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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zuchtel bis zuchtfasten (Bd. 32, Sp. 263 bis 265)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zuchtel, f.
1) mutterschwein Kirsch 404; Kramer 2, 1480c (term. bavar.); Brenner Bayerns maa. 2, 268; Khull 655a; Westenrieder 693: sintemalen sie die

[Bd. 32, Sp. 264]


zuchteln oder mütter insgemein lieber haben als die eber schles. Robinson 2, 361. auch für hündin Khull, dazu zuchteln, v., von den hunden.
2) liederliches frauenzimmer Khull; Westenrieder; Hügel 199; Reinwald henneberg. idiot. (1793) 203; Schmid schwäb. wb. 551: eine saubere zuchtel Kramer 2, 1480c;

Eva, du lose zuchtel,
du machst ein schlimme sach!
Göthe 38, 499 W.


 
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zuchten, v., ahd. zuhtôn nutrire Graff 5, 618, mhd. zuhten sich mit zucht benehmen mhd. wb. 3, 941b; Lexer 3, 1172; bel. aus mon. boica 3, 369 bei Westenrieder 693. früh mit züchten vermischt, vgl. bei züchten 5, nun ausgestorben. gelegentlich mit anlehnung an zucht erneut: an dem schlamm und moder worin es (das ungeziefer) zuchtet J. J. Engel schr. (1802) 3, 133. ma. 'begatten' in Wien Hügel 199b.
 
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züchten, v. , ahd. zuhten, mhd. zühten, s. b. zuchten. ältere nebenformen zeuchten Dasypodius (1537) 251b, zichten oft bei Luther z. b. 15, 167 W.
1) von der planmäszigen züchtung bestimmter arten von thieren oder pflanzen, heute die herrschende bedeutung, nicht bei Stieler 2629 und Frisch 2, 483b: räben in ein boum züchten oder pflantzen Frisius 113a (ähnl. 882b); vieh, schweine etc. züchten Kramer 2, 1480c; auszerdem züchtet man in England zum fahren eine reihe verschiedener ponyschläge Schwerz prakt. ackerbau 679; er (der pastor) züchtet bienen und blumen Fontane I 7, 49. übertragen auf menschen: wir züchteten schon damals das offiziersmaterial ... in einer vollkommenheit wie kein andrer staat Bismarck ged. u. er. 1, 23 volksausg., auf anderes: der mit den täglichen zwei kreuzern .. gezüchtete sparsinn Rosegger sünderglöckel 76. früher 'erzeugen': kebsweyber ... ausz denen hat er vil söhn und töchter gezüchtet Stumpf Schwytzerchron. 229b.
2) intr. von thieren sich begatten, vermehren Hügel 199b; Loritza 148b; Stalder 2, 477; Keller beytr. z. e. id. d. Thür. waldgebirges 49. s. beleg bei zuchten.
3) im selben sinne sich züchten 16. u. 17. jh. Stieler 2629, auch von menschen: denn bey denen (thieren) findet man allewege einen mann und weib, .... die sich ... vergatten, zichten und mehren Kirchhof wendunmuth 3, 340 lit. ver.; weyl Christus aus Abrahams samen verheyssen war, ..., msten zu ehren diszem samen alle Juden ehlich werden und sich zichten, bis das er kam Luther 12, 97 W.
4) den bart züchten 'wachsen lassen' Frisius 151b; haar züchten Maaler 524a; Stumpf Schwytzerchr. 59a.
5) 'züchtigen', 'erziehen': ubel gezüchtet male moratus Frisius 796b;

welche elter ire kindt,
so sy jung gelersam sindt,
nit biegen, ziehen, leren, züchten
Th. Murner narrenbeschw. 17 ndr.;

