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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zudringer bis zudüngen (Bd. 32, Sp. 328 bis 333)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudringer, m., ganz vereinzelt:

wird dem redenden oder zudringer ichts,
dem schweigenden oder abdringer wird nichts
Petri d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, m m m 1b.


 
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zudringlich, adj. , erst im 18. jh. zu allgemeiner verwendung gelangt. frühe belege: es geschahe nemlich im jahr 1737 dasz Zinzendorf die einweihung zu einem bischof der mährischen brüder, auf sein bezeugtes zudringliches verlangen ... erhielte J. K. Benner 4 (1749), 5; der krieg, den man zudringlicherweise mit herrn D. und prof. Pauli in Halle angefangen d. neueste aus d. anm. gelehrs. 4, 394. als ziel ist immer eine person, im zweifelsfalle die des redenden gedacht. vorwiegend wird es von einzelnen, seltener von massen gebraucht.
1) von dem was lebhaft und nachdrücklich herandringt Weigand syn. 3, 1189: weil sein und seiner alliirten zudringlicher feind, der churfürst von Maintz, sich bisher dieser stadt, als erbherr annehmen wollen Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 219; er gestand selbst, das hofleben mache ihn ehrgeitzig, zudringlich, schnellthätig Zimmermann über d. einsamkeit 3, 492;

zudringlich schlieszt sich chor an chor
Göthe 15, 22 W. (Faust 5083);

es fehlt den bildern eine gewisse zudringliche kraft, die in früheren jahrhunderten sich überall aussprach gespräche 8, 14; ähnlich 16, 243 W.; 44, 334 W.; zudringliche versuchungen, reizungen. von sinnlichen eindrücken: deszwegen wir auch heute an dem heitersten tage das meer dunkelblau, ernsthaft und zudringlich fanden, anstatt dasz es bei Neapel, von der mittagsstunde an, immer heiterer, luftiger und ferner glänzt 31, 89 W.; die vorgänge dieses nachmittages, die mit zudringlicher deutlichkeit vor seinen augen standen Storm 5, 321. auch einfach 'nachdrücklich, eindringlich': er

[Bd. 32, Sp. 329]


