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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zufällig bis zufassen (Bd. 32, Sp. 349 bis 356)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufällig, adj. , mhd. zuovellic, nur in bedeutung 2 Lexer 3, 1198.
1) es entspricht in der älteren sprache den veralteten bedeutungen von zufall.
a) wie zufall 1: hat sie (die stadt St. Gallen) ... gar zufellige (starkbesuchte) und grosse wuchenmärckte Stumpf Schwytzerchron. (1606) 384b; als er ... die stett Caphya, Pellene ... im zufellig gemacht Xylander Polybius 103; umb geilheit und unkeuscheit willen werden .. vil mönchen und nonnen .. den sectischen zufellig F. Agricola ketzerbrunn (1583) 55; communis belli Mars der sig aller kriegen ist ... beyden partheyen oder seyten gleych zfellig Frisius 263b.

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b) wie 2 a, sich mit heutigem fällig berührend: täglichs ztragen zfelliger gaben beger ich abgestelt werden Eberlin v. Günzburg 1, 77 ndr.; so ein fron zufällig ist quellen z. alten gesch. d. fürstent. Bayreuth 1, 120. in weiterem sinne 'zugehörig': von zufälligen artzeneyen etlicher kranckheyten H. v. Eppendorff Plinius (1543) 7, 30. später umgedeutet: zufällige einnahmen ... sind ... den gewissen und ordentlichen entgegengesetzt Heynatz 1, 474a.
c) an 2 b anschlieszend: fieri copiosiorem legendo aliquid vil gesprächer und beredter und zfelliger durchs läsen in einer kunst werden Frisius 332b; das wäre eine gute gelegenheit, allerhand zufällige gedanken, urtheile ... einzuschalten v. König ged. (1745) 614.
d) wie 4: etwas das sich ztragt, etwas zfelligs Frisius 16a; in allerhand ... zfelligen geschefften S. Münster cosmogr. vorr. 3; ander zufelliger sachen halben privatbr. d. ma. 1, 111 Steinhausen; in zufälligen kriegesnöten Binhardus thür. chr. (1613) 277; ein zufelliger handel Luther 16, 121 W.; aber fursichtickeyt sihet auff die tzufellige far 10, 1, 1, 651 W.; ewer lieb schreiben ... uns am 19. novembris durch ein zufellige botschafft behendet herz. Fridrich zu Sachsen in Luthers schr. 1 (1564) 136a Jena; bey dieser zufälligen post beliebe e. gn. zu vernehmen Harsdörfer t. secret. 1, 314; zuefällige gelegenheit occasio oblata Stieler 424. auch von gegenständen, 'was so vorkommt': in welcher beschaffenheit fernerhin denen öffentlichen wirths- oder gasthäusern untersaget ist ... kein rohes oder geselchtes fleisch, würst und derlei zufälliges über gassen zu verkaufen österr. weist. 2, 89 (1755).
2) wie zufall 3.
a) entsprechend dem scholastischen accidentalis: Diefenbach 7c; 202c; sunderlich zugab oder zuvelliger lon voc. theut. (1482) f 6a; Frisius 42b; 59a; wan lib und sel ... sind zwai weslichú stuke, dú dem menschen wesen gebent und im nút in zvallicher wise bi sint Seuse 162 Bihlm.; jede qualitates oder zufällige ding Schweickhart gr. v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 7; und ist unter dem geschriebenen und geredten wort zwar ein zufälliger unterscheid Harsdörfer t. secret. 1, 6; in fleisziger betrachtung derjenigen dinge, die einem thun zufällig seyn, oder beywohnen A. Buchner anleit. z. d. poeterei (1665) 63. in besonderem theologischen sinne: ob die ratten und mäusz anders nichts benagen, dan eitel accidentien oder zufällige eygenschafften, on benagung desz brots Fischart bienenkorb (1588) 94a. als gegens. zu wesentlich ist es im gebrauch geblieben: dies hat statt bei allem gebrauche der wissenschaft in zufälliger materie Leibniz d. schr. 1, 320; die zufällige schönheit, die von dem thon entsteht, die musz die wesentliche schönheit der gedanken erheben Breitinger crit. dicht. (1740) 2, 3; diese farben, welche das fundament der ganzen lehre machen ..., wurden bisher als auszerwesentlich, zufällig, als täuschung und gebrechen betrachtet Göthe II 1, 1 W. grammatisch: die zufällige endung (in unverantwortliches beginnen) ist -es Schottel haubtspr. (1663) 70; die zufällige letteren -en (in königen) 54. juristisch: dahin gehört wesentlich die grafschaft ...; zufällig, aber der regel nach, münze, zoll und andere fiscalische nuzungen Eichhorn d. staats- u. rechtsg. 23, 343.
b) wie zufall 3 c ist es ein altes wort der medizin: solstitialis morbus ein schnälle und gähe zfellige kranckheit Frisius 1219b; dadurch des leibs gesundtheyt .. vor allen zfälligen kranckheyten bewart ... wirt Ryff spiegel d. gesundheit (1544) a a 3a; wo ein arge zufällige eigenschafft oder complex in einem schaden ist Wirsung (1588) 536d; zfällige lüst (der schwangeren) M. Hero schachtafeln d. gesundheit (1533) 59. anscheinend für ansteckende krankheit: (reinigung des lagers) zu vermeidung der zufelligen seuchten L. Fronsperger kriegsb. (1578) 1, 179c; andere zufällige kranckheiten sind heut da, morgen dort Moscherosch gesichte (1650) 2, 480. zufällig ist dann auch soviel wie hinfällig: affectum corpus ein übel mügender, schwacher, zfälliger leyb Frisius

