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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zuerst bis zufahrer (Bd. 32, Sp. 339 bis 341)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zuerst, adv. uralte zusammenrückung der präp. zu mit der ordnungszahl, s. sp. 165 e und th. 3, 991. ältere nebenformen zu ersten Hans Sachs 1, 91 Keller, nd. to ersten Diefenbach nov. gl. 303a, zu erste Prätorius vom Katzenveite a 2a, mundartl. zur erst (wie zur letzt) Lessing 17, 8 M. gegentheil zuletzt. räumlich, und danach von der rangordnung nur in der verbindung zuerst sitzen und setzen: er solt die götter, die man im gold pflegt zu ehren, zuerst setzen Lehmann floril. 2, 706; er theilet ganz Germaniam in fünff nationes, und setzet zuerst die Vindeler Micrälius Pommerland (1640) 1, 12. im allgemeinen nur zeitlich.
1) zuerst bezeichnet einen vorgang im gegensatz zu späteren, durch dann, zuletzt u. ä. eingeführten vorgängen:

ich meint, du solst der klein ein par
zuerst ausmachen und darnach
ein grosz par schuh, diesz war mein sprach
Fischart Eulenspiegel 214 Hauffen;

als gott zuerst erschien er ihr;
dann als ein mann, zuletzt als thier
Lessing 1, 5 M.;

zuerst ein weiher kam und dann ein steg,
dann ging es aufwärts halb verwachsnen weg
Droste-Hülshoff 2, 95.


2) es bezeichnet den zeitlichen vorrang mit bezug auf eine einzelne person oder sache: wer zuerst kommt, mahlt zuerst (vgl. th. 6, 1455); wer zuerst zum herd kompt, der setzt sein hafen wo er will Lehmann floril. 1, 210; das best zuerst, das ist das best ebda (und noch mehr sprichw. wendungen);

ach gott, wer der im pfefferlandt,
der das spiel zerst erfandt!
Murner narrenbeschwörung 174 ndr.;

wer ihn von euch zuerst sieht, entschuldige mich Göthe IV 29, 189 W.; wen rühren meine klagen zuerst? Hippel lebensläufe (1778) 2, 598; der löwe ... war einen augenblick lang unschlüssig, auf wen er sich zuerst stürzen sollte G. Keller 4, 71; und beantworte, unter der menge von briefen, den ihrigen zuerst Lichtenberg briefe (1901) 1, 202.
3) es bezeichnet das in der reihenfolge der gedanken erste, wie erstens, zunächst: was Griechenland zuerst betrift, so kan hiervon gelesen werden Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 2; Winkelmann musz also zuerst wohl nicht recht gelesen haben, und zweitens also übel vergleichen, übel folgern Herder 3, 13 S.; zuerst wäre aber der typus in der rücksicht zu betrachten, wie die verschiedenen .. naturkräfte auf ihn wirken Göthe II 8, 19 W. so bezeichnet es das wichtigste: der mann gehört zuerst Preuszen, dann aber auch der welt an IV 38, 74 W.; nur dadurch, dasz wir fest auf eignen füszen stehn und zuerst groszmacht, dann bundesstaat sind Bismarck ged. u. er. 2, 19 volksausg.
4) es heiszt auch 'zum ersten mal': indem kamen sie an den ort, da der streit zuerst ergangen war volksb.

[Bd. 32, Sp. 340]


v. gehörnten Siegfried 87 ndr.; zu welcher zeit der herzog von Polen zuerst die deutsche oberherrschaft erkannte, läszt sich nicht angeben K. F. Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 2, 11; hier erwachte zuerst jener heilige völkerzorn Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 262;

wonniglich ist's, die geliebte verlangend im arme zu halten,
wenn ihr klopfendes herz liebe zuerst dir gesteht
Göthe 1, 330 W.


5) gelegentlich in verbindung mit temporalen conj.:

seit der zeit, da zuerst Agamemnon, herrscher der völker,
und der göttliche held, Achilleus, hadernd sich trennten
Bürger 184 Bohtz;

die allgemeine religion erscheint, nachdem sie zuerst in das bewusztsein des menschlichen geschlechtes getreten ist, als eine grosze ... überlieferung Ranke 1, 3.
6) veraltet in zusammensetzungen: der zuerstverstorbene allg. d. bibl. 36, 480. dafür jetzt erst.
 
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zuersterben, v., durch erbschaft anheimfallen: Hoembergk .. (das noch unserm ... gemahln ... zur helfte zuerstorben) ist hessische landtagsakten 1, 141 (von 1511).
 
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zuertheilen, v., wie zueignen, zuerkennen u. ä.: Alberus (1540) b b 4b;

Reinhardt ich frag auff ewer pflicht,
die ihr habt gethan zu dem gericht,
was straff man diesem zuerteil
H. Sachs 13, 279 Keller;

im laufe des sommers ward mir noch ein sehr lästiges amt auf der bibliothek zuertheilt Hoffmann v. Fallersleben 7, 148 Gerstenberg; die ihm zuertheilte rolle B. Auerbach 5, 39. —
 
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zuertheilung, f.: die zuertheilung des preises bgb. § 661.
 
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zuerwachsen, v.: bistu ein christ, und weissest nicht, was den lästerern endlich für ein tranckgelt und lohn zuerwachset? Moscherosch gesichte (1650) 2, 175.
 
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zuerwerben, v. Kramer 2, 1326c; das von den pergamenischen königen zu ihrem reiche zuerworbene und wiedereroberte gebiet Ritter erdk. 18, 611.
 