redete so zudringlich, dasz mir einst bange wurde, er möchte recht haben Göthe 22, 268 W.; mich unter besten wünschen zudringlich empfehlend IV 29, 5 W.
2) im besonderen das ungehörige und lästige andringen an die schranken der persönlichkeit, welche der verkehr erzogener menschen zu beachten pflegt. kräftiger als das wenig übliche andringlich, th. 1, 317, unterscheidet es sich von aufdringlich, th. 1, 635, nicht nur dem grade nach, insofern nämlich der aufdringliche im unterschied zu dem zudringlichen nicht etwas haben will, sondern etwas heranbringt. es berührt sich auch mit vordringlich: purzliche figuren, die ... sehr zu- und vordringlich sind Göthe 45, 200 W. es ist das gegenth. von bescheiden Knigge umgang 1, 4, der gegensätzliche fehler ist ungewandte zurückhaltung: ich war meist zu lebhaft oder zu still, und schien entweder zudringlich oder stöckig, je nachdem die menschen mich anzogen oder abstieszen Göthe 26, 314 W., ein gegensätzlicher vorzug zutraulich. es bezeichnet ein verhalten oder handeln: ob ich gleich die zudringliche grobheit dieses menschen lange kenne Göthe IV 22, 42 W.; nur immer herein! sagte der jäger mit zudringlicher höflichkeit zu den freunden Hebbel werke 8, 264; zudringliches betragen, wesen; zudringliche neugier, ungeduld, höflichkeit; zudringlicher eifer; auf zudringliche weise. besonders als zudringliche reden, fragen, bitten, betteleien, zumuthungen: er ... empfahl sich mir so zudringlich, als hätte er in mir seines gleichen gefunden Thümmel mittägl. prov. 5, 424; zudringlicher als zuvor enthüllte Talleyrand jetzt dem preuszischen gesandten seine begehrlichen anschläge Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 4, 78. oder es ist eine eigenschaft: ich bin weder neugierig noch zudringlich Göthe 24, 191 W.; er ... borgte ... einige thaler ..., welche der major gern hergab, um sich ... den zudringlichen groszsprecher vom halse zu schaffen Fr. Chr. Laukhard leben u. schicksale 2, 11. ein zudringlicher mensch; zudringliche leute, weiber, gesellen, burschen, buben. höfliche menschen entschuldigen sich gerne oder fürchten zudringlich zu sein, zu scheinen: daher scheint es mir beynahe zudringlich, wenn ich ein gesuch hier beyfüge Göthe IV 32, 100 W.; sie werden mich daher gewisz nicht zudringlich finden, wenn ich sie um ein urtheil über mein stück ersuche Hebbel tageb. 2, 11. von lästigen thieren: die unverschämten, zudringlichen, krummbeinigten dachse Arnim trösteinsamk. 91 Pfaff; es fing ... nur die zudringlichsten und frechsten mäuse G. Keller 4, 266; zudringliche fliegen, zudringliches geschmeisz.
3) vom zudringlich werbenden liebhaber her hat das wort einen besonderen klang in bezug auf das verhalten gegen das weibliche geschlecht bekommen: jene reizende frau mochte in einem bewegten, von dem zudringlichen jüngling hervorgerufnen momente den unglücklichen entschieden abgewiesen ... haben Göthe 24, 325 W.; ich weisz nicht, was in der welt geschieht; ob man wirklich mit dem frauenzimmer manchmal in diesem zudringlichen tone spricht Lessing 9, 267 M.; so lange ich verheirathet bin, hat er auch nicht aufgehört, mich zudringlich zu verfolgen Holtei erz. schr. 3, 218.
4) zudringlich ist alles unangenehme, was sich uns zudrängt: der wind auf dem posthofe war widerlich zudringlich W. Raabe hungerpastor 3, 75; möge eine nächste freudenvolle zeit eilig die eindrücke einer zudringlichen gegenwart auslöschen! Göthe IV 28, 230 W.; solche zudringliche einmischung der welt Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 79; feuchte nebelluft und zudringliche sorgen Heine 3, 238 E.
5) die etwas unbestimmte bedeutung veranlaszt häufige adjectiv-verkoppelungen: des zudringlich-klägerischen libells Gottsched d. schaubühne 5, 313; zudringlich-zahm Göthe 15, 105 W. (Faust 6917); um so zudringlich-liebevoller Fontane I 5, 20; diese brummer sind allemal unglücksboten und so hämisch zudringlich 5, 219.
6) als durchaus persönliches adj. erscheint es gerne substantiviert:

[Bd. 32, Sp. 330]


den zudringlichen,
der zwischen sohn und vater, unberufen,
sich einzudrängen nicht erröthet
Schiller 5, 96 G.;

er lief in wut im zimmer hin und her, er schimpfte auf zwischenträger und zudringliche W. Hauff 2, 233; näherte sich ihr einmal irgend ein zudringlicher, verstand sie es, ihn gehörig abzuweisen Ebner-Eschenbach 3, 187.
 
