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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zueignung bis zuentgegen (Bd. 32, Sp. 336 bis 338)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zueignung, f. , frühnhd., vereinzelt zueigung.
1) im rechtlichen sinne besitzübergabe: addictio Frisius 30a, oder besitzübernahme: es ist aber die zueignung oder besitznehmung eine anzeige des vorsatzes, dasz man eine sache brauchen, und sich, wo möglich, gegen einen jeden durch rechte mittel wehren wolle, welcher .. sie zu seinem gebrauche anwenden mögte J. B. Basedow method. unterricht (1764) 114, oder auch ersitzung: usucaptio zueignung eines dinges durch lange niessung nomenclator (Hamburg 1634) 520.
2) vereinzelt entspricht es einigen abgeleiteten anwendungen von zueignen.
a) weihen: devotio zeignung oder verbindung seiner und seines läbens Frisius 407a.
b) in beziehung setzen: Polus, ein römischer komödiant (stellt die den bruder beweinende Elektra dar), ... sprach die ... verse mit einer so kräftigen zueignung auf sich selbst aus, dasz ihm sein eigner verlust (sein sohn) wahrhafte thränen auspreszte Gottsched vers. e. crit. dichtk. (1751) 21; bei jeder dieser zueignungen (benennungen) that er eigentlich nichts, als das merkmal eines zähmbaren, nützlichen, sich zuzueignenden wesens bemerken und es durch sprache oder probe bezeichnen Herder 13, 367 S.; Corinna .. auf zueigung des verdienstes ihres heylandes Jesu Christi selig ... verstorben war B. Schupp schr. (1563) 491.
c) zueignung war ein fachausdruck der geistlichen redekunst, gleich applicatio, besonders in der predigt für den theil, 'in welchem der vorhergehende vortrag auf den zustand der zuhörer angewendet wird' Adelung, Heynatz 1, 218a: mit dem beschnittenen (Nikodemus) müssen wir vom lesen der schrifft zum verstande derselben kommen, vom verstande zu der zueignung, von der zueignung zu der taht Butschky Pathmos (1677) 373; gott hat mir seinen segen auch in der heutigen predigt durch den mund seines frommen dieners mitgetheilt, den ich mit viel zueignung, trost und freude habe hören können Hamann schr. 1, 230 Roth.
d) vereinzelt von physiologischer aneignung: die pflanzen ..., die sich durch innere zueignung ernähren Hufeland kunst, d. menschl. leben zu verlängern 88.
e) allgemein geläufig, wenn auch kaum noch lebendig, ist die bedeutung 'widmung', durch Göthes zueignung festgehalten. es ist entweder die widmung einer schrift an eine person: durch die Hermannsschlacht und durch die zueignung derselben an Joseph den zweiten hatte Klopstock eine wunderbare anregung gegeben Göthe 28, 141 W., oder widmungsschreiben, -gedicht. in dieser

[Bd. 32, Sp. 337]


bedeutung erscheint es bei Lessing 8, 47 M., Nicolai literaturbr. 2, 299, wird dann von Herder und besonders von Göthe gern gebraucht und hält sich bei den gebildeten schriftstellern nicht weit über die mitte des 19. jh.: was sie von zueignung und vorspiel sagten, ist untadelig Göthe IV 34, 5 W.
3) die zusamensetzungen zeigen vereinzelt die rechtliche bedeutung: zueignungsrecht (im gegensatz zum eigenthumsrecht) Fichte 6, 120; Hegel 8, 89, gelegentlich die theologische: zueignungshandlungen allg. d. bibl. 6, 44; zueignungswerk J. H. Benner gestalt d. herrenhuterey 3 (1748) 45, meist die literarische: zueignungsblatt, -brief, -gedicht, -ode u. ä. häufig ist zueignungsschrift zuerst bei J. Rist friedewünschendes Teutschland (1648) 3, dann im 18. jh. allgemein üblich, später wieder schwindend.
 
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zueilen, v. , spätmhd. Diefenbach 7a; nov. gl. 5b. im 16. jh. mehrfach mit haben, zuletzt noch: er hätte auch sofort der Pomponia ... palaste zugeeilet A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 204. es bezeichnet zunächst in lockerer zusammenfügung die bewegung auf ein ziel zu, s. o. sp. 146 f, in engerer verbindung erscheint es
1) allgemein, wenn an dem ziel etwas vorgehen soll oder wird: alsbald wirdt allenthalben den fahnen und panieren zugeeylt Fronsperger kriegsb. 1, 72b;

der faden eilet von dem rocken
des webers raschem stuhle zu
Göthe 2, 147 W.;

die betrachtung des lebens, der wir zueilen wollen Lotze mikrokosmus 1, 49; pferde eilen dem stalle zu, gewässer dem meere, der küste zu; man eilt dem ende, dem untergange zu.
2) mehr in der älteren sprache, für 'zu hilfe eilen': wurden sie aus forcht des zueylenden Caroli leychtlich erschreckt Stumpf Schwytzerchr. (1606) 69a; wer ein glied einer gemeinschafft wäre, müste die eigenschaft des geblütes haben, welches jeder wunde zueilete umb selbte nicht krafftlosz zu lassen Lohenstein Arminius 2, 712b; dort eilten ihnen noch alle zerstreuten glieder ihrer rotte zu Ritter erdk. 1, 610.
 
