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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zudrängung bis zudrosseln (Bd. 32, Sp. 326 bis 331)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudrängung, f. Bucholtz Herkuliskus 1, 838.
 
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zudrechseln, v., durch drechseln zubereiten, fortfahren zu drechseln Campe.
 
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zudrehen, v.
1) in loser verbindung, zu ist richtungsadv., seit anf. 18. jh.:

doch weil man, da das jahr mit flocken trächtig geht,
die deichseln wiederum dem thore zugedreht
Telemann bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 284;

und die erde drehte wieder einmal ihre ostseite der sonne zu W. Raabe Abu Telfan 1, 14; der hatte angst ... und drehte sich dem rosengebüsch zu Scheffel ges. w. 2, 107. jemandem den rücken zudrehen, danach den nacken Triller poet. betracht. (1750) 2, 441, den sterz Hoffmann von Fallersleben 4, 120 Gerstenberg.
2) älter in enger fügung 'zusammendrehen, andauernd, kräftig drehen': Wiederhold 439a; Stieler 329; welk knecht (der leinenweber) de van sinem mestere wil .. de scal orlof nemen, wan he todreyt heft (die kette befestigt hat) Lüb. zunftr. 324 nach Schiller-Lübben 4, 560a; wie er (der gattenmörder) aber vor gericht solte gestellet werden und das leuten hörete, hat er ihm ein wischtuch umb den halsz gebunden, das mit einem kleinen höltzlein so lang zugedrähet, bisz er sich also selbs umbbrachte Kirchhof wendunmuth 2, 231 lit. ver.; eine schraube zudrehen Ludwig teutsch-engl. lex. 2611. durch drehen fertig stellen: (es wurden) kleine viereckichte papiere ... gemachet, von der helffte wurde eine ecke abgeschnitten und alle zugedrehet V. Iversen bei Olearius verm. reisebeschr. (1696) 149; sie (die prägestempel) werden sodann auf dem durchmesser der münze genau zugedreht und gehärtet Luschin v. Ebengreuth münzkunde 69. durch drehen verschlieszen: einen hahn am fasz, jemand den hals zudrehen.
 
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zudreschen, v., verstärkung von dreschen:

und dasz, wenn zweymhal zugedroschen, die seel' (strohseile
der garben) sie abzureissen pflegen
Brockes ird. vergn. 7 (1740), 570.

meist vom prügeln: es giebt korporale genug, die gern zudreschen Laukhard leben u. schicks. 4, 2, 206;

und traff die saw vorn an die stirn,
dasz sie fiel, zabelt mit alln viern.
dieweyl der blind immer zudrasch,
bisz doch der saw das liecht erlasch
H. Sachs 17, 346 G.

[Bd. 32, Sp. 327]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudringen, v. , mhd. zuodringen mhd. wb 1, 393b; Lexer 3, 1181.
1) zunächst rein räumlich gesehen, von personen: der gfatterman dringet dem weib zu und spricht H. Sachs 21, 97 G.: jedoch hat man vom geschälle das ausserthalben her anfieng, nichts hören noch auszrichten mögen, indem sich die zutringenden und die abgehenden unter einander vermischt Xylander Plutarch (1580) 208b; dahero entschlosz er sich fort und dem läger zuzudringen Lohenstein Armin. 1, 54b; bewaffnete leute, die auf den ort zudrangen Göthe 22, 38 W.;

ich dringe zu, tret' alle sträuche nieder,
die büsche fliehn, die bäume weichen mir 2, 90 W.

von stofflichem: die fluth (war) nach dem fontinalischen und janiculensischen thoren zugedrungen A. U. von Braunschweig Octavia 4, 203; dasz nicht die mindeste lufft neben den röhren her zudringe Lichtenberg br. 2, 247; eben diese aus den augen sich bildenden blüthen würden, bei mehr zudringender nahrung, zweige geworden sein Göthe II 6, 76 W. übertragen in verschiedener weise:

(die laien) wend selb der geschrift ztringen
N. Manuel 42 Bächtold;

bei Richard Wagner eine abspringende und zudringende unruhe Nietzsche 4, 218;

und unaufhaltsam dringt mein herz dir zu
Göthe 10, 237 W.


