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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zudorf bis zudringen (Bd. 32, Sp. 324 bis 327)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudorf, n.: den groszen flecken mit seinen zudörfern L. Steub aus Tirol 60.
 
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zudrang, m. , anschlieszend an sich zudrängen, von Göthe eingeführt, nicht bei Adelung.
1) als äuszerer vorgang, der als mächtig oder lästig empfunden wird, bes. von ansammlungen von menschen: zu der Engelsbrücke, wo ich einen groszen zudrang von menschen sah Göthe 43, 141 W.; die in Britannien durch Römerherrschaft gewirkte cultur ... verlor sich ..., vernichtet durch den zudrang wilder inselnachbarn und seeräuberischer schaaren II 3, 149 W.; das einheimische volk der Ostsee ... gewann in diesem zudrange der nationen eine eigne gestalt Herder 23, 465 S. nur gelegentlich von natürlichen vorgängen: die reine claude .. ist so recht ein baum, an dessen früchten wir den mannichfaltigen zudrang von säften gewahr werden Göthe II 6, 200 W.; das wasser steigt beim aufgehen der oberplatte, je gröszer der zudrang der luft ist G. Töpfer orgelbauk. (1855) 596. sehr häufig von dingen, die des menschen kraft u. zeit in anspruch nehmen: der fürst primas ... hatte ... einen furchtbaren zudrang von literarischen

[Bd. 32, Sp. 325]


zusendungen Göthe IV 42, 125 W.; bei dem zudrang so vieler unendlichen gegenstände II 4, 287 W.; mich selbst vor dem tausendfachen zudrange der welt und deren anmuthung zu retten gespräche 8, 354.
2) der zudrang gilt der theilnahme an öffentlichen vorgängen, an schauspielen, festen, leichenbegängnissen u. ä.: die geistlichkeit war genöthigt, den körper in eine capelle zu stellen, ... der zudrang war unglaublich Göthe 23, 281 W.; die zugänge zu dem platz ... waren vor jedem zudrang gesichert Ranke 40/41, 312; seit jahren fand ein solcher zudrang zu einer vorstellung nicht mehr statt Hebbel br. 4, 144. weiter zu dem ort einer thätigkeit und zu der thätigkeit selbst, bes. von bildungsanstalten: zudrang zu hochschulen Fr. L. Jahn 2, 818, zur zeichenschule Göthe III 6, 132 W., zu den gewerben Bismarck polit. reden 1, 132, zu den .. beamtenstellen Mommsen röm. gesch. 14, 659, der studenten Schopenhauer 4, 172 Grisebach, der käufer Göthe IV 25, 36 W., von baulustigen IV 33, 11 W. auch zu einem mit einem besonderen zweck verbundenen aufenthalt: die quartiere sind rar, alles durch den zudrang so vieler menschen und durch die zeitumstände übermäszig theuer IV 12, 40 W.; der zudrang vom lande nach der stadt G. Freytag 17, 421.
 
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zudrängen, v.
1) selten in loser zusammensetzung. zu ist dann richtungsadv., trans. und intr.: biete .. deinen scharfsinn auf, mich .. der gottseligkeit zuzudrängen G. Keller 7, 407; während die Deutschen ... langsam der reformation zugedrängt wurden H. Grimm Michelangelo 2, 215; den begebenheiten, ... die jetzt auf mich zu. drängen Klinger 8, 146. als verstärkung: weil Pieper so sehr zudrängte Fr. Engels an K. Marx 1, 347; den (Loth) müssen sie zuängsten und zudrängen, und ohne unterlasz auf ihn schelten J. Böhme schr. (1620) 2, 400.
2) allgemein üblich ist nur die refl. verwendung, Adelung stellt sich zudrängen neben zudringen.
a) von andrängenden menschen in masse, vgl. bei zudrang: unter diesem kamen zweyhundert ... diener .., welche .. durch das sich zudrängende volck platz machten Lohenstein Armin. 2, 483b; die ganze jugend des hofes wird sich zudrängen, die neu angekommene zu sehen S. Gessner schr. (1777f.) 2, 149;

ein jeder drängt sich zu, um auch zu hören
Göthe 16, 174 W.;

ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
wie ihr aus dunst und nebel um mich steigt 14, 5 W.


b) von einzelnen personen ist es 'sich herandrängen an eine person, sich aufdrängen': Gesners ... schamhaftigkeit, die ihn dem rathe eines freundes, mit versen sich dem preuszischen monarchen zuzudrängen, widerstreben hiesz briefe die neueste lit. betr. 18, 105; weisz gott, wie ungern ich mich zudränge Bürger br. 1, 230 (an Göthe); die dienstleistungen und dienstanerbietungen mehrerer menschen ... die sich immer zudrängen Göthe IV 8, 294.
3) von dingen, die den menschen in anspruch nehmen, vgl. DWB zudrang 1: (Wilhelm) eilte ... auf sein zimmer, wo sich tausend unangenehme gedanken auf ihn zudrängten Göthe 21, 226; es hat sich so viel stoff zugedrängt, dasz wir auf achtzehn bis vierundzwanzig bogen kommen werden IV 26, 175 W.; von allen seiten drängen sich uns griechische kunstvorstellungen in büchern, in zierrathen .. zu Herder 20, 283 S.
4) selten frei im eigentlichen sinne: sein nun ganz frey schlagendes herz drängt sich auf der liebenden lippe dem ersehnten gegenstande zu Göthe 37, 337 W.
5) bei dem part. präs. wird allgemein das refl. pron. erspart: von den .. zudrängenden massen (des volks) Ritter erdk. 3, 912; das zudrängende volk Laube ges. schr. 15, 62; von .. zudrängenden gedanken Göthe II 5, 1, 92 W.; auf einer, mit ausspringendem winkel nach dem flusse zudrängenden fläche I 33, 166 W. es bekommt gelegentlich die bedeutung eines adj.: die folge meiner

[Bd. 32, Sp. 326]


gedanken, wie sich beym überdenken der ganzen materie ... lebhafter und zudrängender mir dargestellt hat Th. Abbt 1, 215.
6) dieselben anwendungen zeigt der inf. zudrängen als subst.: wegen .. dem zudrängen mehrerer competenten K. L. v. Haller restauration d. staatswissensch. 3, 383; nicht jedes zudrängen der bevölkerung zu den industriellen bezirken ... ist ein erfreuliches hdwb. der staatswiss. 32, 495; wer .. die .. gabe des zudrängens .. hat, könnte ... in den ruf kommen, als verstünde er das zeichnen allg. d. bibl. 9, 2, 80; man macht bibliotheken ... den vorwurf, dasz sie ... durch ein gewisses unzusammenhängendes zudrängen auf den menschlichen geist ... mehr schädlich als förderlich seien Göthe 48, 24 W.; er stand, dasz der bach gegen ihn flosz, sah nur das währende zudrängen und herankommen (des wassers) Anzengruber ges. w. 1, 42.
7) ohne obj. erscheint es erst gelegentlich in neuerer zeit: lustige disputationen, denen alle geistreichen und witzigen gesellen zudrängten Laube 1, 58; mit jener verwegenheit, die leidenschaftlich dem absoluten erfolg zudrängt Nitzsch deutsche studien 36.
 
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zudränglichkeit, f.: zudrenglichkeit und zunötigung Schottel haubtspr. 363. —
 
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zudrängling, m zschr. f. d. wortf. 4, 208. —
 
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zudränglich, adj., ganz vereinzelt: dieses böse vorhaben unserer zudränglichen feinde Menantes allerneuste art höf. u. galant zu schr. (1718) 543. —
 
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zudrängung, f. Bucholtz Herkuliskus 1, 838.
 
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zudrechseln, v., durch drechseln zubereiten, fortfahren zu drechseln Campe.
 
