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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zuffen bis zuflöszung (Bd. 32, Sp. 357 bis 360)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zuffen, zufen, v., ursprünglich ein fuhrmannswort, alem. form zu md. zoffen s. sp. 20, bes. den beleg aus Maaler: wann ein narr uff dem wagen sitzt, und yetzt zuffet, dann nebend sich, hinder und für sich fart, der machet bald stettige pferd S. Franck, in besonderer bedeutung beim exerzieren der landsknechte: durch welche (belehrung) er (der gemeine mann) fertig mit lauffen, schreiben, .. werffen, schieszen, würblen, wenden, zufen, spitzen ... seyn möge L. Fronsperger kriegsb. 1 (1578), 175b. übertragen: ein kleine nase .. zeiget ein knechtisch, diebisch gemüt so immerdar auszflucht sucht, hinder sich zuffet und nicht an die sach hinan will J. P. Porta physiognomy (1601) 164. in Thüringen, mit gedehntem vocal, refl. sich zûfe 'von einem kranken, der sich aufrecht zu erhalten sucht' Kleemann nordthür. id. 266. mit der bedeutung von hinder sich zuffen hängt vielleicht zusammen zuffhaftig zaghaft Mi mecklenb. wb. 110b (nicht nd. woher?).
 
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zuflechten, v., Stieler 517: aus wieten oben spitzig zu geflochtene .. körbe Lohenstein Arminius (1689) 2, 1175b; das bild der heldin Rhodogune mit zerstreueten haaren, welche .. selbte nicht eher als bisz nach verübter rache zuzuflechten sich verschworen hat 1, 102a. das part. perf. als adj. 'verwickelt', nach complicatus: so sint sententz zwyfalt mit zgeflochtner ursach also die, so meinend man müsz der jungen lüt boszheit übersehen, irrend Riederer spiegel d. w. rhetorik (1493) j iiia.
 
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zuflicken, v.
1) zerrissene kleider, schuhe u. ä. ausbessern:

ir werd den beltz nit gar zuflicken
H. Sachs 1, 114 K.;

hier ligt ein schneider in der ruh,
der manche löcher flickte zu
Logau 69 Eitner.

allgemeiner 'ein loch stopfen': doch hat man ... alle offene, beschossene und versprengte lucken mit büffelsheuten, nassen baumwoll, erden und anderer materi zugeflickt D. Speckle architect. v. festungen (1589) 20b; als aber die römische rott solche risz mit iren schreibern nicht zuflicken kondte, denn es wolt ir ding kein stich mehr halten, bracht der bapst den könig von Engeland auff Mathesius 3, 87 Lösche.
2) anflicken, besonders von zuthaten zu schriftwerken: darmit .. die impostur der falschen zusetz hinweg genommen werde, und die hauptstuck von den zugeflickten gereinigt Paracelsus chir. (1618) 163c; die unterstrichene stellen sind zum original zugeflickt br. d. neueste lit. betr. 18, 173.
3) sich zuflicken insinuare se in familiaritatem alicujus Spieser 2, 435: man findt leut, die so ein weite lange breyte lieb und freundtschafft haben, dasz sie sich zu iederman zuflicken S. Franck sprichw. (1541) 2, 160a; sonder das du dich auch bey denyenigen zuflickest und dir gnedige hern machest Hutten opera

[Bd. 32, Sp. 358]


2, 189 Böcking; fastnachtsp. 164; 717; 795 K. wohl nicht nördlich über Nürnberg hinaus üblich gewesen.
 
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zufliegen, v.
1) in loser fügung räumlich:

sie fliegen zu gleich wie die staaren
Fischart Eulenspiegel 22 Hauffen;

sie flog auf Natalien zu Göthe 23, 203 W.; ab- und zufliegen. als steigerung:

flieg zu, esel, on zaum und ziegel
Fischart Eulensp. 3 Hauffen.

ein schlosz, eine thür u. ä. fliegt zu: und gleich flog der sargdekel wieder zu Schiller 2, 168 G.; nun flog der schlag lärmend zu Ebner-Eschenbach 5, 35.
2) in engerer fügung bezeichnet es das eilen auf ein ziel, wo etwas erwünschtes, ersehntes zu erwarten ist: (die nachtigall) fliegt itzt entzückt dem schauernden gatten zu S. Gessner schr. 5 (1788), 80; also dasz wenn man gehört, Johannes Chrysostomus werde predigen, so seynd die leute wie zugeflogen der wohlgeplagte priester (1695) 155; den beglückten gatten, welcher der brautkammer zufliegt Gaudy 14, 43. oder der beglückte ist der, dem besitz, glück, ansehen u. s. w. zufliegt: wo tauben sind, fliegen tauben zu J. G. Schmidt rockenphilosophie 2, 117; Göthe IV 22, 315 W.;

