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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zublicken bis zubringen (Bd. 32, Sp. 249 bis 250)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zublicken, v. Campe 5, 585b, literarisch, zumeist poetisch. 1) intr.: wie sie uns zublickt! Hippel lebensläufe 3, 2, 124;

dem stillen hause. blick' ich zu
Uhland 1, 24.

2) trans.: wenn ein blick gen himmel dem vater so vieler kinder anbetung zugeblickt ... hat Lavater phys. fragm. 2, 32; Hildegard blickte dem fürsten zu, dasz die rolle anfinge ihr beschwerlich zu werden Heinse 5, 258. —
 
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zublinken, v. 1) wie zublicken:

dir blinken deine drachen mit klugen augen zu
Göthe 17, 44 W.;

ihr, die einst grüszend hat ihr blick durchflogen,
und leben euch leblosen zugeblinket
Rückert 1, 346.

2) mit den augen ein zeichen geben; weshalb Vowinkel dem freunde zublinkte, die sache fallen zu lassen Fontane I 6, 358. 3) die augen schlieszen: ich sah manch stolzes haus, das die augen über deine abkunft zugeblinkt hätte Göthe 11, 96 W.
 
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zublinzeln, v. 1) kurz anblicken: scheint die sonne, so sehe ich nur diese gelben augen, wie es mir zublinzelt (das gold) Tieck

[Bd. 32, Sp. 250]


4, 234. 2) heimlich anblicken u. zeichen geben: die bauern blinzelten einander verstohlen und schmunzelnd zu Ebner-Eschenbach 4, 218; 'jetzt hilft dir nichts mehr', blinzelte der Sandhock dem kleinen zu Rosegger I 7, 105; die frau blinzelte ihr standhaftigkeit zu Gutzkow zauberer von Rom 1, 327. —
 
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zublinzen, v. 1) kurz anblicken: dumm wie es schafen zukomt, gehen wir (weiber) heran ... blinzen ihm (dem mann) zu Hermes Sophiens reise 2, 221. 2) verstohlen sich ansehen: connivere durch die finger sehen, zublintzen Corvinus (1646) 593; 'mit höflichkeit?' wiederholte Hummel und blinzte dem vertrauten schlau zu G. Freytag 6, 128. 3) das auge, um etwas nicht zu sehen, zuschlieszen: es würde für eine unhöflichkeit gehalten werden, wenn man ... hell sehen, wenn die gantze gesellschaft die augen zublintzet, oder nach der meisten art nicht mit sündigen wolte der beschirmete von dem seelenfrieden (1685) 310; diesen (augapfel) befeuchten die augenlider im zublintzen Am. Comenius janua iv ling. (1644) 70;

geh ich vorbey am rabensteine,
so blinz ich nur das rechte auge zu
Schiller 2, 89 G.


 
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zublitzen, v.: rechts blitzte uns zwischen pfeilern noch das tageslicht zu Rosegger II 12, 342. —
 
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zublühen, v.: die luft irrte trunken durch den baum, der sich über den vier freunden wölbte, sein wunder dem himmel zublühend H. Watzlik o Böhmen 5.
 
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zuböhnen, v., bergmannswort: denn man unter den tieffen stoln .. ein tieffstes angetroffen, dasz mit allem und sonderlichen fleisz zugebönet gewest Hardanus Hake bergchronik 13. s. DWB zubühnen.
 
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zubreisen, v., zu mhd. brîsen: substringere colum unden zstrengen oder zbreysen Frisius 1259b; ipso oris pressu mit dem zbreysen und zschlieszen 1055a. —
 
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zubrennen, v. 1) eine wunde durch brennen schlieszen Adelung, Campe: Herkules ermattete schon, als Jolaus ... mit feuerbränden nach jedem hiebe Herkules die wunde zubrannte K. Fr. Becker weltgeschichte 1, 144. 2) einen meiler bei verschlossenem feuer brennen lassen Campe 5, 885b; Jacobsson 4, 722b. 3) erze 'rösten' Junghans f 3d; Karmarsch-Heeren 73, 409. —
 
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zubrett, n., bergm. Veith 597.
 