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zudringlichkeit, f. , erst seit dem 18. jh., vgl. bei zudränglichkeit. es drückt mit der eigenschaft auch meist ein zudringliches verhalten aus, wie es sich in der fast vorherrschenden anwendung als plur. kund thut. selten von der eigenschaft allein: allein ich besitze die zudringlichkeit nicht, die notwendig ist, um so etwas durchzusetzen G. Forster 8, 157; alles in diesem landhause ist zu ertragen, nur die empfindsame zudringlichkeit des curators nicht Immermann 7, 87 H. im übrigen stuft sich die bedeutung ab wie bei zudringlich.
1) von dem lebhaft, nachdrücklich herandringenden verhalten, gegen personen oft im sinne des freundlich sich bietens, werbens: allein wo ist denn 2) des herrn prof. G. zudringlichkeit zu diesem streite vom adel? das neueste aus der anmuth. gelehrsamkeit 4, 396; da regte sich die freundliche zudringlichkeit meiner lieben zöglinge Göthe 36, 4 W.; Parsifal (ihrer [der mädchen] anmuthigen zudringlichkeit .. wehrend) R. Wagner 10, 353; die zudringlichkeit des höflichen hundes W. Hauff 2, 97; ein inneres ... vermögen, die innere freiheit, ... sich von der zudringlichkeit der neigungen ... loszumachen Kant 5, 161 ac.; die sinnliche wahrheit der bis zur zudringlichkeit deutlichen gestalten Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 444. gelegentlich von dingen, die sich wider willen zudrängen: mit diesem vorwande hat er alle fehler, die ich ihm gewiesen, ... als elende kleinigkeiten und boshafte zudringlichkeiten angekündiget Lessing 17, 278 M.
2) in der regel knüpft sich daran der begriff des lästigen, störenden. der übergang von 1 ist manchmal wenig merklich: darum wärs gut gethan, deine aufmerksamkeiten für den alten mann bisz beinahe zur zudringlichkeit zu verdoppeln Schiller br. 1, 392 Jonas. vom verhalten der menschen gegeneinander, besonders, wenn der eine vom anderen etwas will: die zuvorkommende höflichkeit ... des ... Rheinländers würde man in manchen städten von Niedersachsen für zudringlichkeit, für niederträchtigkeit halten Knigge umgang 1, 13; die zudringlichkeiten junger dilettanten musz man mit wohlwollen ertragen Göthe 42, 2, 131 W.; nach solchen erfahrungen hielten beide deutsche groszmächte für geboten, die englische zudringlichkeit gründlich abzufertigen Treitschke d. gesch. 4, 286; inmitten aller der lärmenden anrufe und zudringlichkeiten von tag, lebensnoth, gesellschaft, staat Nietzsche 1, 543. begleitende wörter verdeutlichen es: durch die zudringlichkeit und nun wiederholte achtlosigkeit gegen den fürsten beleidigt Klinger werke 8, 291; grobheit und z. K. Fr. Bahrdt gesch. s. lebens 1, 355; unverschämtheit und z. G. Forster 9, 15; was ihren ansprüchen an billigkeit fehlte, ersetzten sie an eiserner ausdauer der verlogenheit, zudringlichkeit und unverschämtsten anmaszlichkeit Kürnberger siegelringe 166. die zudringlichkeit ist grob, dreist, unbescheiden, roh, lästig, unbequem, befremdend. zudringlichkeit weist man ab, man wehrt, schützt, sichert sich vor z., will mit ihr verschont sein. im höflichen verkehr, besonders in briefen, entschuldigt man sie, bittet sie zu verzeihen, fürchtet, dasz das verhalten als zudringlichkeit erscheinen könne.
3) wie das adj. hat es eine besondere bedeutung für das verhalten des mannes gegen frauen bekommen. von lebhafter werbung geht es über zum thätlichen angriff auf weibliche scham und ehre: auch will ich ihnen nicht verhehlen, marquis, dasz man sich sehr empfindlich über ihre zudringlichkeit gegen mich schon geäuszert hat Schiller 3, 556 G.; sie war in der gewalt zweier liebenden, welche jede zudringlichkeit durch die reinheit

[Bd. 32, Sp. 331]


ihrer absichten entschuldigen konnten Göthe 24, 88 W.; er glaubte in dem hellen freundlichen gesichte, ... einen zug zu erkennen, der keine zudringlichkeit aufkommen liesz H. Kurz Sonnenwirth (1874) 1, 75; Emma bestand in diesem augenblicke einen kampf gegen die zudringlichkeit des .. zimmerkellners Holtei erz. schr. 19, 235; ihnen ist die zudringlichkeit des Vulkans gegen Minerven bekannt, wodurch Erichthonius producirt wurde Göthe IV 12, 347. es ist gelegentlich geradezu unkeuschheit: die zudringlichkeit seiner seele (des Paulus), — mit dem gedanken des einswerdens ist jede scham ... von ihr genommen Nietzsche 4, 68.
4) auf dinge bezogen, enthält es durchweg die bedeutung des lästigen, doch vgl. auch einzelne belege bei 1: die zudringlichkeit des regens G. Freytag 11, 46, des krummholzes H. v. Barth nördl. Kalkalpen 77, moderner erfindung (eisenbahn) H. Laube 4, 153.
 
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zudringling, m. Göthe 28, 242 W.; Varnhagen v. Ense tageb. 1, 211. —
 
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zudringung, f.: durch solche zudringungen aufgefordert ... beleidigte wahrheiten zu vertheidigen briefe die neueste lit. betr. 6, 311; welche idee! welche zudringung! (zumuthung) Herder 6, 68 S.
 
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zudrosseln, v., die kehle zuwürgen Ludwig t.-engl. lex. 2611.
 
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zudrucken, v., hinzudrucken:

es weren on das narren gng,
waʒ man dann narren dörfft zdrucken,
solch nochred mst dis büchlin schlucken
Seb. Brant narrenschiff 3 Zarncke.