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zudrehen, v.
1) in loser verbindung, zu ist richtungsadv., seit anf. 18. jh.:

doch weil man, da das jahr mit flocken trächtig geht,
die deichseln wiederum dem thore zugedreht
Telemann bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 284;

und die erde drehte wieder einmal ihre ostseite der sonne zu W. Raabe Abu Telfan 1, 14; der hatte angst ... und drehte sich dem rosengebüsch zu Scheffel ges. w. 2, 107. jemandem den rücken zudrehen, danach den nacken Triller poet. betracht. (1750) 2, 441, den sterz Hoffmann von Fallersleben 4, 120 Gerstenberg.
2) älter in enger fügung 'zusammendrehen, andauernd, kräftig drehen': Wiederhold 439a; Stieler 329; welk knecht (der leinenweber) de van sinem mestere wil .. de scal orlof nemen, wan he todreyt heft (die kette befestigt hat) Lüb. zunftr. 324 nach Schiller-Lübben 4, 560a; wie er (der gattenmörder) aber vor gericht solte gestellet werden und das leuten hörete, hat er ihm ein wischtuch umb den halsz gebunden, das mit einem kleinen höltzlein so lang zugedrähet, bisz er sich also selbs umbbrachte Kirchhof wendunmuth 2, 231 lit. ver.; eine schraube zudrehen Ludwig teutsch-engl. lex. 2611. durch drehen fertig stellen: (es wurden) kleine viereckichte papiere ... gemachet, von der helffte wurde eine ecke abgeschnitten und alle zugedrehet V. Iversen bei Olearius verm. reisebeschr. (1696) 149; sie (die prägestempel) werden sodann auf dem durchmesser der münze genau zugedreht und gehärtet Luschin v. Ebengreuth münzkunde 69. durch drehen verschlieszen: einen hahn am fasz, jemand den hals zudrehen.
 
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zudreschen, v., verstärkung von dreschen:

und dasz, wenn zweymhal zugedroschen, die seel' (strohseile
der garben) sie abzureissen pflegen
Brockes ird. vergn. 7 (1740), 570.

meist vom prügeln: es giebt korporale genug, die gern zudreschen Laukhard leben u. schicks. 4, 2, 206;

und traff die saw vorn an die stirn,
dasz sie fiel, zabelt mit alln viern.
dieweyl der blind immer zudrasch,
bisz doch der saw das liecht erlasch
H. Sachs 17, 346 G.

[Bd. 32, Sp. 327]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudringen, v. , mhd. zuodringen mhd. wb 1, 393b; Lexer 3, 1181.
1) zunächst rein räumlich gesehen, von personen: der gfatterman dringet dem weib zu und spricht H. Sachs 21, 97 G.: jedoch hat man vom geschälle das ausserthalben her anfieng, nichts hören noch auszrichten mögen, indem sich die zutringenden und die abgehenden unter einander vermischt Xylander Plutarch (1580) 208b; dahero entschlosz er sich fort und dem läger zuzudringen Lohenstein Armin. 1, 54b; bewaffnete leute, die auf den ort zudrangen Göthe 22, 38 W.;

ich dringe zu, tret' alle sträuche nieder,
die büsche fliehn, die bäume weichen mir 2, 90 W.

von stofflichem: die fluth (war) nach dem fontinalischen und janiculensischen thoren zugedrungen A. U. von Braunschweig Octavia 4, 203; dasz nicht die mindeste lufft neben den röhren her zudringe Lichtenberg br. 2, 247; eben diese aus den augen sich bildenden blüthen würden, bei mehr zudringender nahrung, zweige geworden sein Göthe II 6, 76 W. übertragen in verschiedener weise:

(die laien) wend selb der geschrift ztringen
N. Manuel 42 Bächtold;

bei Richard Wagner eine abspringende und zudringende unruhe Nietzsche 4, 218;

und unaufhaltsam dringt mein herz dir zu
Göthe 10, 237 W.


