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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zueitern bis zuersterben (Bd. 32, Sp. 337 bis 340)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zueitern, v., Campe.zuengen, v.: nähern sich die beiden gebirgsketten so sehr, dasz das thal sich bis auf 600 fusz zuengt Ritter erdk. 1, 760; alles weitläuftig vorgetragen, um die gottesfurcht zu einem sumpf zu machen, der das herz zuengt statt es zu erweitern W. Harnisch Raskorbi (1817) 1, 53.
 
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zuentbieten, v., mnd. toentbêden Schiller-Lübben 4, 560b, im 16. jh. als wort des amtlichen schriftverkehrs Luther briefe 1, 599, im 17. u. 18. jh. allgemein bekannt Stieler 180; Kramer 2, 1483c, aber schon bei Adelung 'nur noch in kanzeleyen' üblich: als ihm (Otto dem groszen) der könig in Franckreich trewlich zuentbot, er wolte so mit einem starcken zeug in Teutschland kommen, ..., entbote ihm der keyser wider Zinkgref apophtegmata

[Bd. 32, Sp. 338]


(1628) 20; J. D. Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 901; der unnützen worte könnte ich mich nicht erinnern, die ich i. f. g. hätte zuentbieten sollen lassen v. Schweinichen 372 Ö.; einen grusz zuentbieten Stieler. auch wie zueignen 'widmen' Paracelsus opera (1616) 2, 637. kanzleiformel mit unterthenigem zuentbieten D. Spalatinus bei Luther schr. 1, 108b (Jena 1564); mit dem z. Binhardus thür. chron. (1613) 67, neben gebührendem zuentbiethen acta publ. 2, 45 Palm.
 
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zuentbietung, f., noch früher veraltet als das verb: die zuentbietung .. ihrer gnade und versicherung ihrer liebe Ziegler Banise (1689) 92; nach zuentbietung des gebürlichen grusz v. Schweinichen 160 Ö.
 
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zuentgegen, adv., s. sp. 227, 3 a, nur bis in den anfang des 17. jh. prädicativ: das ich in dem wahn oder verdacht, als wolt ich ewer h. zuentgegen sein, nicht gern stehen wolt herz. Friedrich zu Sachsen in Luthers schr. 1 (1564), 140a Jena; denn es ist ... aller vernunft gantz und gar zuentgegen Nigrinus v. zäuberern (1592) 176; der bündtnusz zu entgegen Spreng Ilias (1610) 38b. vereinzelt vor dem subst. wie eine präp.: dasz K. M. ... nichts wurde zu entgegen dem gottlichen wort schlieszen oder richten Luther briefe 4, 84.
 
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zuerben, v.: nicht sie (die gewohnheit) machte ihnen das alte heilig, sondern .. mehr die ehrfurcht für die, die ihnen solches zugeerbet Herder 6, 60 S.
 
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zuerkennen, v. , als wort der rechtsprache ebenso alt wie erkennen th. 3, 868, 5, ggth. aberkennen.
1) durch richterliches urtheil einem ein recht, eine pflicht oder eine strafe zusprechen: weil aber die ordnung den gewercken zuerkent, das sie ... on gfar ertz hawen Mathesius Sarepta 21a; dem beweisführenden wird der gegenstand der klage zuerkannt, dem beweisfälligen ... aberkannt J. Grimm rechtsalterth. 24, 500; mit dem denen medicis zuerkandten jurament Chr. Thomasius ged. u. erinn. (1720) 1, 29; zuerkennen also will mir der mann den tod. wohl! was soll ich mir nun dagegen zuerkennen, ihr Athener? doch gewisz, was ich verdiene Schleiermacher Platon 2, 220; einem das gefängnüsz zuerkennen Stieler 953; einem prügel, die tortur, den scheiterhaufen, das schwert, die kugel zuerkennen. der begriff der strafe liegt darin manchmal ohne nähere andeutung:

wir wollen hier nach deinem willen dulden
was du uns zuerkennst für unsere schulden
Logau 691 Eitner.


2) in weiterm sinne, ohne den begriff des urtheils 'gewähren, zugestehn': sy habend im das regiment in Hispania übergäben und zuerkennt Frisius 657a; besoldungen, amtliche grade, auszeichnungen werden zuerkannt; die inquisition musz abgeschafft, die freiheit des gewissens und der presse unwiderruflich zuerkannt werden G. Forster 3, 111.
3) mehr erhält sich der begriff des urtheilens und richtens in wendungen wie den preis, den lorbeer, die palme, den sieg, die ehre, den vorrang, den vortritt zuerkennen. dabei geht das zuerkennen in 'anerkennen' über, nicht blosz von vorzügen, sondern einfach von eigenschaften, wie zueignen, zuschreiben, zusprechen: es wird einer person ein talent, ein verdienst, einer sache ein werth zuerkannt; sintemal der schertz oder schimpff ... bey den Griechen von der jugend den namen παιδεία hat empfangen, so er fürnemlich den minderjährigen dienstlicher ... dann dem ernsthafften alter ist zuerkendt worden Fischart Eulenspiegel 12 Hauffen; bei all dem leichtsinn, welchen du mir so freigebig zuzuerkennen beliebst Moltke schr. u. denkw. 1, 45.
4) gelegentlich mit persönlichem obj.
a) bestimmen für, s. DWB zueignen 2 a: cohaerarius ein scheffen oder zgesatzten, der der ordenlichen oberkeit zerkannt wirt iren etwas helffen auszerichten Frisius 244b, für sich gewinnen, s. DWB zueignen 3 d: obgleich einige seiner vorgänger ... sich durch ihre freigebigkeit gegen dieselben (die gelehrten am hof) ebensoviele

[Bd. 32, Sp. 339]


lobreder zuerkannten Wieland bibl. ält. schriftw. aus d. Schweiz II 3, 38.
b) von liebenden, s. DWB zueignen 4 d:

dein könnt ich doch nicht seyn,
weil das verhängnis mich Lysandern zuerkennet
A. Gryphius trauerspiele 305 Palm;

nur seelen fassen es, die die natur
einander ewig zuerkannt
Wieland 1, 364 acad.


