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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zudinsen bis zudrängung (Bd. 32, Sp. 324 bis 326)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zudinsen, v., intumere Diefenbach 306b.
 
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zudlich, adj., nachlässig Steinbach 1124, vgl. DWB zudel.
 
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zudonnern, v.:

ha! zudonnern sollen dir ungewitter die antwort
Klopstock 1, 98 Hempel (Messias 2, 706).

danach oft mit obj. wie worte, mahnung, antwort, oder vor directer rede. ohne obj.: wann das unglükke so gewaltsam auf uns zudonnert Qu. Kuhlmann lehrhoff (1672) 178. sich donnernd schlieszen:

die äuszer pforte thut sich auf. weh uns,
sie donnert zu
Grillparzer 7, 103 Sauer.


 
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zudorren, v.: das zubachen und zudorren der augen Bartisch augendienst (1583) 105b.
 
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zudorf, n.: den groszen flecken mit seinen zudörfern L. Steub aus Tirol 60.
 
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zudrang, m. , anschlieszend an sich zudrängen, von Göthe eingeführt, nicht bei Adelung.
1) als äuszerer vorgang, der als mächtig oder lästig empfunden wird, bes. von ansammlungen von menschen: zu der Engelsbrücke, wo ich einen groszen zudrang von menschen sah Göthe 43, 141 W.; die in Britannien durch Römerherrschaft gewirkte cultur ... verlor sich ..., vernichtet durch den zudrang wilder inselnachbarn und seeräuberischer schaaren II 3, 149 W.; das einheimische volk der Ostsee ... gewann in diesem zudrange der nationen eine eigne gestalt Herder 23, 465 S. nur gelegentlich von natürlichen vorgängen: die reine claude .. ist so recht ein baum, an dessen früchten wir den mannichfaltigen zudrang von säften gewahr werden Göthe II 6, 200 W.; das wasser steigt beim aufgehen der oberplatte, je gröszer der zudrang der luft ist G. Töpfer orgelbauk. (1855) 596. sehr häufig von dingen, die des menschen kraft u. zeit in anspruch nehmen: der fürst primas ... hatte ... einen furchtbaren zudrang von literarischen

[Bd. 32, Sp. 325]


zusendungen Göthe IV 42, 125 W.; bei dem zudrang so vieler unendlichen gegenstände II 4, 287 W.; mich selbst vor dem tausendfachen zudrange der welt und deren anmuthung zu retten gespräche 8, 354.
2) der zudrang gilt der theilnahme an öffentlichen vorgängen, an schauspielen, festen, leichenbegängnissen u. ä.: die geistlichkeit war genöthigt, den körper in eine capelle zu stellen, ... der zudrang war unglaublich Göthe 23, 281 W.; die zugänge zu dem platz ... waren vor jedem zudrang gesichert Ranke 40/41, 312; seit jahren fand ein solcher zudrang zu einer vorstellung nicht mehr statt Hebbel br. 4, 144. weiter zu dem ort einer thätigkeit und zu der thätigkeit selbst, bes. von bildungsanstalten: zudrang zu hochschulen Fr. L. Jahn 2, 818, zur zeichenschule Göthe III 6, 132 W., zu den gewerben Bismarck polit. reden 1, 132, zu den .. beamtenstellen Mommsen röm. gesch. 14, 659, der studenten Schopenhauer 4, 172 Grisebach, der käufer Göthe IV 25, 36 W., von baulustigen IV 33, 11 W. auch zu einem mit einem besonderen zweck verbundenen aufenthalt: die quartiere sind rar, alles durch den zudrang so vieler menschen und durch die zeitumstände übermäszig theuer IV 12, 40 W.; der zudrang vom lande nach der stadt G. Freytag 17, 421.
 