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zuein, adv., zusammen: zein kommen Arigo dec. 9 K. dazu: assimilatio zeinligung voc. pred. (1486) c 2a. —
 
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zueinander, adv., in der rechtschreibung, aber nicht von den wbb. als worteinheit gefaszt. diese liegt vor, wo dadurch ein verhältnis bezeichnet wird: unsere herzen .. stimmen zueinander Fontane I 1, 486; verhältnis der drei personen zueinander I 6, 17. noch enger ist die worteinheit in zusammensetzungen wie zueinandergehörig O. Jahn Mozart 1 1, 295 anm.; R. Wagner ges. schr. und dicht. 3, 249, zueinanderrückung Herder 7, 10 S.; zueinanderfügen Stieler 307; zueinanderzwingen (astringo) Calepinus septem ling.3 (1731) 1, 98a. wie 'nebeneinander' oder 'einander gegenüber': die metapher .. ist ... eine stete zerstreuung, da sie bilder erweckt und zueinanderstellt, welche nicht unmittelbar zur sache gehören Hegel 10, 1, 523. —
 
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zueins, adv., zeitlich:

die eigne schwester
gewann'st du zueins mit dem schwert
R. Wagner 6, 21.


 
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zueinung, f.: sulche unser beredunge, vereinunge und zueinunge globen wir ... unwiderruflich zue halden lehnsurk. Schlesiens 2, 336 (von 1450). —
 
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zueisen, v., zufrieren Campe.
 
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zueitern, v., Campe.zuengen, v.: nähern sich die beiden gebirgsketten so sehr, dasz das thal sich bis auf 600 fusz zuengt Ritter erdk. 1, 760; alles weitläuftig vorgetragen, um die gottesfurcht zu einem sumpf zu machen, der das herz zuengt statt es zu erweitern W. Harnisch Raskorbi (1817) 1, 53.
 
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zuentbieten, v., mnd. toentbêden Schiller-Lübben 4, 560b, im 16. jh. als wort des amtlichen schriftverkehrs Luther briefe 1, 599, im 17. u. 18. jh. allgemein bekannt Stieler 180; Kramer 2, 1483c, aber schon bei Adelung 'nur noch in kanzeleyen' üblich: als ihm (Otto dem groszen) der könig in Franckreich trewlich zuentbot, er wolte so mit einem starcken zeug in Teutschland kommen, ..., entbote ihm der keyser wider Zinkgref apophtegmata

[Bd. 32, Sp. 338]


(1628) 20; J. D. Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 901; der unnützen worte könnte ich mich nicht erinnern, die ich i. f. g. hätte zuentbieten sollen lassen v. Schweinichen 372 Ö.; einen grusz zuentbieten Stieler. auch wie zueignen 'widmen' Paracelsus opera (1616) 2, 637. kanzleiformel mit unterthenigem zuentbieten D. Spalatinus bei Luther schr. 1, 108b (Jena 1564); mit dem z. Binhardus thür. chron. (1613) 67, neben gebührendem zuentbiethen acta publ. 2, 45 Palm.
 
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zuentbietung, f., noch früher veraltet als das verb: die zuentbietung .. ihrer gnade und versicherung ihrer liebe Ziegler Banise (1689) 92; nach zuentbietung des gebürlichen grusz v. Schweinichen 160 Ö.
 
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zuentgegen, adv., s. sp. 227, 3 a, nur bis in den anfang des 17. jh. prädicativ: das ich in dem wahn oder verdacht, als wolt ich ewer h. zuentgegen sein, nicht gern stehen wolt herz. Friedrich zu Sachsen in Luthers schr. 1 (1564), 140a Jena; denn es ist ... aller vernunft gantz und gar zuentgegen Nigrinus v. zäuberern (1592) 176; der bündtnusz zu entgegen Spreng Ilias (1610) 38b. vereinzelt vor dem subst. wie eine präp.: dasz K. M. ... nichts wurde zu entgegen dem gottlichen wort schlieszen oder richten Luther briefe 4, 84.

 

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