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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zudrückung bis zueignen (Bd. 32, Sp. 333)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudrückung, f.: ztruckung, oder das zsamentrucken Frisius 274b; an der seiten des schawgebews war eyn gang oder lauben gemacht, dardurch man unverhindert und on zutruckung des volcks in daz rahthausz gehen kondt Henricpeter generalhistorien (1577) 319; das harte hirnhäutlein ... verhütet die zudrückung des gehirnes und hirnleins Fleming vollk. t. soldat 349. veraltet.
 
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zuduften, v., poetenwort: es war mir, als ob mir rosen zudufteten, und ein nachtigallenchor mich einsänge F. H. Unger Julchen Grünthal (1784) 185;

ströme von süszem wein dufte die erde dir zu
Herder 26, 15 S.

zudüften S. Geszner schr. (1777) 1, 113. dazu spaszhaftes zudüfteln Berliner krakehler (1848) 36, 3a.
 
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zudüngen, v., der landmann hat zugedüngt, wenn die zu bestellenden felder völlig mit dung bestreut sind Jacobsson 4, 720b; Hübner 4, 1035b: die ander feldarbeit von gewähnung und zutüngung der dörren und mageren fruchtfelder Sebiz feldbau 483. vgl. DWB zuackern.
 
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zudunkeln, v.: so einen .. Veronese, der schon ungeheuer gelitten, dessen schatten teilweise zugedunkelt und schwarz und rauchig geworden K. Stauffer-Bern familienbriefe 146 Züricher.
 
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zuduseln, v.: wenn du in das loch hinein purzeln willst, auf welches du zuduselst Hackländer d. neue Don Quixote 2, 127.
 
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zudütteln, v., s. DWB zutütteln, ebenso zudüttler.
 
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zuebnen, v. in eine ebene bringen: türn umb die mauren härumbfüren, deren tilenen der maur zgeäbnet seyend Frisius 318b. einebnen: (sie) ebneten den berg z und zogen die stein herab und worfen sie in die thäl S. Franck chron. germ. (1538) 115b. mnd. toevenen Schiller-Lübben 4, 560b.
 
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zueggen, v., zuegen Reyher 1299; Campe: die wasserfurchen wider zuägen Corvinus (1646) 72; ein zu tief gebrachter acker ist .. schwer zuzueggen allg. d. bibl. 102, 470. sprichwörtlich: der mit der katz gen acker fehrt, der egt mit mäusen zu Fischart geschichtklitt. 72 ndr., vgl. o. sp. 196.
 
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zueigen, v. voc. pred. (1486) b 7a; Diefenbach 55c; 143c, nicht selten bei Luther. letzter beleg: also sol man dieser begierde losz werden, das ist des annemens, anmassens und zueigens Joh. Arnd dtsche theol. (1631) 7. bedeutungen wie bei zueignen: das er seine stette ... vergeben und zueigen mechte weme er welde lehnsurk. Schlesiens 1, 477; deyn heyliger namen wirt .. vielen dingen zugeeyget, da deyn ere nit an ist Luther 7, 221 W.; was heyst tzueigen? antwort. ich sall alle tage gott tzu ehren brauchen und tzu seynem lobe zwei älteste katech. 24 ndr.
 
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zueigenschaften, v.: Schottel ethica (1669) 116.
 
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zueignen, v. , als zusammenfassung von ze eigen geben mhd. wb. 1, 415b, o. sp. 216 h, im späten mittelalter gebildet: appropriare eygen machen, czu-eygen, -eygnen Diefenbach 43a; dedico weyhen, zuoaygnen W. Brack e 6b. dann von Alberus und Frisius ab regelmäszig in den wbb. ältester literarischer beleg:

dem vatter die gewalt zugeeignet ist,
die wisheit dem sone unsers hern Jhesu Christ Alsfelder passionssp. 160 Grein.

das wort ist heute nur noch literarisch, vgl. DWB zueignung, und wird je nach der bedeutung verschieden ersetzt.

[Bd. 32, Sp. 334]