2) bei mehreren personen erweckt es meist die vorstellung der groszen menge.
a) von truppen: das sich reuter und knecht ... zusammen in widerstand verfügen, ... also mit hauffen den oder solchen plätzen (alarmplätzen) zugedrungen L. Fronsperger kriegsb. 1, 52a; dringet der feind auf die stücke zu und will solche gern vernageln Fleming vollk. t. soldat (1726) 290;

käm' auff uns zugedrungen
der hellen gantzes reich
Simon Dach 864 Österley.


b) von menschenmengen, die an einem vorgang theilnehmen oder an eine person heran wollen: also das ... die strassen gegen dem marckt gelegen, voll zusehender und zutringender menschen seind gewesen (bei einer hinrichtung) A. Henricpeter generalhistorien (1577) 319; zum gitter, welches den kampfplatz vor der zudringenden menge sichern sollte Fouqué zauberring 1, 183; als ... keine neuen gäste weiter zudrangen Göthe 25, 72 W.
3) das erscheint mehr oder weniger als lästig: mir geht es gut, nur wird ... der fleisz durch zudringende gesellschaft abgehalten IV 20, 80 W. gelegentlich von einzelnen:

rückhalten durft' ich nicht, Antonio; doch gewisz,
zudringen will ich nicht 10, 153 W.


4) lästig ist alles, was uns als sorge, gedanke, gefühl, arbeit zudringt:

... manch schweres leiden,
so mir zu meinem theil
offt häufig zugedrungen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 448a;

da mir aber diesz wegen vieler zudringender arbeit nicht möglich gewesen Göthe IV 35, 34 W. manchmal ist es nur das übermächtige, zwingende: ich ging in der stube auf und nieder, mein herz erstickte unter dem zudringen (der empfindungen) 19, 139 W.; da das wort charakter ausgesprochen ist, so werde einigen zudringenden betrachtungen hier platz vergönnt II 4, 98 W.; der begriff von welt drang dem menschen als ein allgemeines, unendliches, unermeszliches zu Herder 21, 210 S.
5) in der bedeutung lästigen sich auf- oder andrängens erscheint es durchweg als refl.: so oft nur cavaliere herkommen, so kann sie so schön thun und sich

[Bd. 32, Sp. 328]


zudringen Gottsched deutsche schaubühne 6, 132; ohngeachtet aller dieser betrachtungen mag ich mich doch nicht zudringen und durchlaucht den erbprinz nicht unmittelbar angehen Göthe IV 24, 283 W. vereinzelt auch wie 4: jeder andern idee, die sich zudringen wollte, waren wir ... verschlossen Thümmel reise in d. mitt. prov. 1, 161.
6) selten ist miszbräuchliche anwendung als trans.: Jacob, dem seine Lea ward mit allem unrecht wider seinen willen zugedrungen Luther briefe 2, 514; sie drang mir einen überrock zu Göthe 25, 195 W.
7) der inf. als subst. zeigt alle bedeutungen des verbs: hierumben ... ward ... an der brücken ein grosz zudringen Kirchhof wendunm. 2, 41 lit. ver.; worauf denn der könig ... Wartburg besuchte, sich dort unerkannt dem zudringen bedeutender alterthümlicher betrachtungen hingab Göthe 41, 2, 332 W.; und was soll sein zudringen zu uns (Hoffmanns v. Fallersleben) Gervinus an J. Grimm 2, 71. insbesondere bezeichnet er eine dringliche bitte oder mahnung: ich widerstund ... so wol dem zudringen meiner freunde, als meiner eigenen neigung Wieland Agathon (1766) 1, 335. formelhaft auf mein, sein, ihr zudringen u. ä. mit aus: aus zudrüngen musz der bauer ihnen (den räubern) sein geld geben med. maulaffe 666.
8) zudringend als adj. ist so viel wie zudringlich: in einer verdrieszlichen stunde, wo Isabellens rath etwas zudringend wurde J. Wetzel Tob. Knaut (1770) 3, 235; ein jüngling .. bescheiden ohne ängstlich, zutraulich ohne zudringend zu sein Göthe 20, 200 W.; wenn ein begeisterter wirth im halben rausch zudringend zum trinken nöthigt Tieck 4, 68.
9) auch das part. perf. wurde früher gelegentlich als adj. gebraucht: der ein theil (der gebärmutter) wird genannt ein höle, ... mit einem engen und zugetrungenen weg und auszgang beschlossen Ruoff hebammenb. (1580) 34; diese frage .. ist nichts anders, als auf papistischer seiten, ein zugedrungne wortzancksichtigkeit Tob. Wagner evangelische censur (1640) 43.
 