hüte du
den falken, der dir zugeflogen kommt
Hebbel I 4, 24;

so kommt der sieg dir zugeflogen
Triller poet. betracht. (1750) 3, 340;

das geld fliegt dir zu Klinger 1, 107; die geistliche fürstenwürde, die ihm zuflog, änderte nichts in seinem auftreten H. Grimm Michelangelo 2, 199. so besonders von gesinnungen, gefühlen: ein kavalier wie Fiesko, dem auf den ersten wink alle herzen zufliegen würden Schiller 3, 49 G.; lasz alles leben in mir und allen geist nur dir zufliegen Hölderlin 2, 127 Litzmann. von gedanken und worten: aber so ich meiner zungen und der zufliegenden rede nit gewaltig .. bin Paracelsus die hl. dreifaltigkeit 703 Matthieszen; (die fabeln) flogen ihm (Äsop) gleichsam, wie der hauch lebendiger gegenstände, aus veranlassungen zu Herder 17, 237 S.; soll ich ... vergessen, ... was mir in stunden des idealistischen enthusiasmus so wortselig zuflog? 22, 11. nur ausnahmsweise von schädlichem: zur verhütung .. notwendig besorglich zufliegenden schadens der soldateska acta publ. 7, 255 Palm.
 
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zufliehen, v., für affugere Diefenbach 16c, confugere Frisius 294b, perfugere 979b, mnd. tovlên Diefenbach 142a. räumlich: gezwungen ..., den stadtthoren zzfliehen Xylander Polybius 56; weil es (blei) kalter natur ist, und das silber der kelte zufleucht und schutz und rettung bey ihm suchet Mathesius Sarepta 149a; sie fliehen von weitem dem lager zu Göthe 8, 96 W. übertragen: dir wäre besser, bube, du flöhest der hölle zu, als dasz dir mein zorn im himmel begegnete! Schiller 3, 453 G. nicht selten für zufliegen, vgl. th. 3, 1781: die rappen die immerz grotzen ..., die machen damit, dasz andere rappen auch zfliehen, mit wöllen essen S. Franck sprichw. (1541) 2, 70b;

ewig fliehn sich unsre herzen zu
Schiller 1, 286 G.


 
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zufliehnis, f., vereinzelt für zuflucht: du bist min czuvlinisse von den betrubnissen di mich ummevangin hattin Trebnitzer ps. 31, 7 Pietsch.
 
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zuflieszen, v. , mhd. zuovlieʒen mhd. wb. 3, 348a; Lexer 3, 1189, mnd. tovleten Schiller-Lübben 4, 680b.
1) es bezeichnet die bewegung des wassers auf ein ziel: (flüsse und bäche) die von mittag gegen mitnacht zuflieszendt Ph. Bech bergwerkb. d. G. A. Agricola (1621) 58; zuflieszende brunnen M. Herr feldbau 31a; die gewinnung (von bleierzen) war wegen zuflieszenden wassers .. beschwerlich und kostspielig mittheil. des hist. ver. f. Steiermark 37, 192; dort werden sie (die salze)

[Bd. 32, Sp. 359]


