhigung bezieht sich auf etwas auszerhalb. der regelmäszige ausdruck dafür ist die präp. mit. daneben erscheinen allerlei z. th. früh belegte syntaktische fügungen: er ... war ubel zufrieden, das er nicht solt glauben halten 2. Macc. 14, 28; last man in do bey bleyben, ist er wol tzu fryden Eberlin von Günzburg 2, 51 ndr.; ich bin zufrieden, wenn er nur vorerst etwas lernt und die zeit nicht verloren geht! G. Keller 6, 36; der könig war nicht zufrieden, blosz ein präsident der stände zu sein Ranke 1, 110. wie dies letzte beispiel, so ist neueren brauchs und auch französischen vorbilds die satzeinleitung in folgender form: zufrieden mit dem, was uns die jahrszeit zu sehen erlaubte, sind wir reisefertig, noch heute ins Wallis vorzudringen Göthe 19, 251 W.; zufrieden, den planetenbahnen ihren wahren mittelpunkt angewiesen zu haben, änderte er (Kopernikus) nichts an der natur dieser krummen linien F. Th. v. Schubert verm. schr. 1, 114.
auszer mit brauchte man früher andere präp.: du bist mein lieber sun, in dem ich z friden bin (ἐν ) Züricher bibel (1530) 464a; wo die leute an diesem unserm bedenken nicht zufrieden sind Luther briefe 4, 585; zu frieden seyn an hauszgemach, geschirr, bettgewandt, feuwer, liecht, holz L. Fronsperger kriegsb. (1578) 1, 31; derhalben si ... bei irer wonung nit bleiben noch zu frieden sein wollen (suis sedibus contenti esse) H. Gholtz lebendige bilder (1557) g 5b; indigne ferre übel auff etwas zufrieden seyn Corvinus fons lat. (1648) 268;

[Bd. 32, Sp. 368]


hinfüro können uber dem gewaltigen verlust ... wir uns desto besser trösten und zufrieden geben Chemnitz schwed. krieg 1, widm. 5; darumb ich acht, dasz ich diszer arbeit halb zfriden sein soll C. Hedio 3 bücher v. d. christl. leer (1532) a 1a. im 18. jh. auch von, im anschlusz an frz. de, it. di: ich habe ... ursache von meiner reise zufrieden zu sein Göthe IV 8, 230 W. (Rom 8. 6. 1786); IV 10, 63.
der früher allgemein gebrauchte gen. lebt nur als unverstandenes es weiter: poenitet me verbi tui ich bin deines worts nit zefriden Frisius 1015b; die münch der sach all wol zfriden waren Wickram 1, 151 Bolte; solcher gnädigen urtheil war der bannwart wol zu frieden Agyrtas grillenvertreiber (1670) 48;

auch bin des diensts ich wohl zufrieden, den sie mir
geleistet
Göthe 15, 188 W. (Faust 8788);

der pfaff desz wol zufrieden war
H. Sachs 21, 333 G.;

meine mutter wars gleich zufrieden Heinse 4, 23 Schüddekopf; ich bins zufrieden Göthe 8, 86; 9, 137; 10, 225 W.; ich bin es zufrieden Fontane I 5, 147. danach wird ein unechter acc. von pron. gebraucht: das bin ich zufrieden A. H. Bucholtz Herkulisk. 23, solches Zesen adr. Rosemund 39 ndr.; ihr vater ist alles zufrieden Göthe 24, 162 W. ausnahmsweise mit acc. eines subst.: allein am ende wird er diese täuschung doch ganz gerne zufrieden seyn Lessing 7, 31 M.
in der anwendung hat es sich in eigenthümlicher weise entwickelt:
a) ursprünglich, wie es scheint, s. o. 366, bezieht es sich auf rechtliche ansprüche und geschäfte, vgl. die mnd. belege bei Schiller-Lübben: habt ir ychts gegen im verschuldet, so tht als vil, das ir mit im zufrieden komment Aymont (1535) a via; ut hunc (creditorem) absolvam auff das ich den bezale oder z friden stelle Frisius 10a (ähnl. 17b; 19a; 511b); er (Christus) läret sy ires solds z friden z sein J. v. Schwartzenberg Cicero (1535) 94; ist das volck diss vertrags nicht zfrieden gewesen Xylander Polybius 49; willst du mit dreyszig procent zufrieden sein, so will ich es als einen beweis der gröszten uneigennützigkeit ansehen Lessing 2, 146 M.; das vermögen soll getheilt werden; und da sie es nicht ganz mit mir genieszen kann, so ist sie es zufrieden, dasz ich mit der hälfte meine freiheit von ihr erkaufen darf 2, 277 M. so hiesz es auch 'vereinbaren, übereinkommen': ein ... beurin ... ward mit im (arzt) umb den lon zfrieden, der gestalt, dasz sie im den nicht geben solt, sie hette denn ir gesicht wider volkommenklich überkommen Kirchhof wendunmuth 1, 144 lit. ver.; wurden auch mit im zu frieden umb sechs venedische ducaten oder zichini, desz monats an seiner taffel zu essen H. J. Breüning orient. reise (1612) 3. gelegentlich auch vom zufriedengeben mit einem urtheil: wölltind ir nit zfriden syn, was dieselbigen zween (richter) erkanntind ...? Zwingli d. schr. 1, 149; dasz ir wolt zufriden sein, was der richter spricht Fischart geschichtklitt. 141 ndr.
b) es bezieht sich auf erfüllte wünsche überhaupt: wie zufrieden ja gesättigt bin ich hinausgegangen! (aus dem theater) Herder 17, 182 S.; man solle mich (den kranken) nur zufrieden stellen und mir geben, was ich verlangte Göthe 43, 240 W.;