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zudringer, m., ganz vereinzelt:

wird dem redenden oder zudringer ichts,
dem schweigenden oder abdringer wird nichts
Petri d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, m m m 1b.


 
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zudringlich, adj. , erst im 18. jh. zu allgemeiner verwendung gelangt. frühe belege: es geschahe nemlich im jahr 1737 dasz Zinzendorf die einweihung zu einem bischof der mährischen brüder, auf sein bezeugtes zudringliches verlangen ... erhielte J. K. Benner 4 (1749), 5; der krieg, den man zudringlicherweise mit herrn D. und prof. Pauli in Halle angefangen d. neueste aus d. anm. gelehrs. 4, 394. als ziel ist immer eine person, im zweifelsfalle die des redenden gedacht. vorwiegend wird es von einzelnen, seltener von massen gebraucht.
1) von dem was lebhaft und nachdrücklich herandringt Weigand syn. 3, 1189: weil sein und seiner alliirten zudringlicher feind, der churfürst von Maintz, sich bisher dieser stadt, als erbherr annehmen wollen Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 219; er gestand selbst, das hofleben mache ihn ehrgeitzig, zudringlich, schnellthätig Zimmermann über d. einsamkeit 3, 492;

zudringlich schlieszt sich chor an chor
Göthe 15, 22 W. (Faust 5083);

es fehlt den bildern eine gewisse zudringliche kraft, die in früheren jahrhunderten sich überall aussprach gespräche 8, 14; ähnlich 16, 243 W.; 44, 334 W.; zudringliche versuchungen, reizungen. von sinnlichen eindrücken: deszwegen wir auch heute an dem heitersten tage das meer dunkelblau, ernsthaft und zudringlich fanden, anstatt dasz es bei Neapel, von der mittagsstunde an, immer heiterer, luftiger und ferner glänzt 31, 89 W.; die vorgänge dieses nachmittages, die mit zudringlicher deutlichkeit vor seinen augen standen Storm 5, 321. auch einfach 'nachdrücklich, eindringlich': er

[Bd. 32, Sp. 329]