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337a; prästhafft, zfellig 631b; der ein zufelliger blöder mann war Stumpf Schwytzerchr. (1606) 239a. vgl. DWB zufallen 4.
3) zufällig ist, entsprechend zufall 5, das der vernunft sich entziehende unberechenbare. der übergang hat sich hier nicht so unvermittelt vollzogen, von dem gegensatz zu wesentlich ist nur ein schritt zum gegensatz zu nothwendig.
a) zufällig ist etwas, dem der ursächliche zusammenhang oder die logische, weiterhin auch sittliche oder ästhetische begründung fehlt. das wort geht aus dem strengen gebrauch der philosophen in den allgemeinen über: es ist klar, dasz dasjenige zufällig ist, davon das entgegengesetzte auch seyn kan, oder dem das entgegengesetzte nicht wiederspricht Chr. v. Wolff vernünftige ged. von gott (1720) 78; indem er (Leibniz) dann aber anderseits unter notwendigkeit im engeren sinne nur die absolute und unbedingte verstand, setzte er wieder notwendig und zufällig einander gegenüber und bezeichnete schlieszlich den gegensatz der ewigen und der thatsächlichen als denjenigen der notwendigen und der zufälligen wahrheiten Windelband gesch. d. neuer. philos.4 (1907) 1, 475; das wissen erkennt sich als zufällig Fichte 2, 147; viel zu oft liesz man sich von unsichern äuszern kennzeichen oder von zufälligen ähnlichkeiten der monumente zu trugschlüssen und sünden wider den heiligen geist der kunst verleiten Göthe 46, 18 W.; ich sehe nicht auf die zufälligen vorzüge der geburt Schiller 14, 200 G.; entziehen wir diese grundlage (das christentum) dem staate, so behalten wir als staat nichts als ein zufälliges aggregat von rechten Bismarck reden 1, 25 Kohl; die lehre vom abstrakten kunstwerke, in welchem nicht der geist, sondern die zufällige äuszere form entschied O. Ludwig 5, 43; mit recht ist gesagt worden: das erblinden aus altersschwäche (Faustens) wäre ein rein zufälliges motiv Burdach vierteljahrsschr. f. literaturwissensch. 1, 17. formelhaft: es ist (nicht) zufällig, dasz ... ebenso als adv.: dasz die eintheilung des menschlichen knochengebäudes blosz zufällig entstanden Göthe II 8, 23; hier projiciren sich nicht etwa zufällig sterne auf fernem nebligen grunde A. v. Humboldt kosmos 1, 88; ein häszlicher, zufällig entstandener hof E. M. Arndt s. w. 1, 10.
b) zufällig ist im besonderen dem wirken der höheren macht gegenübergestellt:

zufällig nicht ist die gestalt der dinge,
das eine will das andre stets bedeuten
Brentano ges. schr. 6, 48;