 
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zudrücken, v. , nicht vor beginn des 16. jh. belegt, aber schon vorher in festen wendungen eingebürgert, s. bei 5. die anfangs häufige form ohne umlaut bis ins 18. jh. vereinzelt, s. bei drücken th. 2, 1442.
1) als verstärkung von drücken: interpremo ztrucken, und im ztrucken klemmen Frisius 723a; hart, fest zudrücken. wenig üblich.
2) ähnlich wie zudringen: alda wart von der unsern verstacktem hinderhalt ... auf sie zugedrükt (beim angriff) chron. d. städte 27, 58. in der jägersprache in Norddeutschland 'das wild dem jäger zutreiben' zschr. f. d. wortf. 9, 63. sonst veraltet.
3) zusammendrücken: ir (der nieren) substantz ist fleischig und seind rond, in der form als ein zgetruckt ey J. v. Gersdorff feldbuch d. wundtartzney (1530) 13a; sein (des spechtes) schnabel ist ... formiret in gestalt eines zugedruckten geometrischen cirkels von Göchhausen notabilia venatoris (1741) 104. nicht mehr üblich.
4) die herrschende bedeutung ist 'andrücken, um etwas zu schlieszen': beschliessen, zthn, ztrucken Frisius 1152a; welcher einen ... knollen schwebel ... in die hand nimpt und truckt die fest zu Fronsperger kriegsbuch 1, 155a; meine hand drückt sich oft unversehens zu, wenn die seine mich so leise, so liebevoll anfaszt Göthe 8, 195 W.; einen deckel, ein schubfach, eine thür, ein schlosz zudrücken; einem den hals, die gurgel, die kehle, die lippen, den mund zudrücken. das letzte auch übertragen 'zum schweigen nöthigen':

nerst dich mit allen bösen stücken,
drumb magstu wol dein maul zudrücken
H. Sachs 14, 55 K.;

allein ein schwur drückt mir die lippen zu,
und nur ein gott vermag sie aufzuschlieszen
Göthe 22, 256 W.

mit mittelbarem obj.:

da warn vil kleiner briefflin in,
wie heuszlin gmacht und zugedrückt
Burk. Waldis Esopus 2, 121 Kurz;

das kästchen springt auf, das er gleich wieder zudrückt Göthe 25, 295 W.; sie legt das pergament in den schrank und drückt ihn zu 10, 292 W.; sie hatte leise ihr zimmer zugedrückt K. Gutzkow zauberer v. Rom 2, 228.
5) früh befestigt und zu verschiedenen bedeutungen entwickelt ist die verbindung die augen zudrücken.

[Bd. 32, Sp. 332]



a) eigentlich: so wird der optische nerv immer in weniger theilen erschüttert sein, je mehr zeit verflossen ist, als man die augen zugedrückt hat Göthe II 3, 344 W.; ein kleines .. gesicht mit .. fest zugedrückten äuglein Ebner-Eschenbach ges. schr. 6, 87;

mag, wer da will, am hut vorübergehn,
ich drück die augen zu und seh nicht hin
Schiller 14, 350 G.;

äugeln, blinzen, mit halb zugedrückten augen nach einer sache blicken Kinderling reinigk. d. d. spr. 360; (sie) sah ihn dabei mit blinzelnden, fast zugedrückten augen an Eichendorf 2, 149;

als er den centelon ersach,
thet er bald das recht aug zu-trucken
(um nicht erkannt zu werden)
H. Sachs 17, 266 G.