redete so zudringlich, dasz mir einst bange wurde, er möchte recht haben Göthe 22, 268 W.; mich unter besten wünschen zudringlich empfehlend IV 29, 5 W.
2) im besonderen das ungehörige und lästige andringen an die schranken der persönlichkeit, welche der verkehr erzogener menschen zu beachten pflegt. kräftiger als das wenig übliche andringlich, th. 1, 317, unterscheidet es sich von aufdringlich, th. 1, 635, nicht nur dem grade nach, insofern nämlich der aufdringliche im unterschied zu dem zudringlichen nicht etwas haben will, sondern etwas heranbringt. es berührt sich auch mit vordringlich: purzliche figuren, die ... sehr zu- und vordringlich sind Göthe 45, 200 W. es ist das gegenth. von bescheiden Knigge umgang 1, 4, der gegensätzliche fehler ist ungewandte zurückhaltung: ich war meist zu lebhaft oder zu still, und schien entweder zudringlich oder stöckig, je nachdem die menschen mich anzogen oder abstieszen Göthe 26, 314 W., ein gegensätzlicher vorzug zutraulich. es bezeichnet ein verhalten oder handeln: ob ich gleich die zudringliche grobheit dieses menschen lange kenne Göthe IV 22, 42 W.; nur immer herein! sagte der jäger mit zudringlicher höflichkeit zu den freunden Hebbel werke 8, 264; zudringliches betragen, wesen; zudringliche neugier, ungeduld, höflichkeit; zudringlicher eifer; auf zudringliche weise. besonders als zudringliche reden, fragen, bitten, betteleien, zumuthungen: er ... empfahl sich mir so zudringlich, als hätte er in mir seines gleichen gefunden Thümmel mittägl. prov. 5, 424; zudringlicher als zuvor enthüllte Talleyrand jetzt dem preuszischen gesandten seine begehrlichen anschläge Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 4, 78. oder es ist eine eigenschaft: ich bin weder neugierig noch zudringlich Göthe 24, 191 W.; er ... borgte ... einige thaler ..., welche der major gern hergab, um sich ... den zudringlichen groszsprecher vom halse zu schaffen Fr. Chr. Laukhard leben u. schicksale 2, 11. ein zudringlicher mensch; zudringliche leute, weiber, gesellen, burschen, buben. höfliche menschen entschuldigen sich gerne oder fürchten zudringlich zu sein, zu scheinen: daher scheint es mir beynahe zudringlich, wenn ich ein gesuch hier beyfüge Göthe IV 32, 100 W.; sie werden mich daher gewisz nicht zudringlich finden, wenn ich sie um ein urtheil über mein stück ersuche Hebbel tageb. 2, 11. von lästigen thieren: die unverschämten, zudringlichen, krummbeinigten dachse Arnim trösteinsamk. 91 Pfaff; es fing ... nur die zudringlichsten und frechsten mäuse G. Keller 4, 266; zudringliche fliegen, zudringliches geschmeisz.
3) vom zudringlich werbenden liebhaber her hat das wort einen besonderen klang in bezug auf das verhalten gegen das weibliche geschlecht bekommen: jene reizende frau mochte in einem bewegten, von dem zudringlichen jüngling hervorgerufnen momente den unglücklichen entschieden abgewiesen ... haben Göthe 24, 325 W.; ich weisz nicht, was in der welt geschieht; ob man wirklich mit dem frauenzimmer manchmal in diesem zudringlichen tone spricht Lessing 9, 267 M.; so lange ich verheirathet bin, hat er auch nicht aufgehört, mich zudringlich zu verfolgen Holtei erz. schr. 3, 218.
4) zudringlich ist alles unangenehme, was sich uns zudrängt: der wind auf dem posthofe war widerlich zudringlich W. Raabe hungerpastor 3, 75; möge eine nächste freudenvolle zeit eilig die eindrücke einer zudringlichen gegenwart auslöschen! Göthe IV 28, 230 W.; solche zudringliche einmischung der welt Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 79; feuchte nebelluft und zudringliche sorgen Heine 3, 238 E.
5) die etwas unbestimmte bedeutung veranlaszt häufige adjectiv-verkoppelungen: des zudringlich-klägerischen libells Gottsched d. schaubühne 5, 313; zudringlich-zahm Göthe 15, 105 W. (Faust 6917); um so zudringlich-liebevoller Fontane I 5, 20; diese brummer sind allemal unglücksboten und so hämisch zudringlich 5, 219.
6) als durchaus persönliches adj. erscheint es gerne substantiviert:

[Bd. 32, Sp. 330]


den zudringlichen,
der zwischen sohn und vater, unberufen,
sich einzudrängen nicht erröthet
Schiller 5, 96 G.;

er lief in wut im zimmer hin und her, er schimpfte auf zwischenträger und zudringliche W. Hauff 2, 233; näherte sich ihr einmal irgend ein zudringlicher, verstand sie es, ihn gehörig abzuweisen Ebner-Eschenbach 3, 187.
 