1) der entstehung entsprechend bedeutet es zunächst 'einem etwas zum besitz zuweisen'.
a) im eigentlichen sinne ist es die förmliche, rechtsgültige überweisung: Frisius 29b; proprium facere, assignare Stieler 25; 26; das sigel oder pitschafft hat auch diese wirckung, das durch sein auffdruckunge die gewehre des guts, darauff es gedruckt, zugeeigent wird Chil. König procesz (1541) 201a; (wie) die gerechtigkeit jedem, was sein ist, zueygnet Lehmann floril. 2, 655; wenn nun Ludwig der Baier das land (die Mark) für sein haus inne behielt, ... so meinte der kaiser .. befugt zu sein, es seiner familie zuzueignen Ranke 25, 54.
b) weiter ist es einfach übergeben, schenken, wie heutiges zuwenden: wie solte Nero diese schöne mir zueignen wollen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 17; alles was die götter einem menschen zueignen können, schenkten sie mir Göthe 17, 7 W.; Therese kam zur welt und wurde einer stiefmutter zugeeignet, indesz ihre wahre mutter ein opfer dieser verstellung ward 23, 231 W. formelhaft, aber nicht mehr üblich einem lob, ehre, ruhm zueignen, noch Herder einem den ersten platz zueignen 16, 101 S. anders: sein lieb wollen dem auch keinen glauben zuaygnen Diefenbach-Wülcker 915 (archiv zu Weimar, von 1524).
c) schon früh ist es weihen, etwas der gottheit, ihrem heiligthum oder dienst förmlich übergeben, in den wbb. für dicare, consecrare u. ä. Frisius 114b; 303b; 669b u. ö.: mit den, die man gott tzueygent, das sie got tzugehörent oder gottis sind theol. deutsch 15 Mandel; ja sie (die kirche) hat auch einen heiligen tag zu ihren (der nägel und des speeres) ehren eingesetzt und hat ihnen eine sonder mesz zugeeygnet Fischart bienenkorb (1588) 193a;

dir opffr' ich auff das mark der kräfften und der sinnen,
dir eign' ich zu allein mein würken und beginnen
A. Silesius heil. seelenlust 165 ndr.


d) ebenso alt ist die bedeutung 'ein gedicht, eine schrift widmen' Frisius 193a, 1177b. von Albrecht v. Eyb d. schr. 1, 4 bis in die ersten jahrzehnte des 19. jhs. reichlich belegt, seitdem veraltend: Albrecht von Eyb hatte einst ... dem Nürnberger magistrat eine .. prosaschrift über die ehe zugeeignet Scherer g. d. d. lit. 7 252.
2) der begriff des gebens und besitzens tritt zurück und es drückt nur eine gedachte beziehung aus, wie zurechnen, zuschreiben, zuweisen: die ander göttin Minerva oder Pallas genannt wird zgeaygent der weiszhait Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) 97b; disze ist die aller schedelichst anfechtung und wirt der tzeit des Endechrists tzugeeygend Luther 2, 124 W.; diese alten griechischen hünen- oder heldengräber, welche die volkssage dem Achilles und seinem Patroklos zueignete Fr. Schlegel s. w. 1, 23. hierzu gehören mehrere besondere anwendungen.
a) im 16. jh. heiszt es 'bestimmen für': der proviantplatz, ..., dem .. ein eigner ort im lager zugeeignet ... wird Kirchhof wendunm. 2, 307 lit. ver.; so hat man gemainklichen z 13 in 15 mterpferden einen bescheller zgeaignet H. F. Hörwart von Hohenburg v. d. kunst d. reiterei (1581) 10b.
b) allgemein werden eigenschaften zugeeignet, d. h. zugeschrieben: alhie wirt .. Christus eyn got genennet und eben gleych eynerley werck und krafft beyden zugeeygent Luther 8, 28 W.; die eigenschafft oder veränderung ..., so einem dinge zugeeignet oder abgesprochen wird Chr. Wolff vernünft. gedanken von gott (1720) 156. ähnlich noch G. Freytag 17, 133. namen, titel werden zugeeignet Luther 8, 28; 16, 50; 19, 156; 28, 83 W.; Göthe 21, 198 W.; II, 5, 1, 120 W., auch einem begriffe eine bedeutung Kant 3, 99 ac.
c) es wird einem eine aufgabe, ein amt zugeeignet: und dasselb opffer was zgeeigent den priestern erste d. bibel 1, 192 K.; sondern allein des volcks zu pflegen in den sünden inen (den priestern) zugeeigent wird Luther bibel 7, 305 Bindseil (vorr. auf d. alte test.);

[Bd. 32, Sp. 335]


ihn dem ackerbau widmen, der scholle zueignen, wäre unerlaubt (er paszt nicht für den beruf des landmanns) Göthe 42, 2, 30 W.
d) etwas wird auf einen urheber oder eine ursache zurückgeführt, oft mit dem nebensinn des verdienstes oder der schuld: etlich menschen lassen sich beduncken, wie sy alles gt von in selbs haben, etlich so sy das got zuaygnen, das sy es haben ausz irem verdienen Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) 9a; wo ich aber ... gefält habe, ... bitte ich doch, wöllest solches meinem unverstand ... zaignen Montanus schwankb. 139 lit. ver.; nunmehr da sie (Fr. A. Wolf) diese ... werke (Homers) einer familie zueignen Göthe IV 11, 297 W. (an Wolf).
3) sehr verbreitet war die reflexive verbindung, doch ist sie durch sich aneignen verdrängt, von dem es sich jetzt in der bedeutung nicht unterscheidet (anders Weigand syn. 3, 1186).
a) sich etwas förmlich oder thatsächlich zu eigen machen, nicht über die erste hälfte des 19. jh. hinaus belegt: ... dass der kauffer sich solches (gut) ehe nicht vollständig zueignen darff, biss es der verkauffer ordentlich eingeantwortet .. habe Frh. v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 18b; das kästchen ... gehört Felix, der hat's entdeckt, hat sich's zugeeignet Göthe 25, 81 W. Göthe braucht es gern vom sammler 21, 87 W.; 204; 47, 49; IV, 8, 185; 12, 20; 29, 173. früh ist es 'ersitzen': usucapio im durch langen brauch und besitzung zeignen Frisius 1419a, auch 'beanspruchen': vendico ... zeignen, für eigen ansprechen 1352b; hier eignen sich die Portugiesen noch die herrschaft über das südufer des stromes zu Ritter erdk. 1, 151.
b) daran schlieszt sich der begriff des widerrechtlichen, auch gewaltsamen, zum schaden eines andern: usurpare aliquid ex alterius bonis eines anderen gt im selbs wider rächts vnd billichs zeignen Frisius 1419b; der bapst ... hatt yhm zugeeygent der heiligen schrifft deutung J. Agricola sprichw. (1534) t 6a;