scheint hiermit die auferstehung Jesu aus einem wunder der allmacht in ein zufälliges natürliches ereignis verwandelt D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 15, oder der menschlichen absicht: so war wohl dieser spazierritt nicht so ganz zufällig Göthe 23, 74 W.; dies ereignis ... geschah zufällig und entgegen seinem willen Raumer g. d. Hohenstäufen 4, 166.
c) mehr positiv gefaszt bezeichnet es die wirkung des zufalls, früh lexicalisch belegt, für fortuitu Diefenbach 244b, im eigentlichen gebrauch aber erst im 17. jh.: dieser setzte ihm für, seine hertzhafftigkeit nunmehr auch gegen männer auszuüben, nachdem er durch eine ohne disz meist nur zufällige überwindung eines weibes mehr verkleinerung als ehre erlangt zu haben ihm einbildete Lohenstein Arm. 1, 47a; tüchtige zöglinge (wurden) in's freie zufällige leben entlassen Göthe 24, 259 W.; der sogenannte ägyptenkiesel (geschliffener stein) mit zufälligen zeichnungen, die ein gesicht oder dergleichen darstellten H. Steffens was ich erlebte 1, 253; mit übergabe der verkauften sache geht die gefahr des zufälligen unterganges oder einer zufälligen verschlechterung auf den käufer über bgb. § 446; ein zufälliges ereignis, zusammentreffen; eine zufällige begegnung; zufällige ursachen, anlässe, folgen, umstände. so bekommt das adv. den sinn 'unversehens': es ist immer wunderbar und lustig genug, dasz man sich zufällig auf solchen wegen ertappt Göthe IV 24, 173 W.; dieses

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ganz zufällig bey günstig eintretender gelegenheit von mir ergriffene mittel IV 28, 55 W.
d) mit bezug auf personen braucht man zufällig von der betheiligung an einem vorgang oder einer sonstigen vorübergehenden beziehung: das absichtloseste wort, den zufälligsten blick ... legt man falsch aus Bode Th. Jones 4, 255; wie ein zufällig wörtchen von ihr eine welt von gedanken in mir hervorrief Hölderlin 2, 26 Litzmann; der arzt, für dessen zufällige gegenwart ich jetzt dem himmel dankte Holtei erz. schr. 2, 59; als zufälliger zuschauer Heine 3, 394 Elster; dem verdienstlosen zufälligen besitzer eines solchen bildes W. H. Riehl d. d. arbeit (1861) 232. vgl. u. g.
e) als zufällig erscheinen auch seelische vorgänge, was sich mit zufall 2 b berührt: aus zufälliger laune Göthe IV 4, 53 W., stimmung 22, 255; meiner tante hätte ich diesen zufälligen gedanken nicht sagen wollen S. v. Laroche frl. v. Sternheim 1, 138.
f) zufällig bezeichnet das einzelne, wirkliche im gegensatz zum ideellen und allgemeinen: wovon der grund in manchen theils zufälligen und physischen ursachen zu suchen ist Eschenburg entwurf e. theorie (1783) 19; das natürliche und zufällige amphitheater Göthe III 1, 196 W.; in der ganzen geschichte der griechischen poesie ... ist sonst nichts zufällig und individuell Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 42 Minor; das sehen des Nathanael unter dem feigenbaume ..., das ... von Schleiermacher ... als ein zufälliges natürliches sehen gefaszt wird D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 24; nicht als kunst der darstellung eines einzelnen zufälligen (menschen), sondern eines typus O. Ludwig 5, 218.
g) daraus ergibt sich der nebensinn des werthlosen und nebensächlichen, der sich schon aus 1 d und 2 a ableitet und früh belegt ist: circulatoria iactatio zfellig unnütz geschwätz Frisius 228a; das ist ein sonderlich zfellige ursach, davon nicht not tzuschreyben ist Luther 10, 2, 25 W.; er gibt sein ehr, trew, gerechtigkeyt ... umb das schnöd gelt, kleyd, speisz, und zufellig ding umb die substanz S. Franck sprichw. (1541) 1, 137a; leblose dinge können in die poesie hineinkommen ... aber sie müssen nur als zufällige dinge hineinkommen Ramler einl. in die schönen wiss.2 1, 139; lange hin hatte er an den groszen geschäften nur geringen und zufälligen antheil Ranke 9, 154; zufällige kleinigkeiten Herder 5, 124 S.; mit der zufälligen mehrheit einer einzigen stimme Dahlmann g. d. franz. revolution 150.
h) oder es ist etwas seltenes: infolge der zufälligen vollständigkeit der darüber erhaltenen berichte Mommsen röm. g. 57, 131.
4) zufällig als adv., vgl. bei 3 b, hat sich in eigenthümlicher weise entwickelt.
a) ungemein häufig erscheint es formelhaft in der erzählung. es ist gleichsam ein syntaktisches mittel, durch welches ein einzelner vorgang in die reihe des geschehens eingeordnet wird, wie es geschah, es begab sich einmal: zufällig kam ich auch in die gegend, ohne freunde und ohne waffen Göthe 43, 27 W.; zufällig war ich nicht zu hause und doch hab ich ihn noch eine viertelstunde gesprochen IV 39, 237; in einen mit kreuzern gefüllten sack gerieth zufällig einmal ein dukaten Ebner-Eschenbach 1, 140. besonders mit blicken, sehen, hören u. ä., vgl. die bel. bei 3 d: ich ..., wendete mich um und blickte zufällig in einen offenstehenden kohlenschoppen Göthe II 1, 19 W.; als man zufällig von diesen dingen sprach 6, 62; zufällig hörte ich auf der gasse A. v. Arnim 1, 251 Grimm.
b) von 'gelegentlich' geht die bedeutung in 'nebenbei', 'nebenher' über, vgl. 3 g: es war inen auch zufellig und ungever eyn gt hoffnung begegnet Carbach Livius 321b; zufellig können wir auch lernen Luther 28, 239 W.; zufällig ist auch bey der zierlichkeit der rede zu gedenken, dasz Harsdörfer poet. trichter (1653) 3, 71; nun muszte man ... auf zufällig (wie's traf) hingeworfenen steinen über moorflecke wandern Göthe 24,

