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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
züchtigung bis zuchtkind (Bd. 32, Sp. 272 bis 273)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) züchtigung, f. , mhd. zühtegunge mhd. wb. 3, 941b; Lexer 3, 1172, castigatio Frisius 196a; domatio 447a.
1) ausübung der zucht zum zweck der sittlichen und geistigen besserung: denn alle schrifft von gott eingegeben, ist nütz zur lere, zur straffe, zur besserung, zur züchtigung in der gerechtigkeit 2. Timoth. 3, 16; väterliche züchtigung Stieler 2630; sich eine widerwärtigkeit zur zuchtigung dienen lassen Kramer 2, 1481b. besonders die von gott kommende: wer gott dienet, der wird nach der anfechtung getröst, und aus der trübsal erlöset, und nach der züchtigung findet er gnade Tobias 3, 22. allgemeiner vom schicksal: vielleicht dasz es ... beispielloser züchtigungen bedürfte, bis ... aus der innersten tiefe des nationalen lebens unter noth und drang der keim eines neuen groszen gemeinsinnes entwickelt war Häusser d. gesch. 2, 548.
2) es bezeichnet nur die harte ausübung der zucht: die züchtigung von deiner vätterlichen hand ist mir eine herrliche artzeney wider die eytele welt-liebe Moscherosch insomnis cura par. 96 ndr.; ein frommer schüler kann über die züchtigung seines treuen lehrers weinen, aber nicht zürnen Lessing 13, 220 M.
3) es bezeichnet die empfindliche strafe als vergeltung: wie schön ist es, wann einer weisz, in wem ... die züchtigung der verdammten ... bestehet Abr. a S. Clara mercks Wien 83; was nirgends taugen will, läuft zu den soldaten, oder wird ihnen zur züchtigung übergeben Lauckhardt leben u. schicks. 3, 263. so spricht man von wohlverdienter, angemessener, derber, guter, scharfer, exemplarischer, öffentlicher, schimpflicher züchtigung, umgekehrt von gelinder züchtigung, in fester verbindung amtlich von körperlicher züchtigung.
4) züchtigung allein ist körperliche züchtigung oder auch miszhandlung: die jungen edelleute wurden .. für jedes versehen mit der strengsten ahndung, ja züchtigung belegt Ranke 27, 151; statt dasz es ... mit der ausgestreckten linken eine züchtigung abwehrte Welcker alte denkmäler 1, 393; die wange .., deren weiches fleisch die spuren einer züchtigung wies Viebig das schlafende heer 1, 204.
5) von gewaltthätiger niederwerfung von rebellen oder äuszeren feinden: kaiser Friedrich III. hatte beschlossen, der letzteren stadt (Antwerpen) ... eine züchtigung angedeihen zu lassen Moltke 2, 17; an eine züchtigung der Russen war nicht zu denken, so lange ein weit gefährlicherer feind noch in der nähe war K. Fr. Becker weltgesch. 9, 508.
6) kasteiung: züchtigung des fleisches, kloster-züchtigung Kramer 2, 1481b; züchtigung des leybs Eberl. v. Günzburg 2, 112 ndr.; an busübungen und züchtigungen fehlte es auch nicht Pfeffel pros. vers. 2, 6.
7) von literarischer kritik, bes. im 18. jh.: allein seine schriften waren unerträglich, und sein stolz verdiente eine züchtigung Liscow (1739) vorr. 14; die züchtigung schlechter scribenten Gerstenberg schlesw. literaturbr. 178 ndr.; Schellingen ..., von welchem letzteren er (Jakobi) die bekannte wohlverdiente züchtigung erhielt Schopenhauer 2, 15 Grisebach.
8) säuberung, durchfeilung des stils: ein obenhin gearbeiteter aufsaz, der schwerlich die züchtigung der letzten hand erfahren hat Schleiermacher Platon 2, 265.
9) von thieren, vereinzelt: also hatte der herr bürgemeister ... zwo magere kühe ... aufs dorf hinaus zur züchtigung (zum decken) abgeschicket polit. maulaffe 275.
 
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züchtigungsknecht, m., vormals amtsdiener beim 'bettelhäusle' in Ulm Schmid schwäb. wb. 292. —
 
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züchtigungskrieg, m. Schleiermacher s. w. 12, 279. —
 
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züchtigungsmaszregel, f., körperliche züchtigung Pestalozzi 3, 419. —
 
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züchtigungsrecht, n., recht der körperlichen züchtigung handwb. d. staatswiss.2 4, 985,

[Bd. 32, Sp. 273]


väterliches z. Kotzebue sämmtl. dram. w. 23, 239. —
 
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züchtigungsstrafe, f., körperliche züchtigung Zinzendorf kl. schr. (1740) 491.
 
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zuchtjahr, n. 1) pflanz- und erntejahr: demohnerachtet beträgt diese eine metze in den drey zuchtjahren ein tausend fünf und neunzig metzen d. schles. landwirt (1771) 2, 30. 2) erziehungsjahr: dasz seines vettern ... sohn ... noch in den zuchtjahren ... war Stumpf Schwytzerchron. (1606) 241a. beides nicht mehr üblich.
 
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zuchtjungfrau, f., züchtjungfrau, zuchtjungfer. 1) mädchen zum persönlichen dienst einer vornehmen frau, welche ihr bei tisch aufwartet und sie drauszen begleitet, vgl. DWB folgemagd, DWB zofe: desgleichen liset man, wie die königin Ester sich lehnet auff ihre züchtjungfrauwen, wenn sie daher gehen wolt G. Wicelius annotationes (1536) 128a; dasz gemeldte Elisabeth ... mit iren zuchtjungfrawen gen Arenshaug zoch Binhardus thür. chr. (1613) 219; es wollen alles junckern und züchtjumpffern sein und sol schier schande sein, eine dienstmagd genennet werden M. H. Roth catechismi pred. 2 (1574), 117a. 2) mädchen, welche der braut bei der hochzeit dienten, vgl. die stelle aus Amaranthes bei züchterin: so wollen wir mit diesem psalm umbgehen, gleich wie die zuchtjungfrawen auff der hochzeit mit ihren rosen und blumen V. Herberger trawerbinden 2 (1612), 159. in neuerer zeit mundartlich in Thüringen, Obersachsen, Lausitz O. Ludwig 2, 481; Müller-Fraureuth 2, 714; Anton Oberlaus. wörter 4, 3. eine verkürzung davon ist züchterin, dazu züchter, über deren dienst s. Schweinichen 255 f. Österl., und weiter das verb. züchten.
 
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zuchtkammer, f. 1) kammer, wo etwas gezüchtet wird: an jenem tage des grauens, da nicht nur meine zuchtkammer ..., sondern überhaupt das gesamte haus von jungen Arions wimmelte H. Löns der zweckmäszige Meyer 78. 2) züchtigungskammer: wann er (der beichtvater) nu dahin kommen, musten die gute andechtige weiblein und megdlein ruten zu ihrem eigenen ars machen, und in die zuchtkammer tragen E. van Meteren hist. beschreib. des niderl. krieges (1614) 1, 386b. —
 
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zuchtkaserne, f.: düstere, stil- und seelenlose zuchtkasernen K. Heucke nächte 250. —
 
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zuchtkind, n., zögling Schweickhart graf zu Helfenstein Basilius Magnus (1591) 605; E. Francisci seellabende ruhstunden (1679) 1, 44; Lichtenberg erkl. d. Hogarthischen kupferstiche 2, 251. nur noch mundartlich Khull 655. —

 

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