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zuessen, v., als gegenstück zu zutrinken: het Cicero ... unser ... füllerey mit ztrüngken und zessen gesehen Schwarzenberg d. teutsche Cicero (1535) 29b;

wann der brauch, wie zuzutrincken, also wäre zuzuessen
Logau 345 Eitner.


 
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zufächeln, v.: luft, kühlung zufächeln; dränget die menschen nicht in enge kerker: so dörft ihr ihnen keine frische luft zufächeln Herder 13, 321 S.
 
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zufachen, v.:

sie glühten für einander, und ich fachte
selbst odem ihren leidenschaften zu
Göthe 9, 302 W. (ähnlich
Schiller 12, 497 G.).


 
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zufahren, v.
1) räumlich, in einer richtung sich bewegen: der statt zfaren Frisius 259b, dem land 1121a; seinen grubencompasz, welcher im alle stunde und augenblick weiset, wo er recht zufaren solle Mathesius Sarepta (1571) 40b (ähnlich Chr. Reuter Schelmuffsky 48 ndr.). so nur von einer fahrt im wagen heute: (damit) keiner zu schaden komm, und dester unwilliger sey hernachmals widerumb zuzufahren mit profandt L. Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 68b; als wir gegen die Moselbrücke zufuhren Göthe 33, 176 W.; vier chausseen ... stieben den ganzen tag von zu- und abfahrenden, von lust- und spazierfahrenden IV 25, 6 W. sprichwörtlich dem himmel, der hölle, dem teufel zufahren.
2) als verstärkung 'anfahren' mit einem fuhrwerk, schnell fahren, s. o.: fahr zu, so schnell du kannst und wenn auch die pferde drüber zugrunde gehn Grimm d. sagen (1891) 1, 95. auch sonst von eiliger bewegung: John sah die wilde flucht gerade auf das brunnenloch zufahren Storm (1899) 5, 175.
3) allgemeiner von einer heftigen, eifrigen bewegung um eine person oder sache zu fassen, etwas mit ihr vorzunehmen, wie zugreifen: der gurglen zfaren und

[Bd. 32, Sp. 341]


schen zeerwürgen Frisius 1000b; man meynt, daz die (spinne) so spinne, sey das weiblin, die aber so zufüre, sey das männlin H. v. Eppendorff Plinius (1543) 194; Wilhelm fuhr wie ein blitz auf den mann zu Göthe 21, 160 W.; speisen auf einem tische .., auf den die hungernden 'wie die wölfe' zufuhren Gutzkow zauberer von Rom 7, 158.
4) vielfach vom rasch zugreifenden handeln: füre ich aber zu und sprünge zwischen feynd und herrn eyn und setzt meynen leyb fur meynen herrn und ersteche den feynd, were das nicht eyne erbare redliche that? Luther 18, 378 W.; wenn man sogleich zuführe und eine solche sache ohne bedenken ins werck setzete Zinzendorf kl. schr. (1770) 494; der (vorsichtige schriftsteller) kann nicht so schnell zufahren, weil er beständig zweifel findet Nicolai reise durch Deutschland 3, xvii. gern vom zugreifen der obrigkeit: mit der schweren hand zufahren Kramer 1, 615c; das die Denen und Lübeker sind zugefaren als richter und uberherrn des königes und haben solch unrecht gestrafft und gerochen Luther 19, 641 W. vom übereilten: aber unser rottengeister faren zu, alles das sie yn Mose lesen, sprechen sie: da redt got 16, 383 W.; wenn irgend ein fremder mann ... tölpisch mit der nase zufährt E. Th. A. Hoffmann 11, 68 Gr. das war in der älteren sprache formelhaft wie 'beginnen': do fur der rat zu und gab melb hin chron. d. städte 2, 306; als er (Adam) sihet, wie er genarret hat, fert er zu, wil sich beschönen Luther 24, 95 W.
5) in früherer zeit wurde es auch unpersönlich gebraucht wie zustoszen, zugehen: jhe wie haben sich dy hochgelerten herrn gestoszen, quod patri Jacob czufert, nimpt zwu schwestern uff einmal Luther 14, 402 W.; unde fragete unde lernete ..., wie ess in syme lande zufur Gerstenberg chron. 42 Diemar.
6) zufahren 'sich schnell schlieszen': die eherne pforte fuhr mit einem dumpfen schall vor ihm zu Klinger w. 3 (1815), 265.
7) transit. von lebensmitteln und anderm bedarf, s. DWB zufuhr: wagen, auf denen der mönche dienstleute korn und wein zufuhren Grimm d. sagen (1891) 2, 38. danach vereinzelt intrans.: er muszte nun eine burg, ..., belagern, länger als sieben jahre, weil ihnen wein und wasser unter der erde zufuhr 2, 81.
8) die nominalformen werden im sinne von 4 gebraucht: gleich entfernt von weit ausholen als von übereilung und zufahren O. Ludwig 2, 592; das schnelle zufahren in der bewegung, und das öftere stocken M. Mendelssohn ges. schr. 3, 434; der fürst, derb und zufahrend, wie er war Immermann 1, 170 Hempel; wenn ich ihm (Ottokar) etwas zufahrendes und ... wachstubenmäsziges gegeben hatte Grillparzer 19, 117 Sauer.
 
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zufahrer, m., 'jene bergwerksbesitzer, welche ihre erze bei einer fremden schmelzhütte .. verschmelzen' Scheuchenstuel 269. auf ziegeleien, die den lehm auf karren heranfahren Schrader d.-frz. wb. 2, 1688. —

 

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