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143 W.; das beyliegende gedruckte heft erfolgt blos zufällig, weil es mir zur hand ist IV 29, 132 W.; so gehört Shakespeare nothwendig in die geschichte der poesie; in der geschichte des theaters tritt er nur zufällig auf 41, 1, 65 W.; wir sehen einander nie, als zufällig am dritten orte G. Forster 8, 66.
c) in philosophischer sprache bestimmt es adjective: das zufällig-veränderliche allg. d. bibl. anh. zu bd. 53/86, 1969; so wenig der verstand gottes selbst zufällig-weise, zufällig-gut ist Herder 16, 488 S.; das zufällig-wirkliche Göthe 42, 2, 119 W.
5) in fachsprachen.
a) bergbau: die zufälligen geschicke, klüffte und gänge Chr. Herttwig neues u. vollk. bergbuch (1734) 370a; blende mit zufälligen golde Pansner franz.-d. mineral. wb. (1802) 25.
b) in der malerei: zufällige lichter Alb. Schiffner 10, 570a; tausend zufällige lichter bereichern dieses .. gemälde Hirschfeld theorie d. gartenkunst 4, 66.
c) in der musik, wie frz. accident dict. de l'ac.7 1, 15: zufällig grosz ... wird ein intervall durch neu hinzu gefügte versetzungszeichen (halbe töne, abweichend von der vorgeschriebenen tonart) Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 2, 17; sie sangen alle die oberstimme mit kleinen varianten aus zufälligen erhöhungen und erniedrigungen, etwa um einen viertelston E. Th. A. Hoffmann 1, 25 Grisebach.
d) in der mathematik: zufälliger punct, wird in der perspectiv ein punct genennet, in welchem eine gerade linie, die aus dem auge mit einer gegebenen parallel gezogen wird, die tafel schneidet Wolff mathem. lex. (1747), 1, 1453.
6) das zufällige, n., seit Leibnitz in philosophischer sprache, den anwendungen in 3 entsprechend, manchmal wie zufall: und ist nicht die substanz, sondern nur allein das zufällige verändert Leibniz d. schr. 2, 368; die subjekte müszten doch ... vor dem prädikat ..., das wesentliche und gewisse vor dem ungewissen, zufälligen vorhergegangen seyn Herder 5, 51 S.; allenthalben (bei Homer) nur der gang des menschengemüths, der menschenkräfte, sofern es ans zufällige, ans unvorhergesehene, ans unendliche reichet 17, 168 S.; die vorrichtung .., welche wir vorschlagen, um von dieser erscheinung das zufällige wegzunehmen und sie in ihren bedingungen sogleich zu vermannichfaltigen und zu befestigen Göthe II 2, 269 W.; ich ... erzählte ihr das zufällige der entdeckung 25, 144 W.; wie Shakespeare's ganze poesie das innerliche, wesentliche über das ... zufällige setzt O. Ludwig 5, 83; des natürlichen oder zufälligen schämt sich der mensch nicht E. M. Arndt schr. an s. l. Deutschen 2, 161. ebenso etwas, nichts zufälliges.
7) zufälligerweise, gegenüber älterem in zvallicher wise Seuse 162 Bihlm., ist schon früh als einheit gefaszt Alberus (1540) X 2b; Stieler 424. in der bedeutung ist es gleich dem adv. zufällig, auch in den besonderen anwendungen: die andern ziehens auff das glück und sprechen es geschehe zufelliger weise Heyden Plinius 113; nemlich ich wolte von selbigem noch mehr wunderlichs zufälliger weise anführen Prätorius winterflucht der sommervögel (1678) 125; dann nach seiner meinung sein etliche (wörter) von natur lang, etliche kurtz, etliche frey, etliche zufälliger weise lang oder kurtz Morhof unterr. v. d. d. spr. (1682) 1, 545; etliche sachen aber giengen die religion nur zufälliger weise an Chr. Weise die ärgsten erznarren 86 ndr.; sie (die kritischen wälder) sind zufälliger weise entstanden Herder 3, 187 S.; unterwegs nach dem wirthshause fand ich zufälligerweise einen freund Göthe 43, 117 W.; da zufälligerweise gerade ein sachverständiger anwesend sei Immermann 2, 172 Hempel; dasz er nicht zufälligerweise, sondern mit absicht handle W. v. Humboldt ges. schr. 1, 8. auch einmal im musikalischen sinne: selbiger (ambitus der 7 mae min.) kan zwar zufälliger weise versetzt werden Heinichen generalbasz 103.