von der ... zuflieszenden soole aufgelöst Muspratt chemie 6, 641; zuflieszen und abflieszen des meers the flowing and ebbing of the sea Ludwig t.-engl. lex. 2612; das Lewant oder occidentisch meer, so ab und zufleuszt oder laufft L. Fronsperger kriegsb. 1, 163a. besonders von der vereinigung von gewässern: confluo zusamenflieszen ... oder zflieszen Frisius 294a; (der Inn) als unter allen ihr zuflieszenden strömen der gröste S. v. Birken vermehrte Donaustrand (1684) 34. übertragen auf anderes flieszende: zuletzt schickten sie zween kerl mit einem nachen oberhalb meiner in den flusz, die mir ein sail zuflieszen lieszen und das eine end darvon bey sich behielten Grimmelshausen 1, 585 K. vom licht: F. Th. v. Schubert verm. schr. 3, 73. von menschen: das zuflieszende gedränge J. Dusch verm. crit. u. sat. schr. (1758) 161. gelegentlich in mystischem sinne: der christ ... will immer sehnsüchtig in liebe und glauben der groszen urquelle wieder zuflieszen, nämlich gotte E. M. Arndt schr. an u. f. s. l. D. 2, 346.
2) meist ist damit das 'hinzu' verbunden, und es drückt zugleich irgend eine vermehrung von stoff oder besitz aus: sweme enes anderen mannes have, dat varende have het, in watere to vlüt, die sal se jeneme weder geven Sachsensp.3 1, 259 Hom.; wo einer, die eines kinds genesen were, ein solcher hauffen milch zuflösse, dasz die nicht alle vom kind möchte verzehrt werden Wirsung arzneib. 558; trotz aller angewandten vorsicht, die lagunen von dem beständig zuflieszenden schlamm zu reinigen Archenholz England u. Italien 2, 58.
3) von hier aus ist zuflieszen ungemein beliebt geworden, um zu bezeichnen, was einem an besitz oder irgendwelcher förderung von auszen zu theil wird, meist mit dem nebensinn des reichlichen: flieszen aber ist auch gesagt von demselben gefallen und trost; denn szo spricht man, wenn uns ettwas wol abegeht und lustig folgett: es fleust yhm tzu Luther 10, 1, 1, 548 W.; so findet sichs widerspiel, das ettlich ungehewr erbeyten und haben doch kaum brod zu essen, ander thun gemach mit erbeyt, den fleusset es zu 15, 366 W.; wer wollte die freywillig zuflieszenden güter des glücks verschmähen? Lessing 6, 211 M.; weszhalb ... aus benachbarten provinzen lebensmittel und andere bedürfnisse unversiegbar zuflieszen Göthe IV 7, 198 W. in weiterer anwendung: dem charakter des natürlichen sohnes kann aus einer so ungegründeten eintheilung keine rechtfertigung zuflieszen Lessing 10, 160 M. ganz ausnahmsweise von einem schaden: die vergiftete quelle (der kinderzucht), aus welcher einem staat die meiste unruhe und der gröste schaden zuflieszet discourse der mahlern 3, 71. allgemein von regelmäszigen geldeinkünften: auszerdem flossen dem könig die hafenzölle zu Mommsen röm. gesch.4 1, 71, besonders von unterstützungen: den deutschen häusern, die zu diesem zwecke (krankenpflege) errichtet wurden, flossen reiche begabungen zu Ranke 25, 29; was mein onkel uns jährlich zuflieszen läszt, ist ohnehin wenig genug Hebbel I 8, 217. so flieszen auch gedanken und worte zu: das ist mir nu leicht, wenn ich hinein sihe yn die quellen, yn die brünnen, daraus mir so viel zugeflossen ist Luther 19, 319 W.; die rede fleust ihm zu nomenclator (Hamburg 1634) 301; stellen aus verschiedenen gedichten ..., die .. schaarenweise seinem gedächtnisse zuflossen Göthe 21, 136 W.; ist nur erst eine geschichte erzählt, so flieszen die übrigen von selbst zu 23, 77 W. s. auch th. 7, 2344 d. —
 
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zuflieszung, f.: so wir auch die ... würde menschlicher natur betrachten, wird leicht gemerckt, wie schentlich uns die zflieszung in unkeusch oder andere schnöden sündtlichen wollüsten ansteet J. v. Schwartzenberg von gebürn u. billichkeit (1533) 25b; die sonn bleibet immer, wie sie gewesen von anbegin, ohne wechsel, abgang, zuflieszung Dannhawer catechismusmilch 4, 229.
 
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zuflöszen, v., zuflieszen machen. im eigentlichen sinne: wo die feuersbrunst entstehet, soll das gerünne geschützet und durch das selbete das wasser zugeflöszet

[Bd. 32, Sp. 360]


werden Neumarkter rechtsbuch 336 Meinardus (v. 1625); S. v. Birken forts. d. Pegnitz-schäf. (1645) 81; bey ihren gastmahlen würde aus einem groszen kessel iedem gaste durch ein absonderliches silberröhr so viel wein zugeflöst, dasz selten einer genung schlingen könte Lohenstein Arminius (1689) 1, 581a. weiter und übertragen wie zuflieszen 2 ff.: darnach wollen wir zum bischoffen gehen, sprechen, das wasser habs unserm hausz zugeflöszt H. Fabricius auszug bewährter hist. (1599) 215; regenten der planeten und geister menschlicher geburten ..., durch welche den menschen gutes oder böses aus dem gestirn zugeflöszet würde Er. Francisci das eröffnete lusthaus (1676) 1409; kannst du dir als verdienst anrechnen, dasz der zufall ... dir nur den geläuterten nahrungssaft zuflöszte Thümmel mittägl. prov. 6, 7. heute nur vom flöszen des holzes: Bombay und Surate ... haben ihren Teakwald ganz nahe, dessen zimmerholz ihnen von den .. bergströmen .. zugeflöszt wird Ritter erdk. 5, 811. —
 
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zuflöszer, m., ehemals arbeiter in der flöszerei auf der Elbe Jacobsson 4, 720b. —
 
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zuflöszung, f.: weil gott durch mittel handelt in zuflöszung irrdischer glückseeligkeit unter die unterthanen S. Emrich geburthszeit (1653) 28.

 

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