sir, ihr habt euch
gewaltsam zugeeignet, was ich euch
noch heut zu übergeben willens war
Schiller 12, 406 G.


c) etwas leiblich sich zueignen, stofflich in sich aufnehmen: werden die abgenützten (bestandtheile) .. nicht immer ausgestoszen, so ist es unmöglich, dasz wir die neuen ... in der gehörigen menge uns zueignen C. W. Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 321. auf geistige aneignung übertragen: so werden sie sich solches in das gedächtnus einschreiben, es sich zueignen Moscherosch insomnis cura 109 ndr.; sobald der mensch ... auf den weg gebracht war, eine sache als merkmal sich zuzueignen Herder 13, 367 S. oft bei Göthe (reife und alter), z. b. 7, 236; 19, 202; 22, 316; II, 1, 374; 6, 180; III, 3, 373; IV, 10, 190; 20, 73 W. der zweck der geistigen aneignung ist dann die verwendung: das verdienst, diese schätze durch eignes nachdenken zum gebrauch sich zugeeignet zu haben G. Forster 4, 221; er hat von der antiken Muse sich eindringliche accente zugeeignet Göthe 41, 2, 189 W.
d) von personen und deren gesinnung: wo irgend in einem lande ... ein talentreicher schriftsteller sich hervorthat, sollte das vaterland sich ihn zueignen Herder 27, 333 S. (ähnlich Göthe IV, 9, 57; 167; 26, 125 W.); wie leicht eignet er sich die herzen zu Göthe 22, 18 W. verwandt ist das veraltete 'sich unterthan machen': Frisius 4a; 29b; wiewol wir sie nicht mögend gewaltigen nach unserm willen, dasz wir uns zueignen den Jupiter Paracelsus op. (1616) 1, 833a.
e) etwas auf sich in gedanken beziehen: die vorwürfe .. die sie (anrede) sich selbst so ungerechter weise zueignen G. Forster 7, 102; die gute frau habe wohl lust, sich selbst meinen späten besuch zuzueignen Thümmel mittägl. prov. 3, 226. besonders von urheberschaft, verdienst u. ä.: dasz ich diese herrliche reime nicht mir zueigne B. Schupp schr. (1663) 868; der glaube ..., wodurch

[Bd. 32, Sp. 336]


wir Christi verdienst uns zueignen Göthe 37, 158 W.
4) mit sachlichem subject und sich als acc. erscheint es gelegentlich in verschiedenen bedeutungen: darumb sie (die materie des arsenik) sich den metallen zueignet (zu ihnen gehört) und gemeinglich sich schlecht (schlägt) zu dem ertz Paracelsus opera (1616) 2, 61b; dasz beide (Catull u. d. anthologie) .. fürs eigentliche epigramm sich zueignen (sich eignen) dörfen Herder 15, 342 anm. S.; sie sey versichert, dass durch diese liebe der höchste grad des glückes sich ihr zueignen (zufallen) wird Ziegler Banise (1689) 592.
5) das part. präs. als grammatischer ausdruck: es sind aber die fürwörter 1) persönliche 2) zueignende Gottsched d. sprachkunst (1748) 228.
6) das part. perf. bezeichnet entweder 'geweiht': Frisius 252b; 371b u. ö.; was got zgeaigent ist Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) a 7b, oder eigenthümlich, zugehörig: grauw werden ist allein dem menschlichen haupt zugeeignet Wirsung arzneib. (1588) 50c; geschworne (sollen) .. ihr zugeeignetes gebürge .. fleissig besuchen A. v. Schönberg berginformation (1693) 1, 74; die den monarchien zugeeignete ehrbegierde Th. Abbt verm. w. 2, 25; auf den sinn des auges, dem sie (die farbe) besonders zugeeignet ist Göthe II 1, 307 W.

 

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