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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufälligkeit, f. , lat. accidentia, erscheint zuerst bei den mystikern: so sind dú ding in ime na sin selbes wesentheit, und nút na inbildender zvallikait Seuse 187 Bihlm. ähnlich in belegen des 16. jh.:

ein jeder leib ist lang und breit
und hat sunst sein zufälligkeit
J. Spreng gürtel des lebens (1564) 134b;

dann dise (die materie) ... ist unsichtbar und ihr natur nach öd, wüst und ungestalt, die auch auf ihr weisz aller zufälligkeit entsetzt Schweickhardt gr. v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 11.
in neuerer zeit ist zufälligkeit
1) allgemein die thatsache des zufällig seins, weiterhin des blosz wirklichen im gegensatz zum unbedingten: der beweis ... vom dasein gottes aus dem begriffe eines allerrealsten wesens (der zufälligkeit des veränderlichen und der nothwendigkeit eines ersten bewegers) Kant 3, 20 ac.; über möglichkeit und unmöglichkeit, nothwendigkeit und zufälligkeit maaszt sich blos die vernunft einen ausspruch an Herder 21, 78 S.; was durch freiheit gesetzt wird, hat den charakter der zufälligkeit Fichte 7, 391; wenn auch heutiges tages alles wahre für unbegreiflich und nur die endlichkeit der erscheinung und die zeitliche zufälligkeit für begreiflich ausgegeben wird Hegel 10, 1, 119. es berührt sich mit zufall: abgelöst von dem stoffe und den unzähligen bedingungen der zufälligkeit K. W. F. Solger Erwin (1815) 1, 68.
2) im einzelnen, was durch den zufall bedingt oder veranlaszt ist, meist im plur.
a) dinge, welche die eigenschaft der zufälligkeit besitzen: daher die disputirform zwar in nothwendigen sachen, da ewige wahrheiten vorfallen, zur nothdurft ausgemacht, nicht aber in zufälligkeiten Leibniz d. schr. 1, 384; es ergieng ihm hier, wie einem unerfahrnen menschen, der in der freundschaft oder liebe hintergangen worden, .. der nun seinen glauben an diese empfindungen überhaupt sinken läszt, weil er blosze zufälligkeiten für wesentliche kennzeichen derselben aufnimmt Schiller 4, 264 G.
b) wie die accidentien, die besonderen eigenschaften und züge der einzelnen wirklichen dinge: eigenschaften und zufälligkeiten Gottsched d. sprachk. (1748) 116; Bodmer abh. vom wunderbaren (1740) 21; über die zufälligkeit des zodiakallichtes Gottsched neueste aus der anm. gelehrs. 4, 817; eigenthümlichkeit, lokalität und zufälligkeit H. P. Sturz 1, 230; wie sie mir zuwider ist! ... bis auf die kleinsten zufälligkeiten Göthe 22, 194; er fühlte sich in eben dem augenblick über alle zufälligkeiten, über den eigensinn seiner eltern und den geiz des alten Birkheim erhoben Tieck 14, 25; die sogenannte wirklichkeit mit ihren wechselnden zufälligkeiten Chamisso 5, 154; nicht allerlei zufälligkeiten ... legen den charakter eines historischen mannes dar Ranke 4, 90. früher gelegentlich in der grammatik: diese zufälligkeiten der zeitwörter werden mannigfaltig verändert Gottsched beytr. zur crit. historie 2, 524. häufiger mit bezug auf dichtung oder bildende kunst von dem einzelnen, bes. dem gegenständlichen: indem er (Mozart) die zufälligkeiten abstreift, welche in dem unzureichenden können des dichters begründet waren, faszt er den kern der situation ... auf O. Jahn Mozart 1, 391; ich besitze noch eine ältere zeichnung, wo er sich, als reisender in unwirthbarem gebirg, am sonnenaufgang und herrlichen, sich zusammendrängenden zufälligkeiten entzückt Göthe 49, 310; die neueren (bildhauer) suchten die naturwahrheit in einer illusorischen imitation ... dieser zufälligkeiten der oberfläche, der haut und des fettes darunter Justi Winckelmann 1, 389.