 
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zuerkenntnis, f., n.: zuerkänntniss der tortur Chr. Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 93; für ein göttliches zuerkäntnüsz der bojischen herrschafft Lohenstein Arminius 1, 1137b.
 
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zuerkennung, f.: zuerkennung der preise allg. d. bibl. 87, 664, des eisernen kreuzes C. Euler einl. zu Fr. L. Jahn 1, xiv, destriumphs Mommsen röm. staatsrecht 1, 378, des radicalen h Schmeller mundarten Bayerns 17.
 
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zuerlernen, v.: sie müssen ... noch ein handwerk zuerlernen Fr. L. Jahn 1, 258.
 
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zuerst, adv. uralte zusammenrückung der präp. zu mit der ordnungszahl, s. sp. 165 e und th. 3, 991. ältere nebenformen zu ersten Hans Sachs 1, 91 Keller, nd. to ersten Diefenbach nov. gl. 303a, zu erste Prätorius vom Katzenveite a 2a, mundartl. zur erst (wie zur letzt) Lessing 17, 8 M. gegentheil zuletzt. räumlich, und danach von der rangordnung nur in der verbindung zuerst sitzen und setzen: er solt die götter, die man im gold pflegt zu ehren, zuerst setzen Lehmann floril. 2, 706; er theilet ganz Germaniam in fünff nationes, und setzet zuerst die Vindeler Micrälius Pommerland (1640) 1, 12. im allgemeinen nur zeitlich.
1) zuerst bezeichnet einen vorgang im gegensatz zu späteren, durch dann, zuletzt u. ä. eingeführten vorgängen:

ich meint, du solst der klein ein par
zuerst ausmachen und darnach
ein grosz par schuh, diesz war mein sprach
Fischart Eulenspiegel 214 Hauffen;

als gott zuerst erschien er ihr;
dann als ein mann, zuletzt als thier
Lessing 1, 5 M.;

zuerst ein weiher kam und dann ein steg,
dann ging es aufwärts halb verwachsnen weg
Droste-Hülshoff 2, 95.


2) es bezeichnet den zeitlichen vorrang mit bezug auf eine einzelne person oder sache: wer zuerst kommt, mahlt zuerst (vgl. th. 6, 1455); wer zuerst zum herd kompt, der setzt sein hafen wo er will Lehmann floril. 1, 210; das best zuerst, das ist das best ebda (und noch mehr sprichw. wendungen);

ach gott, wer der im pfefferlandt,
der das spiel zerst erfandt!
Murner narrenbeschwörung 174 ndr.;

wer ihn von euch zuerst sieht, entschuldige mich Göthe IV 29, 189 W.; wen rühren meine klagen zuerst? Hippel lebensläufe (1778) 2, 598; der löwe ... war einen augenblick lang unschlüssig, auf wen er sich zuerst stürzen sollte G. Keller 4, 71; und beantworte, unter der menge von briefen, den ihrigen zuerst Lichtenberg briefe (1901) 1, 202.
3) es bezeichnet das in der reihenfolge der gedanken erste, wie erstens, zunächst: was Griechenland zuerst betrift, so kan hiervon gelesen werden Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 2; Winkelmann musz also zuerst wohl nicht recht gelesen haben, und zweitens also übel vergleichen, übel folgern Herder 3, 13 S.; zuerst wäre aber der typus in der rücksicht zu betrachten, wie die verschiedenen .. naturkräfte auf ihn wirken Göthe II 8, 19 W. so bezeichnet es das wichtigste: der mann gehört zuerst Preuszen, dann aber auch der welt an IV 38, 74 W.; nur dadurch, dasz wir fest auf eignen füszen stehn und zuerst groszmacht, dann bundesstaat sind Bismarck ged. u. er. 2, 19 volksausg.
4) es heiszt auch 'zum ersten mal': indem kamen sie an den ort, da der streit zuerst ergangen war volksb.

[Bd. 32, Sp. 340]


v. gehörnten Siegfried 87 ndr.; zu welcher zeit der herzog von Polen zuerst die deutsche oberherrschaft erkannte, läszt sich nicht angeben K. F. Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 2, 11; hier erwachte zuerst jener heilige völkerzorn Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 262;

wonniglich ist's, die geliebte verlangend im arme zu halten,
wenn ihr klopfendes herz liebe zuerst dir gesteht
Göthe 1, 330 W.


5) gelegentlich in verbindung mit temporalen conj.:

seit der zeit, da zuerst Agamemnon, herrscher der völker,
und der göttliche held, Achilleus, hadernd sich trennten
Bürger 184 Bohtz;

die allgemeine religion erscheint, nachdem sie zuerst in das bewusztsein des menschlichen geschlechtes getreten ist, als eine grosze ... überlieferung Ranke 1, 3.
6) veraltet in zusammensetzungen: der zuerstverstorbene allg. d. bibl. 36, 480. dafür jetzt erst.
 
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zuersterben, v., durch erbschaft anheimfallen: Hoembergk .. (das noch unserm ... gemahln ... zur helfte zuerstorben) ist hessische landtagsakten 1, 141 (von 1511).

 

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