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zufälligkeit bis zufechten (Bd. 32, Sp. 354 bis 356)
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[Bd. 32, Sp. 354]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufälligkeit, f. , lat. accidentia, erscheint zuerst bei den mystikern: so sind dú ding in ime na sin selbes wesentheit, und nút na inbildender zvallikait Seuse 187 Bihlm. ähnlich in belegen des 16. jh.:

ein jeder leib ist lang und breit
und hat sunst sein zufälligkeit
J. Spreng gürtel des lebens (1564) 134b;

dann dise (die materie) ... ist unsichtbar und ihr natur nach öd, wüst und ungestalt, die auch auf ihr weisz aller zufälligkeit entsetzt Schweickhardt gr. v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 11.
in neuerer zeit ist zufälligkeit
1) allgemein die thatsache des zufällig seins, weiterhin des blosz wirklichen im gegensatz zum unbedingten: der beweis ... vom dasein gottes aus dem begriffe eines allerrealsten wesens (der zufälligkeit des veränderlichen und der nothwendigkeit eines ersten bewegers) Kant 3, 20 ac.; über möglichkeit und unmöglichkeit, nothwendigkeit und zufälligkeit maaszt sich blos die vernunft einen ausspruch an Herder 21, 78 S.; was durch freiheit gesetzt wird, hat den charakter der zufälligkeit Fichte 7, 391; wenn auch heutiges tages alles wahre für unbegreiflich und nur die endlichkeit der erscheinung und die zeitliche zufälligkeit für begreiflich ausgegeben wird Hegel 10, 1, 119. es berührt sich mit zufall: abgelöst von dem stoffe und den unzähligen bedingungen der zufälligkeit K. W. F. Solger Erwin (1815) 1, 68.
2) im einzelnen, was durch den zufall bedingt oder veranlaszt ist, meist im plur.
a) dinge, welche die eigenschaft der zufälligkeit besitzen: daher die disputirform zwar in nothwendigen sachen, da ewige wahrheiten vorfallen, zur nothdurft ausgemacht, nicht aber in zufälligkeiten Leibniz d. schr. 1, 384; es ergieng ihm hier, wie einem unerfahrnen menschen, der in der freundschaft oder liebe hintergangen worden, .. der nun seinen glauben an diese empfindungen überhaupt sinken läszt, weil er blosze zufälligkeiten für wesentliche kennzeichen derselben aufnimmt Schiller 4, 264 G.
b) wie die accidentien, die besonderen eigenschaften und züge der einzelnen wirklichen dinge: eigenschaften und zufälligkeiten Gottsched d. sprachk. (1748) 116; Bodmer abh. vom wunderbaren (1740) 21; über die zufälligkeit des zodiakallichtes Gottsched neueste aus der anm. gelehrs. 4, 817; eigenthümlichkeit, lokalität und zufälligkeit H. P. Sturz 1, 230; wie sie mir zuwider ist! ... bis auf die kleinsten zufälligkeiten Göthe 22, 194; er fühlte sich in eben dem augenblick über alle zufälligkeiten, über den eigensinn seiner eltern und den geiz des alten Birkheim erhoben Tieck 14, 25; die sogenannte wirklichkeit mit ihren wechselnden zufälligkeiten Chamisso 5, 154; nicht allerlei zufälligkeiten ... legen den charakter eines historischen mannes dar Ranke 4, 90. früher gelegentlich in der grammatik: diese zufälligkeiten der zeitwörter werden mannigfaltig verändert Gottsched beytr. zur crit. historie 2, 524. häufiger mit bezug auf dichtung oder bildende kunst von dem einzelnen, bes. dem gegenständlichen: indem er (Mozart) die zufälligkeiten abstreift, welche in dem unzureichenden können des dichters begründet waren, faszt er den kern der situation ... auf O. Jahn Mozart 1, 391; ich besitze noch eine ältere zeichnung, wo er sich, als reisender in unwirthbarem gebirg, am sonnenaufgang und herrlichen, sich zusammendrängenden zufälligkeiten entzückt Göthe 49, 310; die neueren (bildhauer) suchten die naturwahrheit in einer illusorischen imitation ... dieser zufälligkeiten der oberfläche, der haut und des fettes darunter Justi Winckelmann 1, 389.
c) überhaupt ist das wort selten frei von dem nebensinn des unwichtigen, werthlosen: wenn wir .. aufs wesentliche sehen wollen, nicht auf die lappen ihrer zufälligkeiten (der menschen und zeiten) Herder 15, 296 anm. S.; um alle diese äuszerlichen zufälligkeiten müssen sie sich jetzt gar nicht ängstigen Tieck 17, 184;