und mit seinem raub zufrieden
zieht er freudig fort
Schiller 11, 347 G.


c) weiterhin drückt es aus, dasz einem dinge, zustände, vorgänge angenehm sind, so dasz wir sie nicht anders wünschen: und ist niemandt so wol mit im selbs zufriden, das er nit etwa mit dem stat (stand) seiner condicion zanck S. Franck sprichw. (1541) 1, 126b; die weil sie sonder zweifel mit solcher antwort nit werden zufrieden sein wöllen W. Kauffmann inquisitio hispan. (1569) 15a; sie wolte ... mich nach vollendter arbeit dergestalt belohnen, dasz ich zu frieden mit ir seyn müste Grimmelshausen 2, 37 K.; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im

[Bd. 32, Sp. 369]


stillen seine arbeit verrichten liesz G. Keller 5, 12; läge von seiten des hauses der abgeordneten keine resolution vor, so könnte sich die regierung bei der einfachen annahme des gesetzes zufrieden erklären Bismarck pol. reden 2, 40. die vertrauliche frage des arztes an einen mann: sind sie zufrieden?
d) in zufrieden liegt zugleich und oft ausschlieszlich ein anerkennendes urtheil über eine leistung, besonders von berufener, vorgesetzter seite oder als kritik über ein werk der literatur und kunst: dasz ich und meine nachgestellten officiers ein sattsames vergnügen darob getragen und mit ihm wohl zufrieden gewesen (soldatenabschied eines hauptmanns) Fleming vollk. t. soldat 132; seit dem es kunstrichter von geschmacke giebt, ist mehr als einer mit diesem bilde Horaz nicht zufrieden gewesen Herder 3, 98 S.; mein meister war zufrieden mit mir und meine eltern auch Göthe 24, 24 W.; und wiederhole ihnen gern, wie sehr sie mir veranlassung geben, mit ihren leistungen ... zufrieden zu sein Krauseneck bei Moltke 1, 140; auch heute noch bin ich mit diesen arbeiten nicht zufrieden P. de Lagarde d. schr. 3.
e) anstatt des urtheils 'das ist gut', besagt zufrieden auch 'es ist genug'. der satz er ist mit kost und wohnung zufrieden, kann heiszen, 'kost und wohnung, die er erhält, genügen seinen ansprüchen', aber auch, 'er beansprucht nicht mehr als k. u. w.': gude vrunde sint wol tovreden mit jûchen (brühe) alleine Tunnicius nr. 1320 Hoffm.; uber masz und natur (die doch mit wenig zu friden ist) trincken C. Scheit Grob. 5 ndr. (ähnl. Fleming vollk. t. soldat 208); der zufriedene, wie leicht wird dem nicht jedes opfer! F. H. Jacobi 5, 66. dann von der lage, in der man sich befindet: mit seim glück zu friden sein sch. w. klugr. (1548) 173a;

gedult ist wol zu frieden
mit gottes weisem rath
P. Gerhardt 3, 421a Fischer-Tümpel.

von mir habe ich soviel zu sagen, dasz, meinem alter und meinen umständen nach, ich wohl zufrieden seyn darf Göthe IV 40, 115 W. in besonderer färbung in politischer beziehung: eine gleichzeitig durchgreifende umgestaltung bietet stets den vortheil, dasz sie eine schaar zufriedener der schaar von miszvergnügten ... gegenüberstellt Dahlmann g. d. frz. revol. 61. ähnl. Bismarck ged. u. er. 2, 92 volksausg.
f) so brauchte man es auch von dem, der sich in ein übel zu finden weisz: wenn solches die leute würden geleret, so wisten sie sich in solchem falle christlich zu halten, und könten sich deste basz mit solchen unglücken zu frieden stellen Bugenhagen d. stadt Braunschweig christl. ordenung (1531) g 4b; in desz müssen wir uns zu frieden geben, das sie unser spotten, und uns ein lachen dran geben Musculus hosenteufel 11 ndr.; wer wagt, musz auch mit verlust zu frieden seyn Fleming vollk. t. soldat 320. nicht mehr üblich.
g) die genügsamkeit, die nichts zu wünschen weisz, bekommt einen tadelnden sinn:

das ist einmal ein philister-jahr!
sie sind zufrieden ganz und gar
Göthe 4, 174 W.