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zubringen, v. , mhd. zuobringen mhd. wb. 1, 251b; Lexer 3, 1181.
1) räumlich, etwas an einen ort oder zu jemand hinbringen: und begaben sich straks in ihre kutzsche, die ... sie nach den seehügeln zubringen solte Zesen rosenmand 161; warumb liess Noah eben eine taube auss der archa, die im einen ölzweig zbrachte? Heyden Plinius vorr. 3a; sie brachten mir durchs fenster einige burgunderflaschen zu Schubart leben u. gesinnungen 2, 55. nicht mehr üblich, vereinzelt für heutiges beibringen: materiam criminibus suis suggerere zeüg zbringen Frisius 1265a.
als besondere verwendungen haben sich herausgebildet:
a) vom zuführen einer braut, eines mädchens, was in die bedeutung 'kuppeln' übergeht, vgl. zubringer und zubringerin: die Clara Cerventa ... (ist) ihrem breutigam .. zugebracht und beygelegt worden J. Barth weiberspiegel e 3a; da war ihm (dem alten David) zugebracht Abisag von Sunem Schumann nachtbüchlein 67 Bolte; wiewol mans yetzt nit heysst kuplen, sonder man heysst es zbringen fein glimpflich 326.
b) im technischen gebrauch: eine hölzerne rinne ..., die das nöthige wasser einer ... mühle zubrachte Göthe 33, 6 W. (vgl. zubringer); die durch das transportband zugebrachten lumpen Muspratt chemie 6, 1475. dazu zubringekasten, zubringepumpe u. ä.
c) briefe, nachrichten zustellen, besonders heimlich oder mit schwierigkeit: welcher im ein lutherisch büchlin zbringt, tht im sonder dienst Eberlin v. Günzburg 2, 92 ndr.; sie sinnete unter der predigt hin und her auf mittel, Tamiro einen brief zu zubringen Riemer pol. maulaffe 14. so heiszt zubringen geradezu 'mittheilen':

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Adelmunde, welcher das geschrey den tod ihres vaters zugebracht hatte Lohenstein Arminius 2, 701b; als ich das alles gehört hab' — denn es ist mir alles zugebracht worden M. Meyr erzähl. aus d. Ries 1, 509.
2) zu dem 'hin' tritt die vorstellung des 'hinzu': das zugebrachte vermehrt den besitz, fördert das dasein oder beeinträchtigt es auch: ich bin richter in allen sachen und hendeln, wann es bringt mir gelt z Hutten 5, 389 Böcking; die annaten, das ist die erstling des järlichen einkommens, die die bischof, äpt, prelaten und andere pfrundenkäufer dem pabst müssen zubringen Fischart bienenkorb (1588) 247b; (dasz er) seinen blättern und augen feinere säfte zubringen müsse Göthe II 6, 38 W.; in welchem (kampf) er ihm zwei so gute wunden zubrachte, dasz der stier von mir abliesz Chr. Fr. Hunold der europ. höfe liebes- und heldengesch. 154. von der widmung eines gedichtes, rührend an die bedeutung 3: der zierlichsten ... Undine ... durch einen neckischen unterhändler zugebracht Göthe 4, 81 W. insbesondere wird es so gebraucht
a) vom mitgebrachten frauengut, der mitgift, in dieser verwendung durchaus lebendig: dotalia bona et dotales fundi was ein weyb einem mann z heimsteur zbringt Frisius 449a (ähnlich 61b); ich hätte es gern gesehen, wenn seine tochter mir ein paar hundert thaler zugebracht hätte Hebbel w. 2, 27; (Eleonore v. Poitiers), die ihm (Heinrich v. Anjou) einen groszen theil des südlichen Frankreich zubrachte Ranke2 14, 35. die mitgift ist die zugebrachte ehesteuwr Stumpf Schwytzerchr. (1606) 25a, zgebracht gt Frisius 247b, das zugebrachte: mein zugebrachtes Leipziger avanturieur 2, 143; jede frau, die da einheiratete, erlebte das ende ihres zugebrachten G. Keller 7, 157. so heiszts auch von kindern: wie ain witib ..., ainen andern man nimpt, der ouch kinder der frowen zuobringet Steinhöwel Äsop 49; meine frau hatte mir einen dreijährigen (knaben) aus ihrer ersten ehe zugebracht H. Laube ges. schr. 1, 356. auch von anderen besitzübertragungen ähnlicher art: hat der abt und ganzer convent des stifts dem rathe daselbst eingeräumt und zugebracht 15 huefe lande J. W. Grote gesch. der stadt Northeim 30.
b) von gewohnheiten, sitten, künsten u. anderen kulturgütern, die eine gemeinschaft überkommt: dies ... alphabet ist ... den Italikern zugebracht worden Mommsen röm. gesch. 2 1, 196; und wurzelte der monolog nicht schon in der natur der sprache ..., er müste uns durch jene völker zugebracht worden sein J. Grimm kl. schr. 3, 297; kameraden .., welche uns neue spiele ... zubrachten E. M. Arndt 1, 35. auch vom gegentheil: würze würden ihren ... körper hinrichten, wie das ihnen zugebrachte tollwasser der brantwein so viele hingerichtet hat Herder 13, 210.
3) vom zureichen des trankes im becher geht die bedeutung über in die des 'zutrinkens', mit und ohne obj., im 17. und 18. jh. allgemein üblich, jetzt veraltet: als .. der churfürst dem burgermeister einmal zubracht, und der burgermeister das glas empfangen solte Zinkgref teutscher nation weisheit (1653) 3, 95;