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zudringlichkeit, f. , erst seit dem 18. jh., vgl. bei zudränglichkeit. es drückt mit der eigenschaft auch meist ein zudringliches verhalten aus, wie es sich in der fast vorherrschenden anwendung als plur. kund thut. selten von der eigenschaft allein: allein ich besitze die zudringlichkeit nicht, die notwendig ist, um so etwas durchzusetzen G. Forster 8, 157; alles in diesem landhause ist zu ertragen, nur die empfindsame zudringlichkeit des curators nicht Immermann 7, 87 H. im übrigen stuft sich die bedeutung ab wie bei zudringlich.
1) von dem lebhaft, nachdrücklich herandringenden verhalten, gegen personen oft im sinne des freundlich sich bietens, werbens: allein wo ist denn 2) des herrn prof. G. zudringlichkeit zu diesem streite vom adel? das neueste aus der anmuth. gelehrsamkeit 4, 396; da regte sich die freundliche zudringlichkeit meiner lieben zöglinge Göthe 36, 4 W.; Parsifal (ihrer [der mädchen] anmuthigen zudringlichkeit .. wehrend) R. Wagner 10, 353; die zudringlichkeit des höflichen hundes W. Hauff 2, 97; ein inneres ... vermögen, die innere freiheit, ... sich von der zudringlichkeit der neigungen ... loszumachen Kant 5, 161 ac.; die sinnliche wahrheit der bis zur zudringlichkeit deutlichen gestalten Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 444. gelegentlich von dingen, die sich wider willen zudrängen: mit diesem vorwande hat er alle fehler, die ich ihm gewiesen, ... als elende kleinigkeiten und boshafte zudringlichkeiten angekündiget Lessing 17, 278 M.
2) in der regel knüpft sich daran der begriff des lästigen, störenden. der übergang von 1 ist manchmal wenig merklich: darum wärs gut gethan, deine aufmerksamkeiten für den alten mann bisz beinahe zur zudringlichkeit zu verdoppeln Schiller br. 1, 392 Jonas. vom verhalten der menschen gegeneinander, besonders, wenn der eine vom anderen etwas will: die zuvorkommende höflichkeit ... des ... Rheinländers würde man in manchen städten von Niedersachsen für zudringlichkeit, für niederträchtigkeit halten Knigge umgang 1, 13; die zudringlichkeiten junger dilettanten musz man mit wohlwollen ertragen Göthe 42, 2, 131 W.; nach solchen erfahrungen hielten beide deutsche groszmächte für geboten, die englische zudringlichkeit gründlich abzufertigen Treitschke d. gesch. 4, 286; inmitten aller der lärmenden anrufe und zudringlichkeiten von tag, lebensnoth, gesellschaft, staat Nietzsche 1, 543. begleitende wörter verdeutlichen es: durch die zudringlichkeit und nun wiederholte achtlosigkeit gegen den fürsten beleidigt Klinger werke 8, 291; grobheit und z. K. Fr. Bahrdt gesch. s. lebens 1, 355; unverschämtheit und z. G. Forster 9, 15; was ihren ansprüchen an billigkeit fehlte, ersetzten sie an eiserner ausdauer der verlogenheit, zudringlichkeit und unverschämtsten anmaszlichkeit Kürnberger siegelringe 166. die zudringlichkeit ist grob, dreist, unbescheiden, roh, lästig, unbequem, befremdend. zudringlichkeit weist man ab, man wehrt, schützt, sichert sich vor z., will mit ihr verschont sein. im höflichen verkehr, besonders in briefen, entschuldigt man sie, bittet sie zu verzeihen, fürchtet, dasz das verhalten als zudringlichkeit erscheinen könne.
3) wie das adj. hat es eine besondere bedeutung für das verhalten des mannes gegen frauen bekommen. von lebhafter werbung geht es über zum thätlichen angriff auf weibliche scham und ehre: auch will ich ihnen nicht verhehlen, marquis, dasz man sich sehr empfindlich über ihre zudringlichkeit gegen mich schon geäuszert hat Schiller 3, 556 G.; sie war in der gewalt zweier liebenden, welche jede zudringlichkeit durch die reinheit

[Bd. 32, Sp. 331]


ihrer absichten entschuldigen konnten Göthe 24, 88 W.; er glaubte in dem hellen freundlichen gesichte, ... einen zug zu erkennen, der keine zudringlichkeit aufkommen liesz H. Kurz Sonnenwirth (1874) 1, 75; Emma bestand in diesem augenblicke einen kampf gegen die zudringlichkeit des .. zimmerkellners Holtei erz. schr. 19, 235; ihnen ist die zudringlichkeit des Vulkans gegen Minerven bekannt, wodurch Erichthonius producirt wurde Göthe IV 12, 347. es ist gelegentlich geradezu unkeuschheit: die zudringlichkeit seiner seele (des Paulus), — mit dem gedanken des einswerdens ist jede scham ... von ihr genommen Nietzsche 4, 68.
4) auf dinge bezogen, enthält es durchweg die bedeutung des lästigen, doch vgl. auch einzelne belege bei 1: die zudringlichkeit des regens G. Freytag 11, 46, des krummholzes H. v. Barth nördl. Kalkalpen 77, moderner erfindung (eisenbahn) H. Laube 4, 153.
 
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zudringling, m. Göthe 28, 242 W.; Varnhagen v. Ense tageb. 1, 211. —
 
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zudringung, f.: durch solche zudringungen aufgefordert ... beleidigte wahrheiten zu vertheidigen briefe die neueste lit. betr. 6, 311; welche idee! welche zudringung! (zumuthung) Herder 6, 68 S.
 
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zudrosseln, v., die kehle zuwürgen Ludwig t.-engl. lex. 2611.

 

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