als unwillkürliche bewegung der furcht, scham oder sonstiger erregung: und kömmt dieses so alber heraus, als ob einer einen stein, der auff ihn zugeworffen würde, damit wolte entgehen, wenn er die augen zudrückete J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 309; er sah ihn .. mit einem auge, das zwar verlegen zugedrückt wurde, aber doch etwas von oben herab, an Tieck 19, 45; aus allen instrumenten brach ein orkan von tönen, ich drückte die augen zu, die knie zusammen Brentano 5, 339. vgl. eindrücken th. 3, 164 u.
b) man drückt die augen zu zu dem, was man übersehen will, s. den beleg aus Schiller bei a: Pilatus muste manchmal ein aug zudrücken V. Herberger passionzeiger (1611) 221; der feldherr wäre des Flavius bruder, zu dessen verwirrungen er ... ein auge zudrücken müste Lohenstein Arminius 2, 15a; wir lassen uns damit nicht besänfftigen, dasz er gegen uns zwey ein auge zudrücken, unserm geschlechte aber die gantze sache abzusprechen vermeinet 1, 200a; wo keine gefahr mehr zu fürchten ist, kan man wohl ein auge zudrücken med. maulaffe (1719) 516; darüber musz man die augen zudrücken Göthe 45, 131 W.; sie (d. gerechtigkeit) drükt das auge bey der helfte deiner verbrechen zu Schiller 2, 102 G.; weshalb man schon anderthalb augen zudrückt Droste-Hülshoff an Louise Schücking 279; sprichwörtlich: wir wollen diesmal noch ein auge zudrücken Fontane I 1, 329; da musz man schon die augen zudrücken und fünfe gerade sein lassen Tieck 5, 390.
c) man drückt die augen im oder zum schlafe zu: Jacob welcher von sich selbst bekennt, dasz er mehrmal tag und nacht nicht ein aug habe zugetruckt Abr. a St. Clara etwas f. alle 1, 25; 'du kannst dein mittagschläfchen ruhig fortsetzen.' damit schob sie ihn wieder in seinen stuhl und er drückte sogleich ... die augen zu Langbein s. schr. 31, 135.
d) alte, fromme pflicht der nächsten, bes. der kinder ist es, den sterbenden die augen zuzudrücken: Frisius 785b; Kramer 1, 249b;

lebt hin in süsser ruh,
bisz kindes-kindeskind drück euer augen zu!
Logau 11 Eitner;

niemand truckt ihm mit tieff gesuchten turteltaubenseufftzen die augen zu Fischart geschichtklitt. 100; kein sohn mehr, der mir die augen zudrücken könnte Schiller 2, 193 G. allgemeiner heiszt es 'zeuge des todes sein': Frisius 496a; gehen, früh genug kommen, um einem die augen zuzudrücken; auch 'überleben' 234a (nach Martial);

du soltest, dacht ich, mir noch zugedrucket haben
die augen, so musz ich mit leid dich selbst begraben
J. A. v. Mandelslo morgenländ. reisebeschr. 15 Olearius.

weiter von der gottheit, 'ein sanftes ende bereiten':

er drücke, wenn das hertze bricht,
uns unsre augen zu
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 312;

lasz, o lasz mich ruhig sterben,
drücke mir die augen zu
Brentano 2, 357.

schlieszlich bezeichnet es überhaupt den moment des todes: die natur ym die augen zutruckte C. Hedio chron.

[Bd. 32, Sp. 333]


germ. (1530) 210b; weil kurtz darauff der letzte schlaff diesem die augen zudrückte Valvassor ehre des herz. Crain 2, 687; küszt mir die augen, die schlummernden, und verschwindet; ich wollte sie (Käthchen) hätte sie mir zugedrückt H. v. Kleist 2, 187 E. Schmidt; drücken diese (die greise) die augen zu, dann wird es winter Gutzkow 7, 335. übertragen: die alte jugendliebe that die augen wieder auf, ich konnte sie nicht schnell genug zudrücken Hebbel w. 2, 19.
 
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zudrückung, f.: ztruckung, oder das zsamentrucken Frisius 274b; an der seiten des schawgebews war eyn gang oder lauben gemacht, dardurch man unverhindert und on zutruckung des volcks in daz rahthausz gehen kondt Henricpeter generalhistorien (1577) 319; das harte hirnhäutlein ... verhütet die zudrückung des gehirnes und hirnleins Fleming vollk. t. soldat 349. veraltet.
 
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zuduften, v., poetenwort: es war mir, als ob mir rosen zudufteten, und ein nachtigallenchor mich einsänge F. H. Unger Julchen Grünthal (1784) 185;

ströme von süszem wein dufte die erde dir zu
Herder 26, 15 S.

zudüften S. Geszner schr. (1777) 1, 113. dazu spaszhaftes zudüfteln Berliner krakehler (1848) 36, 3a.
 
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zudüngen, v., der landmann hat zugedüngt, wenn die zu bestellenden felder völlig mit dung bestreut sind Jacobsson 4, 720b; Hübner 4, 1035b: die ander feldarbeit von gewähnung und zutüngung der dörren und mageren fruchtfelder Sebiz feldbau 483. vgl. DWB zuackern.

 

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