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unterlassen wir es, zufälligkeiten zu erörtern Ranke 15, 25; sie wirthschaften alle mit zufälligkeiten, flicken und stopfen, wo was reiszt Varnhagen v. Ense tageb. 4, 87.
d) manchmal ist es die der regellosigkeit: an dem ausgang ... überrascht .. eine angenehme zufälligkeit das auge Hirschfeld theorie d. gartenkunst 3, 227; weil die handlung einen beigeschmack von äuszerlichkeit und zufälligkeit erhält O. Ludwig 5, 111.
e) es bezeichnet durch den zufall veranlaszte vorgänge und umstände: die strengste aufmerksamkeit war ihm (dem führer der vorhut) empfohlen, alles sollte mit vorsicht geschehen, jede unangenehme zufälligkeit klüglich beseitigt werden Göthe 33, 23; unsere kleinen geselligen reisen, lustpartieen und die dabei vorkommenden zufälligkeiten stutzten wir poetisch auf 27, 37 W.; ich bin mir bewuszt, dasz ich in allem, was ich euch zu sagen habe, meinen stand völlig verleugne, warum sollte ich ihn also nicht wie irgend eine andere zufälligkeit bekennen? Schleiermacher reden über die rel. (1879) 4; jeder hat das recht, sich aus den zufälligkeiten der geburt zu befreien Gutzkow 10, 43. es bekommt dabei den sinn des seltenen oder der ausnahme: ihre contingente ... waren immer abgesondert: die verbindung der Latiner in den manipeln war eine zufälligkeit Niebuhr röm. gesch. 3, 166; das enge häuschen, welches zwar zuweilen einen guten keller besitzt, in dessen küche aber frisches fleisch jeweils eine zufälligkeit L. Steub drei sommer in Tirol 1, 376.
f) die zufälligkeiten sind die dinge, von deren zusammenwirken das geschehen abhängt: und ohne wunderliche zufälligkeiten wäre ich in das unglück mit verwickelt worden Göthe IV 35, 119 W.; kriegerische wechselfälle ... können durch zufälligkeiten aller art herbeigeführt werden Bismarck ged. u. er. 2, 132 volksausg.; die zufälligkeiten der menschlichen dinge Mommsen röm. gesch.4 1, 67, der äuszeren politik 5, 57; die unberechenbaren zufälligkeiten des wahlgeschäfts 3, 315; dieses verfahren ist .. unabhängig von allen zufälligkeiten Liebig handb. d. chemie (1843) 628.
g) die zufälligkeiten sind störend, feindselig: ich überliesz es (das kind) ... allen zufälligkeiten, denen es, in einer ungebildeten gesellschaft, nur ausgesetzt sein konnte Göthe 23, 140 W.; die versendung durch zufälligkeiten aufgehalten IV 26, 313 W.; keine rücksicht dürfe ihn hindern, ... ihr das ungeteilte und ganze, von keinen zufälligkeiten getrübte leben anzubieten, ein leben, das die notwendigkeit, nicht die eiserne, sondern die goldene, selbst sein würde G. Keller 2, 223.
 
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zufälliglich, adv., accidentaliter Diefenbach 7c; Diefenbach - Wülcker 915: nit essentialiter das ist wesenlich, sonder accidentaliter oder zefelliklich Berthold v. Chiemsee 129; ob wir gleich etwas anders zuweilen zufelliglich furhaben zu predigen Luther bibel 7, 346 Bindseil (vorr. auf Jesaia).
 
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zufalls, adv.: meinet es geschehe on gefehr und zufalls also Luther 34, 2, 583 W.; plumpweis und zufals 34, 1, 52, s. th. 7, 1945 bei plumpweise.
 
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zufallung, f., mhd. zuovallung mhd. wb. 3, 221a: darnach ist er in zfallung der winterzeit mit vil gefangnen .. wider in Ungarn gezogen H. Boner Herodian (1532) 58a.
 
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zufällung, f.: und lobeten do god den almechtigen, das her uns das wasser und ander zufellunge also gnedigk hatte erczeiget K. Stolle thür. chron. 174 lit. ver.
 
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zufalten, v., mnd. tovolden chr. d. st. 16, 115, implicare Diefenbach 289b: dasselbig (brieflein) war klein zugefalten, und garn drumbher gewunden E. v. Meteren niederl. krieg (1614) 243b; tendere alicui manus einem die hände zufalten nomencl. (Hamb. 1634) 495;

nun falten
vor der umnachteten stirn die gerungenen hände sich bang zu
Klopstock Messias 8, 572.

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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufang, m., eine flurbezeichnung wie anfang (Holstein), byfang (Basel): man dint auch in den hof von ainem agkher zunägst dem züfang gelegen dreissig pfennig urk. u. reg. z. gesch. v. Göttweig 3, 346 (bel. v. 1498). in Ulm für sauerteig Klein 2, 208; Jacobsson 8, 283b.
 
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zufärben, v.: zufärben des weines (durch hollunderbeeren) Karmarsch-Heeren 43, 358.
 
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zufäschen, v., verbinden, s. DWB fatsche binde th. 3, 1363: mit dieser salben schmiere die stätte (den buckel) ... warm, allzeit eine halbe stund, vor- und nachmittag, täglich zweymal, und allemal ein breitgeschlagen bley darauf gelegt, und zugefäschet v. Hohberg georg. cur. 1, 277.
 
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zufassen, v., etwas kräftig und entschlossen anfassen, wie zugreifen: hätte Eva nicht gejuckt, als der erste floh bisz, sondern zugefaszt und geknackt, so gäb es itzo keine flöhe mehr Alexis Roland v. Berlin 1, 389; ich sage dir — in .. Masuren werden sie schon zufassen Fontane I 1, 380. selten und nicht mehr üblich mit obj.: ich will nun diese frage etwas ordentlich zufassen Hippel über die ehe 44.
 
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zufechten, v., alter ausdruck der fechtkunst (anhieb tun?): so einer gegen dem mann, welchen er vor sich hat, zuficht Sutorius fechtbuch (1612) 2; das zufechten geschicht anfänglich ausz oder von den lägern mit haüwen 2. verstärkend: fechte brav zu (proeliare fortiter) Göthe 38, 210 W. (lab. juv. II).

 

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