so besonders in der zusammenziehung selbstzufrieden, s. th. 10, 1, 505.
h) negativ bezeichnet es ein besonders lebhaftes wünschen: der pöfel sucht neuerung, ist niemals mit gegenwertigem stand zu frieden Lehmann florileg. 2, 606; aber, nicht zufrieden, den arm des volkes zu entwaffnen, sucht man noch die heiligsten quellen seiner kraft durch das laster zu vergiften G. Büchner nachgel. schr. 69. s. auch bei: sich zufrieden geben oben 1, d.
3) wie schon manche belege zeigten, hat zufrieden auch einen gefühlsinhalt, den des erfüllten wunsches, und dann der wunschlosigkeit.
a) frühe belege: uns verlangt gar vast ... gute mär von eur lieb zu vernemen, und wie eur lieb in gesunthait und in allen sachen zufriden weer (1433) privatbr.

[Bd. 32, Sp. 370]


des ma. 1, 34 Steinhausen; welcher holdseliger anplick alleyn auch möchte alle personen erlustigen, und sie zufrieden stellen Sebiz feldbau 236.
b) gegen ende des 17. jh. entwickelt es sich zu einem kennwort des in frommer beschränkung sich glücklich und gut fühlenden protestantischen bürgerthums, und auch wo das religiöse zurücktritt, bleibt der begriff des glücks in der einschränkung: von dem frieden in gott, mit welchem wort wir nichts anders verstehen, als diejenige ruhe der seelen, da sie ... mit allem dem, was ihr von gott oder einiger creatur zustöszet, wol zufrieden bleibet, sich über nichts ängstiget oder verunruhiget, sondern sich alles um des herren willen wohlgefallen lässet Ph. J. Spener der innerl. u. geistl. friede (1686) 111; bey der heiterkeit eines zufriedenen gewissens Th. Abbt 1, 4;

was frag' ich viel nach geld und gut,
wenn ich zufrieden bin!
J. M. Miller ged. (1783) 389;

mit weib und kind mich herzlich satt zu essen,
war ich zufrieden und beglückt
Göthe 16, 161 W.

diese bedeutung zeigt sich immer, wo das adv. modal gebraucht wird: ja, man will mich versichern, dasz sie über diesen verlust sich niemals zufriedner zu trösten gewuszt, als wenn sie den armen freunden ... beyspringen können Rabener 2, 264; ich wüszte keine stadt, wo jedermann so ruhig und zufrieden sein amt verrichtet oder seinem berufe nachgeht als hier J. Möser 5, 116.
c) schlieszlich fällt auch der begriff der einschränkung fort und es bleibt einfach eine behagliche glückseligkeit: wer weisz ob wir bald wieder so ruhig und zufrieden zusammensitzen Göthe 21, 31;

zufrieden jauchzet grosz und klein:
hier bin ich mensch, hier darf ichs sein! 14, 50 (Faust 939);

um sich damit in eine andre person hineinzutäuschen, in der er sich zufriedener als in der eigenen zu fühlen glaubt Mörike 3, 29; kurz, ich wurde zufrieden über meinem thun, vergasz mich und fing manchmal an zu singen, wie früher G. Keller 1, 151; aber immer sind sie im ganzen zufrieden und munter 4, 9.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufriedenheit, f. vereinzelte nebenform: von wegen langwerender zfrid- und ainigkait Joh. Kessler sabb. 165. frühe belege: mit einem einzigen meiner freudenspiele (welches er kurz hernach ... mit sonderer zufriedenheit der zuseher hat auff den schauplatz gebracht) J. Rist friedewünsch. Teutschland (1648) 14; es stecket aber darin noch eine weit höher ursach unser zufriedenheit. denn die zufriedenheit oder stillhaltung ist zweyerley, die eine heiszet geduld (patience par force); die andere heiszet vergnügung Leibniz d. schr. 2, 51.
1) gelegentlich früher wie zufrieden 1: gewissensfreyheit ... dieses unschätzbare kleinod der allgemeinen sicher- und zufriedenheit Arnold kirchen- u. ketzerhist. widmung f 2a; sind aber die reisecameraden von ungleichen gemüthern, oder diversen absichten, so wird gar schlechte zufriedenheit daraus entstehen Fleming vollk. t. soldat 41;

sol mir kein eiferer,
neidischer geiferer,
meine zufriedenheit können beschädigen
Morhof unterr. von d. d. spr. 1, 622.