c) überhaupt ist das wort selten frei von dem nebensinn des unwichtigen, werthlosen: wenn wir .. aufs wesentliche sehen wollen, nicht auf die lappen ihrer zufälligkeiten (der menschen und zeiten) Herder 15, 296 anm. S.; um alle diese äuszerlichen zufälligkeiten müssen sie sich jetzt gar nicht ängstigen Tieck 17, 184;

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unterlassen wir es, zufälligkeiten zu erörtern Ranke 15, 25; sie wirthschaften alle mit zufälligkeiten, flicken und stopfen, wo was reiszt Varnhagen v. Ense tageb. 4, 87.
d) manchmal ist es die der regellosigkeit: an dem ausgang ... überrascht .. eine angenehme zufälligkeit das auge Hirschfeld theorie d. gartenkunst 3, 227; weil die handlung einen beigeschmack von äuszerlichkeit und zufälligkeit erhält O. Ludwig 5, 111.
e) es bezeichnet durch den zufall veranlaszte vorgänge und umstände: die strengste aufmerksamkeit war ihm (dem führer der vorhut) empfohlen, alles sollte mit vorsicht geschehen, jede unangenehme zufälligkeit klüglich beseitigt werden Göthe 33, 23; unsere kleinen geselligen reisen, lustpartieen und die dabei vorkommenden zufälligkeiten stutzten wir poetisch auf 27, 37 W.; ich bin mir bewuszt, dasz ich in allem, was ich euch zu sagen habe, meinen stand völlig verleugne, warum sollte ich ihn also nicht wie irgend eine andere zufälligkeit bekennen? Schleiermacher reden über die rel. (1879) 4; jeder hat das recht, sich aus den zufälligkeiten der geburt zu befreien Gutzkow 10, 43. es bekommt dabei den sinn des seltenen oder der ausnahme: ihre contingente ... waren immer abgesondert: die verbindung der Latiner in den manipeln war eine zufälligkeit Niebuhr röm. gesch. 3, 166; das enge häuschen, welches zwar zuweilen einen guten keller besitzt, in dessen küche aber frisches fleisch jeweils eine zufälligkeit L. Steub drei sommer in Tirol 1, 376.
f) die zufälligkeiten sind die dinge, von deren zusammenwirken das geschehen abhängt: und ohne wunderliche zufälligkeiten wäre ich in das unglück mit verwickelt worden Göthe IV 35, 119 W.; kriegerische wechselfälle ... können durch zufälligkeiten aller art herbeigeführt werden Bismarck ged. u. er. 2, 132 volksausg.; die zufälligkeiten der menschlichen dinge Mommsen röm. gesch.4 1, 67, der äuszeren politik 5, 57; die unberechenbaren zufälligkeiten des wahlgeschäfts 3, 315; dieses verfahren ist .. unabhängig von allen zufälligkeiten Liebig handb. d. chemie (1843) 628.
g) die zufälligkeiten sind störend, feindselig: ich überliesz es (das kind) ... allen zufälligkeiten, denen es, in einer ungebildeten gesellschaft, nur ausgesetzt sein konnte Göthe 23, 140 W.; die versendung durch zufälligkeiten aufgehalten IV 26, 313 W.; keine rücksicht dürfe ihn hindern, ... ihr das ungeteilte und ganze, von keinen zufälligkeiten getrübte leben anzubieten, ein leben, das die notwendigkeit, nicht die eiserne, sondern die goldene, selbst sein würde G. Keller 2, 223.
 