du (die krystallne schale) glänztest bei der väter freudenfeste,
erheitertest die ernsten gäste,
wenn einer dich dem andern zugebracht
Göthe (Faust 725) 14, 41 W.;

der letzte trunk sei nun, mit ganzer seele,
als festlich hoher grusz, dem morgen zugebracht! (Faust 736).

es, eins, eine gesundheit einem zubringen: seitdem versteht es jeder bei uns zu hause, wenn am schlusse des mahles es der wirth den gästen zubringt: 'und nun noch — Martje Flors!' Storm 4, 16; vom grewel des zubringens Guarinonius grewel der verwüstung 707.
4) etwas zustande bringen, mhd. s. mhd. wb., Lexer, Jelinek 996, jetzt unüblich: wan ich der heiligen lûte mort zubrâchte mit mîme unrechte Hermann v. Fritzlar d. myst. 1, 153; und bringent es z ..., daz in ire liep schapel geben Seuse 26 B.; was sünd und laster zubringt

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und zubereit Paracelsus chir. (1618) 132c. mundartlich wie zurichten: bring das liebe brod nicht so zu Vilmar id. 472.
5) zubringen, mnd. tobringen Schiller-Lübben 4, 555b, hiesz in der rechtssprache etwas rechtsgültig beweisen: daz sal der herre, des das gt ist ader erbe, zbrengen mit briffen ader mit gezugen Wormser recht 16 Kohler; si mogen isz ouch nicht zcbrengen urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. (1450) 1, 425; and sa motma him nawet ma tobrenza (ihn nicht mehr mit eiden beschuldigen) Richthofen afries. wb. 1088b.
6) etwas zudecken, verschlieszen: wie man die fenster, feuerstet und ander heymlikeyt sol zu pringen A. Dürer etl. underr. z. befestigung d. stett e 4a; dasz ... es (das maul) keiner mehr zubringen kundte volksb. v. dr. Faust 84 ndr.
7) arbeit, geld aufwenden, veraltet: der vatter ... besorgte, sie wurden sein gut unnutzlich zubringen Agricola 750 teutsch. sprichw. (1534) t 1a; auch in vorfallenden gemainer stat obligen und nöten ... ir leib, gt und plt zgesetzt und mermalen darob zgebracht chr. d. st. 32, 281. damit zusammen hängt die bedeutung dissipare Diefenbach nov. gl. 138b; 376b, besonders mnd. tobringhen consumere 110b; tobrengen unde verdoen myt brassen, sloemen, theren dilapidare, prodigere (gl. 1500) ztschr. f. d. wortf. 15, 300, was freilich auch als zerbringen erklärt werden kann.
8) mit einem zeitbegriff als obj. wird es sehr mannigfaltig verwandt und hat sich in vielen stehenden verbindungen befestigt. dabei wird immer ein thun oder zustand als ausfüllung eines zeitlichen rahmens gefaszt, zum unterschied von dem sonst so nahen die zeit verbringen th. 12, 175. dieser brauch beruht auf dem älteren des aufwendens, s. 7: dardurch man vil zeyt und unnötiges unkostens zbringt Vogelgesang-Cochlaeus gespräch von d. tragedia Joh. Hussen 12 ndr.; damit er nicht dörffe an einem ding zweimal die zeit und arbeit zubringen Sebiz feldbau 38. besonders:
a) die verbrachte zeit wird entweder als thatsächliches masz angegeben oder als die dem handelnden zur verfügung stehende bezeichnet oder als besonders lang aufgefaszt: über Schaffhausen, wo sie vier tage angenehm zubrachten, reisten sie nach Donaueschingen O. Jahn Mozart 1, 67; er wils haben, das auch dieses leben fein friedlich, stille und eintrechtiglich regiret und zubracht werde Luther 29, 564 W.; er hatte die entscheidenden jahre männlicher jugend ... in Spanien zugebracht Ranke 3, 76; jahre könnte man in der betrachtung so eines wercks zubringen Göthe III 1, 292 Weim. kaum noch üblich vom gegentheil: also habe ich nur noch drei tage von dem leben zuzubringen Gellert 4, 206. einheitliche verbindungen sind geworden: den sommer, den winter, die feiertage und besonders den abend, die nacht zubringen, ferner den rest des tages, der nacht, seine tage, seine zeit, sein leben, die ganze nacht, den ganzen tag, ganze tage, ganze nächte, den halben tag, die halbe nacht, auch die halben nächte zubringen.
b) regelmäszig gehört zu diesen ausdrücken eine angabe der art und weise, wo, wie oder mit wem eine zeit zugebracht wird, s. auch die belegt bei a: sehr schöner tag meist auf dem altan des schlosses. zugebracht Göthe III 2, 265 W.; dasz ihr noch viel jahr mit gesundtheit undt zufriedenheit zubringen möget Elisabeth Charlotte briefe 2, 74 H.; Wilhelm, welcher zwei schlimme tage zugebracht hatte G. Keller 5, 121; des tages haben sie gearbeitet, und die nacht mit dem gebete zugebracht Joh. Arnd nachfolge Christi (1631) 21; Flaccus hatte die nacht damit zugebracht zum straszenkrieg zu rüsten Mommsen röm. gesch. 22, 121; ich lud .. meine nachbarin ein, den nachmittag mit mir zuzubringen L. von François die letzte Reckenburgerin 1, 130.
c) nur ausnahmsweise fehlt die angabe der art und weise oder des ortes: weil der mensch .. nicht allein

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darum sein leben hat, dasz er die jahre zubringen .. sol Weise polit. redner 39.
d) gelegentlich erscheint für das zeitliche obj. ein adv.: wir werden lange auf dem marsche zubringen Chamisso 5, 145; heut will ich in der stille zubringen Göthe IV 5, 4 W.
e) der zeitbegriff haftet so fest am verb, dasz er überhaupt nicht ausgedrückt wird: und ist kein zweifel daran, dasz .... viel jungfrauen in den bäpstlichen klöstern in wahrer zucht und nachttäglichen beten zubringen Reinicke fuchs (Rostock 1650) 131.
f) ganz vereinzelt und veraltet ist refl. gebrauch: dasz wir uns vierzehen bisz sechzehen tag in zurecht-setzung dieses unbillichen handels zubringen muszten Widerhold beschr. d. sechs reisen (1681) 1, 116b.

 

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