2) bei mehreren personen erweckt es meist die vorstellung der groszen menge.
a) von truppen: das sich reuter und knecht ... zusammen in widerstand verfügen, ... also mit hauffen den oder solchen plätzen (alarmplätzen) zugedrungen L. Fronsperger kriegsb. 1, 52a; dringet der feind auf die stücke zu und will solche gern vernageln Fleming vollk. t. soldat (1726) 290;

käm' auff uns zugedrungen
der hellen gantzes reich
Simon Dach 864 Österley.


b) von menschenmengen, die an einem vorgang theilnehmen oder an eine person heran wollen: also das ... die strassen gegen dem marckt gelegen, voll zusehender und zutringender menschen seind gewesen (bei einer hinrichtung) A. Henricpeter generalhistorien (1577) 319; zum gitter, welches den kampfplatz vor der zudringenden menge sichern sollte Fouqué zauberring 1, 183; als ... keine neuen gäste weiter zudrangen Göthe 25, 72 W.
3) das erscheint mehr oder weniger als lästig: mir geht es gut, nur wird ... der fleisz durch zudringende gesellschaft abgehalten IV 20, 80 W. gelegentlich von einzelnen:

rückhalten durft' ich nicht, Antonio; doch gewisz,
zudringen will ich nicht 10, 153 W.


4) lästig ist alles, was uns als sorge, gedanke, gefühl, arbeit zudringt:

... manch schweres leiden,
so mir zu meinem theil
offt häufig zugedrungen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 448a;

da mir aber diesz wegen vieler zudringender arbeit nicht möglich gewesen Göthe IV 35, 34 W. manchmal ist es nur das übermächtige, zwingende: ich ging in der stube auf und nieder, mein herz erstickte unter dem zudringen (der empfindungen) 19, 139 W.; da das wort charakter ausgesprochen ist, so werde einigen zudringenden betrachtungen hier platz vergönnt II 4, 98 W.; der begriff von welt drang dem menschen als ein allgemeines, unendliches, unermeszliches zu Herder 21, 210 S.
5) in der bedeutung lästigen sich auf- oder andrängens erscheint es durchweg als refl.: so oft nur cavaliere herkommen, so kann sie so schön thun und sich

[Bd. 32, Sp. 328]


zudringen Gottsched deutsche schaubühne 6, 132; ohngeachtet aller dieser betrachtungen mag ich mich doch nicht zudringen und durchlaucht den erbprinz nicht unmittelbar angehen Göthe IV 24, 283 W. vereinzelt auch wie 4: jeder andern idee, die sich zudringen wollte, waren wir ... verschlossen Thümmel reise in d. mitt. prov. 1, 161.
6) selten ist miszbräuchliche anwendung als trans.: Jacob, dem seine Lea ward mit allem unrecht wider seinen willen zugedrungen Luther briefe 2, 514; sie drang mir einen überrock zu Göthe 25, 195 W.
7) der inf. als subst. zeigt alle bedeutungen des verbs: hierumben ... ward ... an der brücken ein grosz zudringen Kirchhof wendunm. 2, 41 lit. ver.; worauf denn der könig ... Wartburg besuchte, sich dort unerkannt dem zudringen bedeutender alterthümlicher betrachtungen hingab Göthe 41, 2, 332 W.; und was soll sein zudringen zu uns (Hoffmanns v. Fallersleben) Gervinus an J. Grimm 2, 71. insbesondere bezeichnet er eine dringliche bitte oder mahnung: ich widerstund ... so wol dem zudringen meiner freunde, als meiner eigenen neigung Wieland Agathon (1766) 1, 335. formelhaft auf mein, sein, ihr zudringen u. ä. mit aus: aus zudrüngen musz der bauer ihnen (den räubern) sein geld geben med. maulaffe 666.
8) zudringend als adj. ist so viel wie zudringlich: in einer verdrieszlichen stunde, wo Isabellens rath etwas zudringend wurde J. Wetzel Tob. Knaut (1770) 3, 235; ein jüngling .. bescheiden ohne ängstlich, zutraulich ohne zudringend zu sein Göthe 20, 200 W.; wenn ein begeisterter wirth im halben rausch zudringend zum trinken nöthigt Tieck 4, 68.
9) auch das part. perf. wurde früher gelegentlich als adj. gebraucht: der ein theil (der gebärmutter) wird genannt ein höle, ... mit einem engen und zugetrungenen weg und auszgang beschlossen Ruoff hebammenb. (1580) 34; diese frage .. ist nichts anders, als auf papistischer seiten, ein zugedrungne wortzancksichtigkeit Tob. Wagner evangelische censur (1640) 43.

 

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