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zufälliglich, adv., accidentaliter Diefenbach 7c; Diefenbach - Wülcker 915: nit essentialiter das ist wesenlich, sonder accidentaliter oder zefelliklich Berthold v. Chiemsee 129; ob wir gleich etwas anders zuweilen zufelliglich furhaben zu predigen Luther bibel 7, 346 Bindseil (vorr. auf Jesaia).
 
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zufalls, adv.: meinet es geschehe on gefehr und zufalls also Luther 34, 2, 583 W.; plumpweis und zufals 34, 1, 52, s. th. 7, 1945 bei plumpweise.
 
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zufallung, f., mhd. zuovallung mhd. wb. 3, 221a: darnach ist er in zfallung der winterzeit mit vil gefangnen .. wider in Ungarn gezogen H. Boner Herodian (1532) 58a.
 
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zufällung, f.: und lobeten do god den almechtigen, das her uns das wasser und ander zufellunge also gnedigk hatte erczeiget K. Stolle thür. chron. 174 lit. ver.
 
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zufalten, v., mnd. tovolden chr. d. st. 16, 115, implicare Diefenbach 289b: dasselbig (brieflein) war klein zugefalten, und garn drumbher gewunden E. v. Meteren niederl. krieg (1614) 243b; tendere alicui manus einem die hände zufalten nomencl. (Hamb. 1634) 495;

nun falten
vor der umnachteten stirn die gerungenen hände sich bang zu
Klopstock Messias 8, 572.

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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zufang, m., eine flurbezeichnung wie anfang (Holstein), byfang (Basel): man dint auch in den hof von ainem agkher zunägst dem züfang gelegen dreissig pfennig urk. u. reg. z. gesch. v. Göttweig 3, 346 (bel. v. 1498). in Ulm für sauerteig Klein 2, 208; Jacobsson 8, 283b.
 
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zufärben, v.: zufärben des weines (durch hollunderbeeren) Karmarsch-Heeren 43, 358.
 
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zufäschen, v., verbinden, s. DWB fatsche binde th. 3, 1363: mit dieser salben schmiere die stätte (den buckel) ... warm, allzeit eine halbe stund, vor- und nachmittag, täglich zweymal, und allemal ein breitgeschlagen bley darauf gelegt, und zugefäschet v. Hohberg georg. cur. 1, 277.
 
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zufassen, v., etwas kräftig und entschlossen anfassen, wie zugreifen: hätte Eva nicht gejuckt, als der erste floh bisz, sondern zugefaszt und geknackt, so gäb es itzo keine flöhe mehr Alexis Roland v. Berlin 1, 389; ich sage dir — in .. Masuren werden sie schon zufassen Fontane I 1, 380. selten und nicht mehr üblich mit obj.: ich will nun diese frage etwas ordentlich zufassen Hippel über die ehe 44.

 

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