2) wie zufrieden 2: kinder, die man in dem ersten besten dorfe aufgegriffen, sprachen mit zufriedenheit von ihrer nahrung Göthe 33, 83 W.; ein sittliches prinzip — das der zufriedenheit mit der bestehenden welt A. Fr. Lange g. d. materialismus 321; nun vermahnte Gockel .. die frau Hinkel .. zur zufriedenheit, zum vertrauen auf gott Brentano 5, 32; wie gefährlich ist die zufriedenheit mit sich selbst! J. A. Cramer nord. aufseher 3, 140; daher die hohe zufriedenheit, wenn in einer darstellung bis aufs kleinste ... sich dieser handlungsvolle charakter der lebenden verbreitet Herder

[Bd. 32, Sp. 371]


22, 324 S.; der oberste bezeugte seine zufriedenheit über alles, was er gesehen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 8; beweis allerhöchster zufriedenheit Moltke 1, 19; arbeiten werden zur zufriedenheit, zu meiner, unsrer, allgemeiner, zur allseitigen, gröszten zufriedenheit ausgeführt.
3) wie zufrieden 3, vgl. den beleg oben aus Leibniz: die zufriedenheit (überschrift, s. DWB zufrieden 3 b) Miller ged. (1783) 389; gelassene zufriedenheit Wieland Agathon (1766) 2, 55; in seiner einfachen gläubigen zufriedenheit Meinecke Boyen 1, 50;

zufriedenheit zu salz und brot,
zum braten guten magen!
R. Z. Becker mildheim. liederb. 56;

'ach', spricht er, 'die gröszte freud'
ist doch die zufriedenheit!
W. Busch Max u. Moritz 27.

für das blosze gefühl der glückseligkeit: deszwegen wird gantz unnöthig seyn, dasz ich ihnen viel zufriedenheit wünsche: denn ich bin versichert, dasz keine minute hingehet, darinnen sie ihre annehmliche braut nicht küssen, umarmen, oder sonst tausenderley zufriedenheit genieszen Menantes allerneuste art, höfl. u. galant zu schreiben (1718) 140; neigung der menschen, durch wiederholung und menge sich eine zufriedenheit zu machen Göthe 47, 283 W.; wir sehen das einfache grün der frisch gemähten wiese mit zufriedenheit IV 8, 324; gesundheit und zufriedenheit! IV 17, 46. in diesem sinne häufig bei G. Keller 1, 139; 2, 139; 3, 163 u. ö.
4) unter den im 19. jh. reichlich auftretenden zusammensetzungen sind solche bemerkenswert, die etwas herabsetzendes enthalten, vgl. DWB zufrieden 2 e wie zufriedenheitsleute (politisch) G. Keller nachgel. schr. 283, miniaturzufriedenheitsexistenz (eines arbeiters) L. Braun mem. e. sozialistin 2, 24.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufriedenstellen, v. die alte verbindung ist allmählich zur einheit geworden, wie die seit dem 19. jh. durchgeführte zusammenschreibung zeigt Duden9 561. gleichzeitig treten die part. als adj. auf: eine .. zufriedenstellende fiction K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 2, 533; er wuszte einem jeden etwas zufriedenstellendes zu sagen Ranke 3, 46; des menschen .., welcher sich in der gemeinschaft Christi zufriedengestellt und kräftig fühlt Schleiermacher I 4, 172. dazu zufriedenstellung, f.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zufrieren, v., congelare Diefenbach 142c. unpersönlich: das .. von 28. novemb. bis 11. decembris gar zugefroren, die Molda getragen J. Kepler op. 1, 454. von wasserflächen: winterszeit, wan die Donaw zugefrürt Lazius königr. Ungern beschr. (1556) f 3a;

ein groszer teich war zugefroren
Göthe 3, 181 W.

in weiterer anwendung: so weren dy mullen alle zugefrorn K. Stolle thür. chr. 167 lit. ver.; im ... winter, wenn die erde zugefroren ... ist J. M. Miller pred. f. d. landvolk 3, 212; eines der zugefrorenen eckfenster Fontane I 1, 24. übertragen: ihr sitzt ja heunt wie zugefroren maler Müller 1, 309; war zugefroren gegen alle menschen Göthe III 1, 72. dazu zufrierung Valvassor herzogt. Crain IV 2, 254.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: