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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zuckmantel bis zudämmern (Bd. 32, Sp. 315 bis 317)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zuckmantel, name verschiedener örtlichkeiten meist in Bayern, Franken und dem östlichen Mitteldeutschland, am bekanntesten die stadt Zuckmantel im österr., jetzt tschechischen Schlesien, urkundlich zuerst 1263. ursprünglich bezeichnete der name eine gabelföhre, wie sie als marke und weiser an wichtigen wegscheiden gestanden haben mögen A. Meiche d. geschichtbl. 11, 201 ff. u. 225 ff. (liste solcher namen s. 210—213). deutlich ist der zweite theil, vgl. DWB mädelbaum th. 6, 1427, mändelbaum sp. 1536, mantel, f., sp. 1612, während der erste entweder mit zwick oder mit ahd. zuogo, s. 3zucke, o. sp. 282, zusammengehört. der name ist dann personenname geworden, dabei gelegentlich umgedeutet als 'mantelräuber', so im wortspiel mit der verwendung als ortsname: teutscher nation und bevor des Schwabenlands edelleut und reuter ... sein bey den alten, dasz sie gern auff den Zuckmantel, Struderaw und Schreckenthal ritten, im geschrey gewesen Kirchhof wendunmuth 1, 346 lit. ver.
 
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zuckmücke, f., mückenart Krünitz öcon. encykl. 242, 361; chironome Mozin d.-fr. wb. 43, 1305b. —
 
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zucknote, f.: du dribst eyn seltzam gesang mit vil stymmen, unden usz singestu den tenor, oben usz den discant mit zucknoten Keisersberg bilgersch. 162c. —
 
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zuckscheit, n., wagenscheit, schwengel: ain fürslag mit aim zuckscheit O. v. Zingerle mittelalterl. inventare 21.
 
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zuckung, f. , daneben in älterer zeit, s. bei 1, zückung; gelegentl. bei schriftstellern des 18. jh., z. b. Th. Abbt 1, 150; 6, 133. sonst, neuerdings ausschlieszlich ohne umlaut, vgl. DWB zucken, an das sich auch die bedeutung anschlieszt.
1) das wort erscheint zuerst im 15. jh. in geistlicher bedeutung: raptus zückung vel ein zuck des geists voc. pred. (1486) y 5a; zuckung raptus Diefenbach 484b; zückung extasis nov. gl. 163b. vgl.ent- u. verzückung u. zucken I 2 c. das 17. jh. giebt einige fälle wie zucken I 4 d: zuckung des schwerts Wiederhold (1669) 439a; ohn zückung einiger waffen A. H. Bucholtz Herkuliskus

[Bd. 32, Sp. 316]