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zudrängen, v.
1) selten in loser zusammensetzung. zu ist dann richtungsadv., trans. und intr.: biete .. deinen scharfsinn auf, mich .. der gottseligkeit zuzudrängen G. Keller 7, 407; während die Deutschen ... langsam der reformation zugedrängt wurden H. Grimm Michelangelo 2, 215; den begebenheiten, ... die jetzt auf mich zu. drängen Klinger 8, 146. als verstärkung: weil Pieper so sehr zudrängte Fr. Engels an K. Marx 1, 347; den (Loth) müssen sie zuängsten und zudrängen, und ohne unterlasz auf ihn schelten J. Böhme schr. (1620) 2, 400.
2) allgemein üblich ist nur die refl. verwendung, Adelung stellt sich zudrängen neben zudringen.
a) von andrängenden menschen in masse, vgl. bei zudrang: unter diesem kamen zweyhundert ... diener .., welche .. durch das sich zudrängende volck platz machten Lohenstein Armin. 2, 483b; die ganze jugend des hofes wird sich zudrängen, die neu angekommene zu sehen S. Gessner schr. (1777f.) 2, 149;

ein jeder drängt sich zu, um auch zu hören
Göthe 16, 174 W.;

ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
wie ihr aus dunst und nebel um mich steigt 14, 5 W.


b) von einzelnen personen ist es 'sich herandrängen an eine person, sich aufdrängen': Gesners ... schamhaftigkeit, die ihn dem rathe eines freundes, mit versen sich dem preuszischen monarchen zuzudrängen, widerstreben hiesz briefe die neueste lit. betr. 18, 105; weisz gott, wie ungern ich mich zudränge Bürger br. 1, 230 (an Göthe); die dienstleistungen und dienstanerbietungen mehrerer menschen ... die sich immer zudrängen Göthe IV 8, 294.
3) von dingen, die den menschen in anspruch nehmen, vgl. DWB zudrang 1: (Wilhelm) eilte ... auf sein zimmer, wo sich tausend unangenehme gedanken auf ihn zudrängten Göthe 21, 226; es hat sich so viel stoff zugedrängt, dasz wir auf achtzehn bis vierundzwanzig bogen kommen werden IV 26, 175 W.; von allen seiten drängen sich uns griechische kunstvorstellungen in büchern, in zierrathen .. zu Herder 20, 283 S.
4) selten frei im eigentlichen sinne: sein nun ganz frey schlagendes herz drängt sich auf der liebenden lippe dem ersehnten gegenstande zu Göthe 37, 337 W.
5) bei dem part. präs. wird allgemein das refl. pron. erspart: von den .. zudrängenden massen (des volks) Ritter erdk. 3, 912; das zudrängende volk Laube ges. schr. 15, 62; von .. zudrängenden gedanken Göthe II 5, 1, 92 W.; auf einer, mit ausspringendem winkel nach dem flusse zudrängenden fläche I 33, 166 W. es bekommt gelegentlich die bedeutung eines adj.: die folge meiner

[Bd. 32, Sp. 326]


gedanken, wie sich beym überdenken der ganzen materie ... lebhafter und zudrängender mir dargestellt hat Th. Abbt 1, 215.
6) dieselben anwendungen zeigt der inf. zudrängen als subst.: wegen .. dem zudrängen mehrerer competenten K. L. v. Haller restauration d. staatswissensch. 3, 383; nicht jedes zudrängen der bevölkerung zu den industriellen bezirken ... ist ein erfreuliches hdwb. der staatswiss. 32, 495; wer .. die .. gabe des zudrängens .. hat, könnte ... in den ruf kommen, als verstünde er das zeichnen allg. d. bibl. 9, 2, 80; man macht bibliotheken ... den vorwurf, dasz sie ... durch ein gewisses unzusammenhängendes zudrängen auf den menschlichen geist ... mehr schädlich als förderlich seien Göthe 48, 24 W.; er stand, dasz der bach gegen ihn flosz, sah nur das währende zudrängen und herankommen (des wassers) Anzengruber ges. w. 1, 42.
7) ohne obj. erscheint es erst gelegentlich in neuerer zeit: lustige disputationen, denen alle geistreichen und witzigen gesellen zudrängten Laube 1, 58; mit jener verwegenheit, die leidenschaftlich dem absoluten erfolg zudrängt Nitzsch deutsche studien 36.
 
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zudränglichkeit, f.: zudrenglichkeit und zunötigung Schottel haubtspr. 363. —
 
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zudrängling, m zschr. f. d. wortf. 4, 208. —
 
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zudränglich, adj., ganz vereinzelt: dieses böse vorhaben unserer zudränglichen feinde Menantes allerneuste art höf. u. galant zu schr. (1718) 543. —
 
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zudrängung, f. Bucholtz Herkuliskus 1, 838.

 

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