nicht mehr üblich.
6) 'enthaltsam sein in speise und trank', wie zucht III: sie zeigen aber zwey stück an: eins, das sie haben gefastet, das ander, das sie gezuchtet haben, das ist: sich enthalten von guten bissen und niedlicher speise und tranck Luther 23, 590 W.; am tisch züchten ('kleine bissen zu sich nehmen') Kramer 2, 1480c; 'faire la petite bouche' züchten, prangen Duez (1652) 103, s. DWB prangen th. 7, 2066, 6.
7) allgemeiner 'sich züchtig betragen', 'sich zieren' Kramer; Ludwig 2607: last uns auch die liebe jungfrauw Maria anschawen, die war lang nicht so klam, dasz sie nur züchten, prangen, und nichts arbeyten, sondern leise einher tretten, und sich sehen lassen wolte J. Westphal (hoffarts teuffel) theatr. diabol. (1569) 486b. vgl. DWB prangen th. 7, 2066. daher die ndl. deutung züchten ontveinzen, verbergen Kramer-Moerbeek deutschholl. (1768) 437b.

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8) züchten, züchten gehen das brautpaar feierlich geleiten, mundartlich in Mitteldeutschland von Hessen bis Schlesien in z. th. abweichender anwendung, z. b. vom geleit der gevattern, früher auch in der literatursprache, Vilmar 472; Crecelius 937; Reinwald 203; Spiesz 292; Hertel 264; Schott d. land- u. stadtrechte 1, 134 f. (stadtr. v. Zittau 1567); zschr. d. ver. f. volksk. 3, 148 (aus Schlesien); Stieler 2629; Kramer 2, 1480c; Steinbach 2, 1105; nicht bei Adelung. das verb hat diese bedeutung von worten wie züchterin, zuchtmagd, zuchtjungfrau übernommen, s. d. letzte wort.
 
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züchter, m.
1) züchter von thieren oder pflanzen, wie züchten 1. diese jetzt herrschende bedeutung ist jung und fehlt in den älteren wbb. dazu zss. wie züchterverein u. ä.
2) zu züchten 2 und 3. zuhtare proles Graff 5, 619, das junge eines vogels Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich v. 10 896; züchter selbstgezogenes hausthier Lexer kärnt. wb. 267.
3) erzieher: pedagogus züchter oder lerer W. Brack (1488) b 2b.
4) zu züchten 8, zuchtjungfrau u. ä.: paranymphus Stieler; Steinbach. auch taufzeuge, dazu zuchterpate Hertel 264.
5) Luther übersetzte anfangs den nazir mit züchter, dafür später verlobter z. b. 4. Mose 6, 13, s. zschr. f. d. phil. 22, 328; 336.
6) in Straszburg waren die sieben züchter ein besonderes gerichtscollegium von rathspersonen Schrader d.-fr. wb. 2, 1687. vgl. DWB unzüchter polizeirichter Tappolet alem. lehnw. 1, 44; 2, 18.
 
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züchterei, f.: stutereien und züchtereien von rindern E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 2, 368.
 
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züchterin, f.
1) weibliches thier zur zucht Mynsinger v. falken, pferden u. hunden 17 (vom falken); Rosegger I 4, 294 (vom schwein).
2) brautjungfer, s. DWB züchten 8 und die nachweise dort aus den wbb.: züchterinnen oder zuchtjungfern, heissen an etlichen orten diejenigen zuvorher ausgesehenen und gebethenen jungfern, so der braut über der tafel beystehen müssen ... auch .. diejenigen jungfern und guten bekannten .., so eine gevatter stehende jungfer mit sich zugleich zu dem gevatter-essen .., als eine gute freundin zu bringen pfleget Amaranthes 2166. thüring. zuchteren, zuchterige pedissequa Rückert Ködiz von Saalfeld 116.
 
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züchterisch, adj. zu züchter 1.
 
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zuchterwegen, adj.: offen-gemeyne zucht-erwegne schandpreckin Fischart philos. ehzuchtbl. 275 Hauffen.
 
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zuchtfähig, adj., von thieren zur zucht, früher 'erziehbar', 'folgsam' Kramer 2, 1480a; Ludwig 2607. —
 
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zuchtfarbe, f.: die rote zuchtfarbe im angesicht anmütiger weisheit lustgarten 660. —
 
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zuchtfasten, n. Artomedes chron. v. Augspurg 1, 266, vgl. DWB züchten 6. —

 

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