110. ähnlich: indem er von mir wegrückte mit schüpffung der armen und zuckung der achseln Th. Gage neue merckw. reisebeschr. (1693) 203. vereinzelt steht die erklärung bei Kramer: zuckung, f., cansamento, scansato 2, 1482a, wie zucken I 3 u. II 3.
2) heute bezeichnet das wort unruhige, krampfhafte, unrhythmische bewegungen, s. DWB zucken II. wie dort ging der gebrauch von bewegungen aus, die durch schmerz oder furcht oder einen krankhaften zustand verursacht werden: in wehrenden solchen tödtlichen convulsionen, zuckungen und schmertzen, wandte sie ihr gesicht ... uber die kleine kinderlein theatr. amoris (1626) 119; und wiewol es bei jedem schnitte schien, als würde er dem marschall die gurgel treffen: gab derselbe ... keine furchtsame bewegungen oder zuckungen von sich Er. Francisci trauersaal (1681) 4, 764; gehet so dann die frucht nicht mit fort, so folgen zuckungen und convulsiones und letzlich der tod gantz gewisz H. Deventer neues hebammenlicht (1704) 254. von da aus hat es sich im 18. jh. erweitert. in der regel wird es als mehrzahl gebraucht.
a) krampfhafte bewegungen bei krankhaftem zustand: das heftigste fieber mit starken zückungen S. v. Laroche frl. von Sternheim 1, 345; (Mignon) brachte die nacht ... unter entsetzlichen zuckungen hin Göthe 23, 173 W.; gichterische zuckungen Schiller 1, 162 G.; epileptische, hysterische z.; in zuckungen gerathen, fallen; in zuckungen liegen. besonders: unter, in z. sterben; die letzten zuckungen des sterbenden, des todes.
b) dann sind es bewegungen bei seelischer erregung: geistliche zuckungen Lichtenberg verm. schr. (1801) 3, 134 (ähnl. Herder 3, 134 S.); zerarbeitet sich mit dem kopfe, ... dem körper, wie ihr manchmal im concert spirituel Ferrari oder ... einen andern virtuosen in solchen zuckungen gesehen habt Göthe 45, 36 W.; zuckungen liefen über stirn und mund Jean Paul 45 bis 47, 365 Hempel.
c) es ist die innere erregung selbst: nach den zuckungen deiner erhitzten ... einbildungskraft Klinger w. 3, 174; die natur erschuf sie (das weib) im sprunge, in fieberhafter zuckung 1, 407; die zuckung des mitleidens Jean Paul 7—10, 393 Hempel; die schicksale und zuckungen, denen das einsamste und stillste leben verfällt, welches musze hat und in der leidenschaft des denkens verbrennt Nietzsche 4, 321.
d) es wird übertragen auf die erschütterungen des geschichtlichen lebens: die vulkanische bewegung in Frankreich ..., deren feurige und blutige zuckungen noch nicht gestillt sind E. M. Arndt für u. an s. l. Deutschen 2, 83; eine jener .. naturen, die in tiefer stille ... alle zuckungen der vaterländischen geschichte mit empfinden Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 101; die revolutionairen zuckungen Hebbel br. 4, 118. so liest man oft von den letzten zuckungen eines geschichtlichen zustandes: wenn auch dann und wann der alte hader in einzelnen zuckungen aufflammte Ranke 4, 248; Margaretas vater hatte mit den letzten furchtbaren zuckungen des hinsterbenden heidenthums zu kämpfen Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 222; die letzte zuckung des ersterbenden kunstsinns Fr. Schlegel s. w. 5, 57. umgekehrt auch einmal etwas beginnendes: als die ersten zuckungen des wieder erwachenden lebens sich verspüren lieszen Immermann 6, 170 Hempel.
e) natürliche reizwirkungen: die fähigkeit, auf reize zuckungen zu erregen, erhält sich in den getrennten nerven länger Sömmerring bau des menschl. körpers 6, 721; galvanische zuckungen.
f) solchen zuckungen ähnliche bewegungen, besonders des lichtes: die zuckungen zweier kleiner magnetnadeln A. v. Humboldt kosmos 1, 185, des secundenzeigers grafen zu Stolberg 6, 49; zuckungen der flamme, des blitzes; (der zaunkönig) zittert (beim singen) mit dem schnabel .. in gleichförmig mit dem abstoszen der töne harmonirenden zuckungen J. A. Naumann naturgesch. d. vögel 2, 2, 733.

[Bd. 32, Sp. 317]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zuckwandel, m., geldbusze für unrechtmäsziges zücken des schwertes Lexer 3, 1168. —
 
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zuckwerk, n., dass. wie 2zucke, ziehpumpe Frisch 2, 484a. —
 
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zuckwerker, m., weinzieher Schmeller 22, 1084. —
 
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zuckwind, m., stoszwind J. H. Voss antisymb. 1, 261.
 
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zudämmen, v., älter zudammen, zuthämmen, mnd. todammen Schiller-Lübben 4, 558b, ein gewässer durch einen damm versperren, s. o. sp. 156 4, 157 c: die bogen, bisz ohn einen zuthämen, damit das wasser die brücken nit umbstosse Kirchhof discipl. milit. 38; anno 1424 hat man den alten Elbing zuthämen wollen P. Himmelreich Elbinger chr. 40; die stimmung, die ... bei einem Mainzer den Biebricher als einen rechtlosen ausländer betrachten liesz, dem man den hafen zudämmen könnte Bismarck polit. reden 4, 129. dann 'zuschütten, mit erde und steinen verstopfen': die wälle ... wurden abgetragen, die stadtgräben zugedämmt A. F. W. Crome selbstbiogr. 154; aus einem gartenteich .., der nachmals zugedämmet ist Storm 3, 235; den gang kan man ... innewendig zuschlagen und zudammen D. Speckle architectura von vestungen (1599) 47a.
 
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zudämmern, n., eintritt der dämmerung: abends bei'm zudämmern (plattdeutsch empfunden) Hebbel tageb. 1, 37.

 

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